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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-01-01 · 19 (1.1.1933) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
19 (1.1.1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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11 i! sprechen! — in die angemessene Form einer Entschuldigung kleiden' und im übrigen, wie es wohl jeder andere angesichts solcher Entgleisungen getan haben würde, schamhaft schweigen, so irrte man sich gründlich in seinem Naturell. Nein, dieser edle Kämpe, der in seinen Privatbriefen gern von „jüdischer Pflichthaltung“, „Zedakah“, wohl auch von Verbunden-, heit aller Juden und anderen schönen Dingen redet, nahm nunmehr, in einem zweiten Artikel des „Hajnt" (Nr. 242 vom 29. November 1932), in dem Artikel also, der den Widerruf all seiner früheren Behauptungen darstellte, seine Zuflucht dazu, daß er die jüdischen Gemeinden in Deutschland herabsetzte, es seien „altmodische Institutionen“, „gut. fundierte, bürgerliche, aristokratische und bürokratische Institutionen“, und er habe mit seinem ersten Artikel lediglich zeigen wollen, daß der Joint (in Wirklichkeit also die Foundation) sich „in Geschäfte eingelassen“ habe „mit einer religiösen Institution, die ..... nicht den populären und sozialen Charakter trägt, der sonst bei den mit dem Joint arbeitenden Institutionen üblich ist“. Und zum Schluß ganz deutlich: „Solange die deutschen Gemeinden sich in assitmlatorischliberalen liänden befinden, solange solche Vorfälle möglich sind wie vor kurzem in Dortmund, daß die Gemeinde Verwaltung §ich an den Staat gewandt hat, damit man den .Ostjuden' das Wahlrecht entzieht, weil das keine Deutschen sind und sie das Gemeindegeld für Palästina und das Ausland weggeben würden —, solange solche Menschen über die Gemeinden zu verfügen haben; darf .man ihnen nach meiner Meinung nicht so eine wichtige — und speziell für polnische Emigranten wichtige Angelegenheit — 'wie das Eoundationgeld in die Hand geben, und insbesondere darf man es nicht -tun zu so einer Zeit, wo es Kreise und Institutionen nationalen Charakters gibt, die bereit sind, sich der Darlehnskasse anzunehmen und die wirklich denen nahe sind, die auf die Hilfe, angewiesen sind. In der Zeit, in der von den Zionisten wegen liberaler Umtriebe ernstlich die Trage des Austritts aus der Gemeinde erwogen wird; - ist diese Gemeinde kein passender Anwalt für die jüdische Not.“ (Hervorhebungen von uns. Änm. der Schriftleitüng.) Selbstverständlich trifft es gar nicht zu, daß das Geld , „speziell für -polnische Emigranten“ wichtig sei; das denkt sich Herr Carlebach jetzt aus, wie er auch in einer auf beiden Beinen hinkenden Jta-Erklärung sich als „obwohl deutscher Jude, dennoch als ehemaliger Zögling einer Jeschiwah im Osten sich — mehr als sonst Repräsentanten der deutschjüdischen Jugend — dem ostiüdischen Kulturkreis verbunden und, für das ostjüdische Schicksal verantwortlich fühlend“ feiert. Große Worte mit nichts dahinter, denn was hat der Satzungsstreit in der Dortmunder Gemeinde damit zu tun, ob die 50000 Dollar für Polen oder für Deutschland bestimmt ' waren? Und warum sollen die den Gemeinden angegliederten Darlehnskassen für Geschäfte nur so lange ungeeignet sein, wie in den deutschen Gemeinden keine zionistische Mehrheit besteht? Und warum, ja warum unterläßt es Herr Carlebach, die „Kreise und Institutionen national-jüdischen Charakters, die bereit sind, sich der Darlehnskassen anzunehmen“, mit Namen zu nennen? Die Nennung dieser Namen könnte immerhin ein wichtiger Fingerzeig dafür sein, ob zwischen den in Abs. III dieses Aufsatzes charakterisierten „wirtschaftstheoretischen“ Artikeln in der deutschjüdischen Presse und denen des Herrn Carlebach in der polnischen Presse der vermutete Zusammenhang besteht oder nicht. Merkwürdig genug bleibt es ohnehin —: als vor etwa Jahresfrist erstmalig von Herrn Woyda der Vorschlag gemacht wurde, die ausländischen Stellen um Darlehen anzugehen, hat ihn ein damals existierendes, Herrn Kareski sehr nahestehendes zionistisches Blatt als „wirtschaftlichen Analphabeten“ angepöbelt; jetzt, nachdem das Geld gegeben ist, wird es von Herrn Carlebach zuerst für Polen, dann für „jüdisch-nationale Institutionen“ in Deutschland reklamiert; und — wie gesagt: zur gleichen Zeit-— wird in dem deutschjüdischen Blatt, dessen Redakteur Herr Carlebach ist, aus Anlaß dieser Geldhergabe von Herrn Kareski gegen deren Verwendungszweck, gegen Darlehnskassen und für Genossenschaftsbanken polemisiert. Wir wiederholen: es fällt uns nicht im Traum ein, hier Zusammenhänge zu'behaupten. VII.; Es ist der geschichtliche Ruhm der deutschen Juden, liberaler Männer wie Paul Nathan, James Simon und zahlloser anderer, stets für die Juden des Ostens mit der Tat eingetreten zu sein. Hilfe kennt keine Partei. Und ebenso ist es der Ruhm der „Zentralstelle für jüdische Darlehnskassen“ und der mit ihr Hand in Hand arbeitenden Stellen im Preußischen Landesverband jüdischer. Gemeinden, daß man dort bei der wirtschaftlichen Aufbauarbeit keine Politik kennt So muß es bleiben! Alle, alle sollen mitarbeiten, jede Gemeinde soll daran teilnehmen, damit sie allen ihren hilfsbedürftigen Mitgliedern helfen kann. Kein Störungsversuch parteipolitischer oder persönlicher Art darf hier die Einigkeit bedrohen; mögen solche Störungen mit noch so „jüdischen“ Motiven begründet werden —: produktive Wirtschaftshilfe stören ist unjüdisch, sie fördern ist jüdisch. Jeder echte deutsche Jude wird sich'mit Abscheu von denen wenden, die einen Mann wie Dr. Bernhard Kahn in der polnischen Presse anzüprangern versuchten, anstatt ihm und denjenigen Männern zu danken, die die von ihm geleitete Foundation für dieses großzügige Hilfswerk an der deutschen Judenheit gewannen. Versammlungskalender Berlin-Westen. Dienstag, 10. Januar, abends 8 Uhr, Mitgliederversammlung zwecks Neuwahl des Vorstandes. Daran anschließend folgende Vorträge: Professor Dr. Paul Rosenstein „Das jüdische Krankenhaus und seine Bedeutung“, Landgerichtsrat Dr. Martin Lesser „Vereins und gemelndepoUtlsche Fragen“. Näheres über die Veranstaltung wird noch durch Einladungen und durch Tageszeitungen bekanntgegeben. Gottesdienste Berlin-Norden. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162. Freitag, 6: Januar, abends 7.15 Uhr: Predigt Dr. Heinemann. — Sonnabend, 7. Januar, vorm. 10 Uhr. — Freitag, 13. Januar, abends 7.15 Uhr: Predigt Dr. Hirschberg. — Sonnabend, 14. Januar, vorm. 10 Ubr. Berlin-Osten. Liberale Synagoge Osten, Kalserstr. 30, Aula der Mädchenschule. Freitag, 6. Januar, abends 7.30 Uhr: Predigt Rabbiner Dr. Plotke. — Freitag, 13. Januar, abends 7.30 Uhr: Predigt Lemle. Westend. Liberale Synagoge Westend, Lelstlkowstr. 7—8. Freitag, 6. Januar, abends 7.15 Uhr: Predigt Dr. Sänger. — Freitag. 13. Januar, abends 7.30 Uhr: Predigt Dr. van der ZyL Liberale Synagoge Nordost. Aula der Schinkel-Oberrealscbule Carmen-Sylva-Str. 25/26. Freitag, 6. Januar, abends 7.15 Uhr: Gottesdienst und Predigt Liberaler Gottesdienst Schmargendorf. (Altersheim Berkaer Straße 32.) Freitag, 6. Januar, abends 7 Uhr: Predigt Dr. Galliner. — .Sonnabend, 7. Januar, vorm. 10 Uhr.'— Freitag. 13. Januar, abends 7 Uhr: Predigt Dr. Wiener. — Sonnabend, 14. Januar, vorm. 10 Uhr. ' ' ' Jüdische Reformgemeinde. Johannlsstraße 16: Sonntag, 1. Januar, vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Lehmann. — Sonntag, 8. Januar, vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Rosenthal. — Sonntag, 15. Januar, vorm. 10.30 Uhr: Predigt Dr. Jelski. ' Kleiststraße 10: Freitag, 6. Januar, abends 6.30 Uhr: Liturgie Dr. Jelski. — Freitag, 13. Januar, abends 6.30 Uhr: Liturgie Dr. Lehmann. Ueber die Vorlesungen aus der Bibel an den Freitagabend- Gottesdiensten wird Näheres ln den Tageszeitungen bekanntgegeben. Gemeindeabend der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Montag, dem 9. Januar, abends 8'/a Uhr, im Marmorsaal des Zoologischen Gartens, Eingang lludupester Str. 9: Judentum in der Großstadt Dr. Wilhelm Kleemanns Gemeinde und Umwelt. Dr. Walter Breslauers Der Weg zur Gemeinde. Wilhelm Graetzs Jugend und Gemeinde. Direktor Heinrich Stahls Wohltun Ist Gerechtigkeit Moritz Rosenthals Jüdischer Geist — JQdlschc Solidarität. Kammermusiks Michael Taube, Klavier; -Charlotte Hosen, Violine; Hermann Well, Cello.; Lotte Schrine, .Sopran v. d. StaatHopcr Berlin Josef Schmidt, Tenor Eintritt frei! K. ERNST HANKE, Malermeister BERLIN SW 61, Hagelberger Sfr. 36 _ FERNSPRECHER: F5 Bergmann 5012_ Wohnung Steilungen Fassadenputz—Reparaturen Beratung und Vorschläge jederzeit unverbindlich Baugeschäft Artur Walter Charlottenburg, Wilmeradorfer Str:T12 .Telefon CI Steinplatz9910 und zu billigen. Die Liebe Ihrer Eltern wird stark genug sein, den Irrtum der Taufe zu erkennen!“ „Nie.wird das so sein! Sie haben mir erklärt, daß sie mich dann nicht mehr kennen.“ „Ich will zu Ihren Eltern gehen und Ihnen helfen. Aber ich stelle eine Bedingung.“- . „Welche?“ . „Daß Sie einen andern Lehrer wählen, daß ein anderer Rabbiner Sie in das Judentum einführt.“ Ursula wurde bleich und sah ihn entgeistert an. „Warum, warum?“ „Ersparen Sie mir die Antwort, Ursula!“ „Sie sollen antworten, ich verlange es!“ Als er sich zögernd abwandtö, rief, sie stürmisch: „Antworten' Sie, ich will es!“ „Weil Sie nicht nur um des Judentums willen zu mir kommen. Seien Sie ehrlich, Ursula!“ Ein Tränenstrom war die stille Antwort, war heißes, schamhaftes Bekennen. „Weinen Sie nicht, Ursula. Es tut so weh! Ich muß Sie und auch mich schützen.“ „Schützen? Wovor? Ich liebe Sie! Man hat mich als Kind abtrünnig gemacht: Bin ich dadurch in Ihren Augen unwürdig geworden?“ „Nicht unwürdig, nein!“ „Bin ich nicht begehrenswert?“ „Sie sind schön und gut und begehrenswert, aber—“ „Aber. Sie lieben mich nicht?“ Eine bange Patise folgte. „Nein, Ursula, ich liebe Sie nicht. Es ist etwas Fremdes zwischen uns, eine Lücke, die mir unausfüllbar scheint. Ich wurzle ganz im Judentum, bin mit jedem Atemzug hineingewachsen. Anderes Erdreich -ward Ihnen bereitet, anderes Gedeihen —“ Mit weit aufgerissenen Augen hatte Ursula den geliebten Mann angehört. Dann sagte sie tonlos: „Fremd, auch Ihnen, fremd hier wie dort.' Wohin gehöre ich?“ i.Versuchen Sie, mich zu vergessen.. Ein anderer wird Sie in das Judentum einführen, und wenn es Ihnen ernstist. ernst um der Sache willen, nicht um einen Mann, den Sie lieben, dann werden Sie einst eine gute Jüdin werden. Aber es ist ein mühsamer Weg. Seien Sie tapfer, und gehen Sie diesen Weg, Ursula." Ohne Blick und Händedruck ging sie. — In ihrem Arbeitszimmer stand ■ ein kleines ver-’ schlossenes Schränkchen. Das barg' die erlösenden Tropfen, .die Leidbefreier aus den schweren Kämpfen, die ihr junges, warmes Herz zerrissen. Wurzelbodcn suchte sie, Emporwachsen an der Seite des einzig Geliebten, des Gefährten von Geist und Blut. Der aber verschmähte sie. Und ohne ihn hatte, sie nicht die Kraft, den mühsamen Weg zu gehen, den er ihr vorgeschrieben hatte, den Kampf aufzunehmen gegen Eltern und feindliche Umwelt, den Kampf mit-sich selbst und ihrem gekränkten Herzen. Wir haben sie umzingelt- Noch nicht fünf Prozent Juden In Berlin. Aus dem Weltkriege erinnert man sich an folgenden Witz: Ein preußischer Infanterist liefert 37 russische Gefangene ab. Der Vernehmungsoffizier, der selbst für die feindlichen Krieger so etwas wie soldatische Ehre empfindet, fragt die Siebenunddreißig: „Wie konntet ihr euch von dem einen Preußen gefangennehmen lassen?!“ Worauf der Sprecher der Russen antwortet: „Was sollten wir tun? — er hat uns umzingelt!“ Daß wir Juden die Welt beherrschen, Deutschland beherrschen, Berlin beherrschen, den Kurfürstendamm beherrschen, ist nicht erst seit anno Hitler bekannt Wieso aber lassen sie sich beherrschen? Das ist die Frage,'die man aufwerfen muß, wenn man folgende Nachricht liest: Die Juden bilden 4,3 Prozent der Berliner Gesamtbevölkerung. Der Berliner Magistrat legt sein Statistisches Jahrbuch für 1932 vor. Ihm ist zu entnehmen, daß Berlin .laut Zählung 1932 4 287 000 Einwohner hat, von denen 76 Prozent evangelisch, 10 Prozent katholisch. 4,3 Prozent jüdisch sind. 1,9 Prozent gehören sonstigen Re- .ligionsgesellschalten an, während 7,2 Prozent religionslos sind. Ganz gewiß? wir haben sie umzingelt Was diesmal bemerkte: Bernsteinjuwelen. - Leopold Nathansolm bemerkte diesmal, daß ihm zwar (laut teleionischer Auskunft der ireundlicheti ReUaktionssekretäriu) ein anderer mit der Abfassung des Nekrologes zuvorgekommen, daß. aber in einem zionistischen Blatt ein Nekrolog erschienen ist, der hier mm doch noch eine weitere Bemerkung nötig macht Nekrolog auf wen, fragen Sic? Auf Eduard Bernstein, mein Lieber.' Denn es handelt sieh um Juwelen nicht von, sondern um Bernstein: eine Bernstein- Halskette, sozusagen. Zunächst aber etwas anderes. Die „Jüdische Rundschau“ bringt einen groß aufgemächteii Artikel an der Spitze ihrer Nr. 101 vom 20. 12. 1932. in dem sie sich mit der in der Berliner'üemeinde notwendig gewordenen Stcuercrhühuug he- ' scliäitigt Das diese Steuererhohniig verursachende Defizit sei _ — lieben auderen Ursachen — auf die Austritte aus der G e m e i n d e ztirückziifiihrcn. Und dann kommt es heraus: an diesen Austritten, sind natürlich nur. die Liberalen schuld: wie könnt es auch anders sein! Die herrschende Wirtschaftskrise mit den sielt aus ihr ergehenden Austritten ans der Gcmemdc zum Zwecke der Steuerflucht habe „in gewissem Maße'die bestehende Krise des deutschen Judentums geoffen- - hart. Um dieser zu steuern, bedarf es einer ganz anderen Einstellung zum u ii d- A n f! a s s u n g des Juden t u ms, als sie i a Iifir z e h u t eIa ng bei den de u ts cli eu Juden vorherrschend gewesen sind.“ (Sperrungen von mir; dieser Deutsch sein sollende Jargon nicht vun mir. L. N.) Mit einem Wort: die wachsende Anstrittsbewegung ist dem jüdischen Liberalismus aufs Konto zu setzen. - Was hat das aber, in drei Teufels Namen, mit dem verstorbenen Eduard Bernstein zu tun? Gemach, lieber Frager,, cs hat zu tun. Denn wenn mau Zionist ist oder mit dein Zionismus sympathisiert, dann darf mau uatürlidntern der Gemeinde feriibleiben und kriegt noch eine Eins ins zionistische Betrugeiiszciignis. Die „Jüdische Rundschau“ verfährt da nach deni bekannten Rezept: „Der andere darf nicht: hei mir ist das ganz was andres!“ Ein neckischer Zufall: an der Spitze des Blattes, über die beiden rechten Spalten hin, der Aufsatz, der dem Liberalismus die Schuld an den Austritten gibt, und gleich links daneben - der Nachruf auf Bernstein. Dieses „Kind der Assimilation“, heißt es da.' „ist sielt später in zunehmendem Maße seines Judentums bewußt geworden." Genügt das plützlicli den 'Herren Zionisten, daß' man sich seines Judentums „bewußt“ ist? Wenn aber ein Mitläufer des Liberalismus, ein Indiffe- . rcuter, der zu Unrecht sich „auch ganz liberal“ nennt, aus der Gemeinde mit. der. pathetischen Erklärung austritt, er „bleibe trotzdem ein guter Jude“, dann offenbart das die falsche „Einstellung zum und Auffassung des Judentums“, die der Liberalismus hat. „Im jüdischen Volk aber wird seine (Bernsteins) Gestalt in Erinnerung bleiben als die eines Juden, der . . . . . auch zum eigenen Volk, dem er — als Kind'seiner Zeit und nicht durch eigene Schuld — von Jugend auf entfremdet war, in den Jahren der Reife und des Patriarchenälters wieder zurückgefunden hat. (Sperrungen von mir. L. N.) Nicht durch eigene Schuld? ' Da er doch, aus ireligiüsem Hause stammend, ganz bewußt, wegen seiner sozialistischen Gesinnung deni Judentum den Rücken kehrte!? Diese Feststellung soll kein Angriff auf die moralische Integrität Bernsteins sein; er handelte konsequent nach seiner Gesinnung,-aber doch, im Gegensatz zur Darstellung der „Rundschau", im vollen Bewußtsein seines Tuns! Im Patriarchenafter wieder ztirückgefunden?. Er, der an seinem 75. Geburtstage,-also 48 Jahre nach seinem Austritt, - einem Vertreter der „Jta“ erklärte, ein „formeller Wiedereintritt in das Judentum würde sich nicht mit seiner sozialistischen Prinzipientreue vereinen lassen“!? Wir wollen nicht so weit gehen, zu fragen, wie das nun gewesen wäre, wenn er, statt aus sozialistisch-materialistischer Weltanschauung das Judentum zu verlassen, dies wegen eefiter, religiöser Bekehrung zum Christentum getan hätte (die Taufe aus Gesinnung ist nicht weniger ehrenvoll als der Austritt aus Gesinnung), ob seine Begeisterung für das Arbeitende Palästina auch dann als „Zurückfinden zum eigenen Volke“ gewertet worden wäre. Nein, das wollen wir gar nicht erst fragen; aber Wir hätten immerhin die „Jüdische Rundschau“ lesen mögen, wenn Bernstein in seinem Patriarchcnalter auf den Gedanken geraten wäre, statt im' Komitee für das Arbeitende Palästina etwa im Centralverein aktiv mitzuarbeiten und wenn derC.V. einen solcherart Ausgetretenen in seinen Komitees' geduldet oder gar bejubelt hätte wie die diversen Palästina-Komitees den aus dem Judentum ausgetretenen Eduard Bernstein. Aber, lieber Kleebauer, das ist natürlich ganz was anderes . . . .. . - Und, die solches schreiben, fühlen sieb Richter über cinc-religiöse Partei im Judentum! Der samaritanisefae Hohepriester verstorben. Isaac Ben .Amram, der Hohepriester der Samaritaner, der in der Nähe von Nablus (dem biblischen Schecliem) am Fuße des Berges Gerizim ansässigen religiösen Sekte, ist im Alter von 70 Jahren verstorben. Isaac Ben Amram führte in seiner Gemeinde den' Titel Kohen Hagadol, d. h. Hohepriester. Die Samaritaner führen ihren Ursprung' auf das 8. Jahrhundert v. dir., die Zeit der- Trennung Judas von Israel, zurück. Einst eine mehrtausendköpfige große Sekte, sind sie in den letzten Jahren auf etwa 200 Seelen zusammengeschmolzen. Mit den Arabern leben die Samaritaner im allgemeinen in Frieden. Ernst Cohn-Wlener, der führende Berliner Kunst- und Kulturhistoriker und langjährige Vorsitzende des Dozentenkollegiums der Humboldt-Hochschule, konnte an) 25. Dezember seinen 50. Geburtstag und gleichzeitig sein 25jähriges Dozentenjubiläum begehen. Vereinsnadiriditcn. . . Der Itllfsveretn für die Jüdischen Taubstummen In Deutschland E. V. cröffnetc in der Rosenthnler Straße 19, >Hof links, parterre, eine „Warme Stube“ für Taubstumme. —- Dieselbe ist täglich von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends geöffnet. Herr Stuatsm/ntster a. D. Professor Dr. C. H. Becker hält am 10. Januar 1933, abends 8.15 Uhr. im Brüdcrvcrcinshaus. W 62. Kurfürstenstraße 115—116, einen Vortrag „Durch biblische Lande“, Reiseeindrücke' aus Persien, dem Irak und Palästina (mit Lichtbildern). Eintrittskarten ä 2.50 RM und 1.50 RM erhältlich im Büro des ttiltsvercins der Deutschen Juden. Berlin W30..Martin.Luther-Str.9l, Tel.: B5 Barbarossa 6236 und 5169. . ' k .ui—— „Aktive und passive Judenpolltlk.“ Die in Nr. 18 unserer Zeitung von Herrn Rechtsanwalt Heinrich Stern besprochene Broschüre von Dr. Kollenscher ist im Verlag Rubin Muss, Berlin-Chartottcnburg,.; Pestalozzistraße .15, erschienen.

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