Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 70 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Tapeten Farben GEORG ADLER KANTSTRASSE 107 Fußbodenbelag Linoleum Austegen von Wohnungen und Tccppenhluiem dCwttwzdz&eit L-nc&sfd'Ca-u cBrief an Sie „efiiSiacft-tibaaie Seituu^“ Breslau, im August. ' Das Kunstleben, in Breslau hat einen kraftvollen Antrieb durch den vor einig' Zeit gegründeten „Kul tu rk re is“ erfahren. Um mich über die Arbeiten für die kommende Saison zu informieren, stattete dem Büro dieser Organisation einen Besuch ab. Mein Blick fällt auf die vielen Bilder, die dem sonst so kahlen Bürozimmer einen wannen Anstrich geben. Eine Kunstmappe liegt auf dem Tisch. Sie ist angefüllt mit Bildern, die im Abstand einiger Wochen wechseln. Auf diese Weise wird jüdischen Künstlern eine praktische Möglichkeit gegeben werden, ihre Werke zu verkaufen. Der Künstler ist dankbar, wenn von den vielen, die täglich heraufkommen, um diese ■ kleinen Ausstellungen zu-besichtigen, der eine oder der andere ein wenig tauscht. Alan erfährt daß sich unter dem Zwang der Notwendigkeit eine Art Tauschhandel herausgebildet hat. Ein Wäschestück oder Lebensmittel, Gegenstände des täglichen Bedarfs, wandern als Gegenwerte in die Hände der-Künstler, die dankbar sind, daß ihnen so Lebensmöglichkeiten gegeben werden. Der-Kulturkreis hat außerdem zur-Erlängung eines selbstständigen Merkzeichens ein Preisausschreiben erlassen, zu dessen Teilnahme sämtliche jüdische Graphiker Schlesiens aufgefordert wurden. Der erste Preis wurde dem. Graphiker Schwarz zuerkannt. Auch auf dem Gebiet des Theaters ist helfende Arbeit geboten. Wir haben hier, erzählt Herr Prinz, eine Art Ver-, mittlungsstelle eingerichtet, die als Zentralvermittlungsstelle für die jüdischen Künstler Schlesiens angesehen werden muß. Tagtäglich kommen hier abgebaute jüdische Schauspieler, Tänzer, Vortragskünstler herauf, um durch uns zu Engagements für den kommenden Winter zu gelangen. Wir vermitteln in die kleinen schlesischen Städte Kräfte, Vereine, Organisationen wenden sich an. uns, um geeignete und geforderte Künstler von Qualität zu bekommen.. Wir freuen uns, Arbeit und Verdienstmöglichkeiten in bescheidenem Umfange geben zu können. Wir haben eine Kartothek, eingerichtet, auf der sämtliche Künstler, die mit uns in Verbindung stehen, nach ihrem Können, nach ihren-Erfahrungen etc. verzeichnet sind. Für September ist bereits ein künstlerischer Gesellschaftsabend geplant. Die eigentliche Saison beginnt mit einem Orchesterkonzert. Namen wie Rosenstock, Taube und Dr. Singer, der zu Beginn über den Kultuikreis und seine Bedeutung für Schlesien sprechen soll, verbürgen einen verheißungsvollen Auftakt unserer Bemühungen. Mit Hilfe des Berliner „Kulturbundes“, der uns auch im kommenden Winter regelmäßig besuchen soll, werden wir u. a. den Zweigschen „Jeremias“ herausbringen. Die gesamte jüdische Jugend Breslaus soll zu gemeinsamen Sprechchören herangezogen werden, um auf dieser rein künstlerischen Basis endlich einmal vereint zu gehen. Auch bei einer Bialik-Feier im Oktober ist an gemeinsame Sprechchöre gedacht. .Die Abteilung Literatur und Vortragswesen wird mit einem Vortrag von Rabbiner B a e c-k eröffnet-werden. Außerdem soll die Arbeit der jüdischen Volkshochschule ergänzt werden durch regelmäßige Vorträge, die sich .auch an die Laien auf diesem oder jenem Gebiet wenden. Alles in allem eine Arbeit, die zu einer straffen Einigung des Kunst- und Kulturlebens iri Schlesien führen soll. , * Michael Taube, Kurt Singer, Josef Rosenstock — drei Namen — ein Begriff höchster Musikalität. Der große Konzertsaal faßte kaum die ungeheure Fülle von Menschen. Das Programm'— Beethoven und Mozart. Das Erlebnis des Abends war das Konzert Es-Dur von Mozart. Taube und Rosenstock Dampfw&scherel Schnabel. Köpenick, QrQnanerstr. 46. Tel. F4 Köpenick 1605 Sorgfältigste Behandlung! In drei Tagen zurück. Pfundwäsche Lieferung «Abholung Montag u. Donnerstag frei Haus am Flügel. Singer'am Dirigenten pult. Das Publikum feierte die Dirigenten, die Musiker und dankt so gleichzeitig dem Kulturkreis, von dessen Wirken in der nächsten Zukunft Dr. Singer anfangs gesprochen hat. Dr. Gottschalk im religiös-liberalen Verein Der Religiös-Liberale Verein der Synagogengemeinde Breslau leitete seine künftige Arbeit durch einen Vortrag Rabbiner Gottschalks (Berlin) ein. Das Thema des Abends: Gleichsetzung von Prophetie und Emanzipation. Das Gemeinsame sieht der Redner in dem Neugeistigen, das beide Begriffe erfülle. Es bestehe zwar gerade in der Gegenwart große Neigung dafür, nur das Recht des Bodens, also die täglichen Fragen der praktischen Arbeit gelten lassen zu wollen. Aber gerade die Jugend dürfe doch nie vergessen, daß es stets und immer den Geist geben müsse. Man neige heute so sehr dazu, die Emanzipation zu verdammen, um die doch so viele in geradezu prophetischer Weise im vorigen Von jüdischem Wort Vorbereitung auf die Hochfeste Von Rabbiner Dr. Max Dienemann Die Hochfeste des Jahres, Rosch-haschana und Jomkippur, die Tage der inneren Einkehr und Besinnung, der Umkehr und der Versöhnung werden in der gottesdienstlichen Vorbereitung auf sie eingeleitet durch die sogenannten S e 1 i c h o t, d. i. Bußgebete. Von dem dem Neujahrstage voraufgehenden Sonntag an — in diesem Jahre am 2. September — werden vor dem Frühgottesdienste solche Bußgebete gesprochen, das gleiche geschieht in den Tagen zwischen Neujahr und Versöhnungstag, ausgenommen den Sabbat. Diese Bußgebete sind teils aneinandergereihte entsprechende Bibelverse, teils Litaneien, wie etwa die bekannte, die mit den Worten owinu malkenu unser Vater, unser König, jeweils anhebt, teils gewisse mittelalterliche Kunstdichtungen. Der Sinn dieser Gottesdienste liegt klar zutage: eine innere Stimmung der Einkehr und des Willens zur Umkehr zu erzeugen. Die in den Versen und Gebeten zum Ausdruck kommenden Gedanken sind: die Sündhaftigkeit des Menschen, sein Bedürfnis nach Versöhndjig, die stete Versöhnungs- und Gnadenbereitschaft Gottes, die Hinfälligkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen, die Leiden Israels und seine Schmerzen, sein unverbrüchliches -Vertrauen auf Gottes Verheißung. Eines dieser Bußgebete, der ältesten eines, lautet wie folgt: „Gott voll Langmut bist Du, als Herr des Erbarmens willst Du angerufen sein. Den Weg der Umkehr hast Du. gelehrt, Deiner Barmherzigkeit und Gnade Größe gedenke heute und alle Tage den Nachkommen derer, denen Du Freund warst. Wende Dich uns in Erbarmen zu, denn- Du bist der Herr des Erbarmens. Mit flehentlichem Gebet treten wir vor Dich hin, so wie Du es einstens Mose, den bescheidensten'aller Menschen, lehrtest. Laß Deinen Zorn sich sänftigen, wie Du selbst es in Deiner Thora verheißen hast. Im Schatten Deiner Fittiche wollen wir uns bergen und in ihm weilen, wie einst als Du zu Mose in der Wolke hinabstiegst. Verzeih’ die Sünde und tilge die Schuld wie am Tage, da neben Mose Du Dich stelltest. Höre unser Flehen und vernimm unsere Bitte gleich dem Tage, da Mose Deinen Namen rief. Von ihm steht geschrieben: Gott zog an ihm vorbei, und er rief: Gott, Gott, barmherziger und gnädiger Gott, Langmütiger, reich an Gnade und Treue,' derGnadewahrtbisinstausendsteGeschlecht, der verzeiht Sünde, Frevel und Fehl und losspricht. Vergib uns unsre Sünde und unseren Fehl und nimm uns Jahrhundert gerungen hätten. Auch wir ringen heute um neue Wahrheiten. Heute verurteile man die rein geistigen Neu- -erwecker des Judentums, wie z. B. Schoeps. Aber bei aller Kritik, ist es nicht der erste, der seit 150 Jahren wieder das -Problem des Religiösen allein aufwirft. Religion müsse gerade heute wieder das Beherrschende werden, denn sie allein gäbe die Kraft, den Dingen des Lebenshi der richtigen Weise gegenübertreten zu können. Nicht die Politik, also die Fragen der Tagesgestaltung, dürften allein richtunggebend im heutigen Judentum werden. Die Alteren müßten sich der Aufgabe bewußt sein, daß gerade heute eine Jugend sich vertrauensvoll zu ihnen wende, um von der Generation, die nicht so bodenbewußt zu sein brauche, geführt und religiös belehrt zu werden. . Herr Ph. Lachs dankte dem Redner herzlichst für seine Worte und gab gleichzeitig in kurzen Worten das nächste Programm des Religiös-Liberalen Vereins bekannt, das einen Einführungskursus in die Gebete der hohen Feiertage Vorsicht. Ruth Tichauer. und jüdischem Brauch zu eigen. Vergib uns, unser Vater, denn wir haben gesündigt; verzeih' uns, unser König,“denn wir haben gefrcvclt; denn Du, Gott, bist voller Güte und Verzeihen, gnadenreich allen, die Dich anrufen.“ Einstimmung — Von Rabbiner Dr. Jakob'Sänger-Breslau Viele Menschen wissen" nichts vom liberalen Judentum. Sie kennen es nicht, weil Erziehung oder überlegte andere Einstellung ihnen kaum Gelegenheit gab, es in lebendiger Tat zu sehen oder gar mitzuerlebcn. Aber gerade bei solchen Menschen findet man oft die Auffassung, tlbcrqics Judentum in religiösen Fragen^ vor allem im Gottesdienst sei nur Rotstift und Minus, die Nichtachtung oder Beseitigung des überlieferten. Leben aber. bedeutet Wandel und Wachstum, und gerade ein Tiefgeistiges wie die Religion, die' allem menschlichen Sein aus der Seele her seine .Kraft und seinen Wert, verleiht, muß sich in immer neuen Formen aussprechen, um selbst zu leben und Leben zu schaffen. So ist es echter Religion eigen, sich immer wieder von aller Starrheit zu befreien. Sie prüft darum auch jeden edlen und wertvollen Gedanken, ob er in der Formensprache des Qefühls zum neuen Antrieb für Seele und Willen werden kann. - So setzt das Neue nur das Alte—fort, und aus dem ewigen Grund fließt stets der lebendige Quell einer unvergänglichen Lehre. Der erste Seiichot-Tag in der Liberalen Synagoge Norden in Berlin I Jeder, der den Selichotgottesdieiut in seiner überlieferten Form kennt, weiß, daß man meist' vor Tagesanbruch aufzustehen hat, um rechtzeitig zu erscheinen, und daß vor dem üblichen Morgengebet eine_ganze Reihe von Bußgebeten gesprochen werden. Ihre Zahl wichst, bis sie am Erew Rösch haschana, in Süd- und Westdeutschland hoch mehr" am Erew Jom' Kippur, ihren Höhepunkt erreicht. Viele finden in dieser Einrichtung ihre religiöse Befriedigung. Aber viele Tausende besuchen einen Selichotgottesdienst alter Art nicht mehr oder haben ihn nie gekannt. Ihnen gibt die Liberale Synagoge Norden in Berlin seit Jahren etwas Neues, etwas Besonderes mit ihrem „Einstimmung*- gottesdienst zu den hohen Feiertagen“. Der Name sagt es schotf: Dieser Gottesdienst will „e i ns tim m e n“, in die Stimmung der folgenden hohen Feiertage einführen, und die cinstündige Andacht erreicht diesen Zweck in vollendeter Weise.. Einem Orgelpräludium folgen WechscIgesänge zwischen Vorbeter und Gemeinde^ die der Liturgie des Tages entnommen und eindrucksvoll zusammengestellt sind. Vom Chor geführt, singt die Gemeinde als Überleitung zum Höhepunkt des Gottesdienstes das schlichte und doch so | Haßaxef&fKinof foestauxants | Maria Fein Im grünen Zweig . Im Hause der Scala, Lutherstr. Intemation. Spezialitäten-Küche Gondito rei-tafö Franz Wenlsdi {früher M. Dobrin) am Spittelmarkt 15 ^^afä-Restanrant W .WittelsbacIT . Bayerischer Platz 2 ■■ die gute Küche ■■ || zeitgemäße Preise || Inh. 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