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Jüdisch-liberale Zeitung · 1933-01-01 · 19 (1.1.1933) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
12 (1932-1933)
Issue
19 (1.1.1933)
Date
1933-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Aus der Bewegung Berlin. {Liberale Synajose Nordost.) Der erste der Freitagabend-Gottesdienste. die nun regelmäßig in der Aula der Sdiinkel-Oberrealsdiule, Carinen-Sylva-Straße 25/26, abgclialtcn werden, fand zu Besinn der Chanukka-Woche, am 23. Dezember, irn Beisein von Miisliedern des Gemeindevorstandes, der Repräseiitanteuversamiiilung und des Vorstandes des Liberalen Vereins statt. Die Festprcdigt des Herrn Rabbiner Dr. Swarsensky und die musikalischen Darbietungen, der Clior unter Leitung des Herrn Ludwig ßelitzer und der Qesang des Herrn Oberkantor 'Wilhelm Friedmann, riefen bei jung und alt Andacht und-Erhebung hervor. Der zahlreiche Besuch ist ein Beweis dafür, wie notwendig in dem Stadtteil Cari-Legicn-Siedlung und den am Humannplatz gelegenen Straßen die Einrichtung eines regelmäßigen liberalen Freifagabeiid-Oottesdienstes war. Berlin. (Liberaler V e r e i n.) -Am 14. Dezember veranstaltete die Bezirksgruppe Schoneberg einen interessanten Vortragsabend, der, wie der Vorsitzende der Bezirksgruppe, Herr Rcchtanwalt Dr. Schweitzer, hervorhob, dazu beitragen sollte, die auf der letzten Jugendveranstaltung unter dem Thema „Was ist Judentum?“ aufgeworfenen Probleme zu klären. Stud. phil. Heinz Warschauer sprach zuerst über „Der junge Jude in der nichtjüdischen Umwelt". Er beklagte das mangelnde Interesse der jüdischen Jugend an der liberalen Sache; der eine Teil werde zum Kommunismus, . der andere zum Zionismus geführt. Notwendig täte das einheitliche Verbundenem in der dcutschjüdischen Gemeinschaft. -Herr Referendar Dr. Wolfgang Matzdorff schilderte alsdann die „Stellung des jüdischen Studenten an den deutschen Hochschulen“., die im Zusammenhang mit dein allgemeinen Ueberschuß an Studierenden zu betrachten ist Er zeichnete den' „Werkstudenten", ging auf die Fragen des Numerus clausus, des Werkjahres usw. ein. — Seine Ausführungen wurden ergänzt von Herrn cand. jur. Pit Lek i sch, der an Hand statistischen. Materials die Entwicklung der studentischen Verbände schilderte. Man müsse die separaten jüdischen Verbände ablehricu, da sic die jüdischen Studenten noch mehr isolieren. Lekisch bejaht den politischen Studenten, aber nicht die Politik in der Hochschule. — Eine rege Diskussion schloß sich. an.. — Eingeleitet wurde der Abend durch meisterhaft vor'getragehe Rezitationen von Rut Rosen. Bremen. (Die Wiedergewinnung der jüdischen Jugend durch das liberale Judentum.) Nach längerer Pause hatte die hiesige Ortsgruppe zum erstenmal wieder zu einem Vortrag eingeladen. Der Vorsitzende, Herr Ludwig. Müller, gab einen.Bericht über die Tätigkeit der Ortsgruppe während des letzten Jahres, die hauptsächlich im Gemeinderat und in den Kommissionen, vor allem in der Satzungskommission, geleistet sei. Er stellte mit Genugtuung fest, daß das zahlreiche Erscheinen von, dem regen Interesse für die Ideen des liberalen Judentums, sowohl bei den Gemeindemitgliedern wie auch bei den Jugendlichen zeuge. Noch unter dem Eindruck der Einweihung des neuen Jugendheimes stehend, sähe er ein wichtiges Arbeitsfeld der Ortsgruppe darin, das Interesse für die liberale. Sache besonders auch bei der Jugend . zu stärken. In diesem Sinne sei auch das Thema des heutigen Abends gewählt Er habe mit besonderer Freude die Gelegenheit begrüßt, .einen so prominenten Redner wie das Haupt- . Vorstandsmitglied der Vereinigung für das liberale Judentum, Herrn Rechtsanwalt Dr. Julius L. S e I i g s o h n, für den Abend zu gewinnen. — Der Redner zeigte einleitend, wie die derzeitige antisemitische Welle den jungen Juden zur Besinnung auf sein Judentum und zum Anschluß an seine jüdische Gemeinschaft veranlasse. An den Familien. Organisationen und Gemeinden läge es nun, durch reges religiöses Leben diese-Stimmung auszunutzen und die junge Generation dauernd an das Judentum zu fesseln. Das könne aber nur bei Ausgestaltung des religiösen Lebens in liberalem Sinne geschehen, da die Orthodoxie mit ihren überalterten Tormen heute nicht mehr geeignet sei, der modernen Jugend etwas zu bieten. Auch der Zionismus sei abzulehneu, denn er empfindet die Zerstreuung der Juden als einen Irrtum der Weltgeschichte, den er nach Möglichkeit jetzt nach 2000 Jahren wieder gutmachen will. Für den Liberalen, der in dem Gang der Weltgeschichte das Wirken Gottes sieht, ist demgegenüber gerade die Zerstreuung der Juden ein Mittel, damit sie ihrer Bestimmung gerecht werden.. Die zerstreuten- Juden haben, wie die Gegenwart zeigt, auf das Leben und die Geschicke der Welt einen ganz anderen Einfluß als eine kleine, national geschlossene Gemeinschaft auf beschränktem Territorium irgendwo in der. Welt jemals haben könnte. Die Zjonisten fallen gerade dem den Liberalen immer wieder vorgeworfenen Assimilationsgedanken anheim, wenn sie glauben, für uns Juden dasselbe nationale und völkische Leben fordern zu müssen, wie für die Gemeinschaft in anderen Völkern. Uns Juden ist nicht vorgeschrieben, ebenso zu sein wie die anderen Völker, sondern anders zu sein. Und wir müssen den Mangel an völkischer Geschlossenheit, die Zerstreutheit in der Welt bewußt auf uns nehmen, um dadurch au allen Enden der Welt, wo wir uns befinden, mit' unseren Kräften an der Herbeiführung des messianischen Reiches xu arbeiten. — Die Versammlung lauschte ■ den hochinteressanten, von tiefstem Wissen zeugenden Ausführungen und dankte dem Referenten mit herzlichem Beifall. — Nach einer sehr anregenden Diskussion fand alsdann noch eine Aussprache über die Reformierung des Gottesdienstes an den Hohen Feiertagen im Zweiggottesdienste statt. Die Ver- Sammlung bekundete hierfür trotz der vorgerückten Abendstunde lebhaftestes Interesse und wählte zum Zwecke der lJnrchffihrung eine Kommission. Köln a. Rh. (Aus der „Gemeinschaft“.) Herr Julius Abel wurde in den Vorstand der „Gemeinschaft" gewählt. Köln a. Rh. (Neuer „J1 i“.) Unserem Freunde. Herrn Lehrer Leo Grünebaum, ist es gelungen, einen Jüdisch-liberalen Jugendverein zu gründen. Die Zusammenkünfte finden bereits regelmäßig statt. Stettin. (J u g c n d v e r a ii s t a 11 u n g.) Am 27. November fand eine Morgenveranstaltung der Jüdisch-liberalen Vereinigung in den Räumen der Alleinaiiia-Loge statt. Die Feier war von Gesängen umrahmt, die von Fräulein Lola Grunwald LEON CONDITOREI?h STADTKÜCHE FESTSALE CONDITOREI CAFE KURFURSTENDAMM 155-156 FERNSPR.: H 1 PFALZBURG NR. «110 Reserviert für Dr. jur. Johann Heidke und Heinrich Skapowker Berlin W 35^ / Steglitzer Straße 66 t und Herrn. Artbür. Blumenreich unter. Begleitung von Herrn Rechtsanwalt Dr. Hanff vorgetragen wurden. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden, Rechtsanwalts Dr. Auerbach, hielten Herr Redakteur Goetz, Berlin, sowie Herr Referendar Kellermann, Berlin, Vorträge übet die Themen: „Was hat das liberale Judentum der heutigen Jugend zu bieten?“; „Was darf die jüdisch-liberale Bewegung von der Jugend erwarten?“ Die Veranstaltung galt einer Aussprache -zwischen Alter und Jugend, insbesondere der Gewinnungunserer Jugend für die Ziele der Vereinigung, ln eingehender- Diskussion wurden Maßnahmen besprochen, die zu einer Durchdringung der Jugend mit den Gedanken und Aufgaben des religiösen Liberalismus führen sollen. Die Versammlung war besonders gut besucht und fand bei allen Beteiligten großen Anklang. Im Anschluß an die Veranstaltung vom 27. November hielt am 22. Dezember der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum, Rechtsanwalt Dr. Auerbach, in der deutsch-jüdischen Arbeitsgemeinschaft einen Vortrag mit dem Thema: „Wege und gegenwärtiger Stand der religiös-liberalen Bewegung“. Die anschließende Diskussion ließ lebhaftes Interesse der jungen Menschen fürunsere Fragen erkennen. Die Verbindung mit der Arbeitsgemeinschaft soll weiterhin aufrechterhalten werden. Aus den Gemeinden Berlin. (Spinoza-AusStellung der Jüdischen Gemeinde.) Die Ausstellung, die von der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde aus Anlaß des 300. Geburtstages des großen Denkers arrangiert wurde, ist einzig in ihrer Art und gibt ein einprägsames Bild vom Leben und Denken Spinozas. Sie ist die einzige Spinoza-Ausstellung, in Deutschland, die gelegentlich der Wiederkehr des 300. Geburtstages" des Philosophen veranstaltet wird. Es sind zahlreiche Urkunden, zum Teil im Original, zum Teil in der Photographie; zu seifen, so u. a. die Urkunde des gegen Spinoza gesprochenen Banns (aus dem Archiv, der portugiesisch-jüdischen Gemeinde Amsterdams), die Urkunde über das Verbot des Philosophisch-Politischen Traktats, Originalhandschriften von Werken Spinozas, Goethes, Schopenhauers, Leibniz, Handexemplare von Spinozabüchern mit Randbemerkungen der Besitzer, Spinoza-Ausgaben in Hebräisch und Jüddisch-. Berlin. Spinoza-Ausstellung der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 29. bis zum 8. Januar 1933 täglich (außer Sonnabend) 10—2 Uhr. Eintritt frei. Führungen von Gruppen nach vorheriger Anmeldung. Bochum. (J.-R. Schoenewald 60 Jahre.) Kürzlich vollendete der Vorsitzende der hiesigen Gemeinde. Justizrat Sigmund Schoenewald, sein 60. Lebensjahr. Der Jubilar steht sowohl persönlich als auch durch seine Gattin, unser Vorstandsmitglied Ottilie Schoenewald, der Vereinigung iür das liberale Judentum sehr nahe. Wir sprechen auch an dieser Stelle unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Chemnitz. (Gemeinde-Hauskauf.) Unsere Gemeindeverwaltung hat ein äußerst günstig gelegenes Haus gekauft, hinter der Synagoge, mit der. Front zur Hohen Straße, so daß die Grundstücke des Hauses und der Synagoge künftig eine Einheit bilden. Voraussichtlich wird außer dem Gemeindeamt dort die Loge, die Bibliothek mit Lesesaal, der Kindergarten und das längst projektierte Jugendheim untergebracht werden, so daß nach den Umbauten hier ein richtiges Jüdisches Zentrum entstehen wird, das auch dem gesamten hiesigen jüdischen Leben einen neuen Auftrieb geben dürfte. Daß in dieser Notzeit ein solch großes Unternehmen möglich gewesen ist, hat seinen Grund darin, daß schon seit- Jahren in besseren Zeiten ein-Fonds dafür angesammelt worden war. Dies rechtzeitige Vorsorgen und kluge Warten, bis sich das beste Objekt fand, ist ein Zeichen für die gesunde Arbeit, die in unserer Gemeinde geleistet wird; man kann der Verwaltung, besonders dein Leiter derselben, Herrn Joseph Kahn, nur aufs herzlichste dazu gratulieren. Chemnitz. (G e m e i n d e w a li I.) Die am 15. Dezember vorgenommenen Gemeindewahlen für ein statutenmäßig ausscheidendes Drittel der bisherigen Verordneten, vollzogen sich bei etwa 36 Prozent Wahlbeteiligung in voller Ruhe, da sowohl für die deutsche, wie für die Ausländer-Abteilung nur je eine Kandidatenliste aufgestellt war. Wiedergewählt wurden:. Herr Joseph Kahn, Moritz Mecklenburg. Julius Steinberg, Oscar Mayer und Dr. Sichel; neugewählt würden: Herr Heinrich Guttmann und Sally Spiro (die sich schon in der neutralen Jugendbewegung verdient gemacht haben). Als Ersatzmänner wurden gewählt: Herr Ri-A. Hartmann, Fritz Kirsch, Karl Goeritz (zur Zeit Logenpräsident), Dr. med. Benda, Oscar Klipstein, Dr. jur. Adler und. Rudolf Weißkopf. Dresden. (Steuere rhöhung.) In der letzten Gemeinderatssitzifng wurde eine neue Friedhofsordnung beschlossen. Die Gemeindesteuer, die zuletzt 13 'A Prozent der Reichseinkommensteuer' betragen hatte, wurde für 1932 auf 14 Prozent erhöht Dresden. (Neuer Gemeinde-Syndikus.) Die Gemeindeverwaltung. an. deren Spitze früher ein Bürodirektor gestanden hatte, hat nach längerem Provisorium einen neuen Leiter in der Person des Herrn Rechtsanwalt Dr. Manfred Säalheimer erhalten, der, als Jurist, den Titel .eines Syndikus der Gemeinde führt. In" seiner Hand wird auch die Geschäftsführung des Sächsisch-Israelitischen Gemeindebundes liegen. Gotha. '(V o r s t a n d s w a li 1.) Nachdem;die verschiedenen Gruppen innerhalb der Gemeinde sich verständigt haben, ist ohne Wahlkampf für die Vorstandswähl folgende Einheitsliste in Vorschlag gebracht worden: M. Herrmann, S. Israelski. F. Grünstein, Frau B. Heilbrunn. Dr. Krotöschm, L. Neuliaus. Dr. Noack. A. Schäler, A. Schiffmann, C. Simson. Dr. Stern. Die Genannten gelten als gewählt, ihr Mandat währt 3 Jahre. Kassel. (Persönliches.)' Frau Henriette Rosenzweig geh. Eisenberg beging unter lebhafter Anteilnahme eines großen Bekanntenkreises in guter Gesundheit ihren 70. Geburtstag. Im Vorstand des Schwesternbundes hat die Jubilarin eifrige und wertvolle Mitarbeit geleistet: auch außerdem stellte sie rieh gern und freudig in den Dienst gemeinnütziger Bestrebungen. insbesondere der sozialen Fürsorge, der sie sich mit treuer Hingabe widmete. Kassel. (Dem Gedenken Franz Rosenzweigs.) Am Jalirzeitstage Fr^nz Rosenzweigs wurden gemäß einem früheren Beschlüsse der Gemeindeältesten an bewährte Schüler LEOPOLD POBESCHIN “Tj Werkstätten für Möbel nach. Zeichnung u. Innenausbau in allen I Holzu. Stilarten. 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Die letzten Gemeindesitzungen, haben sich vorwiegend mit dem Wahlrecht beschäftigt Die liberale Fraktion sprach in einer Erklärung ihre Bereitschaft aus, „in der allernächsten Zeit eine Fraktions- Sitzung stattfinden zu lassen, die sich mit allem Ernst mit einer Reform des bisherigen Wahlrechts beschäftigt Sie hofft, mit' den übrigen Parteien eine allgemein befriedigende Lösung zu finden“. Dagegen hat sie unzweideutig ausgesprochen, daß sie aus den bekannten Gründen auch weiterhin die Einführung des gleichen Wahlrechts ablehnen müsse. Eine Abänderung der die Wahl betreffenden Satzungsbestimmungen wurde insoweit beschlossen? als von dem bisherigen System einer alle zwei Jahre sich wiederholenden Teilwahl abgegangen und künftighin alle vier Jahre eine Vollwahl der gesamten Gemeindevertretung stattfinden wird. Die Erklärungen der liberalen Fraktion wurden bei den anderen Parteien mit Genugtuung aufgenommen; es besteht Hoffnung,-daß eine alle Parteien befriedigende Verständigung herbeigeführt wird. — Eine sehr eingehende Beratung fanden alsdann die Fragen, die mit der Bekämpfung der Erwerbslosigkeit im .Zusammenhang stehen. Plauen 1. V. (Wi n t e.rh il f e.)- Am Sonntag, 4. Dezember, fand in der Synagoge zugunsten der Winterhilfe unter .der Leitung, des Herrn Landgerichtsrats Dr. Egon Lö wentk^l eine öffentliche Veranstaltung unter Mitwirkung des Synügogenchörs, des Organisten, Musikdirektor Schmidt, des Herrn Kantor Joseph Wormser und- Frau Edith RucksacK als Solisten sowie des Fräulein Irma Steinberg als Sprecherin statt Ihr schloß sich eine von dem Gemeindevorsteher Dr. Goldberg geleitete Führung durch die Synagoge und das Gemeindehaus an. Den Dank der Besucher brachte das Oberhaupt der evangelischen Christenheit in Plauen, Herr Oberkirchenrat Franke, in einer zu Herzen gehenden Ansprache zum Ausdruck. Plauen i. V. (Heraufsetzung der Gemeindesteuern.) In der Gemeinderatssitzung vom 17. November wurde nach einer Begrüßung des um unsere Gemeinde hochverdienten, aber infolge Fortzuges aus dem Gemeinderat ausscheidenden Herrn Kariel, sowie nach Bekanntgabe der Genehmigung unserer Satzungsänderungen durch das Ministerium in die Etatberatung eingetreten. Der Haushaltplan 1933 wird in Einnahmen und Ausgaben mit 33 117 RM einstimmig genehmigt Zu seiner Deckung müssen in der Hauptsache die Steuern der Gerneindemitglieder herangezogen werden. Da die Solleinkommensteuer unserer Mitglieder um ein erhebliches gegen das Vorjahr zurückgegangen ist, bleibt nichts anderes übrig, als den Steuersatz heraufzusetzen. Es wird daher einstimmig beschlossen, einen regelmäßigen Zuschlag zur Einkommensteuer von 15 Prozent und einen außerordentlichen, durch die Wirtschaftskrise bedingten- Zuschlag von 4 Prozent zu erheben. Am Schlüsse der Sitzung wird der Vorstand ermächtigt, die. zur Ausschreibung der Wahl, auf Grund der neuen Satzungen notwendigen Maßnahmen, selbständig zu erledigen. Die Wahl selbst ist auf den 15. Januar 1933 festgelegt worden. Spandau. (Persönliches.) Rabbiner Dr. Löwenstamm, ein aufrechter Bekenner des liberalen Judentums, beging seinen 50. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich. Bücherschaü Kurt Großmann. 13 Jahre ..Republikanische“ Justiz. Vöco- Verlag. Preis 0,50 RAI. In diesem Büchlein stellt der bekannte linksradikaie Schriftsteller die Urteile zusammen, welche in den 13 Jahren seit der Umwälzung in der Qefientlichkeit durch ihre — iiach des Herausgebers Ansicht offenbar staatsfeindliche — Einstellung Aufsehen erregte haben. Alsdann werden noch mehrere Fälle ausführlich behandelt, darunter insbe-. .sondere der Fall Bullerjahn. Titel und Herausgeber besagen für die Tendenz und den Inhalt des Buches genügend. Da. die Oeffeiitlichkeit zu den Fällen schon oft Stellung genommen hat,' kann hier davon Abstand genommen werden, noch selbst Kritik zu üben, zumal ohne genaue Aktenkenntnis niemand zu einem Gerichtsurteil Stellung nehmen sollte. Ich glaube auch nicht, daß dieses Blatt der Platz dafür ist, um sich grundsätzlich mit der politischen Emsteilung der Richter und Gerichte auseinanderzusetzen. Nur soweit Strafurteile angeführt werden, welche sich mit Juden beschäftigen, können wir es-bedauern, wie gering die Strafen sind,, welche wegen unflätiger antisemitischer Angriffe ergangen sind. Wenn iür den. Gesang des geschmacklosen blutrünstigen Liedes „... und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann gelit’s nochmal so gut" 15,— RM. Geldstrate verhängt werden, so kann ich bei aller Zurückhaltung ein Gefühl tiefster.Beschämung nicht unterdrücken.. Auch wer es gerade als Richter vermeidet, sowohl dienstlich wie außerdienstlich irgendwie politisch hervorzutreten, darf hier nicht seine Ansicht Zurücklialten. Dies wäre feige und eines Richters nicht würdig. Man kommt in. E. mit dem stets mit dem Brustton der Ueberzeugung und großem Kraftaufwand gesprochenen und geschriebenen Satz: „Man soll den Täter und nicht die Tat bestrafen“ nicht mehr weiter. Man muß durch die Bestrafung der T a t eben aut die Täter einzuwirken versuchen und nicht bloß an die „armen unglücklichen Verführten“ denken, sondern auch mal wieder an die in ihren Rechtsgütern Verletzten. Wenn man mit den obengemachten Einschränkungen das Bücliiein liest und würdigt, kann die Zusammenstellung als ■ kulturhistorisches Material, zumal hei dem niedrigen Preis, empfohlen werden. Amtsgerichtsrat Walther Michaelis. DT. Werner Cahnmann: „Völkische Rassenlehre“. Philo-Verlag, Berlin 1932. 31 Selten RAV —.50. Die kleine Broschüre verteidigt den jüdischen Stand-, Punkt gegenüber der völkischen Rassenlehre von Hans Günther. In ruhiger Darlegung wird das Widerspruchsvolle und Unhaltbare der Thesen Günthers nachgewiesen. Besonderem Interesse begegnet der letzte Abschnitt, in dem die Folge-/ rüiigen aufgezeigt sind, die sich für die deutsche Judenlieit gegenüber der Rassenlehre ergeben. Die heimatliche Verbundenheit der jüdischen' Gemeinschaft tnit Deutschland wird vom Verfasser besonders betont. L. N. Spezial-Behandl. nur für Ischias Id Hüften, Gesäß und Bein, wenn ärztlich festgestellt, in 15 Tagen sind schwere Falle beseitig^ worden. Unantastbare Heilerfolge. Bestätigung und Referenzen. Ärztlich empfohlen* Invalidenstr. 106, 9—11, 1—4, Sonntag 10—12. Jacoby. Bruchleidende / Fußleidende nur bei Emil Hempel, Orthopädie, Bandagen Berlin W 35, Lutzowstraße 39 Telefon Bl Kurfürst 4529. 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