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Jüdisch-liberale Zeitung · 1930-04-16 · 16 (16.4.1930) · page 9

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
10 (1930)
Issue
16 (16.4.1930)
Date
1930-04-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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November 1867 beseitigte diesen mittelalterlichen Zopf und im Jahre 1870 ließ sich wieder ein Jude in dm Mauern unserer Stadt nieder, der heute noch unter uns lebende hochbetagte Herr Hammel. Tie im Jahre 1884 gegründete Israelitische Religionsgemeüide zu Planm vermochte erst jetzt, nach Ueberwindung ungeheurer Schwierigkeiten, dm schon seit Jahrzehntm bestehenden Plan des Baues eines eigenen Gotteshauses zur Tat werden zu lassen. Andere Ausgaben, wie die Anlage eines eigenen Friedhofes, sowie Krieg und Inflation veranlaßten die Zurückstellung der Idee der Erschaffung eines würdigen Tempels. * Der Energie und unermüdlichen Ausdauer des Gemeinde- Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalt Dr. Goldberg ist es zu danken, daß er Vorstand und Gemeinderat zu der Ueberzeugung brachte, ein. eigenes Gotteshaus auf eigenem Grund und Boden erstehen zu lassm. Einstimmig wurde Ende 1927 der Bau beschlossen und der als Synagogmbauer bereits bekannte Dipl.-Ing. Architekt Fritz Landauer, München, mit der Bauausführung beauftragt. Landauer bezeichnet sein Werk als „Eick Zweckbau mit idealem und höchstem Zwecke", und wahrlich dieser Bau ist die „Patentlösung" für eine liberale Synagoge mit Gemeindehaus einer jüdischen Mittelgemeinde. Lassen wir hier kurz den Künstler selbst zu Worte kommen: „Unter der offenen Pfeilerhalle führt ein dreiflügeligfeierliches breites Gittertor, eisenbefchlagen, in tiefer Nische ins Haus. Der Eingangsraum ist hell, geöffnet gegen die Halle, von welcher die breite Haupttreppe nach oben zur Synagoge leitet. Tie Raumbreite des Kultraumes beträgt nur 12 Meter. Tie Galerim sind weit nach unten gelegt, was die Höhenwirkung des Gesamtraumes wesentlich verstärkt, dies noch erhöht durch die Geschlossenheit der Oberwände. Der Grundriß zeigt nicht die oft angewendete Zentralform; aber in engstem Rund sind die Sitze der Beter zusammengefaßt, starke Konzentrierung erzeugend um den Ort der gottesdienstlichen Handlung: Almemor, Araun- Hakodesch und Kanzel. Die geschaffene Beziehung aller zu Gottesdienst und Predigt wird vollendet durch eine gleichewertige Sichtbarkeit von allen Plätzen. Tie feierliche Geschlossenheit des Raumes erhöht diesen Ausdruck der Konzentratiou. Das Tageslicht fließt in fein zerstreuter Weise ein, reichliche hell, ohne zu blenden, vor allem durch die beiden 16 Meter .langen Hauptfenster mit ihren farbig gefaßten Holzgitteru." Bemerkenswert ist, daß die Fenster nicht wie bei anderen Gotteshäusern senkrecht angeordnet find, vielmehr liegen sie wagerecht längs der Hauptwand. Dadurch wird erzielt, daß der Raum der Beter hell beleuchtet wird, während der von einer wundervollen dunkelen Kasettendecke aus Holz abgeschlossene Oberraum in leichter Dämmerung gehalten wird. r g, Plauen i. Vogtland. Die Ausschmückung ist schlicht und doch wunderlich anheimelnd. Tie ganze Altarumgebung ist mit Symbolen ans der Geschichte des Judentumes in farbiger Sgrafitto-Technik bedeckt. Der Münchner Professor Lois Gruber hat in feiner Farbenharmonie von Elfenbein, Grau, Rot und Schwarz die Symbole unserer jüdischen Feste in den Wandputz hineingefchnitten. Besonders wirkungsvoll nehmen sich die acht schlanken weißen Stearinkerzen aus, die auf einer von Professor von Werfin, München, entworfenen drei Meter hohen Menorah majestätisch thronen. Elf Meter über dem Almemor befindet sich der mit einem Orgelharmonium ausgestattete Chorraum. Abgesehen von dem vorstehend eingehend beschriebenen Kultraum umfaßt der Neubau noch einen Gemeindesaal mit Gemeiwdoküche, der allen jüdischen Vereinen Heim und Unterkunft bieten soll. Ferner sind die Verwaltungsräume der Gemeinde darin gelegen und schließlich sind an die Eugen-Fuchs- Loge im Orden U.O.B.B. die zwei oberen Etagen vermietet worden. Wem es vergönnt war, am 6. April d. I. der Weihe feier beizuwohnen, wird Leit feines Lebens von diesem Erlebnis beeindruckt bleiben. Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der Oberbürgermeister der Stadt Plauen und mit ihm der Stadtverordneten-Vorsteher sowie je ein Vertreter der evangelischen und kachoiischen Kirche und endlich eine große Anzahl Glaubensgenossen aus Sachsen und Bayern — unter ihnen die Rabbiner von 'Leipzig, Chemnitz und Nordhausen — waren neben den Mitgliedern der Planener Religionsgemeinde erschienen. Nach dem Chorgesang „Wie schön sind deine Zelte, Jacob" ertönte in glockenheller Reine und verinnerlichtem Vortrag das Solo unserer Frau Marie Goldberg „Dir, Herr, sei dies Haus geweiht" von Hummel aus der Höhe des Chorraumes zu der Festesversammlung hernieder. Alsdann überreichte Herr Architekt Landauer dem Gemeindevorsteher den großen Schlüssel des Hauses und würdigte in seiner kurzen Ansprache den Gemeindevorsteher Dr. Goldberg als „Vater des Werkes und Vater der Gemeinde". Hieraus übernahm Tr. Goldberg den Bau in die Obhut der Gemeinde und nachdem er einen kurzen Blick ans die Entstehungsgeschichte des Baues geworfen hatte, dankte er allen denen, die tätig und ratend am Bau teilgcnommen haben. Er begrüßte die Erschienenen. Seine warmen Begrüßuugsworte schloß er mit Dank au Gott, der den Bau ohne jeden Unfall und ohne jede Trübung des Verhältnisses von Bauherrin zu Bauausführenden vorübergehen ließ und sah dies als ein gutes Omen auch für später an. Er ließ seine Worte ausklingen in dem «Spruch, der auch im Eingangspseiler verankert wurde, nämlich daß dieses Haus erbaut sei zu „Gemeinschaftssinn, Erbauung und Frieden". Nachdem in meisterhafter Weise die Arie „Höre, Israel" aus dem Oratorium Elias von Mendelssohn-Bartholdy durch Frau Marie Goldberg vorgetragen worden war, wurden mit besonderer Feierlichkeit sechs Thovarollen durch die anwesenden Rabbiner in den heiligen Schrein gebracht. Zum ersten Mal ertönte aus dem Munde unseres Gemeindekantors I. Wormser das „Schema Jisroel" und die Gemeinde siel tief ergriffen in dieses uralt-ewig neue Glaubensbekenntnis ein. Nunmehr ergriff unser Prediger Heimann das Wort zu seiner Weiherede und zur Weihe des ewigen Lichtes. In seinen tief angelegten philosophischen Betrachtungen bezeichnete er den Bau als eine Stätte des einträchtigen Zusammensindens aller sonstigen Gegensätze, als eine Stätte liebevollen Gedenkens bei allen Anlässen im menschlichen Leben, als ein Haus der Erquickung und des Segens für un» und unsere Nachkommen. Er erflehte Gottes Segen für den Herrn Reichspräsidenten, für das deutsche Volk, die Vaterstadt Plauen und für alle Juden an allen Orten der Erde. Nachdem Chor und Kantor die „Teutsche Keduschah" von Lewandowsky zum Vortrag gebracht hatten, folgte eine lange Reihe von Ansprachen. Als erster üb erb rächte Herr Rechtsanwalt Dr. Salinger-Dresden die Glückwünsche des Verbandes der sächsischen israelitischen Gemeinden, in dem Wunsche gipfelnd, daß Frömmigkeit Gottesfurcht und Menschenliebe in diesem Hause herrschen möge, dessen Erbauung nicht nur lokales Interesse, sondern Bedeutung für alle liberalen Juden habe. In Vertretung des Präsidenten des Verbandes bayrischer israelitischer Gemeinden überbrachte Sanitätsrat Dr. Masur-Coburg die Wünsche der bayrischen Glaubensgenossen und hob insbesondere die schicksalsmäßige Verbundenheit der nordbayrischen und wrftfächsischen Judenheit als gemeinsames Bollwerk gegen Angriffe von außen her hervor. Ihm folgte in besonders herzlicher Weise Herr Lehrer Weil aus Hof im Namen der Hofer Nachbargemeinde. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und die Ortsgruppe Plauen der Vereinigung des liberalen Judentums ließen durch den Mund ihres ersten Vorsitzenden, Landgerichtsrat Dr. Egon Löwenthat, Gruß und Wünsche überbringen. Das Gleiche tat Herr Leopold Lehmann für die Eugen-Fuchs-Loge. Unser hochverehrter langjähriger früherer Gemeindevorsteher Herr Josef Kaufsinann-Berlin gab tiefbewegten Herzens kund, daß mit der Vollendung einer liberalen Synagoge in Plauen der seligste Wunsch seines Lebens erfüllt worden sei. Nach ihm ergriff Pfarrer Straube für die evangelische Konfession und Lehrer Wels für den katholischen Kirchenvorstand das Wort, um darzutun, daß wahre Religiosität ohne Unterschied der Konfession von allen Gläubigen gleich geachtet werde. Zum Schlüsse sprach im Namen des sächsischen Rabbinerverbandes Rabbiner Dr. Goldmann-Leipzig in kurzen, aber umso inhaltsreicheren Ausführungen, indem er von der Vergänglichkeit alles Lebenden ausgehend darauf verwies, daß dieser Bau, entstanden und gttvollt trotz der Not der Zeit, auch ferneren Geschlechtern Kenntnis geben wird von einem opferbereiten und auf sein Judentum stolz seienden Judengeschlecht. Mit herzlichem Danke des Gemeindevorstehers Dr. Goldberg, der sich an alle Redner, ganz besonders aber an die Vertreter der evangelischen und katholischen Konfession wandte und deren Ausführungen er als eine Versöhnung mancher konfessioneller Gegensätze begrüßte, beschloß der Chorgesang mit dem „Halleluja" von Lewandowsky die eindrucksvolle Weiheseier. Nicht zuletzt auch ist noch der Firmen und Handwerker zu gedenken, die sich am Bau unter Aufsicht der örtlichen Bauleitung, des Herrn Baumeister Herbert Zipfel, beteiligten. Die im dunklen Holz gehaltene Kassettm-Decke, der der ganze Raum nicht zuletzt eine wundervolle Akustik verdankt, wurde von der Firma Herrmann Baumgärtel in Plauen geliefert. Sämtliche hygienische Anlagen waren der Firma Otto Giegling übertragen und die Firma Paul Hopf in Plauen hat die Glaserarbeilen ausgesührt. Eine besondere Sehenswürdigkeit bietet auch die Dampfluftheizung und Lüftungsanlage, die nach modernsten Grundsätzen von der Vogtländifchen Zentralheizungssabrik I. Thienel, Plauen, ausgestellt wurde. Herr Dekorationsmaler Jonas Glück war bis zum letzten Augenblick eifrig an der Ausschmückung des Hauses tätig, während die Firma Schmidt 8- Misselwitz die Kunststeinarbeiten übernommen hatte. Die Fußböden aus Steinholz sind von der Firma Schneider 6c Metzner ausgesührt worden. In die vielgestaltigen Schlosserarbeiteu teilten sich die Herren Albert Werner (Messinggeländer), C. Edwin Michael (Blitzschutz- I anlage), Paul Biedermann (Patenttürverschtüsse) und Ethiko An dem Bau der Plauener Synagoge beteiligten sich die Firmen: Firma Herrmaiin Baumgärtel Baumeister Plauen i. V. Neuendorfer Strasse 25 führt alle Erd-, Maurer- und Zimmer-Arbeiten, sowie Tischler- und Glaser-Arbeiten in solider Weise aus. Deutsche - eereoiit - steinhoizuierKe Schneider & metzner Plauen i. V., Kontor Albertstr. 30, Ruf 2077 Spezialfabrik für fugenlosen Fussboden u. Korkestrich Abt. Dng. W. Baumgart Chemnitz / Sa. Holzmarkt 10 Plauen / Vgtl. Wettinstr. 1 a Ausführung elektr. Licht- und Kraft- Anlagen jeden Umfanges. Installation der elektrischen Anlage Synagogen-Neubau Plauen i. Vgtl. FemspreBh ■ Eiebnscite nrm jeden Umfanges. H. Fuld & Co. leleloH- «id Tdegrapheniuerhe Aktiengeseilschatl, FranKlurt a. Hlaln Vertretung für das Vogtland: Vogtländische Telefongesellschaft m. b. H., Plauen i. V., Lessingstraße 80, Telefon 2884 und 3650. 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