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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-12 · 93 (12.12.1934) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
93 (12.12.1934)
Date
1934-12-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Anfätze Eindrücke vom religiöfen Leben in Paläftina Von MAX DIENEMANN Wir LcM*li]h>Ik'J} mil diesem Aufsatz die; in Sr. ti'J der ..Jüdischen AllKcmciucn" begonnene Artikelreihe uDscres BcichätHtn Mitarbeiters Dr. Max DicDemann über seine bei L'int'm Bettuch Palästinas gewuuucacn Eindrücke vom r«ltei<j<en Leben im Heiligen Lande. Jerusalf m, im Dezcudicr. Will man die hier im Lande gewonnenen Eindrücke zu einem Gesamtbild verwehen, »o muL> man sich von gewissen Betrachtungsweisen frei machen, die aus der jüdischen Lehensform in Europa stammen. Nämlich: den Grad der allgemeinen Frömmigkeit nach, dem Maße der zcrcmonial.cn Betätigung und der Teilnahme an den uls religiös charakterisierten .Handlungen zu bestimmen. Im Grunde \ erwirklicht sich hier eine von jeher erhobene Forderung des liberalen Judentums, die zeremoniale Handlung nicht als das wesentlich Bestimmende zu betrachten. Warum spielt sie hier eine so viel geringere Holle V Sie ist in der nußerpalastincnsischcn jüdischen Frömmigkeit nicht nur Fromm igkeitsausdrurk, sondern sie hat eine Art Bekenntnis- 4-haraktcr. Man bekennt sich zum Judentum und zur jüdischen Gemeinschaft durch die Teilnähme un gewissen Handlungen, die ursprünglich einmal einen religiösen Charakter hatte, und deren religiöser Charakter —- wenn man unter religiös die Beziehung zu Gott versieht — seit langem abgeblaßt ist und hinter der Aufgabe, Gemeinschaft herzustellen, zurückgetreten ist. Hier aber bedarf es einej solchen Bekenntnisses nicht; das gesamte Leben nimmt die Selbstverständlichkeit einer jüdischen" Haltung an, die Seclenhaltung ist eine jüdische, ■ ohne daß Sic als solche betont zu werden braucht. Daher kann man das Urteil nach dem Grad und der Intensität der hiesigen jüdischen Frömmigkeit von vornherein nicht auf das Zeremoniale und Gottcsdicnstliche abstellen. Dar. ist zunächst in höchstem Maße erwünscht. Es befreit den Begriff des Religiösen von einer an sich ungrhürigen und irreführenden Verengung. Auch die von Tag .zu Tag starker werdenden Bemühungen der Orthodoxie, die zcremonialen Institutionen zu der Korrektheit und Genauigkeit zu bringen, die sie in den Gemeinden Europas haben, und für die sie den wesentlichen Teil ihrer Energien einsetzt, werden hieran kaum etwas Entscheidendes ändern. Nur der alte ,.Jischuw'" im orthodoxen Viertel von Jerusalem, in Meah Schearim, hat dafür Verständnis. Die anderen lebendigen Teile werden sich einer orthodoxen, gesetzestreucn Führung anschließen, weil eine andere zurzeit nicht da ist, aber nicht um der Gesetzestreue willen, sondern um der Ordnung und des Haltes willen, die man entbehrt. Aber so erwünscht diese Zurückdrängung des Zercraomalen ist, was ist das Positive, das an seine Stelle tritt? Wo ist das wirkliche Keimkräftige, Schöpferische einer Frömmigkeit? Einiges ist bereits in früheren Aufsätzen angedeutet. Ich finde ein Wesentliches darin, daß der Begriff des Fromm sc ins aus seiner Verengung herausgehoben wird, daß dem gesamten Leben ein Wille zum Jüdischen eingeflößt werden kann. Die Scheidung zwischen Religiösem und Weltlichem, die, wenn das Religiöse mit dem Zcicmonialen und Gottesdienstlichen zusammenfällt, beinahe unvermeidlich ist — und das Zeremoniale nimmt bei seinem Bekenntnischarakter einen sehr gewichtigen Platz ein — kann hier aufgehoben werden. Kann, man darf nicht sagen, ist; denn keineswegs ist der Zustand' vorhanden, daß die gesamten Lebensbetätigungen von religiöser Energie erfüllt sind. Aber die Bedingungen dazu sind vorhanden. Es k a n n die Forderung erhoben werden, daß das gesamte öffentliche und private Leben einen jüdischen Charakter erhält und mit religiöser Energie geladen wird. Man kann sittliche Forderungen aufstellen una ihnen den religiösen Charakter geben, der sie über ein nur Soziales hinaushebt. Die neu entstehenden Feste, wie z. B. das Büumcpflanzcn am 15. Sch'wat, das Fest der Erstlinge u.a. tragen Elemente an sich, die sie,über die nur nationale Seite hinaus und über die bloße Boden Verbundenheit hinausheben und religiöse Wege eröffnen." Alle jüdischen Feste haben einmal so begonnen und sind im Laufe der Zeiten zu ihrer religiösen Fülle emporgewachsen. Mo« erlebt jetzt die Geburt solcher neuen Ansatzpunkte. Elia wichtiger Punkt: die früheren Heiraten, die hier möglich sind und die eine Selbstverständlichkeit werden, machen von mancherlei Belastungen des religiösen Lebens frei, mit denen wir seufzend rechnen und uns abfinden. Die Geburtenfreudigkeit hilft den rationalen Charakter der Lebensführung abzustreifen und einer neuen Vertraucnsstimmung Platz zu machen. Diese Vcrtrauciisstiramung ist die Grundlage einer neuen Frömmigkeit. Sic wird sie erst recht, wenn jenes metaphysische Bedürfnis sich durchringt und durclibricht, von dem bereits die Rede war. Man muß wissen und sich damit bescheiden, daß alles Ansätze sind. Aber wessen Aufgabe ist es denn je, Vollendetes zu schaffen? Keinem ist aufgetragen, das Werk zu vollenden,- jedem ist aufgel rügen, am Werk zu wirken. Jüdifches Leben in Wuppertal Bericht für die „Jüdische Allgemeine*' Wuppertal-Elberfeld. Die Gemeindevertretung hielt eine wichtige Sitzung ab. aus der zu berichten ist, duß Rabbiner Dr. Norden zum 1. Juli 1933 in dm Ruhestand tritt. Sein Scheiden bedeutet für die Gemeinde' einen unersetzlichen Verlust. Es wurde mit größter Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß fast alle Eltern dein Ruf der Gemeindevertretung gefolgt sind, an den Sonnabenden ihre 10- bis 14 jährigen Kinder nach dem Gottesdienst an der von der Gemeinde eingerichteten Lern- und W ei bestünde teilnehmen zu lassen. Einen breiten . Raum nahm die Steuer vorläge ein. Einstimmig wurde der Vorschlug angenommen,- daß lür da» Hcclmungsjuhr 1934/35 30 «u der Einkommensteuer zu zahlen sind, ferner von allen Ct-mciiidL-mitgliedern ein Gcmeindegeld. gestaffelt von 3 bis 30 JIM. Nicht mehr wegzudenken aus dem jüdischen Leben Wupper- . ■ tals «nd die Abende de?* Kulturbundes Rhein-Ruhr. .Auf einen fesselnden RezilatJonsabeud von .Willy Huschhoff folgte die Aufführung des ...Josef ben Mattius" von Julius Wolffsohn. Die Wirkung des Stückes war groß. Sowohl der Frauenbund in Elberfeld, als auch die Ortsgruppe Barmen hallen zu ihren Clianukkavcranstallnngen eingeladen. Der Ortsgruppe Elberfeld ist es nicht genug zu Jugend überzeugte die Eltern, daß ihre Kinder im B.d.j.J. gut solchen Veranstaltungen Gelegenheit gibt, ihre Arbeiten oder Waren auszustellen und die Mitglieder zum Kauf bei der Glaubensgenossen anzuregen. Eine -schlichte Clianukkafcicr des Bundes deutsch-jüdischer Jugend überzeugte die Eltcni, daß ihre Kinder im B.d.j.J. gut aufgehoben sind. .Wir dürfen stolz sein auf diese Jugend, die in kaum drei Vierteljahren eine Ortsgruppe so fest auf die Beine stellen und eine so von wirklichem jüdischem Gemeinschaftssinn getragene Feier veranstalten konnte. Der. Vorstand des .1 ü d i s c h - I i b e r a 1 c n Gemeindevercins hat unter Hinzuziehung der liberalen Repräsentanten und einiger anderer Persönlichkeiten eine Sitzung gehabt, in der beraten wurde, ob im Augenblick eine stärkere Aktivität des Vereins in religiöser Beziehung am Platze sei. Die Meinung "i"g "dahin, daß alle Veranstaltungen in der Gemeinde in religiös-liberalem Sinne stattfinden, so daß aus diesem Grunde ein Eingriff des Uudisch-liberalen Gemeinde Vereins nicht erforderlich wäre. Mit den im Vorjahr eingeführten Lehrvorträgen der Gemeinde wurde am letzten Abend des Clianukkafestcs wieder begonnen; es spricht Rabbiner Dr. Norden im Rahmen einer religiösen Wcihcstundc über die. geschichtliche Bedeutung des Chanukkafcstes. Hugo Israel * Frankfurt o. M. In einer Sitzung der Gemeindevertretung wurden die nach dem Turnus ausscheidenden Herren des Gemeindevorstandes einstimmig wiedergewählt. —' Die" Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdciikmälcr stellte mit besonderem Geschick eine Chanukka-Ausstellung zusammen. An Hand von ungefähr 50 Chanuklca-Lampcn und Leuchtern aus Zinn. Erde, gebranntem Ton, Stein und Silber gelang es, die Entwicklung der verschiedenen Fonntypcn und ihrer Ornamentik durch die Zeiten . und ihren Stil zu zeigen. Als älteste Stücke fielen ein antiker Alahastcrlcuchtcr aus dem 2. Jahrhundert auf sowie ein alt-" römisches Bruchstück, aus den Ruinen von Karthago ausgegraben. — Die Oianukka-Kiinstschau der drei Bnc Brith Logen Frankfurts "und des Kulturbundes Rhein-Main zeigte Gemälde, Graphik,Plastik und Kunsthandwerk. Unter vielen schönen und interessanten Werken überraschten biblische Illustrationen von Rosy Lilicnfcld, Landschaftsbilder Fried Sterns, rassische Tiergraphik Erna Pinners. Radierungen und Porträts 1 Icinrich - Gottscligs. Buchbinderarbeiten, llnndwcbcicien, Stickereien und Met all arbeiten vervollständigten <fir Schau. Am Eröffnungstag fand als Sondcrvrranstaltung des Kulturbundes eine Aufführung des biblischen Marionettentheaters " von Alfons Rosenberg, München, statt mit dem neuen Lcgendcnspicl vom Präger ..Golem". — Die Chanukka- - feicr'dcr Gesellschaft für jüdische Volksbildung brachte nach einer religiösen Ansprache Rabbiner Dr. Salzbcrgcrs ein Konzert der' Kammerstreich Vereinigung und Singgcmcinsehaft der Musikfreunde unter Leitung von Artur Holde. — Gemeinsam mit der Jugend der Israelitischen Gemeinde Frankfurt fand anläßlich des ''Chanukkafcstes im Rahmen des Kulturbundes eine Wiederholung des .Jeremias" statt. L. II—er. Hamburg. Im Tempel in der Oberstraße hielt der Präsident der Beichsvertrctung, Rabbiner Dr. Leo Baeck, einen tiefschürfenden \ orlrag über den „Gedanken des Trostes in der Bibel". Dieser Gedanke finde sich um Anfang der Bibel in Noali verkörpert, der der .Menschheit dos W erkzeug darbringe,. und am Schluß in der Messiasgcstalt, dem Tröster. Das Werkzeug brachte den Menschen keinen Trost, weil es .iu die Welt des Irdischen gehöre/ Der Prophet Jesuia habe das Hoffen auf die messianischc Zeit als den wahren Trost verkündet. — Den Auftakt zur Arbeit der Jüdischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft bildete das Konzert des Berliner Kulturbuudorchcstcrs, unter Leitung Joseph Rosenstocks. Nach der Egmont-Ouvcrtürc hörte man Mcndelssohn- Bartholdys Violinkonzert, das Willy Frey meisterhaft zu Gehör brachte. Der Abend erreichte seinen Höhepunkt mit der Schubcrtsinfonic C-Dur, wofür dem Orchester stürmischer Dank wurde. mey. Hiltlcsheim. Eine Feierstunde für die Einheit des deutschen Judentums veranstalteten für die Gemeinde der Jüdische Jugendbund, der Bund deutsch-jüdischer Jugend, der Smf Hccbaluz. Reinhold Herz vom Verband der jüdischen Jugcndvcrcinc erklärte, jüdische Arbeit könne nie durch Tendenzen und Schlagworts geleistet werden, sondern nur durch Heranbringen an den Stoff. Das deutsche Judentum könne nur leben, wenn es durch innere Einheit das Echitd des Glaubensbekenntnisses verwirkliche. Fritz Schwarzsrhild führte aus. nicht Sicherheit und Ruhe seien die Lebensformen, in denen sich das Judentum bewährt habe, sondern gerade die Bewegtheil und unbequeme Labilität. Die Veranstaltung wurde verschönt durch die Mitwirkung des aus Kindern bestehenden Synagogenchors. der inil seinen Liedern der großen Versammlung das Gefühl einer wahren Gemeinde gab. Schneidrmühl. Hier fand die feierliche Einführung des neuen Bczirksrabbiuers Dr. Alfred Jospc aus Oppeln statt. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der Gemeinde, Lewin, führte Rabbiner Dr. Gallincr namens des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden Dr. Jospc in sein Amt ein. Er betonte die besondere Bedeutung der scelsorgerischen Tätigkeit des Rabbiners, der dem jüdischen Haus den Sinn des Lebens von neuem geben müsse, und der in Verbindung mit den großen Organisationen den einzelnen Mitgliedern die Wege zu Hilfe imd Aufbau weisen werde. Auch die Sorge für die Jugend und um die Jugend, der,Wege in die Zukunft gewiesen werden müßten, sei eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Rabbiners. Die Grundlage hierzu sei die jüdische Schule, die hoffentlich auch iu der Grenzmark wieder eine Stätte finden werde. Herr Schocnfcld aus Deutsch-Krone sprach als Vertreter der Bezirksgemeinden dem neuen Rabbiner das volle \crtraucn der Judenschaft der Provinz für seine schwere Arbeit aus. Daun gab Dr. Jospc dem Dank für das Vertrauen der Gemeinden und dem Dank au den Preußischen Landesverband für die Betrauung mit den Aufgaben des Bezirksrabbinats Ausdruck. Er betrachtete es als wichtigste Aufgabe des Rabbiners, den Menschen den Weg zum Religiösen als dem Urclcmcnt aller jüdischen Existenz zu offnem Neben der rein religiösen Tätigkeit sei das Leben selbst die Kanzel des Rabbiners. Es sei die tiefste Aufgabe des Rabbiners, den Menschen den Sinn des jüdischen Schicksals zu deuten, und letzter Sinn jüdischer Erziehung sei Erziehung zur Sehieksalslicbe und Lebensbejahung. Die eindrucksvolle Feier schloß mit dem Gesang des Adaun aülom. Das Buch der Arbeit Werkgesinnung im Judentum ist kein Schlagwort, das die heutige Zeit ■ geschaffen hat. Hillel, der große Gesetzeslehrer, hat sich vom Holzspalten ernährt, Josua ben Chananja war Nadelmachcr, Isaak Nappacha Schmied, Akiba diente im Hause des reichen Kalba Sabua in Jerusalem als Schafhirte. Nach einer Vorschrift der alten Weisen mußte auch der Gelehrte seinen Lebensunterhalt durch seiner Hände Arbeit verdienen. Alle großen Lehrer — auch Raschi — haben neben ihrer Lehrtätigkeit ein Handwerk betrieben oder einen bäuerlichen Beruf susgeübt, um nicht vom Lehr- oder Richteramt zu leben oder das Gnadenbrot der Begüterten essen zu müssen. Im Mittelalter gab es in Deutschland jüdische Handwerker in jedem Fach. Aber die sozialen und politischen Verhältnisse waren für das jüdische Handwerk nicht günstig-, es konnte sich nicht frei entwickeln und mußte mit der Zeit verkümmern. Im Gegensatz zu Rußland und Polen, wo es auch heute kein Handwerk und keine Arbeitsgattungen gibt," in der die Juden nicht vertreten wären — nicht als „Renororaierarbeiter", sondern als Menschen, die innerlich zu ihrem Beruf gehören, vom Lastträger bis zum Zimmermann und Mauter. Im Jahre 1856 gab es im Königreich Polen ohne Warschau nicht weniger als 1973 jüdische Maurer, 1289 Schlosser, 2591 Glaser, 1252 Klempner, und im Jahre 1882 waren in Wilna alle Baugewerbe in-den Händen der Juden. Und heute? In .Deutschland gibt es gegenwärtig etwa 4 0 000 jüdische Hand w-e r k e r, von denen ein hoher Prozentsatz selbständig ist. „40 Jahre Dienst am Handwerk" ist die Devise eines roten Büchelchens, das der „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" (Vorsitzender Louis Wolff) und der „Rcichsverband des jüdischen Mittelstandes" (Präsident Wilhelm Marcus) als Jubiläumsausgabe soeben herausgebracht haben. Ein Buch der Namen, der Firmen, der Adressen — so scheint es auf den ersten . Blick. Iu Wirklichkeit ist es viel mehr. Es ist ein Hand-Buch im wahrsten Sinne des Wortes, ein Buch, das vori der leistungsfähigen Handarbeit, vom jüdischen Handwerk beredtes Zeugnis ablegt. Es verrät, daß jüdische Handwerker auch' in Deutschland in den vielfältigsten Berufen vertreten sind) vom Abbruchsunternclunen bis zum Zimmermann, vom Herrenschneider bis zum Damenfriseur. Neben den zahllosen Schneiderwerkstätten halten die Klempner und Installateure mit 58 und die, Buchdrucker mit 56 Betrieben den Rekord. 50 Elektrotechniker, 47 Kürschner neunt das Buch, 43 Juweliere, Gold- und Silberschmiede, 42 Uhrmacher und 30 Glasereien. Die Leibwäsche und die Leibwäsche werden ansehnlich repräsentiert, der männliche Beruf des Kammerjägers ebenso wie der weibliche der Korsettiere. Daß die elf angeführten Dachdcckcrfirmcn keine Luftgeschäfte machen, dürfte sich von selbst ergebt Flur. 277 Branchen verzeichnet das Handwerk, nahezu ebenso viel der Mittelstand. Alle übersichtlich geordnet.- Mit Verweisungen, wie in einem Lexikon. \Vol>ci natürlich vorausgesetzt werden muß, daß der Benutzer des Buches Türschließer nicht unter Portiers sucht, Parkett nicht unter Theater oder Kulturbund und Auffärben nicht unter Damenfriseur, sondern in der Rubrik Lcdcrmöbcl. Er muß ferner wissen, daß Abschrcibcbüro Glicht für Abschreibungen da sind, daß es vielmehr dafür andere Berufskategorien - gibt. Nur eine Berufsschicht erwähnt das Buch, für die dem Uneingeweihten ein Kommentar notwendig erscheint. Es gibt Schofarbläscr, Posaunisten, Glasbläser, — aber was ist ein Sandbläser? U. A. w. g. —a—. <&otte$ifanlte Freitag, 14. Dezember: Neue Synagoge, Lindenstraße, Fricdenstempcl: 4 Uhr. Lützowstraßc: 6 Uhr. Fasanchstraße: 6.30 Uhr (Gottesdienst für die Jugend: 3.45 Uhr). Lcvctzowstraßc und Schmargendorf: 7 Uhr. PrinziT<gcntcnstrnßc: 7.15 Uhr. LibeT ralc Synagoge Norden. Schönhauser Allee 162: 7.15 -Uhr (Scbeucrnionn). Liberale Synagoge Osten, Kaiscrstroßc 30: 7.30 Uhr (Graf). Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176: 7.30 Uhr (Plaut). Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78 J 7 Uhr (Goetz). Liberale Synagoge Wrcdding-Reinickendorf, Exerzierstraße 13: 7.30 Uhr (Adler). Jüdische Rcligionsgcmcindc Charlottenburg, Schulstraßc 7: 4 Uhr. Jüdische Rcformgcmcindc Joachimsthulcr Straße 13: 6.30 Uhr (Roscnthal). Sonnabend. 15.- Dezember:' Hauptgottesdienst: 10 Uhr. Frühgottcsdicnst Lindenstraße. Lcvetzowstraßc, Prinzregentenstraße: 7.30 Uhr. Liberale Synagoge Norden: Scheucrmann. Liberale' Svnasoze Osten: Graf. Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg: 9.30 Uhr (Hamburger). So n n t a g. 16.. Dezember: Jüdische Reformgemeinde, Jo hanuisstraße 16: 10.30 Uhr (Gottsclialk). - Religiöfe Aufbauarbeit der Gemeinfchafi Nordoft Die „Liberale Synagoge Nordost" hielt ihre erste Generalversammlung ab. Iii der der Tätigkeitsbericht erstattet wurde, dem wir folgendes entnehmen: Arn-23. Dezember 1932 fand der erste Gottesdienst in der Schinkcl-Obcrrcälschulc statt- Die große Teilnchmcrzahl bewies, wie notwendig die Einrichtung dieser neuen Synagoge war. Nach kurzer Zeit, Anfang April 1933, wurde die angefangene ^Auflmuarbcit jäh unterbrochen;'die Aula stand nicht mehr zur Verfügung. Das begonnene Werk wurde jedoch fortgeführt. Hausgottesdienste wurden eingerichtet. Die Mitglieder wetteiferten, ihre Wohnungen für die Gottesdienste zur Verfügung zu stellen. Es gelang schließlich, durch die Hochherzigkeit eines jüdischen Hauswirts einen schönen, würdigen Bctraum zu schaffen. Am 23. März d. J. wurde die neue Synagoge Prenzlauer Promenade 176 in Gegenwart von Vertretern der roßen Muttcrgcmcindc eingeweiht. Am Pcssach konnte außer den Gottesdiensten der Seder für 60 Personen abgehalten werden. Im Mai fand ein Gemeindealtend - statt. Einen Höhepunkt im religiösen Leben der Gemeinschaft Nordost bildeten die Gottesdienste an den hohen Feiertagen in der eigenen Synagoge. Oft reicht der Raum nicht aus, die große Zahl der Besucher zu fassen. Durch einen Umbau des Gotteshauses wäre diesem Mangel abzuhelfen. Aus der1 Mitte der Versammlung kam die Frage nach Einrichtung eines Gottesdienstes a m - S a b b a t vormittag. Besonders dringlich sei diese Frage im Hinblick auf die heranwachsende Jugend, die am Sabbat schulfrei ist. Der bisherige Vorstand (Arndt, Heimbach, Metz, Rosenthal, Heymann, Lucas) wurde wiedergewählt. Heiterer Nachmittag im „Heimathaus** Im Heimatbaus in der Gormannstraße — Abrahamstiftung — fand ein wohlgclungencr heiterer Nachmittag für die Insassen statt. Bei Kaffee und Kuchen bot eine Anzahl Künstler lustige und ernste Darbietungen. Mit großem Beifall wurden die Gesangsdarbietungen von Karjn Schapiro, die Rezitationen von Else Roman und Laura Pcltcsohn sowie das Erscheinen von Bergcr-Ballan mit seinem „Karlchen" aufgenommen. Viel belacht wurden auch die Berliner Typen Hanni Rosens, ebenso die Darbietungen von Gerhard Gottschalk und Erwin Suttner. Dr. Perls, der Vorsitzende des Heimathauses, sprach Worte des Dankes. Am Abend zuvor waren die 70 Insassen des Hauses mit warmen Sachen beschenkt worden, wobei Dr. Salomonski die Ansprache hielt. J. W. Chanuhka-Wetheßuhde in der Levetzotcßraße Der Synagogen verein Levctzo w s t r a ß c veranstaltete eine Chanukka-W'cihcstundc in Form eines Konzertes in der Synagoge. Man hörte an dieser Stelle schon wiederholt gebrachte Chöre, ausgeführt vom Roskinschen Chor und Orchester mit Soli von Toni Dascn und Toni Türk; außerdem einige neue Kompositionen des Dirigenten. -Janot Roskin hielt Chor und Orchester in straffer Hand. In bekannt vollendeter Weise sang Oberkantor "Wilhelm Friedmann Arien von Mendelssohn, vom Organisten ■Hermann Schwarz gefühlvoll an der Orgel begleitet. Rabbiner Dr. Lcwkowitz wies in seiner Ansprache darauf hin, daß gerade heute die Kunst eine Notwendigkeit sei, um uns, wenn auch , nur für eine flüchtige Stunde, die Sorgen des Alltags vergessen zu, lassen. " Mi. 10. Grburtstnp. Kaufmann Leo Schlesinger, Berlin, Gieselerstmße IG, begeht om IG. .Dezember den 70- Geburtstag. Der Jubilar ist in letzter Zeit iu den Vorstand der Synagoge in der l'asanenstraße gewählt worden. - Dr. Eichard Hirsch, der Berliner Komponist und Schriftsteller, vollendet am 13. Dezember sein 50^ Lebensjahr und begeht gleichzeitig sein 23 jähriges Kabaiettjubüäum. .

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