Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-02-19 · 8 (19.2.1926) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

12 entity mentions

hat. . .* Oder: „Die national-deutsch gerichteten Juden vom Schlage Naumanns und RvsenthalS." Soviel Worte, soviel Unwahrheiten! Ich unterhalte zum TerVanü national» deutscher Juden keine Beziehungen, und auch die entsprechende Behauptung von den Duisburger Juden ist Herrn Steinhardts eigene Erfindung. Stimmung. Stirnrnung! Immerhin würde ich es für weniger belastend halten, der Naumannfchen Partei anzugehören als einer Richtung die sich einer solchen KampseSweise bedient. wir es bei meinen national-jüdischen Gegnern der Fall ist. Ein anderes Mittel tendenziöser Stimmungsmache ist für Steinhardt der fortgesetzte Hinweis auf meine Tätigkeit als Prediger der Jüdischen Reform-Gemeinde. Auch nicht mit der leisesten Andeutung habe ich aus traendeiner religiöö-p a r t e i l i ch e n Einstellung gegen die Errichtung einer Konfessionsschule gesprochen. Bekäurpft habe ich sie auS politischliberaler Ueberzeugrrna. Vom religiösen Standpunkt aus habe ich einzig und allein darauf hingewieserr. ohne selbst Partei zu nehmen, daß bei der Gründung einer Konfessionsschule in einer Mittelgemeinde sehr leicht die Frage nach der mehr konservativen oder liberalen AusgestalLurra zum Quell deS Unfriedens werden könnte. und nur in dieser Hinsicht habe ich a'n das .Läppchen" im Religionsunterricht und an die Möglichkeit der Revisionen durch Rabbiner entgegeirgesetzter Weltanscka»rungen erinnert. Eine von mir ganz beiläuftg getane Aeutzerung. dag nach Gründung einer konfessionell-jüdischen Schule die Eltern Sonntags ihre Kinder zur Schule schicken müßten, während dieser Tag bisher der Familie gehörte, benutzt Steinhardt zu einem wütenden Ausfall gegen mich mrd die Berliner Reform-Gemeinde. (In Dortmund, wo. wie mir berichtet wird, zu Ostern annähernd 20 jüdische Kinder schulpflichtig werden, wollen die Eltern sie. statt in die jüdische Schule, in Privat schulen schicken, weil sie am Sonntagmorgen die Kinder nicht entbehren mögen!) Was Steinhardt übrigens von der Jüdischen Reform-Gemeinde sagt, zeugt von einer solch grotesken Unkenntnis, daß man ihm zurufen möchte: „0 si taeuisses!“ Die Reform-Gemeinde ist nicht von Samuel Holüheim begründet worden: sie bestand mehrere Jahre, als er ihr Prediger wurde. Es ist u »wahr, daß die Reform-Gemeinde „den Sabbat auf den Sonntag verlegt hat", daß sie, wie Steinhardt behauptet. >,öen Sonntag als den religiösen Ruhetag" anerkenne. Sie will nur am soziale n Ruhetag (dem Sonntag) denjenigen Juden, die heute aus wirtschaftlichen und anderen Gründen den Sabbat nicht feiern können. Gelegenheit geben, sich einmal in der Woche religiös zu erbauen. Bon einer Verlegung ist gar keine Rede. Steinhardt sieht in der jüdischen Konfessionsschule das Einzige Mittel zur Erziehung bewußter und religiöser Juden. Die Simultanschule vermag nach ihm eine solche Erziehuug nicht zu gewährleisten. Ja. warum aber will dann Steinhardt für die Simnltauschule eintreten. sobald der Staat wirklich solche einrichtct? „Erkläret mir. freund Oerinüur . . U.nd weiter: wenn ich in Wort und Schrift für die Simultanschule eintrete, werde ich von Steinhardt attackiert. Wenn aber ein christlicher Vertreter als Delegierter auf einer jüdischen Äehrerkonserenz die Simultanschnle preist, dann wird das von Steinhardt wohlwollend quittiert und seinen Aeutzerungen die Zensur erteilt: „Treffliche Worte"! Daß übrigens auch in der konfessionell-jüdischen Schirle in bezug aus religiöse Erziehung nicht alle Blütenträume reisen, beweist u. a. eine Aeußerung des konservativen Dr. Unna (Mannheim) in der Schrift „Das deutsche Judentum" (1019): „Man suchte diesen: Ucbelstand Lurch die Gründung jüdischer Realschulen (in Frankfurt. Fürth. Hamburg) entgegenzutreten. aber wenn diese auch segensreich wirken, so konnten sie doch keinen durchareifenden Erfolg haben, und h.ie Abnahme des jüdischen Wissens auch in der s.esetzestreuen Ingen di si eine nicht wegzubeugneude Tatsache." In ähnliche Widersprüche verwickelt sich Steinhardt bezüglich des Antisemitismus. Zwar ist es eine Unwahrheit. wenn er behauptet, ich hätte mich über diese Frage ausgeschwiegen. nur sein entstellter Bericht läßt nicht erkennen. daß ich in Duisburg eingehend über die Bekam; sung des Antisemitismus durch den Besuch öffentlicher Schulen durch jüdische Kinder gesprochen habe. Aber andererseits wenden sich gerade die Freunde des Herrn Steinhardt auch in Schulfragen „g e g e n die Auffassung, die immer nur den Antisemitismus zum Maßstab für alle jüdischen Dinge macken wolle"! (.jüdische Rundschau" Nr 1.) Die helle Entrüstuna des Herrn Steinhardt und seiner Freunde von der „Jüdischen Rundschau" habe sch entfacht, weil ich ein Wort gegen euren gewissen Teil der zngewanderten Ostjndcn gesagt habe. Diese Aeußerung. die ausdrücklich gegen die minderwertigen Elemente unter ihnen gerichtet war. mit welchen sich die anständigen Ostjnden selbst nicht identifizieren möchten, wird unbedenklich auf alle angewandt und dann in der unflätigsten Weise aegen mich ausgeschlachtet: eine Taktik von der die durch Steinhardt und die „Jüdische Rundschau" zitierten Nationalsozialisten noch einiges lernen können. Daß die ostjüdijche Jugend sich in das deutsche Kulturmilieu aber nur schwer einleben kann, müssen die Zionisten selber zugeben. Berichtet doch drc „Jüdische Rundschau" aus Breslau über die Begründung elner^Subvention für der: Jüdischen Schulverein: „Die Zahl der Schüler wird immer größer, eine Anzahl ostjirdischer Kinder. Kinder zahlender Gemeindemit-- glieder. gliedern sich schwer in denUnterricht der deutschen S ch u l e n ein usw." Woraus sich ergibt, daß die gemeinsame Erziehung der deutschen und ausländischen jüdischen Kinder doch ernste Schwierigkeiten hat. Seinen Hanpttrumpsi mit dem Steinhardt das Reformjudentum und mich mit einem Schlage endgültig und für immer vernichtet, hat er sich für den Schluß seiner Artikelserre aufgespart Zwar: hätte er. immer daraus bedacht, muh zu schmähen und persönlich herabzusetzen, nur eine blasse Ahnung von der Bedeutung, die Samuel Holdheim kur das Judentum des 19 Jahrhunderts und für die Geschichte des jüdischen Liberalismus hat, hätte er gewußt, welche ungewollte — und unverdiente — Ehre er mir erweist. wenn ex mich als seinen späten Nachfolger mit ihm in etnem Atem nennt, er würde sich gehütet haben zu schreiben: „Das Judentum hat Holdheim überwunden, es wird auch Karl Rosenthal überwinden"! So aber verleitet ihn seine Gehässigkeit dazu, ein Wort großen jüdischen Historikers Gvaetz" über Holdheim kritiklos und triumphierend zu übernehmen und gegen mich auszuspielen: „Seit Paulus von Tarsus Tagen hat Las Judentum nicht einen solchen inneren Feind erlebt, der dessen ganzen Bau bis auf die Grundfesten erschütterte." Jawohl, so schrieb einstens Graetz^ Daß Graetz David Friedländer, dem la auch wohl Steinhardt einige. Berdiensie um das jüdische Schulwesen nicht obsprechen wird, „einen Affen Mendelssohns" nennt, daß er Herz Homberg, den Organisator Les österreichischen Schulwesens, nicht besser beurteilt als Holdheim. daß er an Israel Jaeoblobn kein gutes Haar mßt. scheint Steinhardt unbekannt zu sein. Wie wenig Glück er aber damit hat. wenn er ausgerechnet Graetz als Kronzeugen gegen Holdheim zitiert, mag durch eine kleine Blutenlese von Urteilen anderer jüdischer Größen über ,chen großen jüdischen Historiker" angedeutet sein. Abraham Geiger empfindet „sittlichen Widerwillen", wenn er fest» stellen muß. daß Graetzens „mit Pomp eingeführte angebliche Entdeckungen nichts weiter als von anderen abgeschrieveu sind, deren Namen listig verschwiegen werden", und er »ennt seine Methode ein „Freibeuter-verfahren": Steinschneider spricht von „feinem oder grobem literarischen Diebstahl, welcher sich dem aufmerksamen Leser stets verrät durch impertinente Bemerkungen": her Sohn von S. R. Hirsch Mt Graetz Duftige Hypothesen und abenteuerliche Konjunkturen" vor und schließt seinen Nachruf aus Um: er habe „nicht der Wahrheit, sonder» der Täuschung und dem Irrtum gedient"! Und ein zeitgenössischer Biograph. M e i s l. dem vorstehende Zitate entnommen sind, bemerkt in seinem Buch über Graetz (den er übrigens als „Nationaljvden" feiert), daß er die ganze Mendels» sohnsche Schule „von einseitigen, parteiischen. .. Gesichtspunkten" betrachtet. Wetter hält er Gvaetz vor: „gesuchte BerkletnerungSsucht". Oberflächlichkeiten und Ilebertreibungen". „blindwütige Bekämpfung". ..Einseitig- Letten und Fehlurteile", .typisches Beispiel «inseitiger und unvollkommener Darstellung". (Man verübte mir nicht die Auswahl dieser Urteile, die nur apologetisch gedacht ist.) Hermann Cohen schließlich erklärte, historische Objektivität sei für Graetz eine terra meoümia. Ob es klug von Steinhardt war. gerade diesen Mann als Kronzeugen sich zu tvählen. dürfte zweifelhaft fein und die Beweiskraft seiner Argumente nicht verstärken. Ach nein, trotz Steinhardt, das Jüdentum hat Holdheim noch lange nicht überwunden. Roch lebt sein Geist, außer in der frisch aufblühenden Berliner Reform-Gemeinde, in Hunderten amerikanischer Gemeinden, noch wirkt sein Geist. Neues schaffend, fort in der kraftvoll sich entwickelnden jüdisch-liberalen Bewegung. Und noch hat der jüdische Liberalismus die eine große Ausgabe zu erfüllen, zu der gerade Holdheim — im Geiste unserer Propheten — den Weg gewiesen hat: das Judentum in der Reinheit seiner messianischen Idee wiedekherzustellen und e 8 f ü r immer von den Schlacken eines zurückgebliebenen Nationalismus zu befreien! | Aus der Bewegung Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein „Abraham Geige r".) In unserem letzten Bericht ist ein bedauerliches Berschen zu verzeichnen. In der Zusammensetzung unseres neugewählten Gesamtvorftandeü fehlt der Name unseres lieben Freundes Erich Bayer. Am 3. Februar sprach in einer öffentlichen Versammlung im Schiedmayer-Saal Frau Justizrat Paula Ollendorff über das Thema: „Warum muß die jüdische Jugend liberal sein?" Die geschätzte Rednerin führte etwa aus: Liberales Judentum soll höchstes Menschentum sein, vorbildliches Leben, den heiligen Weg gehen, der zu Gott führt. Nicht alle Gesetze haben für uns wie für die Orthodoxie gleiche Gültigkeit. Wir lehnen den Nationalismus ab. der von Gott nichts wissen will. Die Worte HtllelS und Michas allein sollen uns Richtschnur sein. Man soll nicht Kunst oder Natur statt des Gottesglaubens setzen, da diese nur Wege sind, die zum Gottesglauben führen. Dreifach habe der Jude zu empfinden: die Bestimmung, die Aufbauarbeit und das Glück. Die Bestimmung ist die Mission. Len einen einzigen wahren Gott zu verkünden und das Glück. Jude zu sein, dessen er sich so selten voll und ganz bewußt ist. Herzlicher Beifall dankte der Vortragenden, und Mar Bogelstein hatte als Versammlungsleiter recht, wenn er ausdrücklich darauf hinwies. daß Ausführungen, die auf dieser Höhe stehen, nur von einer Persönlichkeit ausgehen können, die im Judentum seit einem Menschenalter lebt und arbeitet. Bon zionistischer Seite wurde betont, daß die heutigen Verhältnisse solche Ideale nicht zulassen. Aufbauarbeit kann nur in einem Lande geleistet werden, wie es in Palästina der Fall ist. Der orthodoxe Redner vertritt die Ansicht, daß nur seine Richtung für alle Zeiten etwas Feststehendes ist und das Gefühl der Dankbarkeit bei der Ausübung der Gebräuche zum Ausdruck kommt. Von anderer Seite wird klare Stellungnahme zur andersgläubigen Umgebung und zur Palästina-Aufbauarbeit verlangt. Mit Recht bemerkt die verehrte Reönerin in ihrem Schlußwort: Jede Heimstätte für Vertriebene und Unglückliche ist zu unterstützen, das Land ist gleichgültig, und auf unsere Stellung zur andersgläubigen Umgebung gilt das Wort Försters: Seid ihr bessere Juden, so werden Lie anderen bessere Christen werden. In der Gruppe „Süden" sprach am 6. Januar Ludwig Freund über: „Amerikanische Resormbewegung". Der Referent gab ein sehr klares, übersichtliches Bild über Entstehung. gegenwärtigen Stand und Aussichten der amerikanischen Resormbewegung. Sehr lebhaft setzte die Aussprache ein. in der von allen Seiten insbesondere die Gottesdienstfrage erörtert wurde. Am 13. Januar fand bei Ernst Goldner eine Freitag-Abend-Feier für unsere Gruppenmitglieder statt, die allen Teilnehmern Stunden der Weihe und Andacht bot. Am 27. Januar referierte Günther Golöblum über das Thema: „Mein Wea als Deutscher und als Jude". Die Synthese von Deutschtum und Judentum kam wieder einmal klar zum Ausdruck und der trotz aller Schwierigkeiten nicht zu verlassende Weg der Aneignung von Kenntnissen aut beiden Gebieten. Mit Beginn des neuen Ver» einsiahres wählte die Gruppe ihre Leitung, die nun abwechselnd Alfred Berger und Alfred Fuchs ausführen. Hermann Sachs wurde in den Grupvenvorstawd wiedergewahlt und Ludwig Freund neu hinzugewahlt. In der Gruppe „Süden" sprach am 10. Februar Grete Gaßmann» über: „Jüdische Raffe". In Anlehnung an Kautsky gab uns die Referentin in klaren Ausführungen ein übersichtliches Bild von den Schwierigkeiten der Lösung der Frage der Raffe. Die sehr lebhafte Aussprache endete mit dem Wunsche der Abhaltung eines zweiten Abends für die Klärung aller aufgeworfenen Fragen, Am 12. Februar vereinte eine gemeinsame Freitag- Abend-Feier unsere Mitglieder im Bereinslokal. bei Kornhäuser. Weihevoll leitete der herrlich vorgetragene Kiddusch unsereverehrten VereinSmitgliebes Herrn Kantor Wartenberger uns alle in die Stunden der würdigen Freitag- Abend-Sttmmung. Mit feinem Verständnis rezitierte Ruth Pollack, packend wie immer sang Kantor Wartenberger und in dem Mittelpunkt des Abendstand für unS alle das Lebensbild vom Schaffen und Wirken des Dichters Jaeubowskt, das unser Führer, Herr Rechtsanwalt Erich Spitz, uns lebendig vor Augen führte. Aus dem Kreise der Mitglieder heraus kam der Dank für diese Art des Gebotene» in herzlicher Form zum Ausdruck. Frankfurt a. M. (Jiidisch-liberale Jugendgemeinschaft.) Am letzten Heimabend hielt Herr Herrscher ein Referat über „Shakespeare". In anschaulicher Weise beleuchtete er die Eigenart und Vielseittgkeit Shakespeares. die in seinen Werken zum Ausdruck gelanaen. Die intereffanten Ausführungen gaben Anregung zu einer längeren Dldku'sion. in d»r wir n. a. den „Kaufmann von Venedig" einer kritischen Verrichtung vom jüdischen Standpunkt aus unerzogen. Halle. Am Montag, dem 8. Februar 1926, hatte die Ortsgruppe Halle die Mitglieder unserer Gemeinde zu einem Vortragsabend .^Jüdische Dichtungen aus alter und neuer Zeit" eingeladen Der Bortrag, der durch den Oberspielleiter Herrn Alfred Durra und Frau Halka Durra-Heller, beide am Stadttheater Halle, abgehalten wurde, fand vor stark übersülliem Hause statt und erntete allgemeinen Beifall. Hiermit beendete unsere Ortsgruppe in dieser Saison einen Zyklus von Vorträgen, die allen unseren Gemeinde- Mitgliedern geboten wurden und alle in ihrer Art zur Stärkung deS Judentums beitragen sollten Wir sind überzeugt, daß wir uns durch diese Borträge die Sympathien vieler Gemetndemitglteder erworben haben. Lieguitz. (Liberaler Verein der Synagogenaemeinde zu Liegnitz.) Am 11. Februar sprach Herr BerlagSVuchhändler Theodor Mareus. Breslau, bei uns über: „Die verjudete Weltliteratur".! Jn etnem kurzen Streiszug durch drei Zeitepocheu: 1. Palästina. 2. Golns, 8. Emanzipation und das 20. Jahr» unüert, bewies uns der Redner in seinen geistvollen Ans» ührungen, daß das Jndentum. welches der Welt die Bibel» lie Thora und den Talmud gab, auch bis ins 20. Jahrhundert hinein der Literatur unendlich viel gegeben hat. Man kann, wenn unsere Gegner auch nur voller Ironie von einer „verjudeten Weltliteratur" sprechen, tatsächlich ein stark jüdisches Fundament der gesamten Weltliteratur feststellen. — Von Philo von LUexandrien bis zur spanischen Periode, von Jehuba Halevy, Mainwnides und Moses Ben Esra geleitete uns der Redner zu Markus Holz und Rahcl von Varnhagen und verweilte dann bei Börne, Heinrich Heine, Laffalle und Marx. Er laS uns wörtlich besonder» markante Stellen vor. die Kahn über Marx schreibt: „Er ist wie MoseS und wie Christus ein Prophet. Ein neuer Geist, ein neuer Wille." Bei Marx tritt der Hang zum Altruismus, der dem Juden eigen ist, besonders hervor. Er war der erste, der uns mit Seherbltck verkündet hat, daß eine neue Zeitepoche im Werden ist. lieber Schnitzler und Wassermann, Moritz Heima»tn. Hugo von Hoffmannsthal gelangen wir zu den Theater» dtrektorcu. lind da sind es Otto Brahm. Lessiugtheater, Berlin und Max Reinhard, Deutsches Theater, die bahn, brechenfür die deutsche Schanspielknust geworden sind. Besonders als Shakespeare-Regisseur hat der geniale Max Reinhard sich unvergärrglichen Ruhm erworben. Auch Alfred Kerr, der durch seine mit Witz und Satire gewürzten Kritiken bekannt ist. ist ein Jude — Maximilian Harden, Karl Kraus, Peter Altenberg. Beer-Hofmann (Jaacobs Tvaum) sie alle gehören dazu und viele andere, die hier nicht mehr erwähnt werden können. „Der Geist ist es, der eine Epoche bedeutet." — Zum Schluß seiner hochinteressanten Ausführungen vermittelte Herr Marens den mit größter Aufmerksamkeit folgenden Zuhörern Worte aus Stefan Zweigs wunderbarein Kunstwerk, dem „Jeremias". „Wenn auch das Volk zusammenbricht — wenn nur eins stark bleibt, der GVeiit: „Man kann ein Volk besiegen, doch nie seinen Geist!" — Der Dank der Zuhörer äußerte sich in starkem Beifall und Herr Dr. Scheuer dankte dem Referenten noch besonders mit Worten der Anerkennung und schloß sodann, da keine Diskussion verlangt wurde. den erfreulicherweise sehr gut besuchten Vereinsabend, der wohl alle Teilnehmer voll befriedigt hat. Natibor. Am 9. Februar sprach hier Frau Justizrat Ollendorf, Breslau, über das Thema: „Warum sind wir liberale Juden?" Die Ausführungen waren hochinteressant und fanden großen Beifall. Die Versammlung war von allen Parteien sehr stark besucht. Rach dem Vortrag fand ein gemütliches Beisammensein statt. ♦ »»»♦»♦»♦♦»»»♦♦♦♦♦♦♦♦»»♦♦♦»♦♦»♦»♦♦♦♦»♦»♦»♦♦♦»♦♦«••♦♦MM«»»» Verfammlungskalender iiff Berlin. (Liberale Synagoge Norden.) Schönhauser Allee 162. — Anerbachsches Waisenhaus. Gottes» dienst am Freitag, den 19. Februar, abends 7K Uhr, Predigt Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 20. Februar, vormittags 10 Uhr. BreSlan. (Jüdisch-liberaler Jugenüverer« „Abraham Geiger".) Mittwoch, den 24. Februar, 8.30 Mrabends, bei Heilborn. Körnerstraße 28/23, Gruvpe „Süden". Thema:' „Rassentheorie unter besonderer Berücksichtigung der Juden als Rasse und Kulturvolk." Einleitendes Referat: Günter Goldblum. Gäste willkommen. — Voranzeige! Mittwoch, den 3. März: Purim-Feier bei Kornhäuser, 'Freiburger Straße. Frankfurt a. M. (Jüdisch-liberale Jugenda e m c i n i ch a f t.) Die „I irdisch-liberale Jugendgcmeinschaft", Frankfurt a. Main, gibt folgendes Programm für die nächste Zeit bekannt: I. Fortsetzung der Arbeitsgemeinschaften, wöchentlich: Montag: a) abends 8.15 Uhr, Bockenheimer Anl. 49 H. Frau Dr. Edinaer: „Judentum und Ehristentnm": bj abends 8.30 Uhr, Bäckerweg 23, Herr Erwin Baer: Das deutsche Judentum in der heutigen Zeit". 2. Teil: „Innere Verhältnisse". (Der Wiederbeginn dieser Arbeitsgemeinschaft wird noch bekanntgegeben.) Dienstag: a) abends 8.15 Uhr, Bockenheimer Anl. 4911. Herr Tr. Edinaer und Herr Dr. Hoffmann: „Grundsätzliche und Tagesfragen deutscher und jüdischer Politik": b) „Frete Referate" (Zeit. Ort. Thema und Referent werden jeweils bekanntgegeben). Donnerstag: abends 8.15 Uhr. Schmlzimmer der Königsfteiner Synagoge. Herr Hans Benario: „Literatur und Rezitation". II. Heimabende, alle 14 Tage: Donnerstag: abends 8.15 Uhr, bis auf weiteres Niedenau 37IÖ. bei Herrn Tr. Hoffmann. An jedem dieser Abende wird über ein vorher bestimmtes Thema ein kurzes, die Diskussion einleitendes Referat gehalten, hierauf folgt Aussprache und gemütliches Beisammensein. Nächster Heimabend: 25. Februar. Thema: „2Bie läßt sich unsere Pflicht gegen die Eltern mit unserem Streben nach Persönlichkeit in Einklang bringen?". Referent: Kurt Deck. HI. Ausflüge: (werden jeweils bekanntgegeben?) Diesbezügliche Wünsche sind an Herrn Sündermann. Reuterwea 64, zu richten. Ende März ist eine Fahrt nach Worms a. Rhein geplant (Einzelheiten werden rechtseitia bekanntgegeben*). IV. Besondere Veranstaltungen: Montag, den 22. Februar, abends 7.90 Uhr. Frankfurt« Loge, veranstaltet die Jugendgruppe des .jüdischen Frauenbundes" einen Ausspracheabend, zu dem insbesondere die Damen eingeladen werden, welche fick für praktische, soziale Arbeit interessieren. Frau Recha Weil wird über da8 Thema „Was kann uns eine Jugendgruppe geben" referieren. SamStag. den 13. März (Ort und Beginn usw. wird noch vekanntgegeben*). Unsere große Purimfeter. AuS dem reichhaltigen Proararmn sei nur folgendeverratenr Aufführung eines Fastnachtspie'les von .HanS Sachs und einer Revue, ferner Rummelplatz und Ball. Einzelheiten werden an dieser Stelle noch bekanntgegeben. Außerdem die Vorträge des „Freisinnigen Vereins für iiid. Gemeindeleben", die jeweils an -ieser Stelle belanntgeieben werden. Liegnitz. (Liberaler Verein der Synagogengemeinde zu Lieguitz.) Am 3. März 1926, abends 8 Uhr, SUesia-Loge. Lautenabend, Lilli Liebrecht. *) Wir machen nock darauf aufmerksam, daß unsere Einzelbekanntmachungen im Tagesanzeiger der „Frankfurter Zeitung" erfolgen, ferner sind solche im VerkehrÄureau der „ft. Zt-g." Schiller strafte, sowie am Anschlagbrett der Jugendbücherstube Schatzki. Rathenauplatz, angebracht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.