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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-10-05 · 80-81 (5.10.1934) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
80-81 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Und cs kommt dazu, so daß die Geschichte mit dem begeisterten Epilog in Versen schließen kann: Fs rauscht der hehre Geist der Weltgeschichte! Wer stutzt die Schwingen ihm? Wer hemmt den Fing? Selbst Uebgnde zu trennen, einfach Schlichte, Ist 'Englands Parlament nicht stark genug. Ein 'jedes lebi und wirkt, der Lieb1 -zu nützen. Der Fortschritt ist ihr heilig. Sakrament, Und nur, damit .das Röschen nicht bleibt sitzen, ' Sitzt Rothschild heut in Englands Parlament. i' Im Anzeigenteil des gleichen Kalenders findet sich neben der Ankündigung der Werke Theodor Körners eine andere für Herthold Auerbachs Volkskaiender, dessen Zeichnungen von Ludwig Richter und W. von Kaulbach stammen, der also ausgeprägt Deutsches und im besten Sinne Jüdisches enthält. Und eine dritte für ein Buch „Komische Geschichten aiis dem Jüdischen Volksleben“ von Michael Klapp, die als aus „einem der berühmtesten deutschen Ghettos“ stammend bezeichnet werden. In diesen Anzeigen gewinnt das Bild des Judentums dieser Zeit.mehr und deutlicher an Gesicht, aus allem zusammen aber, läßt sich schon ein Teil der Entwicklung ahnen, die kommen mußte. II. S. Organisationsproblem — Lebensfrage Von Jakob Schreiner Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin hat einen Aufruf erlassen, in dem zur Intensivierung des jüdischen Gemeinschaftslebens durch Zusammenschluß von Organisationen und Verminderung der Versammlungen itnd Zusammenkünfte aufgefordert wird. Er hat damit ein wichtiges Thema der Zeit angeschnitten. Man hat einmal — und dieses Wort ist an vielen Stellen und Orten wiedergegeben worden — gesagt, wo drei Deutsche zusammen seien, bildeten sie einen Verein; man darf diesen Ausspruch mit gutem Grmfd aucli auf uns Juden anwenden, denen der Zwang zum inneren Zusammenschluß ebenfalls im Blut zu liegen scheint. Das „Jüdische Jahrbuch 1032“ führt nicht weniger als 33S verschiedene jüdische Vereine in Berlin an, daneben aber noch die wichtigsten Fundamente des jüdischen Lebens, die Gemeinden. Und wenn auch manche davon heute verschwunden und eingegangen sind, kamen doch andere neu dazu, so daß eine heutige Zählung eher noch, eine höhere Zahl ergeben müßte. Sie im Augenblick genau durchzuführen, stößt auf allzuvielc Schwierigkeiten, aber jeder kennt ja selbst 'die man- -nigfaltigen neuen Organisationen (vor allem im KulitJttriitoL^bcfiaim.^Sowjilcn , .tt; , wie. £twa . die allen Bezirken unseres Seins), die an die stelle der etwa ausgeschiedenen treten, um den jüdischen Menschen erfassen zu können. •Sicher-ist, .daß-größte Vorsicht am Platze ist, wenn man versucht, an diese Dinge zu rühren, die die bunte Vielfältigkeit des jüdischen Lebens zum großen Teil tragen. Denn in ihr ruht ein wesentlicher Teil unserer Kraft. In allen Verbänden und Organisationen macht sich das neuerwachte Interesse geltend und führt sie zu neuer von innen heraus entstandener und darum wertvoller Blüte. Eines der deutlichsten Beispiele dafür gibt der „Bund deutsch-jüdisch er Jugend“, der sich ja in allerkürzester Zeit zu einer Gemeinschaft vieler tausend junger Menschen entwickelt hat, oder — noch einprägsamer — der „Kulturbund deütscher Juden“. Wohin man auch sieht, zeigt sich überall das gleiche Bild erwachten Lebens in den kleineren Gruppen der großen Sozialgemeinschaft der deutschen Juden. Und es wäre eigentlich gar nichts mehr dazu zu sagen, wenn es nicht auch hier um das eine ginge, was unsere große Aufgabe dieser Zeit ist — eine von den Aufgaben, die uns von der neuen Lage zur Lösung aufgegeben sind: ein einheitliches Gesamt-, bild des deutschen Judentums zu schaffen. Gewiß mag jeder eine Individualität sein und eben die Kräfte entwickeln, die ihm zuteil wurden, aber immer muß er sich auch in die Gesamtheit einfügen. Bei den jüdischen Vereinen ist ein Punkt, an dem angesetzt werden kann und muß. Man wüßte auf Befragen wohl keinen Verband, keinen Verein und keine Organisation unseres jüdischen Lebens zu nennen, der nicht segensreich für die Gesamtheit gewirkt hat. (Von einigen unerfreulichen Dingen inner-- halb der jüdischen Organisationen aus der Zeit des vergangenen Jahres und auch der ersten Monate dieses Jahres braucht nun nicht mehr gesprochen zu werden; denn sie sind nicht nur begraben, sondern auch bereinigt worden!) Aber man kann sich oft des Gefühls nicht erwehren, daß noch viel mehr zu erreichen wäre, wenn alles systematischer und geordneter würde... Wir wollen also auch nicht einen einzigen jüdischen Verein missen, aber es scheint nicht zuviel von allen verlangt, daß sie zu wirklich planvoller Ausnutzung dessen, was in ihnen liegt, sich in eine Gesamtorganisation eingliedern. Es ist heute, da alles noch im Aufbau ist, noch nicht mög-. lieh,' mehr als nur ganz andeutend zu sagen, daß im jüdischen Sozial- und Wohifahrfswesen ein solcher Versuch im Gange ist, alles Einzelne einzugliedern, um wirkliche Planung zu ermöglichen. Immerhin darf man dem Ergebnis mit berechtigten Hoffnungen entgegensehen. Warum soll nicht das Gleiche ermöglicht werden, um der Gesamtheit einen möglichst großen Gewinn aus der Liebe und Kraft zuzuwenden, mit der in den jüdischen Vereinen gearbeitet wird? Das jüdische Jahrbuch führt die Vereine in dreizehn Obergrüppen auf, von denen „‘Kultusvereine“, „Berliner Wohlfahrtsvereine“ und „Heimatvereine“ an erster Stelle stehen. Ohne Schwierigkeiten wäre es zu ermöglichen, daß ein Miteinanderstatt Gegeneinanderarbeiten der Vereine zustande kommt, indem alle der Gruppe unterstellt werden. In die sie ihrem Zwecke nach gehören. . -Än.-WcJvcrsprccficm/ci' Anfan^i’/st beim Verband der Posener Tteimatvereine unter Leitung des Vorsitzenden Heinrich Kurtzig gemacht: keineswegs sollen nun alle einzelnen örtlichen Gemeinschaften verschwinden, aber sie werden nur als Gruppen weiterleben, die nichts als eine Verbindung von zueinandergehörigen Menschen sein wollen und alle Aufgaben der gemeinsamen Oberleitung überlassen, die vor allem auch zentral alle Mittel verwaltet, die dazu bestimmt sind, den notleidenden Mitgliedern zu helfen. (Doch das sind noch Pläne, mit deren Verwirklichung erst begonnen wurde, aber sie zeigen doch wenigstens den Der Herr, Die Dame Elegante Maßschneiderei A. Berkowitz, Joachimsthalerstr. 38. J 1 Bismarck 7640 festen Willen, die Probleme zu meistern und die von der Zeit gestellten Aufgaben auf sich zu nehmen.) Was hier begonnen wurde, sollte überall wenigstens versucht werden. Ein zum mindesten organisatorischer Zusammenschluß läßt sich zweifellos immer erreichen, so wie er im „Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände“ vorhanden ist. Es gibt keinen .Grund, der a11 e jüdischen Frauen in aTlen Frauenverbänden davon abhalten kann, gemeinsam' an den besonderen Aufgaben der Frau zu arbeiten, ohne etwas von dereigenen geistigen und weltanschaulichen Haltung aufzugeben. Und so ist es auf jedem Gebiet unseres jüdischen Lebens. Besonders auffallend etwa bei den Vereinen, die sich sozial-hygienische Aufgaben gesetzt haben. Die Gemeinde hat in Berlin einen Kommissar für' alle medizinischen und angrenzenden Fragen; ihm müßten — so kann man sich gut .vorstellen — alle diese Vereine unterstehen und könnten dann ihre Aufgaben weit intensiver erfüllen. Das alles ergibt eine Fülle von Einzelproblemen, die letzten Endes aber doch immer nur unter dem einen Gesichtspunkt zu lösen sind: daß wir die größtmögliche Einheitlichkeit des äußeren Auftretens notwendig brauchen, um uns durchzusetzen gegenüber allem, was am Bestand des deutschen Judentums nagt. Wir sollen nichts leichtfertig zerstören, ohne es durch Köpenicker Wäscherei Paul Ramlau Köpenick, Glienicker Straße 37.,— Telefon F 4 Köpenick 0142 Schonendste Behandlung. Niedrigste Preise. Abholung und Lieferung täglich anderes ersetzen zu können, aber wir müssen wissen, daß alle besonderen und persönlichen Interessen nun nichts mehr gelten und nur eins sein kann: das Werk, das groß und machtvoll sein wird, wenn wir nur dienen wollen und nicht herrschen. Alle jüdischen Organisationen in den Dienst der jüdischen Gesamtheit zu stellen, wird die. bedeutungsvolle Aufgabe ihrer Zusammenfassung sein. Die deutschen Juden -werden bald fühlen, daß sie es sind, die den Nutzen davon tragen. » Berliner öottesbienfte Freitag, 5. Oktober: Neue Synagoge, Limlcnslraße(Dlumenthal), Friedenstempel (LevUowiiz), 5,45 Uhr. Liilzour strafie (Wiener) 6 Uhr. Fasanenstraße 6,30 Uhr. Levrtzow- Synagoge Norden, Schönhauserallee 162, 7,15 phr: Goetz. Syrtac°K*e Osten, . K.nisrrstraßc 30, 7,30 Uhr: Graf. Liberale ■ Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176 7,15 Uhrj Adler. Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 78 7,15 Uhr: Sänger. Liberale Synagoge Wedding-Reinickendorf, Sees/r. 44, 7,15 Uhr: Plant. Jüdische Religionsgemchnle Charlottenburg, Schulstraße 7, 5.45 Uhr. Jüdische Reform- . gemeinde, Joachimstha’.erstraße 13, 6,30 Uhr: Gottschalk. Sonnabend, 6. Oktober: Hauptgottesdienst in allen Synogogon mit neuem Ritus' 10 Uhr. Neue Synagoge: Warschauer. Fasanensiraße: Seligsöhn. Schmargendorf: Graf. Liberale Synagoge Norden: Goetz. Jüdische Religionsgemeinde Charlo/tenburg, 9.30 Uhr: Satomon. Sonntag, 7. Oktober: Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16, 10,30 Uhr: Amtseinführung des neuen Predigers Dr. Koppel. zollspedition B. nachmansson NW 40, Lüneburger Straße 1 Stadt- und Auslandsumzüge Zollabfertigung usw. Hansa 243 Paul Gerichter. Herren-Moden - W 50, Kurfürstendamm 233 hptr. neben Cafe Schilling Tel. J 1 Bismarck 4896 Brillanten JSlSeä goldbruch kauft hUchstxahlend I A D fl A II Berlin-Charlottenburg, J U RUH lag J'Kiciihuütiialtr Sir. 7 im Hause Qufckautoinnl. I Fritz W. Richter I I Herren- und Dnmenmoden j j Reparaturschneiderei j | Chbg.4, WeimarerStr.30U j Möbel- Kamerling N, Kasfanien- . allee 56 - E.FehrbellIncrStr. Eigene Werkstätt. PoIstermßbelModernlslenmg, Umarbeit Franz G8b«l N 54 Zionskirchstr. 14 a. d. Käst. All. Radio-Zldc«l Wllmcrsdorfcrst.43 C1 Stcinplatz 0880 Inhaber Dipl.ring. Selinger JIdd. u. hebr. Schallplatten * MÖBEL allerArf, Einzelmöbel Heumatm Lothriiig.Str.48 Rosenth. 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