Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1934-01-26 · 8 (26.1.1934) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
14 (1934)
Issue
8 (26.1.1934)
Date
1934-01-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2613366-2613519-2613525--4700-2616422
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Jenseits der Grenze Keine Möglichkeit für Massenkolonisation in Australien Die australische Bundesregierung veröffentlicht in Beantwortung eines von dem bekannten jiddischen Dichter und Sekretär des jiddischen PEN-Klubs Meiech Rawitsch in Brisbane gemachten Vorschlags, betreffend, die Erleichterung jüdischer Einwanderung nach Australien, eine, Erklärung über die Grundsätze ihrer Einwanderungspolitik. Rawitsch, der sich itn Zusammenhang mit einer Aktion zugunsten des jiddischen Schulwerks in Polen gegenwärtig in Australien aufhält, hatte angeregt, es möge die Ansiedlung von 30 000 jüdischen Emigranten aus Deutschland in dem bisher wegen der dort herrschenden klimatischen Verhältnisse nur ganz dünn und von Europäern fast gar nicht besiedelten Nordterritorium Australiens gestattet werden. ■ ln der nunmehr veröffentlichten Regierungserklärung wird betont, dali die australische Bundesregierung nicht beabsichtige, die bestehenden Einwanderuhgsbestimmungen zu ändern, und daß sie, abgesehen von anderen Erwägungen, nichts unternehmen wolle, was die Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland stören könnte. Einer Maßnahme der Bundesregierung, durch die Masseneinwanderung von. Ausländern nach Australien ermöglicht werden könnte, stehe auch das 'Problem der im Lande herrschenden Arbeitslosigkeit entgegen. Juden sind keine Rasse, sondern eine Menschengruppe, die durch bestimmte Tradition und. Religion verbunden ist, jedoch geographisch verstreut lebt. Naturwissenschaftlich, als lebende Wesen betrachtet, gehören sie zu der Rasse der Weißen, genau so wie die Amerikaner, Deutschen, Engländer, Frau-' zosen usw. Sie weisen manchmal gewisse charakteristische, körperliche Merkmale auf, — sehr oft jedoch auch nicht. Vielfach sind die Unterschiede nur durch die Umgebung und örtliche Sitte gegeben. Man sieht das deutlich in den Ländern, in denen sie sich' vollständig assimiliert haben, wie in Amerika, in England, in Frankreich und in Italien, wo sie in den gegebenen Gesellschaftsschichten 'nicht mehr zu unter-' scheiden sind. Seit Jahren habe ich Versuche mit Blut von Juden, „Nordikern“, „Alpinem“, „Baltikern“, “Eskimos", Kalmuken und Zigeunern angestellt (im ganzen 3000 Präzipitationen) und ich habe gefunden, das die Juden, Zigeuner, „Nordiker“ usw. keine deutlichen Unterschiede gegeneinander ■aufweisen, dagegen waren ganz ausgesprochen die Unterschiede zwischen Eskimo- und Europäerblut, und deutliche Verwandschaftsreaktionen ergaben die Vergleiche mit Kalmüken- und Eskimoblut, was ja auch den allgemeinen anerkannten körperlichen Merkmalen — Mongolen-Merkmaleu — entspricht. In Europa, das seit 10 000 Jahren von „Mischlingen“ bewohnt wird, ist die Kultur ein Produkt vieler, gemeinsam wirkender Elemente. Peru als Einwanderungsland In letzter Zeit haben sich gewisse Möglichkeiten für die Einwanderung von Juden nach Peru, hauptsächlich auf Grund landwirtschaftlicher Kolonisation im Landesinnern, ergeben, Die Juden von Lima haben Verhandlungen mit der HJCEM- Zentrale in Paris betreffend Gründung einer HJCEAl-Zweigstelle in Lima aufgenommen. Rüdegang der jüdischen Kriminalität um 50 Prozent Wie aus dem soeben veröffentlichten Bericht des jüdischen Verbandes für soziale Hilfe hervorgeht, ist die jüdische Kriminalität in New York im Verlauf der letzten zehn Jahre um 50»/o gesunken. Während 1921 Juden unter der Gesamtzahl der Kriminellen noch mit H°/o vertreten waren, macht dieser Prozentsatz für 1933 nur noch 7,1 aus. Während 1921 331 jüdische Verbrecher von New Yorker Gerichten abgeurteilt wurden, war ihre Zahl im Jahre 1930 bloß 197. Der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung New Yorks beträgt bekanntlich etwa 30«u. Stipendien für deutsche jüdische Gelehrte in Amerika Im Jewish Theological Seminarv zu New York fand eine dreitägige Konferenz der Academv fbr Jewish Social Research statt, auf der die Mitglieder der Akademie über die Ergebnisse ihrer Forschungen berichteten. Auf Vorschlag von Professor Salomon Baron, der an der Columbia Universitv den Lehrstuhl für hebräische Literatur innehat, wurde beschlossen, die nötigen Mittel zur Stiftung von sieben Stipendien zu je 2500 Dollar aufzubringen, mit deren Hilfe die Forschungsarbeit deutsch-jüdischer Gelehrter in Amerika ermöglicht werden soll. Belgrad. (Der Gründer des E t h n-o g r a n h i ..hen Museums in Zagreb gestorben.) sia Berger, Gründer eines der wertvollsten und bekannteste! ethnographischen Museen in Mitteleuropa, des Museums i Zagreb, ist in Zagreb im Alter von 75 Jahren gestorben. Er war. bis zu seinem Tode Direktor des ethnographischer Museums, ln der Tschechoslowakei geboren, kam er in jungei Jahren nach Kroatien. -Mit großein Eifer sammelte er nationale . Trachten und Produkte der bäuerlichen Hausindustrie. l)iese •'. Werte und der Menge mach ungeheure Sammlung schenkte em kroatischen ethnographischen Museum.' Er schrieb cre Bücher über nationale Trachten lind Handarbeiten. Rom. (Jüdischer General der italienischen ice gestorben.) In der Stadt Acijni ist der jüdische ral der italienischen Armee Mario Jona gestorben. An Begräbnis des Generals, der Inhaber des Ritterkreuzes lies Ehrenkompagn kommandos U Rablb'"'" Prc .nszeicliimngen war, nahmen eine Offiziersabordnung des Corpser Militärmul Zivilbehörden die Warschau. (Z w ei neue j ü d i sch e Ta gesz eituu^. Krise, die das 'jüdische p'ressmvcscn^ in' Polen"seit"'längerer Zeit diirchzuiiiachen hat. haben mit Jahresbeginn zwei neue jiddische Tageszeitungen in Polen zu erscheinen begonnen.!n"Brest-Ulo\vskrll"°rK'" 1 ,U 1,1,1 1'•r » °tslr Die weltbekannte Marke glattrasiert. Ei gelegentlich eil erzählt, neulich bärtigen Juden, hatte seinen sei und was ’ das 'zwei Ägypter zwar vol lebräisch heißen? igaro. De? geht dem groll gewoi Und da daß ilmi erzählt, kommen nur Männer mit Bart vor. ite Buch Mose betrifft, so gingen die alten llig haar- und bartlos, aber Rasierklingen nicht . . . wie mag dies seltene Wort auf Unser Rabbiner fragte den ihn bedienenden Hoffnung, Verkünder des so gesuchten Wortes zu sein.- Udo richtig: nachdenklich, fast ratlos strich er mit den Fiugcfu durch seinfc Patriarchenzier, sah den Rabbiner aus Deutschland treuherzig an und meinte: „Rasierklingen? — da sagen Sie einfach Rotbart!“- Leopold Nathansohn. Fortdauer der Studentenrevolte ’ in Ungarn Die Debrecziner Hochschüler hatten in einem Streikaufruf erklärt, sich solange nicht inskribieren zu lassen, als sie nicht genügende Bürgschaften für die Erfüllung ihrer Forderungen erhalten haben. Eine ähnliche Parole wurde in Pecs (Fünfkirchen) und an den anderen Provinz-Universitäten ausgegeben. Daraufhin wurden in Debreczin und in Pecs die Dreißigerausschüsse der Studenten aufgelöst.. Ähnliche Maßnahmen sind auch an den anderen Provinz-Universitätenzu Die Studenten in Debreczin. verbreiteten eine Flugschrift, wonach sie das Auflösungsdekret des Rektors nicht zur Kenntnis nehmen und folgende Forderung stellen:. Lösung y Das ^Qualitäts- Zeichen l der Judenfragc durch die Regierung, Verhinderung der Stellenhäufung, Neuaufteilung aller Stellen, zeitgemäße Bodenreform und Vertretung der Jugend im Oberhaus. Weiter verlangen die Studenten strengste Anwendung des Numerus clausus an der Universität, an der Juden künftighin keine Position innehaben sollen. Bei Beginn der Inskribierungen drängten die Studenten die Inskribierenden aus den Sälen, woraufhin Legitimationszwang ’ eingeführt und Polizei zur Überwachung Jüdisch-soziale Hilfsarbeit in Frankreich Die ostjüdischen Gemeinden Frankreichs hielten in Paris eine Delegiertenkonferenz ab, in der beschlossen wurde, einen Appell an alle 'in Frankreich lebenden Ostjuden zur Aufbringung von mindestens einer Million Francs für Hilfe an die deutschen Juden zu richten. Baron Robert de Rothschild unterstützte als Gastredner diesen Appell und teilte mit, daß' die französischen Juden bis heute neun Millionen Francs für Hilfe an die deutsch-jüdischen Emigranten aufgebracht haben. Er tadelte mit scharfen Worten jene reichen Emigranten, die sich ihren notleidenden Brüdern gegenüber gleichgültig verhalten, fügte aber hinzu, er könne mit Genugtuung mitteilen, daß sich bereits eine Gruppe bemittelter deutscher Juden gebildet hat, die sich die Unterstützung armer Landsleute zum Ziel gesetzt hat. Nach Rothschild sprachen der Präsident der russisch-jüdischen Gemeinde von Paris, Baron Alfred Guntzbourg, J. Jeffroyhin u. a. m. . Der Anthropologe Suk über Rassenprobleme Dr. med. et phil. V. Sah, Professor der Anthropologie und Völkerkunde an der Masarvk-Universität, veröffentlicht eine Schrift „Rassen und Völker“, in der. er zu dem Schluß kommt, daß es reine Rassen gar nicht gibt und nicht geben kann. Man stelle, schreibt der Gelehrte, nebeneinander eine Photographie eines nordafrikanischen, schwarzhaarigen, schwarzäugigen jüdischen Spenglers und eine Photographie eines rothaarigen, blauäugigen jüdischen Schmiedes aus Karpathorußland, dann ein paar Photographien einiger jüdischer, -italienischer und französischer Senatoren — dunkel, viv und elegant — und noch einige Photographien jüdischer britischer Minister, Baronets und Lord Mayors — hell, steif und well dressed —.. Man wird mir dann recht geben, „jüdisch“ ist nur ein Wort, allein sicher keine Rasse. Wir Europäer sind eine Völkerwanderungsmischung von undenklichen Zeiten,— seit 1Ö000, 20 000, 30 000 Jahren? Wer will so vermessen sein, dies zu ergründen! Es gilt: Kulturfortschritt, nicht Menschenzucht! „Arier“ ist eine sprachkundliche Bezeichnung: £teigttiäAe der Woche Erste Sitzung des Beirats der „Reichsvertretung“ Wie das Pressedpzernat der ..Reichsvertretung der deutschen. Juden“ mitteilt, ist der Beirat der Reidisvertretung auf Sonntag, 11. Februar, zu seiner ersten Sitzung einberufen worden. Neuer Gemeinderabbiner in Frankfurt a. M: Rabbiner Dr. Lemle. bisher Mannheim Aus Mannheim wird uns geschrieben: Nun ist es doch Tatsache geworden, daß die Israelitische Gemeinde Frankfurt a. M. Mannheims jüngsten Rabbiner Dr. Lemle nach dort verpflichtet hat. Rabbiner Dr. Heinrich Lemle kam als liberaler Rabbiner am 1. April 1933 an die hiesige Gemeinde,, wo der damals erst im 24. Lebensjahre Stehende stets durch das geistige Niveau seiner temperamentvollen Predigten zu fesseln w’ußte. Seinem Kontakt mit der Jugend und seiner hingebenden Jugendarbeit war es zu danken, daß sich im hiesigen Jugendring die gesamte jüdische Jugend zu gemeinsamer Arbeit zusammenfand. Wenn nun Rabbiner Dr. Lemle nach nur einjährigem hiesigen Wirken Mannheim im April verläßt, um dem ehrenvollen Frankfurter Ruf zu folgen, so darf er sicher sein, daß die herzlichsten Wünsche der jungen wie der älteren Gemeindemitglieder ihn in seinen neuen, Wirkungskreis begleiten. Eine jüdisch-liberale Volksschullehrer-Bildungsanstalt Wie die Presse-Abteilung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden mitieilt, hat der Landesverband nach eingehender Aussprache über die gesamten Fragen der Lehrerbildung die Errichtung einer jüdischen Volksschul- Lehrerbildungsanstalt liberaler Richtung in Berlin zum 1. April 1934 beschlossen. Er hat ferner beschlossen, eine gleiche Anstalt konservativer Richtung in Preußen zil ' begründen, falls sich diese Neugriindung neben der Würzburger Lehrerbildungsanstalt als notwendig erweisen sollte. Reicfisjustizkommissar Dr. Frank Aber den jüdischen Einfluß auf das Rechtsleben Wie die N.S. K. berichtet, hat. Reichsjustizkoiiiniissar Dr. trank in einer ausführlichen Denkschrift zur Notlage der deutschen Anwaltschaft Stellung genommen und im Rahmen eines von ihm entworfenen Notprogramins eine Reihe von Maßnahmen, wie Einschränkung der Schiedsgerichtsbarkeit- und Einführung eines Numerus clausus für Referendare, gefordert. In der'Denkschrift wird ferner darauf liingewiesen, daß die Kluft zwischen Rechtspflege und Volk dadurch verbreitert worden sei, daß die deutsche Rechtswissenschaft'zum Selbstzweck und in steigendem Maße überfremdet wurde; besonders der Jude habe sich ihrer bemächtigt mid die Eigenarten seiner Rasse in ihr verankert. Jüdische Badegäste in Heringsdorf unerwünscht ln einem Bericht des „Swniemnnder Greif!' über eine Veranstaltung der nationalsozialistischen Ortsgruppe Neuhof- Heringsdorf heißt es: „In der Diskussion, wurde die Frage angeschnitten, ol> Heringsdorf noch jüdische Badegaste aufzunelimen gedenkt. Pg. Bauer erklärte hierzu, daß derjenige ausgeschlossen werde aus der Volksgemeinschaft, der Juden anfniuunt. Hcringsdorf wird dieses Jahr ohne Juden sein. Die Fresse wird dies durch -werden in diesem schonen Fleckchen Erde die Erholung finden, die sie suchen. Der Gcmeindevorstand wird ebenfalls alles daransetzeu, Heringsdorf zu einem deutschen Bade Ithcatex, Haßaxettf Hino 9..W^HEATe^s 9" IJIIlltiffllUBBHI ÄRiflGndocS D rutrUnnniioui ELOW konferiert ein tolles Januar-Programm! Das müssen Sie gesehen haben 1 Eintritt M. 1,-, kleine Preise EDEN-HOTEL 1 Der große Erfolg Du ahnstkes nicht - - -! mit Hijde Hildebrand KS Hausfrauen-nacnmitiage Kanne Kaffee und Kuchen M. 1,- Eintritt frei aiSÄÄr, Razzia in Paris SONNINDRUCKBREI Bln.-Charl. 4, Welmarerstr. 18, C 1-Steinpatz 1128 Ehemaliger Rechtsanwalt übernimmt u-a. laufend Rechts¬ und Wirtschaftsberatung gegen, mäßiges Pauschalentgelt Dr. jur. Walter Brock. Berlin SW 19 A 7 Dönhoff 9298 Kommandantenstr. 17 Nichtarierin alleinst., 16j. Tätigkeit i- Sjiarkass.-Stadbank, sucht passend. Stellung. Eiloff. u.E428a.d. Jüd.-lib. Ztg., Berl.-CHail. 4; ChinotieiDuri.Droysenstr.ii Vierzimmerwohnung, Zweizimmerwohnung, Ofenheizung, Warmwasser, preiswert l.'4. 34. Steinilz J 7, 4671. _IfT] Elegante Zimmer m. jedem I Komfort billigst. Dauer- I aufenthalt Sonderarrangem. | U nterrldit Junger Rabbiner liehen hebratschen Einzelunterricht, auch Konfirmations-Vorbereitung. Anfragen erbeten unter L 428 an die_„Jüdisch-Iiberale Zeitung“, Bcrlin-Chartottenburg 4. Begl.all.Art.CIlbij.', Honorar mMIg

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.