Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-02-19 · 8 (19.2.1926) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
8 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613849--1706-2619095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Die Juden von Strasburg. Meta Opet-Fuss. (Schluß.) Während er mit der Ruhe eines Menschen, der mit dem Leben abgeschlossen, den wechselnden Ausdruck in den Zügen der Schwester betrachtete, «wurden die schürfenden Schritte des alten Mannes aus dem Nebenzimmer hörbar, und bald darauf stand der ehrwürdige Greis vor seinen Enkelkindern. Er mußte die Unterhaltung der Geschwister gehört haben, denn er schien eigentümlich erregt, und seine dunklen 'Augen flammten in fast jugendlichem Feuer. Segnend legte er seine Hände auf Ruths lockigen Scheitel und sagte: „Fliehe mit deinem Bruder, mein Kind, und Gott möge euch beschützen. Um mich macht euch keine Sorgen. Die Uhr meines Lebens ist fast abgelaufen, es kommt nicht darauf an, ob sie einen Tag früher oder später stehen bleibt. Meine Eltern starben, weil sie Juden waren. Wenn Gott es mir also bestimmt, so möge es geschehen.“ Noch immer standen die Geschwister unschlüssig. Da legte sich Peter Schwarber ins Mittel und sagte, während seine rauhe Stimme ein leises Beben durchzitterte: „Ich will mich nicht länger als Christ bekennen, wenn die Mordgier dieser Verirrten auch vor einem greisen Haupte nicht Halt macht." „So laßt uns die Mutter holen," rief Ruth mit einem befreiten Aufatmen. „Großvater, warum siehst du mich so ernst und traurig an?" unterbrach sie sich plötzlich, und ihre Augen weiteten sich in angstvollem Ahnen. „Was ist mit der Mutter?" rief auch Rüben erschrocken aus, „Die Mutter wollt ihr holen?" sagte der Greis langsam mit schwerer Betonung. „Weinet nicht, arme Kinder, ein anderer hat sie geholt, der größer und barmherziger ist als wir alle, sie starb gestern an der Pest. Simon, dessen Kinder sie gepflegt, klopfte heute nacht an das Fenster meiner Kammer und sagte mir, daß sie ausgelitten. Als ich wenige Stunden vorher bei ihr gewesen, lag sie noch in schwerem Todeskampfe." Ruth brach in lautes Weinen aus, und auch Rüben wehrte den quellenden Tränen nicht. „Flieht, und rettet wenigstens euer junges Leben," sagte der alte Mann mit zitternder Stimme, und Peter Schwarber fügte hinzu: „Eilt, raffet nur das Notwendigste zusammen." Dann begab er sich in die Kammer der beiden Mädchen, wo er Margarete noch immer mit dem Packen ihrer Sachen beschäftigt fand, Nach kurzer Zeit kehrte er mit ihr zurück. „Verabschiede dich," sagte er zu dem bleichen Mädchen, „und danke ihnen für alle Liebe, die du hier erfahren." Vom Großvater gedrängt, schlossen sich die Geschwister dem Ratsherrn und seiner Tochter an. „Ich werde für euch beten," sagte Margarete, als sie zum letztenmal am Tore des Ghettos den Geschwistern die Hände reichte. „Der Gott, der seine Sonne scheinen läßt, über Gerechte und Ungerechte, möge eure Flucht gelingen lassen," fügte Peter Schwarber hinzu. Seine Tochter sah den Davoneilenden nach, solange sie die beiden an dem bunten Halstuch Ruths erkennen konnte. Dann schritt sie in tiefem, schmerzlichem Sinnen neben dem Vater her, ohne auf die vielen erregten und schreienden Menschen zu achten, die ihnen begegneten. Als sie aber die Stadtgrenze überschritten hatten, stockte ihr Fuß. „Warum führtest du mich nicht am Marktplatz vorbei?" fragte sie den Vater. „Das solltest du dir doch denken können," lautete die Erwiderung. „So ist es also wahr, das Furchtbare, vielleicht das Gerüst schon aufgerichtet?" fragte das Mädchen wieder. „Es ragt hoch in den blauen Himmel Gottes hinein, das schändlichste Werk, das Menschenhand je geschaffen," war die Erwiderung. „Hörst du sie jubeln, die Wahnsinnigen, komm, ich möchte dir den Anblick ersparen, daß du die Flammen, die brave Menschen verzehren, gen Himmel schlagen siehst." Margarete blieb stehen. „Laß uns hingehen, Vater. Ich würde Tag und Nacht keine Ruhe haben, wüßte ich nicht, daß sie gerettet sind." Peter Schwarber zögerte. „Wenn aber ihre Flucht mißlungen,“ wollte er sagen, doch er unterdrückte diese Bemerkung, die seine Tochter noch mehr beunruhigt hätte, sondern versuchte mit sanfter Gewalt das Mädchen zum Weitergehen zu bewegen, allein vergebens. „Ich war dir niemals ungehorsam, Vater," sagte Margarete, und eiserne Entschlossenheit sprach aus ihren Blicken, „doch wisse, eher magst du mich töten, als daß du mich zwingst, mit dir zu gehen, bevor ich mich von der Rettung unserer Freunde überzeugt habe." Eine solche Sprache war Peter Schwarber von seiner Tochter nicht gewöhnt. Erstaunt blickte er sie an und erschrak über den Ausdruck von Leidenschaftlichkeit in den sonst so sanften blauen Augen, die sich plötzlich mit Tränen füllten. „Er wird nicht gerettet werden, ich fühle es," schluchzte sie. In ihrer Aufregung hatte sie so ihr Geheimnis dem Vater verraten. Der fragte nicht weiter. Nun verstand er, warum sich das Mädchen bis zuletzt geweigert, das Judenhaus zu verlassen, und er atmete erleichtert auf, als er sich überlegte, daß Rüben auch im glücklichsten Falle, da er doch fliehen mußte, sein Schwiegersohn nicht werden könnte. War er auch den Juden freundlich gesinnt, so wäre ihm doch einer von ihnen als Gatte seiner Tochter nicht willkommen gewesen. „Ich will mit dir nach dem Marktplatz gehen," sagte er nach einigem Zögern, „falls du mir versprichst, vernünftig zu sein und nicht zu wehklagen, wenn etwa deine Freunde nicht mehr entkommen sind. Du weißt, wie sehr die Juden gehaßt werden. Man wird ihren T<td bejubeln. Weinst du, während die anderen sich freuen, so bist auch du deines Lebens nicht sicher," „Meinst du, Vater?" fragte Margarete kurz mit einem sonderbaren Leuchten in den schönen Augen. Je näher die beiden dem Marktplatz kamen, um so dichter wurde das Menschengewühl. Das junge Mädchen eilte so schnell vorwärts, daß ihm der Vater kaum folgen konnte. Mit ihrer schlanken Gestalt bahnte sie sich den Weg durch das dichteste Gedränge. Peter Schwarber fiel es auf, daß die Gesichter der Menschen alle den gleichen Ausdruck wahnsinniger Freude zeigten, und er zürnte der Tochter, die ihn gewissermaßen gezwungen, mit diesen Irrsinnigen dem furchtbaren Schauspiel beizuwohnen. Als sie dem Marktplatz näher kamen, begegneten ihnen von allen Seiten gefesselte Juden, die in herzbewegenden Tönen ihre Peiniger um Gnade baten, doch vergebens. Unter Flüchen und Verwünschungen wurden sie vorwärtsgeitoßen. „Tötet mich, aber verschont meine Kinder," rief eine Mutter aus. „Gerade eure Brut soll vernichtet werden," rief einer aus der Menge, unter lautem Beifall der übrigen. Peter Schwarber suchte sich den Blicken der wehklagenden Juden zu entziehen, von denen ihn, wie er wußte, viele kannten. Es war ihm zu schmerzlich, ihnen nicht helfen zu können. Wider seinen Willen mußte er dennoch aus einiger Entfernung wahrnehmen, wie ein alter Mann, der kaum gehen konnte, von seinen rohen Führern mit der Peitsche vorwärtsgetrieben wurde. Plötzlich fiel der Greis tot zu Boden. Der Ratsherr erkannte in ihm, als er näher trat, Rubens Großvater. „Der Ewige hat es gut mit ihm gemeint," sagte eine tiefe wohlklingende Stimme. Ein gleichfalls gefesselter älterer Mann, der bei dem Toten stand, hatte diese Worte ausgesprochen, er schickte sich zu einem kurzen Gebete an, doch seine Füh. rer zwangen auch ihn, weiter zu gehen. „Laßt ihn doch," bat Peter Schwarber, „es ist der Rabbiner der Gemeinde." Ein Hohnlachen antwortete ihm. Die sonst so weichherzige Margarete schenkte diesen ergreifenden Szenen keine Beachtung. Gesenkten Hauptes eilte sie vorwärts, bis sie plötzlich ein Feuerschein zum Aufblicken zwang. Sie waren am Marktplatz angelangt und auf einmal im dichtesten Menschengewühl. Peter Schwarber verlor seine Tochter aus den Augen, erst nach längerem Suchen bemerkte er sie in der vordersten Reihe, ohne jedoch, durch mehrere Reihen von ihr getrennt, zu ihr gelangen zu können. Lustig loderten die Flammen gen Himmel. Die entmenschten Zuschauer jauchzten, während die Geopferten in herzzerreißenden Schmerzenstönen ihre Seelen aushauchten. Immer neue Nahrung krachten die Mordlustigen dem unersättlichen Element. Peter Schwarber studierte die grell von den Flammen beleuchteten Judengesichter, aus denen die Todesangst sprach, mit gespannter Aufmerksamkeit, voller Furcht, Rüben und dessen Schwester unter ihnen zu entdecken. Und siehe da, eine weinende Mädchenstimme, die er nur zu gut kannte, klang an sein Ohr, Ruths Stimme, und nun erblickte er Ruth. Gefesselt schritt sie neben ihrem Bruder, vergebens um Gnade flehend, den mörderischen Flammen entgegen. Rüben selbst sah ruhig und gefaßt aus Ernst und stolz blickte er auf die ihn verhöhnenden Menschen. Der Ratsherr begriff plötzlich, daß seine Tochter diesen jungen Mann lieben kannte. Dann wandte er sich ab. Er mochte nicht sehen, wie diese auch ihm lieb gewordenen Menschen die gräßlichsten Todesqualen erlitten. „Arme Kinder,“ murmelte er tief bewegt. „So seid ihr also nicht entkommen." Da geschah etwas Unerwartetes. Ein markerschütternder Schrei aus vielen Kehlen ertönte, und als Peter Schwarber aufblickte, da sah er zwei goldblonde Zöpfe im Winde flattern, eine schlanke, jugendliche Gestalt auf die Flammen zustürzen, in ihnen verschwinden, sein Kind. Und aus der roten Glut ertönte ihre liebliche Stimme: „Dein bin ich, mein Rüben, für immer und ewig, dein Gott ist mein Gott, er segnete unsere Liebe." Zwei zarte Gestalten umarmten, küßten sich, die Flammen tanzten um sie herum, kamen näher und näher, liebkosten sie, wurden eins mit ihnen, loderten empor wie im Siegestaumel und verwandelten Jugend und Schönheit in ein armseliges Häuflein Asche. Die tausendköpfige Menge hielt den Atem an. Eine Ahnung van der Liebe, die selbst den Tod überwindet, mochte manchen überkommen. Nur einer von den vielen sah und horte nichts mehr von alledem. Peter Schwarber war, als er seine eigene Tochter auf dem Scheiterhaufen erkannt, von» Schlage getroffen, tot zu Boden gestürzt. ENDE. BÜCHERSCHAU ii »♦4 Joseph Trumpeldor: Tagebücher und Briefe. Aus dem Russischen übertragen von M. Wilensky. Jüdischer Verlag, Berlin 1925. 414 Seiten. Brosch. Es ist gut, daß der Name eines seltenen jüdischen Helden, Joseph Trumpeldor, durch das schlichte Denkmal, das der Jüdische Verlag ihm mit der vortrefflich übersetzten deutschen Ausgabe seiner Tagebücher und Briefe setzt, •nun auch bei uns bekannt werden wird, ein Name, der in der jüdischen Siedlerschaft des neuen Palästina fast heiligen Klang hat. Mit wenigen Daten ist das äußere Leben dieses Außerordentlichen Umrissen: 1880 geboren, kämpft er in der russischen Armee als Gemeiner im japanischen Kriege mit um Port Arthur, verliert den linken Arm, wird aber auf sein Gesuch hin weiter an der Front verwandt. Er erhält eine der höchsten russischen Kriegsauszeichnungen und wird, als erster Jude der zaristischen Armee, unter besonders ehrenvoller Anerkennung seiner einzigartigen Tapferkeit zum Leutnant befördert. Er studiert nach Ende des Krieges Jurisprudenz und wirbt unter der gleichgesinnten Jugend für eine zionistisch-kommunistische Siedlung, die er 1912 gründet. Nach deren Zerfall arbeitet er in der Kolonie Daganiah, geht 1914 nach Alexandria, da er, wie die meisten Siedler, bei Ausbruch des Weltkrieges aus Palästina ausgewiesen wird. Dort begründet er die erste jüdische Legion, das „Zion Mule Corps", das unter seinem Kommando mit den englischen Truppen auf Galiipoli kämpft Bei Ausbruch der russischen Revolution organisiert er die jüdischen Selbstwehren zur Abwehr der Pogrome, begründet die „Chaluzim“-Bewegung, die Ausbildung der Arbeitspioniere für Palästina, und kämpft 1919 und 1920 im Lande zum Schutze der Siedlungen gegen die arabischen Räuberbanden. In Tel Chaj, auf dem exponierten Nordposten, fällt er einem hinterlistigen Ueberfail zum Opfer. Kampf, Energie, Wille ist das Leitmotiv dieses Heldenlebens! Straffste Selbstzucht, selbstverleugnendster Mut, unendliche Opferwilligkeit, getragen vom unerschütterlichen Glauben an die Idee seines jüdischen Volkes, kennzeichnen ihn. Und in seinem Innern lebt, das machen die schlichten Dokumente ganz anschaulich, eine zarte, stille, reine Seele, mitleidsvoll, hingebend, die zu dem rauhen Kämpferdasein in einem scheinbaren Kontrast steht. Daß sich diese Anomalie zur Einheit löst, daß ein geschlossenes Charakterbild des Mannes dem Leser vor Augen tritt, ist das große Verdienst der unzusammenhängenden und wahllosen Auslese, die vieles scheinbar auch ganz Unwesentliche enthält. Demjenigen, der das Ganze, stellenweise mit tiefster Ergriffenheit, stellenweise mit atemloser Spannung gelesen, rundet sie sich zum Epos. Den allerstärksten Eindruck, außer der Schilderung des letzten Heldenkampfes, erweckt wohl das photographische Bild, das den Kapitän des „Zion Mule Corps‘* darsteÜt. Aus diesen tiefen beseelten Augen spricht die herbe Tragik, die in den Worten des Buches nicht hinreichend zum Ausdruck kommt, die Tragik des Thermopylenkämpfers, der als Ziel nicht den Sieg, sondern nur den Tod vor Augen sieht, der weiß, daß es „gut ist, für unser Land zu sterben“, die Tragik des Selbstopfers. Immer wieder versagen die Genossen, die Siedlung zerfällt, die Legion zerbröckelt, die Kolonie wird im Stich gelassen. Neid, Kleinlichkeit, Feigheit, Unzulänglichkeit, Ja Gemeinheit zermürben immer wieder das Werk. Dem Führer fehlt das Gefolge, und indem er immer wieder, von ganz unten anfangeno, beispielhaft werbend, sich an kleinliche Aufgaben verschwenden muß, über die das Format seiner Persönlichkeit weit herausragt, erhält seine Tat den Stempel der Nutzlosigkeit. Daß all diesem großen Wagen und Wollen der Erfolg versagt blieb, hinterläßt im Leser einen Stachel der Bitternis, den da* Erhebende einer edlen Tragik nicht zu lösen vermag. Dr. Erwin Seligmann-Frankfurt a. M. Arthur Sakheim: Das jüdische Element in der Weltliteratur. Verlag Hazorcf, Buchhandlung Goldschmidt G. m.b. HL Hamburg. 1925. Diese sieben Vorträge, die der rühmliehst bekannte Hamburger Schriftsteller, über dessen Wertschätzung es in Deutschland nur eine Meinung gibt, im Hazoref-Verlag erscheinen ließ, stellen einen überaus anschaulichen und {ilastischen Gang durch die jüdische Geästesgeschichte des etzten Jahrtausends dar. Man staunt über das stupende Wissen, das sich bei Sakheim auf jeder Seite verrät, und das außerordentliche Geschick, mit dem er den ungeheuren Stoff auf nur 185 Seiten konzentriert hat; dispositionelltechnisch erinnert das Buch fast an die besten Göschen- Bändchen, die auch riesige Wissensgebiete in handlich übersichtlicher Weise kursorisch durcheilen und den Leser, zu weiterem Studium anregen. Man wird von Ehrfurcht ergriffen, wenn man in der gedrängten Sakheim sehen Uebersicht einen Begriff davon bekommt, was die Juden in der Welt geistig geleistet haben. Dabei ist das Buch doch ganz frei von der widerlichen Selbstverhimmelung, mit der andere Bevölkerungsgruppen und Kulturkomplexe — man denke nur etwa an Cnamberlains, Treitschkes, Lagardes und Günthers Selbstbeweihräucherungen — sich so gerne bespiegeln. Wer von den modernen deutschen, des Hebräischen unkundigen, Juden kennt alle die Namen der unzähligen jüdischen Männer, die vom frühen Mittelalter ab geistig Ueberragendes geleistet haben und an den wichtigsten „Frontabschnitten" im Kampfe für den Fortschritt menschlicher Kultur und Gesittung gestanden und ihr Leben eingesetzt haben? „Das Volk des Buches" nennt Mohamed die mittelalt erlichen Juden im Osten, und im Berlin des 19. Jahrhunderts ruft ein Theodor Fontane wehmütig aus: „Ach! Wirkliche Liebe zur deutschen Dichtung hat doch nur die jüdische Karl Emil Franzos-Gegend!“ — Und hundert Jahre früher schreibt der antisemitische Tbeaterreferent Feige wütend in der „Voß": „Es ist fürwahr ein Skandal! Wenn es ein anständiges und wertvolles Stück im Königl. Theater gibt, ist das ganze Haus voll Juden!“ Sakheims Buch erzählt von den Bestrebungen der Kabbalisten, von dem Kreise der arabisch-jüdischen Gelehrten und Schriftsteller des 14. Jahrhunderts, von der Blütezeit der jüdisch-spanischen Literatur, die einen Halevi, Maimonides, Gabirol hervorbrachte, von den Geistesriesen der in Holland und England lebenden Sephardira, von der mittelalterlich-jüdischen Mystik in Frankreich, der neueren in Rußland und Polen, den vielen weithin wirkenden jüdischen Gelehrten und Dichtern im Deutschland der Vor- und Nach- Mendelssohnschen Zeit; und im letzten Vortrag streift er, schon unsere Epoche mit ihren Potenzen, wie Achad Han», Parez, Gorion, Bialik, Schneiur, Scholaum Aleichem, aber, auch die uns allen bekannten Namen der Moderne. Die Vorträge führen uns meist in kurzer und prägnanter Weise eine gar stolze Ahnentafel vor und rufen uns ein nie verstummendes „Noblesse oblige“ zu. Die heutige Generation soll nicht vergessen, daß sie sich einer gewaltigen Tradition würdig zu erweisen hat. In Sakheima Werk ist der unwiderlegliche Beweis erbracht, daß da» wahre und echte Judentum zu allen Zeiten einer der wichtigsten Bestandteile des menschlichen Geistesadels war. Diene Vorträge, die für jedermann gleichmäßig interessant sind» seien hiermit auf das Wärmste empfohlen! Es wird sicherlich niemanden geben, — und sei es selbst der fanatischste Judengegner —> der sich dem lebendigen Zauber dieses großartigen farbenreichen Ganges durch die menschliche Geistesgeschichte entziehen kann. Ein Wunsch sei nur noch ausgesprochen: Ist es nicht möglich, im besten Deutsch unserer Tage eine Anthologie aus all den großen Dichtern des letzten Jahrtausends, die in verschiedenen Sprachen — meistens hebräisch — geschrieben haben, zusammenzustellen? Könnte auf diese Weise nicht unvergängliches Geistesgut auch für unsere entheiligte Zeit nutzbar und fruchtbringend gemacht werden? L. Gaßmann-Berlin. Auslosungen der Räisel von voriger Nurnmov: 1. Zerlegansgabe. 2. Kammrätsel. H A D E R W A 8 S E R A A U L Y A N V B T R B N I E A E B A D N R R 3. Der verwandelte Monat. Adar. Sara. Kalendarium für die Zell vom 20.2. b. 27.2.192«. Februar 1926 Sonnabend 20 6. Sonntag 21 7. Montag 22 8. Dienstag 23 9. Mittwoch 24 10. Donnerstag 26 11. Freitag 26 12. Sonnabend 27 13. Adar 8688 Wochen-Abschnitt: Termnoh Haftarah: L Könige 5,26—32; 6,1-13 Sabbat-Ausgang: 6,09 Fasten Esther Wochen-Abschnitt: Tzawe?. Sachor Samuel, Kar. 15,2 vis 34 Sabbat-Ausa an a: 621 mühbihi

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.