Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 41 (9.10.1925)
- Date
- 1925-10-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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dreier Gafahr der Verengung. mit -er persönliches Leid unpersönliche Freude die Seele bedrohen, begegnet -a- Judentum durch das Gebot -er „Freude vor Gott", durch den Gedanken: -er Mensch kann nicht zu -ieser höchsten Freude aelangen, ohne -en Menschen, ohne die Mitfrcude anderer Menschen. Diesen verbindenden Eharakter -er Freude bat vielleicht niemand tiefer gefühlt als der deutsche Dichter, der in dem Gedicht „An die Frerrde" die Worte niederchrieb: .. Alle Menschen werden Brüder, Wo dein sanfter Flügel weilt.. —-" Durch unser modernes Geschlecht geht eine tiefe Unzufriedenheit. Wir fühlen uns io viel ärmer geworden. Wir find es anch. aber nicht etwa, weil wir den Krieg verloren haben, nicht, weil wir iir einer solch schweren wirtschaftlichen Krisis stehen, sondern weil wir die Freude nicht mehr kennen. Wir kennen nur daö Vergnügen, kennen vielfach. wie das Heidentum, nur den Taumel, den Rausch. Wir müssen, io hört man oft sagen, uns zerstreuen, um den Ernst, um die Schwere unserer Seit überhaupt ertragen zu können. Es ist wirklich ein Zerstreuen, ein Zerstreuen häufig des Letzten, was an innerer Sammlung, was au seelischer Kraft im Menschen noch vorhanden ist. Das Judentum lehrt eine andere Ucberwivdung der Schwere des Tages. „Tu sollst dennoch freudig sein". Wie deine Vater, mein Jude. trotz drückendster äußerer Not den Weg zur Freude fanden, altes Dunkel überwindend durch das Liw,t in ihrem Hans und in ihrer Seele, so kannst auch Du die Freude finden, wenn Du sie gleich deinen Vätern suchst abseits der großen Menge, wenn Tu dich versenkst in die stille Welt eines guten Buches, wenn Du lauschst der geheimnisvollen Sprach? der N a t u t, wenn Tu — und das ist das Bedeutsamste —- die sinnvollen Bräuche des Judentums in Deinem Heim zu neuem Leben erweckst, -atz Dein H a u s m i c d e r u m erfüllet werde von religiöser Weihe, dantt wirst auch Du die wahre Freude empfinden, die unsere Religion verheißt, die Freude in Gott. «•»•»»»»»»♦»♦♦»»»»♦»•»♦♦»»»»»♦♦»«♦♦♦♦»♦♦♦♦♦»♦»»»♦»»»♦♦♦»OM»»» Ifff Aus den Gemeinden ffff »»♦♦♦»♦♦♦♦♦♦»»»♦♦♦♦♦♦♦»♦»»»♦»♦♦♦,♦♦»»♦♦♦♦♦»»♦♦♦♦»»♦»,»»,,,»» Berti«. <G ehe.imrat Adolf Warschauer 7k» Jahre alt.) Am 1?. Oktober d. I. vollendet der Geheime Archivrat Professor Tr. Adolf Warschauer sein 7l>. Lebensjahr. Geboren in Kempen und vorgebildei auf dem Gymnasium und der Universität in Breslau, trat er .1881 in den preußischen Archivdicnst ein und war von 1882 bis 1012 am Staatsarchiv in Posen tätig. Er entfaltete hier eine ungemein fruchtbare literarische Tätigkeit und sorgte durch zahlreiche Borträge, besonders in der „Historischen Gesellschaft" in Posen, als Herausgeber der „Historischen Monatsblätlcr für die Provinz Posen" und nicht zuletzt als Geschichiöproscssor au der Posener Akademie für die Verbreitung und Vertiefung landes- und allgemeingeschichtlicher Kenntnisse. Eine Autorität aus dom Gebiete der Geschichte des deutschen Ostens/ wurde er im Jahre 1012 mit der Leitung des prcutzischcn Staatsarchivs in Dvnziq betraut. Siebt man davon ab, daß im Jahre 1878 dem Breslauer Professor Jakob E aro. der über hohe Protektion verfügte, die Leitung des Posener Staatsarchivs — ohne Gegenliebe zu finden — augeboten war, so ist Adolf Warschauer der erste und einzige — ungetanste — Jude, dem die leitende Verwaltung eines preußischen Staatsarchivs anvertraut wurde. Der Krieg brachte ihm die Berufung an. die Spitze der Archivverwaltung beim, deutschen Generalgouvernement in Warschau und führte ihn damit in ein Arbeitsgebiet, auf dem er seine wissenschaftliche, sprachliche und organisatorische Begabung und auch die ganze Kouzilicmz und Liebenswürdigkeit seines Wesens entfalten konnte. Er hat auf diesem Posten pflichtgetrcuer als manch anderer bis zuletzt ausgeharrt und seine Gesundheit dem Vaterlande zum Opfer gebracht. Auch nach seiner Pensionierung diente er dem Feierlag. Still steht der Tag, die Hände ruhen; Der Geist verlaßt des Höchsten Schutz Und läuft auf unsichtbaren Schuhen Weit fort von Erdenleid und Schmutz. Er sucht sich selbst — so oft vergessen In Tagesarbeit, Tageslalt — Und schaut tm Spiegel uvermessen Was er geliebt, was er gehaßt. Weh sieht er stumm, die falschen Taten, Die irren Wege seiner Bahn: Ihm klärt sich, was ihm schlecht geraten- Hell gleißt des Herzens Torenwrhn. Da wendet sich der müde Wandrer Und vor ihm öffnet sich die Zeit. Er kehrt zurück, so ganz ein and'rer Der beß'ren Zukunft groß geweiht. E. Berger. Jüdische Eindrücke aus Ratten. Von D r. S. Loewc. Italien, das Wunderland. Sehnsuchtsland der Deutschen don jeher, durch den Krieg versperrt, scheinbar für alle Zeiten — setzt wieder geöffnet — ist's ein Wunder, daß sie rlle heraneilen zum Land der Mignon, all die wanderfrohen Deutschen? Teils, pilgern sic aus Goethes Spuren zum Gardasee, nach Torbole und Malcesine, teils zum märchenhaften Venedig, teils zum heiligen Vater nach Nom. Aber außerdem gibt es doch noch eine Reibe von Städten, selbst im Norden Italiens, die auch genug des Interessanten bergen. Da ist zuerst Verona. I. Verona. Die uralte Stadt, in der der Sage nach Dietrich von Bern herrschte, Stadt alter, herrlicher Palazzi, wunderbar geschlossener Plätze und terrassenförmig angelegter Gärten mit riesenhohen Zypressen, Feigen- und Oelbäumen. Geschäftiges Leben herrscht auf dem Gemüsemarkt, der „Piazza Erbe"? die vornehmsten Paläste begrenzen ihn. in denen einst die Patriziergeschlechter Berovas lebten, vielleicht auch jene Montecchi und Capuletti lkann man doch sogar LaS Grab der Giulietka besichtigen!). Und dicht an diesem Platz, dem Herzen -er Stadt, dem heiß-pulsierenden Leben — plötzlich eine Quergasse, eng, schmal, mit hohen Häusern — *>a$ ehemalige Ghetto. Noch türmen sich wie einst fünf. Staate bei der Vorbereitung wichtiger StaatSverhandlungen mit der Fülle feiner Kenntnisse und seiner-rastlosen ArbeitSrreudigkeit. Jüdischen Dingen hat er, der mit dem RaSbiner der Posener Brüdergemeinde, dem vor nicht langem dahinge, gangenen Professor Philipp Bloch, innig befreundet war. sich nie versagt. Die Geschichte der posensche» Juden hat er schon sehr früh in feine Forschung witeinbezogen und sie durch selbständige Aussätze wie durch eingehende Behandlung in größeren, zumeist stadtgeschichtlichen, Arbeiten bereichert. Sein archioarisches Hauptwerk, die mit souveräner Beherrschung eines schier unermeßlichen Stoffes geschriebene Publikation über „Tie städtischen Archive in der Provinz Posen", enthält auch eine Fülle von Nachrichten Wer urkundliche Materialien zur Geschichte der Posener Juden. Bon hier gebt die Linie zu Adolf Warschauers Tätigkeit als Mitglied des Kuratoriums des Gesamtar-chivs der deutschen Juden, dem seine Verbindungen und sein fachmän, nischer Rat vielfach zugute kamen. Es gibt sehr viel Leute, di« auf ihrem jeweiligen Spezial, gebiet bedeutend weniger geleistet haben als Adolf Warschauer auf dem seinen aber bedeutend anspruchsvoller ausgetreten sind. Er aber ist ausgezeichnet durch.eine geradezu rührende Bescheidenheit und durch eine Selbstlosigkeit der Pflichterfüllung, die bestes preußisches Beamtentum widerspiegelt. Zielbewußt und gütig, von feinster deutscher und europäischer Bildung und begnadet mit dem allumfassenden, Gegensätze ausgleichenden jüdischen Herzen, ist er eine der sympathischsten Ausprägungen des Wesens Posener Judentums. ES dürfte nicht überflüssig iciu. zu bemerken, daß in Posen und Danzig das Haus Adolf Warschauers der Mittelpunkt feinster Geselligkeit mar, von der sich alle kulturellintereiiterten 'Steife ohne Unterschied non Glauben und Nationalität willig umschließen ließen. Und als Adolf Warschauer mit seiner gleichgestimmten Gattin in Warschau Haus hielt, da fanden sich bei ihnen nicht nur Amtsgenossen und Angehörige der obersten Verwaltungsbehörde ein, sondern auch die matzacbenden Vertreter der entgegengesetztesten Richtungen des deutschen Judentums, wie sie Dienst und, Auftrag in Polens Hauptstadt zusammengebracht hatte. Kann nur der Krieg solche Salons der Versöhnung schaffen? Mögen dem Abend von Adolf Warschauers reichem Arbeitsleben freundliche Sterne blinken! Berlin. iD o h l t ä ti g k e i t § - Sch w t n d l e r.l Am 2. Oktober wurde ein Kurt Aronsohn verhaftet, der sich unter dem Namen Dr. Solomon als Syndikus der Ortsgruppe Berlin des N eich s Hund cs jüdischer Frontsoldaten ouSgab und als solcher bei zahlreichen Firmen tHelder sür den Rund erschwindelte. Der Reichsbund jüdischer Frnnstsoldaien warnt vor diesem Menschen und kann es nicht verstehen. daß zahlreiche Firmen lediglich aus telephonischen Anruf, ohne einen Ausweis zu verlangen. Gelder hcrausgegeben haben. Der Rcichsbund bittet, in Zukunft nur solchen Herren unseres Bundes für seine Aufgaben Gelder M.zuwenden. die einen schriftlichen Ausweis haben, oder die Gelder direkt durch die Post an den Bund gelangen zu lassen. Breme«. <A u g u st e K i r ch ho s s ü b e r d e n A n t i f e - m i t i L m u S.) In einer öffentlichen Versammlung der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit zu Bremen sprach die bekannte Politikerin Frau Auguste Kirchhofs über ..Antisemitismus". Der Bortragssaal im altehrwürdiaen Brewer Gewerbehause war zu klein, um alle diejenigen in sich aufzunehmen, die für dns Thema und die ebenso beliebte wie geistreiche Rednerin Interesse hatten. Wie die Vorsitzende bei Eröffnung der Veranstaltung mitteilte. findet dieser Vortrag in Ausführung eines Beschlusses der Konferenz in Washington statt. . Die Refsrendin selbst zergliederte auf Grund der Ergebnisse der modernen Wissenschaft die antisemitischen Behauptungenvon der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse, der Gefühllosigkeit und d-em Mammvnisnmö der Juden. Sie bemühte sich, nachzuweisen, daß die Quellen des Judenhasses religiöse Motive bilden, die erst in Zeiten schwindender Gsänbigkeit politischen, soziologischen und anthropologischen Erwägungen Platz machten. Dis Ausführungen fanden lebhaften Beifall der fast ausschließlich nichtrüdischen Zuhörerschaft, und es ist bezeichnend für die ruhige aber absolut zuverlässige Sachlichkeit, ■BMawHMumw wii—mniriYinmni n n 1111 an tiiiiiiiiii «wii iwwpM«i^nwBi sechs Stockwerke übereinander, kleine eisenumgitterte Balkons als einzige Verzierung. In dieser Straße ist der Tempel, ,,la chiesa cbraica“, wie die Italiener sagen. Nach einigem Bemühen gelingt es mir. den Schammes ausfindig zu machen. Ein blonder Mann mit gütigen, blauen Augen, ganz im Gegensatz zu den rabenschwarzen Italienern, tritt auf mich zu und fragt Lei Jud“? Als ich bejahe, führt er mich in den Tempel. Von außen ein unscheinbares, graues Gebäude, ist es innen ein wundervoll-prächtiger, dabei ruhig und feierlich wirkender Raum. Urakte. herrliche Leuchter, geschnitzte Säulen, reichgestickte Thoramäntel. Und mit großem Stolze schleppt der gute Mann Thocavorhänge herbei, die aus dem 17. Jahrhundert stammen: auf weißer Atlasseiöe die kunstvollsten Stickereien. Samt und Perlen, daß man sich gar nicht satt sehen kann an all der Pracht. Zuerst war ich verwundert über die Orgel — aber ich fand sie dann in anderen italienischen Städten wieder — man ist nicht mehr so fromm da unten.... Verkaufte doch eine Jüdin im Hause der Synagoge, in dem unten ein Laden war. katholische Heiligenbilder und Kruzifixe! —- Abends — wenn nicht direkt ein jüdischer, so doch ein biblischer Eindruck: „Mosfe" von Rossini in der Arena. Die riesengroße, steinerne Arena der Römer, einst Zirkus, in dem grausam-wilde Bestien kämpften. Gladiatoren ihre Geschicklichkeit zeigten — jetzt eine großartige Freilichtbühne. Tausende und Abertausende von Menschen unter dem Sternenhimmel des Südens, andächtig lauschend, und dort vorn auf der Bühne die klagenden Aegypter, von der Plage der Finsternis heimgefucht. Wunderbare Maffenbilder: Die Kinder Israel in der Wüste, packend und unvergeßlich die Gestalt des Mose, ganz Michelangelo in Gestalt und Gewandung nachgebildet. Bon überirdischem Glanze umgeben. ein Heiliger, steigt er langsam vom Sinai herab, die Gesetzestafeln iit, der Hand (es war wirklich eine Thorarolle aus dem Tempel, wie ich durch den Schammes erfahren hattet und alles Volk fällt andächtig auf die Knie. Die Italiener sind begeistert, jubeln, klatschen ohne Ende. Und zuletzt gar beim Durchzug durch das Rote Meer (der übrigens technisch glänzend dargestellt wurde>, findet die Bewunderung keine Grenzen mehr. Nach deutschem Geschmack ist die Musik zu weich und melodiös für so grandiose Ereignisse, wir sind an andere Klänge, an realistische Tonmalerei gewöhnt — aber hierhin patzt da§ Ganze, hier itt die betörend-weiche Abendluft hinein, zu dem üuftblauen. sternenübersäten Himmel, zu der klangvoll-süßen Sprache: ,.E d'Israello il Dio Invoca sol Mose. Dal tuo stellato soglio Signor, ti volgi a noi.“ („Du Hüter Israels, 78 Dem Diener fleht zu Dir. Von dem bestirnten Himmel O, Herr, neig' Dich zu mir!^ daß trotz' der Aufforderung zur freien. AuSfprache niemauk | sich zum Wort meldete. I Breme«. (Verlobung des Gemein deradbi-I n e r s.) Herr Rabbiner Tr. Aber verlobte sich mit de, I Tochter seines Amtsvorgängcrs in Bremen, Fräulein Hanne | Rosenack. I Breslau. (Vorlesungsverzeichnis des jüdisch. I tyeo logi scheu Seminars.) Im Wintersemester I 1925/28 werden folgende Vorlesungen und Uebungen gehal. I ten werden: 1. Herr «Seminarrabbiner Prof. Dr. Michael I Gu ttmann wird lesen: 1. .Talmud Gittin istat.j vom! 2. Abschnitt ab (A); 2. Talmud Sanhedrin Icuri.) für A„- I mnger (B); ä. Dezisoren: Eben HaLzer (Forts.) und Jore I Dea von 8 98 ab (A); 4. Apologetische Vorlesungen mit I Uebungen. 2. Herr Dozent Tr. Isaak H c i n c nt mt n wird lesen: 1. Abschluß der hebräischen Grammatik |C); 2. Ein. führung in die bramäifche Sprache der Bibel, des Targnm und des. babylonischen Talmud (B, C); Leichte Abschnitte ans dem bäbilonischen Talmud (C|; I. Gabirols Philosophie und seine philosophische Dichtung: 5. Uebungen über Philons griechische und jüdische Bildung inur für humanistisch Gebtldete): 6. Lektüre ans EreScas' Or Adonai (A); 7. Ueftun* ffeit zur Pessach - Hag gada: 8. Homiletische Uebungen. 3. Herr Dozent Dr. Albert L e w k 0 w i tz wird lesen: 1. Kant I und der Neukantianismus in ihrer Bedeutung für die iüdifche Religionsphilosophie: 2. Die Religionen' des alten Orients tFortsetzung): Die jüdischen Denker der Gegenwart und ihre Anschauungen, vom Wesen des Judentums: 4. Hebungen zu KantS Kritik der praktischen Vernunft und Cohens Ethik des reinen Willens: .5. Lektüre von Otto: Das Heilige. 1. Herr Dozent Dr. Israel A. Ra bi n wird leien': 1. Bibel: s) Jeremia <A); h) Grundfragen der wsisensrhasilicken Pentateucheregesc und Erklärnng ausgewählter Pentateuchabschnitte (B); e> Die 5 Megilloi ieurs. B); d) Isaak Abrapanel als Kommentator (Ai; 2. Geschichte: a) Pon der Zeit des Herodes bis zum Abschluß des paläit. Talmud: b) Historische Uebungen: Die Martnrologien (Al; Geographie Palästinas (Fortsetzung): 1. Dalmtrd: ^) Makkot scnrs. A): b) «Kethubot. II istat. Bl. Beginn des Winter- Semesters: 2?>. Oktober 192-“. Alle Anfragen sind an das Kollegium zu richten. Breslau. (Das Lektorat für ra b bi ni ich es Schrifttum.) Ter Minister für Wissenschasi. Kunst und Bolksbilduno bat die Stelle eines Lektors bei der Breslauer Universität für die Sprache des rabbinischen Schrifttums dem Dozenten am JüLsich-dheologsschen Seminar. Tr. Rabin. übertragen. Elberfeld. (I ü d t j ch e A d 0 pti 0 nsarbei t.) Am 6. September L. I. fand in Berlin eine durch den Jüdischen Fra.uenbund einberufene Besprechung über Adoptionsnermittlung statt, an der Vertreter örtlicher Adoptionsvermiülungsstellen und südischer Lammelvormundschaften teilnahmen. Tie Leiterin der AdoptionSzentrale, Frau Lina MoSheim-Barmen, berichtete über die Entwicklung der Adoption und betonte die 'Notwendigkeit der Aufrechte»- Haltung einer Zentrale für Deutschland. Sie erkannte an, daß an einzelnen Stellen vorbildlich gearbeitet wird und wurde, doch war das meist lokale Arbeit. Anders wird es, wenn sich die Vereine, Gemeinden und Wohlsa-hrtseinrichtungen der Zentrale bedienen und ihre fürsorgebedürftigen Kinder anmelden. Eine dringende Aufgabe der Zentralstelle ist es ferner, für nicht zur Adoption geeignete Kinder Pflegestellen ausfindta und den Wohlfahrtsorganen im Reich zugängig zu machen. Wird so Hand in Hand gearbeitet. dürfte es mit der Zeit nicht rpehr Vorkommen, daß jüdische Kinder in christliche Pflege kommen und dott bleiben wo sie in den meisten Fällen dem Judentum berloren gehen. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Diskussion, in d-er allerseits die Notwendigkeit einer Zentrale anerkannt wurde. Eine kleine Kommission, bestehenaus benWerren: - Gtänrm<Fri7nkflrrt' a. M.,. - Tr. Mendtlsso-bn-Berlm. Dr. Lamm-Berlin und den Damen: Mosheim-Barmen/lSilbermann-Berlin. OttenheiMer-Berlin, wurde mit der Revision der Leitsätze betraust. Dem Anträge, die Adyptionszentralc nach Berlin zu verlegen, wurde nicht stattaegeben. Sie verbleibt unter der Leitung von Frau Mosbeim-Bormen mit der Geschäftsstelle Elberfeld, GeNügsamkeitstratze 7, die die Synagogen-Gemeinde Elberfeld sremrdlicherweise zur Verfügung gestellt hast. II. Padua. Biel moderner anmutend als Verona, längst nicht mehr so einheitlich, mit neuen, modernen Häusern enttäuscht eS zuerst. Dann aber vertieft man sich' in seine Kunstschätze. in Giotto und Mantegca, und ist begeistert. Dort die uralte Universität, und wieder in der Nähe der größten Verkehrs« ' zcntren das Ghetto. Hier größer noch als in Verona, mit vielen winkligen Querstraßen. Der Tempel, den ich mir zeigen laste, ist ähnlich wie der in Verona. Dann aber eine Ueberraschung: guer über die Straße geht es zu einem geheimnisvollen Tor, der Riegel öffnet sich, ein alter Bogen, eine Wendeltreppe, cur der schon Spinnen trämnen,^und wir sind in einem kleinen, altertümlichen Raume. Hier sind herrliche alte Schnitzereien, ein wunderbares Eisengitter vor dem Thoraschrein — es ist die Synagoge der Ungarn, die hier am Versöhnungstage beten; in Padua studieren ja so viele ungarische Studenten, und der Schammes schmunzelt, als er von ihnen erzählt: „Es sind gute, sehr fromme Leute — buoni. buoni sono!" — Hier, im alten Padua, in dessen, heilige alroa mater die Deutschen des Mittelalters schon pilgerten (ich sah dort Wappen von „Balthasar Holzlöffel aus Nürnberg", auL dem 15. Jahrhundertj, wo Gal'lei und Tasto studierten — dort fanden sie Zuflucht und bereitwillige Aufnahme, die ungarischen Juden. Vielleicht werden auch bald die Oesterreicher ihrem Beispiel folgen, denn dort in Italien — es mutet fast wie ein Märchen an — kennt man noch die edle Eigenschaft der Toleranz. Ill Venedig. Und nun zum Schluß Venedig. Nicht von dem glänzenden Prachtsaale. dem Markusplatz,will ich sprechen, wo Abend für Abend geschmückte Menschen zu den Klängen der Musik wie bei einem Feste umherwandcln. nicht von lampiongeschmückten Serenatabooten. aus denen beim Schein deS Mondes frohe Lieder erklingen, nicht vom eleganten, lachenden. badenden Publikum des Lido — nein, vom Viertel der Armen, vom Ghetto. Dies Venedig ist eine geschminkte, schöne Frau, die ein prächtiges, silbergesticktes Gewand trägt — aber darunter ist ein aschfarbenes, graues Kleid, und unter der schönen, jugendlichen Larve birgt sich ein verrunzeltes Gesicht mit tiefe» Falten und erloschenen Augen. Denn sie ist alt geworden, die frühere Königin der Adria, und kein Doge mehr vermählt sich mit ihr und dem Meere zu ewigem Bunde. Verfallen sind die alten, stolzen Paläste, und wenn man auf den schwarzen Barken lautlos durch dunkle, unheimliche Kanäle gleitet, glaubt man sich fast in eine Totenstadt versetzt. Uvd es scheint einem dies Düstere, Schwermütige, ihr wahres Gesicht zu sein. Immer enger werden die Gaffen, je weiter man sich vom Markusvlatz entfernt — Gesindel hockt in Len Türen, magere Arme steecke» sich aus. verzerrte Gesichter, kranke Gestalten — grausig daaller. Und doch treibt einen die Neugierde vorwärts. Da — ein enger Torbogen, „II veccbio ßhetto" (Daalte Ghetto). Man wagt kaum, nach dem Tempel zu fragen —• schon hat man eine Horde von Kindern hinter sich her. die