Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 14 (1934)
- Issue
- 8 (26.1.1934)
- Date
- 1934-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Unterschriftensammlung gegen England Eine unzweckmäßige Aktion solidarischer Verantwortlichkeit Tür den Staat zu wecken. Die Kcgicruti'', die nach den unerhörten Unruhen an der Warschauer Universität diese kurzweg geschlossen hat/werde auch in Zukunft nicht wanken, wo es tun die Erhaltung der Ordnung gehen wird. Bei der Besprechung der B e z i e h u n g der I< e g i e r u n g zu den einzelnen Konfessionen sagte der Ministerpräsident, die Regierung widme ihre ständige reale Sorge der Schaffung eines gesetzgeberischen ■Kahmens für die jüdische Religion, damit die jüdische Bevölkerung ihre religiösen Bedürfnisse auf breitester Grundlage befriedigen könne. Es ist mehr ais aufschlußreich, dall gerade in Polen, wo die Juden als nationale Minderheit leben, ihre straffere Einordnung und die Erziehung ihrer Jugend zu staatsbürgerlichem Henken durch Schaffung eines gesetzgeberischen Kähmens für die; jüdische Religion vorangetriehen wird, denn während die Betonung der Nationalität die Unterschiede lind < iegeusiitze innerhalb der polnischen (icsamtiiation vertieft, muH die Beschränkung dieser Unterschiedlichkeit auf das Religiöse und auch nur die stärkere Betonung des Religiösen notwendig.zur allgemeinen Befriedung führen. Eindrucksvolle Haltung der Juden in Griechenland Während der letzten Jahre nehmen che wechselnden Kechlscerhältnisse der Juden in Griechenland mit Recht die .allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch. Man weil! von dein 1923 geschaffenen „Wahlghetto“, jener besonderen jüdischen Wahlkurie, nach der die Juden in Saloniki nicht zu den allgemeinen Wahlen zugelassen wurden, Sondern getrennt von der übrigen griechischen Bevölkerung ahstmunten. Gegen diese Einrichtung ist schon damals von allen jüdischen1 Gruppen Griechenlands Protest erhoben worden, und sie wurde 1033 annulliert. Im vergangenen Juli wählten christliche und jüdische Bürger von Saloniki zum ersten Mal gemeinsam. Jetzt ist die Frage der Wiederherstellung des Wahlghcltos — anscheinend durch einen Brief von V<7tizetos aneinen seiner jüdischen Freunde —wieder aufgerollt worden. Im zionistischen Lager sind die Meinungen geteilt. Eines der Blätter fragt allen Ernstes, „ob die griechischen'Juden sich assimilieren, sich mit der übrigen Bevölkerung vermischen, im Verlauf einiger Jahrzehnte Christen werden wollen“! Das verrät, wie oft hei den Zionisten, wenig Vertrauen in die Kraft der jüdischen Religion. Doch denken keineswegs alle so, und weite Kreise unter ihnen, sowie selbstverständlich die uichizionistischen Juden Griechenlands stimmen der Erklärung zu, die der jüdische Senator Sriuki in diesen 'Ligen im griechischen Öberhause abgegeben hat und deren wichtigste Sätze lauten: ''■«* „Die Juden Salonikis betrachten sich nicht als Minderheit ... In dieser Unterscheidung (der besonderen jüdischen Wahlkurie) erblickten sie eine Beleidigung ihrer Eigenschaft als gleichberechtigte Bürger . . . Wir Juden erklären, dali es Miuderheitenrechte gibt, die wir nicht in Anspruch nehmen Ausblick Bolen und Griechenland-, das sind für heute zwei Beispiele. Auf andere wurde früher verwiesen, besonders auf die Stellung der Juden in Ungarn und Italien, also in den ■Ländern, deren Kegierungsform derjenigen in Deutschland so ähnlich ist. Nicht vergessen werden darf ln diesem Zusammenhängedie Tschechoslowakei, die zwischen Juden u n d 1 s r a e 1 i t e n unterscheidet. Israeliten sind alle Angehörigen der jüdischen -Religionsgesellschaft; aber nicht ‘alle Isra el'iil eil sind Juden! „Juden“ nennt man dort nur diejenigen, die sich der nationalen jüdischen Minderheit zurcchnen. In einem deutschen jüdischen Blatt stand neulich zu lesen,, dali die Tschechoslowakei 1931 von 336 064 „Israeliten“ nur 191)856 „Juden“ zählte; sieht man von den -in der Tschcchei lebenden Ausländern ab, so rechnen sich also etwa. 45 Prozent der Israeliten :der tschechischen Nationalität zu — ein sehr grolier Teil also, wenn man bedenkt, dal! dies in einem Lande geschieht, in dem die Zugehörigkeit, zu einer nationalen Minorität durchaus etwas Normales scheint. Aber das ist es eben —: selbst im Nationalitätenstaat . wairden die Minderheiten, mild ausgedrückt, als „uti- ■ venneidliches Obel“ empfunden; überall zielt das Streben auf Vereinheitlichung der Nation! Dies lehrte neulich ein Vorgang in England, wo, wie schon berichtet, kein Geringerer als der grolle Führer des Zionismus, Chaiin- Weizmann, von der ‘Gefahr gesprochen hat, die dadurch entstellt, dali die Zionisten in immer stärkerem Gegensatz zu England geraten; wodurch sie das traditionelle Wohlwollen . Großbritanniens für die Juden aufs Spiel setzen; England sei heute fast die einzige unter den. Großmächten, die ein wirksames Bollwerk gegen die Brandung der judenfeindlichen Strömungen in aller Welt darstellt. Wenn das ein internationaler Führer" des Zionismus sagt, sagen muH, so wiegt _ es mehr als tausend andere Stimmen, die seit Jahren Gleiches iind Ähnliches sagen. Der heutige Rundblick konnte naturgemäß mir Einzelpunkte berühren. Der Leser aller, der synoptisch alles Dargestellte ins Auge zu fassen vermag, wird erkannt haben, was hier gesagt werden sollte: nicht aus der Enge des Augenblicks und nicht aus der Stimmung der gerade jetzt auf "uns Ciusturijicudcii Ereignisse dürfen wir an die Betrachtung der Judeufrage hcraiigehcn; nur voll höherem, über räumliche lind zeitliche Grenzen hiiiausreichendem Standorte aus werden wir zu einer Betrachtung der Judenfrage gelangen, die uns zu unbeirrt staatsbürgerlichem Denken erzieht. Diese innere" Einordnung können wir nur erreichen, wenn wir uns darauf besinnen, daß die wahren Werte des Judentums solche sind, die nicht — wie judisclummnm/c Eigenart, Werte des jüdischen Blutes und ähnliche Wirrbegriffe — der Zugehörigkeit zur deutschen Nation widerstreiten. Und deshalb ist diese innere Einordnung die Voraussetzung für alle so heiß erhoffte und erstrebte äußere Einordnung. Ohne Selbsterziehung wird alle noch so rege Organisierungsarbeit nichts nützen, und nur wer den ganzen Menschen bringt, kann hoffen, daß er zum Ziel gelangt. Bevölkerungsabnahme in Böhmen, Mähren-Schlesien Die Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1930, die soeben veröffentlicht wurden, zeigten eine weitere rapide Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Böhmen und Mähren- Schlesien. ln Böhmen sank die Zahl der Personen mosaischen Glaubens seit 1921 von 79 777 auf 76 301, d. i. um 3476 Seelen oder 4,36",,. Dabei stieg die. Zahl der Juden in Groll-Prag um 3712 auf 35 463 Seelen. In manchen kleineren Gemeinden aber hat sich die Zahl der Mitglieder um 40",, bis 60",i vermindert. Auch in Mähren-Schlesien hält die abgleitcnde Tendenz an. Gegenüber 45 306 i. J. 1921 (davon in Mähren" 37 989 und in Schlesien 7317) wurden i. J. 1930 bloß 41250 Seelen (in Mähren 34 632 . und in Schlesien 6618), demnach um 4156,- bz.w. um ungefähr 9",i, weniger Mehrfach mußte in diesen Blättern darauf hingewiesen werden, daß die diplomatischen Aktionen, die von zionistischen Stellen heute aus Anlaß der englischen Palästinapolitik gegen die englische Regierung ins Werk gesetzt werden, nach Form und Schärfe des Tones sich nur noch mit denjenigen vergleichen lassen, die im großen Völkerleben internationalen und ‘manchmal sogar bewaffneten Konflikten voranzugehen pflegen. Den letzten Anlaß zu solcher Bemerkung bildete die Denkschrift, die die „Weltunion der Zionisten-Revisioiiisten“ an den französischen Außenminister, den englischen Botschafter in Paris und an alle Botschaften und Gesandtschaften in Paris gerichtet hat und die nichts Geringeres darstellte als eine Beschwerde bei Frankreich über England! " Inzwischen hat nun diese extremste und zugleich kouseipienteste aller zionistischen Parteien einen weiteren, nicht weniger aufsehenerregenden Schritt getan. Es handelt sich um die sogenannte zionisten-revisionistische P e t i t i o u s b e w e g u u g, um eine großzügige Unterschriftensammlung, die soeben proklamiert und eingeleitet worden ist. Vier gesonderte Petitionstexte werden zur Unterschrift aufgelegt, einer an den König von England, einer an das englische Paria m e n t und je einer aii den M i niste r p r ii s i d e n t e n und an das Paria m e n t des Staates, dessen Bürger der betreffende Petent ist. In der ersten, an den König von England gerichteten Petition heißt es, der Unterzeichner, obwohl nicht britischer Untertan, vertraue darauf, daß „Euer Majestät ihm als Angehörigem jenes jüdischen Volkes", dem durch Balfour- Deklaration und Palästina-Mandat die „Erleichterung der Errichtung seines Nationalheims versprochen“ worden, ihm, dem Petenten, gestatte, sich an das Oberhaupt der Mandatsmacht zu wenden. „Die von der Mandatarverwaltung getroffenen Maßregeln hindern mich aus für mich unbilligen und mit den allgemeinen Interessen des Landes nicht zu vereinbarenden Gründen daran, nach Palästina zu kommen.“ Einen Grad schärfer ist bereits die zweite, an die beiden Häuser des englischen Parlaments gerichtete Petition. „Ungeachtet des klaren Sinnes des Völkerbund s m a n d a t es“ werde die „Einwanderung von Juden nach P a I ä s t i n a durch die Politik der Mandatsverwaltung systematisch b e li i n d e r t“. Durch diese Politik seien die Juden in Palästina Ausbrüchen direkter r erbreche risch erMassengcwalttätigkeit ausgesetzt“, und durch „die von den englischen Behörden vorgenoinmeiien Razzien und Ausweisungen werde das N a t i o n a 1 h e i m des Jüdischen Volkes zu einem Ja n d e g e m a c li t, in dem die Würde des j ii d i - ■ s c h e n^ Siedlers unerträgliche Demütigungen Wird schon am Schlüsse dieser zweiten Petition von dem Wunsche nach nationaler jüdischer Eigenstaatlichkeit in Palästina gesprochen, — als sei Palästina unbewohnt und Araber dort nicht vorhanden —, so geht die dritte Petition wiederum über sie hinaus. Sie ist an die Regierungen und Parlamente derjenigen Staaten gerichtet, denen die einzelnen Bittsteller angehören, und cs wird in ihr gesagt, daß die Politik dcfPaläslina-Venvalt u n g den Bestimmungen und. dem Geist des Palästina-Mandates widerspricht. „Es läßt sich nicht bestreiten,“ heißt es in der Eingabe, „daß der erste Sehritt auf dem Wege zur .Umwandlung in einen Juden Staat darin bestehen mul), in diesem Lande eine jüdische Mehrheit zu schaffen, jüdische Einwanderung in solchem Umfang zu erleichtern, dali sie zur Schaffung einer jüdischen Bevolkerungsii.ehrheit innerhalb der kürzestmöglichen Zeit ausreicht.“ Ob es den Grundsätzen jüdischer Ethik entspricht, die Mehrheit der Araber in dem seit Jahrhunderten von ihnen bewohnten Lande systematisch in eine Minderheit zu verwandeln, darüber schweigen diese merkwürdigen Dokumente einer merkwürdigen, angeblich jüdischen Politik — vom Geist der jüdischen Bibel ist in diesen jüdischen Dokumenten Aber es kommt noch ärger. Diesen letzten beiden Petitionen ist eine Denkschrift beigefügt, die einen Überblick Jüdisches Geleit für Hermann Bahr Von Margaret Witt Steil sind die Kurven des geistigen Weges, der Hermann Bahr aus den engen Gassen seiner österreichischen Heimat Linz, über Wien und Berlin und Paris für immer zurückführt in die Wahlheimat Salzburg. So verschiedenartig die Stationen sind, auf denen dieser immer Suchende verweilt, in all dieser scheinbaren Gegensätzlichkeit ist die innere Notwendigkeit, zu preisen, zu verherrlichen, Wunder zu verkünden. Völlig der Gegenwart verhaftet, ist Hermann Bahr dennoch dem Zukünftigen nah. darum spurt er die Bedeutsamkeit der Judenfrage schon, zu einer Zeit, da man überall in Europa glaubte, dies immer wieder umstrittene Problem restlos gelöst zu haben. In diesen Jahren, da die jüdische Emanzipation eben sich durchzusetzen begann, ließ sich Hermann Bahr von einer antijüdischen Richtung mitreißen, und so heftig war seine Beteiligung an diesen parteipolitischen Kämpfen, daß er von der Universität Wien verwiesen wurde. Als er dann leidenschaftlich den Naturalismus feierte, um kurz darauf begeistert die Dekadenz zu rühmen, da ist er schon völlig den Idealen einer Epoche, hingegeben, die alles verstehen und alles verzeihen konnte, weil sie stets tolerant war. So sehr ist Hermann Bahr in seiner eigengepvägten Art das schillernde Spiegelbild einer Zeit, die sich überschlug und überholte in der Vielfalt, ihrer geistigen Richtungen, dal! es gar nicht verwundern kann, daß er eine Weile für den Zionismus schwärmt, für Theodor HerzI, für Palästina und ein jüdisches Volk. Damals suchte er — wie Arthur Schnitzler in seinem Roman — den „Weg ins Freie“, und ob es ein Irrweg war, der erbitterte Fehden mit den Arabern herbeiführen mußte und eine Rückwanderung in das eben verlassene Ghetto, diese schmerzlichen Folgen für .das judeiitum hat Hermann Bahr nicht erwogen. Verzückt schwelgte er in orientalischen Fantasien von Zion und Erez Israel, er liebte es, Prophet einer ganz neuen und seltsamen Idee zu sein. Doch als daun wieder anderes ihn beanspruchte, der Kampf .um Wedekinds neue Sittlichkeit oder um Rodins Kunststil, da war der Zionismus vergessen, und nur, als sein Leben sich schon dem Ende zuneigt, beschäftigt er sich noch einmal mit dem Judentum und diesmal im religiösen Sinne. Daß auch Balirs irrlichterndes Leben in den letzten Jahren einmündete in die Versunkenheit göttlicher Nähe, das über die Geschichte des" Palästina-Mandates gibt, und in ihr heißt es, aus einem Telegramm des damaligen englischen Außenministers Sir Edward Grey vom 19. März 1916 ließe sich belegen, daß damals die offizielle britische Auffassung lautete: zunächst Schaffung einer jüdischen Mehr-, heit' durch entsprechende Einwanderung, und hierauf — so soll es in jenem Telegramm geheißen haben — „Übergabe der Verwaltung und inneren Angelegenheiten des Landes in jüdische Hände“. Anschließend spricht dann auch diese Denkschrift von dem „krassen Widerspruch“ zwischen den Absichten des Mandats und seiner Ausübung durch die englischen Behörden. „Wir bereichern ein Land, in dem unter dem gegenwärtigen Regime die Juden verurteilt sind, dauernd eine ohiim ä c h t i g e M i ii d e r h e i t zu bleiben“; es wird im Zusammenhang mit den Touristenverfolguiigen von dem „a 11 - gern ein man d a t sw idrigenCharakterdes gegenwärtigen Palästina-Regimes sowie der Bodengesetzgebung durch die Palästina-Regierung“ gesprochen und zum Schluß die Forderung aufgestellt, daß in Zukunft der, High-Commissioner und die Leiter der Regierungsdepartments nur-nach Beratung . mit den Vertretern der Zionistischen Organisation ernannt werden sollen und daß ein Legislative Council nicht vor Erzielung einer" jüdisch-arabischen Verständigung eingesetzt werden soll. So weit der Inhalt dieser Petitionen und der ihr beigegebenen Denkschrift. Die Initiatoren dieser ganzen Aktion sind, wie bereits gesagt, die Männer vom extremsten und konsequentesten Flügel des Zionismus. Sie haben — obwohl zum Teil selbst Mitglieder. der an der Spitze des Gesamtzionismus stehenden Zionistischen Exekutive — diese Bewegung gegen das ausdrückliche Verbot der Zionistischen Exek u t i v e eingeleitet. Zu welchen innerzionistischen Auseinandersetzungen dieser gigantische Disziplinbruch führen wird, kann uns Nicht- und Antizionisten gleichgültig sein. Aber auch die Tatsache, daß die Zionistische Exekutive die Proklamiening „als in diesem Stadium unzweckmäßig und schädlich erachtet“, wie sie ziemlich lendenlahm verlautbart,' ändert nichts daran, daß die Petitionen selbst ihrem ganzen Wortlaut nach die aussichtslose und unhaltbare Lage des Zionismus eindeutig erkennen lassen. Wenn die uden der Erde auf die geistige, ethische und soziale Mission sraels sich besinnen, dann erst werden sie Kraft und Möglichkeit finden, in den Ländern, die ihre Heimat sind, auch eine nationale Heimstätte sich zu erringen. Wir deutschen Juden z. B. spüren keinen Hang in uns, die Araber aus der Mehrheit ui Palästina zu verdrängen, wohl aber haben wir den heißen Wunsch, uns hier in Deutschland unseren Platz wieder zu erarbeiten. ".... Nach Schluß der Redaktion erfahren wir, daß die Zionistische Exekutive eine weitere „Erklärung“ gegen die Revisionistische Petitionsbewegung erlassen hat. Auf Grund des Palästina-Mandats sei die Jewish Agency "die einzige zu Palästina betreffenden politischen Schritten ermächtigte Instanz. Dies revisionistische Aktion stehe außerdem zu. den Beschlüssen des letzten Zionistenkongresses und des zionistischen -Organisationsstatufs im Widerspruch. Nur deutsche Staatsangehörige im Plauener Synagogenrat Von befreundeter Seite geht uns folgende Meldung aus Plauen zu: Hier fand in diesen Tagen eine Gemeinderatssitzung statt, die sich mit der Ersatzwahl zur Gemeindevertretung beschäftigte. Auf Wunsch des Ministeriums sollen in Zukunft nur noch deutsche Staatsangehörige Gemeinderatsmitglieder sein. Die Neuwahl ist auf den 11. Februar 1934 festgesetzt worden. Von dem aus 14 Personen bestehenden Geinemderat werden 11 Personen neu zu wählen sein. Iler neu gegründete Kulturausschuß beginnt seine Tätigkeit am 20 ds., und zwar wird der erste Abend im Zeichen des Frohsinns stehen. Josef Plaut kommt zu uns. entspricht wohl jenem ewigen Gesetz, das über allem Sein waltet. Diese unsichtbare Macht, die über uns ist, hat es gewollt, daß der mondäne Literat, der Burgtheater-Direktor und des Expressionismus Apostel zuletzt einer von den stillen Gläubigen wird, die im Halbdunkel alter Kirchen beglückende Andacht suchen. Noch näher sind Hermann Bahr jetzt die deutsch-jüdischen Freunde; Stefan Zweig und Schnitzler, Hofmannsthal und Wassermann gehören zu seinem auserwählten Kreis, und aus dem Studium des.Alten Testaments erschließt sich ihm die religiöse Ethik des Judentums. Nicht Religionszugehörigkeit und Herkunft entscheiden für Bahr über künstlerisches Können, darum wir er auch damals, einer der charmantesten und unterhaltsamsten Plauderer der berühmten Salons in Paris, Wien und Berlin, mutig genug, sich und seine gesicherte Existenz einziisetzen, um irgendeinem der Künstler zu helfen, an deren Berufung er glaubte — vielleicht ist dies das Schönste, was man ihm nachsagen kann. Ob er seine Gedankenfiligrans zu erlesenen Feuilletons formt, zu heiter-ironischen Lustspielen oder auch zu fast immer bekenntnishaften Romanen, in all den geistigen Wandlungen seines Ich hat Hermann Bahr nie jene" Unbeirrbarkeit des „Urteils. verloren, die ihn als einen Auserwählten unter den Zeitkritikern erkennen läßt. Weil ihm die Gnade zuteil wurde, Verborgenes zu ertasten,1 Werdendes vorauszuspüren, darum war gerade Bahr berufen, Herold jenes deutsch-jüdischen Theater-Magiers zu sein, den er so sehr liebte: Max Reinhardt. Salzburg und der Atmosphäre der Reinhardt-Spiele fühlte er sich zugehörig und wenn, sein weißer Bart über den Marktplatz vor dem Dom flatterte, war es fast, als wäre auch Hermann Bahr wie der Dom und die Berge und dieses ganze Salzburg von der Hand dieses meisterlichen Regisseurs als ein theatralisches Zubehör verwendet worden. In diesen Tagen, da die Stadt Salzburg erfüllt war von einer durch Gläubigkeit geadelten Kunst, hat Hermann Bahr wohl, zutiefst das Konzert der inneren Stimmen vernommen, die ihn nach aller Ruhlosigkeit zum Frieden riefen. Und so heiter und anmutig wie sein Bühnenstück „Konzert“ mußte nach dem schmerzlichen Intermezzo seiner umdämmerten letzten Tage wohl auch jener Weg sein, der ihn der ewigen Ruhe zuführte. Wenn auch ein leichter Regen zuweilen fast den Glanz der Kerzen auslöschte und Sturm den Gesang der Chorknaben leiser ertönen ließ,, unvergleichlich in barocker Zierpracht steht der Dom da und die Gipfel seiner österreichischen. Berge, und gewiß ist, daß Hermann Bahr in ewigen Regionen jenes unendliche Sphärenkonzert grüßen wird, das -er auf Erden alle Jahre aufzufangen versuchte.