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Jüdische allgemeine Zeitung · 1934-12-12 · 93 (12.12.1934) · page 3

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
93 (12.12.1934)
Date
1934-12-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1-Beilage ' 12. Dezember 1934 JÜDISCHE A1UEMHNE 1EITUNQ Die Bibel neu überfetzt / Von Rabbiner Dr. SALZBERGER Jedem Juden, der den Wunsch hat, sein Judentum kennen zu lernen, legen wir vor allem ans Herz, die Bibel zu lesen. Wir wurden ihm am liebsten das hebräische Original in die Hand geben, wenn er es nur verstände. Da dies in der Hegel nicht der Fall istj muß er sich mit -einer Übersetzung ,bchelfen. Aber jedesmal, wenn wir nach einer solchen gefragt werden — und das geschieht immer häufiger — geraten wir in Verlegenheit. Eine christliche Übersetzung mögen wir ihm bei aller Bewunderung für die Luther'sche nicht empfehlen, aber welche jüdische dann? Sollen wir ihn auf Moses Mendelssohn verweisen? Seine Übersetzung, die erste in hochdeutscher Sprache (wenn auch anfangs in hebräischen Lettern) war für die Juden, und nicht nur für die deutschen Juden, eine Tat, die sich von ferne der Tat Luthers vergleichen läßt; sie gehört der Geschichte an, wie sie Geschichte gemacht hat.' Aber Mendelssohns Übersetzung in ein Klassisches Deutsch umfaßt doch nur den Pentateuch, die Psalmen und das Hohelied — was von seinen Jüngern, den „Binristen", stammt, bleibt dagegen weit zurück; zudem ist Bie heute 150 Jahre alt und in vielem überholt. Also wählen wir die erst 30 Jahre alte Übertragung der ganzen Bibel von Simon Bernfeld? Mag sie auch, nach dem Vorwort des Verfassers, sich Mendelssohn zum Muster genommen haben, sie ist weder deutsch, noch läßt sie die Kraft und die Schönheit des Urtextes ahnen. Jakob Auerbachs „Kleine Schul- und Hausbibcl" (1858) mag ihrem Zweck als Schulbuch einigermaßen gedient haben, als die Hausbibel für reife Leser können wir. diese etwas nüchterne Auswahl aus der Schrift nicht ansprechen. Ungleich wertvoller ist, wenn wir von Teilübersetzungen und illustrierten Prachtbibeln, wie sie früher Mode waren, absehen, die Bibelübersetzung von Salo Herxheim e'r (1841—18); die sich auf die alten jüdischen Kommentarc stützt und die man noch heute zu Bäte ziehen sollte. Als die bisher beste, als eine rechte Hausbibcl für deutsche Juden, erscheint uns noch immer die ehrwürdige, die Leopold Z u n z , der Altmeister der Wissenschaft des Judentums, gemeinsam mit sachkundigen Mitarbeitern, unter ihnen Mich. Sachs, 1838 herausgegeben bat. Wenn wir sie durchblättern, weht uns etwas von der ehrwüidigen Frömmigkeit unseres elterlichen oder großcltcrlichen Hauses wohltuend an. Aber auch sie entspricht dem Bedürfnis des lebenden Geschlechtes nicht mehr. Und der Versuch, „die Schrift zu verdeutschen" von Martin Bubcr und Franz Hosen zweig? Schon diese Namen bürgen dafür, daß hier etwas Großes und Einmaliges geschaffen worden ist und, will's Gott, vollendet werden wird, nicht eine Übersetzung bloß nach Wort und Sätzen . der Schrift, sondern eine Nacbseböpfung in Form und Inhalt, eine Freilcgung der Urschrift jenes Palimpscstes, zu dem nach Bubcrs Wort die Bibel im Laufe der Zeiten geworden ist. Diese Übersetzung will wie das Original selbst nicht gelesen, sondern vorgelesen, gesprochen, „gerufen" werden, damit durch Wortwahl, Satzbau und rhythmische Gliederung, auch der Prosa, der ursprüngliche Charakter des Buches bis in seine geheimnisvollen Tiefen in unserer Muttersprache neu erklinge. Sie bricht mit der „Geläufigkeit" aller früheren Übersetzungen und 3cheut nicht vor .kühnen und fremdartigen Wortbildungen zurück, gerade um der tiefer erfaßten Treue willen. Diese Verdeutschung wird ihren Ehrenplatz behaupten: kein Gebildeter wird an ihr vorbeigehen können, und der Kenner der Bibel sie stets mit Genuß und Gewinn befragen —: aber daß sie die. deutsche Hausbibel. der jüdischen Familie wird, das müssen wir nach unseren bisherigen Erfahrungen leider bezweifeln: sie setzt dafür zu viel voraus. Die deutsche Bibel, auf die wir Babbinermit unseren Gemeinden seit langem warten, wird jetzt endlich der Öffentlichkeit übergeben. Sic nennt sich: „Die Heilige Schrift, neu ins deutsche übertragen". Bisher liegt der 1. Band vor, die Tora, das „runibuch", übersetzt von Hcrmann-Schreiber. Die Anregung zu diesem Werk gab vor 30 Jahren der Rabbiner der Berliner Gemeinde, Prof. Dr. Siegmund May bäum. Aber erst vor 1U UNSERE GESCHICHTE Jofua Herr, der Du riefest mich durch Mose, Deinen Knecht, . Der Du den Vätern Bund und Satzung schenktest,' Nicht weil Dein Volk, nicht weil ich selbst gerecht, Aus Gnade nur stets unserer gedenkest, 'Erhöre mich am Tage, da ich rufe, Da von der Feinde Erz, der Rosse -Hufe Die Erde dröhnt und zittert wie ein Holm, Da schon der Tag vergeht in Nacht und Qualm, Und unsere Arme schwer ermatten. Brich — wie am Jordan — Deiner Schöpfung Rechte, Nur einmal noch verscheuch' die Dämmerschatten, Dein Wort allein, Herr, winget alle Mächte. Sonne, steh still in Giheon Und Mond im Tale Ajalon! Ich bin Dein kiiegsmann, Herr, Dein Werkzeug nur, Bestimmt die Erde zu entsühnen, Darauf aus Blut und Macht die Spur Der Götzen, denen fremde Herren dienen. Ich "brannte Städte nieder und Altäre Und vieler. Lehen endete mein Schwert. O Herr, geschah es nicht zu Deiner- Ehre, War es Dein Feuer nicht, das sie verzehrt? Ringsum mich tobt der Kampf. Wann wird er enden? Die Sonne sinkt, die Schatten werden lang. Ist es Dein Wille nicht, den Sieg zu spenden. Die Kraft gewähr', die uns zum Kämpfen zwang: Sonne, steh still in Gibeon Und Mond im Täte Ajalon I Ich bin Dein Knecht nur, der den Boden pflügt,. Der andren einst wird Früchte tragen. Vielleicht ist es ein'Wahn, der uns belügt, Gewißheit nicht, nur Hoffnung, wenn sie sagen. Daß unsrem Kampf ein Ende wird, und Sieg, Wohlstand, Besitz und Glück und Frieden, Die Sehnsucht endet und den Krieg, Daß unbeschwertes Lachen uns beschieden-- Der alte Kampf wird neue Grenzen sprengen, In neuen Ländern altes Leiden sehen. In Deinem Licht, o Herr, laß uns bestehen, Die ew'ge Schar in flücht'ger Völker Mengen. Sohne, steh still in Gibeon Und Mond im Tale Ajalon! H. K. Jahren hat der. Vorstand seiner Gemeinde eine Kommission zur Vorbereitung und Durchführung der Arbeit eingesetzt. Die Bearbeitung der einzelnen biblischen Bücher und Büchereruppcn wnrde an rachmänner — mit Ausnahme des Herausgebers, dem der Löwenanteil an der Arbeit zufiel, und eines anderen Gelehrten durchweg Rabbiner — übertragen. Die einheitliche und tiefgreifende Redaktion hat der bedeutendste jüdische Hebraist und Bibelforscher unserer Zeit, Harry To r c zy n e r , bis vor kurzem Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, jetzt Professor an der Universität Jerusalem, übernommen und im Laufe eines Jahrzehnts durchgeführt. Wie mühevoll und entsagungsreich diese Arbeit, noch dazu für einen bibelkritisch eingestellten Gelehrten war, davon kann man sich eine Vorstellung machen wenn man bedenkt, daß es galt, die Übersetzungen der verschiedenen Übersetzer nicht nur im einzelnen zu berichtigen, sondern auch zu einem möglichst einheitlichen Ganzen zu formen wie es bei allen Gegensätzen die Bibel doch ist. In einem Geleitwort legt Torczyner in gedrängter Kürze die Absicht dar, von der die Bibelübcrtragung gelenkt wurde. Sie will „die jüdische Bibel so wiedergeben, wie sie durch Jahrtausende •im Judentum lebendig und geheiligt gewesen ist. Sie ist daher bemüht, soweit dies möglich ist, den überlieferten hebräischen Text mit letzter Treue zu übertragen, auch da, wo er uns dunkel und schwierig erscheint ... So schwierig es auch war, an dem Satzbau- und Erzählungsstil des Hebräischen der Bibel festzuhalten so war es doch unser Streben, in der Übertragung den Charakter des Grundtextes zu möglichst reinem Ausdruck kommen zu lassen". Es versteht sich, daß es nicht ihr Ziel sein kann, die hebräische Bibel zu übersetzen, „sondern an ihren Inhalt, ihren Sinn und ihre Schönheit heranzuführen". Das Fünf buch, das vorliegt, ermöglicht durch-sein eigentümliches Miteinander von erzählender Prosa, von Gebot und Gesetz, Spruch und Lied, einen guten Einblick in das, was der Gliersetzer, hzw. der Herausgeber von seinen Absichten erreicht bat. Inhaltlich hat die Übersetzung von Schreiber im Negativen wie im Positiven von allen ihren Vorgängerinnen Nutzen gezogen, auch der Einfluß der Buher-RoscnzwcigVllcn auf die Wortwahl ist unverkennbar. Es entspricht dem Charakter dieser „I.aiciiliilH-1", daß sie den Rhythmus der biblischen Prosa nicht wie die Ilubcrsche im Bruck hervorhebt, sondern nur die als Poesie erkennbaren Teile. Aber der Rhythmus der sechs Schöpfungstagc' hätte doch in der Form von Sinnabschnitten sichtbar — hörbar gemacht, werden dürfen, wie das Original es tut. Oh für das schwirri-o ohel moed, das Luther mit „Stiftshüttc", Neuere mit „Off.-nbarungszclt" übersetzen, „Erscheinungszcl t", ein »lücklichcrer Ausdruck ist als Bubcrs „Zelt der Gegenwart", ist zu .bezweifeln. Zweifellos aber ist die Wiedergabc des herrlichen Gottcsworlcs: „es werde Licht!" mit „es werde hclll" ein Mißgriff- Auch mit der Änderung des anderen Gotteswortes: „Ich werde alle meine Schöne (statt: Güte) an dir voraberziehen lassen (11 Mose 33, 19) können wir uns nicht einverstanden erklären. Weshalb sind die Tfilhn statt zum Zeichen zur „Marke an deiner Hand geworden? (V Mose 6, 3), warum die Hohen der Feinde, Jfr». £ BOttbefreite Volk treten soll, zu deren „Leichen"? (V Mose 33, 29). Sind „deine Heime JisraBl"; wirklich schöner oder richtiger als deine Wohnungen? (IV Mose 24, 5). Und es ist weit mehr als ein sprachliches Bedenken, das wir gegen die Übersetzung von nabi, gewöhnlich „Prophet", mit „Begeisterten" erheben (V Mose 34, 10). Sollten wir hier nicht dankbar Bubcrs „KÜnder" annehmen? wiederum ist es zu begrüßen, daß es. bei dem schon sprichwörtlichen: „Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der Ewige" (III Mose 19, 18) gegen Bubers: „Halte lieh-deinen Genossen, dir gleich. Ich bin'a" geblieben ist. Um von dem anderen Kernsatz der Tora zu reden," so ist nicht einzusehen, weshalb im „Höre Israel" es deutscher sein soll: „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deiner ganzen Kraft" zu sagen, da doch im Hebräischen das „dein'' gleicherweise bei allen drei Hauptworten Bteht (V Mose 6, 5). Unverständlich bleibt, warum bei gleichem Crundtext im 2. Btindcswort Gott einmal „Liebe erweist lausenden (Geschlechtern)" (II Mose 20, *) — eine überzeugende Verbesserung der. üblichen Übersetzung! — während er das andere Mal eben doch „Liebe erweist bis ins tausendste Geschlecht" (V Mose 5, 10). Auchdürften gewisse Formen zwar dem hebräischen, nlcnt aber dem deutschen Sprachgefühl gerecht werden, etwa: „Jakob . . . nachtete daselbst" (I Mose 28, 11) oder-„fürchte nicht vor ihnen" (V Mose 7, 18), während bald darauf (V. 21) richtig: „ängstige dich nicht vor ihnen". . ' Aber was wollen solche kleinen Ausstellungen, die nur tragen sein können, un einen, der doch nach reiflicher Dbcrlegiing und mit guten Gründen sich eben für dieses Wort und diese Wendung ' entschieden hat, gegenüber den Aufschlüssen bedeuten über manche dunkle Stelle (z. B. I Mose IV, 7) und gegenüber ungezählten, vortrefflich gelungenen „Wort-Entsprechungen in den prosaischen und ganz besonders in den poetischen Stucken der Tora,, in den eingestreuten Sprüchen, dem Schilfmeerhcd, dem Segen Jakobs, dem letzten Lied und dem Segen Moses? Nach einem geistvollen Worte Franz Rosenzweigs heißt „übersetzen zwei Herren dienen. Also kann es niemand. Also ist es wie alles, was theoretisch niemand kann, praktisch jedermanns Aufgabe". Nur freilich ist nicht jeder zum Übersetzer der llioe berufen. Der hebräischen Sprache Raum zu lassen (Luther) und derdeutschen zugleich ihr Recht einzuräumen wird von ihm verlangt. Welches Wissen, welches Verständnis, welches Sprachgefühl, welcher Glaube und welche Demut gehören dazu! Bei der vorliegenden Übersetzung spüren wir von alledem ein hohes Maß. Sic hält sich von einer sklavischen wie von der sogen, freien Übersetzung gleich weit entfernt. Von den beiden Prinzipien, die in Anlehnung an ein Wort von Schleicrmacher der Übersetzer . zu lefolgen hat, nämlich den Text zum Leser und den Leser zum Text hm zu bewegen, steht bei der Schrciber'schen Tora-Übersetzung im Unterschied zur Buber'schen das entere im Vordergrund, ohne daß das zweite vernachlässigt würde Lnd so sehen wir aüf Grund dieser nach Umfang und Inhalt bedeutenden Probe einer deutschen Bibel entgegen, die nach menschlicher Voraussicht für die nächsten zwei bis drei Generationen d i e Hausbibel des deutschen Juden sein wird. Für dies Geschenk gebührt dem .Herausgeber wie seinen Mitarbeitern unser aller Dank, fcin besonderer Dank dem bewährten Verlag von J. " K a u ffima n n . Frankfurt a. M., der dies Buch (das in einer Sonderausgabc für d e Jüdische Buch-Vereinigung hergestellt wurde in handlichem Format, geschmackvollem Einbanden klarem Druck auf reinem Papier zu mäßigem Preis herausgebracht hat. Wer künftig eine deutsche Bibel erwerben will, nicht nur um eine zu besitzen, sondern sich dies Grundbuch unserer peschichte und unseres Glaubens zu eigen zu machen, der darf nicht mehr sagen, daß es keine gebe, die nicht allen berechtigten Ansprüchen eines gebildeten Lesers genügt. _ ' : In der Sin«ore rFasanenstraOe findet am 15. Dezember, abends 8.30 Uhr, ein Vortrag des Herrn Babbiner Dr. Lewlcowitz über „Xietuchcs Kritik der jüdischen Moral" statt. Der Vortrag wird mit Gesanz und Orgelspiel umrahmt. Eintritt frei. DIE BIBEL ERZÄHLT im Wochenabfchnitt Wajiggafch . von der Bereitwilligkeit Judas, das Los der Knechtschaft auf sich zu nehmen, um seinen Vater vor dein Verlust seines jüngsten Kindes zu schützen. Von solcher Kraft selbstloser Liebe überwältigt, gibt Josef sich seinem Bruder zu. erkennen. Erstarrt stehen sie vor ihm, doch er beruhigt sie mit liebevollen Worten. Seinem Vater läßt er durch sie berichten, daß Gott ihn zum Herrn Aegyptens gemucht hat. Er schickt nach Kanaan Wagen, die Jacob und seine Kinder schnell zu ihm bringen sollen. Die Stunde des Wiedersehens kommt. Nachdem ihre Freude verklungen ist, stellt Josef seinen Vater und einige Brüder dem Könige vor, der ihnen die Landschaft Gosen zum Wohnsitz anweist. O . - Unsere Sidra variiert, indem sie den Ablauf der Ereignisse schildert, zugfeich das Thema der Liebe im Kreis der Fumilie. Juda will seine Freiheit und sein Lebensglück opfern, um seinen Vater vor -Leid1 zu bewahren. .Mit diesem Bild heroischer Kindesliebe wendet sich die Tora auch an die Jugend der Gegen-. wart. Das Hecht des Kindes ist in unseren'Tagen häufig und übermäßig betont worden. Junge Menschen sind dadurch vielfach in ihrem Egoismus bestärkt worden. Daher ist es — zumal in einer Zeit der Not — geboten, auch auf die Pficlit opferbereiter Kindes- - liebe hinzuweisen. Josef sagt seinen Brüdern, als sie bereits wußten, wer vor ihnen stand: „Und nun betrübt Euch nicht und zürnt nicht darüber, daß Ihr mich nach Aegypten verkauft habt, denn zur Bettung hat Gott mich vor Euch gesandt.'- Er hat ihnen nicht nur das Unrecht vergeben, - das sie ihm einst zugefügt hatten, er will ihnen auch das Bewußtsein der Schuld von der Seele nehmen. Damit zeichnet die Tora die edelste Form verzeihender Liebe, vollkommene Brüderlichkeit, die von der tiefsten Not, der Not des Gewissens befreien will. - _ . Josef eilt seinem Vater entgegen. Im Jubel de» Wiedersehens Bpricht Jacob zu. ihm: „Jetzt kann ich sterben, nachdem - ich dein Antlitz gesehen habe." In diesen 'Worten offenbart «ich da» Uchte 'Empfinden eines Vaters, der im Glück dcs~Kindea die l&onunK und Erfüllung des eigenen Lebens erblickt und {fix sich nichts mehr verlangt. _ Einen Zusammenhang zwischen diesem liebevollen Geist innerhalb der Familie, und religiösem empfinden', stellt unsere Sidra'nicht her. Daß er aber vorhanden ist, zeigt die Geschichte des " Judenrums. Solange im jüdischen- Haus frommes Fühlenherrschte, besaß auch die Familie ihren starken inneren Zusammenhalt, .jene Reinheit, Innigkeit und Opferbereitschaft, die weithin sichtbar ihr auszeichnendes Merkmal bildeten. Mit dem Schwinden jüdischer Religiosität jedoch verblaßte auch der Glanz des jüdischen Hauses. Da trat jene Lockerung der Familie ein, die das Fundumcnt des jüdischen Lebens erschütterte. Aus der Not der Gegenwart aber, die uns wieder enger zusammengeführt, das jüdische Bewußtsein gestärkt hat, wird nicht nur eine neue Frömmigkeit in unserer Mitte entstehen. Wenn das jüdische Haus seinen religiösen Charakter rückgewinnt, Eltern und Kinder sich durch denselben „.auben verbunden wissen, werden auch die sittlichen Kräfte wieder zum Vorschein kommen, die der judischen Familie ihre unvergleichliche Schönheit verleihen. Lcwkowitz-Berlin. „Balak und Bilam« in der Neuen Synagoge Die Auffflnrung von Hugo Adlers biblischer Szene „llalak und Bilam" bestätigt, was Grundhaltung und Tendenz des Werkes anlangt, den kürzlich hier gekennzeichneten Eindruck; sie bestüligl weiterhin den Eindruck hoher kompositorischer Könnerschalt, die sich in einer reichen Polyphonie ausspricht. Wenn man trotzdem nicht ganz restlos überzeugt wird, so mögen zwei Umslinde dazu beitragen. Einmal bewegt sich Adlers Tinsprache völlig la den , Bahnen der jungen deutschen Generation etwa unXlluidemilli herum, ohne daß eine Abwandlung ins spezifisch Jüdische hinein nelingt; so vermißt man bei aller Erhabenheit, mit der hier das Bibelwort interpretiert wird, einen Klang, der irgendwie als besonders jüdisch berührt. Zum andern ist die Textgcsta lung im einzelnen nicht immer einleuchtend, so etwa die Verteilung der Höhepunkte. Eine wirklich zwingende Wirkung geht von den machtvollen Chören aus. . , Oskar Guttmann verschaffte dem Werk eine in jeder Beziehung vorzügliche Wiedergabe; er riß den Chor der Neuen Synagoge zu einer„kraftvoll in sich geschlossenen Leistung cinpor und führte das Orchester gleichfalls mit sicherer Hand. Mcinliart Maur sprach den verbindenden Text in angemessener, nur mitunter zu gleichförmiger Feierlichkeit, Wilhelm Guttmann war ein ausdrucksstarker Bilam; Bernhard Chrzelitzer als dramatischer Gestalter des Balak sowie Paula John-Guttmann in der Sopranpartie fügten sich würdig ein. Hans Baer spielte die Klavierstimme mit gewohntem Können namentlich auch un- '«tonischen. Ludwig Alt mann paßte die für diese Aufführung von Adler nachkomponierte Orgelbegleitung aufa-glücklichate dem Gcsamtklang an; einleitend gab er Adlers „Toccata und rüge über ein hebräisches Thema", die dem „Balak" sulistisch nahesteht, mit sicherer Technik und gut durchdachter Abstufung in der Heguterwahl. Rabbiner Dr. M. Swarsensky behandelte in der vom Komponisten vorgesehenen Schrifterklirung „bcgemind Fluch in Israel."

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