Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 50 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-1 Naschereien, einen Rummelplatz mit Überraschungen und viele grolle und kleine Gaste und ... Aber ehe man dazu kommt, sich all diese 'Dinge zu überlegen,_muß man drei grolle Fragezeichen aus dem Wege räumen. Wer schießt das Geld für dieses Unternehmen vor? Die guten Onkels, denen für Kinder nichts zu teuer ist, müssen gefunden werden. Und wer spendet Luftballons, Schokolade und anderes mehr? Denn ein richtiges Kinderfest ..muß doch viel bieten und muß doch sehr billig sein! Und nicht zuletzt taucht di£ grausig-feuchte Frage auf: Und wenn es regnet? Soll man einen Waggon Taschentücher kaufen, um all die enttäuschten Kinder damit zu trösten? Oder? O nein, man nimmt eine Regenversicherüng auf, und dann kann man versichert Sein, daß es -nicht regnen wird. Sehen Sie' ich hatte seit Jahren eine Versicherung auf mein Paddelboot, das inzwischen alt und grau wurde. Aber so sehr ich es mir wünschte, es wurde nie gerammt und ging trotz Leck iu der Spitze' nicht unter. Aber als ich die Versicherung abmeldete — den Sonntag darauf war es schon passiert! ^Doch Regen und Kinderfest sind eine ernste Sache. Darum trotz Versicherung: „Toi, toi, toi!“ . " Und nun zum Fest selbst. Als Erstes, muß ein Festprogramm ausgearbeilet werden. Wir in der Kinderbühne machten das so: Jedes Kind bekam Bleistift und Papier in die Hand. und mußte einen Aufsatz schreiben,-wie ein Kinderfest nach seinem Sinn aussehen müßte. Da kam viel . Ulkiges, Brauciibares und Unbrauchbares zustande. Aber ■ einige Gedanken tauchten in allen Kinderköpfen auf: „Einen Ummarsch muß es' geben“, „Die Kinderbühne soll eine . Freilichtvorstellung machen“, „Ein Rummel muß da sein“. Der Leitgedanke aller Aufsätze war natürlich, daß die Kinder alles, selbst veranstalten wollen, und daß der Sommertag ganz anders als sonstige Kinderfeste werden müßte. Das Programm der Kinder ist vielversprechend, aber .^das tatsächliche Programm des Sommertages wird noch weit mehr halten. Ein ganz neuartiger Rummelplatz ohne die üblichen Belustigungen wird die , großen und kleinen Gäste auf der obersten Terrasse des. Sportplatzes erwarten. Haben Sie schon einmal Kirschkerne um die Wette gespuckt? Bitte, treten Sie näher, wer am weitesten spuckt, erhält eine H a n d - voll KiTschen als Preis! Und nebenan findet ein Wjurons Stab Von Max Dienemann Vorausgeschickt: In dun Thoraabsidinitt des ldtz.ten Sabbat wird erzählt, daß nach einer Empörung, in der Aharons legitimes Recht auf das Priestertum angezweifelt wurde, eine Anordnung erging, es sollten alle Stammesfürsten je ihren Stab vor die Bundeslade stellen, und wessen Stab am näcföten Morgen Blüten und Früchte getragen haben würde, der sei als der echte Priester erwiesen. Alle Stammesfürsten brachten ihre Stäbe, Zeichen ihrer Amtswürde, am Morgen Latte Aharons Stab Bluten getragen und Früchte gereift; er war so als echter Priester erwiesen. Darauf dann der Befehl (4 M. 17, 25). „Und Gott sprach zu Mose, lege den Stab Aharons wieder vor die Lade des Zeugnisses zur Aufbewahrung, zum Zeichen für die Widerspenstigen, daß ihr Murren aufhöre vor mir, damit sie nicht sterben. $o tat Mose“ wie Gott ihm geboten hatte, so tat '.er.“ Dies vorausgeschickt. Vor ungefähr 3 Jahren hielt ich in der Synagoge Aufklärungsvorträge für die Bevölkerung, an der stets Viele teilnahmen: Nach dem Vortrageipflegten die Besucher an die Lade zu kommen, und ich zeigte ihnen die Thorarollen und alle Gegenstände, die ihr Interesse erregen konnten, erklärte alles und beantwortete Fragen. Einmal merkte ich bei einem der Umstellenden, daß in seinem Gesicht noch eine Frage stand. Ich fragte, ob er noch etwas wissen möchte. „Ja,“ sagte er, „wo ist der Stab Aharons, der an der heiligen Lade aufbewahrt wird, und wo die Flasche mit Manna (siehe 2. M. 10, 33)?“ Wenn man von der Naivität absieht, mit der der Fragende die heilige Lade in der Offenbacher Synagoge mit der ßundeslade des Heiligtums identifizierte — ist eine solche genaue Bibelkenntnis nicht erfreulich? Alexander Weinbaums Laufbahn 30 Jahre Chordirigent Am 1. Juli' blickt Alexander Wein bäum aut eine 3Öjälirige Tätigkeit als Chordirigent der Berliner Jüdischen Gemeinde zurück. Er wurde im Jahre 1904 an die damals neu erhallte Synagoge Rykestraiie berufen, nachdem er in gleicher Eigenschaft bereits neun Jahre an der Tiergarten- Swiagoge gewirkt hatte. Im Jahre 1.912 übernahm Weinbauin die Leitung des Chors der neu erbauten Synagoge Fasanenstraße, um dieses Amt nach einigen Jahren mit der Doppelfunktion des Organisten und Chordirigenten an der Synagoge Stern Davids an der Front und ihr gegenüber auf efeunmrankten Sockel eine Büste, deren Züge ich zu erkennen glaubte. Aut eine_ Frage wurde mir bestätigt, daß ich vor der Büste des Wohltäters Louis Sachs stand, der vor langen Jahren mit seiner Gattin Rosa dieses Haus als Jüdisches Genesungsheim erbaut hat, um erholungsbedürftigen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Kräfte für den Erwerb und den Kampf des Lebens wiederzugewinnen. Seither ist das Anwesen in den Besitz der Jüdischen Gemeinde gelangt, und diese hat es dem Berliner Verband des Jüdischen Frauenbundes überlassen, damit es in zeitgemäß erneuerter Form, aber im Sinne der ursprünglichen Stifter, als Erholungsheim für Erwachsene und Kinder diene. Das Innere des Hauses wurde mir gezeigt. Ich möchte nicht zuviel sagen, ich wurde froh gestimmt, als der letzte Rest von Großstadtverdrossenheit von mir wich, als ich diese Räume durchschritt, die gemeinsamen und die Einzelzimmer, mit ihrer wohltuenden Behaglichkeit. Mein Fortgehen von diesem Haus, von seinem Wald, von seinem See, war kein Abschied. Es war ein „Auf Wiedersehen!“ Fritz Engel. * ‘ - Wir können dieser Zuschrift hiiizufügen, daß das J üd isclie Erholungsheim Leimitz, Viktoriastr. 19.20, zu dein von der Station Lehnitz eine, schattige, bequeme Allee führt, am 24. Juni eröffnet wird. Es wird das ganze Jahr hindurch in Betrieb bleiben und in stilleren Jahreszeiten auch für Tagungen und ähnliche Veranstaltungen zur Verfügung stellen. Die Zimmerpreise einschließlich ritueller Verpflegung bewegen sich zwischen 2,00 und 4 Mark. Bis Ende Juli sind bereits alle Betten belegt. Anfragen sind zu richten an den Jüdischen Frauenbund, Verband Berlin, Grunewald, Königsallce 11a. ßatnpfwfisdierei Schnabel. Köpenick, Grünauenilr. 46,.‘Tel. F4 Küpenick 1C05 Sorgfältigste Behandlung! In drei Tagen zurück. Pfund Wäsche I ' Liderung - Abholung Montag u. Donnerstag Irel Haus Ratibor O S. Lehrer A. Bieberfeld, Präsident der Friedensloge, ein aufrechter deutscher und religiös-liberaler Jude, der seit fast 40 Jahren segensreich hier wirkt, vollendet am 22. Juni sein 60. Lebensjahr. Sein großes Wissen hat er stets in den Dienst aucli der jüdisch-liberalen Bewegung gestellt. Im letzten Winter noch hat er im Rahmen der „Jüdisch-liberalen Vereinigung“ einen Vortragszyklus über „Jüdische Gebräuche“ gehalten, der großen Anklang gefunden hat. Der jugendliche Aliefsjubiiar verlebt, allen ‘Ehrungen abhold, seinen Geburtstag fern von Ratibor. * W e 11 b e w e r b d c r Pu p p e n m ü 11 e r statt. Wer ist.die geschickteste? Wer zieht seine Puppe ain schnellsten all? ‘ ln der Mitte des Platzes laden zwei große Rennbahnen die Kleinsten zum Hürdenrennen und Rennen auf Steckenpferden ein. Und die beiden Goals sind in Wurfbuden verwandelt, in denen jeder seine Meisterschaft im Ball- und Lassowerfeu beweisen kann. . Oder haben Sie Lust zu klettern? Bitte: wer bis zur Spitze einer acht Meter hohen Stange gelangt uiid oben einen Luftballon befestigt, erhält den Kletterordcn und einen Gewinn. Und sind Sie vom Horralitanzeii, Sacklaufen, Eierlaufen miidc, daun nehmen Sie im Kasperletheater Platz. Und dann? Und dann sind immer noch Wettbewerbe da, an denen Sie noch nicht teilgeiiominen haben. Und bei der Tombola, dem Fischzug und den Würfelbuden sind Sie . ja überhaupt noch nicht gewesen! Daran dürfen Sie niciit. vorbeigelien, denn auch liier werden Sie Überraschungen erleben. Hier wird sicli der Wunsch der Kinder nacli ausschließlich „brauchbaren“ .G eschenken erfüllen. Zu Beginn und -Schluß des Festes soll ein Ummarscli, voran die Kinderkapcile, die kleinen Gäste kreuz und quer über den Platz an allen Herrlichkeiten vorbeifüliren. Und überdies gibt es von einem hohen Podium herunter, das eigens für den Somnicrtag aufgebaut wird, eine lustige Vorstellung der Kinderbühne, und am Eingang jedes Wettbewerbs und vor jeder Bude stellt ein Kind, das mit meisterhaftem Redeschwall das Amt des Anreißers versieht. umoau NW 87 •"» W W * «ü A A M A» A u t o w e r k statt Levetzowstr. 23 Lützowstraße zu vertauschen. In letzter Zeit wirkt er in der Synagoge Lindenstraße. Außer seiner Tätigkeit als Synagogen-Musiker hat Weiubaum eine überaus große Wirksamkeit als erfolgreicher und gesuchter Gesangspadagoge und.als Chormeister der „Typographia“, Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schrift- 'gießer, entfaltet. Er stand 27 Jahre an der Spit/.e dieses Vereins und hat in dieser Zeitspanne ein Stück sozialer Kulturarbeit geleistet, das aus der Geschichte der Ärbeitergesangvereine nicht auszulöschen ist. War er es doch, der . den Arbeiterchören den Weg in die öffentlichen Konzertsäle ebnete und sie dadurch vor die öffentliche Musik-Kritik führte, die ihnen bisher versagt war. ln frischer Erinnerung stehen seine vorbildlichen Aufführungen mit der „Vereinigung Berliner Synagogen-Chöre“, besonders des „Judas Maccabäus“, in der Neuen Synagoge und der „Lieder- und Madrigal-Abend“ im Marz im Beethoven-Saal mit dem Weinbaum'schen a capella-Chor. Mit dieser Veranstaltung befestigte er aufs neue seinen Ruf als Interpret deutscher .Chormusik, indem er als erster jüdischer Musiker mit einem jüdischen Chor mit einem rein deutschen Programm vor die allgemeine Öffentlichkeit trat. Wenn Weinbaum jetzt mit der deutschen Uraufführung des „Awodass hakodesch“, des Schweizer Musikers Ernest Bloch hervortritt, so beweist er damit die Universalität seines Könnens. M. K. Ein Leser schreibt der „J.-I. Z.“ Die Kinder der Kinderbühne, diesmal dreißig an der Zahl, schwitzen schon seit Wochen in Proben für das Sommerfest und freuen sich wie Schneekönige auf diesen Tag. Von ihrer. Arbeitsfreudigkeit und ihrem Ernst kann sich wohl kaum ein Außenstehender eine Vorstellung machen. Und dann fällt plötzlich ein Scherzwort, und die Probe muß vor Lachen auf Minutcu unterbrochen .werden. Es macht Freude, mit Kindern in Proben zu schwitzen! So schreiten die Vorbereitungen und Proben allmählich vorwärts, und ehe man es sich versieht, naht der „Somnicrtag“ heran. Am 30. Juni,- abends $.30 Uhr, veranstaltet die Berliner Sport-Gemeinschaft 1933 im Sportbund des /?//•’. im Logenhaus,, Ktciststraßc 10, anläßlich ihres einjährigen .Bestehens ein So m me r f es t. Karten zum Preise von 1,25 KM. im Vorverkauf sind zu haben in der Geschäftsstelle: Kaiserallee 51 52.' Tel. II 6 Emscr Platz 2623. Erholung am Lehnitzsee Ich komme "vom Lehnitzsee, der einsam ist .und fast zu einsam wäre, wenn nicht von Zeit zu Zeit ein Nachen ihn belebte, ein Dampfer ihn durchfurchte oder mit langsamen Dahiiigleiten ein Schiffslastenzug vorüberkäme. Vorherrschend aber bleibt die Stille. Es bleibt die leise Musik des Sommerwindes, der Duft des Wassers und, zum Ufer hinströmend, der aromatische Hauch des Waldes mit seinen Baumriesen, die hier schon heranwuchsen, als Lehnitz noch eine dörfliche Ansiedlung war und von Berlin ebenso entfernt, wie es ihm jetzt durch die Vorortbahn nahegerückt ist. Als ich vom Seeufer einige Schritte bergan stieg, stand ich zuerst vor einem eingehegten Waldstück, dann vor einem weiten und reichen Garten. In seiner Mitte ein Haus mit dem und alles was dazu gehört — Teppiche, Stoffe, Qlat, Porzellan Einrichtung von WothenemShämera x. vernünftig. Preisen ModGrFIG Möbel Teppiche, Stoffe, Glu, Porzellan Hans Schneider Uhlindatr. 165-66 zwischen Lietzenburgerstr. a. Kurfürstend. Breslau. Der Bund deutsch-jüdischer Jugend, der deutsche Vortrupp und der RjF. veranstalteteil gemeinsam einen Vortragsabend, der von dem Willen der deutsch-jüdischen Jugend, sich über, ihre seelische, geistige und wirtschaftliche Position in Deutschland klar zu werden, lebhaft Zeugnis gab. Hans Joachim Schoeps führte aus, es -sei_ nur möglich, über die Zeit hinwegzukommen, wenn man über sie hinauswachse. Das Problem der jüdischen Gemeinschaft liege in der zeitlichen Zusammengehörigkeit und Aufeinanderfolge von Pessach und Schowuaus. Pessach, das Fest der Volkwerdung Israels, sei nicht zu denken ohne Schowuaus, das Fest der göttlichen Gesetzgebung am Sinai. Die Hausse in Zionismus sei eine Fehlreaktion der Ereignisse der Jetztzeit. Norbert W o 11 h e i m vom Bund deutsch-jüdischer Jugend sprach über die Arbeit und den Gestaltungswillen des' Bundes, der größten deutsch-jüdischen Organisation des Reiches. Man könne nur Jüdc sein, wenn man wisse, wozu. Und diese Fragen, nach dem Warum will der Bund deutschjüdischer Jugend aufzeigen. Aber auch und vor allem sei es die geistige Einordnung in die Umwelt, die der Bund den jungen Menschen geben. wolle. Gegen diejenigen, die da glaubten, dasselbe Leben beginnen zu können wie vor dem Umsturz, stände heute eine Jugend,’die erkannt hätte, daß die Gemeinschaft über das persönliche Wohl ginge. Vom RjF. fügte Herr Simon den Worten seiner Vorredner nur hinzu, daß es unbedingt notwendig sei, sich wirtschaftlich in Deutschland einzuordnen, damit die Grundlagen für eine neue seelische Existenz geschaffen werden könnten. /?. Ti. ElegantmöbliertesWohn-Schlafzimmer mit allem Komfort evtl, mit Küche für Ehepaar oder einzeln billigst zu vermieten. Näheres J-6 Bleibtreu 2475 St. Josefs-Heilanstalt Nur für Männer Berlin-Weissensee. Gartenstr. 1-5 Fernsprecher: E6 Weißensee 4066. Alle Arten von Gemüts- und Geisteskrankheiten. Moderne Therapie. Entziehungen. Herrliche Parkanlagen. Chefarzt: Dr. A. 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