Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 86-87 (26.10.1934)
- Date
- 1934-10-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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i;£;2»rf5 Ber Einfluß auf die jüdische Kultur' Wer waren bie Hettiter? . Auf besonderen Wunsch Kemal Paschas soll in Ankara ein Hettiter-Museum errichtet werden. Dieses Volk, von dem die Türken auf Grund wissenschaftlicher Forschungen ihre Abstammung herleiten, wird in der Bibel ge- ■pemsam mit den Kanaanitern, Amoritepi, Pherisitem, Jebu- Sitern und Chiwitem erwähnt. Obwohl das Reich der Hettiter Mietweise weltbeherrschende Großmachtstellung eingenommen hat, die der Ägyptens in der Mitte des 2. Jahrtausend vor ftff g«W^ ,.'Chei1 Zeitn-'chnun£ gleichkam, weiß die breitere wk-htim^A fnUf verha'tnismäßig wenig von ihnen. Ihre!t S m der KuI^g«rhichte war ihre Ver- ■uttlerrolle, die sie auf dem Gebiet der Kultur zwischen dem babylomschm und assyrischen Reich Übernahmen. Da die pVrf-57"01 Nachharn Juden im angrenzengewesen sind, sind auch ihre'Einflüsse hn n£ w K“h WaS damit zusarnn,enhängt,- bemerkbar. H^rZ rfhaftuhat Gnlnd m der A"nahme, daß ihre H ligtumer, die Hilams, mi Grundschema den jüdischen T e m p e 1 beeinflußt .haben. ' ,..Die erSv.?‘Ch^I? Kunde von dcm 8r°ßen Reich der Kle,"afen brachten die assyrisch-babylonischen Keil Inschriften. Schon der Tontafelfund in El-Amama im Jahre 1887 war ein Beweis ihrer Geschichtlichkeit. Unbekannt war aber immer noch der Sitz und Umfang ihrer Herrschaft, Giese,r, nu" '™rdew,e wir einem Aufsatz des „Berliner Tageblatt entnehmen, am Anfang unseres Jahrhunderts von Hugo Winckler in dem östlich des Halys gelegenen Hügel bei Boghazkoi gefunden, der dort außer, gewaltigen Skulpturwerken Zehntausende von Keilschrifttafeln zutage förderte. Diese Urkunden sind in babylonischen Keilschriftzeichen geschrieben, ihre Sprache ist zum kleineren Teile das Akkadische (semitisch-babylonische), zum größeren Teile jedoch das Hettitische. Von dieser Gegend, östlich, des Halys, stießen die Hettiter immer weiter gegen Süden vor und gelangten schließlich auch, nach Palästina, bis ihr Reich dann im zwölften Jahrhundert v. Chr. ein jähes Ende fand. In Kleirtasien und Obermesopotamien, hatten ■ sich schon zu Ende der amoritischen Dynastie von Babel oder der Hammurapie-Dynastie (etwa 2200-1700 v. Chr.) die hettitischen Völker ausgebreitet mit der Hauptstadt im hleutigen Boghazkoi. Dem Einflüsse des hettitischen Großreiches in Kleinasien stand zeitweise auch' giitz Nordsyrien bis1 zur Grenze Palästinas offen, jedenfalls;'war im syrischen , Hinterlande und seihst in Palästina Iiebeiyycler semitischen) Bevölkerung ein hettitischer Einschlag voihanden. Aus deni Boghazköi-Texten geht hervor, daß die Hesffiife. unter dem Einfluß einer herrschenden Oberschicht, der Ptarri, standen# Diese Charri sind die Arier, die hier zum (‘refi-y.pl jm ‘ fauchen. ' ' Bald kamen die HettiterHH^V»g m>t den Ägyptern. Wenn es auch vorerst nicht^H^HVenen Kampf kam, so machte das Hettiterreich doenunter der Regierung des Ägypterkönigs Ammenophis 111., immer bestimmter seinen Einfluß Tn Nordsyrien geltend und brachte die von Ägypten nicht mehr unterstützten assyrischen Kleinfürsten auf Seme Seite; einige Zeit darauf wurde auch das bisher selbständige Reich der Mitani von den Hettitern abhängig. Der Ägypterkönig Seti 1/ (um 1310 v. Chr.) aus der Dynastie versuchte zwar den verlorenen Einfluß in Syrien wieder zurückzugewinnen und stieß dabei mit den Hettitern zusammen. Eine Entscheidung, die die bestehenden Verhältnisse zugunsten Ägyptens geändert hätte, fiel nicht. Syrien, vom Orontes nördlich, blieb unter hettitischem Einfluß,, ein Zustand, den anscheinend ein Vertrag mit Mutallu, demdamaligen König der Hettiter, anerkannte. Auch unter Rämses II„ dem Nachfolger Setis I., blieb dieser Zustand bestehen. Noch unter dem König Mutallu kam es mit den Ägyptern wieder zum Streit. Unter den Mauern von Kadesch-am Orontes fand ein Zusammenstoß statt. Dabei geriet Ramses II. in starke Bedrängnis, sein Lager wurde geplündert und sein Heer zum Abzüge nach Süden gezwungen. Nordsyrien blieb in sicherem Besitz Mutallus. Nach1 dem Tode Mutallus kam zwischen Ägypten und den Hettitern ein Frieden zustande, in dem beide Staaten auf weitere Eroberungen iti Syrien verrichteten, sich verpflichteten, die Grenzen ihrer Besitzungen in Syrien zu achten, und ein Defensivbündnis miteinander ahschlosseii. Etwas über 100 Jahre später wurde die Herrschaft ‘ der Hettiter in Kleinasien durch indogermanische Einwanderungen aus dem Westen schwer erschüttert. Im westlichen’ Kleinasien ließen sich die Phryger und Myser nieder; die Assyrer, Babylonier und Perser waren die späteren Eroberer des Landes. Wie schon erwähnt, beschränkte sich die liettitsche Volksschicht nicht auf Kleinasien, sondern sie hatte sich auch in Syrien und Mesopotamien ausgebreitet. In diesem ganzen Gebiet, in Nordsyrien, in der Taurus- und Antitaurusgegend, im zentralen Teile Kleinasiens, finden sich überall Reste hettitischer Denkmäler verstreut. An Ausdehnung übertrifft aber das Ruinenfeld bei dem heutigen Boghazkoi alle anderen hettitischen Trümmerstätten. KöpenldcerWöscherel Ernst Richter Köpenick» Mahledorf er Str«8e 00 P 4 Köpenick 0283 Teiei. BciteUungen Üblich, außer Freitag u. Sonnabend, schonendste Behandlung übernimmt diese Aufgabe, nachdem'er friilier als stellvertretender Direktor der I)jloschen Schauspiele in- Stralibur^, Disponent am paritätischen Stellennachweis der Deutschen Bühnen und Direktionsrät am Deutschen Theater in Prag tätig war. Krderen Orient auf- Berliner öoffesbienfte Freitag, 26. Oktober. Neue Synagoge (Blumerithal), Lindenstraße (Brasch), Friedenstempel ( Leivkowitz) 5 l’hr. Lützowstraße (Wiener) 6 Uhr. Fasanenstraße (Salomonski) 6.30 Uhr. Leveizowslraße (Prinz) 7 Uhr. PrinzregenleiP straße (Galliner) 7.15 Uhr. Liberale Synagoge Norden Schönhauser AUee 162 (Plotke), 7.15 Uhr. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstr. 30 (Goetz), 7.30 Uhr. Liberale Syn- ’ngoge Sordosl, Prenzlauer Promenade 176 (v. d..Zyli)) 7.30 Uhr. Liberale Synagoge Westend, Kaiserdamm 7S (Scheuermann), 7.15 Uhr. liberale Synagoge Wedding- Reinickendorf, Seesir. 44 (Brasch), 7.30 Uhr. Jüdische Religionsgemeinde, Charlottenburg, Sehulstr. 7, 5 'Uhr. Jüdische Reformgemeinde, JoaChimsthaler Sir. 13 (Gottschalk I 6.30 Uhr. , ■ Sonnabend, 27. Oktober. Hauptgottesdienst in alten Synagogen mit neuem Ritus: 10 Uhr. Jüdische Relfgionsgememde, Charlottenburg (Hamburger), 9.30 Uhr. Sonntag, 28. Oktober. Jüdische. Reformgemeinde. Johannisslr. 16 (Koppel), 10.30 Uhr. . Die Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise sucht für Berlin: Musternäherinnen für gute Konfektionskleider, perfekte Konfektionskleidernäherinnen für Betrieb, perfekte Blusennäherinnen (Heimarbeit), Änderin für . Kleider und Mäntel, Regenmäntelabnehmerin, Gummimäntelkleberinnen, Futtermachcrinnen und erste Handnäherinnen für ^Herrenkonfektion, jüngere Einrichterin für Spitzendecken und Handarbeiten mit Nähen, Abnehmerin für Morgenröckc, ’ Bettwäschenäheriimen für elcktr. Betrieb, Kettlerin für Betrieb, Zickzacknäherinnen für Betrieb, perfekte Heimarbeiterin für Pyjamas mit Zuschnitt, für Schürzen, für konfektionierte Weißwaren, Heimarbeiterinnen für Kurbel-Persianer, Handstich, Lampenschirmnäherin für Seide und Cellon (Betrieb), Regenschirmnäherinnen für Betrieb, perfekte Putzmacherinnen, Kürschnermamsells. Für außerhalb: perfekte jüngere Näherinnen für Herren- und Damenwäsche, perfekte Plätterin. Schäftemacher, der steppen und vorrichten kann, Stepper für Lederolmäntel, Damenfriseure (haarfärben, Wasserwelle), Gürtler für Gürtelschnallen; Beizer und Polierer, Schneider für Lederbekleidung, Herrenkonfektionsschneider, junger Heizer, ledig, mit Kost und Logis, Töpfer. — Es werden dringend Stellen gesucht für Handelshilfsarbeiter, Hausdiener, Packer. Facharbeiter jeder Art, für tüchtige Wäscheausbesserinnen, Hausschneiderinnen, für gewerbliche Fachkräfte aller Art. Kulturbund Hildesheini. * Wie in vielen Gemeinden Deutschlands, ist auch in Hildesheim ein Kulturbund gegründet worden. Den Auftakt der Veranstaltungen bildete ein Kammermusikabend des Goldberg-Graudan-Trio. In den Künstlern Szimon Goldberg (Violine), Prof. N. Graudan (Cello), Hansi Freudberg' (Klavier), lernten wir ein Trio-'von deri allerschönsten Qualitäten kennen und mit der Wahl 'des Programms, welches Beethoven Trio Es-Dur, Schubert Trio B-CSr und Dvorak-Dumky-Trio umfaßte, bewiesen die Künstler einen kultivierten Geschmack. Das Zusammenspiel war vollendet und die-musikalische Wiedergabe der Werke eine restlose Loslösung von jeglicher Materie. Die Künstler werden für diesen herrlichen Abend mit reichem Beifall belohnt. K. M. Zum Leiter des Jüdischen Kulturbundes Rhein-Ruhr e. V., Köln, wurde Dr. Heinrich Le v in ge r berufen. Dr. Levinger S. Fischers Beisetzung Am 15. Oktober ISSb gründete Samuel Fischer sein.-n Verlag. Auf den Tag -IS Jahre später zog er sich endgültig von den Geschäften dieser Erde zurück. Ein reich gesegnetes, von Glück und Erfolg gekröntes Leben hat sich vollendet. Welch ein.mächtiges überragendes Werk hat er hinterlasscn! Aus der Geschichte der deutschen Literatur des' letzten halben Jahrhunderts ist der S. Fischer-Verlag nicht mehr fortzudenken. Er war einer der Bremipunkte, in denen sieh der deutsche Geist sammelte; von hier strahlte er aus, verbreitete sich über das Land, über die zivilisierte Erde. Er gehörte zu den- Unternehmungen, die sich darum so organisch, so systematisch entwickelt haben; weil sie ganz und gar auf die beiden Augen ihres Besitzers gestellt waren. Und Fischer war eiu. ganzer Mann; der .keinen Kompromiß duldete, sohdem unbeirrbar, von den Tagcsströmungen iinbceinflußbar seinen ihm gemäßen Weg ging, solange ihm zu atmen vergönnt war. Diese Gedanken bewegten uns, als wir trauernd an seiner Bahre standen, als wir iii Gcrliart^Hauptmaniis’ tieferschüttertes Antlitz: blickten, der an seine Jugend zuriiekdenken mochte, als er S. Fischer sein erstes Manuskript übergab, als wir alle die andern Autoren des Verlages wie Otto Flake, Bernhard Kellerinann, Oscar Locrke, Manfred Hausmann, Hülsenbeck. Heuser, Suhrkniiip. Karl Jacob Hirsch sahen, die gekommen waren, umjhrem Verleger und Wegbereiter die letzte Ehre zu erweisen; ~ ’ : Zwei Dichter sprachen zu uns. Zuerst Locrke. Form- - vollendet, aus tiefstem- Miterleben stellte er die Leistung, das objektive Werk dar. Dann gab Manfred H a u s m a-n »_eine dichterisch gehobene Cliaraktcrstudie des Verewigten, dessen, „heilige Nüchternheit“ sein Wesen geprägt habe. Nachdem Bachs Arie „Komm sttffcr Tod“ verklungen war, sprach Obeikantor Davidsohn das Totengebet.' Dann geleiteten wir den Entschlafenen zu -seiner letzten Ruhestatt in dem ' Bewußtsein, daß unsere Welt um eine große Persönlichkeit ärmer geworden war. Dr. Erich Licht enstein. . Auf dem Berliner Friedhof itiWeUtenace fand am lebten Sonntag die Beeidigung' dea veratotbenetfeRabbtaem Dr- Steg-- mund Jampel iui Schwedt ä. O. statt. Rabbiner Or.'S'i-; ' lomonski hielt einen warmempfundene» Nachruf für den Toten, dessen. Persönlichkeit und Leistungen er in beredten Worten schilderte. Danach sprach der Präsident der Reich*-. Vertretung und Vorsitzende des Allgemeinen' Rabbinerverbandes, Rabbiner Dr. Baeck, der die Verdienate dea.Toten als.. Wissenschaftler hervorhob. Lieder, vorgetngen von Oberkantor Davidsohn, gaben der Feier einen würdevolle» Rahmen. Engagement vor der Geburt Mailand. Der berühmte russische ’Ociger Wladimir Hörowitz, der mit einer Tochter Toscaninis verheiratet ist, wurde kürzlich Vater einer Tochter, die grnclc an seinem eigenen Geburtstag zur Welt kam. Als er vor einigen Monaten in London seinern_Manager Harold Holt dieses bevorstehende freudige Ereignis erzählte, bot ihm Holt sofort einen vorgeburtlichen Konze rt kontrakt für das Kind an, der an jedem beliebigen Datum, das der Vater bestimmte, in Kraft treten sollte. „Wenn die Lehre von der Vererbung überhaupt etwas bedeutet,' dann muß ein Kind mit einem jolchen Vater und einem solche» Großvater außerordentlich musikalisch sein“, meinte Mjster Holt. 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