Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 45 (5.6.1934)
- Date
- 1934-06-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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rti'er.KÄi-.-i Es wird gemeldet: In der dieser Tage in Berlin abgehaltenen Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums -wurde festgestellt, daß die Gesellschaft wahrend des Berichtsjahres 1933 116 Mitglieder verloren hat, während 55 neueingetreten sind. Die Mitgliederzahl betrug am ersten Januar d. J. 1325. Eine größere Anzahl von Publikationen, darunter der zweite Teil des ersten Bandes der Germania Judaica, ist in Vorbereitung. * Nach einer Mitteilung des Frankfurter Volksblattes hat der Reichsverband deutscher Makler für Immobilien, Hypotheken und Finanzierungen, dem Beispiel anderer Großstädte folgend, in Frankfurt a. M. eine Immobilienbörse eröffnet, an der nur die dem Reichsverband angeschlossenen;a rischen Makler Börsenaufträge ausführen können. Die unter Leitung von Professor Martin Buber stehende Mittelsteile für jüdische Erwachsenenbildung hat ihre Tätigkeit mit einer L e rn ze i t aufgenommen, die in diesen Tagen in der jüdischen Kinderheilstätte in Bad Kreuznach stattfand. Es waren dazu-etwa 50 Lehrer und Jugendführer erschienen. Es wurden behandelt: Bibel, Hebräisch, ältere und neuere jüdische Geschichte. Dazu kamen Vorträge mit jeweils. anschließender Aussprache. Der Klub der jüdischen Abgeordneten im polnischen Sejm hat für den 5. Juni eine außerodentliche Sitzung einberufen, in der, wie die Ita aus Warschau erfährt, die durch die in letzter Zeit verstärkte Welle antisemitischer Hetze und Ausschreitungen geschaffene Lage besprochen werden soll.' Wie die Fränkische Tageszeitung in Nürnberg aus Hersbruck berichtet, wurde dort auf dem Anwesen des von Hersbruck weggezogenen letzten Juden die Hakenkreuzfahne gehißt. * In Paris fand eine Feier zum Andenken an das Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung, Abbe Gregoire, statt, der im Jahre 1789 den Antrag auf Emanzipation der Juden gestellt hat. Nach einem Bescheid des Reichsministers des Innern wird ein uneheliches Kind, das einen Nachweis über seine -Abstammung väterlicherseits nicht führen kann, beiarischen Herkunft mütterlicherseits, oder wenn nicht die besonderen Umstände des Falles dagegensprechen, als arisch ah zusehen sein. * Bei einem Bombenanschlag auf ein jüdisches Eisenwarengeschäft in Mexiko wurden fünf Personen getötet und zahlreiche verletzt. Als Täter wurden drei Mitglieder einer kürzlich gegründeten Organisation verhaftet;' deren Ziel es ist, Juden, Syrier, Araber, Türken, Chinesen und andere Fremdstämmige aus Mexiko zu vertreiben. leitung des B.d.j.J. übernommen. Der jugendliche Redner verstand es bald, seine Begeisterung für die große Idee auf seine zahlreiche Zuhörerschaft zu übertragen. Ober das, was er ausführte, braucht hier nicht viel gesagt zu werden, da es jedem auf jüdisch-religiöser und deutsch-jüdischer Grundlage stehenden Juden bekannt ist. Alle waren wohl mit dem Redner darin einverstanden, daß unser Deutschtum in uns ist, und daß es uns daher nicht genommen werden kann. Die Jugend selbst erfreute zu Beginn und zum Abschluß des Abends mit einigen Fahrtenliedern, und man verließ den schönen Abend mit dem beglückenden Bewußtsein, daß unsere Jugend den Weg in die Zukunft richtig erkennt und mit zielbewußtem Willen verfolgt. Israel. Aus den Gemeinden (91Gocftic9 uovt 0]Lavt/H/fieiiH «Brief au cie „efüSiadv-tifvcafe Scituiig" ■ . . . . Mannheim. - Rabbiner Dr. Lemle, der nach Frankfurt Verpflichtete, war bei uns in. Mannheim vor allem Jugendrab-biner.! Und so bereitete ihm denn der Jüdische Jugendring Mannheims im großen Saal der Lamey-Lögeeinen Abschiedsabend, bei dem die Jugendbüude aller Richtungen, von der C.V.-Jugcnd und der Ludwig Tictz-Gruppe bis zum Habonim vertreten waren. Nachdem S. Katz namens des Jugendrings all die Erschienenen willkommen geheißen hatte, spra- . chen warme Worte des Abschieds für die verschiedenen Ver- . bände die Herren Franken borg, Alb. Fischei, Carlebach und Fräulein Salomon. Rezitationen jüdischer Lyrik, eindrucksvoll von -Ruth Heilbrunn und Ruth Ascher gesprochen, deutsche undhebräische Gesänge des Chors der C.V.-Jugend mit Jos. Levi am Flügel, verschönten den Abend, an dem die Ludwig Tietz-Gruppe eine wirksame Lagerszene und einen von S.. Rosenberger einstudierten Sprechchor bot. Rabbiner Dr. Lemle, dem eine Anzahl Andenken von der Jugend überreicht wurde, dankte in herzlichen Worten, wobei er betonte, daß er in diesem Jahr unter der Jugend nicht älter, sondern jünger geworden sei. „Für mich bedeutet dieses Jahr in Mannheim das Bild des erreichten Zieles, denn Ihr seid die Kommenden. Andere Gemeinden sollen-an dieses Ziel erst herangebracht werden. Habt Dank für Alles, was Ihr mir heute und im Laufe dieses Jahres gegeben habt.“ Als kleines Geschenk übergab Dr. Lemle dann der Jugend einen Fahrtenfond in Höhe von 400 Mark, damit künftig kein Jugendlicher mehr aus geldlichen Gründen an einer Fahrt nicht tcilnehmen könne. Wie er jenen, deren Ziel Erez Israel sei, die Erreichung dieses Zieles wünsche, so wünsche er der C.V.-Jugehd, die hier bleibe, sie möge auf ihrem schweren Wege stark und aufrecht bleiben. " Wenige Tage später verabschiedete sich Rabbiner Dr. Lemle im Rahmen eines Schowuaus-Lemens von der J ü d i s c h e n r e l igiös-I i b e r a-l en Vereinigung. Ihr Vorsitzender, Professor Dr. B i 11 i g h e i m e r, hob in seinen Abschiedsworten besonders hervor, daß Rabbiner Dr. Lemle ihm und der "Vereinigung vom Rabbiner zum Freunde geworden sei, von dem man sich nur schweren Herzens trenne. Aber ihm winke ein neuer, größerer Wirkungskreis, in den ihn die aufrichtigsten Wünsche begleiten. Als kleines äußeres Zeichen des Dankes übergebe er ihm das Buch seines Lehrers Leo Baeck, „Wege des Judentums“. Rabbiner Dr.- Lemle dankte! mit gleicher persönlicher Wärme ganz besonders Herrn Professor Billigheimer. Die liberale Vereinigung habe ihm immer nahe gestanden, so daß er statt eines Abschiedswortes „auf Wiedersehen“ sage. Es war ein Abend echt menschlichen Verbundenscins. ■ - K.S. Breslau. Unter der künstlerischen Leitung Dr. Kurt Singers und der musikalischen Führung von Generalmusikdirektor Josef Rosenstock fanden „Hoffmanns Erzählungen“ ein beifallsfreudiges Publikum. In der nächsten Zeit wird unter Förderung des „Kulturkreises’', Gemeinschaft der Freunde jüdischer Kultur, von dem hier schon berichtet -wurde, auf allen Gebieten des künstlerischen Lebens eine gestraffte und einheitliche.Organisierung des jüdischen Kunstlebens Breslaus einsetzen. Im Juni soll das erste Gastkonzert des KuIturbundorcMesters stattfinden, Vorträge bekannter Gekehrten werden folgen: vor allem soll der heimischen Kunst, wie z. B. dem jüdischem Musikverein Breslau, Gelegenheit geboten werden, mehr als bisher in Erscheinung zu treten. R. Ti. Forst (Lausitz). In der Synagoge fand ein Kulturabend mit Meinhart Maur und dem' Organisten Ludwig Altmann statt. Die Darbietungen beider Künstler standen auf hohem Niveau und gestalteten den Abend zur geistig hochstehenden Veranstaltung. -Worte des Dankes seitens des -Vorsitzenden der Gemeinde, Sanitätsrat Dr. Miodowski, und . reicher Beifall des Publikums belohnten die beiden Künstler j für ihre Leistungen. -L- Gleiwitz. In der Aula der Mittelschule fand ein Elternabend der jüdischen Schule statt. Die Idee der Veranstaltung ging von dem Leiter der jüdischen Schule und Synagogenchordirigenten Willy Fleischer aus, in dessen Händen auch die Zusammenstellung und Einstudierung des Programms lag. Nach, einem Prolog folgten Szenen mit Chor und-Orchester aus dem Oratorium „Saul“ von G. F. Händel, l Der Vorträg dieser Partien, bei denen die dramatische Wucht und tragische Erschütterung trefflich herausgearbeitet waren, wurde für die Zuhörer ein musikalischer Genuß. — Dann , kam. eine, von Gerta Lewin mit feiner Einfühlung in die Kinderseele verfaßte .Kinderrevue „Die Jahreszeiten“, die von 60 Kindern sprechend, singend und tanzend dargestellt wurde. , Der Vorstehern der Synagogengemeinde, Justizrat Kochmann, wies auf die enge Bindung des jüdischen Kindes an die Familie hin und auch auf die Verpflichtung der Eltern zu einer sittlichen, lebenstüchtigen Erziehung ihres Kindes. Rabbiner Dr. Ochs zog einen Vergleich zwischen der früheren und der gegenwärtig im Umbau befindlichen jüdischen Schule; sei die ehemalige jüdische Schule eine rein religiöse Angelegenheit gewesen und .Mittlerin eines Begriffsjudentums, so müsse man jetzt aus ihr eine Institution, schaffen, die alle Lebenssphären des Kindes erfasse und ihm ein totales und erlebtes Judentum nahebringe. Nach der Darstellung von zwei Szenen aus-„Die Makkabäer“ von Otto Ludwig, die von Schülern und Schülerinnen der Oberstufe vorgetragen wurden, fand der Abend in zwei Chören mit Soli und Orchester aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Haydn seinen Abschluß. Kassel. Das Ältesten-Kollegium beschloß mit Genehmigung der Vorgesetzten Behörden, als Gemeindesteuer für das Jahr 1934 wie im Vorjahre 25 Prozent der Einkommensteuer bzw. der Lohnsteuer zu erheben; als Provinzialsteuer gelangen außerdem 3 Prozent der Einkommen- oder Lohnsteuer zur Erhebung. — Der Jüdische Kulturbund beschloß seine Wintertätigkeit mit einem Vorfrag Dr. Kurt Singers über „Jüdische Musik und Jüdische Musiker“. Die Liedvorträge von Paula Lindberg, deren herrlicher Alt in den zur Illustration gebotenen Arien,. synagogalen Melodien und Volksliedern wirkungsvoll zur Geltung kam und spontanen Beifall auslöste, bildeten eine sehr angenehme und glückliche Bereicherung des Vortragsabends. — Dem Israelitischen Armenpflegeverein sind 'durch die von Dr. Blumenfeld angeregte Werbeaktion 350 neue Mitglieder zugeführt worden, die dem Verein eine Jahreseinnahme von 2500 Mark verschaffen, während der jährliche Bedarf auf 4000 Mark geschätzt wird. Bankier Plaut hob diesen Umstand bei der letzten Generalversammlung mit Worten des Dankes an Dr. Blumenfeld hervor. Die Werbeaktion soll fortgesetzt werden, um die noch nicht erfaßten Gemeindemitglieder für den Verein zu gewinnen. — Die Gemeinde-Ältesten beschlossen; zum 1. September die Preise für die Synagogenplätze herabzusetzen. Landsberg (Warthe). Durch den Landesverbandsvorsitzenden Grenzmark des Bundes Deutschjüdischer Jugend, Ludwig Rosenthal, Schneidemühl, fand unter Mitwirkung einiger Mitglieder der Ortsgruppe Landsberg (Warthe) in Lippenne in der etwa 180 Jahre alten-Synagoge eine Versammlung der Gemeinde Lippehne statt, in der eine Ortsgruppe des Bundes Deutsch-Jüdischer Jugend gegründet wurde. Umrahmt von Vorträgen, Gedichten und _Ansprachen, hielt der Landesverbandsvorsitzende Ludwig Rosehthal eine mit Begeisterung aufgenommene Rede. Er warnte, die Stellung der Juden äufzugeben, betonte die Verbundenheit mit dem deutschen Vaterlande und sprach über die Zukunftsarbeit. Die Schlußworte sprach Herr Schlapp, Lippelme, für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Die Ortsgruppe, die von Fräulein Weile, Lippehne, geleitet wird, besteht aus einer Abteilung der älteren und einer Abteilung der jüngeren Jugend. Bei einem am gleichen Tage erfolgten Besuche in Soldin konnten einige Förderer für die Deutsch- Jüdische Sache geworben werden. Marburg. Die hiesige israelitische Volksschule, die vor einem Jahre gleich 25 anderen jüdischen hessischen Volksschulen aufgelöst wurde, durfte mit Genehmigung des Unterrichtsministers zum Beginn des neuen Schuljahres wieder eröffnet und der seit einem Jahre beurlaubte Lehrer S. Pfifferling in sein Amt neu eingeführt werden. Wuppertal-Elberfeld. Die deutsch -jüdische Jugend hatte gemeinschaftlich mit der Ortsgruppe des C.V. zu einem besonderen Abend eingeladen. Galt es doch, allen jüdischen Kreisen Wuppertals zum Bewußtsein zu bringen, daß sich in unserer Stadt Jugend zusammengefunden hat, die bewußt einen anderen Weg zu gehen entschlossen ist als den Weg nach Palästina. Die Vorbereitungen zum Zusammenschluß dieser Jugend gehen zurück bis in den Sommer vorigen. Jahres. Stärkster Förderer dieses Zusammenschlusses war Herr Dr. Julius Loeb, der sich mit seiner Gattin denjenigen jungen Menschen zur Verfügung stellte, die nicht von ■ der Psychose erfaßt waren, daß es für junge jüdische Menschen in Deutschland keinen Weg mehr in die Zukunft gebe. Es gelang dieser Jugend, in Emst Faßbender einen Führer zu finden, der all seine freie Zeit und all seinen jugendlichen Idealismus einsetzte, um die deutsch gerichtete Lebensstil Der „Angriff“ beschäftigt sich unter der Überschrift „Was dürfen Juden sich erlauben? — Judenpsychologie 1934“ in einem Leitartikel seines Hauptschriftleiters Schwarz van Berk mit dem Auftreten der Juden im neuen Deutschland und meint, der Jude sei in Deutschland wieder kühner geworden, seit er glaubte, daß die Nichtbeschäftigung mit ihm Gleichgültigkeit hieße. Er kommt dann auch auf das Auftreten von Juden in öffentlichen Lokalen zu sprechen und schreibt über den Besuch der Theater und Konzertsäle folgendes: „In den Konzertsälen, in dem Theater finden wir ihn (den Juden) mit besonderer Aufdringlichkeit wieder, es sei ein Beispiel für viele genannt. Bei einer Opemaufführung wirkt ein jüdischer Künstler mit, der sein Recht auf Betätigung behielt. Das Publikum kargt nicht mit Beifall: Eine Gruppe von' Juden, die in unseren Reihen sitzt, ereifert sich kaum, als aber der eine jüdische Künstler sich verbeugt, da springt die jüdische Gruppe von den Sitzen hoch und veranstaltet eine wilde Claque, schreit Bravo und läßt einen Begeisterungssturm losgehen, wie ihn das ganze Haus den ganzen Abend noch nicht erlebt hat. Die Leistung des jüdischen Künstlers war lobenswert.. Aber sie stand in keinem Verhältnis zu diesem Aufwand jüdischer Demonstrationskunst.“ Der Artikel schließt: „Das ist eine erste psychologische Betrachtung der neuen jüdischen Haltung in Deutschland. ■Vielleicht ist es einem Ausländer schwer, dies alles so zu sehen und zu empfinden wie wir. Aber es ist so, daß es für uns unerträglich ist, und daß wir uns mit den Juden in Deutschland auf unsere Weise auseinandersetzen müssen. Wir sind überzeugt, daß sich diese1 Auseinandersetzung ohne jede Gewalttätigkeit abspielen wird. Denn wir wissen, daß der Jude nur auf Selbstbewußtsein und Standfestigkeit zii stoßen braucht, um wieder bescheidener und stiller zu werden. Seine rechtliche Lage ist geklärt, aber sein Lebensstil ist noch ungeklärt. Er muß endgültig mit seinem Verhalten von früher brechen, d. h. er muß die deutsche Öffentlichkeit den Deutschen überjassen. Er soll kein Ärgernis geben. Wir sind davon überzeugt, daß die Juden wissen, was wir damit meinen. Wir werden uns weiter darüber unterhalten.“ * , Glücklicherweise weiß die Mehrzahl tler Juden, was der „Angriff“ damit meint, und wir haben von uns aus immer - wieder darauf hingewiesen, wie sehr eine Zurückhaltung der Juden beim Auftreten in der Öffentlichkeit geboten ist. Wenn es immer noch Juden gibt, die diese Mahnungen nicht verstanden haben, so ist es höchste Zeit, daß sie ■sich endlich auf ihre Pflicht der jüdischen Gesamtheit gegenüber besinnen. eifriger Arbeit ist es in wenigen Monaten bis heute schon dahin gekommen, daß in dieser Ortsgruppe über 70 junge Menschen in fünf Gruppen zusammengeschlossen sind, die regelmäßig an mehreren Nachmittagen und Abenden der Woche ihr „Heim“ haben, wo sie lernen und arbeiten für das große Ziel „deutsche Juden in Deutschland“. Die Ortsgruppe Wuppertal im B.d.j.J. trat nun zum erstenmal an die Öffentlichkeit. Das Referat des Abends, „Deutsch-jüdische Jugend, unser Wille, unser Weg, unsere Zukunft“, hatte Norbert Wo 11 hei m von der Bundes- Frankfurter Zeitung in neuem Besitz Wie der Verlag der „Frankfurter Zeitung“' mitteilt, ist der Verlag in das Eigentum des langjährigen Inhabers der Minderheit der Anteile übergegangen. Die Mitglieder der Gründerfamilie, Frau Therese Simon-Sonnemann, Dr. Heinrich.Simon und Dr. Kurt Simon scheiden damit aus Besitz und Leitung des Unternehmens aus. Die Schriftleitung des Blattes fügt dieser Mitteilung eine Erklärung an, in der er heißt: „Während dreier Generationen war die Frankfurter Zeitung der Besitz und'der Stolz, der Familie ihres Gründers. Als wir' vor drei Jahren die Feier des 75jährigen Geburtstages unserer Zeitung begingen, war dies zugleich der Ehrentag einer Familie. Die Tochter des Gründers, Frau Therese Simon-Sonnemann, gehörte, wie ihr Sohn Kurt dem Aufsichtsrat an und nahm stets .regsten Anteil... Die wirtschaftliche Krise der letzten Jahre, die sich auch bei unserem Unternehmen fühlbar machen mußte, verlangte Opfer. Die Gründerfamilie brachte sie zunächs allein, später durch die Hilfe bewährter Partner-Freunde. Diese übernehmen heute den Verlag. Es wird sodann der .verlegerischen und journalistischen Verdienste des bisherigen Verlegers Dr. Heinrich Simon, des Enkels von Leopold Sonne- - mann, gedacht. Am Schluß heißt es: „Es ist der Kern des Vermächtnisses, das Sonnemann der Zeitung hinterließ: geistige Gemeinschaft und redaktionelle Unabhängigkeit gegen jeden egoistischen Einfluß. Heinrich Simon hat dieses Vermächtnis getreulich verwaltet, es bleibt uns auch künftig gesichert“. Die jüdischen „Alten Herren" Stuttgart. Der Führer der Tübinger Studentenschaft gibt nach einer Mitteilung des „NS-Kurier“, Stuttgart“ bekannt, daß auf Befehl des Kreisführers VI. der Deutschen Studentenschaft Südwestdeutschland mit sofortiger Wirkung die Auflösung des Corps Suevia in Tübingen an-: geordnet worden sei. Auf Anfrage wird'vom Corps Suevia erklärt, daß sich das Corps bereits vor vierzehn Tagen selbst aufgelöst habe, und zwar sowohl aus Mangel an Mitgliedern, wie auch wegen der an das Corps ergangenen Aufforderung, die jüdischen „Alten Herren“ auszuschl ießen. Nach einer vom „Landespressedienst“ verbreiteten Mitteilung hat der. Führer der Heidelberger Studentenschaft das Co fps „V a n d a I i a“ (Heidelberg) aus der hündischen Kammer der Studentenschaft ausgeschlossen und allen Mitgliedern der Heidelberger Studentenschaft die Zugehörigkeit zu diesem Corps verboten, weil sich das Corps geweigert habe-, „jüdische und jüdisch versippte Alte Herren auszuschließen“. Auch der Cösener S. C. und der Allgemeine Deutsche Waffenring hätten das Corps ausgeschlossen. ..Nach geziemender Ausräucherung“ Das „8 Uhr-Blatt“, Nürnberg, schreibt: „In Sulzbach- Rosenberg steht eine Synagoge, die jahraus, jahrein leersteht. Denn in dieser Stadt gibt es nur eine einzige jüdische Familie. Diese einzige Familie hat also ihre eigene Synagoge. Fehlt gerade noch, daß für diese zwei oder drei Judenkinder auch ein eigenes Schulhaus dasteht. Nun brauchen die Sulzbach-Rosenberger schon lange einen Bau für ein Heimatmuseum, also für eine Angelegenheit, die Tausende angeht und nicht eine einzige Familie, die noch dazu nicht deutscher Abstammung ist. Wir meinen, daß sich die Synagoge-— nach geziemender Ausräucherung und Reinigung — als Heimatmuseum recht gut eignen würde. Also nicht: so zaghaft, ihr Sulzbach-Rosenberger, euer Heimatmuseum ist wichtiger als eine leerstehende Synagoge.“