Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1929-08-21 · 34 (21.8.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
9 (1929)
Issue
34 (21.8.1929)
Date
1929-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2614000-2614034--3254-2620822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

auch wir sind der Meinung, die Hinzuziehung von Nichtzionisten bedeute eine Verwässerung des Herrschen Zionismus; doch ist schließlich die Widerlegung dieser Meinung Sache derer, die für die derzeitige zionistische Politik verantwortlich zeichnen. Behauptet aber die zionistische Opposition, die Zionisten in der Agency seien keine rechten Zionisten, so behaupten wir, die Nichtzionisten in der Agency sino keine rechten Nichtzionisten, und wir berufen uns dabei keineswegs nur au,-'den eingangs zitierten Satz aus der „Jüdischen Rundschau". Vielmehr berufen wir uns zunächst auf einige prominente Zionisten: Tr. A. Hantke, Direktor des Keren Hajessod, aus dem Zivnistenkongreh: „Die jüdische Gesamtheit hat die Akzeptation der Balsour Deklaration durch die zionistische Belegung gcgenzeichnet. Tie Proteste doktrinärer Gruppen von links und rechts können au dieser Tatsache nichts mehr ändern. Damit ist die Arbeit der Diaspora für das jüdische nationale Heim aus einer Parteiangelegenheit zur Gesamtausgabe der Juden geworden." Tr. Nahum Sokolow, Präsident der Zionistischen Wcltcxelutive, au, oer Agency-Tagung: „Ich bi» kein so schlechter Psychologe, um nicht zu verstehen, daß Sic hergekommcn sind, um die Blum zu hören, die Sir Herbert Samuel und die andern. Ich weiß nicht, ob cs Nichtzionisten oder Zionisten sind. Wir betrachten die Nichtzionisten als Zionll ste». Ich habe hier Reden gehört von Nichtzionisten, die Reden hätten auf dem zionistischen Kongreß gehalten werden können. Die Rede des sogenannten Nichtzionisten, meines verehrten Freundes Marshall, war vielleicht eine zionistischere Rede als die der Zionisten. Er hat uns gesagt, das; ivir unsere Kongresse haben und das; nur noch eine Organisation dazu gekommen sei." Kurt B l u m e ns e l d, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung sür Teutschlano: „Wir »volle» ein Leben in Freiheit in Palästina schaffen und den Beginn der vollen Verwirklichung des von Ihnen akzeptierten Baseler Programms." Alle diese Reden sind unwidersprochen von den sogenaunteu Nichtzionisten angehört woroen: der Saal war mit dem Bilde Hcrzls geschmückt, und die Versammlung schloß, mit Absiirgung oer Hatikwah „Triumph des zionistischen Gedankens". Toi Entwurf der Verfassung enthielt ursprünglich über die zu wählende Exekutive die Bestimmung: „Von den so bestellten Personen sollen die eine .Halste von der Zionistischen Organisation nominierte Personen sein, und die andere .Hälfte sollen Personen sein, die von den nichtzionistischen Mitgliedern des Council nominiert iverden." Ticse Bestimmung ist vom Zionislenkongrest und entsprechend auch von cer konstituierenden Versammlng deS Eouneil wie folgt abgeändert worden: „Von den so zu bestellenden Mitgliedern sollen höchstens eine Hälfte von den nichtzionistischen Mitgliedern des Councils und der Rest von der Zionistischen Organisation nominiert lverden." Auch weist die „Jüdische Rundschau" zu melden, mau habe „sich geeinigt, dast die erste Exekutive aus acht Zionisten und vier Nichtzionisten bestehen soll." UeberdieS aber sei die Exekutive wegen gewisser Schwierigkeiten zunächst noch garnicht gewählt worden. „Bis zur Einsetzung der Agency-Exekutive durch das Administrat'v-Komitee führt jedoch die Zioitistische Exekutive sämtliche Geschäfte der Agency." Triumph des zionistischen Gedankens! Es liegt uns absolut fern, die sogenannten Nichtzionisten in Cer Agency bewußter Heuchelei" oder sonstiger unedler Motive zeihen zu wollen. Wenn aber Oskar Wassermann kürzlich gesagt bat: „Tas jüdische Volk ist ein Kulturvolk erste» Ranges seit alters her"; wenn nun wieder in Zürich Louis Marshall seine Rede mit den Worten schließt, „daß wir eine n 'Gott haben, e i n Volk sind und in einem Geist uns vereinen", so müssen wir mit Sokolow sagen, daß wir die Nichtzionisten von den Zionisten nicht mehr zu unterscheioen vermögen, daß wir nicht verstehen, worin der Nichtzionismus dieser Nichtzionisten besteht! Daß Leute nicht Mitglieder der Zionistischen Organisation sind, genügt nicht, um sie uns als Nichtzionisten zu legitimieren, zuwat wenn wir sic rein zionistische Gedanken aussprechcn hören, wie eie hier wiedergegebenen; zumal wenn sie sich von Blumcnfelü bescheinigen lassen, daß sic das bisher von allen Nichtzio.usteu oer Welt bekämpfte Basler Programm akzeptiert haben; zumal wenn sie oen von allen wirklichen Nichtzionisten bisher abgelehnten Keren Hajessod zu ihrem Hauptfinauzinstrument erklären und Beitragsleistungen au :l)ii zur „heiligen Pflicht" aller Juden machen! Was speziell die deutschen Nichtzionisten in der Agency betrifft, so verstehen wir bei ihnen noch ein weiteres nicht. Wir verstehen nicht, mst welchem Recht sie sich als Vertreter der nichtzionistischen deutschen Judenheit ausgeben. Die wirklichen nichtzionistischen Organisationen haben die Entsendung von Vertretern in die Jewish Agency ausdrücklich abgelehnt. Tie Organisationen uno Großgemcindcn, die daraufhin zur Entsendung von Vertretern in das Jnitiativ-Komstee eingeladen wurden, haben selbst wieder zahlreiche Zionisten unter ihren Mitgliedern. In vielen Fällen haben sich ihre nichtzionistischen Mitglieder an den Wahlen zum Jnitiat'v-Komitee gar n'cht beteiligt. Im Jnitiativ-Komitee nnederum saßen eine Menge Vertreter rein zionistischer Organisationen und zionistische Einzelpersonen. Und die Personen, die schließlich vom Jni tiativ-Komitee als Nichtzionisten in die Agency gewählt wurden, waren z. T. schon Monate vorher von der Zionistischen Organisation hierfür „in Aussicht genommen". Haben sie^.n Recht, sich ^ats Vertreter der deutschen Nichtzionisten zu bezeichnen? Wir bestreiten das aufs Entschiedenste. Und wir können nur lächeln, wenn wir angesichts dieser Tatsachen in der Agency-Berfassung im Artikel 5 lesen: „Die zur Vertretung im Council berechtigten Nichtzionisten der verschiedenen Länder bestimmen ihre Vertreter in einer solchen Weise, wie es in jedem Einzelsall den örtlichen Verhältnissen Annahme von Bestellungen auf die Züdisch-ttberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands Versammlungskalender Oppeln. Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum. Mittwoch, den 28. August 1929, Mittwoch, den 11. September 1929, Instruktions- und Diskussionsabend über die Schrift von Dr. Rabbiner Joseph Norden. Ersten Mittwoch bei Fräulein Heilborn, zweiten Mittwoch bei Fräulein Pfiffer. * Gottesdienste * Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, den 23. d. Mts., 7.15 Uhr abends, Gottesdienst. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonfki. Sonnabend vormittag 10 Uhr Gottesdienst. »erlin-Westend. Liberale Synagoge Westend (Leistikowstraße 7, nahe Reichskanzlerplatz). Der regelmäßige Gottesdienst beginnt wieder am 30. August. Berttn-Wttmersdorf. Liberale Synagoge Wilmersdorf (Cecilienfchiile Rikolsburger Platz). Freitag, 23. d. Mts., Gottesdienst. Pkedigt: Rabbiner Dr. Klein. Gottesdienste an den hohen Festtagen. Der Gottesdienst Wilmersdorf im Atrium ist Ersatzgottesdienst für die nicht vollendete Synagoge Prinzregentenstraße. Kartenverlauf ab 1. September Plätzebürv der Jüdischen Gemeinde, K.D.W. und Tietz, Leipziger Straße. — Die Karten gelten für die Synagoge bis Neujahr 5691. Gottesdienst Westend in der Herderschule, Bayernallee 4. Siehe demnächstige Bekanntmachungen im Inseratenteil. Berlin. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16. Sonntag, den 25. August, vormittags 10 Ahr, Gottesdienst. Predigt: Dr. Jelski. Das Ili-Programm ll ★ Breslau. Jüngeren-Gruppe: Donnerstag, den 22. August, 16.15 Uhr, bei Danziger, Goethestraße 42-44: Unterhaltungsnachmittag. Donnerstag, den 29. August, 16.15 Uhr, bei Silbermann, Gartenstraße 49: Vortragsreihe „Deutsche Literatur" von Heinz Silbermann (Züngeren- Gruppe); 1. Vortrag. — Hauptgruppe: Mittwoch, den 28. August, 20.15 Uhr, im kleinen Zimmer des Kurgarten: Jnstruktionsabend „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums" (letzter Abend). — Gemeinsame Veranstaltung beider Gruppen: Sonntag, den 25. August: Tresfahrt des Breslauer und des Liegnitzer Jlis nach Malisch. Wanderung Maltsch—Leubus (evtl. Dampferfahrt). Treffpunkt um 7 Uhr am Haupleingang des Hauptbahnhofs. Abfahrt 7.32 Uhr. Meldungen bis spätestens zum 23. August. Frankfurt a. M. Dienstag, den 4. September, 20.45 Uhr, „Mendelsfohn"-Heimabend im Sitzungszimmer der Westendsynagoge. Dienstag, den 11. September, 20.45 Uhr, Heimabend. Aussprache über die Nvrdensche Broschüre „Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums". Bestellungen für Synagogenplätze find bis spätestens 4. September an Gretel Adler, Bettinastraße 62, zu richten. Ratibor. Nach kurzer Sommerpause findet unsere nächste Zusammenkunft am Mittwoch, den 21. August, statt. An diesem „Jli-Abend" stehen wichtige Fragen zur Diskussion. (Breslauer und Frankfurter Rundschreiben, Ereignisse in der Bewegung u. a.) vin besten entspricht. Hierbei ivirb als leitendes Prinzip alter fauut, daß die Art der Bestimmung so weit als möglich denio kratischen Charakter haben soll." In dieser Verfassung lesen wir aber auch (Artikel 11, Absatz 2): „Sollte in irgendeinem Falle der Anschein entstehen, daß begründete Zweifel vorliegen, so soll der Council Erhebungen anstellen, um sich über die VertretungSbesugnis der Person oder der Personen, die im Namen der Nichtzionisten irgendeines Landes in Verbindung mit ihrem Beitritt zu dieser Vereinbarung oder mit ihrer Vertretung im Council zu handeln vorgeben, Gewißheit zu verschaffen." Wenn die „Nichtzionisten" in der Agency also ihre Vertreterpslicht erfüllen wollen, so seien sie hiermit aufgefordert, für die deutschen Agency-Mitglieder diese ihnen auferlegken Erhebungen anzuftellen. Sie werden es aber nicht tun, denn sie müßten dann — sich selber absetzen. Das Gleiche gilt übrigens sür die englischen Nichtzionisten. Ihr Vertreter Mr. O. E. T'Avigdor-Goldsmid erinnerte an die Sitzung der englischen Initiativ Konferenz und führte aus: „Jede Schicht und Gruppierung der britischen Gemeinschaft hatte die Möglichkeit, dort vertreten zu sein, und ich habe daher das Recht, Ihnen zu sagen, daß die criveilertc Jewish Agency, da der Beschluß einstimmig gefaßt tvurde, die Förderung des überwältigenden Großteils der englisch-jüdischen Gemeinschaft hinter sich hat." Daß auch in England die wirklichen nichtzionistischen Gruppen gar nicht erst die Jnit'ativ-Konferenz beschickt hatten, so daß diese dann freilich „einstimmig" beschließen konnte, — das verschweigt des Sängers Höflichkeit. Ein kurzes Wort noch über die ö st e r r e i ch isch e n Nichtzionisten. Die „Union deutsch österreichischer Juden", die Schwesterorganisation des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", hat es fertig bekommen, den Züricher Z i o n i ft e n - Kongreß durch einen offiziellen Festartikel in ihrem Blatt feierlich zu begrüßen. In der gleichen Nummer, in der das Blatt solcherart seiner politischen Tendenz untreu wird, wick es auch seiner religiösen Neutralität untreu und bringt einen törichten und taktlosen Angriff auf das amerikanische Reformjudentum. Ueber diese Union berichtet'nun die Jta folgende amüsante Peinlichkeit: Die Union deutschösterreichischer Juden veröffentlichte in der Presse eine Erklärung, ,in der sie „die schärfste Berivahrung" einlegt gegen jeden Versuch, die Jewish Agency als eine jüdisch-nationale oder als eine internationale jüdisch politische Institution hinzustellen". „Die Juden Oesterreichs", heißt es weiter, „lehnen jede nationale Minderheitspolitik entschieden ab." Sollte dennoch die Jewish Agency eine politische Tätigkeit entfalten, so werde die Union ihre Vertreter auS dieser Körperschaft zurückziehen. Als Antwort aus diese Erklärung sandte das zionistische Lan deSkomitec für Oesterreich eine Mitteilung an die Presse, in der cS heißt: „Aus dem Palästina-MandatStext § 4 geht es klar hervor, daß die Jewish Agency ein Instrument zum Aufbau des jüdischen nationalen HeimS in Palästina ist, dessen Errichtung durch den Mandatar (England) und den Völkerbund garantiert ist. ES handelt sich also um eine weltpolitische und nicht um (eine philanthropische Angelegenheit." „ . .. Selbstverständlich bedingt der Eintritt in die Jewish Agency eine Bejahung ihrer Funktion, beim Aufbau des jüdisch nationalen .HeimS in Palästina mitzuhelfen, und die Uebernahme der Mitverantwortung dafür." Auch hier fragen wir: Werden die österreich'schen „Vertreter" der Nichtzionisten der Wahrheit d-e Ehre geben und sich selber absetzen?! Sic werden es nicht tun, und auch die deutschen und englischen werden es nicht tun. Das wenig schöne und vor allem unwahre Possenspiel von der „Einheit und Ein'gkeit des Judentums" wird seinen Fortgang nehmen — bis zum bitteren Ende. Weizmann hat erklärt, die Zion'sten „wollten niemals Palästina für die Zionisten, sie wollten Palästina für die Juden". Uns will scheinen, sie wollten den Zionismus für Jbie Juden. Denn [in seiner Eigenschaft als Präsident der Agency nicht etwa der zionist'schen OrganZation darf er in seiner feierlichen Eröffnungsrede sagen: „Wir glauben, daß in Palästina Möglichkeiten gegeben sind sür die Schaffung eines jüdischen Lebens in großem Umfang, für die Gründung und Sicherung jüdischer Existenzen und zugleich für das Entstehen einer eigenartigen jüdischen Kultur, eines jüdischen Heimatgefühls, das auch für diejenigen Juden, die in andern Ländern leben und deren uneingeschränkte Gleichberechtigung als Bürger dieser Länder unser aller gemeinsame Voraussetzung ist, einen ideellen Wert bedeutet." Die deutschen Nichtzionisten, von denen Herr Wassermann in der „glanzvollen Versammlung" so stolz gesagt hat, die Juden seien jetzt Subjekt der Geschichte, mögen im stillen Kämmerlein prüfen, ob sie nicht vielmehr Objekt des Zionismus geworden sind. Und wenn so viel die Rede war von der Verantwortung, die auch die „Nichtzionisten" für Palästina tragen, so soll hier die Rede sein von ihrer Verantwortung denen gegenüber, die sie zu vertreten behaupten: Was werden sie tun, was Werdens sie vermögen und was versuchen, um die wirklichen Nichtzionisten und ihre Anschauung zu vertreten? Was die Akzeptanten des Basler Programms innerhalb der Agency zur Neutralisierung der Palästina-Kolonisation tun oder versuchen werden? Was auf der ersten Tagung der Agency: Nichts. Was die wirklichen Nichtzionisten tun werden? Was bisher: Für die Emanzipation kämpfen, für die Emanzipation der Juden in allen ihren Heimatländern. George Goetz. »l! Sprechsaal ffftr diese (Rubrik übernimmt dte Echristleitung lediglich dir pr«^ oeiedlicke Deranttvortuaa- Die gottesdienstlichen Verhältnisse in kissingen Kissingen, Rausch chandesch Am, 7. August 1929. Vcrehrliche Schristleitung! Ich nehme Veranlassung, Ihnen auch einmal von hier aus zu schrcibeu, insbesondere da mir das vom jüdischen M e n schlich k c i t S st a u d p u n k t auS dringend geboten erscheint. Ueber das herrliche Bad Kissingen mit seinen vorbildlichen Kurgelegenheiten und sonstigen Einrichtungen etwas Besonderes zu sagen, dürste bei der allgemein anerkannten Bedeutung des weltberühmten Badeortes nachgerade schwer fallen. Um so bedauerlicher muß es dem an Ordnung und ästhetischem Feingefühl gewohnten jüdischen Kurgast erscheinen, wenn er, sei cs auS Gcivohnheit, oder aus einem sonstigen Bedürfnis heraus, gerne einmal zum Gottesdienst gehen möchte. Eine Veranstaltung aber, wie in Kissingen, wo alljährlich Tausende und Abertausende von Glaubensgenossen zusammmenströmen, „Gottesdienst" zu nennen, das ist sür die meisten Menschen aller religiösen Schattierungen ein Ding der vollendeten Unmöglichkeit. Das sagen nicht nur die zahlreichen Liberalen, das sagen mit derselbe» Ehrlichkeit und Offenheit auch viele orthodoxe Juden, die mit den hiesigen gottesdienstlichen Berhältnissen absolut nicht zufrieden sind. Ein vielbesuchter Kurort wie Kissingen müßte ähnlich wie Karlsbad, Wiesbaden usw. mit einem Gottesdienst aufwarten können, der sich sehen lassen kann, entweder mit einem nach beiden Richtungen hin gemäßigten „Einheitsgottesdienst", oder mit je einem gut ansgestatteten liberalen bezw. orthodoxen. Prediger von Qualität müßten da eine Anziehungskraft ausüben, die an jedem Sabbat das Gotteshaus füllt. Es müßte da von aktuellen Dingen gesprochen werden, deren Werte man zu erkennen und anzuerkennen, und deren Bedeutung man über das Gotteshaus hinaus sich selbst anzueignen vermag. Wenn es dagegen möglich ist, daß, wie am vergangenen Sabbat, der Rabbiner im Gotteshaus über „Magenfragen" predigt, indem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.