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Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-06-22 · 50 (22.6.1934) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
50 (22.6.1934)
Date
1934-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Unser Weg Von Dr. Felix Heimann Die Vorträge, die in den verschiedenen jüdischen Gemeinden Deutschlands in den letzten fünfviertel Jahren gehalten, die Bücher und Artikel, die in dieser Zeit veröffentlicht wurden, haben mehr oder weniger ein ähnliches Gepräge, mögen sie weltanschaulich je nach dem Standpunkt des Redners oder- Schreibers noch so verschieden sein. Den meisten ist. eines gemeinsam : sie glauben an keine Reemanzipation in dem früheren Sinne, und manche wünschen sie auch gar nicht; sie sehen in dieser Emanzipation ein Danaergeschenk, dessen zweifelhafter Charakter sich immer mehr und mehr herausstelle. Emanzipation und Assimilation werden vielfach ohne weiteres gleichgesetzt, und was den deutschen Juden von heute immer wieder vorgehalten wird, sind seine Väter und Großväter, die doch nicht d i e Zensur verdienen, die ihnen ungerechte Lehrer erteilen: Juden ohne. Frieden, Juden ohne Judentum, Juden am Rande. Überblickt man die Entwicklung der Dinge seit den letzten Januartageh des Jahres 1933, den revolutionären Elan, mit dem die nationalsozialistische Bewegung Widerstände nie'derwarf, die Jahrhunderten getrotzt hatten, bis zur Situation von heute, auch in Hinsicht auf die Rechtsstellung der deutschen Juden, so ist es müßig, sich hinzustellen und zu sagen: „Wir haben das.alles so kommen sehen; in der Judenfrage mußte es so und so kommen.“ Es ist schon ganz abwegig, das, was über uns hereingebrochen ist, auf die religiöse Auflockerung in den eigenen Reihen zurückzuführen. Außer Frage steht, daß sich eine solche Auflockerung in hohem Maße vollzogen hat und auch weiter vollzieht. So richtig es auch, ist, daß mancher deutsche Jude dem Ansturm besser gewachsen wäre; wenn ihm positiv jüdische Einstellung und Vertrauen zum Gott der Väter zu eigen gewesen wären, so ist. es doch absurd, eine Situation, die aus einem politischen P r o gra m m , resultiert, religiöser Indifferenz zur Last zu legen. Ob die deutschen Juden gute oder schlechte Juden waren, hatte und, hat mit dem Einzelschicksal so wenig'zu tun wie mit dem der Gesamtheit. Relevant war und bleibt nur ihre Fremdheit im Sinne des Programms der nationalsozialistischen Bewegung. Auch auf eine weitere Schiefheit in der Darstellung jüdischer Redner und Publizisten sei hingewiesen, nämlich die' Auffassung: Schuld an der Situation von heute sei eine gewisse Kategorie von Literaten, die namentlich bezeichnet werden. Was diese Leute indessen schrieben und taten, hatte mit dem Judentum dasselbe gemein, was sie selbst mit ihm gemein hatten, nämlich nichts. Sie kämpften auf der änderen Seite, nicht auf der jüdischen. Stellte sich jemand den Juden, zur Seite, so machte es manchem von ihnen gar nichts aus, den Stammes- und Glaubensgenossen in den Rücken zu fällen. * ' Die Situation, in der wir uns heute befinden, ergibt sich aus der nationalsozialistischen Ideologie, wie sie ihren Niederschlag in den verschiedensten Punkten des Parteiprogramms gefunden hat. Sie folgt aber auch aus der gesamten Wirtschaftlichen Lage des deutschen Volkes. Wenn heute gesagt wird, das eigenartige Wesen der Judenfrage ergäbe sich schon daraus, daß auswandernde Juden den Antisemitismus mit sich schleppen und daß er sich heute selbst in Ländern bemerkbar mache, in denen man bisher von ihm kaum sprechen konnte, so ist demgegenüber nicht in letzter Linie schuld die w iftschaftliche Lage, in der sich die meisten Völker befinden. Daß die Wurzel des Übels in vielen Fällen hier zu finden ist, steht wohl außer Frage, und es ist erklärlich, daß Völker, die sich wirtschaftlich, in nicht ganz leichter Situation befinden, nach dem Strohhalm einer möglichen Ausscheidung der Juden aus dem Wirtschaftsleben greifen, wenn sich auch bei uns in Deutschland eine solche Eliminierung weniger nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, als auf Grund starker ideeller Motive wie der Ausscheidung von Menschen, die als fremd und rassezersetzend empfunden werden, vollzieht. Man soll und darf Fehler, die der Emanzipationsbewegung der letzten 150 Jahre gemacht worden sind, nicht beschönigen, man soll "sie im Gegenteil rücksichtslos aufweisen, damit man aus ihnen lerne; aber es ist doch erforderlich, sich gegen uferlose Selbst- . vorwürfe zu wenden, wie sie jetzt mitunter Mode sind. Was bis zum 30. Januar 1933 seitens der deutschen Juden' geschah, um ihre Emanzipation durchzuführen, zu erhalten und auszugestalten, war, im großen gesehen, ^nicht falsch. Der Weg von Moses Mendelssohn über Gabriel Rießer, Abraham Geiger, Eugen- Fuchs war kein Irrweg, so notwendig es auch ist, heute in vielem andere Wege einzuschlagen. Daß die deutschen' Juden des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts im allgemeinen gute Juden waren, beweisen in eindringlicher Art die gewaltigen Institutionen, die sie für ihre Gemeinschaft schufen, das blühende vorbildliche.Arbeiten der jüdischen Gemeinden in Deutschland, das charitative Wirken weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Man braucht in" diesem Zusammenhang nur an Männer wie Paul Nathan und James Simon zu erinnern. Wie federleicht wiegt hiergegen: die Charakterlosigkeit dieses oder jenes Taufjuden, dieses oder jenes Schriftstellers, der gegen sein deutsches Vaterland nicht mehr anrannte als gegen das Judentum, dessen unvergängliche Werte er-nicht erkannte. Wenn 'Deutschlands Juden, deren Schicksal sich ja. zum weitaus überwiegenden Teil auf dem Boden ihres Heimatlandes vollzieht, sich auch weiterhin für das Land ihrer Geburt und — trotz allem — ihrer Liebe,ebenso. einsetzen werden, wie für ihr Judentum, so braucht deswegen das Palästina-Aufbauwerk keineswegs negiert zu werden. Wir deutschen Juden auf deutschem Boden wollen jedenfalls, soweit es Ln unseren Kräften steht, dafür sorgen, daß hier dmpi eine planvolle nicht überstürzt durchzuführende Um- D Ifloidor Eigene Ateliers im Hause MjU„ ivlulutll Vetter-Soöania. Strickwaren llUlu Kurfürstendamm 153 (Universum) j 7, 4902 bleiben, sondern auch weiter und noch intensiver als bisher mitzuarbeiten an den großen allgemeinen jüdi- Aufgaben.. Wir deutschen Juden gehen unserer! Weg, und •Unsere Geschichte wird hoffentlich dereinst von uns sagen: „Sie waren gute Juden, sie waren sich des rechten Weges wohl bewußt. Schwer und dörnenvoll war dieser Weg, aber er führte zu dem Ziele, an dem wir nun angelangt sind, wir Enkel und Erben jener Männer und Frauen von 1933 und -L934.“ B Schichtung wieder Lebensraum geschaffen wird. Die Lehren, die sich für die deutschen Juden aus ihrer schweren Gegenwart ergeben, werden sie nutzen. Sie werden .festhalten an der Liebe zu Deutschland, für das sie im letzten großen Kriege 12 000 ihrer besten Söhne hingegeben haben. Diese Liebe zum Vaterlande hat freilich nichts gemein mit dem nicht zu charakterisierenden Verhalten solcher Juden, die sich als „bessere Deutsche“ immer wieder in empfehlende Erinnerung bringen' zu müssen glauben. Man muß Vaterlandsliebe nicht dauernd betonen, und sie kann uns auch von niemand aus dem Herzen gerissen werden. Die Liebe zu unserem Judentum aber wird uns befähigen, nicht nur dem Glauben der Väter treu zu Am 26. Juni, abends 9 Uhr, Musikalische Hansvcranstattung bei Herrn Rechtsanwalt Dr. Hans Meyer, Rurfürstendamm 216, mit Yvonne Herr mann und ferris G mansch. Letzte Nachrichten Absolventen-Entlassung am Berliner Rabbincrsemlnar ln der Semmar:Svnagogc--dcs Berliner Rabbinerseinmars fand dieser Tage die feierliche „Überreichung des Rabbinerdiploms an die Herren Dr. Berkovifs, Dr. Kahan, *Y>n i g s h o e 1 e r und Dr. Schuck statt. .Im Namen der .Absolventen „dankte Dr. Berkovits den Dozenten'und führte dabei aus, Aufgabe eines Rabbiners sei es, Kontakt zu iLx Jugend zu finden und ihr helfend bei Seite zu stchtfiTam ihrer Suche nach Erkenntnis. r Der Wunderrabbi von Radom gestorben Warschau. Rabbi Eticser Awimciech Rokeach, der wunderrabbi von Radom, ist gestorben. Der Verstorbene war ein Mitglied der berühmten Rabbiner-U.vnastie von Kozenitz. eines Zweiges der grollen . chassidischen Zaddildm-Dynastie von Beiz. Wirtschaftliche Folgen Der Deutsehe (i I a s V e'r s i ch e r u n gs v e rban d macht darauf aufmerksam, welche wirtschaftlichen Folgen es "' habe, wenn in vereinzelten Fällen die Fensterscheiben grober Firine-i eiiigesehlagen würden.- Von zuständiger Stelle wird durch diesen Verband darauf hiiigcwicscn, daß beispielsweise bei Entwerfen von Fensterscheiben i iidisehcr Geschäfte nicht die Geschäftsinhaber geschädigt würden, sondern, dall durch solche Handlungen die deutschen Versicherungsgesellschaften einen Schaden erlitten und damit deutsches Volksvermögeu mutwillig vernichtet werde. Die innerzionistischen Streitigkeiten . Jerusalem. Die Exekutive des Weltverbaudes der Allgemeinen Zionisten hat beschlossen, für August 'eine Weltkonferenz der ihr angcschlossenen Landesverbände einzubdi&j fen. Die Konferenz soll sich mit der durch die Verschärfung der inncrzionistischen Parteikonflikte geschaffenen Lage belassen und entsprechende Maßnahmen treffen. Der Ort der ' Zusammenkunft soll noch bestimmt werden. Gemeinsam.eVeranstaltungen der JüdischetTjugendverbände Wie der Reicltsausscliuß der jüdischen Jugcndverbäitde mitteilt, bat sich die Notwendigkeit lierausgesteUt, der jüdischen Jugend in gemeinsamen Vortragsveranstaltungen Gelegenheit zu geben, sich über die Arbeit wichtiger Institutionen oder Persönlichkeiten zu informieren. Die erste dieser Vcraiistaltungeu wird am 23. Juni im Logenhaus Kleiststraße stattfinden. Professor Martin Bubcr spricht über die jüdische Situation und die Erwachsenenbildung. Montag, den 25. Juni abends pünktlich 8.15 Uhr in der Neugn Synagoge; Oranienburger Strafle Aus Anlaß der 30jährigen Tätigkeit Alexander Weinbatims bei der Jüdischen Gemeinde Deutsche Erstaufführung Ernest Bloch: AwoädSS HakÖdeSCh Ein Gottesdienst-Oratorium in 5 Teilen »für Chor, gro!k-> Orchester und Bariton-Solo Vorher Heinrich Schallt: Eine F r e i t a ga b en d-Liturgie A u s f ü It r c n d c : Der verstärkte. Weiiibaumsche a capelb-Cbor, das auf 63 Musiker verstärkte Orchester des „Kulturbundes deutscher Juden“, Hermann Scltcy , Oherkantor Hanns John. An der Orgel: .Ludwig Altma.nii. Leitung: Alexander W*e i n b a.u Karten zu 4. . 3.— , 2.—. 1. -• HM bei den Kastellanen der Synagogen Fasanen* stratte, PrinzregcntenslraUe.. i'dedeustempcl, LützowstraUc, Liiidcnitratte. Kalterstratle; Jüdische Gemeinde. Oranienburger* und RosentlraUe; ln den liuchhand* lungen SchiMber^r, Flemburgmlralta, Kudern, Dahlmannstiatte 8, Wollt, Prager PlaU -1. Künstlerliiüe. KantstraUe l6tf uni^ari der Abendkasse. 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