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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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c («>V1 Äußer dem Oberbürgermeister und äußern Würdenträgern der Geheime Oberregierungsrat Streckfuß teilnahm, derselbe, -er einst durch eine Schrift gegen die volle Gleichberechtigung der Juden Johann Jaeoby den Anstoß zu einer scharfen Gegenschrift gegeben hatte. Jetzt erhvb sich Strecksuß zu dem Bekenntnis, „daß gleiche Gesinnüng und gleiches Streben alle Guten beseele und es jedem zur Pflicht mache, deu Unterschied des Glaubens für immer zu vergessen". Er verstärkte diese Erklärung durch ein Schreiben an Lehmann, worin es heißt: „Da ich meine Ehre darin suche, nicht zn denjenigen zu gehören, welche zn lernen und zu vergessen gleich unfähig sind, und einen abgelegten Jrrthum als solchen zn e r kenn <e n, und dies zu bekennen jur icöer Zeit bereit bin, so gestehe ich auch ohne alles Bedenken, daß ich gegenwärtig, wenn ich auf die Gesetzgebung einen Einfluß hätte, die E m a n c i p a t i o n der Juden so vollständig, als sie, ohne tief eingewurz-elte Borurtheile der Masse zu sehr zu verletzen, irgend möglich ist. für diejenige Maßregel halte, welche alle zeitberigen Uebelstände am leichtesten, sichersten und ohne alle uachtheilige Folgen für deu > Staat beseitigen würde." Streckfuß nahm auch an der fünfzigjährigen Jubelfeier der Gesellschaft teil und erklärte, er könne nur ein Vaterland preisen, in dem ein solcher Sinn sich kundgebe wie in dieser Versammlung. Lieder zu diesem Feste hatten Meyerbeer und Felix Mendelssohn komponiert. Immerhin, trotz Streckfuh, stand noch ein Dutzend und mehr Jahre später in der Gesellschaft ein Antrag zur Debatte, geeignete Schritte zu tun gegen das Bestreben, den Inden die schwer errungenen Rechte wieder zu entziehen. . . Indessen die Gesellschaft der Freunde konnte in der Folgezeit ihre Jahrhundertfeier in dem befriedigenden Bewußtsein begehen, daß diese Rechte, zu deren Erringung sie beigetragen hatte, durch neue Widersacher, wie sie zn den alten vergifteten Waffen griffen, nicht ernstlich gefährdet würden. Mit Stolz konnte sie an diesem 27. März 1892 ans. eine glänzende Entwickelung zurückblicken. Einst ein Bund meist wenig bemittelter junger Leute, war sie eine Verbindung geworden, der anzugehöreu sich viele der Ersten und Reichsten zur Ehre rechneten — und heute noch rechnen. Hat sie doch, von allem anderen abgesehen, in der Unterstützung notleidender Freunde und ihrer Witwen und Waisen weitherzig und taktvoll Vorbildliches geleistet. Bis auf diesen Dag.. Und hat sie doch auch bei Ausbruch des Weltkrieges hurch Stiftung einer bedeutenden Summe für vaterländische Zwecke gezeigt, daß sie ihrer: Ueberlieferungen treu geblieben ist. Freilich hat die Umwertung alter Werte auch das ehedem bedeutende Vermögen der Gesellschaft hart mitgenommen. Doch zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag. Doch der-G.eist bleibt der alte. Haben einst ihre Mitgliederliste Namen geziert rvie Meyerbeer, Ed. Gans, Leopold Zunz, Moritz Beit, Leonor Reichenheim,Cäsar Wollheim, Traube, Wolfgang Straßmann, Ludwig Locwe, Moritz Lazarus, so kann man auch von ihrer neuesten Mitgliederliste sagen: nennt man die besten Namen, so vermißt man hier nicht allzu viele, und deren manche werden sicherlich in den folgenden stehen. .Und welches Bild bieten nicht die Tafeln, auf denen die Vorstandsmitglieder verzeichnet sind! Sie sind wert, für weiteste Kreise aneinandergereiht zn werden. Denn sie sprechen eine beredte Sprache. Also mögen wenigstens die Vorsitzenden hier der Dankbarkeit überliefert rverden. Es sind der Reihe nach:M. Marburg, Dr. D. Oppenheimer, Jos. Mendelssohn. C. A. E. Neo. Jsaae Euchel, Dr. L. W. Rintel, W< Cassel, Abr. MendelSsohn-Barthvldy, B. L. Lindau, W. Rieß, Dr. H. Arndt, Mos. Moser, Jos. Lehmann, Paul MendelssohnBarthvldy, B. S. Behrend» Benjamin Liebermann lvon 1862—1898er hat der Ges. d. F. die Bronzebüstc Moses Mendelssohns gestiftet), Wilhelm Kopetzky und heute Oscar W a s s e r rn a n n, der die Gesellschaft einer zweiten Blüte entgegenführt. Ihm stehen gegenwärtig ttn Vorstand zur'Seite: Franz von Mendelssohn, Philipp Schlesinger, Dr. Hermann Deutsch, Dr. Curt Goldschmidt, Theodor Pinkns, Alfr. Cohn, Dr. ll. c. James Simon und Professor Moritz Sobernheim. Glückauf! ... Die. Gesellschast der Freunde hat weit über den Bezirk Berlin hinaus gewirkt und zeitweilig Zweigniederlassungen ü Versammlungskalender; BerllZttsNordrvest. * Die Ortsgruppe Nordwest veranstaltet ben ersten DiSkusfiousabend am Montag, den 17. Januar 1827, abends 8,15 Uhr, im Transaal der Synagoge Levetzowstraße. Zur Diskussion steht das Thema: „Liberalismus. Zionismus, Orthodoxie!" Diese Disknffionsabende sollen eine engere Fühlungnahme unserer Mitglieder hcrbeiftthren «nd finden anßerhalb der großen Vortragsabende statt. Um pünktliches Erscheinen wirb gebeten, Freunde nnd Gäste herzlich willkommen. Verliu-Diiideu. Am Montag, deu 21. Januar, findet eine große Versammlung in den Kammcrsaleu. Belle-Alliance-Straße Ecke Teltower Straße, statt. Referenten: Rabbiner Dr. Salomonski und Professor Dr. Türk. Musikalische Vorträge von Oberkantor Wilhelm Friedmann. Nähere Angaben siehe in der nächsten Nummer. Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norde» sim Anerbachsche« Waise«, Hans. Schönhauser Allee 162): Gottesdienst: Freitag, de« 11. Januar, abends 7K> Uhr. Predigt: Rabb. Dr. Salomonski. Sonnabend, den 15. Januar, vormittags 10 Uhr. Frankfurt a. O. Dienstag, den 18. Januar, abends 8 X Uhr. in den Räumen der Hardenberg-Loge. Regierunasstr. 6III. Bortrag: „Was ist und was will das liberale Judentum?" Referent: George Goctz-Berlin. Frankfurt a. Mai«. Jüdisch-liberale Jngendgemeiuschaft. Montag, de» 17. Jannar, abends *A9 Uhr: „Ans jüdischer Geschichte". Dr. Gottschalk. Niedenau 37. — Dienstag, den 18. Jannar, abends A9 Uhr: Heimabend im Sitzungszimmer der Synagoge Königsteiner Straße: „Liberalismus in der Gemeinde." Rechtsanwalt Dr. Geiger. Aus diesen Abend ver, weisen wir sowohl wegen der Bedeutung des Themas wie anch der weitgehenden Kenntnisse des Referenten ganz besonders. Donnerstag, den 26. Januar» abends 8K Uhr: Moses- Mendelssohn-Feier. Empfaugssaal der Synagoge Königsteiner Straße. Dieser Abend wird «nS in gleicher Weise wie seiner Zeit der Gabriel-Rießer-Abend» der Persönlichkeit. der die Stunden gewidmet sind, näher bringe«. Die Ansprache, die Herr Rabbiper Dr. Gottschalk liebenswürdigerweise übernommen hat. wird von musikalischen «nd rezitatorischen Borträgen umrabmt. Programme bei den Arbeitsgemeinschaften nnd am Saaleingang. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. in anderen Städten, so irr Breslau, Königsberg, Düsseldorf gehabt; in zwei dieser Städte war gelegentlich Hoffmann vvn Fallerslebcn ihr Gast und hat darüber begeistert berichtet.. Vor allem aber ist die Gesellschaft das Muster für eine Reihe anderer Vereine geworden, die ihre Satzungen zum Teil wörtlich übernahmen. .. Schon Jost hat in seiner Geschichte der Israeliten geschrieben: ’ „Diese Gesell sch ü f t Ger Freunde) h'at einen gro tz e n An te il an der Entwicklung der Bar l i n e r > Ind e u,u n d ans i h r selb st i st v i e l G ütcs h e r v v r g e g a n g e n." Und ans der ersten Chronik der Gesellschaft stehen ^lopstocks Worte: Biel Mitternächte werden noch einst entfliehn: Lebt sie nicht einsam. Enkel, und heiligt sie Der Freundschaft, wie sie eure Väter Heiligten und euch ein Beispiel wurden! Der Lehrer-5or1bUdungsLursus in Münster. Der erste Fortbildungskursus für jüdische Lehrer und Lehrerinnen des westlichen Deutschlands in Münster i. W. vom 27. bis zum 30. Dezember.1926 war, um dasag laich vorwegzunehmen,'ein Erfolg. Alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten am Schluß desselben nur den einen Wunsch, daß ihm. in regelmäßigen Abständen anidere folgen möchten, und daß die ansehnliche Zahl der Hörer, im nächsten Jahr-e eine noch größere werde. Um das Zusto ndekomtnen der Vorlesungen und praktischen Uebnngen hatte sich Herr Studiendirektor Dr. Steinthal-Münster außerordentlich gemüht. Ihm sei an dieser Stelle besonders gedankt. In einem vierstündigen Kursus erörterte er -Probleme der Religion", stellte die scheinbar „feindlichen Brüder" Reli^ gion und Wissenschaft nebeneinander, suchte Glauben und Wissen, soweit als möglich, in Uebereinstimmung Zu bringen, nnd ließ die Propheten als Mittler der religiösen' Wahrheit auftreten. Die -wette, drei Stunden in Anspruchs nehmende Vorlesung, „Der Arbeitsschnlgedanke und der jüjdische Religionsunterricht fand im besonderen den Beifall der Hörer. Es wurden keine übermäßig langen theoretische Erörterungen dafür aber praktische Fingerzeige aus der Schularbeit geboten. Ueber „Aufgaben -er Wohlfahrtspflege" entspann sich eine rege Diskussion. Herr Rabbiner Dr. Kober-Köln las vier Stmrden über „Jeremia" und ebensolang „Geschichte der dentsö^n Juden" Der Vortragende führte sein Auditorium in Das Wesen des Prophetismus ein, der eine Inspiration d^ göttlichen Wortes resp. Geistes sei. An der Hand des biblischen Buches schilderte er Jeremias als Menschen, als Dichcher und als Propbeten. dessen Religion eine persönliche Gemeinschaft mit Gott ist. In seiner Arbeit „Zur Geschichte der deutschen Juden" bot Herr Dr. Kober eine solche Fülle des Guten und Schönen, zeigte ein io tiefes Erfassen des soziologischen Momentes, daß Einzelheiten unmöglich hervorgehoben werden können. Nicht unerwähnt aber bleibe die glanzende Schilderung der AufklärungSzeitz d. ü. der Periode Mendelssohns und seiner' Jünger und deren Einfluß auf Sie Gestaltung des neuzeitlichen Judentums. Frl. Hauptlehrerin Loeb-Köln sprach drei Stunden Wer „Die moderne jüdische Literatur im jüdischen Religionsunterricht" und forderte: „Das jüdische Kind soll moderne Literatur kennenlernen: weltlicher und religiöser Unterricht sollen sich ergänzen: zeitgenössische jüdische Dichtung soll im Religionsunterricht ihren Platz haben." Die Vortragende leitete von dem Ghettodichter Rosenfeld durch die moderne Literatur über Löwenberg, Münchhausen, um nur einige zu nennen, bis zu Werfel und anderen, von allen prägnante Proben gebend. Es waren Stunden der Andacht nnd wahrer Erbauung, die wir miterlebten: das hier Gehörte und Erlebte wird sich in unserer Schule zum Segen auswirken. — Oberkantor Holzapfels „Kantorale Ucbungen" wurden nach Verdienst gewürdigt. Die Kollegen nahmen manch neuen „Nigun" mit in ihre Gemeinde. „Persönliche Eindrücke von Palästina" lautete das Thema, über das sich Konrektor Goldschmidt-Dortmund ausließ. Er führte uns in 2 Stunden durch das ganze heilige Land, gab Selbsterlebtes und Selbstgeschautes in glänzender Darstellung wieder. — Zum Schluß noch herzlichen Dank Herrn und Frau Dr. Steinthal, in deren gastlichem Heim die Teilnehmer schöne und anregende Abende verbringen durften. D n b l v n, Dülmen. Briefkasten. c dl. I. Frankfurt, a. M. Unsere Stellung zur Gründuftauä des Pro P a l a st r ü a - C o m i t ö s haben wir klar uno unzweideutig zum Ausdruck gebracht. Auch uns ist bekannt geworden, daß man auf. zfötnstilcher Seite die BeröfsM». lichüng gewisser Briese mit Ungeduld erwartet. Die Herreif in der Meinekestraße werden ihre Ungeduld noch ganz kurze Zeit zügeln müssen, aber sie können sich darauf verlassen, daß die inzwischen erfolgte Klärung und alles, was im Zusammenhang damit zu veröffentlichen fein wird, ihnen einige Ueberrafchung, und keine angenehme, bereiten wird.' ooooooooooooooooooooooooooooooo Malerarbeiten jeder Zrt fühtt aus Robert Gucheim 8 Lerlin W50, «ktilmbach« Straße 7 b LÜhow 6260 g — Kostenanschläge gratis. — 0060000000000000006000000600000 Mit Mk. 6000,— Kapital kann sich schriftstellerisch betähigtc Persönlichkeit eine gute und unabhängige Existenz gründen durch Ankauf eines Archivs das in jahrzehntelanger Sammlertätigkeit aufgebaut wurde. 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Westffillsdie Desinfizier* nnd Gngeztefer- VernlcMungsanstalt B. Meyer, Dortmund DIlppelsiNifte 26 Ein Inserat Hel ans Etn voller Erfolg! los ". Hans - das " "' Bodi Meranfitot an die Leser der Jdisch-liii. Zeitung“. Bei direkter Bestellung bei der ,Jüdisch-liberalen Zeitung", Berlin SW48, Wilhelmstraße 147, können nachstehende Bücher zum angegebenen Vorzugsprels bezogen werden: LEWKOWITZ: Die Grundsätze des ji disch-religiösen Liberalismus SELIGMANN: Geschichte der jüdischen Reformbewegung geb. PHILIPPSON: Die Entwicklung der religiösen Idee im Judentum, Christentum und Islam ........ SEIFENSIEDER: Gabriel Riesser, ein deutscher Mann jüdischen Glaubens ... . « GRUNWALD: Spinoza in Deutschland, gekrönte Preisschrift . STECKELMACHER: Das Prinzip der Ethik vom philosophischen und jüdisch-theologischen Standpunkt aus betrachtet . WIENER: Die jüdischen Speisegesetze nach ihren verschiedenen Gesichtspunkten geordnet und kritisch beleuchtet . ZIEGLER: Die Königsgleichnisse des Midrasch, beleuchtet durch die römische Kaiserzeit.. STEIN: Schrift des Lebens, III. Teil, herausgegeben von Cäsar Seligmann.. . , geb. .. 2.75 GOSSEL: Was ist und was enthält der Talmud? . * . . „ 1.— LEHMANN: Sprüche der Väter, 3 Teile, statt M. 21.— . s ' * •« 15.— — Rabbi Joselmann, 2 Teile, statt M. 12.—.. 9.—. GEDENKBUCH Semitic studies in memory of Dr. Alex Kohut, geb., statt M. 12.— . ........... 9.—- GEDENKBUCH zur Erinnerung an Prof. David Kaufmann, mit wissenschaftl. Beilagen bedeut. Gelehrter, statt M. 12.— „ 9.— Der Betrag ist unter Angabe des Zweckes auf das Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum E. V., Berlin NW 7, Nr. 137069 zu überweisen. 'MiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiniiiiiiiM Vorzugspreis: .. 0.50 M. 3.— „ 2.50 m 2.75 « 2.75 „ 3.50 Lerlag: Lerelntguna Wz da» liberal, Judentum e.v.. Berit» SD 43 Verantwortlicher Redakteur: Dipl^Jrig. Bruno vovba. Berlin 9U8 83. Druck: EeHrtna ü> Reimers. Berlin SW 68. RitterVr, 78. 0891 6021 23485353534853535348530248232353480132535353532348234801534853535348235348

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