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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-10-05 · 80-81 (5.10.1934) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
80-81 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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14. Jahrgang Nummer 80/81 3ftftif(NU)etale äeitung 1. Beilage 5. Oktober 1934 Ein Kollektiv übersetzt die Bibel Die Aufgabe — und ihre Lösung Von Dr. Erich Lichtenstein Mit der erneuten Besinnung auf die Geistesgeschichte des Judentums ist auch das Interesse für das Buch der Bücher wieder erwacht. Aber es zeigte sich,., daß die vorliegenden Uebersetzungen dem Bedürfnis des Lesers nicht entsprachen. Das liegt einerseits daran, daß seit den Tagen von Zunz die Sprachforschung ungeheure Fortschritte gemacht hat, und daß man heute darum den Urtext anders und besser versteht als ihn Zunz bei all seiner profunden Gelehrsamkeit verstehen konnte. Dann aber hat sich unser Sprachgefühl gewandelt, auf manches, was damals frisch klang und lebendig war, ist heute der Staub der Zeit gefallen. So war die Zeit gekommen, sich noch einmal der gewaltigen Aufgabe einer neuen Eindeutschung der Heiligen Schrift zu unterziehen. Es geziemt sich, hier des grandiosen Versuches von Buber-Rosenzweig zu gedenken, die es unternahmen, den Urtext ohne Rücksicht auf die ganz andere Gesetzlichkeit der deutschen Sprache in diesem Material ‘ abzubilden. Wer das Hebräische beherrscht, wird staunend gewahren, wie hier der Text seinen adäquaten Ausdruck gefunden hat. Die neue Uebersetzung indes, die nach zehnjähriger Arbeit nunmehr bis auf die letzte Revision vollendet ist, und deren erster Teil, der Pentateuch, in einem stattlichen Leinenband Anfang Oktober von der Jüdischen Buch-Vereinigung herausgebracht wird, ist einen ganz anderen Weg gegangen. Im Jahre 1924veranlaßte der Vorstand der Jüdischen Gemeinde die Herren Rabbiner Dr. Baeck, Dr. Elias Auerbach Rabbiner Dr. Bleichrode, Professor Dr. Elbogen, Robert Hirschfeld, Professor Dr. Loewe, Rabbiner Dr. Wiener und Professor Torczyner, sowie die inzwischen verstorbenen Herren Dr. Sonnenschein und Direktor Holzmann, die Grundsätze für die Uebertragung auszuarbeiten und die Uebersetzung einem Kollektiv hervorragender Persönlichkeiten anzuvertrauen in der Ueberzeugung, daß das, was hier geplant wurde, die Leistungsfähigkeit eines Einzelnen übersteige. Um die stilistische Einheitlichkeit herzustellen, wurde Torczyner die Redaktion übertragen. Torczyner hat selbst in einem Geleitwort — das wir nachstehend im Auszug veröffentlichen. Die Schriftl. — sich darüber ausgesprochen, wie er und seine Mitarbeiter ihre Aufgabe angesehen haben. Es galt,' den hebräischen Text mit letzter Treue wiederzugeben, auch da, wo er schwierig und dunkel erscheint. Besonders kam es darauf an, den Satzbau und den Erzählungsstil des Hebräischen festzuhälten und dabei den Charakter des Grundtextes zu möglichst klarem Ausdruck zu bringen. Denn als das Richtziel erschien nicht, die hebräische Bibel zu ersetzen, sondern an ihren Inhalt, ihren Sinn und ihren Schönheit heranzuführen, ln diesem Sinne haben die Uebersetzer zehn Jahre lang gearbeitet, um den Wortsinn der Bibel und dessen deutsche Wiedergabe unter Zugrundelegung des gegenwärtigen Standes der Wissenschaft mit jenem äußersten Ernst der bestmöglichen Lösung zuzuführen, der allein dieser großen Aufgabe würdig ist. Wir glauben, daß mit dieser Uebersetzung iH e deutsche Bibel geschaffen ist. Sie wird uns die Größe der Heiligen Schrift in einer uns vertrauten Sprache nahebringen und die Kenntnis dieses ehrwürdigen Buches, unseres kostbarsten Besitzes, aufs neue verbreiten. Denn-wir sollten die Bibel nicht nur rühmen und preisen, sondern wieder und immer wieder lesen. So schätzt sich die Jüdische Buch-Vereinigung glücklich, dieses Werk, ein Monument des jüdischen Geistes, als dritte ihrer Veröffentlichungen ihren Mitgliedern darbieten zu können. Das Werk der Dreizehn Von Professor H. Torczyner Die vorliegende Uebertragung will die jüdische Bibel so übertragen, wie sie durch Jahrtausende im Judentum lebendig und geheiligt •'gewesen ist. Sie ist daher bemüht, soweit dies möglich ist, den überlieferten hebräischen Text mit letzter Treue wiederzugeben, auch da, wo er uns schwierig und dunkel erscheint. Nur in der Uebersetzung des Gottesnamens. ist statt des nach der Tradition zu sprechenden Adonai, Herr, die im deutschen Judentum angenommene Wiedergabe, „der Ewige“ beibehalten worden. Auch konnten in den dichterischen Partien geringfügige, den Sinn nicht berührende Abweichungen von der Satzform nicht ganz vermieden werden. So schwierig es auch war, an dem Satzbau und Er-; zählungsstil des Hebräischen der Bibel festzuhalten, so war es doch unser Streben, in der Uebertragung den Charakter des Grundtextes zu möglichst reinem Ausdruck kommen zu lassen. In unserm Wollen fühlen wir uns am meisten mit der vor einem Jahrhundert;von Leopold Zunz herausgegebenen Bibelübersetzung verbunden, die, bei allem, was heute in Form und Inhalt an ihr zu bessern sein mag, in ihrer; anspruchslosen Art ein überaus wertvolles Denkmal jüdischer Gelehrtenärbeit an unserer Bibel darstellt. Diese unbedingte Treue zum Urtext war auch durch den Zweck geboten, der unserer Uebersetzung als Richtziel dienen mußte. Nicht die hebräische Bibel zu ersetzen/ sondern an ihren Inhalt, ihren Sinn und ihre Schönheit heranzuführen. Daß dieses weitgesteckte Ziel durch eine Uebersetzung nur zu. einem geringen Teil erreicht werden kann, war uns dabei wohl bewußt. Die Treue zum Text verpflichtet zur Wahrung des ihm eigenen Stilcharakters. Darum sind wir bemüht gewesen, erzählende Teile der Bibel in der ihnen gemäßen Schlichtheit wiederzugeben. Bei den rhetorischen oder poetischen Teilen betrachteten wir es als Aufgabe, mit den Mitteln der deutschen Sprache eine möglichst gleiche Stilhaltung zu. erreichen. Besondere Probleme stellte die Wiedergabe rhythmischer Partien. Ist es ja schon Sache feinen Mitempfindens, innerhalb des hebräischen Wortlauts selbst die Grenze zwischen prosaischer und poetischer Diktion zu finden, zumal rhythmisch gestaltete Einzelheiten in einzelnen Büchern der Bibel zuweilen an anderen Stellen derart erweitert oder verkürzt wieder erscheinen, daß dadurch ihr poetischer Charakter in Frage gestellt' wird. Auch ist' es unmöglich, den Rhythmus der biblischen Quelle in scheinbarer Treue unverändert wiederzugebeh. Der geballten Knappheit des hebräischen Ausdrucks steht im Deutschen" eine breitere Wort- und Satzbildung' gegenüber. Dort, wo im Grundtext - deutliches, /e£relin«ßifes Erkennbar ist, ist cs im allgemeinen, versucht worden, den, jambisch-anapästischen Charakter der dem Hebräischen eigenen steigenden Betonung .festzuhalten. Im Vordergrund stand daneben das Bemühen, die sichere Form des Gedankenrhythmus der biblischen Dichtung nicht zu verletzen... - . * Schon vor 30 Jahren gab der Berliner Gemeinderabbiner Prof. Dr. Siegmund May bäum die Anregung, eine neue Uebersetzung der Bibel zu schaffen, die in Schule und Haus die veralteten jüdischen wie die von christlichem Geist getragenen freuulen Uebertragungen ersetzen sollte. Der von ihm damals vorgelegte Plan gelangte nicht zur Ausführung. Erst 1924 wurde auf Drängen des Herrn Robert Hirschfeld vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin erneut eine Kommission zur Vorbereitung und Durchführung einer deutschen Bibelübertragung eingesetzt... ■Das Werk der Uebersetzung wurde an einzelne Fachmänner übertragen, von denen hier die folgenden Beiträge erscheinen: Elias Auerbach: jehoschua, Ester, Dänijel, Esra, .Neheinja, Dibre-ha-Jamiiri. Emil Bernhard-iColin: Tehillim. . Julius Gatliner: Schcmucl. Sally Gans: Schofetim. Benno Jacob: Mclachim. Emil Levy: Mischle. . Ludwig Levy: Mal’aclü, Kohelet. Seligmann Pick s-A.: Joel. Georg Salzberger: Schirha-Schirim. Hermann Schreiber: Die Tora. Caesar Seligmann: Eclia, Rut7 Harry Torczyner: Jirinejahu, Hoschea, Ainos, Ijjob, Obadja, Jona, Micha, Naluun, Habakuk, Zefania, Hagai, Secharrija. Max Wiener: Jeschajahu, Jeheskel. Jeder dieser Uebersetzer batte den Stoff jeweils 'in anderer Weise behandelt. Dies war — zumal für eine kommentarlose Laieubibc! — umso weniger trag*- bar, als große Partien in der Bibel sich wiederholen und dann nicht gut abweichend oder vom Stilcharakter des betreffenden Buches verschieden wiedergegeben werden konnten. Untragbar war auch die v e r s ch i e - dene Wiedergabe wichtiger und häufiger Wörter innerhalb des Bereichs der jeweiligen Uebersetzer, die" Differenz in Stil und-Gcsamthaltung gegenüber dem Text, der Anordnung und Gliederung des.Stoffes; noch mehr vielleicht der Umstand, daß nur ein Teil ■ der Bearbeiter den Versuch gemacht hatte, die poetischen Partien als rhythmische Dichtung zii gestalten,: während die anderen sich mit einer Uehersctzung in gehobene Prosa begnügt hatten. Aus all diesen Gründen bedurften die -Manuskripte einer einheitlichen, tiefgreifenden Redaktion., .die der Unterzeichnete auf Bitten der Kommissionen" übernahm. Zudem war auch während der Vorbereitungsjahre unserer Uebersetzung die Wissenschaft und das Schaffen an der Verdeutschung der Bibel keineswegs stehen geblieben, und im besonderen lag der wuchtige Versuch von Martin Buber und Franz Roaenzweigvor, mit dem. mm . urx*mre^ jJmttmrtrsuntnars* L_ «i treten na«e;* w’fe^mimcr'tfresci Setzung stellt, unmöglich kann geleugnet werden, daß hier ein in sich geschlossenes starkes Wollen vorliegf,' und es war der großen Aufgabe unwürdig, ein anderes Werk daneben zu setzen, wenn nicht auch dieses, i|i seiner — grundsätzlich anderen — Art,- mit dem gleichen Ernst und dem gleichen Willen, das Letzte aus dem Bibelwort herauszüarbeiten und lebendig zu gestalten vursuchte... _ yl//s dem Geleitwort, zur neuen Bibelübersetzung der Deutschen Buchvcreinignng. 3t9ti ftitnftle? crjciljlen Mit der Aufführung von Stefan Zweigs ,Jeremias“ am kommenden Sonntag, zugunsten des Zentralausschusses für Hilfe und Aufbau, beginnt der Kulturbund Deutscher Juden seine zweite Winterspielzeit. Ans diesem Anlaß gibt der Kulturbund unter dem Titel ,J-in tahr Kulturbund Deutscher Juden“ das neue Heft seiner Monatsblätter heraus, das Beiträge von Intendant Dr. Singer, Generalmusikdirektor Joseph Rosenstock, Dr. Werner Levie, Julius Bab. und anderen Mitarbeitern des Kulturbunds enthält, und in dem die künstlerische, wirtschaftliche und organisatorische Bilanz eines Jahres gezogen wird. Aus dem reichhaltigen Heft veröffentlichen wir die nachstehcn-. f den beiden Aufsätze. Werkstatt desBühnenbildners Von Heinz Condell Das Bühnenbild, die in Form und Farbe gegossene Phantasie des Dichters, ist heutzutage schon längst nicht mehr ein schönes Bild an sich. Der Phantasie sind erhebliche Schranken gesetzt. Da ist zuerst seine Majestät, der Etat. An ihm zerschellt so mancher Wunschtraum des Bühnenbildners. Dann die feste Vorstellung des Regisseurs, die mit diesem Etat manchmal sehr schwer m Einklang zu bringen ist, und nicht zuletzt die Unzulänglichkeit der Bühne. Wir hatten bei Gründung des Kulturbundes vor einem Jahr einen Fundus, der nicht einmal einen brauchbaren Stuhl enthielt. Die Beleuchtungsapparatur bestand aus ein paar vorsintflutlichen Apparaten und einer defekten Rampe ohne Birne. Der Buhnenboden hatte faustgroße Löcher und die Drehscheibe, ein altes Wrack, wurde durch acht Mann mit Staken mühsam vorwärts bewegt. Jetzt besitzt das Kulturbundthcater eine neue elektrische Scheibe, eine künstlerisch einwandfreie Beieuchhingsapparatur und eine Anlage, die es ermöglicht, Projektionen in vorbildlicher Vollkommenheit herzustellen. Ein Köstümfundus von etwa 500 Kostümen, 50 Paar Schuhe, Wäsche usw. Das gibt dem Bühnenbildner selten ganz andere Möglich- . keifen. Wir haben anspruchsvollere Werke, wie „Figaros Hochzeit“, ,',Hoffmanns Erzählungen“, „Nathan der Weise“ und „Was ihr wollt“ auch ohne Aufwand in künstlerischer Form zu lösen versucht. So ist der Akzent unserer Ausstattungen nicht auf Pomp gelegt, sondern auf äußerste .Einfachheit, Zweekmäßigkeit-und trotz allem, sagen wir einmal, schlichte Schönheit. So war z."B. der „Figaro“ lediglich ein, fester Podestbau, .der mit kleinsten Teilen in das gewünschte Bild verändert werden konnte. „Hoffmanns Erzählungen“, für das-unser Publikum großartigste Vorbilder hatte, konnten wir nur m einfachster Form durch eine Einlvcilsdckoratio» . lösen, die durch entsprechende Beleuchtung, kleine Abänderungen, durch Versatzstücke und verschiedene Projektionen, vervollständigt wurde. Eine Lösung, die die größte Mehrzahl des Publikums alseine Vereinfachung gar nicht bemerkte, man.hielt alle fünf Szenen für Scparatbildcr. Wenn uns trotzdem künstlerisch einwandfreie und eindrucksvolle Bilder gelangen, so war cs nicht zuletzt der unermüdliche Eifer meiner ungenannten Mitarbeiter hinter den Kulissen und in der Schneiderwerkstatt, deren - Phantasie in der Erfindung billigster Möglichkeiten keineswegs lahm war. Und wenn Sie unsere Schneider und Schneiderinnen, Friseure, Tischler, Kascheure, Maler, Beleuchter usw. sähen, wie alles einsichtsvoll nächtelang mitarbeitet, beratschlagt, verwirft, bis für alles die denkbar schönste und die denkbar billigste Lösung gefunden ist, dann würden Sie ahnen, welche Befriedigung es gibt, ein Werk zu schaffen für den Kulturbund i Deutscher Juden! .■ _T— Die A rbeit mit dem Schauspieler Von Fritz Jessner Mit Schauspielern kamt nur arbeiten, wer Schauspieler wirklich liebt. Denn nur der wird die große Anstrengung auf sich nehmen, impulsive Menschen rießtig zu leiten. — Richtig, das heißt fern von aller herkömmlichen Theater- Moabit, lurmftr. 41 BEKANNT DURCH QIJALITXTS-WAREN

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