Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 10 (1930)
- Issue
- 16 (16.4.1930)
- Date
- 1930-04-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2614053-2614069--3540-2621141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
i \ } \ i { il! stigen Freiheit muß wieder über die Götzen Blut und Eisen siegen, luic es das Bibel-Wort verheißt: „Wohl dem Menschen, der gerecht ist und keine Götzen hat, er wird nicht zum Spott." Herr Rechtsanwalt Heinrich Stern, Vorsitzender der Vereins gung für das liberale Judentum E. B., sprach hierauf kurz über aktuelle Gemcindefragen, indem er insbesondere Len Zweifrontentampf der Liberalen beleuchtete und da» Vorgehen der Liberalen in den Gemeindebehörden an einzelnen Beispielen darlegte. Herr Dr. Alexander schloß die Versammlung mit herzlichem Dank an die Redner und sprach die Hoffnung aus, daß die nächsten Wahlen uns das verlorene Mandat wieder einbringen werden und daß die neugegründete Bezirksgruppe Westen nicht wieder in ihren Dornröschenschlaf zurücksinken, sondern sich neu entsalten werde. Frankfurt a. M. (Konstituierung des V o r st a n d e s des Freisinnigen Vereins.) In unserer am 2. April stattgefundenen Vorstandssitzung hat sich erst der engere Vorstand konstituiert. Herr San.-Rat Dr. Albert Ettlinger hat sich bereit erklärt, den Vorsitz wieder zu übernehmen; Dr. Richard Merzbach, stellvertretender Vorsitzender. Zum Schriftführer wurde gewählt Dr. Fritz Adler, Schillerstraße 20, stellvertretender Schriftführer Richard Schottcnfels. Zum Kassenführer Albert Cohen, stellvertretender Kassenführer Simon Mayer. ★ BÜCHERSCHAU ★ Schalom Asch, Petersburg. 447 8. Verlag Paul Zsolnay. 1929. Der erste Teil einer Trilogie „Vor der Sintflut“. Der 2. Teil wird „Warschau“, der i. „Moskau“ heißen. ln „Petersburg“ werden uns vergangene Zeiten vorgeführt, das Leben der Juden unter dem Zaren. Eine Fülle von Typen wirbelt vorbei, alles Zustandsschilderungen, von einer eigentlichen Handlung kann man nicht sprechen. Aber alles eindringlich und in der Gegensätzlichkeit von Stadt und Dorf, reich und arm, zügellos und fromm bis zu Ende fesselnd. Da ist der berühmte Advokat, den sogar der antisemitische Staatssekretär aufsucht, die beiden jüdischen Gehilfen, von denen einer um die Tochter des Advokaten wirbt, aber die Mutter eigentlich liebt; da ist diese Tochter, die ihrem Schwiegervater mehr zugetan ist als dessen Sohn, ihrem Verlobten. Da ist der Sohn des Advokaten, den jeder wegen seiner Schönheit begehrt, der selbst aber, moralisch schwach, seine eigene Schwester bestiehlt. Da schauen wir in das „Pensionat“, das zum Teil Bordell ist, zum Teil Unterschlupf für .die „Dorfjuden“, die in der Stadt eigentlich nicht wohnen dürfen; die Inhaberin dient in „Frömmigkeit“ dem alten und dem neuen Glauben. Da erfahren wir ebenso von dem zügellosen Leben der Reichen wie von der Unterdrückung der Armen. Aber wir hören audh sehr nachdenkliche Worte über die doppelte Moral so mancher russischen Juden, über die „Logik“, die im Leben des Einzelnen und der Gesamtheit waltet, über die russische Kollektivmoral, über das Wesen „unserer“ Eltern und schließlich über das „Fundament“, das umgestürzt werden muß und wird, damit sich die Zustände in Rußland ändern. So wird „Warschau“ und „Moskau“ schon vorbereitet. Der Verlobte der Advokatstochter reißt sich aus den Armen der Verlobten und aus den Armen ihrer Mutter, aber auch von dem Geld seines reichen Vaters, der heute praßt und morgen armen Juden hilft — los und folgt dem Ruf einer polnischen Jüdin nach Warschau, um dort für seine Brüder zu wirken. Es ist derselbe Jüngling, dem man bis zum 12. Jahre nichts von seinem Judentum erzählt hat und der mm in jener Jüdin seine eigentliche, seine seelische Mutter und in einem Vorsteher, der sich auch im „Pensionat“ wegen irgend einer Sache aufhalten muß, seinen seelischen Vater findet. Er, dieser „Vater“ ist es, der über Logik und Gerechtigkeit spricht, der in dem „unreinen“ Haus nicht beten mag und deshalb in später Stunde auf die Straße eilt und — das einzig Unsympathische des Buches - die Racheworte der Bibel, die auch in der Hagada stehen, über dieses Reich ausruft. Sendet den fälligen Beitrag fii* das S. Quartal I»»« auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum Berlin Rr. 137069 ein. Das Unterhaltsame des Romans wird zur Erschütterung, wenn man bedenkt, daß alles eingetroffen und wie sien alles gewandelt und die Gerechtigkeit wirklich ihren Lauf genommen hat. Rabbiner Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Belehrung und Mahnung. — Aus nachgelassenen Schriften von Rabbiner Dr. Salonton Breuer [Diwre Sch’laumauhj. Erster Teil — Genesis. Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1930. 108 Seiten. Brosch. 4,20 M.; geb. 5,70 M. Homiletische Essays zu den Thoraabschnitten des ersten Buches Mose. Der langjährige orthodoxe Rabbiner der Frankfurter Austrittsgemeinde una Führer der radikal rechtsstehenden Juden Deutschlands hat in einem Buche obigen Titels seine Lebensanschauung in die Form von predigtartigen Darstellungen gegossen. Es kommt uns vor, als ob wir eine Sammluung von alten Midraschim lesen, so mannigfaltig sind die Gedanken, die einem bei der Lektüre von Breuers „Chidduschim“ begegnen. Und doch verliert sich Hei keiner Entwicklung dieser Fülle von Ideen ein Faden, der zielsicher bei jeder Sidrah das Ganze durchzieht. Oft recht geistreich und anregend. — Der Vorzug des Buches liegt darin, daß es nicht ausschließlich dem orthodoxen Juden, sondern auch Andersdenkenden etwas gibt. Breuer hat seine Gedanken zwar als Erbe für Generationen seiner engeren Frankfurter Gemeinde hinterlassen. Ethik ist aber ein Allgemeingut, es gehört jedem Edelgesinnten. Daher lassen sich gerade lebenswichtige Momente nach dieser Richtung für alle aus der Breuerschen Schrift herausschälen. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Be rlin-Lichtenberg. Chaim Bloch: Priester der Liebe. Die Welt der Chassidim. Mit zahlreichen Brief-Faksimiles. Wien 1930 (Amalthea- Verlag). Wie immer man zum Chassidismus stehen mag: in seiner Lehre liegt unendlich viel religiöse Ursprünglichkeit, echte leidenschaftliche Begeisterung für reine Gläubigkeit und in ihr wurzelnde Menschenliebe. Geschickt hat der (durch seine früheren in gleicher Richtung sich bewegenden Schriften) bekannte Verfasser die Sammlung von Legenden der chassidischen Meister unter den Gesichtspunkt der ethischen Größe gestellt. Nicht immer sieht inan die chassidische Bewegung in dieser Auswirkung; im Vordergründe scheint weit mehr der Aberglaube an wunderwirkende Fähigkeiten des „Zaddik“ zu stehen. Auch Chaiim Bloch stellt mit Betrübnis einen Wandel fest: „Die früheren Chassidim waren an die Religion fest gebunden, daher war ihnen der Chassidismus eine aus Religiosität und Geschichte erwachsene Gemeinschaft, Erlebnis und Wirklichkeit.“ ln den Reihen der heutigen Chassidim „verspürt man ganz deutlich Zweifel und Unglauben: viele leben dahin, ohne an Gott, Ewigkeit und Verantwortung zu denken“. Um so wertvoller ist das vorliegende Werk, das den Chassidismus in seiner Reinheit, seiner sittlichen Wahrhaftigkeit festhalten will. Einigen Hundert von Legenden aus dem Leben der berühmten Rabbis hat Bloch, selbst chassidischen Kreisen entstammend, Form und Gestalt gegeben, um sie zu bewahren. Sie sind reizvoll als echte Zeugen einer religiösen Haltung, mit der die heute unter gleichem Namen gehende Bewegung nur wenig mehr gemein hat. Aber gerade darum sind sie mehr als tote Ueberbleibsel: sind lebendiger Ausdruck tief empfundener Frömmigkeit. Einer Frömmigkeit, die bei jedem Schritt die göttliche Gegenwart verspürt und daraus die Aufgabe entnimmt, in allem Handeln und Wollen und Denken Göttlichkeit zu gestalten. Chassidismus in seiner ursprünglichen Form steht vor uns als die Forderung grenzenloser Menschenliebe, die sich gründet auf eine tiefe Durchdrungenheit vom Göttlichen. Dem liberalen Judentum könnten aus solchen Aeu.Gerungen des Chassidismus manche anregenden Kräfte zufließen. Beide gipfeln in der gleichen Anschauung, daß nur d i e Frömmigkeit diesen Namen verdient, die im Herzen wurzelt. Darum auch wird es Grundsatz bei beiden, daß der Jude nicht Sklave der religiösen Formen sein darf. Dennoch gehen die Wege beider weit auseinander, indem der Chassid schließlich im wesentlichen die überlieferten Formen festhält, während der liberale Jude sich von ihnen frei macht, sobald sie ihm innerlich bedeutungsvoll geworden sind; doch dann treffen sich Liberalismus und Chassidismus wieder zu dem gleichen Ziele, wenn ihnen als religiöses Hauptgefühl der seelische Schwung gilt. Und dem verspürt man deutlich genug aus Chaim Blochs Sammlung. So vermag das Buch, trotz der vielfach abweichenden Einstellung, auch dem liberalen Juden viel zu geben. Es wäre zu wünschen, daß der Hauch der religiösen Begeisterung, der a.us ihm weht, sich recht zahlreichen Lesern mitteilt, um sie fortzureißen. Gustav C o h n - Leipzig. vereinsnachrichlen Der Verein zur Unterstützung ar»n«r Lridtragender hält am 28.^ April 1931, abends 8 Uhr, im Versammlungslokal der Synagoge Fasanenstraße 79-80 seine Generalversammlung ab. Im Anschluß, daran findet ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer über das Thema: „Erlebnisse an Ost Afrikas Küste" statt. Gäste sind herzlich willkommen. Ter Reichsbund jiidifcher Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Nord, veranstaltet am Donnerstag, den 17. April, abends 8(2 Uhr, in der Singakademie ein Konzert. Mitlvirlende: Jüdische Orchester- Vereinigung, Dirigent Leo Kopf, Oberkantor Leo Gollanin, Willy Frey (Violine). Der Jüdische Sport-Club (J.S.C.) im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet am Sonntag, den 27. April 1930, nachmittags 4 Uhr, in der Ccntral-TurnhMe, Prinzenstr. 70,. ein Hallen-Sportfesl. Das Programm enthält u. A.: Sprinterdrevkämpfe, Läufe, Handballspiele. Eintrittskarten zum Preise von Mk. 0,60 für Erwachsene und Mk. 0,30 für Jugendliche sind in der Geschäftsstelle, Burgstraße 26, Zimmer 10, 2 Treppen, zu haben. Gäste herzlich willkommen! Spendenliste R.-A. T-r. Baerwald, Frankfurt a. M.; Arnold Stein, Berlin; Bruno Woyda, Berlin; Dr. med. Ludw-ig Dich, Berlin; Landgerichtsrat Dr. Arthur Lilienthal, Berlin; Dr. meo. L. Cohn, Hildesheim; Max Metz, Liegnitz; Otto Bonnitr, Frankfurt a. M.; Alfred Bielschowsky, Breslau; Willy Freundlich, Bresiau; Frau Ella Werner, Frankfurt a. M.; Frau Stephanie Forchheimer. Frankfurt a. M.; Justizrat Kalisch. Breslau; Frau Gertrud Seligsohn, Berlin; S.-R. Dr. Alfred Peyser. Berlin; R.-A. Dr. Tarnowski. Breslau; R.-A. Dr. Arthur Ehrlich, Königsberg i. Pr.; Frau Ruth Stern, Rheydt: R.-A. Tr. Cohn, Bonn; Frau Hanna Cohn- Do rn, Hannover: Dr. meo. Martin Meyer, Stettin: Rab>- biner Dr. Max Weyl, Berlin; Rabbiner Dr. Kober, Köln a. Rh.; Eugen Jacobi, Köln a. Rh.; Rabbiner Tr. Steinthal, Münster i. W.; Frau Ottilie Schoenervald, Bochum; T. Leeser, Dortmund; Kommerzienrat N. Hamburger, Berlin: R.-Ä. Tr. Julius L. Seligsohn, Berlin; Prof. Dr. Faltenheim, Königsberg i. Pr.; J.-R. Tr. Julius Brodnitz, Berlin: R.-A. Fleischer, Schneidemühl; Tr. med. Kurt Fleischer, Berlin: Frau Paula Ollendorff, Breslau; Rabbiner Tr. Caesar Seligmann, Frankfurt a. M.; Kammergerichtsvat Leo Wolfs, Berlin. Geschäftliche Mitteilungen. Tic bekannte Zigarren- und Tadakfabrik I. Neumann A.-G. eröffnet noch rechtzeitig vor den Feiertagen ihre neuen künstlerisch ausgestaltetcn Verkaufsräume Unter den Linden 26, Ecke Fricdrichstraße, gegenüber der Kmnzlerecke. Neumanns Zigarren sind stets beliebt und tvillkommen und eigne» sich gerade zu den bevorstehenden Feiertagen als Festgeschonk. Anzeigenschluß für die nächste Ausgabe vom Mittwoch, den 23. April Dienstag den 22. April» 5 Ahr nachm. r. i u l Reiigionsschuien der jul Reiorm&emeinde lB.JoachlmsttialBPStr.32 Qruneuuald.Delbruckstr.20 Rjohahhlsstr. 16 Steglitz, Friesenstr. 3/a I. Unterricht f. Knaben u Mädchen v. 6 -18 J. II. Einsegnungskursus: Nächste Einsegnung April 1931, Dr. Jelski III. Fortbildungskursus flir junge Menschen IV. Hebräisch: Die Teilnahme ist freigestellt Mli dune auch l, unentgeltlich Anmeldungen im Büro Johannisstr. 16 (Norden 5150), bei Herrn Dr. Lehmann, Fasanenstr.6 (Steinplatz 0324), bei Herrn Dr. Rosenthal, Altonaer Str. 33 (Moabit 1522), bei Herrn Dr. Jelski, Mommsenstr. 64 (Bismarck 514) SdHuachshiniie Dame nehme in meine Familie auf. Habe 22 Jahre eine Erziehungsanstalt für schwachsinnige Kinder geleitet. Wohne in Villa am Walde. Direktor Wild!, Nordhausen (Harz). V ereil* für Feuerbestattung; tu Berlin von 1874, s. V. Term, kostenlose FenerbestAttnnc Staatlich genehmigte wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande Wolfratshausen im Isartal / 580 m über dem Meer (Gründung des jüdischen Frauenbundes, Ortsgruppe München) bildet junge Mädchen »ns »u tüchtigen Hausfrauen and schafft Vrnndlage /.am Wirtschnftfibernf, znn Soslalbernf and znm Lehrberuf Die Schule wird streng rituell geführt. Anmeldungen für das Winterhalbjahr jetz: erbeten. Prospekte durch die Schulleitung. Bleiverglasung, Glasätzerei, Autoschetben Glasversicherung, Spiegelglas, belegt und unbeiegt WILHELM MARCUS Bauglaserei, Glasschleiferei, Spiegelmanufaktur,Reparaturen Berlin S 42. Alexandrinenstr. 97 Fernsprechamt: A 7 Dönhoff 6574 Heidelberg Gebildete Dame od. Herr (Student)find, in gut. jüd. Hause als Pensionär (in) Aufnahme. Eiimner, Häusserstraße 4 WERKSTÄTTEN FÜR GRABMALKUNaT S. WEISS GRABDENKMÄLER U. ERBBEGRÄBNISSE BERLIN-WE1SSENSEE LOTHR1NGERSTR. 8 - TELEPHON WEISSENSEE 407 Annahme W 35, LützowstraSe 44, Telephon: I.Qtzow 960-61 Malerarbeiten Renovierung von Wohnungen, Geschäftslokalen, Treppenfluren und Fassaden. Robert Berlin W 50 Kulmbacher Strasse 7 B5 Barbarossa 6260 Haushaltungsschule der Breslauer Ortsgruppe des J. F. B. im Beate-Guttmann-Heim Eröffnung 1. Mai 1930 streng rituell geführt unter Leitung staatlich geprüfter Lehrkräfte. a) einjährige Haushaltskurse, b) Binzeikurse für Kochen und Hauswirtschaft. Auskunft u. Prospekte durch Frau KSthe Sternberg Breslau 18, Lindenallee 6/8 Ü K IN DER DIELE einzige S&igi jeuner mit einer echten Stradivari! NACHMITTAGS-TEE KOMPL. GEDECK KM 1.25 KAPELLE HUISMAN Caf6Zoo 23029199 5302020000014848020101012353532390539123532300000200000191010148020001025323239123485323234853530130 1446 A.::+.+.+.7++2..+:./^^