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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Jahrgang Nummer 2 Beilage 14. Januar 1927 Aus den Gemeinden Berlin. (Aus dem R e i chStafl.) Dem Reichstage ist jetzt die übliche Uebersicht über die Antworten der Reichsregierung auf die Entschließungen des Reichstags zugegangen. Auf die Forderung einer Statistik über den Umfang der ostjüdischen Einwanderung seit dem l. August 1914 wird s-itgeteilt. daß bei der in erster Linie in Betracht kommenden preußischen Regierung statistisches Material dieser Art nicht vorliegt. Auch sind Unterlagen, die eine schätzungsweise Angabe der Einwauderungszaylen in den einzelnen Jabren ermöglichten. nicht vorhanden. Berlin. (Jüdische Zweigbibliothek in Pan» kow.) Die Vezirksschulkonferenz von Pankow hatte vor längerer Zeit die Anregung gegeben, in den Außenbezirken ^weigbibliotheken einzurichten. Gemäß dieser Anregung hat der Gemeinbevorstand be- - schlossen, zunächst versuchsweise zwei Bibliotheken, in Pankow und Neukölln, zu errichten. Die erste dieser Bibliotheken wurde am Sonntag, den 6. Januar, in Pankow in der 6. Gemeindeschule, Schulstr. 29, von Herrn Oberbibliothekar Dr. Stern eröffnet. In seiner Eröffnungsansprache legte er die Enirvicklung und die Aufgabe dieser Bibliothek dar und übergab sie zu Händen des Vorstandes des Synagogen-Bereins Agudas Achim in Pankow. Er sprach den Wunsch aus. daß diese Bibliothek lebendig werde und dazu beitragen möge, daß das Wissen vom Judentum in die Herzen der Bewohner Pankows getragen werde. Der Vorsitzende des Synagogen- Bereins Agudas Achim. Herr Zahnarzt Dr. Vogelsdorf, übernahm die Bibliothek namens des Vereins und drückte seine Freude aus über das Entgegenkommen der jüdischen Gemeindebehörden und die Hoffnung, daß die Bibliothek dazu beitragen werde, das jüdische Leven in Pankow zu fördern. Namens der 15. Religionsschule begrüßte der Dirigent, Herr Seminaroberlehrer Falkenberg, die Einrichtung dieser Bibliothek, weil sie besonders geeignet sei. der Jugend das Rüstzeug zu geben, kraftvolle, religiöse Persönlichkeiten zu werden, die für den Glauben der Väter wirken und schassen. Auch der Rabbiner der Pankvwer Gemeinde. Herr Dr. Pick, begrüßte die neue Bibliothek und erhoffte von ihr eine Förderung des religiösen Lebens seiner Gemeinde. Im Schlußwort dankte Herr Dr. Stern allen Anwesenden und erklärte die Bibliothek für eröffnet. Breslau, (Zu den antisemitischen Ausschreitungen.) Ter Polizeipräsident gibt folgendes bekannt: „Die bisherigen polizeilichen Ermittlungen über den Vorfall in der Nacht vom 3. znm 4. Januar in der Kaiser-Wilhelm- Straße haben ergeben, das; es sich nicht um gegenseitige Rempeleien gehandelt hat, sondern um einen durch nichts begründeten einseitigen Ueberfall von Mitgliedern des Bundes „Totenkopf" auf friedliche Bürger. Die Angelegenheit wird in Kürze der Staatsanwaltschaft übergeben. Um derartige bedauerliche Vorfälle möglichst zu vermeiden, geschieht seitens der Polizei alles, was in ihren Kräften steht. Die vorbeugende und helfende Tätigkeit der Polizei findet aber ihre Grenzen ' in der Zahl der zur Verfügung stehenden Beamten. Das Kommando wird für die Folgezeit einen verstärkten Schutz duWuRadsahrerpatronillen anordnen. Die Beamten sind erneut angewiesen, bei ähnlichen Anlässen mit aller Schärfe gegen die Jriedensbrecher vorzugehem" chMjrover. (G e m c i n d e w a h I e n.) Der Verein zur Pflege der Interessen der Synagogengemeinde Hannover hielt am Sonntag, den 9. Januar, im überfüllten Saale von Hoffmanns Hotel eine außerordentliche Generälversammlung ab. Für die am Sonntag, den 16. Januar stattfindenden Wahlen znm Gemeindevorstand und Repräsentantenkvllegium wurden sämtliche tnrnusgemäß ausscheidenden Herren zur Wiederwahl empfohlen, für den durch Tod ansgeschiedenen Repräsentanten Lehrer Zuckermann wurde vereinsseitig Herr Studienrat Dr. Richard Schwarz zur Wahl vorgeschlagen. Herr Landrabbiner Dr. Freund sprach sodann über Probleme der neuen Judengesetzgebung. Dem Referat folgte eine lebhafte Aussprache. Hannover. (R abb i nere in f ü h r u n g.) Die feierliche Einführung des zweiten Ortsrabbiners Dr. E. Schorsch fand am Freitag, den 7 Januar, im dichtgcfüllten, festlich geschmückten Gotteshaus statt. Nach dem Kaddisch der Trauernden, während der Choral: „Gesegnet sei_" (Boruch habo) durch ein Mäunerdoppelquartett vorgetragen erklang, wurde Herr Dr. Schorsch durch zwei Synagogenvorsteher vom Sitzungssaal bis zur Vorsynagoge geleitet. Dort nahmen ihn die beiden Gemeindevorsteher in Empfang und führten ihn bis zur Estrade. Hier begrüßte Herr Landrabbiner Dr. Freund seinen jungen Kollegen, indem er seiner Ansprache das Wort des Wochenabschnittes: Binorenu uwiskenenu nelech (mit unseren Jungen und mit unseren Alten gehen wir) zugrunde legte. Er wies zum ersten auf die besonderen Pflichten, die den neuen Rabbiner in seiner Eigenschaft als Führer der Jugend unserer Gemeinde erwarten. hin. dann aber beleuchtete er auch das Verhältnis zwischen seiner eignen Person und dem jungen Kollegen. Zum Schluß seiner Rede verpflichtete Herr Lanörabbiner Dr. Freund Herrn Dr. Schorsch namens der'Regierung und der Gemeinde durch Handschlag aus die getreue Erfüllung seiner heiligen Aufgaben. Sodann hielt Herr Dr. Schorsch seine Antrittsrede, in der er Weg und Aufgaben des Führers einer Gemeinschaft schilderte. Nach Beendigung sang der Chor: „Halleluja". Es folgte das Maariwgebet. Herne. (I u b i l ä u m d e s G e m e i n d e v o r st e h e r s.) Am 1. Januar konnte Herr Moritz Gans auf eine 25jährige erfolgreiche Tätigkeit als Vorsteher der hiesigen Smragvgen- Gemeinde zurückblicken. In Würdigung seiner Verdienste um die Entwicklung der Gemeinde und ihrer Wohlfahrtseinrichtungen wurden dem Jubilar mancherlei Ehrungen bereitet und Aufmerksamkeiten als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für die selbstlose Betätigung im Dienste der jüdischen Gesamtheit in großer Zahl erwiesen. Kalendarivin für MeBeit vom 15.1.6.22.1.1927 Januar 1927 Schenmt 5687 Sonnabend 15! 12. Wochenabschnitt: Beschall ach Sabbat Sckira Haftarah: Richter Kap. 4—4,24, 6,1—31 Sonntag 16 13. Montag 17 14. Dienstag LS! 15. 16. Harnischoh oßor Mittwoch 19 i Donnerstag 20! 1'* Freitag ‘21 IS. Sonnabend I 19.! Wochenahschnitt: Jitzran yastarah: Jesaia Kap. 6,1—18, 7,1-—6, 0,5 6 Sabbat-Äüsg'ang: 5,19 Uhr Staffel. (Bon der Zentralwohlfahrtsstelle.) Im August 1925 wurden die hier bestehenden sozialen Verbände (Jsr. Frauenverein. Humanität. Schwesternbund u. a.) zur Zentralwohlfahrtspflege zusammengefchloffen. Ueber ihre bisherige Tätigkeit erstattete Frau Kommerzienrat Wertheim bei der ersten Generalversammlung, die Montag abend in den Räumen der Sinai-Loge stattfand. Bericht. In sehr anschaulichen, interessanten und formvollendeten Ausführungen verbreitete sich die Rednerin zunächst über die verschiedenen Aufgaben der Zentralwohlfabrtspflege, um dann an einzelnen Beispielen den Hörern ein umfassendes Bild von der vielseitigen, oft schwierigen, aber mii Energie und Zähigkeit zum glücklichen Ende geführten Tätigkeit der Organisation zu gewähren. Mit Befriedigung konnte die Vortragende feststellen, daß mrf dem Gebiet der Wohnungs¬ und Familienfürsorge, der Betreuung Jugendlicher und sittlich gefährdeter Personen, ebenso in der Organisation der Wanderarmensürsorge und des Gesundheitswesens dank der von der Gemeinde den Verbänden und einzelnen Wohltätern zur Verfügung gestellten Mittel erfreuliche Erfolge erzielt worden waren. Mit besonderem Danke wurde der Unterstützung durch die städtischen Organe der sozialen Fürsorge, des Jugend- und Wohlfahrtsamtes, des Roten Kreuzes» der Bahnhofsmisston und auch der in Frage kommenden jüdischen Verbände, der Frankfurter Zentrale der Wohlfahrtspflege, des Hilfsvereins der deutschen Juden u. a. gedacht. Im Anschluß an das Referat bildete sich auf Anregung des Kreisvorstehers L. Lazarus ein Verein, der sich die Beschaffung der Mittel zur Gründung einer Schwesternstation und ähnlicher Aufgaben angelegen sein lassen will. Staffel. (Kantorentagung.) Der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes (E. B.) hielt hier am 29. und 30. Dezember in Kassel seine diesjährige Tagung ab und war aus diesem Anlaß Gast der hiesigen Gemeindeverwaltung. Herr Landrabbiner Dr. Walter und Gemeindeältester Bankier Plaut waren als deren Vertreter erschienen. Im Mittelpunkte der reichhaltigen Tagesordnung stand u. a. die Frage der Bor- und Fortbildung des Kantors im neuzeitlichen, das Ansehen des Standes sowie des Judentums wahrenden Sinne. Neben Schaffung geeigneter Bildungsmöglichkeiten erblickt die Verbandsleitnng in der Erbringung des Befähigungsnachweises (in fachlicher wie in kultureller Beziehung) vor einer autorisierten Kommission einen hochwichtigen Faktor hierzu. Entsprechende Schritte sind bereits unternommen. Durch den von Oberkantor Fabisch-Göitingen gehaltenen Bortrag: „Welche musikalische Ausgestaltung tut unserm Gottesdienste not. damit er eine in wahrer Andacht sich betätigende Gemeinde erzeuge?" war auch die Oeffentlichkeit für die Bestrebungen des Verbandes interessiert worden. Ein vor etwa zehn Monaten ergangener Aufruf zur Begründung eines kantoralen Archivs war von erfreulichem Erfolge. Landau. (Neue B n e i B r i t h - L o g e.) Hier wurde eine neue Loge des Ordens Bnci Brith unter dem Namen „Elias-Grünebaum-Loge" eröffnet. Im Mittelpunkt der Eröffnungsfeier stand ein Vortrag des Landauer Rabbiners Dr. Einstein über Elias Grüncbaum, der — eine Persönlichkeit. die nicht nur in jüdischen Kreisen große Verehrung genoß — über 5 Jahrzehnte in Landau das Amt eines Rabbiners innehatte. Elias Grünebaum publizierte: „Die Sittenlehre des Judentums anderen Bekenntnissen gegenüber." Dieses im Jahre 1867 und erneut 1873 erschienene Buch hat noch heute aktuellen Charakter. Leipzig: (O r t * A r b e i t). Am 6. Januar b. I. fand in Leipzig ein vom Leipziger Aktions-Komitee der „ORT"-Gesellschaft veranstalteter Vortrag deS Herrn Dr. Michael Traub, Berlin, über die Tätigkeit des „ORT"-Verbandeü während der letzten Jahre statt. In seinem mit reichem Zahlenmaterial versehenen Berichte schilderte Dr. Traub die Leistungen des „ORT" auf dem Gebiete des Fachbildnngsmesenö und der Landwirtschaft, sowie der Kredithilfe für jüdische Handwerker und Landwirte und betonte die Notwendigkeit weiterer finanzieller Unterstützung der für die Gesundung des jüdischen Wirtschaftslebens so überaus wichtigen „O.RT"-Jnstitnte. — Mit Interesse wurde von der Mitteilung Kenntnis genommen, daß der „ORT" bis jetzt in Leipzig insgesamt 8700 Mark gesammelt hat. Auf Vorschlag des Herrn Moritz Ury erfolgte am 7. Januar in den Räumen der Leipziger Israelitischen Religionögemeinde eine Besprechung der Berliner „ORT"-Vertreter mit den Herren Karl Goldschmidt. S. Hodes. Moritz Ury und Rabbiner Gustav Cohn. In eingehender Aussprache wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, die „ORT"-Aktion in Leipzig unter Hinzuziehung prominenter Persönlichkeiten der Leipziger Jüdischen Gemeinde weiter auszubauen. Mainz. (Ein jüdisches M ü r ch e n s p i e l.) Am 10. Dezember 1926 erlebte das Chanukahmärchenspiel „Menora und Tanncnfce" von Hauptlehrer S. Katz in Gelsenkirchen. das bei dem vorjährigen Preisausschreiben der Rhenusloge Mainz preisgekrönt wurde, vor zahlreichem Publikum seine Uraufführung. Die lebendige, abwechslungsreiche. von Poesie durchhanchte Handlung wird getragen von dem ethischen Gedanken: „Jeder bei seiner Fahne!" In der Hebung der eigenen, heiligen Bräuche soll jeder seine Freude finden und nicht durch Nachahmung fremder Bräuche sich lächerlich machen. Reizende Tänze der Elfen und Wichtelntämter brachten in die ernsten und heiteren Szenen liebliche Abwechslung. Die Rhenusloge hatte keine Mühen und Kosten gescheut, um die Aufführung zu einer märchenhaft schönen und künstlerisch-vollendeten zu machen. Starker Beifall, der selbst bei offener Szene einsetzte, lohnte den anwesenden Autor wie die junge Künstlerschar. München. (Vom Verband der Knltusgemein - den der Pfalz.) Nach Mitteilungen der Presse sind Bestrebungen im Gange, den Verband der Israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz mit dem bayerischen Landesverband zu vereinigen. Hierzu wird erklärt: Der Verband der Israelitischen Linltusgemeinden der Pfalz wurde am 18. März 1917 gegründet. Drei Jahre später, am 21. April 1920, erfolgte die Gründung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Noch im gleichen Jahre, nämlich am 19. September 1920 beschloß der Pfälzer Verband den Beitritt znm Bayerischen Verband und gehört ihm seit dieser Zeit als Mitglied an. Beide Verbände sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Ihre Zuständigkeiten sind in der Verfassung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden vom 22. Februar 1926 abgegrenzt. Unter diesen Umständen ist es unverständlich. wie die Vereinigung der beiden Verbände als erst bevorstehend bezeichnet werden kann. Eine völlige Verschmelzung der Verbände mit der Folge der Auslösung des Pfälzer Verbandes ist in keiner Weise beabsichtigt. Ratibor. (Ein neuer Stadtältester.) Unser Gesinnmmüfreund, Stadtrat H. Hoeniqer. wurde am 1. Januar durch Beschluß des hiesigen Magistrats und dex Stadtverordneten zum Stadtältesten ernannt. Wir senden Herrn Stadtältesten Hoeniger. der unseren Bestrebungen stets reges Interesse entgegenbrachte. aus diesem Grunde unsere Glückwünsche. v Ratibor. (7 0. Geburts.ta g.) Am 27. Januar begeht der stellvertretende Vorsitzende der hiesigen Ebewra, Herr Hermann Wachsmann, seinen 70. Geburtstag.' Der Jubilar, der seit über 40 Jahren eifriges Mitglied dieser Organisation ist. hat jüdisch-humanitären Bestrebungen stets wärmstes Interesse entgegengebracht. Richelsdorf. (Todesfall.) In dem kürzlich verstorbenen Rentier R. Löwenstein ist wieder ein Vertreter der guten alten Zeit ins Grab gesunken. Der Heimgegangene, der ein Alter von 81 Jahren erreichte und bis in seine letzten Lebenstage körperlich und geistig frisch und rege war. bekleidete 25 Jahre das Amt des Gemeindevorstehers und erfreute sich wegen seines freundlichen Wesens allgemeiner Beliebtheit. Als ehemaliger Kriegsteilnehmer von 1870/71, in dem er den Rang eines Feld-Gendarmeriewachtmeisters erlangte, war der Verstorbene auch zum Ehrenmitglied des Kriegervereins und des Rcichsbnndes jüdischer Frontsoldaten ernannt worden. Rostock. (Don der Universität.) Profesior Katz ist für das kommende Jahr zum Dekan der Universität ernannt worden. Die Auszeichnung ist besonders erwähnenswert. weil Professor Katz, der aus Kassel gebürtig ist und u. a. früher auch an der Göttinger Universität lehrte, als erster Jude das Amt des Dekans an der seit einem halben Jahrtausend bestehenden Universität bekleiden kann. Stuttgart. (Israelitische Landesumlage.) Die israelitische Landesversammlung hat beschlossen, im Rechnungsjahr 1926 als Landesumlage einen Zuschlag von 82* Prozent zu der Einkommensteuer 1925 und einen Zuschlag von 714 Prozent zu der Vermögenssteuer 1924 zu erheben. Für die Lohnempfänger, deren steuerbares Einkommen im Kalenderjahr 1925 nicht mehr als 8000 RM. betragen hat. wird der Zuschlag zur Einkommensteuer durch eine Klassensteuer ersetzt. Der Beschluß der israelitischen Lanöesversammlung über die Landesumlage ist von dem Kultministerium auf Antrag des Israelitischen Oberrats mit Zustimmung des Finanzministeriums nach Genehmigung des Besteuerungsmaßstabs für vollziehbar erklärt worden. Weener. (2 Juvilare.) Eine seltene Jubiläumsfeier konnten zu Beginn des neuen Jahres die beiden Brüder Joseph und Moritz Arons im Dienste der hiesigen jüdischen Gemeinde begehen. Seit 25 Jahren ist der Erstgenannte als Vorsteher unseres Gemeinwesens tätig, während sein Bruder Moritz ebenso lange in seiner Eigenschaft als Schulvorsteher der Entwicklung und Förderung der Schulangelegenheiten nach besten Kräften gedient hat. Beide Herren erfreuen Pich bei allen Gemeindemitgliedern, die mit Dank das selbstlose Wirken der Jubilare anerkennen, großer Beliebtheit, was äußerlich auch dadurch zum Ausdruck kam, daß am Portal der Synagoge eine schlichte, aber eindrucksvoll wirkende Erinnerungstafel angebracht wurde, deren Inschrift auch späteren Generationen das vorbildliche Zusammenarbeiten der beiden Brüder zur Kenntnis bringen soll. Außerdem veranstaltete die Gemeinde zu Ehren der Jubilare einen Festgottesdienst. bei dem in ergreifender Ansprache des gemeinnützigen Wirkens beider Herren gedacht und ihre Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue mit lobenden und ehrenden Worten anerkannt wurden. Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu, Berlin E. V., B e z i r k s g r u p p e Osten.) Es wird beabsichtigt, im Bezirk Osten zunächst einmal im Monät einen Freitagabend-Gottesdienst in der Art, wie er in der : Schönhauser Allee eingerichtet ist. zu veranstalten. Interessenten wollen sich beim Liberalen Verein, Berlin SW 48, Wilhelmstr. 147, melden. Magdeburg. Aus Einladung der Ortsgruppe Magdeburg der Bereinigung für das liberale Judentum e. 85. sprachen am Donnerstag, den 6. Januar 1927 im Saale der „Freundschaft". Prälatenstraße. Justizrat Dr. Brandus und Rechtsanwalt Dr. Merzbach über: „Die neuen Gemeinbestatuten". Beide Herren hatten in der Satzungskommission bzw. bei den' Vorstandsbeschlüssen mitgewirkt und kannten daher die Entwicklung des ganzen Werkes. Justizrat Dr. Brandus referierte rein sachlich über die einzelnen besonders wichtigen Paragraphen und widmete dem Abschnitt II der neuen Statuten: „Die Vertretung der Gemeinde und ihrer Verwaltung" längere Ausführungen. Lebhaftes Interesse fanden seine Berichte über das Frauenwahlrecht. Die Statuten enthalten 64 Paragraphen, welche unserer neuen Zeitepoche in jeder Weise Rechnung zu tragen suchen. Biele Monate ist in der Kommission und innerhalb des Vorstandes beraten worden, um ein Werk zu schaffen, welches unseren Gemeindemitgliedern Freude und Sogen bringen möge. Alsdann sprach Dr. Merzbach und zeigte bei aller Würdigung der neuzeitlichen Regelung die logischen Folgen so manchen Entwicklungsganges. Viele religiöse Handlungen, welche seit Jahrtausenden den Männern Vorbehalten, waren, können mit folgerichtiger Entwicklung alsdann den Frauen zufallen, und Dr. Merzbach konnte so manches Beispiel hierfür ansühren. Schwere Arbeit steht den Repräsentanten noch bevor, wenn diese neuen Statuten so werden sollen, daß sie ausgleichend innerhalb unserer Gemeinde wirken werden. In der folgenden Aussprache, in welcher die Herren Benno Basch, Apotheker Nathan, Dr. Winter, Julius Petzon, San.-Rat Dr. Frankenstein und Alfred Schäfer das Wort nahmen, wurden viele Fragen berührt, welche in den künftigen Beratungen im Repräsentanten Kollegium noch zu lösen sind. Es ist unmöglich, sie alle in diesem kurzen Bericht niederzulegen. In seinem Schlußwort konnte Justizrat Brandus noch so manche Frage und Anregung erläuternd beantworten. Mit herzlichen Dankesworten an die Herren Referenten verknüpfte der Vorsitzende dieser Versammlung, Herr Wilhelm Kronheim, den Wunsch an die Erschienenen, stets mitzuwirken am groben Ganzen und alle Indifferenten aufzurütteln. damit im gemeinsamen Fleiße mitgearbeitet wird an der Erhaltung unserer Gemeinde im liberal-religiösen Geiste. lnWMMel. Die Rümmer 49 der „Jüdisch-liberalen Zeitung" vom 9. Dezember 1926 ist bei uns vollständig vergriffen. Exemplare dieser Nummer werden bei uns benötigt. und wir bitten daher die Bezieher unserer Zeitung, etwa noch vorhandene Exemplare an uns einzusenden. Wir vergüten dafür 0,50 M. pro Stück. „Jüdisch-liberale Zeitung". Berlin SW 48, Wilhelmstr. 147. 9122

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