Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 8 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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HuCtur&piegeC Künfflerifdje Veran[falfungen in Frankfurt a. RI. Nach Musik, Rezitation und Schauspiel erhielt jetzt auch der Tanz den ihm zukommenden Kaum innerhalb der Gcsamtarbcit der „Gesellschaft für jüdische Volksbildung“. Eine Reihe jüdischer Tänzerinnen konnte sich an einem eigenen Abend der Öffentlichkeit vorstellen. Das geschickt aufgebaute Programm entrollte ein abwechslungsreiches, farbiges Bild älteren und neueren Kunst- und Bühnentanzes. Es ist nicht nötig, die einzelnen. Leistungen gegeneinander abzuwägen und zu werten. Es genügt die Feststellung, dal! ein gutes Mittelmal) nirgends unterschritten wurde, hingegen einige der jungen Künstlerinnen durch ganz besondere Begabung aufficlen. In den Erfolg des Abends teilten sich die Garnen Aenne Grünwald, Trude Auerbach, Trude Strauß, Fini Maier-Gradcl, Ruth Lew (Stuttgart), Erna Hcssckiel und Nänny Conlcv. Um die Begleitung am Flügel machten sich Helene Lorsch-Morgenstern, Ilse Morgenstern und Max Firnberg verdient. IJen Bedürfnissen des musikalischen Publikums wurde durch zwei hervorragende Meisterkonzerte im „Neuen Theater“ Rechnung getragen. Leonid Kreutzer bestätigte durch die Interpretation romantischer Klaviermusik aufs neue seinen Ruf als. Pianist grollten Formats. Er fand die ihm gebührende begeisterte Aufnahme. — Ein Trio-Abend vereinigte drei Künstler von Rang: den Geiger Stefan Freutet, den Cellisten Fwrl Sicgmann und den Pianisten Hans Wilhelm Steinberg. Trotz kurzer Probemöglichkeit erreichte diese junge Trio-Gemeinschaft eine Geschlossenheit und Oisziplm des Züsammenspiels, wie sie selbst längst anerkannten Ensembles nicht immer zu Gebote stehen. Gas' „Geistertrio“ von Beethoven erhielt zwar noch nicht die letzte klangliche und geistige Fülle, (die schlechte Akustik des Raumes wurde gerade hier stark fühlbar). Mit ungemeiner Lebendigkeit wurde dagegen das Mendelssohn-Trio in d-inoll bewältigt, das als Werk in ' solcher Darstellung wie eine neue Offenbarung wirkte. Die Erstaufführung einer „Serenade“ von Alexander Tansman. feinem jüngeren Komponisten polnisch-jüdischer Herkunft, erweckte besonderes Interesse. Stilistisch verbindet dieses dreisätzige'Stück, etwa nach dem Vorbilde Prökofieffs, Elemente des westlichen Impressionismus mjt russischen Einflüssen. Die Jnentlich rythmiSch mit allem Raffinement gearbeiteten ßensätze fesseln stärker als die getragene „Canzone“, bei Icher ein gewisser Leerlauf nicht zu verkennen ist. Die drei Künstler erspielten dem schwierigen, anspruchsvollen Werke durch'die hinreißende Wiedergabe einen vollen Erfolg. Als ein besonderes Ereignis darf das Gastspiel des Berliner „Kulturbundes Deutscher Juden“ gewertet werden. Neben. „Nathan der Weise“, der bereits bei früherer Gelegenheit geboten wurde, sah man jetzt auch den „Othello“. Gegen die Wahl gerade dieses Stückes sind sicherlich von verschiedenen Gesichtspunkten aus begründete Eimvände vorzubringen. Aber das Gewicht der schauspielerischen Einzelleistung vermochte alle Bedenken zu zerstreuen. Dali Kurt Katsch als großgestaltender, überragender Othello in der Stadt seines ehemaligen Wirkens bedeutende Ehrungen erfahren würde, war vorauszusehen. Neben ihm konnten sich Fritz Wisten als wendiger Jago und Lcö Huth als sympathischer, jugendfrischer Cassio behaupten. Ruth Reimer wußte als Desdemona durch schlichte Anmut 'des Spiels und der Erscheinung in Bann zu ließen, wenn auch ihr Können noch-.nicht voll entfaltet erscheint. Als ansprechende Vertreter kleinerer Rollen seien Lilly Kann (Emilia) und Ben Spanier (Brabantio) genannt, die beide' vor Jahren am hiesigen Schauspielhaus tätig waren. Die mit einfachsten Mitteln geschaffene Inszenierung bewährte sich gut. Aus dem reichen Beifall des ausverkauften Hauses klang der Wunsch nach Wiederholung derartiger Theatervcranstaltungcn. — ch. Zweites 6afffpiel bes Berliner Kulfurbunbes in Breslau -Vor wiederum ausverkauftem Haus ging Shakespeares „Othello“ über die Breslauer Bühne. Die anfängliche Befangenheit des gastierenden Ensembles durch den immer noch ungewohnten Rauin schwand bald, und die dadurch entstandene Nervosität machte auch im Zuschauerraum einer gesteigerten Aufnahmcbcreitwilligkeit und Spannung Platz. Das Urbild der Eifersucht, der grolle Othello,-wurde wiederum von Kurt Kafsch, der aus dem. weisen „Nathan“ nun in die Rolle des kriegslustigen Mohren und schrecklichen Liebhabers hinübergcwechselt war, init der ihm eigenen sich selbst zu großen tragischen Momenten steigernden Ekstase meisterhaft verkörpert.. Ausgezeichnet war auch der Jago (Fritz Wisten). Sein teuflisches Spiel entbehrte nicht einer gewissen humoristischen Verschmitztheit und' milderte so den Schreckciishelden, als den ihn Shakespeares Kunst darstellt. Im Laufe des Spiels gewann er immer mehr an Wärme und Wahrhaftigkeit. Allen anderen Mitwirkcnden, besonders auch der sanften Desdemona (Ruth Reimer), ein gemeinsames dankbares Lob. Sehr originell die Bühnenbilder, die, wie ihr Gestalter HL Auerbach sagt, der Phantasie des Zuschauers freien Lauf lassen,sollen und so ja den ursprünglichen Shakcspeareschen Bühnenbildern sehr nahe kommen. Man merkt immer mehr, wie allmählich die Schauspieler des Kulturbundes an innerer Geschlossenheit gewinnen und ihr Zusammenspiel an Harmonie bald nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Die für Februar angesetzte Aufführung des „Figaro“ in Breslau wird ja in ein ganz anderes Land der Musen führen und. die zahlreichen Musikfreunde Breslaus werden sich freuen, unsere Berliner Künstler wieder hier begrüßen zu können. Eine Frage sei gestattet. Wird der Berliner Kulturbund auch in nächster Zeit ein modenies Drama bringen? Ruih Tichauer. Die Reihe der Zeiten Vertrag van Rabbiner Dr. Leo Bacck ausgehenden Antike; er zeigte, wie diese Epoche, der unsrigen . außerordentlich verwandt, von den gleichen Gegensätzen beherrscht ist, die auch dem weltanschaulichen Leben unserer Zeit das Gepräge geben. Nach eingehender Entwicklung dieser höchst lehrreichen Parallele warf Baeck schließlich die Frage auf: folgen denn wirklich in diesem Sinne Epochen, Zeiten aufeinander? Bleibt nicht der Mensch im Wandel der Tage derselbe? — Er fand die Antwort: Dennoch, es gibt eine Reihenfolge der Zeiten! Hinter allem Geschehen steht ein Geistiges.. Erstirbt irgendwo der Geist, dann ist eine Zeit, ist die Epoche eines Volkes zu Ende. Baeck schloß: „Weil im jüdischen Volke der Geist lebt, darum bleibt dieses ’ Volk.“ F. Der Spottsche Chor Benjamin Spott gab mit seinem Chor im Rahmen des Kulturbundes — für den er sich seinerzeit werbend eingesetzt hatte — zwei Konzertabende in der Berliner Reformsynagoge (Johannisstraße). Im ersten Teil des Programms hörte man synagogale Gesänge meist östlichen Gepräges, wie die an die Kosakenchöre erinnernde Brummstimmentechnik — Begleitung eines Solos durch textlos gesungene Akkorde — zeigte. Sehr schön nimmt sich in solcher Gestaltung das „Adonaj, Adonaj“ aus, in dem die Lewandowskyscbe Weise verwendet ist. Dagegen steht ein „Holoch w’korosso“ (Socharti loch) von E. Birnbaum in seinem etwas uneinheitlichen Stil doch erheblich hinter der gleichnamigen, aus dem Rosch-haschanah- Gottesdienst bekannten Komposition Lewandowskys zurück. Auch erweist sich die etwas flache Melodik Halevys als nicht zureichend für den 118. Psalm. Gut war ein „Sefirat hoomer“ von S. Almau, das auf traditioneller Melodik fußt. Grundsätzlich: wir werden lernen müssen, unsere Ansprüche an synagogale Kompositionen sehr zu erhöhen. Einige der vorgetragenen Werke zeigten in die einzuschlagende Richtung. Der Chor, von seinem Dirigenten in vortrefflicher Weise geführt, brachte die meist nicht einfachen Sätze sicher und klangschön heraus; verschiedene Mitglieder bewährten auch in solistischen Stellen ihre ausgezeichneten Stimmen. — Im zweiten Teil gab es dann jüdische Volkslieder in wirksamen Bearbeitungen von I. Gladstein, A. Nadel und L. Kopf, Prächtig namentlich die humoristischen Stücke, die dank der virtuosen Wiedergabe denn auch nicht ihren Eindruck ver- Synagogenkonzerf Die Berliner Jüdische Gemeinde eröffnete die Serie ihrer angekündigten „Seelischen Winterhilfe“ mit einem Konzert in die „Neue Synagoge“ (Oranienburgerstraße). ln seiner Ansprache wies Max Gandersheim, der Leiter der Abteilung Winterhilfe der Gemeinde, auf die verpflichtende Würde des Raumes hin und ersuchte auch, dem Beifall nur durch Erheben von den Plätzen Ausdruck zu geben, ein Vorschlag, der sich in allen solchen Fällen einbürgern sollte. Es bliebe nur zu fragen, warum das an sich ausgezeichnete Programm keine einzige jüdische Nummer aufwies; uns scheint der Raum auch in dieser Hinsicht zu verpflichten. Zu Beginn und am Schluß spielte Ludwig Allmann auf der Orgel Bach, mit geläufiger Technik und. namentlich im a-moll Konzert, einer Umarbeitung des Vivaldischen Konzertes für zwei Violinen, mit der „terrassenhaften“ Dynamik, wie sie die Architektur des alten Concerto-Satzes fordert. Martha Frost besitzt ein angenehmes Piano; dagegen ist ihr Forteregister nicht schlackenfrei; der Ton müßte weitaus gelöster sein. Grete Friedmann begleitete ausgezeichnet, war nur in dem — überdies gar zu oft auf den Programmen erscheinenden — Händel-Arios „Dank sei Dir“ übermäßig nachgiebig im Tempo. — Die .Morgenstern-Rezitationen Leni Stciiibergs schienen gut. zu sein, soweit man das bei der hierfür äußerst ungünstigen Akustik beurteilen konnte. Um so geeigneter erwies sich der Raum für den Streicherklang: Charlotte Rosen brachte alte Violinmusik — von Arthur Zepkc an der Orgel sehr stilvoll begleitet —, und beide Instrumente mischten sich zu einer herrlichen Farbwirkung. Das Rosen- Trio- (Charlotte Rosen, Gottfried Zcelander, Gerhard. Jarecki) spielte infolge Erkrankung des Cellisten Zcelander anstelle des angekündigten Beethovens das Esdur-Trio von Mozart; als Bratschistin sprang Helene Croncr ein. (Leider versäumte man cs, neben der Besetzungsänderung auch die des Programmes anzusagen). Abgesehen von einer gewissen Weichheit im Rhythmischen war es eine klangschöne, dynamisch gut abgestuftc Wiedergabe. — Das Ganze ein wohlgelungener Abend, der auch ein ziemlich großes Publikum gefunden hatte und seinen Zweck in jeder Weise erfüllte. F. K unstna ehr i chten Hauskonzert Hauskonzert bei Dr. Georg Wolfsohn, Kaiserallee 15. Mitw.; Hede Türk, Chart. Roskin, Erna Klein, Georg Wolfsohn, am 27. 1. ausverkauft; keine Abendkasse. Jüdischer Kulturbund Rhein-Ruhr Vortrag Dr. Kinsky: „Goethe und der junge Mendelssohn“, mit musikalischen Darbietungen. 27. 1., 20.30 Uhr: Gelsenkirchen, Logensaal, Bahnhofstraße. ' 28. 1. 20.30 - Uhr: Wuppertal, Gesellschaft Kasino, Königstraße. Vortrag Prof. Satomon: Die religionsgeschichtliche Bedeutung der Prophetie. — 27. 1., 20.30 Uhr: Essen, Synagoge; 29. 1., 20.30 Uhr: Köln, Logensaal; 1. 2., 20.30 Uhr: Bonn, Loge. Kammermusik: 25. 1., 20.30 Uhr: Aachen, Weinsaal des Städt. Konzerthauses’. Winterhilfe Im Rahmen der Montagsvorlesungen der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums sprach der Präsident der Reichsvertretung der deutschen Juden, Rabbiner Dr. Leo Baeck, über das Thema „Die Reihe der Zeiten“. Immer wieder begegnen zweierlei Verhaitungsweisen gegenüber dem Wandel der Epochen: friedliche, beruhigte Zeitalter begreifen sich selbst gern als Abstieg gegenüber einer besseren Vergangenheit, die als die „gute alte Zeit“ erscheint; für revolutionäre Zeitläufte dagegen erhält die „große“ Gegenwart den positiven .Wertakzent; sie ist Aufbau, Vollendung, während das ■Vergangene gerade überwunden werden mul). Unter dem Einfluß' historischen Denkens wird dann die Reihenfolge der Zeiten gesehen als eine „solche der Mächte, der herrschenden Staaten^ und^ Völker.^ Diese Geschichtsbetrachtung findet sich im späteren Judentum wie auch im Christentum. Baeck entwarf ein ausführliches Bild der Geschichtsauffassung in der Die Jüdische Gemeinde zu Berlin arbeitet gemeinsam mit dem Winterhilfswerk des Deutschen Volkes an der Linderung der Not ihrer Mitglieder! An der Durchführung dieses Kampfes gegen Hunger und Kälte müssen alle diejenigen, die noch in der glücklichen Lage sind, dazu beizutragen, mithelfen. Die Jüdische Gemeinde veranstaltet zu Gunsten des Winterhilfswerks am Dienstag, 6. Februar 1934, abends 8.15 Uhr in der Philharmonie, Bern bu rgerstr. 22/23, ein Festkonzert. Es spielt das Orchester des Kulturbundes deutscher Juden unter Leitung des Generalmusikdirektors /. Rosenstock. Als Solisten wirken mit: Willi Frev (Violine), und Fritzi Jokl (Sopran). ' Das Programm hat eine besonders künstlerische Gestaltung erfahren. Es ist Ehrenpflicht jedes Gemeindemitgliedes, im Interesse des wohltätigen Zwecks dieser Veranstaltung, diesen Abend zu besuchen. Karten zum Preise von Wissen Sie sehen, daß mehrere Zionisten-Revisionisten, die bei einer Demonstration, gegen die englische Palästina-Politik einen Stein gegen das englische Gesandtschaftsgebäude in Warschau geworfen hatten, zu je sechs Monaten Gefängnis ver- - urteilt worden sind? daß in Polen drei Nationaldemokraten, die Flugblätter mit dem Aufruf zum Judenboykott verbreiteten, zu. je einem Jahr Gefängnis verurteilt wurden? dal) in den Krankenhäusern der Budapester jüdischen Gemeinde 40»o der bettlägerigen und mehr als 700/o der ambulanten Kranken aus nicht jüdischen Patienten bestehen? daß der Schweizerische Israelitische- Gemeindebund eine Hilfsaktion für den wirtschaftlichen Wiederaufbau der deutschen Juden eingeleitet hat? daß ln Belgrad die Gründung einer jugoslawischen Großloge des U.O.B.B. erwogen wird? daß das Warschauer Kreisgericht einen Studenten zu sieben Tagen Arrest verurteilt hat, weil er bei einer Kundgebung „Nieder mit den Juden“ gerufen hat? 2)ec 3$üe$kasim dec „J.=LZ.“ Landesrabbiner Dr. Lewin, Hoppstädten (Nahe). Sie haben mit Ihrem Hinweis völlig recht. „Wir Juden betrachten uns nicht länger als eine Nation, sondern als eine religiöse Gemeinschaft“ — dieser in zwei Leitartikeln (Nr. 6 und 7 der „J.-l. Z.“) zitierte Satz stammt in der Tat aus dem Pittsburger Programm der amerikanischen Reformjuden. Die beide Male angegebene Jahreszahl 1805 ist natürlich falsch. Da K. Köhler, der spätere Direktor des Rabbinerseminars in Cincinnati, 1843 in Fürth (Bayern) geboren ist und 1869 in Detroit (Amerika) Rabbiner wurde, kann er unmöglich 1805 eine jüdische Reformversammlung nach Pittsburg einberufen haben! Es ist sehr spaßig, daß sie die Fehlerquelle sofort herausgefunden haben. Ergänzend dürfen wir hinzufügen, daß bei uns der Druckfehler, der ’än der ersten, von Ihnen angegebenen Stelle steht, bei Wiederholung des Zitats leider etwas gedankenlos übernommen worden ist. Die beiden Artikel erleiden natürgemäß inhaltlich dadurch keinerlei Einbuße; vielmehr war uns jener Druckfehler — gam su l’tauwoh — willkommener Anlaß, jenes programmatische Wort zu Beginn dieser Briefkasten-Notiz zum dritten Mal zu bringen; man kann es nicht oft genug wiederholen. Und nun zum Schluß: die Pittsburger Versammlung war, wie aus David Philipsons Geschichtswerk hervorgeht, 1885. Gemeindevorsteher in L. Daß Sie sich über Heinrich Sterns Nachwort zum Aufsatz von Rabbiner Dr. Lewkowitz 8 der ,;J.-1. Z.“) so erregen, ist doch nun wirklich überflüssig! Stern sagt ja ausdrücklich, daß. auch für ihn das Hebräische als gottesdienstliche Grundsprache bleiben soll. Wenn er für gewisse Teile des Gottesdienstes der deutschen Muttersprache breiteren Raum lassen will, so ist > doch kein Anlaß zu solchem Zorn! Und: haben Sie auch nur den Versuch gemacht, Sterns Hinweis auf den aramäischen Kaddisch als auf das klassische Schulbeispiel für die religionsgesetzliche Zulässigkeit der Landessprache im Gottesdienst zu entkräften?! Ferner aber: haben Sie denn die arabischen Juden ganz vergeben? Die bedeutendsten Männer der .sogenannten spanischen Schule waren Araber, haben arabisch geschrieben, und ihre rabbinischen Schriften mußten erst ins Hebräische übersetzt werden! So hat Saadja die erste Religionsphilosöphie in arabischer Sprache geschrieben, aber auch seine rabbinischen Rechtsgutachten; so hat Maimonides it Ausnahme der Jad hachasakah und einiger kleiner Schrifn nur arabische Werke verfaßt; auch sein berühmtestes Buch, der More Nebuchim, und sogar seine Einleitung und sein Kommentar zur Mischnah sind in arabischer Sprache geschrieben. — Verehrter Herr, Ihnen wird nur übrig bleiben, ' ’i entweder zu beruhigen oder über den More Nebuchim n zweiten Male den großen Bann zu verhängen! Kommerzienrat W. in M. Sie fragen uns, auf welche Weise man in den: Beirat der „Reichsvertretung der deutschen Juden“ gewählt werden kann! Wir ahnen es nicht; aber wir gestehen auch: wir haben aridere Sorgen. RM-1.— bis RM 4.— sind erhältlich im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde, Rosenstr. 2—4, Zimmer 23,- Telefon: DI Norden 6711, Hausapparat 50; Buchhandlung Kedem, Charlottenburg, Dahlmanstr. 8 und Buchhandlung Lachmann, Bayrischer Platz 11 und so wejt vorhanden an der Abendkasse. Da mit einer starken Nachfrage zu rechnen ist, empfiehlt es sich, die Karten rechFzeitig zu besorgen. Vereins-Nachrichten. Vereinigung für das religiös-liberale Judentum Bezirksgroppe Berlin-Oberspree Sonnabend, 3. Februar,. 20.30 Uhr, in der Brückenklause, Niederschöneweide, Brückenstr. 15: Wilhelm Marcus, Präsident des „Reichsverbandes des Jüdischen Mittelstandes“ spricht über . . „Der jüdische Mittelstand im neuen ' Deutschland“. Anschließend „Bunter; Teil“ unter Leitung von Gerhard Gottschalk. Eingeführte Gäste und Freunde willkommen L Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Am Montag, 5. Februar 1934, abends 8 Uhr, findet in der Lehranstalt, N 24, Artilleriestraße 14, ein Vortrag von Herrn Dr. Chanoch Atbeck über das Thema „Der Talmud“ Verein Synagoge Lindenstraße Verein Synagoge Lindenstraße Sonnabend, 3. Februar, abends 8 Uhr, in der Synagoge Vortrags-Zyklus: „Religiöse Gebräuche im jüdischen Hause“. 2. Abend: Die Wallfahrtsfeste. ^Redner: Rabbiner Dr. Warschauer unter Mitwirkung ‘ ‘n der Orgel: Alexander Weinbaum. Verein Neue Synagoge Am Sonnabend, 3. Februar, abends 8 Uhr pünktlich, in der Synagoge Oranienburger Straße. Vortrag des Herrn Dr. Oskar Guttmann, Dirigenten des Chores der Neuen Synagoge „Ein Streifzug durch jüdische Musik" mit musikalischen Beispielen (Gesang, Schallplatten). Eintritt frei! Gäste will- Herausgeber: Hanns Loewenstein und Willi Tisch Verlag, Berlin-Charlottenburg 4. Hauptschriftleiter und verantwortlich für den gesamten redaktionellen Text: Etty Hi rschfel d , Berlin-Wilmersdorf; Leitung der Anzeigenabteilung und verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Willi Tisch, Berlin NW 21. DA 5000 XII. — Druck Sonnendruckerei Gim.b.H. (Felix Wolf). Berliii-Charlottenburg, Weimarer Straße IS.