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Jüdisch-liberale Zeitung · 1928-01-20 · 3 (20.1.1928) · page 4

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lis-chen Kirche gleichfalls Zuschüsse aus der Staatskasse zuzustehen sein. Wir beanstanden deshalb, solange die katholische Kirche mit staatlichen Mitteln unterstützt wird, der Parität tvegcn, die Gewährung solcher gleichfalls an die evangelische Kirche nicht." Aus allen diesen Gründen können wir uns mit dem uns zuteil gewordenen Bescheid nicht zusrieden geben; denn dieser Bescheid versagt uns nicht nur als Juden ein dringendes Recht, er beschämt uns auch als Hessen, weil wir im Lande der sog. Weimarer Koalition hinter zeitgemäßen Auffassungen zurückstchen wie sie in Preußen, Bayern usw. bereits zur Selbstverständlichkeit geworden sind." Me Krisis im Zionismus Bon Ervin S. Acel, PH. T. (Schluß.) Die arabische Gefahr. Druck erzeugt jedoch Gegendruck, und der Handvoll Zionisten steht die gewaltige Macht des Islam gegenüber, unorganisiert, wie sie noch ist. Sogar in Palästina übertreffen die Araber die Juden an Zahl im Verhältnis von vier zu eins, und hinter Palästina liegen ungeheure mohammedanische Lander, kriegerisch und fanatisch, noch eingedenk der Zeit, da Suleiman vor den Toren Wiens mit christlichen Heeren rang, und die Sarazenen von Spanien aus nach Norden drängten, um Charles Märtel in Südfrankreich zu bekriegen. Es würde verhältnismäßig geringe Anstrengung kosten, den Zionismus, der sich ja an einen engen Landstrich klammert, in das Mittelländische Meer zu treiben. Großbritannien mag Palästina beaufsichtigen, aber was nutzten alle Noten an Kemal fascha, als er die unglücklichen Griechen und Armenier aus leinasien trieb? Tie mächtigen Anstrengungen, die Frankreich in Syrien zu machen hatte, mögen auch zu denken geben. Es ist ebenso nutzlos, zu argumentieren, daß der Zionismus den Arabern nütze, wie, daß Kleinasien von den Griechen geschaffen worden sei. Der gegenwärtigen Krisis wegen sahen die Zionisten mit großem Interesse dem fünfzehnten „Jubiläums"-Kongrciß entgegen, der im September 1927 in Basel abgehalten wurde. Nach stürmischen Sitzungen wurde Professor Weizmann trotz der heftigen Opposition der Radikalen, der chauvinistischen „Revisionisten" und der religiösen „Misrachi" wiedergewählt. Die Exekutivkomitees wurden aus tüchtigen konservativen Männern erwählt. Großbritannien mußte viel Kritik über sich ergehen lassen, daß es den Zionisten nicht mehr tatkräftige Unterstützung zuteil werden lasse, während Professor Weidmann wegen seiner nachsichtigen Haltung gegenüber der Maudatsmacht angegriffen wurde. Man verlangte vom Britischen Kolonialamt einen Schutzzoll, Ermäßigung der Steuern, mehr Beschäftigung von Zionisten an öffentlichen Arbeiten, einen größeren Beitrag zu den Lasten für Erziehung und Gesundheitswesen und Oeffnung der palästineusischen Staatsländereien für die jüdische Einwanderung. Aber die Lage Großbritanniens ist schwierig, da das Mandat bedingt, daß die Interessen der Araber nicht „beeinträchtigt" werden sollen. Ohne die britische Neutralität würde vielleicht die Unzufriedenheit der Araber, die in den Jahren 1920 bis 1921 blutigen Demonstrationen führte, wieder ausslackern. Ein allemeiner Zolltarif würde nur dazu dienen, daß die Araber ie Kosten für die Errichtung der Jüdisch-Nationalen Heimstätte tragen. Hinsichtlich der Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten und hinsichtlich, der Staatsländereien muß die Regierung auch die BÄürfnisse der Araber berücksichtigen. Großbritannien behauptet, daß die vollendeten sanitären Einrichtungen, die hebräischen Schulen und die Universität nicht den englischen oder arabischen Steuerzahler belasten sollten. Die gegenwärtige Krisis wird automatisch die Steuern vermindern, welche die Zionisten zu drückerch finden. Aber es ist klar, daß das Gewähren der zionistischen Forderungen seitens Großbritanniens njcht genügen würde, die augenblicklichen Schwierigkeiten zu lösen. Die Rettung muß von der Judenheit kommen, und zwar in Form von mehr Geld und konstruktiven Idem, denn die zionistische Organisation schloß im letzten Jahr mit einem Defizit von § 750 000. Nunmehr werden das Ruthenberg-Elektrifizierungs-Projekt, die Verbesserung des Hafens von Haifa und andere öffentliche Arbeiten sofort begonnm werdm, und die Verwaltung wird versuchen, ein Darlehen abzuschließen. Keine Einwanderung wird unterstützt werden, bis die gegenwärtige überschüssige Bevölkerung völlig von den landwirtschaftlichen Bezirken absorbiert worden ist Tie Frage der „Jewish Agency" veranlaßte eine andere lebhafte Diskussion. Um alle Juden für das Aufbauwerk miniiiuimiiiiiiiiiiimimnimiinnnnHiimii!iniPi!iinininniininuuiuiiniiniiininiinuinii Annahme von Bestellungen auf die Züdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschlands llllllllllllllllllllllllIlllllllllllfllllllllllllllüllllllllllUlllllllKllllIlllltlllllllttttlUltllllilllillllUUlll zu interessieren, fordert Artikel 4 des Mandats die Gründung einer Leitung, die aus einer gleichen Anzahl von Zionisten und Nichtzionisten gebildet werden soll. Professor Weizmann und Louis Marshall aus Chicago, der Führer der nichtzionistischen Judenheit in Amerika, schlossen im letzten Januar ein Vorabkommen. Mehrere Sachverständige haben soeben eine Prüfung Palästinas bemdet, und sobald chr Bericht vorliegt, wird die „Jewish Agmcy" endgültig organisiert werden. Um die heftige Opposition gegen diesen Plan zu verstehen, muß man wissen, daß das zionistische Budget für jede zionistische Richtung sorgt, und daß die „großen Geschäftsleute" der Agencv gewillt sind, mit manchen unrationellen Projekten der Radikalen von rechts und links kurzen Prozeß zu machen. Die Haltung der Juden gegenüber dem Zionismus hat variiert je nach ihrer geistigen und materiellen Lage. Bei den wohlhabenden Westjuden ist der Zionismus mehr oder weniger eine Philanthropie und unvereinbar mit der Treue gegen ihr Adoptiv-Vaterland. Die Assimilation der Westjuden ist bereits so weit fortgeschritten, daß eine Rückkehr zum Nationaljudentum unmöglich erscheint. Der erste zionistische Kon? greß mußte statt in München in Basel zusammentreten, da die Juden dieser deutschen Stadt dagegen opponierten. Obgleich der Zionismus für liberale Juden zu orthodox gewesen ist, haben einige orthodoxe Juden ihn zu liberal gefunden. Die Vereinigung der deutschen Rabbiner erklärte im Jahre 1897, daß „die Bestrebungen der Zionisten, einen Nationalstaat im heiligen Lande zu errichten, im Widerspruch zu den messianischen Verheißungen stünden", nach welchen Gott selbst sein auserwähltes Volk nach Palästina führen werde. Ter Streit, der sich bald um die Führung im Zionismus erhob, endete mit den: Siege der Konservativen, besonders als die orthodoxen „Misrachi" sich ihnen anschlossen. Der philanthropische und ökonomische Zionismus erhielt eine nationalistische und religiöse Färbung. Wie Felix Marburg es sehr klar ausdrückte: „Wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung kann von jedem geleitet werden, doch nur Palästina ist imstande, eine hohe wirtschaftliche Entwicklung mit geistiger Wiedergeburt zu vereinen". Nach Professor Gottheil von der Columbia Universität ist „Nationalismus das innerste Wesen des Zionismus". Es versteht sich, daß einzig das religiöse Motiv" die meisten Juden dazu treiben kann, in Palästina zu leben. Die „Misrachi" zwingen die zionistische Verwaltung, die Ansiedler die jüdischen Religionsgesetze befolgen zu machen. Viele glauben, daß ohne die Inspiration des Zionismus das jüdische Volk durch Absorption verschwinden wird, oder, wie Max Nordau sagte, „die Juden werden entweder Zionisten werden, oder sie werden ganz aufhören, zu existieren". Andere hoffen, daß die Juden als Nation in Palästina einen natürlichen Beitrag zur Kultur leisten werden. Unter die westlichen Nationen zerstreut, haben die Juden sich als sehr wertvoll gezeigt, aber diese Leistung ist nur im Westen gewesen; denn die Juden, die auch in großen Mengen im Morgenland (Levantei leben, haben wenib aufzuweisen. Jedoch in Westeuropa, wo sie gemeinsam mrt anderen Völkern die griechische Erbschaft aufnahmen, haben die Juden viel geleistet. Dies könnte als Grundlage für den Glauben dienen, daß der Jude der Menschheit und sich selbst mehr Ehre machen kann, wenn er unter den westlichen Nationen bleibt. Grundlagen und Ziele des religiös-lweralen Judentums. Dieses bekannte und außerordentlich instruktive Büchlein aus der Schriftenreihe der Bereinigung für das liberale Judentum E. B. ist von dem Verfasser, Herrn Rabbiner Dr. Joseph Norden, Elberfeld, neu bearbeitet worden. Wie reichhaltig der Inhalt des Schriftchens ist, das ergibt die Gliederung des Stoffgebietes, die wir hier hinsetzen: 1. Der jüdisch-religiöse Liberalismus eine Notwendigkeit für di« Erhaltung der jüdischen Religio«. 2. Das Wesen des jüdisch-religiöse» Liberalismus. 3. Die Betätigung des jüdisch-religiösen Liberalismus in Haus und Familie, im Gottesdienst und im Eemeindeleben, Religionsunterricht. 4. Liberales Judentum und Zionismus. Wir empfehlen all unseren Freunden die Lektüre des ausschlußreichen Merkchens, das in zweiter Auflage vockiegt. Es ist in vnferm Bureau gegen Zahlung von 0,75 Reichsmark zu haben. Mitteilungen Die „Ort"-Gesellfchaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden, Abt. Deutschland E. V., veranstaltet am Sonnabend, den 4. Februar 1928, im Hotel „Ter Kaiser - hos", ihren diesjährigen Repräsentations-Ball. Der Reinertrag des Festes soll dazu dienen, der Organisation, die sich seit Jahrzehnten den Aufbau und die Produktivierung des jüdischen Wirtschaftslebens zur Ausgabe stellte, neue Mittel zuzuführen. Es ist daher zu erwarten, daß ebenso wie in den vergangenen Jahren auch diesmal alle Freunde und Förderer der „O r t"-Gesellschast, denen die lieberführung jüdischer unproduktiver Elemente zum Handwerk und zur Landwirtschaft am Herzen liegt, durch ihr Erscheinen ihre Anhänglichkeit am jüdischen Aufbauwerke dokumentieren werden. Dis israelitische Reiiglonsgemelnde ln Blngnn a. Rh. sucht z. baldigen Eintritt: (liberaler u. nicht zionistischer Richtung). Gehalt nach der seitherigen Gruppe XI. i einen Itobr u. seminaristisch gebildeten Lehrer (nicht Zionist) für Gottesdienst mit Orgelbegleitung. Bewerber muß befähigt sein, den Synagogen-Chor zu leiten und Scholar zu blasen. Gehalt nach der seitherigen Gruppe VII evtl. VIII. Bewerbungen mit Lebenslauf und Zeugnisabschriften sind an unseren I. Vorsitzenden Herrn Julius Simon In Bingen a. Rhein, Mainzer Straße, zu richten. FrauenschuledssPiiilanMiropins I zu Frankfurt a. Main (Hebbelstraße 15—19) ■ » mit fratienschiil - Heim > Oeffentliehe höhere Lehranstalt | Einjähriger praktischer Lehrgang auf Grund der Lyzeumsreife: » 1. Der Haushalt. ■ 2. Alle kaufmännischen, wirtschaftlichen Kenntnisse ■ und Fertigkeiten. S 3. Die pädagogisch-hygienische Ausbildung (Kinder- £ garten, Kinderpflege). 5 4. Die allgemein bildenden Fächer. Pflege gesell- ■ schaftlicher Begabungen. Ostern Beginn. Das Schlußzeugnis der Frauenschule v rkürzt auf Grund der staatlichen Be- * Stimmungen die Lehrzeit in sämtlichen weiblichen Fachschulen. ■ Die Erste meimonferenz i i0le tilg M M Reden, Diskussion, Beschlüsse Griindungsversammlang der World Union for Progressive Judaism HH London, 10.-12. Juli 1926 rV u Preis im Buchhandel 1.80M. Für Mitglieder der Vereinigung, die direkt bei uns bestellen 1 M. Vereinigung tur das liberale Judentum Berlin öW 48 Wilhelmstr. 147 Freie Jüdische Volkshochschule Beginn der Wintervorlesuitgen Montag, den 23. Januar 1928 Dosantens Rabb. Dr. Bergmann, Dr Siegfried Bernfeld. Rabb. Dr. 'Bleichrode, Studienrat Hammerstein, Dozent Dr. Heinemann (Breslau), Edith Cohn, Rabb. Dr. Emil Cohn, Dr Ernst Cohn-Wiener, Dr. Fritz Friedländer, Dr. Jacob Jacobson, Alice Jacob - Loewenson. Rahel Kaufmann, Dr. Jakob Klatzkin, Rechtsanw. Dr. Alfred Klee, Dr. Siegfr. Lehmann, Dr. Adolf Leschnitzer, Jacob Lestschinsky, Rabb. Dr Emil Levy, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Dr. Georg Lubinski, Dr. Joachim Prinz, Dr. Simon Rawidowics, Leo Riasanzew, Dr Leo Rosenzweig, Dr. Karl Schwarz, Dr. E nst Heinrich Seligsohn, Dr. med. Felix Teilhaber, Dr. med. Gust.Tugendreich, Rabb Dr Warschauer, Rabb. Dr. Wiener, Dr. med. Gertrud Zadik-Baumgardt, Dr. Kurt Zielenziger Vorlesungsverzeichnisse unentgeltlich in allen jüdischen Buchhandlungen an den Theaterkassen Kaufhaus des Westens, und Hermann Tietz und im Sekretariat bei Goldmann, Yorkstr. 88, Bergmann, 472. Näheres siehe Vereinsnachrichten Verein für Feuerbestattung in Berlin von 1874, e. V. Kostenlos» Feuerbestattung Annahme W 35, Lützowstraße 44, Telephon: Lfltzow 960-61 und Charlottenburg, Kantstr. 154 a Bcke Fasanenstraße, Telephon: Steinplatz 1835 Schriftenreihe d. Vereinigung 1, d. lib. Judeatum E. I Ren Hr.i Die Grundsätze des Jüdischreligiösen Liberalismus Von Rabbiner Dr. Lewkowitz-Berlin Preis 0.50 Mk. Bestellungen beim Verlag der „Jüdisch-liberalen Zeitung" Berlin SW 48, Wiihelmstraße 147 Israelitischer Gottesdienst in Frankfurt/M. Liberaler Ritus: Hauptsynagoge. Freitag', d. 20. 1., abds. 445, Lehrvortrag Rabb. Dr. Gottschalk. Sonnabend, d. 21. 1., morg. 9, Predigt Rabb. Dr. Salzberger, nachm. 4, Sabbat-Ausgang 5.55. Wochengottesdienst: morg. 7.30, nachm. 4. Synagoge an der Königfteincr Straße. Freitag, d. 20. 1., abds. 6.30, Jugendgottesdienst Rabb. Dr. Salzberger. Sonnabend, d. 21. 1., morg. 9.30, Sabbat-Ausgang 5.55. Wochengottesdienst: morg. 7.30, abds. 7. ' Konservativer Ritus: Synagoge am Börneplatz Freitagd. 20. 1., abds. 4.40, Vortrag des Herrn Rabb. Donath. Sonnabend, d. 21. 1., Frühgottesdienst 7.05, morg. 8.15 Predigt, nachm. 4, Sabbat-Ausgang 5.55. Wochengottesdienst: morg. 7, nachm. 4.30. Synagoge Bockenheim. Freilag, d. 20. 1., abds. 4.40, Vortrag Rabb. Dr. May. Sonnabend, d. 21. 1., morg. 8.45, nachm. 4, Sabbat-Ausgang 5.55. Wochengottesdienst: morg. 7.15. Israel. Krankenhaus Gagernstr. 36. Freitag, d. 20. 1., abds. 4.40. Sonnabend, d. 21. 1-, morg, 8.15, nachm. 4. ^iiiniiininiimiiHiiiiiniiiiiiiininnnmmnmimiuntuuiiiiiiiiinmiininitiitmiimititiiiii Wir suchen ständig Jnserenten-lüerber für unser Blatt. Herren oder Damen, die zu Geschäftsleuten gute Verbindungen hohen, können sich einen guten liehenverdiensi verschaffen. Angebote erbeten an die Geschäftsstelle unseres Blattes '* TiiirinnfinTfififiifiMiTfififiniiHiiiHnHHfiMTiTnnnfiiuinTniiTniiiiiifinTHinninTrninTitMf^ Halb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. Ärztlich empfohlen bei Zucken» Nieren,-Magerv Darm-und Stoffwechsel* Krankheiten AU FALLE FÄLLE HARTWKi-QUElLE DEUTSCHE MINERALQUELLEN ArG» JÄGER5TR.6 MERKUR'4664/4666 Ausserdem vorrätig in allen einschlägigen Geschäften iLalien Verkaufsstellen düPech «trlu Berlag: Bereinigung für das liberale Judentum e. B., Berlin SW. 48. — Verantwortlicher Redakteur: Dipl.-Jng. Bruno Woyda, Berlin NW. 23. — Druck: Hermann Wegner 8c Co., Berlin-Mariendors. 99

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