Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 29 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aber auch Ernst und Entschlossenheit deS Glaubenfehlten nicht. Als jahrzehntelanges Mitglied der jüdisch-ltberalen Vereinigung verschmähte er es nicht, in seiner anschaulichen und humorvollen Art. seine Anschauungen auch öffentlich zu bekennen, nachdem er schon vorher im Kriege seiner Pflicht als deutscher Jude Genüge getan hatte. So wird der Eindruck seines Lebens fortwirken, dadurch levendige Liebe sich die mitfühlende Dankbarkeit vieler Mitbürger erworben hat. «... . Metzen. (Kerne rituelle Berps'leauug in den Universitätskliniken.) Der vom Oberrat des Hesst. schen Gemeirvde-verbandeS gefaßte Beschluß, an de» Universitätskliniken rituelle Küche eiwzurichten. hat die Genehmigung der dafür in Frage kommenden Behörden nicht gefunden. Zur Begründung der Ablehnung wirb angeführt, daß die gegenwärtigen räumlichen Verhältnisse innerhalb der Kliniken der Errichtung einer jüdisch-rituellen Küche entaeaeusteheu. Kassel. (7V. G « burtStag.) Der Gen-torchef der Firma Gebrüder Gotthelst, Herr Richard Gotthelft, beging in bewundernswerter Rüstigkeit und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Bon früh bis spät ist der arbeitsfreudige atu# pfttchteifrise Herr beruflich tätig. Dabei findet er auch noch Zeit, gemeinnützige Interessen mit großem Geschick zu vertreten. Als Mitbegründer und zeitweiliger Präsident der Sinai-Loge hat er deren Bestrebungen mit Erfolg gefördert und auch im Berwaltungsrat der „Humanität" dem jüdische« Allgemeinwohl gedient. So nahmen viele Freunde an feinem Ehrentage den innigsten Anteil und brachten ihm außer herzlichen Wünschen für ein glückliches Alter auch mancherlei Aufmerksamkeiten dar. Den Gratulanten schließen auch wir uns an,- gehört doch der Jubilar seit bangem unserer Bewegung an. ftöfe. lBom Bund jüdischer Kranken- und Pflege an ft alten.) Am 8. IM d. Js. fand in Köln a. Rh. die gut besuchte diesjährige Generalversammlung des Bundes Mbischer Krankennnd Pslegeawstalten Deutschlands unter tatkräftiger Mitwirkung der Zentral nwhlsahrtsstelle der deutschen Juden statt. An Stelle des ausgeschiedenen Herrn Dareski-Berlin wurde Herr Dr. Philippsborn zum Vorsitzenden gewählt. Fernerhin wurde Herr Pros. Dr. Seligmarrn-Berlin in den Vorstand zngewählt. Nach Erstattung des Geschäftsberichts, der sich mit dem Ausbau des Bundes und mit der Fortführung der in Düsseldorf im Borj<chre begonnenen Arbeiten auf den Gebieten der Ehesarztversicherung und insbesondere der sozialen Krankcnhaussürsorge beschäftigte, wurde das Hauptthenra „Wie werden Pfleglinge ritueller Anstalten nahrhaft, abwechslungsreich und dabei sparsam ernährt?" eingehend behandelt. Den vier Referaten von Geh. Rat Prof. Dr. Strauß-Berlin. Dr. Freimann-Frankfurt a. M.. Dr. Stahl-Berlin und Lucie Laqueur-Frankfurt a. M. über die Ernährung in Krankenhäusern. in Altersheimen, in KinderheMätten und die Wirtschaftsführung unter besonderer Berücksichtigung der Peßachwoche, dienten die von Anstalten beantworteten Fragebogen und eingereichten Speisezettel als wertvolles praktisches Material. Die Aussprache ergab folgende Feststellungen: 1. Die rituelle Wirtschaftsführung in Anstalten verteuert den Gcsamtbetrieb nicht erheblich. Sie würde sich noch verbilligen, wenn die Koscherwaren-Händler sich zu einer Herabsetzung bet zum Teil viel zu hohen Preise verstehen würden. Der Bund jüdischer Kranken- und Pslgeanstalten wird beauftragt. Schritte zur Abhilfe zu unternehmen. 2. Die neuzeitlichen Ergebnisse der Ernährungs- und Diätwissenschaft, welche eine größere Individualisierung verlangen, sind von den Anstalten mehr zu berücksichtigen. 3. Die Ausbildung von Diätschwestern in Krankenhäusern und hauswirtschaftlichem Personal in allen Anstalten der Gesundheitsfürsorge sowie vertiefte Vorbildung der Anstaltsärzte auf dem Gebiete des Ernührungswcsens ist durch lokale Kurse und praktische Unterweisung im Anstaltsbetrieb zu fördern. Königsberg. (Todesfall.) Hier verstarb im 67. Lebensjahre der Bureaubirektor der Synagogengemeinöe, Joseph Rosenthal. Dreißig Jahre hindurch hat der Verewigte,' den großes jüdisches Wissen und starke Herzensgute avszeichneten. an der Spitze des Bureaus der Synagogengemeinde gestanden. Rosenthal war von Hause aus Lehrer, widmete sich dann jedoch der Gemeinbeverwaltnngstätigkeit und übte bte Lehrtätigkeit späterhin nur noch nebenamtlich aus. Wegen seiner Verdienste um die Gemeinde wurde er, nachdem er lange Zeit hindurch als Gemein dcsekretär tätig gewesen war. vom Vorstand zunächst zum Obersekretär und späterhin zum Bureaudirektor ernannt. Auch in der Wohltättgkettspflege hat sich der Verewigte besonders hervorgetan. so war er unter anderem Geschäftsführer des Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege. Seit langen Jahren war er schwer leidend, so baß er sich genötigt sah. am 1. April dieses Jahres in den Ruhestand zu treten. In allen Kreisen der Königsberger Gemeinde wird der Tod dieses verdienstvollen Beamten, den eine große Liebe zu seinem Berufe auszeichnete, schmerzlich empfunden werden. LaubSLerg. (Hauptversammlung des Synagogenverbandes.) Unter dem Vorsitz des Herrn Stadtrat Hugo Nvack fand am 10. d. M. in dei neuen behaglichen Räumen der Toleranz-Loge die Hauptversammlung deS SynagogenverbanbeS der Neu- und Grenzmark statt, zu der die SpwoKvgeng emeinden Landsberg. Küstrin, Driesen- Friedeberg. Meseritz, Schwerin a. d. Warthe und Zielenzig Vertreter gesandt hatten. Bon der reichhaltigen Tagesord-. nung ist ein Bortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Martin Meyer über „Erziehungssragen" hervorznheben. Bei Beratung des Haushaltsplanes erregte ein Schreiben des preußischen Landesverbandes, der weitere Beiträge ablehnte, großes Befremden. Der Synagvgeuverband der Neu- und Grenzmark hat sich aus dem Gebiete des Kultus und durch Einrichtung von Unterrichtsstunden in den kleinen Städten große Verdienste erworben und segensreich für die Erziehung der jüdischen Jugend gewirkt, so daß der Verband durch seine intensive Arbeit, namentlich seines rührigen Vorsitzenden Herrn Stadtrat Hugo Noack und des Schriftführers Herrn Rechtsanwalt Dr. Martin Meyer, dem Landesverband einen großen Teil seiner Arbeiten abnimmt. Magdeburg. (Jubiläum.) Den Tag des fünfzigjährigen Bestehens beging die in weiteren Krejsen bekannte und hochangesehene Firma L. Sperling & Co., Magdeburg, Schreib-, Lederwaren- und Papiergroßhandlung, Buchdruckerei, Großbuchbinderei und Geschäftsbücherfabrik. Das Haus wurde am 10. Juli 1877 von Herrn Leonhard Sperling begründet.^ Am 17. Dezember 1877 trat der Vetter des Begründers, Herr Max Kattmann, in die Firma mit ein. In unermüdlicher Arbeit, mit großer Tatkraft, Begabung, Rechtschaffenheit und vollem Verständnis für ihre Mitwelt haben dann diese beiden Männer, gestützt aus treue Mitarbeiter, die Firma ans kleinsten Anfängen zu so großer Bedeutung geführt, saß das Haus heute eines der größten und angesehensten, für das Wirtschaftsleben bedeutendsten dieses Faches und in bezug auf feine Vielseitigkeit wohl überhaupt unerreicht ist. Am Gedächtnistage fand mit Rücksicht auf das erst vor kurzem erfolgte Ableben der Begründer des Hauses nur eine ernste Gedenkfeier statt. Freunde und Geschäftsfreunde des Hauses, Wirtschaftsverbände. Behörden und weiteste Kreise nahmen an dem Gedenktage regsten Anteil. Die beiden Begründer der Firma haben stets reges jüdisches Interesse bekundet: L. Sperling war jahrzehntelang Mitglied des Vorstandes der Synagogengemeinde; M. Kallmann stand viele Jahre an leitender Stelle in der hiesigen Ortsgruppe des Centralvereins und des Abwehrvereins. Der Inhaber der Firma. Herr Erich Sperling, welcher dem Unternehmen seit dem Jahre 1901, abgesehen von Unterbrechungen, bedingt durch berufliche Auslands- und Ueberseereisen, seine Kräfte widmet, errichtete zu ehrendem Gedächtnis an die verstorbenen Begründer des Hauses zum besten von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Firma eine Leonharö-Sperling-und-Max- Kallmann-Gedächtnts-Stiftung. Mannheim. (Der neue Kantor.) Der Synagogenrat der israelitischen Gemeinde hat in seiner letzten Sitzung den Konzertsanger Wolf Lews aus Berlin zum 1. Kantor der Hauptsynagoge hier für den verstorbenen Oberkantor Theodor Nettler gewählt. Schwetzingen. lT o d e s f a l l.) Im Alter von 62 Jahren ist der um das Schulwesen des Ortes verdiente Lehrer S. Eichstetter nach schwerer Krankheit gestorben. Mehr als 40 Jahre hatte der Entschlafene als Religionslehrer und Kantor im Dienste der Gemeinde gestanden, daneben aber auch an der Töchter- und Volksschule segensreich gewirkt. Eine eifrige Tätigkeit entfaltete Lehrer Eichstetter um das jüdische Vereinsivescn,- auch christliche Organisationen (Gartenbau-, Verkehrsverein u. a.) zählten ihn zu ihren rührigsten Mitgliedern. Unsterblich ist sein Name durch heimatkundliche Schriften geworden,- die „Heimatkunde des Amtsbezirks Schwetzingen" und die „Geschichte der Juden in Schwetzingen" kennzeichnen ihn als feinsinnigen Beobachter und fleißigen Forscher, der sich, wie cs auch die würdige.und eindrucksvolle Beifetzungsseier bestätigte, in allen Schichten der Bevölkerung hohen Ansehens erfreuen durfte. Würzbnrg. (Vo m Stndcntentag.) Vom 15. bis 10. Juli 1927 fand in Würzbnrg der diesjährige Studententag statt — über dessen Verlauf, da er sich auch mit dem ^berühmten" Bcrsaisnngskampf in der Studentenschaft befaßt hat. — Aus diesem Anlaß wurde am Sonntag, den 17. Juki, zu Ehren aller befalle neu Studenten ein Gedenkstein enthüllt. Es ist traurig, wenn auch leider beinahe schon selbstverständlich. daß selbst bei einem derartigen Anlaß die jüdische Studentenschaft in irgendwelcher Weife zurückgesetzt wird. Als das genaue Programm der Tagung bekannt wurde, stellte sich heraus, daß man wohl einen katholischen und evangelischen Geistlichen oi»geladen batte, bei dieser Feier zu sprechen, daß man aber eine gleiche Einladung an einen jüdischen Geistlichen nicht gerichtet hat. Sämtliche jüdischen und paritätischen Verbindungen Würzburgs wandten sich daher mit einem Antrag an die Deutsche Studentenschaft, dieses Versehen zu berichtigen und erhielten zu ihrem Erstauue» hieraus den Bescheid, daß aus Zeitmangel an dem ursprüuylichcn Programm nichts mehrgeändert werden könne, aber auch wenn die Zeit vorhanden wäre, eine solche Aenderuug nicht in Betracht kommt, weil mit dem gleichen Recht Baptisten und Buddhisten und alle anderen kleinen ReÄg ionsgenreinsch asten die Heranziehung eines Geistliche« ihrer Auffassung fordern könnten. Aus Grund eingehender Beratungen beschlossen die jüdischen Korporationen und amh die Vertreter der Mischen Gemeinde Würzbnrg, trotzdem an der eigentlichen Gedenkfeier toilzunchmem, um die Feier nicht durch Parteizwistigkeiten zu stören, haben aber gegen diese Stellungnahme der Deutschen Studentenschaft Bo» schwerde eingelegt und sind hierbei des Urteils der gesamten Oesfentlichkeit aller Parteischichten gewiß. Daß man auch nicht nur die angegebenen Gründe gehabt hatte, beweist der Umstand, daß man die jüdischen Verbindungen auch nicht zu der Einholung der Fahnen der bei Langemarck gefallenen Freiwilligen-Regimenter eingeläden hatte. Selbstverständlich war, daß die beteiligten Korporationen es unter diesen Umständen ahgelehnt haben, sich an dem großen Festkommers zu beteiligen. Kalendarium Ar die Zeit vom 23.7.b. 30.7.1927 Juli 1927 Tammns 5687 Sonnabend i 23 23. Sonntm 24 24. Montag 25. Dienstag 2G 26. Mittwoch 27 Donnerstag 28 28. Freitag 29 29. Sonnabend 80 1. Neumonöweihe Wochenabschnitt: Mattauß Haftarah: Jeremia 1,1 2,1—3 Jom Kippur Koton Ab 5887 Wochenabschnitt: Massei Haftarah: Jeremia 2,4—28; 3,4; 4,1 u. 2 Sabbat-Ausgang: 8,56 Uhr Auf alle fälle QUELLE Mdlb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. 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Ecke Fasanenstrofle Tclclon Stcinplatz 1835 In hiesiger Gemeinde ist die freiwerdende Stelle des Rabbiners und Dirigenten Oemeinde - Rehgionssdiale zu besetzen Die Besoldung ei folgt nach einer zu vereinbarenden Gruppe der Reichsbeamten- Besoldungsordnung unter Anrechnung der bisherigen Dienstzeit. Außerdem sind mit der Stelle verbunden die Kassualien und Vergütung für Erteilung des Religionsunterrichts in den städtischen und staatlichen Schulen. Bewerbungen sind unter Beifügung eines Lebenslaufs und der Zeugnisse bis zum IS. August ds. Js. an uns einzureichen. Frankfurt (Oder), den 18. Juli 1927. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde sucht in Schöneberg oder Wilmersdorf zu regelmäßigen wöchentlichen Veranstaltungen einen geeigneten RAUM für 100-200 Personen in geeigneter Wohnung od. Lokal Gell. 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