Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 40 (2.10.1935)
- Date
- 1935-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4109741-2613367-2613406--489-2615337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Es wird gemeldet! B Das RcichBgcricht hat in einer grundsätzlichen Entscheidung der Anfechtung einer Ehe stattgegehen, weil sich nicht feststellen..: ließ, ob die unehelich geborene Ehefrau von einem arischen oder einem jüdischen Vater abstamme. Die Möglichkeit, daß die Frau nichtarischcr Abstammung sein könne, war dem Manne bei der Ehcschlicßun" unbekannt gewesen. (IV 128/35 vom 22. 8. 35.) ° ' * ■ Im „RcicliBanzcigor" veröffentlicht der Regierungspräsident von Königsberg eine Liste von drei Personen, deren Namen auf ihre nichtarischc Abstammung schließen läßt, deren Einbürgerung widerrufen worden ist. Der Regierungspräsident von Wiesbaden veröffentlicht die Namen von zwei Personen, deren Einbürgerung gleichfalls widerrufen worden ist. * ■ Auf dem zweiten Internationalen Kongreß alttcstamcntarischtfr Forscher, der in Göttingen stattfand und von 70 bis 80 evangelischen und katholischen Forschern des In- und Auslandes besucht war, wurde über fast alle Zweige alttestamcntarischcr Forschungsarbeit berichtet. „Was allo Kongreßteilnehmer über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg", so schreibt die „Frankfurtler Zeitung", „als das große Gemeinsame verband, war einerseits die Anerkennung der Autorität des Alton Testaments als Heiliger Schrift, andererseits die ihnen damit auferlegte Verantwortung." ♦ B Wie aus Köjn gemeldet wird, wurde Generalkonsul '■Max Baumann, der seit Jahren erster Vorsitzender der Repräscntantenvcrsammlung der Kölner Gemeinde ist, 75 Jahre alt. Generalkonsul Baumann, der auch in anderen jüdischen Körperschaften an führender Stelle steht, gehörte lange Jahre zu den leitenden Persönlichkeiten der ehemaligen Lconhard-Tietz-A.-G. \r:'"- ES Nach Meldung der „Frankfurter Zeitung" hat die- Hauptverwaltung der Deutschen Reich sbahngosellschaft am 18. September diejenigen ihrer Beamten, die Volliude. n sind, vom Dienst beurlaubt. Es handelt sich bei dieser Maßnahme um eine vorläufige Beurlaubung bis zum Vorliegen der angekündigten Ausführungsbcstimmurigen zu den neuen Reichsbürgergesetzen. ' * BS Bei dem Verein deutscher Ingenieure war bereits bisher in den Aufnahmebedingungen arische Abstammung vorgeschrieben. Nunmehr wurde bestimmt, daß künftig für die Mitgliedschaft beim VDI. und den ihm angeschlossenen Vereinen die rassischen Grundsätze der NSDAP. (Ariernachweis bis zum 1. Januar 1800) ohne jede Ausnahme Voraussetzung sein sollen. B Auf dem Lehrgang der Fachschule für Filmtheaterbesitzer führte Oberrcgierüngsrat Racther, dem „Angriff" zufolge, aus: während Filmverleih und die Produktion schon faBt ganz j ii den rein seien, seien unter den Thcatcrbcsitzcrn noch 143 Juden. Bis zum 3. Dezember werde jedoch auch liicrin Wandel geschaffen werden. In der Filmkörperschaft seien heute keine Juden mehr. B Dos „Hnkcnkrcuzbanner" meldet, daß Juden von der Teilnahme an der Herbstmesse in Mannheim ausgeschlossen worden Bind und daß in die VorBtcigcrungsbedingungen ein Passus aufgenommen worden sei, daß Juden keine Plätze steigern dürfen. * B Bei der diesjährigen feierlichen Eröffnung der niederländischen Gcneralstaaten im Haag war zum erBtcn Mal ein Rabbiner als Vertreter der jüdischen Geistlichkeit in vollem Ornat anwesend. * ■ Der Ita wird aus Rom gemeldet: Den in Erwartung nahe bevorstehender kriegerischer Operationen gegen Abcsainicn nach Italicnisch-Somaliland und Erythräa entsandten Truppenabteilungen sind als jüdische Feldgeistliche zwei junge Rabbiner zugeteilt worden. Unter der Freiwilligen, die sich für den abessinischeu Feldzug gemeldet haben, befinden sich auch zahlreiche Juden. * B In einer längeren Audienz beim Papst legte der Rektor des italienischen Rabbinerseminars und ehemalige Obcrrabbincr von Florenz, Professor Cassuto,' dem Papst sein soeben erschienenes Werk über die hebräischen Handschriften in der Vatikanischen Bibliothek vor. B Der österreichische Ski verband hat, wie das „Salzburgcr Volksblatt'' mitteilt, in einer Vertrctcrvcrsainmlung in Salzburg einstimmig beschlossen, den Arierparagraphen einzuführen. B Im jüdischen Viertel von C a s t o r i a sind, wie aus Saloniki gemeldet wird, zahlreiche jüdische Häuser und Geschäfte einem Brand zum Opfer gefallen. Die Synagoge konnte mit großer Mühe gerettet werden und dient jetzt den vielen obdachlos Gewordenen als Zufluchtsort. B In Wien ist die Philanthropin Karolinc Ilofmann, die segensreich wirkende PräBidcntin des Israelitischen Fraucnvereins für den Bezirk Wieden-Margareten, gestorben. Sic war mit der großen goldenen Medaille für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. B Auf dem alten Rigaer jüdischen Friedhof wurde in Gegenwart von Vertretern der Regierung, dor Armee und der jüdischen Organisationen ein Denkmal für die im Weltkrieg und in den Kämpfen um Lettlands Unabhängigkeit g c - fallcncn Juden enthüllt. B Wie der JTA aus Warschau gemeldet wird, hat der Minister für Kultus und Unterricht den Waschauor Oberrabbiuer Professor Dr. Moses Schorr für weitere drei Jahre als Vertreter der jüdischen Konfession im staatlichen Bildungerat Polens erneut bestätigt. Die jüdifehen Farben In der Nummer des in Karlsruhe erscheinenden „Der Führer" vom. 26.. Juni lesen wir: „Durch das neue Roichsgesctz.-ißt es den Juden in Deutschland bekanntlich gestattet, ihre Farben zu zeigen. Da diese Farben der Gesamtheit des deutschen Volkes ' bisher von den Juden 'vorenthalten wurden, seien sie hier kurz erläutert:, , Die Farben der Juden sind Blau und Weiß, doch ist die Zusammenstellung dieser Farben zu einem Flaggenzcichcn verschieden. Zionistische Gruppen haben die Flagge Blau-Weiß. Daneben kommen noch zwei Formen vor. Die blaue Flagge mit dem weißen Davidstern und die woißo Flaggo mit dem nlaucn Davidstern. Wir sind überzeugt, daß die nunmehr zu eigenem kulturellen' Leben zusammengebrachten Juden sich in Kürzt! einigen werden, welche Flagge sie zu führen gedenken ..." Auch der „Würzburger Generalanzeiger" befaßt sich mit dieser Frage. „Mancher Leser", heißt es da u. a., „wird sich gefragt hahen, welches die jüdischen Farben sind, und diese Unkenntnis ist auch bei Leuten, die sich um das Flaggen-, WappeitT und'Bricfmarkcnwesen kümmern, wohlberechtigt. Denn Palästina, die „gesichorte Heimstätte der Juden", wie sie in der BalfouTScheu Erklärung genannt ■ wurde, ist entgegen mancher landläufigen Ansicht einstweilen kein eigener Staat, sondern englisches Mandatsgebiet, und solcho führen keine1 eigene Flagge. Dennoch gibt «s jüdische Farben. Die Zionisten haben sich als Fahne, die Farben Weiß und Blau erwählt. Indessen beginnt hier bereits ein gewisser Zweifel; Es' steht nicht1 ganz fest, ob diese, Farben nicht in der anderen Reihenfolge Blau und AVciß geführt werden sollen!' Die. zahlreichen nichtzionistisclten Juden haben sie bisher abgelehnt ... ..Es ist selbstverständlich ganz Sache der Juden, sich über ihre „richtigen" Farben zu einigen. Nur das soll angemerkt werden, daß alle diese Farben keinen Anspruch auf ein hohes Alter erheben können. . . . Auch der heute unter dem Namen Mögen Dovid, Stern Davids, oft als eine Art Stammeswappen der Juden gezeigte Scchsstorn kann auf keine lange Vergangenheit zurückblicken. Er stammt aus der spätmittelalterlichcn Kabbala, nachdem er längst vorher ein Sinnbild anderer Völker gewesen war und in Mitteleuropa schon Bcit der Bronzezeit vie^ verwendet wurde. Die alttestamentarischen Juden und noch diejenigen der Römerzeit haben ihn nie verwandt; es ist sogar zweifelhaft, ob sie ihn gekannt haben. Bezeichnenderweise kennt man nicht einmal ■ daB Wappen des ehemaligen Landes Judöa. Auf einigen altjüdiBchcn Münzen ' ist zwar ein Palmbaum durgestcllt, dor dieses Wappen sein könnte; aber es ist auch möglich, daß es eich dabei nur um ein Wahrzeichen der Stadt Jerusalem handelt . . .'' ' - * ■ Hierzu wäro zunächst zu bemorken, daß' von den zwölf Starnmon jeder seine eigene Fahne hatte; von welcher Farbe Bio jedoch gewesen sind, darüber ist tnis nichts Authentisches überliefert. Im Jahre 1354 schrieb Karl IV. den Präger Juden für ihre Fahne den Davidsschild. und das Siegel Salo'mos, also das Hexagramm und das Pentagramm, vor. Die Farbe dieser Fahne soll rot gewesen sein. Was den Davidsstern anbetrifft, so wurde er zwar erst durch Iaak Lurja im 15. Jahrhundert zum beliebtesten Symbol des Judentums, er kam aber bereits in den galiläischcn Synagogen vor. Man weiß ferner von einer, Grabinschrift in Tarent aus dem 3. Jahrhundert n., die den Davidstern aufweist. Unter dem Namen Davidsschild ist der Mögen Dovid zuerst im Eschkol hakofer des Karäcre Juda ben Elia hadassi um 1148 nachweisbar. Das Stammcsabzcichcn Judas war der Löwe. Paul Goldmann geitorben Wienaus Wien gemeldet wird, ist dort der bekannte Publizist Dr. Paul Goldmann im 71. Lebensjahre einem Herzschlag erlegen. Schlcsier von Geburt, ein Neffe des langjährigen Fcuillctonleitcrs der. „Frankfurter Zeitung" Fedor Mamroth, ist Paul Goldmann schon früh Journalist geworden, ein Beruf, dem er bis in s^ine letzten Lebcnstago hinein leidenschaftlich ergeben war. Eine Reihe von Jahren war er Korrespondent der „Frankfurter Zeitung" in Paris, jahrzehntelang hat er die Wiener „Neue Freie Presse", in Berlin vertreten, bis ihn vor knapp einem Juhr ein schweres Siechtum zwang, aus dem aktiven Dienst zu scheiden. 'Sein Beruf hat ihn viel in der Welt umhergetrieben und; ihn überall mit den hervorragendsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zusammengebracht. U. a. hat er doli Boxeraufstand in China mitgemacht. Sein zweibändiges Werk über China ist auch heute noch niclit veraltet und gibt wertvolle Aufschlüsse über ostasiatischc' Probleme'. Während des Weltkrieges war Paul Goldmahn wiederholt als Gast Hindenbur'gs und Ludcndorffs im Großen Hauptquartier und seine Gespräche mit den deutschen Heerführern sind in die Weltpresse übernommen worden. Aber Dr. Goldmann war nicht nur ein Mann der Politik, der übrigens auch^njutig in dio Dreyfus-Affäro eingegriffen hat; er war ebenso aufgeschlossen für die Wolt des Theaters. Seine unbestechlichen, freilich auch wegen ihrer Strenge und Schärfe viel befehdeten Theatorkritiken, dio in einer Reihe von Büchern zusammengetragen sind, lassen Goldmann als einen Menschen von Charakter, vielseitigem Wissen und Temperament erkennen, dor sich durch Modeansichton nio beeinflussen 'Heß. Der Tod hat seinem, ruhelosen Leben ein Ende gesetzt. ■ ' Wieviel jüdische Zahnärzte gibt es? Das Berliner „Zwölf Uhr, Blatt'1 schreibt: „Nach den neuesten . Erhebungen des R e i c h s v e rb a n d e s der Zahnärzte Deutschlands beträgt dio Gesamtzahl der Nichtarior, die sich heute noch in Deutschland zaluiärztlich betätigen, 826; von ihnen waren jedoch 597 nach den geltendeu Bestimmungen von Amts wegen zuzulassen. Lediglich 229 . nichtariache Mitglieder des ■ Reichsverbandes der Zahnärzte Deutschlands sind nicht ttassenfähig. Insgesamt hut der Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands also nur noch einen' Hundertafltz von 6 Nichtarierri aufzuweisen. Brief aus Breslau Synagogcn-Ncuweilie, Rcprüscntantcnvcrsariimlung und Kulturbund Borich t für dio „Jüdische AI Ig o m o i n o" Breslau. Dio hiesige Neue Synagogo wurde neu cingoweiht. In lichtem Blau Btruhlcn die Wände dor renovierten Synagoge, ein feines Gelb erleuchtet Altarraum und Orgel, strahlende Lampen erhellen den weiten Raum, die störenden Pfeiler sind zum größten Teil verschwunden, und zahlreiche Lautsprcchcranlagcn verstärken jede dor synagogalcn Handlungen. Vien biblische' Inschriften zieren die Kuppel, und mit ehrfürchtiger Andacht' orwartet die Gemeinde das Entzünden des ner tomid durch Rabbiner Dr. Sänger. In feierlichem Zuge werden die 25 Tornrollcn hereingetragen. Drei Monate lang war emsig un diesem Bou gearbeitet worden. Viele junge jüdische Arbeiter haben an dem Werk mitgearbeitet, das von den Architekten Ehrlich und Tischler ausgearbeitet wurde. In feierlichen Worten grüßte Gcmcindcrabbincr Dr. Vogclstein den Sabbat im neuen Raum, der wie bisher Sammlung, Erlösung vom Alltag und Erbauung bieten soll. In der letzten Sitzung der Repräsentanz wurde an Stelle des nach Palästina verzogenen Dr. Grzebinasch der clwiifalla der zionistischen Organisation angehörende Dr. Holpert zum stcltvcrtretcndcn Gemeindevorsitzenden vorgeschlagen und gewählt. Uber den Umbau der Bibliothek berichtete Dr. Schlesinger. Erwähnenswert ist eine vom Vorstand beschlossene A n u c r u n g der Wahlordnung, wonach künftig für die Wahlen der Gemeinde Wnhlvorschläge von mindestens 300 Wahlberechtigten (bisher 1001 eingereicht werden müssen. Der Jüdische Kulturbund Breslau begann mit Shakespeares „W a s Ihr wollt" seine Tätigkeit, und Nikolai Eljaschoff bewies trotz dor sparsamen Mittel, die ihm mit der Bühne des Frcundcssaalcs zur Verfügung stehen, seine Rcgickunst. Der Ablauf des Stückes ging unter lebhaftem Beifall des Publikums flott und trotz der schwierigen Umbauten ohne Stocken vor Bich. Hansi Schottcnfcls als Viola war eine feine Komödicnspielerin. Gina Pctruschka als Olivia bewegte sich in etwas zu gelassener Würde. Mit sprudelndem Temperament Lieselotte Rosen, täppisch überzeugend Alfred Balthoff als Junker Christoff, in Gesang und Mimik seine Rolle ausschöpfend der weise Narr Alfred Lichtenstein. Erschütternd Fritz Ritter, als Malvolio in seiner tragischen Gestalt. K- Ti- Drei Jubiläen in Frankfurt a. Main Brief für die „Jüdische Allgemeine" Krankfurt a. M. Wie die Feiertage Ruhe-, Höhe- und Aussichtspunkte im gleichmäßigen Abiaul des Juhrcs sind, so im Leben deB Einzelnen und der Institution gewisse Gedächtniszeiten. Die Frankfurter jüd. Gemeinde konnte kurz vor den diesjährigen Feiertagen eine Reihe solcher Jubiläen begehen: Fünfundzwanzig Jahre sind es. daß Georg Salzbcrgor liberaler Gemeinderabbiner ist. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Wcstcndsynagoge fand aus diesem Anlaß eine Feier der Gemeinde statt. Namens der Gemeindeverwaltung gedachte der Vorsitzende des Vorstands, Justizrat Dr. Blau, dieses Tages, die ehrenden und anerkennenden Worte, die Rabbiner Dr. Seligmann seinem hochgeschätzten Amtsbruder zu widmen gedachte, wurden, da ihn selbst eine Unpäßlichkeit an der Teilnahme bei der Feier hinderte, von Rabbiner Dr. Lemle verlesen. Dem berufenen, tief im Jüdischen verankerten Redner, dem ersten Wissenschaftler, und vor allem dem schlichten, warmen, mitfühlenden Mcmschcn galt, diese Ansprache. Und als Dr. Salzbergcr selbst zu allzu bescheidenen Worten des Dankes anhub, da hingen die Herzen einer ganzen im Innersten dankbaren Gemeinde an diesem seltenen Seelsorger und Führer. Was er in seiner Rede in der Bitternis unserer Zeit als stärksten Ansporn und hehrste Aufgabe lünstellte, die wahrhaft wissende Verbundenheit zwischen Seelsorger und Trostbedürftigen, das wurde allen, die bei dieser ergreifenden Feier anwesend sein durften, zum wirklichen unvergeßlichen Erlebnis. . Eine zweite Jubelfeier, freilich sozusagen in der Jrankturtcr •Peripherie, war der auf Ercw Rausch haschonoh fallende scchzigte Geburtstag von Rabbiner Dr. Max Diene mann (dessen wir bereits in unserer letzten Nummer gedacht haben. Die Schriftltg.). Durch Präsidentschaft in der Loge, Vorträge und Kurse im Lehrhaus, Mitarbeit im Gcmeindcblatt und in die weitesten Kreise reichende persönliche Verbundenheit gehört dieser Führer deB liberalen Judentums, dieser feinsinnige Schriftsteller tmd Redner, dieser tief wissende Forscher doch auch ein wenig zu der Frankfurter Gemeinde, so daß auch in diesem Zusammenhang BCiner nicht vergessen werden darf. Und endlieh jährte sich am 28. September zum fünfundzwanzigsten Male der Tag, an dem die Westendsynacoge eingeweiht wurde. Dieses Gotteshaus, lujuto nocli architektonisch von innen und außen überraschend zeitgemäß anmutend, ist nun schon Jubilar und Mutter einer Tradition gewordon. Was vor 25 Jqhrcn noch Experiment war, eine Fortsetzung erster kleiner Versuche zu einem gleichzcit wahrhaft liberalen und doch traditionsveibundcnön Gottesdienst, ist heute unwegdenkbaro Tatsache,, so daß nur allzu leicht das seinerzeit unerhört Revolutionäre der Schöpfung des Seligmannschcn Gebetbuchs, das noch heute von keinem Gebetbuch der ganzen Judenheit auch nur annähernd an gleichzeitig ästhetischer Wirkung, innerer Religiosität und zeitgemäßer Ausdrucksform erreicht wird, in Vergessenheit gerät. Wieviele Generationen 'von Schülern sind sphon durch das Gotteshaus hindurchgegangen, die als Barmizwahknaben dort eingesegnet wurden, dort unter 'der Chuppah standen und dann die Ein- ' Segnung ihrer eigenen Kinder erlebten. Von der Frankfurter Westendsynagoge, dio einen Claude Montcfiorc mit ihrem Gottesdienst, nachdrücklichst beeinflußte, nahm üueh die Weltvereinigung für das liberale Judentum ihren Ausgang, insofern, ab Dr. Seligmanns Bericht über diese Schöpfung in London den Anstoß gab zu der Gründung der Londoner Jewish Religious Union. Man darf vielleicht auch daran erinnern, daß an der Spitze der Behörden Oberbürgermeister Adickes der Einweihung beiwohnte und von jüdischen Großen Hormann Cohen und Paul Ehrlich Auf Anregung der Berliner Zionistischen Vereinigung und Ider Berliner Misrachi-Gruppo veranstaltet der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin am Mittwodi, den 2. Oktober 1935, 20.30 Uhr, in der Alten Synagoge, Ileidoreutergasse, ehte Trauerfeier für den verstorbenen Oberrabbiner von Palaftina Rabbi Kuk Die Gedenkrede hült Herr Rabbiner Dr. Holtmann, Frankfurt a. M.