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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-08-31 · 70 (31.8.1934) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
70 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Die rassische Zusammensetzung der Berliner Ärzteschaft Nach den neuesten statistischen Veröffentlichungen des „Ärzteblattes für Berlin“ über die rassische Zusammensetzung der Arzte im Ärztekammerbczirk der Stadt Berlin, setzt sich die Berliner Ärzteschaft nach dem Stand vom 3 1. Juli 1934 aus 3639.= 58,8»,’a Ariern und 2549 41,20/o Nichtariem zusammen, in die Zahl der Nichtarier sind 98 Arzte mit nichtarischen Ehegatten einbegriffen. Seit dem letzten Stichtag, dem 14. Februar 1934, hat sich die Gesamtzahl woraus wieder einmal die international verbreitete Nachricht, die akademischen Nichtarier im deutschen Reich würden in ihrer Bewegungs- und Arbeitsmöglichkeit in brutalster Weise unterdrückt, Lügen gestraft wird. Wie weiter aus dem Bericht hervofgeht, umfassen die gegenwärtig in Berlin zugelassenen 3041 Kassenärzte, deren Zahl sich seit dem Februar um 103 vermindet hat, 1640 53,95»o Arier und 1401 46,050/o Nichtarier. Affäre. Hervorragend am Torsegen beteiligt war der Mittelstürmer Dorfmann. Nebenbei trugen noch leichtathletische Wettbewerbe dazu bei, die vielseitige Ausbildung der Berliner zu dokumentieren, wobei es ihnen nichts ausmachte, daß diese Konkurrenzen anschließend an das Handballspiel folgten. Den 100-m-Lauf gewann Buchsbaum überlegen in 12,1. Das Kugelstoßen der Männer belegte Erich Mundstock für sich mit Beschlag, während die gleiche Konkurrenz der Jugend durch Weinstock ebenfalls an. Berlin fiel. Erwähnen wir noch die herzliche Aufnahme der Berliner, die bald Gelegenheit haben werden, sie. gleichfalls in Berlin zu beweisen. H. N. der Arzte um 15 vermindert. Die Verringerung setzt sich zusammen aus einem Gesamtzugang der Arier um 197 3,2°/o und einem Gesamtabgang der Nichtarier um 212 3,4o/o der Gesamtzahl der Berliner Ärzte .zusammen. Der Zugang der Arier errechnet sich aus einem Zugang um 348 .. und einem Abgang um 151. Der Gesamtabgang der Nichtaricr setzt sich aus einem Abgang von 256 und einem Zugang von 44 Ärzten zusammen. 'Es ist bezeichnend, schreibt Dr. Löllke, daß auch im Verlauf der letzten fünfeinhalb Monate noch 44 nichtarische Ärzte zu Praxiszwecken nach Berlin gekommen sind, Rings um Das erste Bundessportfest des Bundes deutsch -jüdischer Jugend Glücklicher Start „Wir wollen mit diesem Fest zeigen, daß uns der Sport nicht nur eine Ergänzung, sondern wesentlicher Bestandteil unserer Erziehungsarbeit ist.“ Mit diesem Wort schloß Heico seine zündende Begrüßungsansprache, die — allen zum Beispiel — von erfreulicher Knappheit und glücklicherweise die einzige Rede war, die an dem der Körperübung allein gewidmeten’Nachmittag gehalten wurde; Und der Stolz war berechtigt, mit dem er dem Bundesführer Martin Sofa otk er davon Meldung machte, daß 1050 Mitglieder des Bundes zur tätigen Mitwirkung angetreten seien. Es waren damit bei diesem ersten Sportfest des in der Arbeit von achteinhalb Monaten aufgebauten Verbandes der. deutschjüdischen Jugend mehr Aktive als Zuschauer zugegen. Sollte man das bedauern? Im Gegenteil, denn.es ist erfreulich, zu beobachten, wie groß und ständig wachsend die Freude am sportlichen Tun auch in der jüdischen Jugend ist/ Dabei gab es an diesem Nachmittag keine Befriedigung persönlichen.Ehrgeizes und keinen individuellen Ruhm: keine Einzelleistung wurde gewertet, sondern nur die des Züges oder der Gruppe. So war es ein Wettkampf von höchstem sportlichen Gepräge, dem alles genommen war, was mitunter störend wirkt'. Und gekämpft, gefiebert, gejubelt wurde nicht weniger als sonst; man merkte, wie stark .in dieser Jugend das Gruppenempfinden geworden ist, das sie Freude und Schmerz der Gruppe'als eigenes empfinden läßt. Auf dem Sportplatz wie auf Wanderfahrt ist das .sicher die richtige Lebensform. Nur einmal wurden statt der Gruppen die Namen der Teilnehmer genannt: als außerhalb des Programms die Bundesleitung des Bundes deutsch-jüdischer Jugend mit Günther Friedländer, Martin Sommerfeld, Norbert' Wollheim und Heinz Kellermann gegen eine Mannschaft des C. V. und des R. j. F. mit Dr. Hirschberg, Dr. Riegner, Dr. Feilchenfcld und Dr. Fränkel eine 4mal 100 m-Staffel austrug, die der „Bund“ gewann. Aber Sieger wie Besiegte erhielten gleichen Beifall. . Und so wie hier bekannte Namen der jüdischen Führung wie der jüdischen Jugend zu hören waren, hätte auch im Zuschauerraum ein Neugieriger manchen „Prominenten“ des deutschen Judentums entdecken können. Aber das war hier nicht wichtig, da alle Aufmerksamkeit denen galt, die kämpften. Und wenn es auch bei den Freiübungen nicht recht klappte, wenn auch manche Staffelablösung noch nicht so ganz geübt war — das eine trat deutlich zutage: daß der Wille zur körperlichen Ertüchtigung des jungen deutsch-jüdischen Menschen schon ein erfreuliches Ergebnis gezeitigt hat, und daß wir uns mit dieser Jugend sehen lassen können.. Daran ließ dieses erste Fest, das weit mehr als Anfang und Ver- ' heißung war, keinen -Zweifel; wir sind auch hier auf dem rechten Weg. H. S. Kommt Max Baer nach Deutschland? Unter den Nichtariern sind 49 Mischehen. Von Interesse dürfte es sein, meint Dr. Löllke, daß einzelne Bezirke der Stadt Berlin ein erstaunliches Mißverhältnis zwischen arischen und .nichtarischen Kassenärzten aufweisen. So befinden sich z. B. im Bezirk Charlottenburg 265 nichta'rische Kassenärzte gegenüber 185 arischen. Das dürften, heißt es zum Schluß des Berichtes im Ärzteblatt für Berlin, auf die Dauer gesehen, natürlich unhaltbare Zustände sein, so daß die Folgerungen, die in der Veröffentlichung vom 10. März 1934 gezogen wurden, auch heute noch' im vollen Umfange aufrechterhalten bleiben müssen. den Sport Dann aber ist der Weg für einen Kampf um den höchsten Titel des internationalen Boxsports endgültig frei. Das hundertprozentige Gelingen des Hamburger Kampftages hat den Veranstalter Walter Rothenburg veranlaßt, nunmehr mit allen Mitteln.und aller Kraft an der Verwirklichung eines lang gehegten Wunsches zu arbeiten: die Abwicklung einer Schwergewichtsweltmeisterschaft in Deutschland. Mitbestimmend für diesen großen Plan ist der Umstand, daß in Amerika heute auch nur mit Wasser gekocht wird. Weltmeister Baer hat auf telegrafische Anfrage seine grundsätzliche Zustimmung zu einer Titelverteidigung in Deutschi and.zu verstehen gegeben. Die Tatsache, daß die Gage, die der Amerikaner fordert, ans Phantastische grenzt, braucht nicht weiter tragisch genommen zu werden; denn Forderungen sind bekanntlich grade im Lager der starken Männer dazu da, daß man sie reduziert. Wir zweifeln bei der Klassearmut_ der internationalen Schwergewichtsklasse nicht daran, daß die Begegnung Schmeling gegen Baer tatsächlich die einzige Möglichkeit für einen großen Publikumserfolg bietet. Wie es aber auch kommen mag, wo immer dieser Fight ausgetragen werden sollte, eines hat der Kampf auf der über-, füllten Dirt Track in Hamburg in aller Deutlichkeit aufgezeigt: gute, große und sportlich interessante Kämpfe werden immer ihr Publikum finden, auch dann, wenn der Besuch etwas rücksichtslose Anforderungen an die Finanzen des Einzelnen stellt. Hoffen wir, daß wir Weltmeister Baer auch hier zu sehen bekommen. Jim Kroner. Sportnachwuchs Die Knaben Volksschule Kaiserstraße veranstaltete auf dein Sportplatz der Jüdischen Gemeinde im Grunewald ein Sportfest, bei dem es ein paar recht beachtliche Resultate gab. 1,30 m Hochsprung, 60 m Schlagballweitwerfen, 4 m Weitsprung, 100 m in 13,4 Sek. und 800 m in 2,51 Min. — das sind Leistungen, die sich für 12-'und 13jährige Jungens sehen lassen können. Wichtiger noch als diese „Rekorde“ jedoch war die Feststellung, daß in der Schule in der Kaiserstraße eine straffe Disziplin herrscht, und daß auch der Durchschnitt lebhaftes Interesse an der körperlichen Ertüchtigung bekundet. Dies ist ■ gerade heute wichtig in einer Zeit, wo junge jüdische Menschen auf sich selber angewiesen sind und oft wichtige Vergleichsmaßstäbe fehlen. Es wird gemeldet: Der langjährige Generalsekretär des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Dr. Rudolf Brichta, muß unter dem Druck des Judenausschaltungsprozesses sein Amt niederlegen. Seine Stelle wird einem arischen Funktion ä r übertragen. * Wie aus Cypern mitgeteilt wird, haben die dortigen englischen Verwaltungsbehörden sehr günstige Bedingungen für eine jüdische Einwanderung festgesetzt. Es wurden dort bereits zwei Siedlungen deutscher Juden geschaffen, von denen die eine 200, die andere 50 Siedler zählt. .* Nach einer Meldung aus Jerusalem wird der indische Dichter und Nobelpreisträger Rahindranath T a g o r e an der hebräischen Universität im kommenden Semester Vorlesungen halten, in denen er sich mit der Rassenfrage befassen wird. * Im Alter von 50 Jahren ist an den Folgen einer Operation der Schauspieler und Gründer des jiddischen Theaters in Brasilien, Jizchock Deutsch, in Rio de Janeiro gestorben. * Aus Belgrad wird gemeldet: Der Minister des Innern ernannte für Groß-Belgrad den neuen Gemeinderat, der aus 50 Personen besteht. Obwohl die Juden nur 3»o der Hauptstadt ausmachen, wurden fünf'Juden in den Gemeinderat entsandt. * Wie aus Kaunas berichtet wird, hat der Kommandant von Schaulen im Zusammenhang mit den dort voc einigen Tagen erfolgten Zusammenstößen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Jugendlichen die Schließung der Büros aller zionistischen J u gen d v e reihe in Schaulen für ein Jahr verfügt. Der Vorsitzende der mohammedanischen Religionsgemeinde in Bö n e tritt, wie aus Algier berichtet wird, den Meldungen entgegen, denen zufolge in Böne eine starke Spannung' zwischen der mohammedanischen und jüdischen Bevölkerung bestehen soll. In der Erklärung wird auf das gu te. Ei n v e rn eh m e n beider Bevölkerungsteile hingewiesen. Max Pallenbergs Hinterlassenschaft Karlsbad. Die tschechoslowakische staatliche Aerolinie hat nunmehr den Erben des Schauspielers Max Pallenb e r g, der bei einem Flugzeugunglück in der Nähe von Karlsbad ums Leben kam, den Betrag von 198 000 tschechischen Krönen als erste Rate auf die Ersatzansprüche überwiesen. Oher die Hinterlassenschaft des Künstlers besteht bisher noch keine Klarheit. Die zweite Frau Pallenbergs, Fritzi Massary, behauptet, daß Pallenberg fast nichts [unterlassen habe, während seine Tochter aus erster Ehe von einer Millionenerbschaft wissen will. Jüdische Handelssprache verboten München. Ein Erlaß des Ministeriums für Wirtschaft Als vor einigen Monaten unser ehemaliger Weltmeister Max Schmeling von dem zweitklassigen Steve Hamas in .Philadelphia ausgepunktet wurde, da schien der Traum auf . ein Wiedergewinnen der Weltmeisterschaft endgültig ausgeträumt zu sein. Schmeling war damals von sich und seinem Können so überzeugt, daß’ er nicht'die Handschuhe an den Nagel hing, sondern mit aller Energie noch einmal von vorn anfing. Trotzdem schien-seine Chance, auf Weltmeister Max Baer treffen und um dessen Titel boxen zu können, .denkbar klein. - Deutschlands Nachwuchsschwergewichtsboxer' Walter Neusei schien der rechte Mann zu sein, die Championship wieder nach der alten Welt entführen zu können. Grade die internationalen Fachleute waren von ihm und seiner Chance restlos überzeugt. Nun, Max Schmeling hat am letzten Sonntag jenen, die ihn schon für einen „has beeil“, für einen Gewesenen, hielten, eine schwere Niederlage bereitet. Die Art, in der. .er Neusei zertrümmerte, die überlegene Kälte, an der der Siegeswillen seines jungen Rivalen' rein psychisch von Runde zu Runde mehr zerbrach, schließlich aber auch seine meisterliche Schlagtechnik und sein schwerer Punch bewiesen zur Genüge, wie weit mit dem Exchampion noch zu rechnen ist. Än der Ringseite sah sich Schmelings offizieller Manager Joe Jacobs“, der aus den Staaten gekommen war, den Kampf als interessierter Zuschauer an. Er fährt in diesen Tagen nach den U.S.A. zurück, lim Schmelings Ansprüche auf einen Titelkampf mit Max Baer nachdrücklich zu bekräftigen. Möglicherweise, daß man dem Deutschen aufgibt, erst noch seinen letzten amerikanischen Besieger Steve Hamas zu »■schlagen; wir sind überzeugt, daß der Schmeling von heute an einem Hamas nicht mehr scheitern wird. Der gute sportliche Durchschnitt in der Knabenvolksschule Kaiserstraße ist um so höher zu bewerten, als die Besucher dieser Schule sich durchweg aus Angehörigen der sozial schlecht gestellten Kreise zusammensetzen. Oft können die Eltern nicht einmal das Fährgeld zur Schule aufbringen, so daß die Gemeinde einen Zuschuß geben muß. Im letzten Jahre hat die Schule allein 300 Neuaufnahmen zu verzeichnen gehabt. Man versteht, daß die Jüdische Gemeinde unter solchen Umständen spezielleren .Wünschen nicht diejenige Beachtung schenken kann, wie sie an und für sich gern möchte. Trotz alledem wäre es notwendig, den Kindern auf dem Hofe der Schule in der Kaiserstraße T r a i n i n gs m ö g I i c h - keiten auch für die technischen Übungen zu. schaffen — erstens, weil diese für den jüdischen leichtathletischen Nachwuchs unentbehrlich sind, zweitens, weil gerade die Wurfübungen an die Konzentration und die verstandesmäßige Mitarbeit des Einzelnen die höchsten Ansprüche stellen und so in besonders hohem Maße erzieherisch-wirken. —or. Berliner in Dresden Einer Einladung der S. V. Schild folgend, weilte am letzten Sonntag eine Männerhandballmannschaft des 1TSC 05 in Dresden. Wenn auch durch das Sportfest des Bundes deutsch-jüdischer Jugend in Berlin nicht die stärkste Vertretung entsandt werden konnte, so machte, auch die Kombination ihrem Klub alle Ehre. Dafür spricht das Ergebnis von 18:5 für den ITSC 05. Die noch im Aufbau begriffene Sportgruppe Dresdens war natürlich kein Gegner für die routinierten Berliner, so daß das Spiel eine etwas einseitige Angelegenheit war. Überragend war bei den Berlinern der Mittelläufer Mundstock I, aber auch die Ersatzleute, der Torwart Wunsch an der Spitze, zogen sich achtbar aus der und Arbeit und eine Entschließung der Kreisregierung von Oberbayern ordnen,, wie die „Münchener Neueste Nachrichten“ mitteilen, an, daß auf den Viehmärkten das Handeln in jüdischer Sprache zu verbieten ist,-da wiederholt Klagen laut geworden sind, daß jüdische Händler sich der hebräischen Sprache bedienen, um den Sinn ihrer Worte den Bauern zu verbergen.- Wie Regierungsrat Dr. Tempel dazu dazu bemerkte, liegt der Handel auf den Münchner Märkten fast ausschließlich in den Händen der zugeiassenen Kommissionäre, unter denen sich kein Jude befindet. Zudem ist das Judenrotwelsch auf den Münchner Märkten schon seit dem Herbst vorigen Jahres untersagt. Der Hauptausschuß beschloß die Aufnahme des ausdrücklichen Verbotes der jüdischen Handelssprache in die Schlacht- und Viehhofordnung. „Jude“ und „Gentleman“ In ausländischen Blättern wird von einem amüsanten •Erlebnis erzählt, das der bekannte irländische Schriftsteller George Cohen während eines Aufenthaltes in Amerika hatte. Er wollte dort in einem Hotel Wohnung nehmen. Unglücklicherweise nahm das Hotel, bei dem er nach einem Zimmer fragte, keine Juden auf. Ungehalten darüber, schickte er dem judenfeindlichen Hotelier eine Karte mit folgenden Bemerkungen: „Meih Herr, Sie haben mich für einen Juden gehalten; ich habe Sie.für einen Gentleman gehalten. Leider haben wir beide uns getäuscht.“ Wenn der Hotelbesitzer geglaubt hatte, einen Juden vor sich zu haben, so hatte er sich nämlich gründlidh geirrt; denn George Cohen ist trotz seines Namens nicht jüdischer Herkunft. 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