Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 92 (5.12.1934)
- Date
- 1934-12-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1. Beilage 5. Dezember 1934 JÜDISCHE AUGEMEM ZEITUNG DIE BIBEL ERZÄHLT Synagogen fiehen her.. . im Wochenabfchnitt Mikes von den Träumen Pharaos und ihrer Deutung durch Josef. Sie verheißen für Ägypten sieben fruchtbare Jahre, denen sieben Jahre der Dürre folgen werden. Josef rät dem König darum, in der Zeit des Überflusses Vorräte aufzuspeichern, um das Volk vor Hunger zu schützen. Mit dieser Aufgabe wird Josef betraut. Er gelangt so zu Ehre und Macht. Die Hungersnot kommt. Sie herrscht auch in Kanaan. Die Söhne Jakobs ziehen nach Ägypten, um dort Getreide zu kaufen. Sie werden vor Josef geführt, doch sie erkennen ihn nicht. Er tritt ihnen als Äevpter entgegen. <? }a der Lebensgeschichte Josefs bringt uns die Bibel die Rätselhaftigkeit des menschlichen Schicksals zum Bewußtsein. Ebenso plötzlich, wie er aus dem Glück des Elternhauses in das Elend der Knechtschaft und noch tiefer in die Schmach des Kerkers sinkt, steigt er zu Glanz und hoher Macht empor. In alledem aber waltet nicht die Laune eines blinden Zufalls, sondern Gottes Weisheit lenkt das Geschehen. So lehrt , uns die Bibel sowohl das Leben des Einzelnen als auch die Geschichte-der Menschheit als sinnvolle Einheit zu sehen, , in der auch das Leid seinen notwendigen Platz hat. Dieser Vorsehungsglaube hat unseren Vätern geholfen, auch Zeiten gewaltiger äußerer und seelischer Not kraftvoll zu überwinden. Sowohl ihr persönliches Schicksal als auch das Leben ihrer Gesamtheit konnte ihnen niemals sinnlos erscheinen. Sie waren der Überzeugung, daß alles Traurige nur die dunkle Pforte sei, durch die sie hindurchschreiten müßten, um zu neuem Glück und höherem Lebenswert zu gelangen. Jüdischer Vorsehungsglaube vermag auch das Dunkel unseres heutigen. Lebens aufzuhellen. Er ermutigt uns, in unserem Schicksal den Weg zu neuer Zukunft zu sehen, zu einem Judentum, das eine tiefere Gläubigkeit und einen stärkeren Willen zu religiöser Pflichterfüllung besitzen wird. - Die Brüder erkennen Josef nicht. Er ist in seiner äußeren Erscheinung und auch in seiner Sprache ein Ägypter geworden, ohne sich von der Religion seines Elternhauses zu lösen. Es ist bezeichnend für den Geist der Tora, daß sie diese Anpassung an eine fremde Welt mit keinem Wort tadelt. Das ist um so. auffallender, als in ihr sonst jüdischer Glaube stets . mit jüdischem Volkstum verbunden ist. Daraus ergibt sich, daß nach der Ansicht der Bibel die jüdischnationale Form nicht die einzig mögliche Form des jüdischen Lebens ist. Das Judentum kann auch mit fremden Kulturen verschmelzen, was in unserer Geschichte häufig geschehen ist. Glaube und Volkstum decken sich nicht trotz aller Verbindung, die zwischen ihnen besteht. Die Religion ist stets das übergeordnete und Entscheidende. Lewkowitz-Berlin. UNSERE omuicm Der .Zweifrontenkampf des Juda Makkabi Bei der Betrachtung jüdischer Geschichte ist immer wieder die Feststellung reizvoll, was für Gestalten dazu ausersehen waren, den Bestand des Judentums in Zeiten der. Gefahr zu retten und zu sichern. Nichts was bei der Einheitlichkeit der . Bestimmung uneinheitlicher sein könnte als der Charakter ihrer Träger. Wie ein roher unbehauener Fels ragt aus dem ruhigen Eben- - maß der Priester und Soferim die Kriegergestalt des Juda Makkabi heraus. Einen Freischärler und Bandenführer haben ihn die genannt, die seine Insurgation nach Form und Absicht mit den nationalen Freiheitskämpfen späterer Zeiten zu porallelisieren suchten. In der Tat, es gibt da historische^ namentlich europäische und deutsche Vergleichsmöglichkeiten, und viel von der Verwegenheit und Opferbereitschaft bester Patrioten muß auch in Juda Makkajri gewesen sein. . ,£r schaffte seinem Volke weithin Ruhm und legte den Hämisch, an wie ein 'Held und umgürtete sich mit seinen kriegerischen Waffen. Er glich - einem Löwen in seinen Taten und einem jungen Löwen, der nach Raub brüllt. Er durchzog die'Städte-Judas und vertilgte daraus die Gott* losen und machte» daß sich der Zorn Gottes von Israel wandte. r Sein Ruhm erscholl bis ans Ende der Erde, und er sammelte die Versprengten." Es wäre billig zu behaupten, daß der Kampf Judas lediglich der scleucidischen Hegemonie und dem Zeus von Jerusalem gegolten hätte. Gewiß, die Flamme der nationalen Empörung schwelte seit den Tagen, da Lagiden und Seleuciden sich um den Besitz Coelesyriens (Palästina, Phönizien, Judäa) stritten, und sie brach aus am Tage, da, wie einmal gesagt worden ist, ,.das religiöse Eigenleben der Gefahr verfiel, der Kultur geopfert zu werden". Aber darum und gerade darum hatte der Kampf des Juda Makkabi nicht nur seine Spitze nach außen, sondern ebenso sehr nach innen. Darum war es, aaß „Er durchzog die Städte Judos und vertilgte daraus die Gottlosen", auch die gottlosen Juden nämlich. Was war geschehen? Hellenismus und 'Ausländerei sind in Jerusalem Mode geworden. {Makkabäer II. Buch, Kap. 4, Vers 13.) Längst vor dem Sendschreiben des Antiochus, das das Aufgeben der religiösen Gebräuche befahl, hatte schon jener große Assir milationsversuch zwischen Judentum und Griechentum Gestalt fewonnen, den man Hellenismus nennt. Die Anordnung des lönigs traf somit zwar das Judentum in dem Kern seiner Existenz — denn jüdische Existenz ist nie durch äußere, Eindrücke vom religiöfen Leben in Paläftina — Um.fch.vmng der Jugend — Offiziell und privat — Oneg Schabbat in Tel Awiw Von MAX DIENEMANN Unser geschätzter Uitarlwiter Itahbiner Dr. Mas Diene- , mann setzt hier den in Sr. 89 der „Jüdischen Mlgenirtiiea" begonnenen Reisebericht aus Palästina fürt. , Jerusalem, im November. Wenn man nur oberflächlich hinschaut, müßte man konstatieren, daß es mit der Frömmigkeit, soweit sie sich in Innrhaltung von Formen kundtut, schlecht bestellt ist. Das tragende Element des Aufhaus, die Arbeiterschaft, ist areligiös. Sie steht dem religiösen Leben indifferent, sogar feindlich gegenüber. Wo in den Kolonien der bestimmende Einfluß von Menschen ausging, die von der russischen Ideologie herkamen, hat dieses Areligiöse noch einen besonders aggressiven Charakter. Rituelle Lebensführung, Jomkippur hallen, gar etwa fasten, ist in den Siedlungen, die nicht von vornherein auf orthodoxer Grundlage aufgebaut sind, eine Seltenheit. Die Synagogen in den Kolonien stellen leer, werden schlecht besucht. So könnte ein oberflächlicher Beobachter ein Darniederliegen der Religiosität konstatieren. Aber eine solche Betrachtung sähe an wesentlichen Dingen vorbei. Man darf nicht übersehen, daß mit der Arbeilsenergie dieser Menschen etwas Religiöses - 'verbunden ist, ein Religiöses ihr zugrunde liegt. Es ist keineswegs mit dem' zu vergleichen, was man bei uns „Religion der Arbeit" nennt oder genannt hat, ein Begriff, der mit dem Ethischen der Pflicht- Wissen darum, daß hier eine Aufgabe erfüllt wird, die nicht für einen Einzelnen geleistet wird, sondern die zukunftsträchtig der Gesamtheit dient. Dann aber, und das ist noch wesentlicher, sichtlich bereitet sich in all diesen Dingen ein Umschwung vor. Es geht von der Jugend aus. Man beobachtet deutlich, wie die jüngste Jugend zu den Alten in den Kolonien kommt, um sich von ihnen belehren und anleiten zu lassen. Diese Alten hatten bisher in einer gewissen Abseitigkeit gelebt; man gönnte ihnen ihr Leben einer ritualen und gottesdienstlichen Frömmigkeit, aber die Anderen hatten keinen Anteil daran. Jetzt verlangt die Jagend nach Anleitung und einet Ordnung der Frömmigkeit. Es sind Ansätze zunächst nur. Aber in diesen Ansitzen offenbart sich ein Neues, ein Durchbrechen'des Geistes. Aber auch an anderer Stelle ist eine Veränderung zu beobachten. Gerade die Arbeiterorganisation, also die Organisation derer, die am stärksten das Religiöse. beiseite schoben, hat es für richtig befunden, den Wünschen der Gesctzestreuen nachzugeben und ihre Einrichtungen, wie etwa die —. Irans vorzüglich*** — Arbeiterküchen, was SpeisemKtie un<rSar^lBeil/gung anlangt, nicht im Widerspruch zum offiziellen Religionsgesetz zu führen. D. h. es entwickelt sich eine Einsicht darin, daß das Leben, auch in den religiösen Bekundungen, einer Ordnung unterliegen muß. liier nun tritt allerdings etwas zutage, waa zugleich mit einer neuen Problematik verbunden ist; nlmlich der Widerspruch zwischen dem Offiziellen und Privaten. Man kann in allen offiziellen Bekundungen die Sabbatheiligung durchführen, die Innehaltung der Speisegesetze als stilgerecht empfinden. Aber noch lange dringen diese Dinge nicht ins private Leben ein. Ich möchte sagen, die palästinensische Hausfrau kann gar nicht den Sabbat in der Form dea kodifizierten Gesetzes halten. Die meisten können sich den Luxus einer Haushilfe nicht leisten, wenn man eine hat, will sie selbst den Schabbat halten, . einen Tag muß sie frei haben. Aber je enger die Wohnungen sind, um so mehr drangt sich die Notwendigkeit auf, gewisse Verrichtungen doch zu machen; die Hausfrau kann die Wohnungen, die Mahlzeiten für den Sahbat vorbereiten, immer bleibt noch das ' eine und das andere, zu tun. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die alte Ausspinnung der Sabbatgesetzc nur möglich .war in der Selbstverständlichkeit des Vorhandenseins nichtjüdischcr - Arbeitshilfe. — Ein weiterer Zusammenstoß mit den überlieferten Religionsgesetzen: der Sabbat ist der einzige freie Tag; an ihm wollen die jungen Menschen nicht nur von der Arbeit ausruhen, sie wollen ins Freie, sie wollen das Land kennen lernen oder,' wenn sie auf dem Lande wohnen, die Stadt. Also fahren sie hinaus, sehr zum Arger der Altfrommen. Noch ist hier ein Widerspruch zwischen dem offiziellen und privaten Leben. Aber nicht lange, und es wird sich aus den Notwendigkeiten eine andere Form ergeben als die, die man im Mittelalter herausgebildet hat, und die die Orthodoxie ala die einzig mögliche kennt und anerkennt. Man mag das Wort belächeln: in Wahrheit bildet sich hier liberales, positives, nicht dogmatisch gebundenes und sich festlegendes Judentum heraus.-» Die Dingesind auch auf dem Lande nicht gleichmäßig zu beurteilen. Anders ist' ~ das religiöse Leben in einer Kwuzah,-' einer Arbeiterkolonie, und anders in einer Moschawah, in der Siedler siedeln, deren Lebensführung die Erinnerung an ihr früheres bürgerliches Leben mit all seinen Farmen nicht verloren gehen Ußt. .Gerade in Siedlungen, in denen viele neue aus Deutschland gekommene Siedler sind, regt sich ein starkes Bedürfnis nach den gewohnten Formen religiösen Lebens, liier allerdings ist auch wiederum ein Zusammenstoß mit den alten Siedlern, die, wo sie für Keligiöses Interesse haben, sich es nur in der Form des Alten denken können, die, wenn es sich um eine r'abbinische Führung handelt, nach einem Raw ostiüdischer Prägung verlangen und einen etwa durch europäische Hochschulbildung gegangenen Rabbiner ablehnen, auch wenn er von einwandfreier Orthodoxie ist. Hier wird es — noch manchen Kampf geben. Noch gar nicht zu übersehen ist, welche Wirkungen die Bemühungen der aus Deutschluiul importierten Scparatorthodoxie hallen wird. Der,-dcr ihre,Arbeit von Europa aus kennt, fürchtet - »ich vor der Verwirrung, die sie in die Reihen der ernst Ringenden, um ein Positives sich Mühenden hineintragen kann, vor den Spaltungen, die das der Einheit bedürftige palästinensische Judentum durch sie erfahren wird. Haben ihre Anhänger doch heute schon das Hecht, nicht zu der allgemeinen Cemeindoorganisation, der Keiicsset Israel, szu gehören. Die palästinensischen kreise selbst, insbesondere die Kreise der religiös positiven j russischen Intelligenz, betrachten diese Separarorthodoxio als für 'Erez Israel unwichtige auantite* negligoablc, aber vielleicht irren sie sich, vielleicht ist dies Urteil nur aus der Unkenntnis ihrer Methoden geboren.' _ Eine besondere Rolle spielt in dem palästinensischen Frömmigkeitsleben ' der sogenannte Oneg Sehabbat. Ch. N. B i a 1 i k hatte ihn begründet, ihm schwebte der Cedanke vor, damit den Keim zu einor neuen Form gemelnsehaftUeher Frömitiigkeltsaußerung zu legen. Ea-ist in-der ueschlohte Israels i'a schon einmal so gewesen, deft eine Fotm. s^memseriaftUehex* "rommigkeiubekunduDS: aus den vrlnsana Anlangen, mit denen man sie nach der Rückkehr aus dem babylonisch««, Kall begonnen hatte, sick au einem ieatgefagten Gebilde entwickelte, das Jahrhunderte Oberdauerte und Israel in Jahrhunderten Halt gab. Dieser — gleich zu schildernde — Oneg SebasJaet ha« alali vom Ts>l- . .. . n>.UL - - . . - - k.M- -* " ■ ' MM. .i^^'V,^ vor Sabbat-Ausgang veMamtneln sich Miltner und Frauen, In Tel-Awiw in der großen Hälfe Ohel-Schem (Zelt Sems). Viele Hunderte kommen da zusammen. Man beginnt mit der Hede irgend eines Führenden, bis zu seinem Tode war ea In Tel-Awiw Bialik selbst. Diese Rede ist stets eine sogenannte Miissar-Hede, eine Hede der Zurechtweisung; hier benennt der Redende "gewisse Schaden des öffentlichen Lebens, geißelt, waa zu §eißein und zu rügen ist. Stlrkste Cewisaensaufpeitschung ist die ielsetzung. Dann Mit ein Kundiger eine Rede, eine* Vortrag Ober irgend ein mit dem Leben und der Geschichte der Juden und insbesondere Palästinas zusammenhangendes Thema. Zum Schluß des Vortrags istschon die Dunkelheit eingefallen. Ist der Vortrag beendet, setzt, immer jetzt im tiefsten Dunkel, ein Chor mit Gesang ein. Ich hörte das Sehir hamaelau» In einer wunderbar ergreifenden Molodle singen. Und nach jedem Vera wiederholte der Chor und alle Versammelten den Eingangsven: beschuw adonaj et schiwat Zijon hajinu kecholmim (wenn Gott zurückführt die Gefangenen Zions, sind wir wie Träumende). Der Vers wurde als Refrain betrachtet. Andere Gesinge folgen,-immer unter voller Anteilnahme. Sio haben ein seltsam Erregendes, Fortreißendes, Aufrüttelndes. Schließlich flammen In einer Ecke die" Lichter um einen Mögen David auf, in einer anderen Ecke wird llawdala gemacht, das Scheidegellet für den Sabbat gesprochen, und schweigend verlißt dlo Menge den Saal, ergießt sich in die Straße, die bereits von brausendem Leben erfüllt ist. Es ist zunächst noch "lange kein Gottesdienst. Aber es sind stlrkste religiöse Elemente in diesem Oneg Sohabb a t. Zunächst das Tatsachliche, daß Hunderte und Hunderte von der oberflächlichen Zerstreuung der Straße fortgenommen werden; dann die Aufrüttelung der Gewissen,' und schließlich der gemeinsame Gesang. Ansitze das allesl Wer kann wissen; wa» daraus erblüht und wie es blüht? Des Menschen Aufgabe und"Arbelt ist immer und allerorten nur: Saat aussäen. sondern immer erst durch innere Bedrohung geflhrdet —, aber sie vollzog nur nach, was innerlich längst vorbereitet war. In Judas sprach man auch griechisch, man ' kleidete sich griechisch, verschiedentlich hatte man Volk und Glauben abgeschworen. Jüdische Jugend turnte in den Gymnasien. Es gab eine Partei der Hellenisten, . die sogar das Hohepriesteramt beschickte. „Parteiginger der Assimilation"-nennt sie Dubnow. Gegen sie richtete sich gleichermaßen der Zorn der Makkabäer, und so fielen auch Juden unter ihrem Schwert. Denn sie waren jenem gewalttätigen und gewiß auch etwas atavistischen Glauben verschworen, für den das Fremde immer auch gleich dos Schädliche und das Feindliche ist. Von Sokrates* Geist war nichts hinter die Starre ihrer mauerfesten Gesinnung gedrungen und wurde vielleicht in den Gymnasien' auch zu wenig gelehrt. Griechenland war für sie Zeus und nicht Piaton. Die heitere Geselligkeit des Griechentums sahen sie nur in den Auswüchsen scleucidischer Entstellung und freradherrschaftlichen Zwangs. Da wollten sie denn lieber in Güte sterben, als in ■ Schönheit leben. Mag sein, daß Antiochus-.deshalb scheiterte, weil er nur den griechischen Stadtstaat verpflanzen wollte, aber zur Sendung des griechischen Geistes nicht der rechte Nlonn war. Jedenfalls scheiterte er und erlitt der Hellenismus in Judäa damals einen gewaltigen Rückschlag. Immerhin, anderthalb Jahrhunderte später feierten Judentum und Hellenentum doch ihre glanzvolle Synthese in der Gestalt Philos von Alexandrien. Ob diese Assirailationsepoche aus den seleucidischen Tagen einen kulturellen Wert oder Unwert darstellt, läßt sich nicht kategorisch bestimmen. Religiös gesehen, war sie zweifellos eine Gefahr für das Judentum. Verfehlt wäre es indes, sie zur Assimilation unserer Zeit in bedingungslosen Vergleich zu setzen. Denn damals — 160 vor — war Judentum Religion und Volk, und Assimilation ein Willensakt, im eigenen Land vollzogen. Als Willensakt, als Assimilation im Geist, wie wir heute sagen, als unnötige Preisgabe eigener geistiger Positionen bleibt sie auch in fremdem Land .unverantwortlich, als biologischer und geschichtlicher Vorgang ohne eigenes Zutun aber ist sie Schicksal und frei von jeder Schuld. H.'K. Die Bibel beftätigt London. Sir Frederic Ken'yan, bis vor kurzem Direktor des britischen Museums, der. bereits drei Bücher mit Faksimiles von Papyri mit Teilen des Evangeliums, der Offenbarung und Epistel des Heiligen Paulus veröffentlichte, wird demnächst einen vierten Band erscheinen lassen. Dieser Band enthält Fragmente der Schöpfungsgeschichte, deren Echtheit,'wie er sagt, über jeden Zweifel erhaben ist. Diese Fragmente* führen die Bibelgescbichte um ein bis zwei Jahrhunderte dem Beginn der christlichen Aera näher, als dies durch den Kodex Siiuiticus, den Kodex Vaticanus und andere Manuskripte geschieht, die den Bibelsammlern bisher bekannt sind. Diese Papyri weichen textlich voneinander ab, wodurch ihre Unabhängigkeit voneinander bewiesen wird. Das Auffinden dieser Manuskripte, sagte Sir Frederic, beweist die Unanfechtbarkeit dea bestehenden Bibeltextes gegen abweichende Versionen. Verein Hrnarore Lladsnstraae. 6. Dexetnlisr. nachm. 4 Uhr. in dsn Bismarck-Sälen. Neuo Orünatrade », Chaoukka-Ksier fär Kinder. 30.30 Uhr Heiterer Cbaniutka-Abead. aHtw.: Harrr llauptraain, lUdi Haas. Gerda Koeppler, Dr. Fritx Balomooski. Alfons Fink. t