Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 86-87 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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seligcnden. Daß die menschliche Seele die Sehnsucht lebt, zurückzttsinken in den Urschoß, zurück ins Eine — „Leben, was hist du, denn ein Heimverlangcn“, heißt es in einem Gedichte Walter Cales, „wir gcReh immer nach Hause-“ ist ein Wort'des Novalis — in dieser Art des Wcltschauens vielleicht ruht die tiefe Wesensverbundenheit Walter Cales mit -dem Neuplatonismus, mit Plotin, mit Proklos, denen sein suchender Geist umfangreichste, gelehrteste Studien gewidmet hat. ln Walter Cale war diese Spannung, zwischen dem Dichter und dem Philosophen, und sein früher Tod hat dieser in ihm gärenden Auseinandersetzung das Ende gesetzt, ohne daß wir wissen können, wie dieser Kampf zwischen IXnker und Gestalter durch ein langes Leben hin in ihm ausgekämpft worden wäre. Von einer andern großen Spannung 'dieses jungen Daseins aber wissen wir. mehr und Entscheidenderes, klarer Geprägtes. Walter Cale, der ein Dichter und Sänger der Nacht gewesen'ist, hat seinen Weg gefunden und kühn“ und stark den Durchbruch vollzogen zum Tag, zur Sonne, zum Licht. Der letzte und .einzig uns erhaltene Akt seines Franziskus-Dramas ist hierfür der ergreifende Beweis. Walter Cale, der ein Romantiker gewesen ist von Natur und Geblüt, hatte den scharfen, unbestochenen Blick für die Fragwürdigkeiten der damaligen romantischen Position, ihrer Ausgangspunkte und geschichtlichen Vorbilder. Das bezeugen Worte des Caleschcn Tagebuchs über den Mangel letzten Ernstes in der romantischen Ironie, über die doch erst noch vorläufigen Zielsetzungen in den romantischen Bestrebungen. Walter Cale hat den Durchbruch zum Tag vollzogen. Wo aber Tag ist, da ist scharfe Umrissenheit, klare Definiertheit, da ist der Raum des Objekts, sind die unverwechselbar geformten Profile menschlicher Typen, großer Geistesgestalten, sind die Stufungen der Realität, sind vor allem die Lehensbereichc und Lebenstatsachen in ihrer Mannigfaltigkeit und Fülle. Walter Cale hat im hellen Raum des Tages die Augen aufgeschlossen für die Phänomene der Bildung, der Wissenschaft, der Geschichte und, in seinem „Franziskus-“, für die Urwurzeln menschlicher Existenz, die zu zerreden niemandem verstattet ist, für Schuld und Leid und Leben und Tod. Und auch in jene Schichtungen per Realität hat er hinabgespürt, daß seine Regina del Lago,Vie es von ihr heißt, keine Gegenwart hat, daß sein Franziskus aber auf der Konkretheit des Jetzt und Hier, des Augenblicks besteht. Franziskus bejaht und will und fordert Situation, wenn er in der Schlußbilanzierüng seines mit Angela gelebten Lebens, •wenn er in diesem Schicksalsmoment gegen die geliebte Frau losbricht: „Laß Widerstand mich fühlen.““ Heutige Realitätsr Philosophie, etwa eines Denkers wie Nicolai Hartmann, haben uns Blick und Ohr für das geschärft, was Walter Cale vor dreißig Jahren ahnend gestaltet hat. In diesem unvergessenen und unvergeßlichen Dreiundzwaszigjährigen waren Möglichkaten des Künftigen, sejn Denken und Gestalten Spannte sich hin zur Fülle der Gegenstände, sein Schauen war fähig und teilhaftig der Gestuftheit, der- Schichtungsordmingen der Realität. Und auch dies noch hat er gewußt, daß nicht der Zweifel das Letzte sein darf, und „daß das Glauben dem Menschen das Bessere sei“. Wir, in einer geschichtlichen Schicksalsstunde zu neuer Wirklichkeit verpflichtet, in neue Wirklichkeit gerufen —> wir vernehmen im schöpferischen Worte dieses faszinierend Lebendigen, nach drei Dezennien in einem gewandelten Sinh, des feuern Heimgekehrten fordernden Ruf. Ab 1. November Judisiiies Lehrhaus in Berlin Mit einer Eröffnungsfeier, die am 1. November, abends 8.30,Uhr, im Logenhaus in der Kleiststraße stattfindet, wobei . Rabbiner Leo Baeck einen einleitenden Vortrag halten und das Kroyt-Quartett irtitwirken wird, beginnt das aus der Freien Jüdischen Volkshochschule hervorgegangene Jüdische Lehrhaus Berlin seine Tätigkeit- ' ■ Wie die Leiter, Dr. Paul Eppstein und Dr. Fritz B.amberger, in einer Pressebesprechung ausführten, ist diese Umwandlung erfolgt, um die Arbeit zu aktivieren, die Hörer zu Mitarbeitern zu machen. Der Arbeitsplan sieht eine Vortragsreihe über „T r a d i t i o n und Leben“ vor, in. der, in 13 Vorträgen gegliedert,, das zentrale Problem der heutigen jüdischen Existenz behände:: wird. Hier sprechen neben i Dr. Baeck Professor Elbogen, Joachim Prinz, S. Adler-Rudel, Max Wiener, Ignaz Maybaum, Martin Buber, Arnold Metzger, Ernst Simon, Max Grünewa'.d, Margarete Susmann, Paul Eppstein und Fritz Bamberger. Daneben laufen Einführungsvorlesungen. Außerdem werden im Berliner Theater künstlerische Sonntagmorgenfeiern veranstaltet. Die gemeinschaftbildende Form des Lehrhauses kommt in'den Arbeitsgemeinschaften zum Ausdruck, in denen 20—30 Menschen in kleinen Arbeitskreisen zusammengeiaili werden. Die vielgestaltigen Probleme, die in den Arbeitsgc:n.:n5chaften behandelt werden, suchen allgemeine und jüdisch.- Bildung miteinander zu verbinden. Hier sind u. a. vorgesehen Beschäftigung mit der Bibel und dem Talmud, Palästinakunde, Problone der Naturwissenschaft, der Erblehre, der Hygiene. Der Stoffkreis umfaßt weiterhin Teilgebiete der jüdischen Geschichte, der Gesellschaft,, der Philosophie. Die Hauptepochen jüdischen Kunstschaffens werden besprochen, dem jüdischen Kunstgewerbe werden Kurse gewidmet sein. Es versteht sich, daß auch der Literatur, der Musik, dem Theater .und der Presse Raum zugedacht ist. Neben diesen Arbeitsgemeinschaften besteht die alte Form der Volkshochschule weiter, indem Fach- und Werkkurse vorgesehen sind, Sprachlehrgänge, kaufmännische Fortbildung. Neu eingerichtet sind Fortbildungs- 'kurse für Schulentlassene in Deutsch, Geschichte; Erdkunde und Naturwissenschaft, die unter Leitung von Oberstudienrätiri i. R. Dr. Johanna Philippson stehen, sowie ein Jugendseminar in Verbindung 'mit dem Reichsausschuß Jüdischer Jugendverbände, das von Dr. Friedrich Brodnitz geleitet wird. Zur Teilnahme an allen Veranstaltungen des Lehrhauses ist der Besitz einer auf den Namen ausgestellten Hörerkärte, für die Arbeitsgemeinschaften, außerdem der Besitz einer T eil nehme rk a rte erforderlich. DTe Hörerkarte kostet RM 3,—, für Mitglieder des Kulturbundes und des Vereins für. jüdische Geschichte und Literatur (gegen Vorzeigung des Mitgliedsausweises) RM 2,—. Die Hörerkarten sind bis 10. November im Sekretariat des Lehrhauses Lützowstraße 16 (von 10—18 Uhr) und in den 36 Zahlstellen des Kulturbundes erhältlich. Der Besitz der Hörerkarte ist grundsätzlich Voraussetzung für die Teilnahme an den Arbeitsgemeinschaften, für die entsprechend der Ankündigung ein Sonderbeitrag zu entrichten ist. ^Yccu (fluift tat: Operettenabend des Kulturbundes Die Teilung des monatlichen > Konzertprogramms' in leichte und schwere Kost und damit das Bestreben, die Zuhörer, die nach den. Mühen des Tages in der Musik ledig- ■ lieh Unterhaltung und Zerstreuung suchen, auch zu ihrem Recht gelangen zu lassen, stellt eine in jeder Beziehung begrüßenswerte Einrichtung dar! Genau wie cs keine Schande ist, gute Unterhaltungsmusik 'zu schreiben, ebensowenig kannman es beanstanden, ein solches Genre seinem Publikum vorzusetzen, wenn die einzelnen Darbietungen noch dazu mit so gutem Gelingen.zu Gehör gebracht werden wie an diesem „klassischen Operettenabend-“. Ja, diese schwungvollen, melodieseligen, von-den Problemen des Konzertsaals unbeschwerten Weisen eines Lanner und Johann Strauß, diese schmissigen, trotz mancher Altersruiizeln immer noch effektvollen Ouvertüren eines Suppe und Offenhach sind für ein verhältnismäßig so junges Orchester wie das des Kulturbundes ein gar nicht zu unterschätzender Erziehungsfaktor. Die dankbaren, wenn auch manchmal etwas derben Aufgaben, vor die die einzelnen Instrumentengruppen gestellt. werden, sind durchaus dazu angetan, das Können und die Sicherheit des einzelnen Spielers zu steigern und seine Musizierfreudigkeit zu erhöhen. Dali diese Erziehungsarbeit bereits einen seltenen Grad von Präzision und. Ausdruckskraft erreicht hat, das konnte Michael T aube, der diesen Abend leitete, überzeugend unter Beweis ' stellen. Seine stilvolle,- delikate Darstellungskunst, seine rhythmische Prägnanz verhelfen den Klängen einer lebensfreudigen Vergangenheit zu äußerst starker Wirkung. Selten hat man die Blechbläser mit so wuchtiger Fülle und Präzision musizieren hören, und die Straußsche Pizzicatopolka, ein Kabinctt-- stück wienerischen Charmes, wurde in so meisterlicher Abschattierüng ausgeführt, daß sic dreimal wiederholt werden ■ mußte. Zu bedauern ist nur, daß es nicht gelang, für die solistische Mitwirkung dieses Abends eine Sängerin von Rang zu gewinnen, die es vermocht hätte, dem sattsam bekannten Programm das Außergewöhnliche einer seltenen und überragenden Leistung gegenüberzustcllen. Emmv Joseph, die zwei Lieder aus der „Fledermaus““ und den Frühlingsstimmenwalzer beisteuerte, nimmt lediglich durch das angenehme Timbre ihres sympathischen Organs für sich ein. Sonst läßt sic fast alles vermissen, was man von einer wirklich gut durchgebildeten Stimme verlangt. Vom Text war keine Silbe zu verstehen, und für die Bravour eines Straußschen Konzertwalzers genügt ihre Koloraturfertigkeit vorläufig keineswegs. Gerhard Goldschlag. l_ Fritz P. Anfrage: Ich hätte gern einen Samariterkurs mitgemacht und kann mich doch jetzt’nicht mehr an die vom Roten Kreuz ausgeschriebenen wenden. Gibt es wohl für einen jüdischen Jungfen hierzu Gelegenheit? Antwort: Im Laufe des Herbstes oder fm Frühwinter werden wohl die jüdischen Sport- und Turnvereine derartige. Kurse einrichten. Beachten Sie die Veröffentlichungen in der jüdischen Presse oder fragen' Sie einmal telefonisch bei den betreffenden Geschäftsstellen Ihrer Stadt an, die Ihnen jetzt wohl schon über die diesbezüglichen Pläne Auskunft geben können. . . , Emmy W. und Edith L. Anfrage: Wahrscheinlich werden Sie uns auslachen und sagen, Sie möchten auch keine anderen Sorgen - haben, aber wir möchten doch schrecklich gern wissen, wie Kurt Katsch und Norbert Schiller; eigentlich richtig heißen, Bitte, sagen Sie es uns, wenn Sie so gut sein wollen. Antwort: Ich will so gut sein. Ich bin sogar die Güte selbst! Kurt Kätsch heißt eigentlich Katz und ist demnach aus dem ältesten jüdischen Adel — ein Rohen! Norbert Schiller heißt tatsächlich Schiller und Norbert, dazu und ist in Wien daheim. , B. A. in M. Anfrage: Ich habe bei der Abreise meines Jungen ein paar noch recht gute KI.eidungs- und 'Wäschestücke aus sortiert und möchte sie, da ich hier am Ort keine eigentlichen jüdischen Armen kenne und wir auch keine Wohlfahrtsstelle haben, gerne in unsere Nachbarstadt D. auf die Sammelstelle der jüdischen Wohlfahrtspflege gelangen lassen. Kann ich die Kleider einfach so dahin schicken, oder soll ich sie erst reinigen lassen usw.? Ich,scheue eigentlich die Ausgabe, möchte aber auch ungern einen Fehler machen. Wissen Sie da Bescheid? Antwort: Gewiß ist es den Wohlfahrtssfellen immer hochwillkommen, wenn die Kleider gereinigt und geflickt , ankommen. .Aber andererseits ist es auch begreiflich, daß Sie ihre Haüshaltkasse nicht mit den immerhin erheblichen Reinigungskosten belasten können. Finden wir den goldenen Mittelweg: Sie waschen nur die Wäschestücke und bürsten die Kleider, heften aber getreulich an jedes Stück, soweit Sie sie noch finden können, die Päckchen Flicklappen. Dann haben Sie das getan — was leider Gottes oft genug versäumt wird, und die Nähstube der Wohlfahrtsstelle besorgt den Rest. G. G. Anfrage: Mein Neffe, der bildhauerische Begabung hat, möchte gerne in einen fachlichen Unterricht, . am'liebsten zu einem jüdischen Küns 11 e r;.die Mittel für seine Ausbildung sind in bescheidenem Maße vorhanden. Können Sie uns raten, an wen wir uns wenden sollen? Antwort: Aus dem Programmheft des Jüdischen Kulturbunds Rhein-Main haben-wir gesehen, daß in Frankfurt die Einrichtung voii Studios für bildende Künstler geplant ist. Wenn Ihr Neffe die kurze Bahnfahrt dorthin nicht scheut, wird er Unterricht finden können. Am besten fragen Sie-bei der Geschäftsstelle des Kulturbunds in Frankfurt a.. M., Gärtnerweg. 62, an und holen sich dort genauen Bescheid. C.'L. Anfrage: Ich habe unter der Hinterlassenschaft meines Schwagers eine ganze Reihe von guten Werken wissenschaftlicher, aber nicht jüdischer Art geerbt und möchte diese gerne richtig verwenden. Es handelt sich vorwiegend um naturwissenschaftliche Werke und zum Teil wertvolle Handbücher und Nachschlagewerke:. Unsere’ Gemeindebibliothek hat dafür natürlich keine Verwendung, auch das Krankenhaus und das Jugendheim nicht. Was fange ich damit an? Sie zu verkaufen lohnt nicht, da die Antiquare fast nichts dafür bieten- Gibt es nicht jüdische Büchereien, die dafür Verwendung hätten?• Antwort: Soviel uns bekannt ist, sucht die Universität auf dem Skopus, Jerusalem, gerade naturwissenschaftliche Handbücher und Lexika. Vidieicht machen Sie sich die Mühe, ein Verzeichnis der wesentlichsten dorthin zu schicken und anzufragen, was davon willkommen wäre. Auch die jüdischen Schulbibliotheken, besonders die der Landheime, wären wahrscheinlich dankbare Abnehmer. Am besten fragen Sie. auch dort einmal an. Das gute Werk wiegt die Mühe bestimmt auf! Frau M. N. Anfrage: Ich möchte meine’Tochter (17 Jahre) auf ein halbes oder ganzes Jahr in eine jüdische H a us h a 1 ts sc hu I e (am liebsten nicht privat!) geben, wo sie außerdem sich noch in ein paar wissenschaftlichen Fächern weiterbilden kann. Ein Pensionat oder Ausland kommen nicht in Frage. Haben Sie Adressen? -Antwort: Der Jüdische Frauenbund unterhält vier derartige Schulen in Deutschland. Wenden Sie sich nur an die nächste Ortsgruppe, die Ihnen die nötigen Prospekte verschaffen wird. ■' - Der Dichter Maurice Maeterlinck über die Kulturleistungen der Juden Rom. Der berühmte belgische Dichter und Nobelpreisträger Maurice Maeterlinck ist zur Teilnahme an dem von der italienischen Akademie der Wissenschaften einberufenen International len Theaterkongreß in Rom eingetroffen. Die gesamte italienische Presse widmet dem greisen Dichter ehrende Begrüßungsartikel. Maurice Maeterlinck empfing in Rom den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur und äußerte sich ihm gegen? über in einem längeren Gespräch über den Anteil der Juden an der modernen Kunst des Theaters. Hierbei wandte sich Maeterlinck gegen die Behauptung, daß den Juden wegen ihrer Rassenzugehörigkeit k u 11 u r s c h ö p f e r i s c h e Fähigkeiten abzusprechen seien. Es sei verfehlt, die Zugehörigkeit eines Künstlers zu einer bestimmten Rasse oder Religion zur Beurteilung seiner künstlerischen Fähigkeiten heranzuziehen. Die erste Forderung, die ’ an einen Schaffenden gestellt werden müsse, sei die nach Wahrheit und Kunst der Darstellung. Jeder solle das geben, was für seine Eigenart am meisten .charakteristisch ist. Es sei unverständlich, wenn gerade den Juden, die der Kunst die erhabensten dramatischen und lyrischen Motive geschenkt habe, zersetzende Wirkung auf dem Gebiet von Literatur und Theater nachgesagt wird. Ich hatte, sagte Maeterlinck, mehrfach Gelegenheit, die Kunst der berühmten jüdischen Schauspieler auf den allgemeinen Bühnen Europas zu würdigen, und ich bin tief beeindnickt von" dem erhabenen Künstlertum des Juden und seinem. Kunstgewissen; Max Reinhardt, mit dessen Regieauffassung , ich freilich nicht immer einverstanden bin, halte ich für das größte Theatergenie unserer Zeit. Der Steinklopfer Als Stammvater Jakob, erzählt der Talmud, sein Vaterhaus verlassen und auf dem Feld bei einbrechender'Nacht mehrere Steine zusammengeschoben hatte, um sein müdes Haupt darauf zu legen, fingen die Steine miteinander Streit an. Jeder von ihnen wünschte dem Haupte des Frommen als Unterlage zu dienen. Gott machte diesem Streit dadurch ein Ende, daß er alle Steine zu einem einzigen Stein zusammenfügte. An diese talmudische Legende erinnert die Geschichte eines armen Juden, der sich an .einen reichen Glaubensgenossen,. der nicht im Ruf der Frömmigkeit stand, um Unterstützung wandte. Als er aber mit den Worten abgewiesen wurde, er solle doch, anstatt zu betteln, Steine klopfen und sich ehrlich sein Brot verdienen, antwortete er: „Wissen Sie, ich bin ein frommer Mensch. Wenn ich nun den ganzen Tag Steine geklopft habe und mich ein w-enig auf sie hinlege, um auszuruhen, könnte es mir passieren, daß die Steine.wie beim Stammvater Jakob miteinander streiten und durch ein Wunder zusammenwachsen, so daß meine ganze Tagesarbeit vergeblich wäre. Ihnen könnte das nicht passieren. Werden Sie also, wenn Sie einmal in Armut geraten, was ja immerhin möglich ist, Steinklopfer.“