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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-08-26 · 35 (26.8.1936) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
35 (26.8.1936)
Date
1936-08-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Beilage 26. August 1936 JÜDISCHE AUGEMEME ZEITUNG Die meffianifche Erwartung in ihrer jüngften Phafe Im folgenden wünscht Verfasser seine in den Aufsätzen vom I"5. 3 und 29. 4. dieses Jahres dargelegten Ansichten abzurunden und -* die historische Entwicklung seines Themai bis in unsere Tage zu verfolgen. 1. Mo*cs Mendelssohn am Vorabend geschichtlicher Zeitwende; seine Nachfolge. Mcivdelssoluvs - aufhellende Gedanken über die Grenzen von Staat und Kirche führten mittelbar zu einer neuen Prüfung der Stellung des Judentums unter den Völkern^ Sein Kampf tun Selbstbehauptung im Judentum, hervorgerufen .durch das bekannte Ansiiuieu Lavatcrs, wurde ihm zu einem Anliegen aller Religion als selbständiger Geistesmacht gegenüber dem Staate. Von diesem forderte er bei Aehtüng und Gehorsam seiner Gesetze Duldung aller «religiösen Bekenntnisse, Gewissensfreiheit bis zur Meidung jedes Angriffs auf geheiligte Überzeugungen Andersgläubiger: m.nn der Kirche auch im Innern Verzicht auf Dogmenzwaiig, Stratum! Bunngewall. Diesen Verzieht verlangte er ebenso von der , Synagoge, die er aeit dem Verlust des einst mit ilir vcrbiiudeuen Staatswesens nunmehr den Kirchen beigesellte. Durchdrungen von der Cltcrzeugung, daß die Wahrheiten der Vcrnunftrcligion Gott, Freiheit uud Unsterblichkeit, wie sie Kaut später formulierte — Gemeingut aller Menschen wären, daß zudem in dciu Iiüehsten Forderungen der Sittenlehre Judentum und Christeu- . tum übereinstimmten, übersuh er die geschichtlich-messianischii Sendung des Judentums, «der maß* ihr geringere Bedeutung zu. Für. ein fraglos treues Festhalten um Judentum genügte einem Mendelssohn die nicht weiter zu begründende Dankbarkeit für die \on -seinem religiös-sittlichen Gehalt Je und je gespendet;*!! Wohltaten, denen gegenüber ein gewisser unveräußerlicher, aberdoch leicht zu mildernder Formalismus von einem. gläubiggehorsamen Gemüt in den Kaul genommen werden könne. Khi besseres Verständnis für geschieht liehe Entwicklung und eine Kiurcihung der Offenbarung in zeitlichen Ablauf hätten ihn die Sehwiiehc dicket Standpunktes erkennen latt&cn- Nicht voraussehen konnte er jedoch, daß bald nach »einem Tode die märhiig ein- .-cl/.ciidc bürgerliche Verbesserung in seiner-NachFolge und «»gar in >ciner Familie etwas wie Sehnsucht' nach erfülltem Mcssia>t:hn erwecken und ■ in der Treue wankend machen würde. Stützung und Stärkung erfuhr das sogen, emanzipierte Judentum zuerst durch seine aufgeklärten, kämpferischen UuMuncr- 2. Erste theologische Besinnung fuhrt zur Preisgabe jüdischnationaler Hoffnungen, doch zur Anerkenntnis mcssiaiiL-ciicr - Erwartung als go'tgcsetztcn Geschichts2:cK Was immer die Erklärung der Menschenrechte in. Amerika und die Erteilung der Bürgerrechte an die Juden Frankreichs in der 'größeren Welt bedeuten mag, für die Judenheil in der Zerstreuung machten sie Epoche. Die Frage; Festhalten an den Formen eines hulbnationalcu, äußerlichen uud innerlichen Ghettos oder Preisgabe unter.alleiniger Beibehaltung von Lehre und Kult forderte Antwort. Die Parolen eines Clcrmont-Toiirrenne (den Juden als Bürgern alles, als Nation, nichts), aber auch eines W. v. Humboldt, selbst eines.Maeoulay (aus derersten Hälfte des Jahrhunderts) waren nicht zu überhören. Von dem mcssianisrh.cn Glänze, in dem Kyros dem babylonischen Propheten erstrahlt war, mochte in Joseph. IL. Napoleon und anderen Fürsten ein Abglanz erseheinen. Es war eine große, echt empfundene Überzeugung. - der in Kauzclredeu und Vortragen David Einhorn und Samuel Holdheim. Hirsch und Abraham Geiger beredten Ausdruck gal>cn. , Die beiden ersten, jiahc Geistesverwandte; ginge« allein soweit, etwas wie freudige Genugtuung über 'den Verlust nationaler Güter, vor allem alter des Tempels mit seinem Opferrilns und Pricslcrwescii zu bekunden. Übereinstimmend erkannten sie .'die Auflösung des jüdischen Staates als einen Durclibruch zu, größerer Gedankenfreiheit, tieferer Innerlichkeit und gleichzeitiger Ausbreitung!- Für Holdheim kam noch hinzu die Auflösung, der Idee des vermittelnden Opfers, die ihm in Widerspruch mit der Gottcskindschaft jedes Menschen zu stehen schien. Es versöhnte mit den. kühnen Ideen dieser Männer, daß Einhorn (auf die amerikanische Judcnhcit von größtem Einfluß) an das Wort erinnerte: am Tage der Zerstörung Jerusalems wurde der Messias geboren; und daß er den Märtyrern des jüdischen Gedankens huldigte, die er die eingeäscherten Gottcstempcl von Fleisch und Blut nannte, .;worin ein lebendiger Altar dem Einig-Einzigen ohne Unterlaß erglühte'1. — Samuel Hirsch bot in seiner ,.Mcssiaslelire in Kanzelrcdcn" eine an Hegel orientierte, aber aus Bibel und Midrasch begründete Geschichts- und Smndeutnng des Judentums. Die Absrhlnßnbschnittc (S. 37Ü ff,) ..Israels Nationalität und Rückkehr nach Palästina" .und „ültcr den persönlichen Messias" sind von besonderem Weitblick: wie das ältere Israel niemals eine Nation mit Machtstreben im antiken Sinne gewesen sei, so entbehre seine messianische Erwartung ebenfalls eine» solchen, und seien alle ihre Hoffnungen solche für die gcsaJntc Yölkcrwclt, ohne den Gedanken an irdische Vorherrschaft Israels. Der Völkcrwelt von einst wird es auch überlassen bleiben, sieh als Oberhaupt einen ,.Zemach David" einzusetzen, wenn anders sic^ erkennen sollte, daß allein unter einem Regiment seiner gc- heiligten Grundsätze ihre Wohlfahrt verbürgt wäre. Abraham Geiger geht im I- Bd. seines ..Judentum in seiner Geschichte" davon aus, daß Israels Gott Herr d"r ganzen. Welt, daher niemals als als Nationalgott anzusprechen sei. daher Israel wohl sein Priester, nicht aber sein Volk allein bleiben könne. Vom Boden, von Tempel, Opfern und Priestern getrennt, die nicht unablöslich von der Idee des Judentums gedacht werden dürfen, bleibe Israel im Exil .der Sendbote Gottes; in aller Tragik- Träger höchster Ideen und einer dramatischen Geschichte, die noch nicht vollendet sei. deren letzten Auftritt noch niemand erlebt habe. Von S. SAMUEL :f. Fortschrcilende bürgerliche Einordnung läßt die nationalen Momente der messtanisclten Erwartung weiter •»erblassen; begünstig*' das Einströmen ihrer ideellen in alle Lchcnsgcbictr. So hoch Üian die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts einschätzen mag: Historische Weltansieht, Nationalismus, soziale. Idee, wachsende Naturerforschung und -heherrsrhung in der Technik — ein Vcrmüehtuis des 18. darf man nicht vergessen: di*c Humanität. Möge das 18. dos Zeitalter des Humanismus heißen, das 19. war das der guten GcMiuiung. Wie stark auch die Weltansielitcn differierten, c$ galt das Wort: in omuibiis Caritas. Humanitas und Caritas konnten nicht verletzt werden, ohne daß sich_ tiefe Erregung der Gemüter bemächtigte; dir Kämpfe der'- lhrfrchmg, die den Anfang des Jahrhunderts bezeichnet hatten', riefen immer neue Streiter auf den Plan. So sahen es bc>onders Juden an, die allzulange im Schotten gelebt hatten, Um nicht lichteren Zeiten ültenpirllcndc Huf finnigen entgegenzubringen, für die sie allein einen religiösen Nimm» besaßen: messianische Erwartung. - Gewiß hatte diese bislang liäufig getrogen, weil sie in der stumpfen Well kein Echo gefunden hatte, alter Zeilen und Menschen waren andere geworden, -.orwärts geschritten. Es ist heute bequem, über den Optimismus jener Ceneralhin zu lächejn, der gelegentlich wunderliche Blüten trieb und bitteren Enttäuschungen ausgesetzt war. Er hat uns den Tadej von. Denkern wie. Schopenhauer, v. Hartman». Dühriug. Deusscn und Nietzsche eingetragen. Jüdische Denkart war an der Seile von U*ilmiz, Kant, Herder, Hegel, Feehn'-r und I-ot/r /n finden: war Idealismus der Gesinnung mit Ihalisuub« der Tal; Hoffnung im Bunde mit Arbeit. Solche Denkart wird un*.tihcia I 1 begegnen, wo wir jüdisches Leben jener Zeit ltclaie-chen können: im Jugendunterricht, in der Predigt, im Geltet, in der Publizistik und schönen Literatur, im lUrtif und öffentlichen Auftreten. Messianische Erwartung als Idee fortschreitender B-csserung in allen mensch liehen Beziehungen und Verknüpfungen fehlt fast nirgends. Das harte Urteil, dos unsere auf Anregung des Mendclssohu-Friedlaendcr-Kreises entstandenen Katechismen erfahren holten ((."reizenarh, 1 less, Johlson; yelb-t I.. Stein und Ilei-ihcimcr) sollte nicht für die Abschnitte; Das Messias reich gelten, die allein schon durch einen Kranz prophetischer Stellen und messianischer Gebete wirktcu- Aus der großen Predigt-Literatur sollten wir geniale Heden eines Jcllinck, JocL Itippner oder Mayhaum heraiinhclKMi, in denen große Kulturlalen der Zeit gepriesen werden oder der Weg gesucht wurde, Bürger und Jude in -Harmonie zu sein. Die verschiedene Weltlage in den Ländern der Dias[w>ra brachte zu Zeiten eine Entfremdung großer Gruppen der JudcuUcil zuwege, und ließ mit dem Gemeinschaftsgefühl auch die nationalen Hoffnungen verblassen. NieuiaU zerstörte sie jene Idee der Zukunfti-hoffnung, die als lebendige SebiiMiebt nach Frieden und .sozialer Wohlfahrt im Volks- und im Völkcrleiten in allen jüdischen Herzen wogte. Sie suchte nach rechtem Ausdruck im Gebet; sie war es, der die erstorbenen Wünsche noch Wiederherstellung diu Tempel« zu Jerusalem als der Stätte der Pflichtopfcr und des Prie*lcrdienstes der bisherigen Gebetriten zu modernen. Geltetbüchern weichen mußten. Die Sammlung der Gemeinde aus den vier Enden der Erde auf dem Boden Palästinas die Errichtung eines Davidsthrones in Zion, der Anbruch des inessionischen HeicliP» unter Wundern und Zeichen — sie schienen utopisch, in unabsehbarer Ferne; von ihnen zu sprechen ungefährliche Schwärmerei; nur die Bitte um Wiederkehr des Opferkultus erfuhr offenen ^"idersprurh. Von der Zeit des Hamburger Tcmpelstrrits bis zur " Polemik über das Geltet buch Badisclier Gemeinden ist diese Begrenzung erkennbar; noch zyletzt in M- S t c.c k e 1 m n e h e r s „Widerlegung der Angriffe David Hoffmuims". Auch Amerikas Common prayer-book und englische, liberale Lilurgcii wiaaen nichts von einem. Kampf gegen Zion um] Jerusalem, Mindern mir von Ausschaltung der Opfer und Vergebt igmig der messianischen Erwartung. Kurz sei erwähnt, daß d»*^ damals sich entfaltende"," jüdische Publizistik und Belletristik vom Hauche mcssianiselter Erwartung erfüllt waren, und daß sie auch hei Männern öffentlichen Wirkens nicht fehlten. Jedem sind Namen wie Bcrthold Auerbach, Lud. Aug. Fraukl, Lcop. Kom|K*rt gegenwärtig; alter auch Gabriel Riesscr, Ein Höhepunkt war unj 1870 erreicht. Dir 'isr. Synoden von Augsburg und Leipzig, zumeist aus Deutsehland und Österreich besucht (1869—1871) einigten sich auf eine von Ludw. Philippson entworfene Erklärung, die die Übereinstimmung des Judentums" mit den Prinzipien der neueren Gesellschaft und des Rcchtsataats Itctont und diese Prinzipien zu bekennen und zu fördern als eine der wesentlichen Aufgabe)» des Judentums, hinstellt. Die große Konferenz amerika- . nischcr Haitianer zu Philadelphia (1869) eröffnete ihre Proklamationen mit dem Satze: The Mcssianir aim of Israel is not the restoration of the old Jcwish state but the nnion of all ehüdren of God in the confession of the unity of Codi -L Wiedcrrrstarkcn nationaler Elemente mes-ianlieber Erwartung im Erlebnis von Damaskus. Führjen erhebende Ereignisse die jüdische Seele zu allumfassender Weltoffcnhcil, so stürzten niederschmetternde sie zurück in die Enge der eigenen Glaultcnsgcmeinschaft. Freude wie Schmerz fühlte sie nicht uni ihretwillen allein; es war das Herz der Welt 'nach Jchuda Halcvis Wort), das jubelte oder klagte. Das Ereignis von Damaskus, das als erster, breiter Schatten auf dem Jahrhundert lastete, und das seine Wiederholung auf vielen andern Schauplätzen fand, rief in Adolphe Crcmicux und Moses Montefiore Männer auf den Plan, die in ihren Ländern wachsende Resonanz Itci allen Wohlgesinnten fanden. In Cn'micux erstarkte der Gedanke der Gcmeinbürgschaft der Starken für die Schwachen, der Gesicherten für die Ungesicherten. so daß er Mitbegründer der Alliance Isr. Universelle wurde; Montefiore kenn zeichnet die Inschrift seines Ade Isw Uppens genug: Wenn ich dein vergäße, Jerusalem! Vernommen wurden zum vrslen Mab' Aufforderungen zur Wicderbcsiedmng Palästinas vom Öfttv'n wie vom Westen her: H. Hirsch Kali sehet* aus Thoni uud H. Elia. G u t pi u e he r aus Graetz führten in. hebräischen - Snidschrcibcu aus, was Ih'vi in seinem ,,Hom und Jerusalem" deutsch in Brieffonn niederlegte. Ihn hatte die fninzüfdüt'ltc Schrift von Emest f.;diarnnnc „Die neue Orientnlinche Krage" in der CbVrzeugnng ln^irirkt. daß die . Wiederherstellung der jfidiM-hcn NatHtualilftr jmf paluKtincn.Hi.Hehem IUmIcii nicht nur zu erboffeu, Mtiidern mit L'ulerslützung Froukrciehs nuzu.ttrebeu. S4'i und ein praktischer Aufnng in der Gründung jüdischer Kol«- nitu am I-Jindr der Väter gemacht werden, solle. Er weiß daruuj» . «laß die Juden hcIi 1800 Jaltrt' lung im Etil erhallen halten, weil sh' sich mit ihrem eignen Lebensmark überall einen heiligen Boden geseliaffeu halten; wünscht alwr, daß t-ie nun; nach vollendeter, geistiger Wiedergeburl,' „als freier Srfuuc.ttcrliuu yeUm den übrigeit fiH'igew^irileneti Nationen ihren Aufwhwun^T *ur Smuu' nehmen," Trotz -Aufkläning und Emanzipation küun** das Juthju. (mu nicht seiner Solidarität mit seiner Nation enthoben werden. Ähnlich national-religiöser Ideen gluubt der Verfasser Itci Graetz . und Sachs zu iH'gegncn-, wir dürfen diesen anfügen Uiippapnrt und Liizzato, Zach. F r a it k e-l~imd David Cassel. Und wenn noch im HußlaiHl des Zar-Befreiers"ein Jchudn Löh Gordon das Wort geprägt hat; „Sei .lüde drinnen, draußen Mensch", so Itczcictmet Leon Pinttkers „Aulocmanzipatiou" zu Beginn der neuen, ms>t'*ehen Verfolgungen die denkbar »rhroff^te Wendling. ö, Auflösung der mrsxianjschru Erwartung in milt'isclie, rcligiQse und Endziel-Motive führ* bis zu. partrimQBigcr Srfitiduiif; tlrr Gristrr. Es war gegen Ende des Jahrhunderts, als die neue Ztoits- Itewcgung zuerst von 0.-.1 nach West *Irang, dann den entgegengesetzten Weg nahm, allmählich Anhänger iu allen Teilen der pidisehetv Diaspora gewann. (Ueiehviel «h J. IL G^eeiwtouc recht hat: der Zionismus ist die neueste Pluue der ine-wianw-lien Hoff- innig, jedenfalls brachte er eine bis dahin unbekannte Gärung in die Geister. . Zum ersten Main vielleicht seit der Zerstreuung trat mit ihm eine Bewegung auf, die in Uireiu Aufaugsslndiuin der Religion im Judentum den Itcberrscheiidcn Rang absprach, ja ilirr Funktion ah* ciiiigeiidcH Band aller üircr GHeiler aberkannte. Zurück blieb ein säkularisiertes Judentum ^gekennzeichnet durch diu Tnl-ucheii *<Ier Gemeinsamkeit der AltHlumiuuug,. Sprache und Geschichte; und geeint in den außerhalb jeder rationalen Begründung gerecht fertigten Hoffnungen, ja Ansprüchen .auf nationale Wiedergeburt, zunächst in der DiuM|iorn, sodann auf dem Boden PalasliniM, bis zur Erlangung staatlicher oder staalenäbnlichcr Autonomie als „Erlösung". Was Damaskus erweckte, russ'isvhe ■ lUxlrückuus forlwlrte, entschied die Affttire. Drcvfun. Diese rief Tlieodor He rz 1 zu seinem heut« Itcrcits der Geschichte ungehönuiden Ziouswirken auf den Plan; neben ihm Max Nor- (lau, der in der Ncuiralilär-gc.genühcr religiösem Glauben einen Vorzug erblickte;. und zahln'iche nndore, denen lie^tudcr» die gebildete Jugend wegen des neuen, politischen Aspekts in Scharen folgte. Groß war der Widerspruch, den diese Richtung im Lager der Traditionsanhunger fand. Waren bhtlier Zion und Jerusalem nur theorethiseh in Frage gestellt und höchstens die Opfer* geltctc ausgeschaltet, so kütujigjc sieh hier ciuö dureil die Tat vollzogene Wundhing an: ein Lliartcr itollte die Büekkrlir verbürgen, Geld den^Bodcu erwerltcii1_S'in Leiten nicht ausschließlich " auf Grund Inge der Tora danclltttt Hielt entfalten. Es war bereit« ein Fortschritt, daß nach und nach die kulturellen und ethischen Faktoren den Vorran*» ülter die allzu weltlichen und materiellen gewannen. Das Verdienst durah gebührt vielen ausgezeichneten Geistern: allen voran Ach ad Ha am und Chaj. Nachum Bia- J i k. .Da sich außerdem zur Wahrung der Tora-Güter-die Gruppe des Mlsrachi' bildete, •*> blieb für die unbeugsame Orthodoxie geringer Grund, in' strenger Ablehnung zu verworren; wie bU heute die Kreise um Isaak Breuer und Nathan Birnbaum; Talmudischcr Gelehrsamkeit konnte es nicht schwer fallen, die Bewegung g«*gcn den schwächlichen Einwand des „neged hndät** . ^gegen jüdbiches G<*setz) zu recht fertigen. In anderer Lag« befand sich der religiöse Liberalismus. ■—-*. Hirn - war mestdanische Erwartung beinahe zum wichtigsten Bollwerk geworden. Mit ihr hing zusammen die Auffassung der Berufung und der Sendung, der täglichen Aufgahc-Ti|ia der ~" späten Zukunft. Hier schien kein Kompromiß möglich. Dur neue Zionsltcwcgung hatte zunächst nur geringes Verständnis, viel häufiger Spott und Hohn für dos, was dem religiös Liberalen das Heiligste .war, die Idee einer jüdischen Mission. Es hatte gleichzeitig eine um sich greifende .Fahnenflucht eingesetzt, sei es zu erfülltem Messiastum oder zur BckenntniHlosigkeit. Diese gefahrvolle Zeit war die Gcburtsstunde der Jüdischen, Theologie, der die Nachfolge der Wissenschaft de» Judentum»1* zufallen sollte. Ohne letztere, deren unsterbliche Meister an dieser Stelle' nicht erwähnt zu werden brauchen, keine Theologiedoch ohne eine solche, linterstützt von Religion»-, Kulfur- und Ce,schicht*tpbih>tophicT kein tieferes. Verständnis der messianische n Idee. Wir halten e» gewonnen. Durch die Arbeiten von . . Mor. Güdcmann und C. Seiigmann, Jacob Cii11mann und Lc« Baeck , Max Dienemann/und Mux Wiener; denen die Pliilosophen Mor. Lazarus, Ludw. Stein und vor allem Hermami Cohen nebst Benzion Keltermann zur Sehe standen; in Amerika durch Kaufm. Köhler-, Emil G. Hirsch, Dav. Philinson und Sut. Schechter, Sam. Srhulmoain und H. G. Endow; in England.durch Clayj^. G. Montefiore, Isr. Abrahams und Morr. Jo»ep~hT^ Insbesondere:;die in die gleiche Richtung weisenden_Ideen von Dienemanns „Der Messian und die rnes*iflni»che Zeit", Baeck» ,.Der Glaube an die Meneehheit" und Hermann Cohens „Die Idee

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