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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-07-30 · 31 (30.7.1926) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
31 (30.7.1926)
Date
1926-07-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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6. Jahrgang Nummer 31 Beilage 30. Juli 1926 ssssssssssss *M Aus den Gemeinden Berlin. (Hermann BambcrgS 80. Geburtstag.) Am 26. Juli feierte der älteste Berliner Stadtverordnete und jüngste Berliner Ehrenbürger, Herr Hermann Bamberg, seinen 80. Geburtstag. Bamberg, der in Wittenberg geboren ist und 1870 nach Berlin kam, ist Seniorchef des Berliner Damen-Konfektionshauses Gebr. Mannheimer und einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Konfektionsbranche. Er begründete 1907 den Verband der Damenkonfektion. Seit einem Bierteljahrhundert gehört er der Berliner Stadtverordnetenversammlung an, zuerst als Liberaler, jetzt als Mitglied der demokratischen Fraktion. Bamberg ist ein treuer Sohn des Judentums und hat auch für jüdische Fragen stets großes Interesse bezeugt. Er steht der liberalen Bewegung nahe und hat sie wiederholt in hochherziger Weise gefördert. Zn seinem 80. Geburtstage, den er auf seinem Sommersitz Hubertushütte beging, hatte ihm der Liberale Verein für die Jüdische Gemeinde Berlin eine herzliche Glückwunschadesse übersandt. Die Redaktion der „Jüdisch-liberalen Zeitung" schließt sich den Wünschen für den Ehrenbürger unserer Stadt, den Führer des deutschen Wirtschaftslebens, den aufrechten und treuen Bekenner des Judentums, den Kämpfer für Fortschritt und Freiheit an. Möge ihm noch «ine lange Wirksamkeit beschieden sein. Zur Feier des achtzigsten Geburtstags von Kommerzienrat Bamberg hatten sich etwa zweihundert Personen auf Hubertushöhe bei Storkow, dem Landsitz des Jubilars, eingefunden. Bürgermeister Dr. Scholz überbrachte die Glückwünsche der Stadt Berlin, der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Degner die Glückwünsche der Stadtverordnetenversammlung. Neben den engeren Parteifreunden waren zahlreiche-öffentliche und wirtschaftliche Körperschaften | vertreten, unter ihnen auch der Neichswirtschaftsrat. Die Berliner Industrie- und Handelskammer überreichte dem Jubilar ihre große goldene Medaille. Berlin. (Silberne Hochzeit.) Am heutigen Tage begeht der Inhaber der bekannten Bekleidungssirma Baer l Sohn A.-G., Herr D. Baer, mit seiner Frau gcb. Maschke, das Fest der silbernen Hochzeit. Aus kleinen Anfängen hat der Jubilar, gefördert durch die verständnisvolle Unterstützung seiner Gattin, seine Firma zur jetzigen Höhe geführt. Sein bescheidenes, verständnisvolles Verhalten gegenüber öeu mannigfachen wirtschaftlichen Fragen der Gegenwart hat ihm in den Kreisen seiner Berufsfreunde, aber auch weit darüber hinaus, Achtung und Anerkennung verschafft. Seit Jahren hat er als 1. Vorsitzender des Detaillistenverbandes der Bekleidungsindustrie in der Tagespresse seine gewichtige Stimme hören lassen. Besonderer Beachtung begegnete auch der von ihm verfaßte Kommentar zum Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Daß Herr Baer trotz der großen geschäftlichen Aufgaben, die er zu lösen hatte, Fragen des Geistes stets reges Interesse entgegenbrachte, beweist sein Werk „Aphorismen und Sinnsprüche" und vor allem sein treues Bekenntnis zur jüdischen Glaubensgemeinschaft, dem er voll Stolz und Selbstbewußtfein ongehört. Mag dem Jubelpaar, dem auch an dieser Stelle herzlichste Glückwünsche dargebracht seien, noch ein recht langer, gembittfamer Weg in Freude und Zufriedenheit beschieden sein. Berlin. (Die Stadt ohne Juden.) Der bekannte Roman von Hugo Bettaver ist nunmehr auch verfilmt worden und wurde kürzlich in der Alhambra im Bilde gezeigt. Der einmütige Protest der Oeffentlichkeit gegen den Schundfilm veranlntzte, daß er sofort vom Spielplan wieder abgesetzt wurde. Ans diesem Grunde verzichten wir vorläufig auf eine eingehende Kritik. Vom Verband national-deutscher Juden werden wir um Veröffentlichung folgender Kundgebung gebeten: ,,Am 20. d. M. ist ein Film unter dem obigen Titel in Berlin erstmalig aufgeführt worden, der nach dem gleichnamigen sogenannten Roman von Hugo Bettauer verfertigt ist. In dem Film wie in dem Roman wird die Juüenfrage in einer Form behandelt, die wir nicht ohne Widerspruch lassen können. Es wird darzustellen versucht, daß ein Staat, der seine jüdischen Bürger aus dem Lande weist, untergehen müsse, weil er ohne die jüdische Geschicklichkeit und Kaufkraft nicht existenzfähig sei. daß diesem Staat somit am Ende nichts übrig bleibe, als seine „lieben Juden" schleunigst zurückzuholen. Der Verband nationaldeutscher Juden hat gegenüber dem Machwerk des Herrn Bettauer schon früher mit größter Schärfe Stellung genommen. In einem Artikel, der aus der Feder des damaligen Vorsitzenden D r. Naumann bereits im Jahre 1925 erschien, ist gegen die unglaublichen Geschmacklosigkeiten des Bettauer'schen Loches, die natürlich in dem Film in noch vergrößertem Maße wiederkehren, das Gefühl des stärksten Widerwillens zum Ausdruck gebracht und zu der Kernfrage wirklich gesagt: „Man muß uns wollen, nicht weil man uns als Finanzleute und Verwandte amerikanischer Finanzleute, als Manager oder Advokaten für diesen oder jenen Sonderzweck braucht, weil inan irgendeines unserer vermeintlichen Sondertalente im Augenblick nicht entbehren kann, und weil man deshalb die Aeußerungcn des Hasies und der Verachtung einstweilen zurückstellt, ohne deshalb diese Gefühle selbst aus dem Herzen zu reißen. Man mutz uns wollen in der Erkenntnis, daß der Jude nicht nur als Intelligenz wertvoll i st, nicht nur der kluge, der bewegliche, der talentvolle Jude, sondern daß es darauf a n k o m m t, den de ut sch fühlen den I ud cn z u. gewinnen, auch w e n n er eilt iimnlcr D u r ch s ch n i t t s m c n i di ohne überragende Eigenschaften ist, nichts als ein ha ndf e ster und williger Arbeiter am Bau der deutschen Volksgemeinschaft." Der Unterzeichnete Verband legt Wert darauf, gegenüber der unerhörten Verirrung, die in der Vorführung des Films liegt, neuerdings Einspruch zu erheben. Er glaubt, damit im Sinne oller deutsch fühlenden Juden zu handeln, und wird in dieser Annahme dadurch bestärkt, daß bei der durch Protest- und Schlußrufe sowie durch Pfeifen gegen die weitere Vorführung dieses würdelosen Machwerkes demonstriert worden ist." Berlia. (B e s« ch v o n P r o f e s s o r Dr. A d l e r.) Ter Leiter der Dropsic College in Philadelphia und Präsident des Rabbinersemivars in New York, Prof. Dr. Cyrus Adler, ist zu kurzem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Professor Dr Cvrus Adler ist bekanntlich auch ein führendes Mitglied des Joint Distribution Committee und Leiter der Kulturabteiluna des Joint. Im Hause des Herrn Dr. Bernhard Kahn hatte Herr Professor Adler eine Besprechung mit den führenden jüdischen Persönlichkeiten Berlins, die der Kulturabteilung des Joint in Deutschland anqehören. wie Dr. Paul Nathan, Prof. Weil, Prof. Mittwoch, Rabbiner Mayer Hildesheimer. ZabbineL Dr. Baeck, Prof. Heller u. a. riu Kon Kerlin aus fährt Professor Adler nach Paris und London, wo er an Sitzungen, die der Ausgestaltung der Universität zu Jerusalem gewidmet sein werden, teilnehmen wird. Bielefeld. (H a n d w e r k s j u b r l ä u m.) Am vergangenen Sonntag beging die bekannte hiesige Matcrfirma B. & A. Bonnin die Feier ihres 70 jährigen Bestehens Im Jahre 1856 legte der Begründer des Hauses, Malermeister Moritz B o n n i n die zünftige Meisterprüfung ab. Von diesem Zeitpunkt ab hat sich das Unternehmen durch Qualitätsarbeit über drei Generationen zur heutigen Blüte entwickelt. Die Familie Bonnin ist seit dem Jahre 1742 in Bielefeld ansässig. Braunfchweig. (Einweihung des G e d e n k st e i lt 3 f ü r Lilie n.) Am letzten Sonntag wurde über dem Grabe des großen jüdischen Malers und Radierers Ephraim Mose Lilien, ein Jahr nach seinem Tode, aus dem jüdischen Friedhof zu Braunschweig ein Gedenkstein cingeweiht. Der schlichte Stein — von Lilien selbst kurz vor seinem Tode entworfen — versinnbildlicht auf das ergreifendste sein Ringen und Streben nach Wahrheit und Licht. Es ist ein einfacher grauer Sandstein, und sein einziger bildlicher Schmuck ist im Mittelfeld in einem Kreise die Wiedergabe der strahlenden Sonne, zu der sich zwei Hände sehnend und strebend emporrecken. Der Gedenkstein trägt den Namen Lilicns in hebräischer und deutscher Schrift. Bor der Einweihung wurde in der Kapelle des israelitischen Friedhofes eine Gedächtnisfeier des Verbandes bildender Künstler, dessen Gründer und Führer Lilien war, abgehalten. Die Gedenkrede hielt der Vorsitzende der Braunschweiger Ortsgruppe des deutschen Schriftstellerverbandes, Robert.Jordan. Lilien, der getreuen Söhne Zions einer, fest in starker Mannheit, scharf im Streit geistiger Waffen, kunstreich nach dem Schriftwort, hochgcwertet im Kreise der Schaffenden, barmherzig in Ansehung der Not, gab er seine Kunst der Welt, das Leben seinem Volke, bis er dahinfuhr wie die rastlose Welle. Der Redner schilderte dann Liliens Bedeutung als Künstler. Lilien war neben dem Bildgestalter ein Dichter und Philosoph. Trotz des jüdischen Sujets war seine Kunst nicht jüdische Kunst, sondern — wie es ja überhaupt nur eine Kunst gebe — die Kunst. Vor dem Grabhügel des Meisters versammelten sich dann seine Freunde nochmals zu einer ichlichtcn Gedenkstunde. Dr. Heyser, der Syndikus des Verbandes bildender Künstler, hielt die Gedenkrede und legte einen Kranz nieder. Als Vertreter des Staatsministeriums legte Geheimrat Dr. Albrccht einen Kranz nieder und sagte in seiner Ansprache, dem Lande werde das Wirken dieses reich begnadeten Künstlers und verdienstvollen Organisators unvergessen und das Andenken au ihn gesegnet sein. Regierungsrat Dr. Graetz sprach für die Leopold-Zuutz- Loge, Rechtsanwalt Dr. Regensburger sagte, daß die jüdische Gemeinde heute mit Stolz ihres großen Meisters gedenke. Lilien sei eine jüdisdie Persönlichkeit gewesen, die ihre hehre Kunst aus den Kraftquellen der geistigen und ethischen Werte des Judentums schöpfte. Er sei der Künstler des ganz unermeßlichsten Leides, der jüdischen Seele und des Schmerzes, der ihr durch jahrtausendelange Unterdrückung und Knechtung auferlcgt worden sei. Seine jüdischen Volksgenossen danken es ihm, daß er durch sein Wirken und Schaffen beigetragen habe zur Ehre des jüdischen Namens und damit zur Ehrung der ethischen Werke der gesamten Menschheit. Danzrg. (W e l t k o n f e r c n z der i ii b i f di c n I n - validen.) Auf der hier kürzlich stattgefundenen Weltkonferenz der jüdischen Invaliden wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Die von dem Kongreß gewählte Exekutive wird ermächtigt, Aktionen zur Aufbringung der nötigen Mittel für konstruktive Hilfe an die Invaliden zu unternehmen. 2. Der Kongreß wendet sidi mit einem Ausruf an die jüdisdie Oeffentlichkeit, die Gemeinden und Hilfsorganisationen, den jüdischen Kriegsinvaliden, -witwcn und -waifen Hilfe angedeihen zu lassen. 3. Der Kongreß stellt fest, daß in den letzten Jahren unter der Parole der Jnvalidenhilfe Gelder gesammelt wurden, die anderen als dem bestimmten Zwecke zugeführt wurden. 4. Die Executive wird dafür sorgen, daß in Zukunft Sammlungen für Jnvalidenhilfe nur durch die vom Weltverband jüdischer Invaliden legitimierten Personen und Gruppen durchgeführt werden. Die jüdische Welt soll erfahren, daß der Verband etwa 600 000 jüdische Jnvaliden, Witwen und Waisen repräsentiert. 5. Der Kongreß bevollmächtigt die Executive, eine Abordnung nach Amerika zu entsenden, die die dortige jüdische Oeffentlichkeit über die wirkliche Lage der jüdischen Invaliden, Witwen und Waisen aufzukläreu und die Geldsammlungen zu leiten haben wird. 6. Der Kongreß beschließt, zu der am 8. August in Berlin stattfindenden Hauptversammlung des Verbandes ORT die Herren Dr. Schitlowsky und Ziprinsky zu informativen Zwecken zu entsenden. 7. Ter Kongreß wendet sich an die polnische Regierung mit der Bitte, getreu dem Beispiel anderer Regierungen auch für ihre Invaliden im Ausland, insbesondere in Wien, zu sorgen. 8. Die Executive wird aufgeforöcrt, beim Völkerbund zugunsten der Versorgung der staatenlosen Invaliden zu intervenieren. 9. Der Kongreß drückt dem Sejmdeputierten Heller für seine Arbeit in der Organisierung der jüdischen Invaliden Polens, ebenso Schwarz-Lemberg und Prof. Lasar-Wien sowie Ziprinsky- Amerika für ihre Organisationsarbeit Anerkennung ans. Der Kongreß wählte eine zehngliedrige Executive bestehend aus den folgenden Herren: Abg. Heller-Warschau, Bachner-Krakau, Schwarz-Lemberg, Pojano'ff-Safia, Prof. Lasar-Wien, Blum-Rumänien, Fraumann-Warschau, Ziprinsky-Amerika, Tr. Schitlomsky-Rußland, Heine- Berlin. Die Executive kann sich durch Kooptation auf 21 Mitglieder bei Zutritt weiterer Läuderverbände ergänzen. Dyherrrfnrth. (Verkauf der Synagoc.) Ta in Dyhernfurth eine jüdische Gemeinde nicht mehr besteht, hat sich die Synagogengemeinde in Breslau, als Rechtsnachfolgerin der hiesigen jüdischen Gemeinde, zum Verkauf der Synagoge entschlossen. Der Erwerber muß die Verpflichtung übernehmen, die Mauer um den hiesigen jüdischen Friedhof dauernd zu unterhalten. Die Stadtgemeinde will die Synagoge erwerben und zum Feuerwehrdepot umbauen. Frankfurt a. O. (Auszeichnung mit der Rettungsmedaille.) Das Preußische Staatsministerium hat dem Kaufmann Isidor Nathan in Frankfurt a. O. die Rettungsmedaille am Bande verliehen. Nathan hat, obwohl sein Gesundheitszustand infolge der Anstrengungen im Kriege oft und lange sehr beeinträchtigt war, mit eigener Lebensgefahr einen jungen Mann vom Tode des Ertrinkens gerettet. Schueibemühl. (Völkische S i t t e n r e i u h e i t.). Das Disziplinarverfahren. wurde eingeleitet gegen den Eisenbahnassistenten Ältenburg, der als Mitglied der völkischen Fraktion dem Stadtverordnetenkollegium Hierselbst angehört. Er soll eine Anzahl Krebse aus einem aus Polen kommenden Gütertransport unrechtmäßig an sich genommen haben. Schweri». (Verlegung des Mecklenburger R a b b i n ä t s f i tz e s.) Der Sitz des Landrabbinats von Mecklenburg-Schwerin, der seit vielen Jahrzehnten in Schwerin gewesen ist, wird im Herbst nach Rostock verlegt werden, da die'Rostocker Gemeinde an Kopfzahl die stärkste Gemeinde geworden ist. DaS hiesige Landrabbinat ist im Laufe des letzten Jahrhunderts von hervorragenden Persönlichkeiten der verschiedensten Richtungen bekleidet gewesen. Hier amtierte Samuel Holdheim, später Mitbegründer der Berliner Reformgemeinde, hier amtierte and) Dr. Salomon Cohn, später als Berliner Rabbiner der Synagoge an der Potsdamer Brücke, Dozent für Homiletik am orthodoxen Rabbiner-Seminar, das damals unter der Leitung von Dr. Israel Hildesheimer stand. Ter Vorgänger des jetzigen Landrabbiners mar der in weiten Kreisen bekannte Landrabbiner Dr. Feilchenfeld, augenblicklicher Inhaber ist Landrabbiner Dr. Silberstcin, der früher in Elbing amtierte. Sötern. sGoldene Hochzeit.) Am 1. August feiert Herr Lehrer o. D. Josef B aum und Frau Elise gcb. Gamicl. ihre goldene Hochzeit. Herr Baum war über 40 Jahre in Sötern als staatlicher Volksschullehrer und Kantor tätig. Das Jubelpaar lebt bei den Kindern in Hermeskcil (Hunsrück). Bad Warmbrunn. (W o b l t ä t i g k e i t s 5 o n z e r t.) Am 21. Juli fand in Bad Warmbrunn ein Wohltätigkeitskonzcrt zugunsten des am Platze sidi befindenden jüdischen .siiu: Hospitals stall. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen Klaviervorträg der vortrefflichen Pianistin Frau Cramer-Berlin, die im Verlause des Abends noch mehrere klassische Stücke zum Besten gab. Hierauf hielt Herr Oberlehrer Eichengrün-Wolfenbüttel eine tiefempfundene, ergreifende Gedenkrede auf den Maler Lilien anläßlich seines ersten Todestages. Alsdann trug Oberkanlor .Kalischer-Bcrlin mit seiner blühenden jugendsrischen Tenorstimme einige Lieder, darunter die Ballade „Nebo" von Aron Friedmanv, vor und erntete, wie alle Mitwirkenden, begeisterten Beifall von der sehr zahtreidien Zuhörerschaft. Den Bemühungen des Herrn Sanitätsrat Dr. Mofes-Warmbrunn ist das Zustandekommen dieses in allen seinen Teilen wohlgelungenen Abends zu verdanken. Wesel. (Abschiedsfeier s ü r Lehrer Spier.) In stimmungsvoller Abschiedsfeier vereinten sidi die Schüler und Freunde des nach dreißigjährigem Wirken aus dem Amte icheidenden Lehrers und Kantors S. Spier um ihren bewährten geistigen Führer und Berater. Auch die Aufsichtsbehörde hatte durch Schulrat Dr. Liesenseld dem scheidenden Jugcnderzieher für seine ersprießliche Tätigkeit im Lchramte Dank und Anerkennung aussprechen lassen. Diesem Danke fügte der Schulrat noch Worte persönlicher Wertschätzung an, während er an die Schuljugend die Mahnung richtete, im Sinne ihres sie nun verlassenden Lehrers weiter zu streben und dem als Nadifolger betrauten Lehrer den gleichen Eifer und dieselbe Anhänglichkeit entgegcnzubringen. Nehmt Euch ein Beispiel! Von B e n a s L c v n - Berlin. Am Dienstag, 6. Juli, fand in London ein Diner zum Besten des Hew's Hospital und Orphau Asylmn in West- Norwood — des jüdischen Waisenhauses und Krankenhauses — statt, das glänzend verlaufen ist. In Anbetracht der sehr bemerkenswerten Veranstaltung, die Zeugnis ablegte von der Hilfsbereitschaft unserer englischen Glaubensgenossen und von der Zusammengehörigkeit der Londoner Juden, sei hier ganz besonders auf dieses Woliltätigkeits- Dincr hingcwicsen. Zur Erklärung muß hinzugesügt werden, daß die jüdischen englischen Wohltätigkcitsinstiiute nicht wie bei uns von den Gemeinden untcrhatteir werden. Durch freiwillige Beiträge werden die Ausgaben gedeckt, und wenn diese nicht ausrcichen, wenden sich die Mitglieder des Kuratoriums an die Oeffentlichkeit und veranstalten Diners, bei denen die fehlenden Gelder gesammelt und auch in den meisten Fällen zusammengebracht werden. Natürlid) kommt es darauf au, die angesehenen und begüterten Inden Londons zu veranlassen, das Diner zu besuchen und als Vorsitzenden eine besonders angesehene Persönlichkeit zu ge» minnel». DaS ist am Dienstag, 6. Juli, der Jüdischen Waisen« anstatt glänzend gelungen. Der frühere Vizekönig vor Indien, der Marquis von Reading, hatte auf Veranlass::::,: des jetzigen Vorsitzenden des Jüdischen Waisenhauses, de- Mr. Anthony de Rothfdiild, den Vorsitz bei dem Wohltätigkeitsdiner übernommen. Es galt, ein Kapital von einer Million Mark für das in Not befindliche Waisenhaus zu beschaffen, und es ist tatsächlich gelungen, nicht nur diese Million aufzubringen, sondern noch 50 000 Mark darüber. Das ist bei den heutigen Zeiten eine so hervorragende Leistung, daß sie selbst in England Aufsehen erregte. Das Festdiner sollte bereits am 17. Ntai stattfindcn. Infolge des Generalstreiks in London mußte cö bis zmn 6. Juli verschoben werden. Das große Ansehen, dessen sich Lord Reading erfreut, hatte fast alle angesehenen Juden Londons veranlaßt, der Veranstaltung beizuwoüneu. Der Oberrabbiner Dr. I. H. Hertz und seine Gattin, der Naham der portugiesischen Gemeinde Dr. Gaster, der liberale Rabbiner Dr. I. Mattuck, Rabbi Sir Hermann Gollanez und Frau, Sir Israel Gollanez und Frau und Baron Sir Alfred Mond und Frau sowie viele andere bekannte englische Glaubensgenossen waren erschienen. Ter Präsident des Jüdischen Waisenhauses, Mr. Anthony de Rothschild, befindet sich auf seiner Hochzeitsreise und entsdiuldigte sein Fernbleiben durch ein Begrüßungstelegramm. Dagegen wäret: von der Familie Rothschild anwesend: Leopold de Rothschild, Lionel de Rothschild und Frau, und von der Familie Montefiore Mr. Charles Sebag Montefivre und Frau. Neben den vielen hundert jüdischen Erschienenen waren and) der Minister Neville Chamberlain und der Earl von Birkcnhcad anwesend, die sich mit Ansprachen beteiligten. Der Marquis von Reading eröffnete als Vorsitzender die Reihe der Trinksprüche. Er erinnerte an die Begründung des jüdischen Waisenhauses, die im Jahre 1705 durch zwei Brüder Benjamin und Abraham Goldfmid vorgenvmmen worden ist. Sie bestritten einen großen Teil der Kosten aus eigenen Mitteln, mußtet: ober 400 000 Mark durch Sammlungen aufbringen. Das war zu Ende des 18. Jahrhunderts ein sehr großer Betrag, und Marquis von Reading meinte, wenn das 1795 möglich gewesen ist, müßten die Londoner Juden jetzt eine Million Mark leicht aufbringen rönnen. Ter Betrag klingt zwar hoch, er ist auch hoch, aber er ist nicht zu hoch, für die zahlreichen und begüterten Mitglieder der Londoner jüdischer: Gemeinden. 400 Waisenkinder — Knaben und Mätzchen — werden in der Anstalt erzogen und mehr als 5000 sind seit 1876 aus der Waisenanstalt hervorgegangcn und haben auch nach der Zeit den Zusammenhang mit der, Anstalt nicht verloren. Die Waisenkinder sind gute Engländer geworden und haben dem Lande, in dem Gerechtigkeit, Freiheit und religiöse Toleranz herrschen, ihre patriotische Gesinnung jederzeit bewiesen. Mr. A. Belisha, Mitglied des Kuratoriums, gab einige' Erläuterungen zu dem Bericht über das Waisenhaus. Dasselbe verbraucht jährlich 520 000 Mark für die Erziehung und Verpflegung von durchschnittlich 200 Knaben und 150 Mädchen. Das jährliche Einkommen beträgt aber nur 820 000 bis 340 000 Mark und jetzt drückt die Anstalt eine; Schuldenlast von 400 000 Mark. Für die nächsten drei Jahre, werden MM Mark Zuschuß gebraucht, da die Gebäude!

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