Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 89 (14.11.1934)
- Date
- 1934-11-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Altes Tefiament und Kirche Die Bibel gehört der Menfchheit Hifdrshrim. Stadtsiipcrinlendcnt Dr. Prenzlcr hielt in »1er Andrcaskirchc rinrn Vortrag über dasrThcina ., Warum kann und darf die Kirche vom Alten Testament nicht lassen?"' Kr richtete . sieh dabei, der .,Gerslcnh'ergseIien Zeitung'* zufolge, gegen drei Vorwürfc-v die gegen das Alle Testament crholicu werden und viiic Ablehnung rechtfertigen Millen; I. der Ans|iruch, das jüdische Volk sei das auserwählte; 2. die Behauptung, die Gottrsvorsiclhmg des Allen Testaments sei niiridcrwcrlig; 3. I läßliches und Schlechto sei in ihm enthalten. . Der erste Vorwurf sei nicht zu. bestreiten. Zu der zweiten Behauptung M-i die Frage aufzuwerfen, wo man hei den alten Völkern eine Goltesvnrstrlluug finde wie liier. Zum dritten Vor- _uiirf_ M-i nicht zu leugnen, daß Schlechtes vorhanden sei, aber flieht um seiner seihst wüleu. sondert! um Gottes Gericht letztlich an allen Trägern des Schlechten zu offenbaren, mehr aber noch, »inj seine Gnade gegenüber Reue und Buße zu zeigen. -Nach einem Hinweis darauf, daß «las Alte -Testament auf (Jirirttus hindeute, fuhr Sladtsupcrititcudcut Dr. IVenzler fort; Weiter ist da-." Alte Testament das II n c h d « r W a Ii r h e i t Tiber den Menschen. - Gott zeichnet ihn. wie er ist und richtet ihn,- -übt überschwengliche Gnade an -ihm, wenn er sich in wahrer ■Buße ihm naht. Lud das Alte Testament ist das B n e h d e r Buße. Kein zweites Buch leistet uns oder kann »ms den Dienst leisten, wichen uns das Alte Testament mit seinen Bußpsalmeu .leistet Darum kann die Kirche nicht auf das Alte Testament verzichten. Gott hat es der M e n s c h h c i i , nicht nur den Juden, -■•schenkt, und wenn die Kirche an der Geltung des Alten Testaments rütteln läßt, so läßt sie damit au ihren Grundfesten rütteln. Wer das Alte Testament ablehnt, das Buch, aus dem Jesus Christus Gottes \S ort schöpfte, der lehnt Christus selbst ab. Die Kirche kann es nicht, sie muß auch jegliche Zugeständnisse ablehnen, die über die etwaige Auswahl der Geschichten daraus für die Jugend hinausgeht. Schweigen Sie, Herr Clemenceau! Eine Erinnerung an Edmonil de Rothfchitd Im Zusammenhang mit dem Tode des Barons Kdinoud de Rothschild erinnert ein Leser der „Jüdischen Allgemeinen" an ein Urteil, das der französische Ministerpräsident und Politiker George Clemenceau über Rothschild abgegeben hat. In einem Werke, das Jean Martct, der Sekretär CIcmenccaus, veröffentlicht hat, und in dem, ähnlieh wie in Eckcrmanus Gc- «prächenmit Goethe, die interessantesten Unterredungen mit Clemenceau aufgezeichnet sind, findet sieh, auch eine Stelle über den großen Philanthropen. „Gestern war der alte Edmond de Rothschild bei mir", sagt eines Tages Clemenceau zu seinem Sekretär. „Der arme Alte Hält sich noch ganz gut auf den Beinen. Wissen Sic, ~ lieber Freund, doß ich diesen Edmond de Hothschild für den besten .luden unter Tillen .luden der Welt halte? liier saß er neben mir und plauderte recht klug über allerlei Dinge, so klug, daß es mich eigentlich von. einem Bonkmcnsciien überraschte. Er äußerte Ansichten, die~von einem großen Edelsinn des Herzens kommen. ' Dieser alte Rothschild gehört zu den. Leuten, die nuch in Herzensdingen intciessante Anschauungen haben, und es war sicher keine schlechte Idee von ihm, dreißig Millionen Franken zur Errichtung ■von wissenschaftlichen Laboratorien an der Universität zu stiften.. Er ist ein Jude! Und was für cur selbstbewußter Jude! Und wie stolz er auf sein Judentum ist! Einmal, als er bei mir war und ich mich in .recht übler Laune befand, begann ich auf die Juden zu schimpfen. Da sprang der Alte auf. schlug mit der Faust auf meinen Tisch — auf meinen Ministerprüsidciitentisch, denken Sic nur, und schrie mich an: ,.Schwcigen Sie, Herr Clemenceau, das Judentum und Israel sind das größte Volk auf dem ganzen Erdenrund!" Dann fing" er an, mir einen Vortrag zu' halten über die Bibel und die Makkabäer. Na, wissen Sie, ich mache mir nicht viel aus den Makkabäcru; aber mir gefüllt es ausgezeichnet, wenn sich jemand nicht dessen schämt, was er ist. vor allem, wenn er sieh, nicht schämt, ein Jude zu sein. Nur . der Mensch ist etwas, der vollständig ist. Leider sind nicht alle Juden so geartet wie der alte Edmund de Rothschild.*" Wenn . Clemenceau, der sicher — im (audühlichcn Sinuc — kein Philosemil war und der wegen seiner Bissigkeit und Härle den Beinamen der ..Tiger" trug, sich so äußerte, dann muß Eilmond de Rothschild in der Tat, wie Clemenceau sagte, „zu den Besten unter allen Juden" gehört haben.' Zur Gefchäfisordnung! 4totfc0l>itnlte in den Synagogen mit neiiem Ritus Der Beginn des Winters und nicht zuletzt daa Erscheinen einer neu gewandeten und inhaltlich verbreiterten ,. Jüdischliberalen Zcilung*; haben auch den „Übenden Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin" erfreulieb belebt. Der Versammlungskaleuder stellt eine Reihe repräsentativer Menschen aus der liberalen Bewegung vor das Forum einer langeutbchrten Öffentlichkeit. Diese Itedncr werden sich der etwas schwierigen Aufgabe zu umerziehen haben, -eine Hörerschaft für ihre Ausführungen zu interessieren, die seil geraumer Zeit der Gemeinsamkeit in Form und Gedanke entwöhnt ist. Jeder Besucher dieser Veranstaltungen weiß zwar, daß der 'Referent orthodoxen Gedankengängen fernsteht, wohl auch, »laß er kein nationaljüdisches Referat zu gewärtigen hat. aber keiner von ihnen allen wird mit Bestimmtheit anzugeben wissen, was an positiven und konkreten Vorschlägen seiner Aufmerksamkeit unterbreitet wird. „■ Sei: Jahr und Tag seh eint nämlich der offizielle Liberalismus zu all den Fragen schweigen zu wollen, die dem deutschen Judentum zur sofortigen Beschlußfassung vorgelegtwerden. Zumindest gibt es keine einheitliche Auskunft von liberaler Worte über so wesentliche Fragen wie' jüdische Schule, hündische Erziehung, religiöse Formgebung, Palästina und Diaspora. Die . einzige Stelle aber, au der Liberalismus in täglicher Praxis zur Behandlung gelangt, die Genicindefraklion steht unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Führende Persönlichkeiten aus dem Lager des religiösen Liberalismus haben sich zwar stets wieder "um Antwort und Deutung auf die tägliche Fragestellung Inn ernstlich bemüht, Selbstkritik und selbst Revision ist nicht gescheut worden.. aber das Echo blieb leider aus. Füi derartige Erscheinungen gibt es mancherlei Erklärungen. Etwa: man hat über die Köpfe der Hörer hinweggesprochen, oder: man hat an ihnen vorbeigesproehrii. oder: man hat zu wenig , Hörer besessen. Es soll an dieser Stelle nicht entschieden werden, welche dieser drei Möglichkeiten zutrifft. Aber ist die Tatsache, daß sie überhaupt zur Diskussion gestellt werden, nicht beweiskräftig für die eine, stets gleichbleibende Feststellung: d i e Bindung fehlte un il darum die V c r h i n ,d I i c Ii k c i t V \ Sollte die Bindung nicht nur zwischen Sprecher und Hörer gefehlt hüben, sondern auch zwischen Hörer und I Iörer und — w'as bedenklich wäre — sogar zwischen Sprecher und Sprecher? Wer mit Gewissenhaftigkeit die Äußerungen führender Liberaler In letzter Zeit vergleicht, kann bisweilen Widersprüche entdecken, und das nicht nur in Fragen der Auslegung, sondern sogar in solchen der Grundlegung. Man sollte sich nicht aus falsch verstandener Rücksichtnahme scheuen, diese Tatsache mit aller Deutlichkeit auszusprechen. Nur wo die Diagnose schonungslos gestellt wird, kann die Therapie auf Wirkung hoffen. Was wissen viele Liberale von einander, von Mensch zu Mensch, von Ansicht zu Ansicht? Wo stehen wir denn? Es scheint: auf den Inseln der freischwebenden Intelligenz und .nicht auf dem Kontinent der gemeinsamen Verantwortung (Kontinent hat mit Zusammenhalt zu tun!). Das wird zuweilen gröblich übersehen. Bei dem Versuch, den neuen Generalnenner für den religiösen Liberalismus dieser Tage zu finden, kann es nun aber nicht enügen. den gemeinsamen Rahmen bis auf die Weite der biblischen Verkündigungen auszudehnen und diesen ungeheuren Raum ls das künftige Feld der gemeinsamen Arbeit abzustecken. Der Liberalismus der vergangenen Tage hat unter der Großzügigkeit Lindenstraße, Fasane nst r a Im* -. Freitag. Iß. November. Neue Synagoge Friedenstempel: 4*'Uhr, 15. Lützowstrußc: 6 Chr. (i Uhr 30. Lcvclzowstraße: 7 Uhr .Prinz). Schmargendorf: 7-L'hr (Nußbaum). Prinzregentenstraße: 7 Uhr- Iii. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162: 7 Ihr 15 :Scheucrniann). Liberale Synagoge Osten. Kaiserstraße 30: 7 Uhr 30. ^Zimct}. Liberale "Synagoge Nordost. Prenzlauer Promenade 176: 7 Uhr 30 (Adler). Liberale Synagoge - Westend. Kaiserdamm 78: 7 Uhr 15 Plaut). Liberale Synagoge AVedding-Ueinickendorf. Exerzierstraße 13: 7 Uhr 30 Goetz). Jüdische Religionsgemeiude Charlottenhnrg. Schulstraße 7: 4 Uhr 15. Jüdische Refnrmgenirindr. Joachim*- thali-r Straße 13: 6 Uhr, 30. StMinahend. 17. November. llanpIgottCMlienst: 10 Ihr IVühgoltesdieust I iridenstraße, Levctzowstraße. Prinz.regrnten *traße: 7 Uhr 30. Liberale Synagoge Norden: (0 Lhr ^Schcucrmann). Liberale Synagoge ()Mcn: 10 Uhr ZimeO. Jüdische Beligionsgemcinde Charlottenburg: *1 Uhr 30 ^Hamburger). Sonntag. Iß. November. Jüdisch) 40 Uhr 30. Ref. urnineinemue Wohlfahrtsbriefmarken Die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Abteilung Wint hilfe. verl reibt auch in diesem Jahre dir von der Deutschen Nothilfe he raus gegebenen Wohlfahrtsbriefmarken im Werte von 3 bis -10 Pfennigen und Markenheftchen im Werte von 2 RM. Der größte Teil des Reinerlöses fließt der Jüdischen Gemeinde fü "ihre Hilfsbedürftigen zu. Bestellungen auf Wohlfahrtsbricfmarken und Markenheftchen, die als vollgültige Postwertzeichen gelten, nimmt die Abteilung Winlrrhilfc der Jüdischen Gemeinde, Rosen straße 2/4, Z. 19, P 1 671L App. 37, jederzeit entgegen und sendet die beste)heu Briefmarken dem Besteller ins Haus zu. mancher seiner Interpreten Stärkstens gelitten, und seine zeitweilige Aktionsunfähigkeit beruhte nicht zuletzt auf dem Umstand, daß sich zu viele und zu verschiedenartige Persönlichkeiten um den Nachweis ihrer Kompetenz bemühten. Aber auch die aus der i'vol der Zeit gewonnene Parole des gam su P tauwoh, d. h. die optimistische Regung, auch in dem Ungemach des täglichen Geschicks noch, die Gnade der göttlichen Vorsehung walten zii sehen, kann nicht mehr als ein Motto, nicht aber ein »Programm sein. Wer denn außer den wenigen Glaubensstarken, außer der zu jüdischer Arbeit entschlossenen hündischen Jugend bringt dient Einsicht auf Anhieb auf? Wo — Hand aufs Herz! —ist der ofl zitierte .,Wille zum Judentum" wirklich innere Bereitschaft und wo nicht noch äußerer Zwang? Auch die Kritik an den Schäden, vergangener Zeiten ist keine ausreichende Basis zur Einigung. Es ist billig, eine Vergangenheit mit Achtung zu strafen, die sich bei Gefahr seiner persönlichen \ erfolgung keinen Verteidiger bestellen kann. Und war sie in allem wirklich so schlecht, diese , doch immerhin unsere Vergangenheit? Und auch in der Abschwörung supranaluralistischeii Offenbariingglaubens wird der heutige Mensch seine jüdische Aufgabe nicht erschöpft sehen; einer Zeit, die die „Wissenschaft des Judentums*- auLden Plan rief, bedeutete solche Haltung allerdings Lebensgefühl, höchste Produktivität und gcmcinschaftsbildende Kraft. Gerade an der oftmals verkannten Reformgcmeinde hat diese Zeit den „Willen zum Judentum1*' bewiesen und eine wirk- * liehe Gemeinschaft gleichgerichteter und . persönlich verbundener Menschen geformt. Unser Zeitalter leidet au dem Cbel, Formales au die Stelle des Inhalts zu setzen, und wir Religiös-Liberalen scheinen ihm hierin getreulich folgen zu wollen. Möchte es doch einmal das Gemeingut der Einsichtigen werden, daß die Organisation nicht allein den Bestand der Bewegung garantiert. Möchte doch die Wahl des Vorsitzenden auf unserer Tagesordnung nach der grundsätzlichen Aussprache folgen. Gerade die Jugend wird am letzten ein Verständnis dafür haben, daß die geistige Bindung der technischen nachzustehen hat. Und gerade vor dieser Jugend,, der die Politik den Liberalismus gerichtet zu haben scheint, hat . der religiöse- Liberalismus seine Existcnznolwcndigkcit nachzuweisen. Organisation ist. wichtig, zugegeben, kein Haus steht ohne Gerüst. Aber wohin — uro Himmels willen — wollen wir denn bauen, wenn der Grund nicht gefunden ist, auf dem der Bau stehen soll. Gelingt es uns nicht, die Verantwortlichen um einen gemeinsamen Tisch - zu setzen, so wird auch vom grünen Tisch nichts gesagt werden können, was Anspruch auf Verbindlichkeit erheben kann. Da war einer in unserem. Kreise, der mit ehrlichem Kummer den Leerlauf unserer Geschäftigkeit beobachtete, und der in leidenschaftlichem Tatwillen sich um die Grundlegung unserer Welt mit der jungen Generation gemeinsam bemühen wollte. Als ich Haiis Sachs wenige Monate vor seinem Tode von dieser großen Sorge sprach, da war er sofort trotz Schmerzen und Krankheit bercU. sein großes Wissen und seine beispiellose Liehe zur rechten Sache in den Dienst unserer gemeinsamen Aufgabe zu stellen. Seinc Kraft reichte nicht mehr zum-- Ziel. Aber es ist sein Vermächtnis an uns und das Vermächtnis aller Aufrichtigen gleich ihm, mit deren Arbeit er sein Leben verbunden hatte, dieses Werk fortzusetzen in Gradhcit, ErnsUiaftigkcit und Entschiedenheit und — wenn nötig — gegen die Geschäftsordnung. Heinz Kellermann. Allerlei aus Frankfurt a. M. . . . Brief an die ..J ü d i s c h e Allgemeine Z e i t u n g'\ Frankfurt a. M.. im November. Die Eröffnung des llerbstlehrgangcs des J ü diso h e u c h r h a u s e s war gleichsam der Auftakt zu der. Winterarbeit. Man kann mit Freude feststellen, daß das Interesse an den Voresungen und Arbeitsgemeinschaften im Gegensatz zum letzten Trimester stark zugenommen hat, vor allem dank einer Ausgestaltung des Lchrplans. der jetzt auch J u g e n'd a r b e i t s - g e m eins c Ii a f l e n enthalt. Die für die Jugend vorgesehenen Arbeitsgemeinschaften befassen sich, abgesehen von einer Einführung in das Judentum und der für Fortgeschrittene \orgescheueu Beschäftigung mit hebräischer Lektüre, mit neuerer deutscher Dichtung, mit jüdischer Geschichte, mit Palästiuaprohlcmcn. Die Eröffnung des Trimesters erhielt ihre Weihe In reit eine Rede Martin Buhers über ..Die Mächtigkeit des Geistes". ■Geist iM nicht Deukkraft, Intellekt, Eigenschaft des Menschen allein. Geist ist die Ganzheit des Menschen, die all seine Triebe und Kräfte einschließt. Im Ablauf der abendländischen Geistcsgcsihiehte lassen sich drei Arten des Verhältnisses unterscheiden. Die brennende Frage nach der Gestaltung der Freizeit, die den Schulkindern durch den S t a a t s j u g e n d t a g am Sounahciid ermöglicht worden IM, bat mm eine glückliche Lösung gefunden im Oncg Schabhat der Jugend. Rabbiner Dr. Lemle. den die Gemeinde mit der Ausführung des Plans beauftragte, hat sieh dieser Aufgabe in liebevoller Weise angenommen, und ihm vor allem verdankt die liberale J u g e u «I ^Frankfurts ihre sabhatlichcu Feierstunden. F> bestehen bis jetzt ungefähr zehn Jungeiismid Mädelsgruppeu. die sich unter der Leitung von Rabbinern, Lehrern und jungen Helfern zusammengefunden haben. Das Ziel dieser Einrichtung ist. der Jugend ihr Judentum zum E r I e b n i s zu bringen. Im Gesaug von Psalmen, hu Lesen der Bibel «der jüdischer Dichtung, in der Unterhaltung über Probleme der Geschichte, der Heiligen Schrift, aber auch des Lebens, soll der Jugend zur Klarheit über ihre Rolle und Pflichten den Zeiten gegenüber verhüllen werden. Noch ist die Arbeit erst begonnen, noch müht mau sich um Form und Inhalt, aber fest steht bereits: die Freude und Bereitwilligkeit der Jugend und ihrer Führer zum Oncg Schabbat. Und diese viel*, ersprechenden Vorbedingungen werden hoffentlich das. Werk an und mit der Jugend zum Erfolg führen. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung war der wichtigste Punkt der Tagesordnung der Beschluß des Vnrstandcs'zu einer Erhöhung des Steuersatzes um 2.5 «o als halbes 5. Stcucnpiartal für das Rechnungsjahr 1934 35. Von 29 Mitgliedern stimmten 17 für. 6 gegen den Antrag des Vorstandes, während 6 sich der Stimme enthielten. Somit war er angenommen, ebenso der Antrag Dr. E. Frcimanns auf Umbau und Neueinrichtung von Krankenzimmern im Israelitischen Krankenhaus. Am. nächsten Sonntag findet.unter der Regie von Leopold Sachse die Aufführung, des ..Jeremias'1 von Stefan Zweig statt. Die einmalige Aufführung wurde dem Kulturhund Rhein- Main als Sondcrvcranstaltuiig erlaubt. Schon seit vielen Wochen - wird mit Eifer und Freude geprobt. Anläßlich seines 130jährigen Bestehens veranstaltet das P Ii i - laut Ii ropin unter Leitung von Obcrstudiciidirektor Dr. Otto Drie^en eine pädagogische Woche, die mit dem 25. November beginnt. Pädagogen, Schulmännern, Rabbinern, Eltern und Bünden soll diese Veranstaltung zeigen, was das Pliilantropin an Unterrichts- und Erziehungsarbeit täglich leistet. Zu dieser Veranstaltung werden die jüdischen Schulen und Gemeinden ihre Vcitrclcr schicken, da ihre Bedeutung weit über den Rahmen Frankfurts hinausgeht. Denn was das Philanthropin in dieser Woche darbieten wird, geht alle jüdischen Schulen Deutschlands an. die gleich ihm das Ziel verfolgen, ihre Jugend zu lebensfrohen, aufrechten Menschen, zu bewußten Juden deutscher Sprache heranzubilden L. II—r. . . und aus Hamburg Brief an die ..J fidisclic Allgemeine Z e i t u n g". Hamburg, im November, Die altehrwürdigc Synagoge im Gängcviertel Hamhurgs. -Dir K o h 1 h ö f e u - S c h u I". erlebte nach siebeneinhalb Jahrzehnte langem Bestehen üire letzte Goltcsdicnstslundc. Jn weihevoller Ahschicdsstihimung fand sich die Gemeinde zusammen; eine zahlreiche Besuchcischar,'Alt und Jung. Tiefe Andacht hielt alle im . Bann, ließ sie den Gebeten folgen, der Abschiedspredigt von Rabbiner Dr. M. Lewin. dessen Worte des Rückblicks die Zuhörer tief ergriff. Diesen vom hohen Ernst und der feierlichen Würde der Stunde getragenen Ausführungen folgten die Psalmenklänge des 136. Psalms, dann erschallte das letzte Borehii. der letzte Kaddisch. Die Thorarollen wurden um-den Ahncinor herumgetragen, dieser letzte Gang begleitet vom Jigdal und Adaun aulomdem hellen Knabengesang des- Chors der Bornplatzsynagoge. Und es ertönte eine letzte Tckiah. Dieser Abschied wurde allen in dieser abschicdsgcwohntcn Zeit zu einem tiefen Erlebnis. Die jüdische Jugend aller Richtungen sowie auch weiteste Erwachsenen kreise der Hamburger Juden hatten sich zu dem "Vortrag des Frankfurter Jugendrabbiners Dr. Lemle eingefunden. Die Sleinthal-Logc war'Einberufer dieser stark besuchten Versammlung. ..Jüdisches zu erfahren" sei aller jüdischen Jugend Ziel seit dem Erleben der letzten zwei Jahre. Nicht mehr Einzelerlcbnis im individualistischen Sinne. Gcmcinschaftserlehnis, Gemeinschaf tsschicksal verbände den jüdischen Menschen, die jüdische Jugend. So gehe unser Ruf nach Gcmeinschaftshilduug. Als die drei Faktoren der Jugenderziehung wurden Elternhaus.