Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 50 (22.6.1934)
- Date
- 1934-06-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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14. Jahrgang Nummer 50 3fiöif(HUietale äeifung Beilage 22. Juni 1034t Die „3übifdj>libera!e Zeifung“ ijat f^djs Autoren bas Pijofo eines feif einem Vierfeljaijr im Beruf ffeljenben Tifdjlerleijrlings vorgelegf unb fic aufgeforberf, bem Thema, je nach Auffajfung, Temperament unb Caune, lyrifdjen Äusbruck zu verleihen. Hier bas Ergebnis biefes literarifdjen Experiments: George A. Goldschlag Sdjaffensluft . Tisch'erlehrling, starker, junger! Schaffenslust und Arbeitshunger Glätten flink das spröde Holz. Daß, wie jeder von uns glaubte, Sich auch unsere Faust behaupte — Darum sind wir auf Dich stolz! Jugendfrohes Selbstvertrauen' Soll uns nun den Hausrat bauen, Der uns dienlich ist und not: Für des Alltags Glück und Plagen Tisch und Stuhl und Schrank und Schrägen - Und ein Bett für Traum und Tod . . . Davin Schönberger-Aachen \7erwanblung Und auch an-dich erging des Rufes Leid: Verlasse deiner Kindheit Paradies, Wach auf aus Traum und Knabeneiteikeit, Aus deinem wohlbehüteten Verließ! Da^schrakst du auf. Da stürzte jäh dein Flug, Als ob er nimmer könnte sich erheben, Und alles, was die Seele heimlich trug, Was sie gehegt, erbebte bis ins Leben. Wie war das nur? ,Wie lange ist es her, Daß du, ein Knabe; trotzig, unbeschwert, Dich ganz dem Spiele gabst, nicht fragtest „wer“ Und „was“? Nicht schätzend Sinn und Wert! Und nun! — Bei Hammer, Hobel —ganz dem Werk geneigt, Den Blick von Schaffensgeist erfüllt, gespannt! Wer hat •dir diesen Weg so schnell gezeigt? Was hält dich so von innen her gebannt? Du kannst nicht stürzen, GOTTES Ebenbild. So du nur schaffst aus Wille, Geist und Mut. So du nur, ganz vom Schaffenstum erfüllt, Gleich IHM zum Werke sprichst: „Sieh an, mein Werk ist gut.“' Cläre Loewenstein Scnbung Du schaffst nunmehr mit harter Hand am Werke, Mein lieber Sohn, als Lehrling Tag um Tag, Begrubst mit Energie und Seelenstärke Dein Sehnen, das im Land des Geistes lag. Student und Doktor und Gelehrter blieben Ein Wunschtraum Dir, den nie das Schicksal reift,’ ■Drum hast Du Dich dem Handwerk stolz verschrieben, Dich nicht auf Unerreichbares versteift. Du bist so .wertvoll, Junge, wie nur einer, Die Leistung adelt jeglichen Beruf, Und sei die Arbeit gröber oder feiner: Ein Meister ist der Mensch, der Ganzes schuf. Als Tischler, willst Du Dir Dein Dasein zimmern Und wirst fortan auf starkem Boden leben, Die Schätze, die noch tief im Schreine schimmern, Sollst Du als Schreiner in der Zukunft heben. Wenn edles Holz Du formenschön gestaltet Zu Nutz und Zier in häuslichen Bezirken, Dann bist Du in die Sphäre eingeschaltet, In der Gelehrte, Künstler schöpfend wirken. Und wenn im Holz die Säge bohrt und kreist, ln Mark und Kern und Kerbe rauh rumort, Ist Dir nicht wohler als dem Mann von Geist, Dem dumpfe Grübelei im Schädel bohrt? Wenn Deine Hand das rohe Brett durchschneidef, Das sich geglättet und gehobelt senkt, Dann wirst von manchem Menschen Du beneidet, Der durch ein ungehobelt Wort gekränkt. Dein Holz ist frisch und wurmfaul nicht im Kern, Was wertlos ist, in Spänen niederfällt; Wie anders ist’s bei manchem eitlen Herrn, Der Späne noch in seinem Kopf behält. Du aber, Junge, ringe nach Vollendung Und finde in der Arbeit reinstes Glück! Sei eingedenk als Jude Deiner Sendung: Denn wie Du wirst, es fällt auf uns zurück! Zerbrach Dein Lebensplan, wie bei so vielen, Du zwingst die Zukunft Dir mit zähem Fleiß, Und strebst in neuer Art nach neuen Zielen, Aus altem Stamm ein junges, edles Reis. Benjamin Än ber Hobelbank Ich sollte Anwalt werden, wie so viele, — Es käm' dabei auf einen mehr nicht au Für Strafrechts-Sachen oder für zivile, Vielleicht auch Syndikus und Steuer-Mann. Ich sollte Medizin studier:), wie Vater, Er war Professor au der Charite, Arthur Silbergleit Cßtjrling unb TReifter Fragt mich nicht, was gestern war, Gestern, unvergessen! Schon im Lohn ein Vierteljahr, Glück, kaum zu ermessen! .Jede Arbeit heilig nennt- . Unsre Stammeslehre. Ich, noch gestern stolz Student, Folg’ des Lebens Lehre.’ _ Da die Schule Schicksal heißt, Die uns Gott verkündet, Daß sich Hand und Herz und Geist Zum Gebet verbündet: „Herr, wir tuen, was Du willst, - Bleibst Du uns Geleiter. Wenn der Schnee von Gipfeln schmilzt, Lächelt frühlingsheiter 'Uns Dein Sonnenangesicht, Jede Brunnensage Übertönt als Trostgedicht Noch so wilde Klage. Dienst in König Davids Zelt Taten unsre Väter. Am 27. Juni, nurhmittugs 3.'JO Uhr, findet auf dem Sportplatz der Jüdischen Gemeinde im Grunea-aid ein Kinderfest unter dem Motto „Sommertag im freien statt, das von der Künstlerhilfe und dem Wohlfahrtsamt der Berliner Jüdischen Gemeinde gemeipsam mit der Kinderbühne des Kulturbundes veranstaltet wird. — Wir haben deren Jeiterin, Lucy Gelber, gebe.en, einiges von den Vorbereitungen zu erzählen. Zunächst ist eine Frage zu beantworten: Ist in der augenblicklichen Situation eine derartige Veranstaltung berechtigt? Die Gemeinde und der Kulturbund wollen mit diesem Sommertag ohne rauschende Festlichkeiten allen jüdischen Kindern in dem auch für sie sehr ernsten Leben einen Jetzt praktiziert privat er als Psychiater, Drei Treppen (Fahrstuhl), in Berlin NW. Ich halte nicht nach Geistigem Verlangen, Ich wollte mit dem Kopf nicht durch die Wand, Es ist so vieles aus dem Leint gegangen, So nahm ich denn mein Schicksal in die TI a u tl. Wir können nicht um unsre Zukunft knobeln, Ich frage nicht nach der Vergangenheit, Ich griff zu Brettern, Hammer, Maß und Hobeln Und zinttnre mir mein Leben nach der Zeit. Unsern Dienst an Wolk und Welt Sah der ewige Äther. Meister, der das Weltall schuf! Lehrling ich des Lebens! Willig folg’ ich Deinem Ruf Immer neuen Strebens.“ Hilde Marx Lieb ber Arbeit Das Holz wird singend unter meinen Händen. Der Hobel läßt die hellen Späne fliegen. Ein starker Duft von Bäumen aller Enden. Wie schwerdie Bretter, fein geglättet, wiegen, wie schwer vom Saft noch der geliebten Erde; der Kräfte schuf, dem Himmel zuzustreben!- In meines Armes schwingende Gebärde cinging voll Schönheit erdenhaftes Leben. Fern sind-die dumpfen, eng gcsch|oss’ncn -Stunden, die noch vor kurzer Zeit den Tag mir füllten. Ein neues Wesen, hab’ ich heimgefunden zu neuen Liedern, die mein Sehnen stillten: Im Lied der Arbeit, das die Welt begeistert, im Lieddes Schaffens durch die Kraft der Hände— hab’ ich des trüben Sinnes Bild gemeistert. Lied neuen Lebens, schicksalhafler Wende! f,rohen Tag schaffen, in dem Kimlgemälles und Jüdische» harmonisch zum Ausdruck kommt. Gemeinsame Erlebnisse binden und helfen Standes- und Oesinnungsuntcrschiede zu überbrücken. Überdies soll der Reingewinn dieses: Tages restlos dem .Gemeindefonds zur"V e r sc h i ck u n g-, a r in e r Kinder aufs Land zufließen. ___ - Wie mm so ein Kinderfest entsteht, das ist gar nicht so einfach. Aber Freude macht es, besonders wenn das Fest — wie beim Sommerlag der Kinderbülme des Kulturbundes — von Kindern für Kinder veranstaltet wird. Also: was braucht man für ein Kinderfest?-^Einen großen, freien Platz, abseits im Freien gelegen, ohne schal!- empfindtiebe Nachbarschaft, viel Kuchen, Limonaden und Dei Tischlerleluling Drei Monate im Beruf phot. Kikoler. Lucy Gelber plaudert: Aus Aufsätzen entsteht" ein Kinderfest Wer spendet Luftballons und Schokolade? j- Goals als Wurfbuden — Jugendliche „Anreißer“ — Proben für den Sommertag im Freien“