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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-10-16 · 42 (16.10.1935) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
42 (16.10.1935)
Date
1935-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Von Hauschano rabbo bis Simchas Tauro Warum Schlußfefi? — Die symbolifche Nudelfuppe —" Die Fahnenparade in der Synagoge — - Befclienken der Kinder ein alter Brauch Den Beschluß der Hcrbstfcicrtngc bilden Hauschano rabbo. Schcmini azorcs und Simeons Tauro. Wahrend die beiden letzten Ganzfcicrtagc sind, gilt Hauschano rabbo nur als Halbfcicrtag; er hat nur eine kultische, in der Ilcgol abor keine häusliche Begehung. Dii Brauchtum macht abor auch vor Hauschano rabbo nicht halt, denn es liegt,in der Volksseolc, Symbolik zu lieben. Ein Beispiel sei der in Schlesien und Posen üblich gewesene, stellenweise wohl noch geübte Brauch, am Hauschano' rabbo in Wasser gekochten K6hlNzu essen — in Anlehnung an den'hebräischen Spruch, den man beim Abschlagen der Hauschanaus, der kleinen Weidcnsträiißchcn, sagt: Kol mcVasscr —• „eine Stimme verkündet'ß" ^nämlich dio Vorgebung der Sünden). Schemini azeres, wie das Schlußfest abgekürzt genannt wird, hat dem Worto nach eine' andere. Übersetzung1, denn azorcs heißt eigentlich Fcstversammlung. Man hatte es Schlußfest genannt, weil es ein Simchna Tauro noch nicht gab. Dieser letzte Festtag wurde gleichfalls azeres genannt, donsclbcn Namen trug in talmudischor Zeit'auch das Schowuausfest. Wie dieses erst? fünfzig Tage nach Pcssach gefeiert wird, sollte auch Schemini azeres fünfzig Togo nach Sukkaus begangen werden. Aber mit Rücksicht auf die bevorstehende Regenzeit und das damit verbundene Fest des Wassorschöpfens — das übrigcnB in Palfistina wieder ein Feiertag geworden ist — wurde das Azoresfcst gleich an Sukkaus angeschlossen. < Dabei sei gleich eines ebenfalls auf merkwürdige Symbolik fußenden Volksbrauches gedacht, der in Böhmen üblich war: man aß am Scheniini azorcs Nudeln in der Suppe, die rundlich waren und deshalb flogenwürmer genannt wurden. Man fertigto sie so an, weil ja an diesora Tage bekanntlich um Regen gebetet wird. In einigen Gegenden war auch früher zu Schemini azeres eine festliche Illumination der Synagogen und . Privothfiuser üblich. Das Freudenfest der Tora «Justiert in der heutigen Bedeutung eigentlich -erst seit nachtalmudischor Zeit, denn der Name kommt im. Talmud noch nicht vor. Im Traktat Megillah wird zwar die Haftauro für SimchasX Tauro angegeben, aber - der Tag selbst wird zweiter/Tag Scheniini azorcs genannt. .Dor Name Simchas Tauro findet sich erst im elften Jahrhundert in den Schriften des Rabbi Isaak ben Jchudi ibn Giat, dor 1089 als Rabbiner der spanischen Gemeinde Luccna starb. Ab Name für das Fest war gewöhnlich auch „Wcsaus ha b'rocho" im Gebrauch,' qinc Bezeichnung, die sich* noch übers zwölfte Jahrhundert hinaus bei zeitgenössischen Schriftstellern findet. Im kabbalistischen Buche Sohnr gibt es den Nomen Simchas Tauro, was als Beweis für die spätere Abfassung dieses Werkes, das man Rabbi Simon ben Jochai zuschrieb, angesehen wird. i Am Simchas Tauro wird das letzte Kapitel des fünften Buches Moses vorgelesen und anschließend gleich wieder der neue Zyklus mit dem ersten Kapitel des ersten Buches begonnen. Der letzte Wochenabschnitt beginnt mit ,dcn' Worten „Wcsaus ha b'rocho", mit denen das Fest, wie erwähnt, ebenfalls bezeichnet wurde.' .' Kultus und Brauchtum gruppieren sich harmonisch um Idee und Tendenz des Festes: sich an der Tora zu orfreuen. In fest^ liebem Umzüge, unter Vorantragung von Lichtern und unter Abshignng von Gebeten werden am' Vorabend und am Festtage selbst nllo vorhandenen Torarollcn herumgetragen. Die darauf folgende Vorlesung gestaltet sich zu einem besonders feierlichen Akt. Dor zum letzten Kapitel und der zum ersten Kapitel „Aufgerufene" wird mit außergewöhnlichen 'Ehren empfangen. Der Erste trBgt den Namen Chosson Tauro (Bräutigam der Tora), der. Andere <lio Ehrenbezeichnung Chosson bercschia (Bräutigam des Anfangs). Für diese Ehre revanchierten sich früher — und in kleineren sowie in orthodox eingestellten Gemeinden geselücht dies heute noch — dio Geehrten durch namhafte Spenden an die Synagoge und ihre Wohltütigkeitsanstalten, außerdem durch ein Festmahl. >! ' , Am Simchas Tauro soll nicht nur jeder Erwachsene zur Tora „aufgerufen" werden, auch die Kinder. sollen unter Führung eines Erwachsenen sich um die Gesctzesrolle'( scharen und die vorgeschriebenen Segenssprüche sagen. Was in kleinon Gemeinden möglich ist, Hißt Bich (natürlich in Großgemeinden mit tausend und mehr Synagogenbesuchern nicht durchführen: der Gottesdienst würde am ganzen Togo kein Ende nehmen können. In kleineren Gemeinden ist es'noch üblich, über den Chosson Tauro undden Chosson Bcrcchis den Gcbc'tmantcl in der Art einer Chuppoh (eines Trauhimmels) über dit\ Köpfe zu halten, ■ um die symbolische Vermahlung mit der göttlichen Lehre noch bildhafter zu machen. > Simchas Tauro -wird nicht zuletzt als ein Fest der Jugend begangen. Wahrend früher die Kinder Fähnlein trugen, an deren Spitzo ein roter Apfel und darin wieder eine kloine brennende Kerze steckte, begnügt man sich jetzt mit den Fahnen allein. Das Werfen von Bonbons und anderen Süßigkeiten unter die Kinder ist abgeschafft, denn auch dio Heiligkeit eines Ortes vermag — trotz ernsthaftester Ermahnungen — Kinder nicht davon abzuhalten, sich wegen - einer Zuckerstango oder eines Stücks Schokolade zu katzbalgen. Man hat jedoch die,1 Vorteilung von Süßigkeiten geregelt. Dank, noch immer spendefreudiger Frauen und Männer bekommt jedes sein Tütchen Naschwerk, damit „es weiß, daß Simchas Tauro ist." Die Simchas-Tauro-Umzügc und das Beschenken der Kinder sind nachweislich viclo Jahrhundertc alt.; Es gibt Holzschnitte aus dem 17. Jahrhundert, die deutlich das Verteilen von Kuchen an die Kinder zeigen, und man kann aus den Beschreibungen sehen, daß es sich boreits um eine alte und überall sowohl nei den aschkenasischen wie bei den sephardischen Juden geübto und beliebte Sitte handelt. Bemerkenswert sind unter den Festbräuchen außerhalb der Synagoge einige Spciscbrüuchc. So die bei den Juden Südrußlands übliche Leiterform des Simchas^Tauro-Barches. Während ober die russischen Juden damit sinnbildlich ausdrücken wollen, das Volk steige empor, um vom Himmclsgcricht den Urteilsspruch für das nächste Jahr zu empfangen, haben dio spanischen Juden die Lcitorform als Symbol dafür, daß Moses zu Gott „hinaufgestiegen" sei, um dio Tora zu empfangen. Dr. B. Seh. Wie der,Barbier von Sevilla' durchfiel Erinnerung an die Uraufführung einer weltberühmten Oper / Zifchen während der Ouvertüre I Die verfiimmte Gitarre I Tumult im Zufchauerraum I Roffini fchläft I Fackelzug und Ständchen Der Jfldlsche Kulturbund Beilin bringt Ende dieses Monats unter der musikalischen Leitung Joseph Rosenstocks, In Kurt Singers luszenlenlerung Rossinis „Barbier von Sevttjla" heraus. Aus diesem Anlau bringen wir nachstehend eine Erinnerung G. F. Wittmanns an den denkwürdigen Abend der Uraufführung der Oper Im Teatro Argentina In Rom Irri Jahre, 1816. ' Die Oper „Der Barbier von Sevilla" fiel unter Umständen durch, wie man sie sich nicht empörender hätte ausmalen können. Hossini betrat in seinem schönsten Kostüm, einem haselnußbrauncn Frack mit goldenen Knöpfen, das Orchester. Allein seine Feinde befanden sich schon auf ihren Posten, während seine Freunde, eingeschüchtert durch das erst kürzliche Mißgeschick der Oper „Torvaldo o Dorlisko", wenig Entschlossenheit zeigten, das neue Werk zu halten. Dor Meister wurde mit Pfeifen und von Zurufen untermischtem Gelächter empfangen, schon die Ouvertüre wurde unter Lärm und Zischen zu Ende gespielt. Rossini hatte die Schwäche gehabt, Garcia, dessen Befähigung ihm imponierte, zu genehmigen, daß dieser das Lied, welches im ersten Aufzug unter dem Balkon Rosinens gesungen wird, durch eine gleichartige spanische Melodie ersetze, da jener dem in Spanion spielenden Werk damit eine lokalere Färbung zu geben meinte. Dio Stimmunp des Publikums machte diesen Versuch zu einem recht beklagenswerten. Durch einen unglücklichen Zufall hatte man vergessen, die Gitarre zu stimmen, mit der Almaviva die Absicht hatte, sich selbst zu begleiten. Garcia mußte also das Instrument in sitzender Stellung auf der Szene stimmen, wobei ihm auch noch eine Saite riß. Der Sänger war genötigt, sie durch eine neue zu ersetzen, und während dieser Zeit begann, wie man sich denken kann, ein Lachen und Pfeifen, olmo die mindeste Rücksicht auf den fünfundzwanzigjährigen Meister, den armen Rossini; am Pulte des Dirigenten. Den Gewohnheiten und' dem Geschmack der Italiener fremd, wurde dio Melodie abgelehnt, ■und das Paterrc begann die spanischen Verzierungen naehzuträllern. | ' , Die Einleitung dor Kavatine des Figaro konnte zu Gehör gebracht werden; als man aber nach dieser Figaro-Zamboni mit derselben Gitarre im Arm auftreten sah, bemächtigte, sich der Zuschauer ein tolles- Lachen und dio Gegner Borgten durch ihren wahnsinnigen Lärm dafür, daß keine Note dieser entzückenden Nummer gehört werden konnte. Rosine zeigte sich auf dem Balkon, und bei der Beliebtheit dor Sängerin .beeilte man sich, ihr Beifall zu klatschen., Unglücklicherweise aber hatte sie einigo Worto zu singen,. dio auf dio Stimmung des Publikums bezogen werden konnten, und nun verdoppelte sich die Heiterkeit im Zuschauerraum. Audi während des Duetts Almaviva-Figaro hörte das Pfeifen und Hohngcschrei nicht einen Augenblick auf, und das Werk schien verloren zu sein. Da trat Rosine auf und sang die mit Ungeduld erwartete Kavatine: „Frag' ich mein bcklomm'nos Herz", die, nebenbei erwähnt, Rossini seiner Oper ■ „Elisabotta, rogina d'Inghüterra" (Elisabeth, Königin von England) entlehnt hat. Die Jugend der Giorgi-Righetti, die Schönheit ihrer Stimme und die Gunst, die aio heim Publikum genoß, brachten ihr einen dreimaligen anhaltenden Applaus; die Hoffnung auf einen Erfolg des Werkes lebto wieder auf. Dieser kurze Somienbliok im Sturmeswetter verschwand fast sofort, als Basilio bei seinem Eintreten das Unglück hatte, an einem Nagel hängen zu bleiben und der Länge nach dermaßen hinzufallen, daß er ein ganz mit Blut überlaufenes Gesicht zeigte. Er sang die Vcrlcumdungsarie unter Lachen und Höhnen 'der Zuhörer, indem er sich beständig das Blut.aus dem Gesicht wischte. Selbst das Duett Figaro-Rosine unterlag dem wüsten Lärm. In dem Augenblick des schönen Unisono, welches die Strctta beginnt, rief cino Stentorstimme: „Das ist,oin Leichenbegängnis des Don Pollionel", Worte, die eine heute unverständliche örtliche Anspielung, aber für.,die damaligen römischen Ohren einen vernichtenden Witz enthielten, denn das Gebrüll und dttB wüste Johlen übertönte hierauf das Orchestor und die Stimmen der Sänger. Und als nun gar eine Katze auf donBühne erschien und, von den Lichtern' und dem Lärm erschreckt, wie toll hin und her sprang, um einen Ausweg zu finden, steigerte sich der Tumult zu einem Durcheinander von Stimmen, das nur durch das Fällen des Vorhangs beschwichtigt werden konnte. Ale dor Vorhang gefallen war, wandte sich Rossini nach dem Publikum, hob leicht die Schultern und klatschte Bich selber Bravo. Die Zuschauer sollen sich durch diese Verachtung ihres Urteils verletzt, ober kein Zeichen der Mißbilligung wurde hörbar. Dio Vorgeltung sparte sich für den.zwoiten Aufzug auf, und sie war, so grausam als nur möglich; denn nicht ein einziger Ton war im nächsten Akte hörbar. Niemals hat eine ähnliche Flut von Schmähungen die Aufführung eines dramatischen Werkes entehrt. Rossini indessen verlor 'seine Ruhe nicht und verließ das Theater mit derselben Gemächlichkeit, als ■ hätte es sich um die Opor eines Fremden gehandelt. Die ' Darsteller Georgi (Rosine), Garcia (Almaviva), Zamhoni (Figaro) und' Botticelli (Bortolo) eilten, nachdem sie sich umgekleidet hatten, noch seiner Wohnung, um ihn zu trösten: sie fanden ihn im tiefsten SchlafI Bei der Aufführung am nächsten Abend wurde „Dor Barbier von Sevilla" in den Himmel gehoben. Rossini hatte die unheilvolle spanische Einlage Garcias durch dio wundervolle Kavatine „Sieh schon die Morgenröte der Welt entgegenlachen!" ersetzt, die er schon als Chor m seiner Oper „Ciro in Babilonia" (Cyrus in Babylonien) und später als Introduktion in „Aureliano in Palmiro'!; vorwandt hatte. Garcia sang sie unter lebhaftestem Beifall. Ferner hatte sich Rossini beeilt, alles aus seinem Werke zu entfernen, was berechtigtorweise gemißbilligt worden war. Dann schützte er Unwohlsein vor und begab sich zu Bett, um nicht genötigt zu sein, am Pulte des Dirigenten zu erscheinen. Die Versammlung war an diesem Abend geneigt, das Werk wenigstens zu hören, oevor es dasselbe vollständig verwarf. Diese Meinung vollendete den Triumph des Meisters, denn es war unmöglich, daß ein so wohlunterrichtetes Publikum nicht hätte lüngcrisscn werden sollen durch die mit verschwenderischer Hand in diesem Meisterwork ausgestreuten Schönheiten. Man lauschte, und nur dio Beifallsbezeigungen unterbrachen das Schweigen dor aufmerksamen Zuhörer. Noch war die Aufnahme keine begeistorto, ober in den folgenden Aufführungen vergrößerte sich der Erfolg, und mon gelangte endlich zu jenen Ausbrüchen dor^ Bewunderung, die dieses geniale Werk allenthalben geemtet hat." Der EnthuBiasmuB nahm Bald einen solchen Umfang an, doß Rosaini von denselben Römern, die ihn vorher so grausam ausgepfiffen hatten, mehrere Abende hintereinander im Triumph und beim Scheine von Tausenden von. Fackeln nach seiner Wohnung geleitet wurde. \ Die entzückten Hörer kamen an sein Bett und beglückwünschten ihn i zur Vorzüglichkeit seiner Opor. Joachim Prinz erzählt „Die Reich« Israel und Juda" Schön das Äußere dieses (im Erich ReißS Vorlag, Berlin) erschienenen Buches ist .cW, Anreiz', ^sich mtvseaicm Inhalt zu beschäftigen. Es zci£t auf dor Titelseite in hübscher Anordnung dio Wappen der zwölf Stämmo: den Löwen Judas, die Hindm Naphtahs, das Bild der Urim und Tummim, dor heihgen Lose des Stammes Lcvi, , dor übrigens cino schwarz-weiß-rote Flagge hatte, das Zeichen Sebulons, ein Schiff (allerdings ohne das Mögen Dovid, das der Illustrator Heinz Wellenberg ihm anheftet), einen bewaffneten Krieger, der den Stamm Gad repräsentiert usw. Und auf der Rückseite bieten sich andeutungsweise die Hauptorto der beiden Reiche Israel und Judo dar, deren Geschichte Joachim Prinz der Bibel nacherzählt, ohne eich immer haargenau an den Urtext zu halten. ,- . Besser, noch als in den im vergangenen Jahr im gleichen Vorlog erschienenen Geschichten der Bibel ist es Prinz hier gelungen, der Jugond ■Geschichte und Geschichten von Salomos Zeit bis zur Aufteilung Palästinas unter dor Römerherrschaft nahezubringen' die Gestalten der Könige .und Holden, blutige Kriege, Verrat und Treue, Abfall und GlaubcnBcifer in frischen, lebhatten Farben zu schildern, dio Schicksale der Makkabäcr, des Rebellen Bor Kochba mit den Erscheinungen der Moalitin Ruth^dcr .Königin Esther und dor Judith zu kontrastieren. Themen aus der uumittolbaren Gegenwart können nicht fesselnder geschildert werden als es Joachim Prinz tut, mit seiner Fähigkeit, Historisches lebendig und gegenwärtig zu machen. Bezeichnend für seine 'große Erzählergabc, wie er dio Ausgrabungen einer amerikanischen Expedition in Sebastie (Samaria) verwertet, um die Atmosphäre lür dio Regicrungstätigkeit König Ahnbs eindrucksvoll zu gestalten, wie er Ruth in die Landschaft hineinstellt, dio Erscheinung des Jeremias aus der Zoit 'sich entfalten und über dio Zeit hinauswachsen läßt. Prinz, hat Temperament und Worto für dramatische Spannungen und auch dio Gabo schlichter Darstellung, dio dem Leser Seelisches nahebringt; Mit diesem Buch, das Heinz Wellenberg mit Tuschzcichnungcn und Tafeln anschaulich illustriert hat, hat Prinz der Jugend ein bleibendes, wertvolles Geschenk gemacht. <~ et. Georg Bertram im Kulturbund ^tta Zauberreich Chopinscher und Schumannscher Romantik, dio uns noch so vertraut berührt und doch im geschichtlichen, Erleben der Gegenwart immer_jtcrncr entschwindet, führt uns Georg Bertram, und er tut es' mit der Fülle klanglicher Phantasie, dio erst all den verborgenen Reichtum diesor Welt aufleuchten läßt. Er weiß den gchcimnisvollon Untergrund, dos dunkle Weben der Mittclstimmen in die zarte "Melodik der Oberstimme hineinwuchem zu lassen, ohne es je. grell zu bestrahlen. Und bei' aUedem wird dem Zykluscharakter der Prcludes und des Carneval stets sein Recht, und nie gibt es ein Wcichliohes Zerfließen, auch nicht . in , dem hierin versuchungsreichen Des-dur- Preludc. Ein kleines Meisterstück ist es, wie Bertram das cs-moll- Prcludo gespenstisch vorüberhuschen läßt. . Gebannt folgt man diesor Darstellung, dor gegenüber ab-' weichende Einzelheiten der Auffassung nichts besagen. Dob Publikum bereitet Bertram, der sich mit diesen Konzorten von Berlin verabschiedet, um nach Amerika zu gehen, einen ehrlichen Erfolg und erzwingt sich mehrere Zugaben. H. Freyhan. Kurt Katfch leitet ein jiddifches Enfemble Warschau. Der bekannte Schauspieler Kurt K a t s e h , der früher an deutschen Theatern und zuletzt am Theater des Berliner Kulturbunds tätig war, hat vor einiger Zeit mit großem Erfolg den Übergang zur jiddischen Bühne vollzogen. Nunmehr hat Katsch ein eigenes jiddisches Ensemble zusammengestellt, dem hervorragende Kräfte angehören. Mit diesem Ensemble beginnt er am 16. Oktober eine Tournee, die ihn durch olle Städte Polens mit größerer jüdischer Bevölkerung führen wird. " Die Eröffnung des Wintersemesters des Jüdischen Lehrhauses findet am Donnerstag, den 17. Oktober 1935, 20.15 Uhr, im Brüdervereinshaus, Kurfürstenstraße 115/116 mit einem Dreigespräch zwischen Jugendrabbinor Dr. Heinrich Lernte, Rabbiner Dr. Ignaz Maybaum und Frau Dr. Bertha Badt-Strauß . über „"Unsere religiöse Situation" statt. Kartenausgabe im Sckrotari.it Marburger Straße 5 III, Tel. Bavaria B 4 5587 und in den Verkaufsstellen. Hörerkarten nur im Vorverkauf. Mitglieder von Jugcndbündeh erhalten bei Sammelbestellungen die Hörerkarten für das ganze Semester zum Preise von 1 RM. Im Hause Gertrud Weil, Fasanenstraße 5, findet am Donnerstag, den 31. d. M., abends 8 Uhr, ein musikalischer Abend statt. Ausführende: Agnes Lenbach, 'Charlotte Rosen, Helene und Lola Croncr und. Helene Lachmannski-Schaul. Programm: Mozart, Brahma, Reger. ' 4>otfe8i>iralfc in den. Synagogen mit neuem Ritus Freitag, 18. Oktober. Abends in ollen Synagogen 17.15 Uhr. In den Synagogen Prinzrcgcntraße und Fricdenstempel iGcdüchtnis der Toten. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser .Allee 162, 7.15 Uhr: Predigt und Seelonfeicr: Graf. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstroße 30, 7.30 Uhr: Predigt und Seolenfeicr: Goctz. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Prömietnade 176, 7.30 Uhr: Predigt und Scelenfeier; Zimet Liberale Synagoge Westend,- Koisordamm 78, 7 Uhr: Predigt und Seoleufoier: Braach. Liberale Synagoge Weddmg-Rcimckcndorf, Trift- Btraßo 63,. 7.30 Uhr: Predigt und. Scelenfoiori Adler. Jüdische Religionsgemoindo Charlottenbürg, Schulstroße 7, 17.15 Uhrft JücUscho Rofonngcraeindc, Joochimsthaler Straße 13, 6.30 Uhr; Schlußfest mit Seelenfeier. Predigt: Gottschalk. Sonnabend, 19. Oktober fflehemini Azeres). Hauntgottesdienst 10 Uhr. Neue Synagoge: Swarsensky. Lindenstraßo; Warschauer. LützowBtraße: Xewkowitzi Fasanenstraße: Salomonski. Levetzowstraßo: van der Zyl. Friedenstempel: Sänger. Prinzrogentenstroße: Golliner. Schmargendorf: Hamburger. Außerdem Frühgottesdienst mit Seelcnfeier: 7.30 Uhr: Neue Synagoge, Lützowstraße, Lovetzowstraße, Lindenstraße, Fasanenstraße, Prinzrcgentcnstraße. Liberale Synagoge Norden: Predigt und Scelenfeier: Brasch. Liberale Synagoge Osten, Predigt und Seelenfeior: Zimet. Liberale Synagoge .Nordost, Predigt und Scelenfeier: Goetz. Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg, 9.30 Uhr, Scelenfeier und Predigt: Pfingst. Abends in allen Gemoinde- Synagogen: 17.15 Uhr. In den Liberalen Vereina-Synagogen 6 Uhr. Norden: -Oberländer. Liberale Synagoge Osten: Zucker. Liberale Syhogoge Nordost: Zimet; Liberale Synagoge Weddirig- Rcinickendorf: Kassel. Sonntag, 20. Oktobor (Simchas tauro), vorm. 10 Uhr. In den liberalen Vereinasynagogen Norden: Zucker. Osten: Zimet. Westend: Graf. Jüdische ReUgionsgemcinde Charlottenbürg, 9.30 Uhr. Jüdische Reformgemeinde, Johannisst,raßo 16, 10.30 IJlir: Koppol. / Die. Gottesdienstzeiten für die übrigen Synagogen lagen . bei Schluß des Blattes noch nicht vor.

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