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Jüdisch-liberale Zeitung · 1921-01-07 · 6 (7.1.1921) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
1 (1920-1921)
Issue
6 (7.1.1921)
Date
1921-01-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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unverrückt fest und muß es nach ihren Grundsätzen, denen sie mit bewundernswerter Treue nachlebt', auch tun. Wir Liberalen aber wollen mit jener peinlichen Gewissenhaftigkeit und heiligen Scheu, die für die Behandlung religiöser Fragen das oberste Gesetz ist, immer wieder an die Prüfung des Ueberlieferten, insbesondere der das äußere Leben und den Gottesdienst regelnden Normen, herantreten, und nur eine Richtschnur soll und darf uns dabei leiten: Die Liebe zum Judentum und der heiße Wunsch, chm nach bestem Wissen und besten Kräften zu dienen und seinen Bestand zu sichern. Und nun die Nutzanwendung auf unser Oberschlesien. Daß der oberschlesische Jude nicht „gesetzestreu" ist, haben wir oben dargetan. Daß er dem Judentum nicht gleichgültig oder ablehnend gegenübersteht, zeigen immerhin die vollen Gotteshäuser cm den hohen Festen. Also muß ihm wohl der Liberalismus, dem seiner Natur nach Gesinnungsschnüffelei und Reglementierungssucht gleich blutsfremd sind, seine Vaterarme öffnen. Darum bekennen wir uns auch zu jenen Liberalen, deren Liberalismus nach unseren Begriffen freilich viel, viel zu wenig positives Judentum enthält. Aber müssen wir sie darum über den grünen Klee preisen und ihnen, wie Sie, verehrter Herr vr., von uns erwarten, einen Mischeberach machen? Dazu haben wir schon nach dem Gesagten leider noch nicht hinlängliche Veranlassung. Und noch eins kommt hinzu: Der oberschlesische Liberale ist, wie so viele Liberale, in denreligiösen Dingen ein Einspänner. Er lebt sein Leben für sich, gestaltet es sich, wie cs ihm recht dünkt und schert sich nicht viel uv: die. große liberale Bewegung. In der Gemeinde läßt er vielfach die Gesetzestreuen, die es ja verstehen, schalten und walten. Sein jüdischer Gemeinschaftsgeist zeigt sich — abgesehen von der rühmlichen Beteiligung an Liebeswerken — zumeist erst dann, wenn antisemitische Rohheit ihn in seiner jüdischen Ehre trifft oder allzu laute zionistische Agitation ihm an das blutwarme Gefühl der Zugehörigkeit zum deutschen Volke greift. Darum, um dieser geringen Entschlossenheit zu einer jüdischen Aktion willen, mußten wir unseren oberschlesischen Brüdern und Gesimmngsgenossen einige herbe Wahrheiten sagen. Es ist auch uns nicht eingefallen, (wie Sie uns mit wirklich recht schlimmen Willkürlichkeit unterstellen, um unsere Ausführungen lächerlich machen zu können) die Gemeinden Ratibor Leobschütz usw. als „liberale Hochburgen" zu bezeichnen „wo die Ideale des Liberalismus verwirklicht sind." Wir haben ebensowenig — und zwar nichj einmal andeutungsweise oder dem Sinne nach — von der „idealen Höhe jener fünf Kehillot" gesprochen. Sonden: wir haben ganz nüchtern die Feststellung getroffen, daß sich die liberale Mehrheit in diesen paar Gemeinden von der unnatürlichen Neigung, orthodoxe Führer an die Spitze zu stellen und sich einen Gottesdienst nach orthodoxem Zuschnitt gefallen zu lassen, abgewendet hat. Das alles haben wir ohne Ueberschwang konstatiert und daraus für ims und uusere oberschlesischen Gesimmngsgenossen den Schluß gezogen, daß so ziemlich alles noch zu tun bleibt. Also wo sind da die Verstöße gegen „Logik und schlechtes Denken," verehrter Herr Dr. Kaatz? Und nun Ihr dritter und bitterster Vorwurf: schweren Burgfriedensbruches klagen Sie uns an: Wir sollen, trotzdem wir uns der Notwendigkeit, bis znr Abstimmung alle Gegensätzlichkeiten auszuschalten, bewußt seien, den Versuch gemacht haben, die Brandfackel der Zwietracht in die oberschlesischen Genieinden zu schleudern. Der Vorwurf wiegt schwer. Aber er ist ganz unb gar nicht begründet. Wir wollen an ein Wort von Ihnen anknüpfen. Mit einem Witz, der, wie echter Humor stets, versöhnend wirkt, obwohl er hier gar nicht so gemeint ist, lassen Sie uns sprechen: „Heute ist Jour Kippur, aber warte nur — nach dem Anbeißen!" In der Tat — heute ist Jom Kippur, ist der entscheidungsschwangere jaum hadin, der Tag des Gerichts für oberschlesisch' Land und Volk! Und die besinnlichen und nachdenklichen unter unseren oberschlesischen Brüdern, zumal unter der Jugend, gehen mit sich zu Rate über Fehler der Vergangenheit und die Notwendigkeit, sie in einer glück licheren Zukunft ru meiden. Das ist die Stimmung, aus der heraus seelische Wandlungen und tatbereite Entschlüsse geboren werden — JomKiPpur-Stimmung! Darum glaubten wir, die wir zuinnerst davon überzeugt find, daß nur dem Liberalismus die innerjüdische Aufbauarbeit gelingen kann, gerade jetzt und so zu unseren oberschlesischen Gesinnungsgenossen sprechen zu sollen. Wenn wir dabei betonten, daß zur Zeit die Waffen vollständig ruhen müssen, so taten wir nur unsere Pflicht. Aber ist damit etwa gesagt, daß wir die natürlichen Gegensätze für alle Zeit begraben und die Friedhofsruhe, die so vielfach über dem jüdisch-religiösen Leben der letzten Jahrzehnte lag, verewigen wollen? Nein, wir wollen den — wie Sie es richtig bezeichnen — „frischen, fröhlichen Karnpf" der Geister, aus dem alles Große und jeder Fortschritt geboren wird, wollen ihn um unserer Jugend, unt der Zukunft des Judentums willen. Und darum wünschen und hoffen wir, daß unsere oberschlesischen Gesinnungsgenossen, wenn der jaum hadin vorüber ist („nach dem Anbeißen") sich ihrer Pflicht, dem Liberalismus sein Lebensrecht zu erstreiten, bewußt sein werden. Daß dies nicht im Geiste des „Parteihaders" (der sicherlich weit mehr aus Ihren Ausführungen als aus den unseren spricht) geschehen wird, daß unsere Brüder sich vielmehr in diesem geistigen Ringen immer der Notwendigkeit „friedlicher Zusammenarbeit aller Parteien zum Segen der Gemeinden und des Judentums" bewußt sein werden, darüber geben wir, die wir unsere oberschlesischen Freunde kennen, uns keiner Sorge hin. Sie haben uns, verehrter Herr Doktor, durch Ihren Angriff' Gelegenheit gegeben, einiges Grundsätzliche, das an dieser Stelle einmal gesagt werden mußte, auszusprechen. Wir wissen Ihnen Dank dafür. Und den Mischeberach, zu dem wir unseren etwas saumseligen und bequemen oberschlesischen Freunden gegenüber bislang noch nicht so recht Anlaß hatten, weihen wir aus diesem Anlaß Ihnen, unserem streitbaren Gegner. Ihnen — und unserem geliebten Oberschlesien und unserem geliebten Judentum! Also das nächste Mal bitte nicht so böse, Herr Doktor! Ich zeichne — mit dem mir von Ihnen gebühren- und stempelfrei verliehenen Namen — in aufrichtiger persönlicher Wertschätzung als Ihr ergebenster Stur m v o g e l. Cäsar Seligmann. Zum 60. Geburtstag. Von Or. Max Freudenthal. Am 15. Dezember beging Cäsar Seligmann seinen 60. Geburtstag. Dem Freundesglückwunsch, den ich ihm zu diesem Festtage bringe, werden sich gerne recht viele anschließen, die ihnt seit seinen reifen Lebensjahren amtlich oder menschlich nahegetreten sind. Uns beide verbindet trotz des Abstandes des Alters seit der Studienzeit eine Freundschaft, die, aus gemeinsamem Heimatsgefühl und gemeinsamen Anschauungen erwachsen, sich im Streben nach gleichen Zielen und in der Verteidigung gegen gleiche Gegnerschaft von Jahr zu Jahr vertieft und verstärkt hat. Die Ziele mögen noch in weiter Ferne liegen, die Gegner zu manchem Strauß uns noch herausfordern: ich wünsche für mich und alle Gleichgesinnten, daß Cäsar Seligmann uns noch lange Jahre im Streben und Kämpfen rüstig und wacker voranschreite. Seligmann ist ein Kind der sonnigen Pfalz. Als Sohn eines Rabbiners in Landau geboren, in Kaiserslautern erzogen, genoß ex von früh auf gemeinsam weltliche und religiöse Bildung. Schon in der Schulzeit galt sein lebhaftes Interesse der Literatur, Geschichte und Philosophie. Poetische Begabung und stilistische Gewarwtheit zeichneten ihn von jeher besonders aus. Seine Universitätsstudien in München und Breslau waren den allgemeinen wie den jüdischen Wissenschaften gewidmet. Bor allem in Breslau brachte die frohe Studentenzeit an der Universität und zugleich am jüdisch-theologischen Seminar viel inneren und äußeren Gewinn. Dank seinem Talent und seinem vornehmen und aufrechten Charakter stand Seligmann bald im Mittelpunkt gleichgesinnter Freunde; hervorragende Männer wie Graetz und Joel schenkten ihm Gunst und vertrauten Umgang, und manches angeschene Haus öffnete sich ihm zu anregerwem geselligem Verkehr. Eine Anstellung an der Religionsschule bot erwünschte Gelegenheit zur Ausbildung seiner hervorragenden pädagogischen Fähigkeiten. Nach Ablegung der Examista und des einjährig-freiwilligen Militärdienstes, den er bei dem bayerischen Regiment seiner Geburtsstadt verbrachte, erhielt Seligmann einen Ruf als Prediger an den Hamburger Tempel. An dieser historischen Stätte des jüdischen Liberalismus konnte er unbehindert nach seinen religiösen Anschauungen leben und wirken. Rasch gewann er als Mensch, als Geistlicher und als Lehrer die Liebe der Gemeinde, die ihm in zwölfeinhalbjähriger Tätigkeit treu blieb und bei jeder Gelegenheit, besonders bei seinem Scheiden, starken Ausdruck fand. Im Jahre 1902 folgte er der Berufung als Rabbiner an die Hauptgemeinde in Frankstlrt anr Main, der Stätte seiner jetzigen Tätigkeit. Auch hier genießt er uneingeschränktes Vertrauen und viele Anerkennung. Seine Kanzelpredigten wirken durch poetische Schönheit, durch rhetorische Kraft und philosophische Vertiefung und sind ein wahrhaftiges Spiegelbild seines Wesens, seiner Begabung und seiner Ueberzeugungen. Als Mensch voller Güte und Friedfertigkeit, bei aller bewußten Kundgabe seines Standpunktes immer aufrichtig bestrebt, die Menschen und die Dinge in ihren Tiefen zu begreifen, auch wo sie im Gegensatz zu ihm und seinen Anschauungen stchen, jederzeit freudig bereit, nach Möglichkeit einem jeden innerlich und äußerlich zu helfen und entgegenzukommen, wirkt er in der Seelsorge, im Unterricht und im Verkehr unt den: reichen Erfolge eines Mannes, dem alles Vertrauen gebührt und tatsächlich entgegengebracht wird. Seine an Geist und Gemüt gleich ausgezeichnete Gattin, die Mutter seiner reichbogabten Kinder, steht ihn: in Haus und Amt als ebenbürtige Genossin zur Seite. Aus den: unermüdlichen literarischen Schaffen Cäsar Seligmanns sind vor allem die schönen Aufsätze hervorzuheben, die er unter dem Titel „Judentum und moderne Weltanschauung" zusammengestellt hat. Sie haben bleibenden Wert. Für die religiöse Praxis bedeutsam ist das israelitische Gebetbuch, welches er für den fortschrittlichen Ritus an der neuen Synagoge in Frankfurt schuf. Die meisten seiner Arbeiten sind der Vertretung des religiösen Fortschritts im Judentum gewidmet und selbst wenn dies nicht ausdrücklich der Fall ist, so baut sich doch Gedankengang und Ideengehalt von selber ans diesem Boden <utf. Was die wissenschaftliche Forschung seit Abraham Geiger und die auf dieser Forschung beruhende religiöse Reform an Grundsätzen und Verwirklichungen zutage gefördert hat, ist für Seligmann ziel- und richtunggebend geworden und hat unter dein Einfluß der modernen wissenschaftlichen Untersuchungen und Ergebnisse ganz besonders auf dem Gebiete der Bibelwissenschaft erst.recht seine Stärkung und Vertiefung gewonnen. Bon allerstärkstem Einfluß auf die literarische Tätigkeit Seligmanns ist die Begründung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland geworden. Er war die treibende Kraft, aus der die Vereinigung entstand und emporwuchs, und trenn die Zusammenfassung der wahrhaft liberalen Juden Deutschlands in ihr eine neue Phase in der modernen jüdischen Geschichte bedeutet, die selbstverständlich wie jede geistige Bewegung auch ihr Auf und Nieder aufweist, so darf Seligmann sich jedenfalls an ihrem „Aufwärts" mit den allerlebhaftesten Anteil Legenüen von Ludwig Davidsohn. - (Schluß.) I. Des Königs Saitenspiel. Alle Farben begannen allmählich zu verblassen. Und an David zogen die vergangenen Jahre vorüber, er dachte der gemeinsamen Jugend, die sie beide durchlebt halten, — wie oft hatte ihn Jonathan geschützt und aus Gefahr errettet! Und er erinnerte sich, wie sie einst bei Najoth unter blühenden Heckenrosen an einem Sommerabend saßen, und der Freund ihm in heiterer Wehmut versprach, daß er ihn nie verlassen würde; und wenn er vor ihm sterben müsse, so wolle er ihm, wenn möglich, dereinst noch Gruß und Zeichen aus der Unendlichkeit senden .... -Nie würde er mehr einen solch reinen und aufopfernden Freund finden! — Nie sollte er mehr die tröstende Stimme hören, wenn er traurig war, ... da lag seine eigene Jugend . . ., mit Jonathan war sie dahin. . ., was nun noch kommen konnte, war freudlos und grau; — jetzt war er dem dunklen Dämon der Einsamkeit rettungslos ausgeliefert!-Und ihm schauderte vor der öden Zukunft . . . Das kostbarste Gefäß auf Erden, das nur Liebe und Güte enthielt, war zerbrochen ... für immer . . ., für immer! Jeder Tag, da Jonathan gelebt hatte, schien ihm jetzt ein glücklicher Sonnentag gewesen zu sein. — — Nun war alles zu Ende! — Ein unendliches Weh drohte ihm die Brust zu sprengen.- An dem kühlen Frühjahrsnachthimmel erstrahlten vereinzelte Sterne.- Es wurde dunkler und dunkler. Lauter und vernehmlicher rauschte die kleine Quelle auf, die sich ihren Weg in die Tiefe suchte. Leise wehte der Nachtwind und trug hin und wieder Töne einer einsamen Hirtenflöte aus dem Tale herauf. Sonst weit und breit kein Laut.... -Eine Nacht und einen Tag saß David bei seinem Freunde und hielt die Totenwacht. Die dumpfe Verzweiflung, die ihn erfüllte, wuchs und wuchs .... In den nächsten Tagen wollte er nach Phönizien hinunter, Dienste auf einem Schiff nehmen, nur um die Heimat zu verlassen, in der ihn alles an den Verblichenen erinnerte . . . Am nächsten Abend, als die kaum vernehmbaren Klänge der Kuhglocken vom Lande unter: verhallt waren, machte sich doch die Müdigkeit bei David bemerkbar. — Er war tagelang gewandert, ohne auszuruhen; — alles war in ihm erstorben; — er fühlte sich wie eine weggeworfene Frucht ohne Saft und ohne Süße. — .... — Die Nebelschwaden, die an den Bergen hingen, lichteten sich. — Der Mond war hinter Wolken verborgen, allein nach Mitternacht glitten sie silberumrandet an dem tiefen Blau des Sternenhimmels träge dahin, sodaß ein ungleiches Licht über die Felsen fiel .... Am Horizont lag über den fernen, waldumsäumten Bergketten, die dem Laufe des Jordan folgten, opalfarbenes, unbestimmtes Leuchten.- Mühselig erhob sich David endlich und schaufelte ein Grab. — Dann hatte er eine Weile den Leichnam auf seinen Knieen liegen.- — Ringsumher war alles still, nur ein unendliches Rauschen wie von fernem Meere lag in der Luft. — Das Plätschern der Quelle glich fast einem leisen Schluchzen. — Als David den Toten behutsam in die Erde gebettet hatte und ihn zum letzten Male betrachtete, war die obere Hälfte des bleichen Antlitzes ganz in Mondlicht getaucht,-und da es wieder finster war, schimmerte noch immer das edle, weiße Jünglingsgesicht aus der Grube herauf. David konnte sich von den geliebten Zügen wcht losreißen . . . lange, lange, stand er wieder wie festgebannt und starrte in das offene Grab hinab, endlich wandte er sich, pflückte ganze Büschel Minthen und Mopstengel und bedeckte den Toten mit den kleinen, duftenden, rötlich-gelben Blüten. Seine Harfe legte er ihm in den Arm. — Dann warf er das Grab zu und errichtete einen kleinen Hügel aus Steinen darüber. — Nun war er todmüde, ... er fühlte, wie ihn seine Kräfte verließen, ... er lehnte sein Haupt an den Hügel, blickte zu den Sternen empor, die so gleichmütig funkelten, als sei nichts vorgefallen, — und schlief ein. Nachts war ihm, als erblicke er einen hellen Schein, und da er sich aufrichtete, sah er Jonathan neben sich stehen, mit lächelndem, bleichem Gesicht. — Wie einst hatte er tröstend den rechten Arm um ihn geschlungen; in der linken Hand hielt er die Harfe, dessen Saiten wie aus Gold gesponnen waren. — Plötzlich begann das Saitenspiel von selbst zu tönen, und eine wundersame, sanfte und klagende Melodie erklang. — Immer süßer und lockender zitterte das leise, traurige Lied durch die Nacht, und als David den Arm des für immer verlorenen Freundes auf der Schulter spürte und die zauberhaft-traurige Weise vernahm, fühlte er auf einmal, wie sein dumpfer Schmerz sich in stille Wehmuh löste. Seine vor Gram verhärtete Seele wurde weich, zum ersten Mal stürzten ihm die Tränen hervor, und er weinte und weinte, und sein fast brechendes Herz sandte ihm immer Tränen und neue Tränen.-

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