Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 23 (5.6.1935)
- Date
- 1935-06-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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rühmten jüdischen Taschenspieler von.Beruf, dio Zauberkünstler Herrmann, Bc 11 achini, der .unter den Namen .Homes, Fay und Davcnport mit seiner Truppe zaubernde Göttlich die mcdiiimistischcn aberirdischen Manifestationen. Alle diese Artisten führten in ihren Vorstellungen die wunderbarsten okkulten und spiritistischen Experimente aus: eio ließen sich fesseln, und einsam stchendo Tischchen begannen zu klopfen und beantworteten Fragen aus dem Kreise der Zuschauer. Glocken erklangen in der Luft, die .Tasten eines Klaviers wurden von unsichtbaren Geisterhänden in Bewegung gesetzt. Der Artist aber saß an einem Stuhl, an Händen und Füßen gefesselt, die Knotfcn kontrolliert, von einwandfreien Leuten aus dem Publikum versiegelt. Alles war unberührt, unverletzt. / Manche Zauberkünstler verrieten ihre Tricks, nicht, sondern erklärten nur, daß es sieb um keine Geistormanifestationen und keine Wunder handle, sondern eben um Kunststücke. Einige zeigten sogar, wie sie es machten, und unter ungeheurer Heiterkeit war nun zu sehen, mit wie verhältnismäßig einfachen Fertigkeiten man dergleichen Spuk vorzuzauberh vermochte. Manche Zuschauer waren dadurch bekehrt — nndore nicht.' Namentlich die nicht, die mit Hilfe von Medien in Verkehr mit Verstorbenen getreten sind. Die Literatur darüber ist sehr groß. Unter den Gläubigen finden sich sehr bedeutende Menschen, es'finden sich unter ihnen auch Juden — warum nicht? Wer wirklich das Liebste verloren hat, warum nicht an die Hoffnung Bloh klammern, daß es keine Trennung auf Ewigkeit ist? Haben denn dio Juden nicht auch eine Eschatologic, die von' Jenseits und von Auferstehung spricht? Hier berühren einander Okkultismus und Religion. Das seltsamste Schauspiel bilden aber jene Menschen, die skeptisch und spöttisch sich als die „Aufgeklarten" aufspielen, aber okkulten Dingen gegenüber am leichtesten widerstandslos werden. Das aber gibt eine ganz nndere Zusammenstellung: Okkultismus und Aberglauben. Vom abergläubischen Juden jedoch ein anderes Mal. Dr. B. Schidlof. Sechs Neuerfcheinungen Der Schöpfer der „Klabricispartie" .Erinnerungen an Donat Herrnfeld Am 8. Juni jährt sich zum 20. Male der Todestag einer der seltsamsten Bühnenerscheinungen. Donat Hcrrnfcld wurde in einer kleinen, alten Universitätsstadt Ungarns geboren und entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilic, der Theaterblut bis jetzt fremd gewesen. Und nun wollten auf einmal gleich vier der Geschwister Herrnfcld zur Bühne: Küte, Anton, Donat und Ella. Der junge Donat hätte gern seine Theaterlaufbahu mit einem Universitütsstudium verbunden, da sich ober die zwei Berufe doch nicht ganz vereinbaren ließen, siegte die Sehnsucht nach den Brettern. Die Geschwister Hcrrnfold begannen ihre Bühnenlaufbahn als Gesangs- und, Tanzhumoristen. In Ungarn bearbeitete Donat Herrnfeld die ersten Hcrrnfeld-Stücke, als knapp Zwanzigjähriger erhielt er die Konzcssion, sich Theaterdircktor nennen zu dürfen. Von Ungarn über Osterreich durch ganz Deutschland führte der junge Direktor Donat Herrnfeld seine kleine Schauspicltruppe auf einem Sicgcswegc bis nach Berlin, wo er seinen ständigen Aufenthalt nahm, unzertrennlich mit seinem Bruder Anton vereint. Donat Herrnfeld war sein eigener Autor, Regisseur und Schauspieler. Die Kolonaden am Alexanderplatz waren der Wohnsitz des Gebr. Hcrrnfcld-Thcaters in Berlin. Jeder Fremde, der nach Berlin kam, verbrachte einen Abend im „Herfnfeld-Theater". Die Herrnfcldiadcn hatten alle volkstümlichen Charakter. Anton verkörperte den „Bommen", sein Bruder Donat die tragikomischen Rollen und packte mit einer großen Charaktcrisicrungsgabe jeden Besucher. Niemals hat er sich über seine jüdischen Charaktertypen, die er erdacht und erlebte, lustig machen wollen. Er war Zeit seines Lebens ein nicht nur gläubiger, sondern auch guter Jude, der im Geheimen so manchem Wohltaten erwies. Er sollte seiner Zeit an das Königliche Schauspielhaus als Charakterdarsteller, insbesondere von Judentypen, Verpflichtet werden mit dem Vorschlag, daß er sich taufen lassen sollte. Donat Herrnfclds Entgegnung war: „Wie Boll ich auf der Bühne ein guter Jude Bein, wenn ich im Leben einen schlechten Christen spielen mußt" Das populärste Stück des Herrnield-Repertoires war die „Klobriospartie". Ihre Witze sind zu geflügelten Worten geworden: „Kellner, a Limohadl Aber ohne Zitrone — Zucker hab' ich mir selber mitgebracht!' '— Kellner Moritz (zu einem Stammgast): „Sie, was is mit mei'm Geld?" Gast: ,Jhr Geld können Sie haben — aber meins nicht!" Bei „Cskriwanek" waren Donat und Anton Herrnfeld Stammgäste. In ihrer eleganten Equipage kamen sie vorgefahren, auf den Köpfen die bekannten Cylinderhüte. Auch auf der Rennbahn sah man Donat Herrnfeld oft, immer in Begleitung seines Bruders. Donat war ein leidenschaftlicher Pferdefreund und besaß selbst einen UcnnsLall. Sonst gab es für ihn nur Beine Familie. Jetzt war das Hcrrnfeld-Theater schon in die Kommandantenstraße übergesiedelt Die Brüder Herrnfeld hatten sich dort nach ihren Angaben ihr eigenes Theater bauen lassen. Es kam der Krieg. Ein schweres Leiden befiel Donat Herrnfcld. Uber ein Jahr lang siechte dieser blühende Mensch im besten Manncsalter langsam dahin. Der Lebensmut des Mannes, der so vielen das Lachen geschenkt, war gelähmt. Immer noch einmal schleppte . sich Donat Hcrrnfcld von. seinem Krankenlager zum Theator, bis zuletzt seine. Pflicht treu erfüllend. So hatte er es von seinen Angestellten verlangt, so ging er ihnen bis zuletzt als leuchtendes Beispiel' voran. Ab und zu brach noch einmal der starke Wille Donat Herrnfclds hervor, der,ihn, vereint mit unermüdlicher Arbeit, immer an sein Ziel gebracht hattci Dem Tode vermocht« er nicht mehr sich loszureißen. Eine unübersehbare Menge nahm an seiner Beerdigung auf dem Friedhof in Weißensee teil. Das Herrnfeld-Thcatcr hatte seinen größten Anziehungspunkt verloren. Anton unternahm ver- . . schiedene Gastspielreisen, Joch Donat, den jeder suchte, war nicht ' mehr. Anton hat den Verlust seines über alles geliebten Bruders nie .verwunden — sie gehörten zusammen! Vor einigen Jahren verbünd ihn der Tod mit 'dem, oluie den sein Leben ein Iialbcs geblieben war. . P. D. Steffi Ein preisgekrönter Roman Ludwig Winders Für seinen Roman „Steffi" erhielt Ludwig Winder vor einigen Monate« den1 Litcrarurprcis der Tschechoslowakischen Republik. Das JBiich ist soeben im Verlag Julius KittlB Nachf., Leipzig, Möhrisch-Oetrau, erschienen. Wie seine Landslcute Max Brod im „Tschechischen Dienstmädchen" und Iwan Olbracht in „Anna" gibt er den Roman eines Dienstmädchens. Sein Roman reicht' in die soziale und in die krcatürliche Welt; diese Doppelbclichtung verschafft ihm die besondere Weiträumigkeit. „Familie Dörr« überwindet die Krise" — so lautet der1 Untertitel des Romans.1' Faniilio Dörre, das ist die Herrschaft, zu der die achtzehnjährige Steffi Apcl nach dem Tode der Gräfin, dio die Ausbildung1 der. Vierzehnjährigen Waise übernommen hatte, in Stellung geht. Steffi'weiß nichts davon; daß bei dieser Frau Dörre keine Hausgehilfin mehr Dienste nimmt, auch daß Bio das erste hübsche Mädchen ist das Frau Dörre, ihren Grundsätzen untreu, anstellt,' ist ihr unbekannt. Aber sie bewährt sich; den Männern deB Haushalts, flie" unter der Herrschsucht der vergrämten Frau leiden; schafft ihre Gegenwart so etwas wio ein Heim. Ausgezeichnet ist ein Hauswesen dargestellt, das in den Jahren der Wirtschaftskrise auf die bürgerliche Fassade halt, lunter der nur noch die Trümmer des Kleinbürgertums aufgerichtet sind. Der Gegensatz zwischen den Generationen bildet den Ubergang zu den Bereichen der Natur, vor. deren Hintergrund das zivilisatorische Zeitbild gestellt ist: die Liebschaft, die Steffi mit dem älteren Sohn des Hauses hat, nur, weil ihre bereiten Sinne durch den Anblick des Morgcntrüinings des jungen Mannes geweckt wurden, ihre Entdeckung, daß ,das' nicht die Liebe sein kann, die Wirkung ihrer Anwesenheit auf den halbwüchsigen jüngeren Bruder, ihr Licbeserlcbnis endlich, als sie ihrem künftigen Manne begegnet. Kontrastreich steht daneben die Heirat des älteren Sohens Dörre mit der reichen Erbin. Das Reizvolle an dem Buche ist, daß der jüdische Verfasser es versteht, jede Gofühlszerglicdcrung in Handlung aufzulösen. Er bringt subtile Vorgänge des Seelischen und scharfe Beobachtungen des Zeitkritischen mit ungekünstelter Einfachheit. Außerdem ist dieser Ludwig Winder ein seltener Humorist. Es sind keine jüdischen Menschen, dio — im Gegensatz zu anderen Romanen des Autors — in dem Buche auftreten. Wir aber suchen unwillkürlich nach einem Niederschlag des Jüdischen in der Kunst Ludwig Winders. Wir glauben es am ehesten in der Gestalt des Bruders der Frau Dörre zu finden, der es aufgab, der Familie Ratschläge zu erteilen, seit er sich damit als „Pechvogel" erwiesen hat. Als aber ein Rat von ihm zum Guten ausschlug, versöhnte er sich „mit der unmenschlichen Macht, die er widerwillig anerkannte. Heimlich begann er sie zu preisen. Heimlich gab er ihr einen neuen Namen, den ältesten: Gott. Heimlich glaubte er an den Gott seiner Kindheit, einen edlen, strengen GreiB mit einem langen weißen Bart". Lutz Weltmann. ■ .Predigten an das Juilontum von heilte", gehalten von Rabbiner Dr. Swarsensky, Altmann, Eschelbaohor, Nobel, Carlobach, Goldmann, Warschauer u. aerscheint demnächst als orster Band der „Bücher der Erneuerung" im Joachim-Goldstein-Verlag, Berlin-Wilmersdorf. Als zwoiter Band erscheint: Jüdische Lyrikanthologio mit Beitrügen von 8turmonnt Silbergloit, Goldschlag, Leo Hirach, Marg. SuOmann, Poritzky, Stenzol u. a. Jakob WassormannB, „Kerkliovon". Der zweite Band des nachgelassenen Kornaus von Jakob Wassermann, „Josef Kerkhovens dritte Existenz" erscheint als nächste Veröffentlichung dor Jüdischen Buchvoreinigung Mitte Juni. Die Gesellschaft xur Förderung der WlBBonBchaft des Judentums E. V. halt ihre dieajüluigo Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 12, Juni d. J., 20 Uhr pünktlich,. Berlin W 02, Kloistatraßo 10, ,'ab. ' Professor Dr. Isauo lIcinemamvBresiuu wird über dag .Thema „Grieohischo Wissenschaft und jüdische Frömmigkeit bei Maimonides" sprechen. Personalien. Herr Joseph Bukofzer, Berlin N 21, Artillerie* straüo 31, begeht am 11. Juni seinen 75- Geburtstag. Lebenslauf eines Emigranten' Es gibt ein jüdisches Sprichwort: „Nach Sukkoth kommen die Esrogim". Nachdem durch zahllose Zeitungsaufsätze, Schriften, Bücher, Feiern und Reden jüdischen Menschen wenigstens der Name des Maimonides eingehämmert worden ist, wenn innen wohl auch nicht immer Wesen und Werk dieser zentralen Gestalt mittelalterlichen Judentums ein- und aufgegangen sein dürfte, erscheint als erster Band einer Schriftenrcuie des Erich Rciss Verlages, Berlin, die Darstellungen der Hauptgebietc jüdischer Wirklichkeit zu geben verspricht, eine Biographie des Maimonides von Abraham H c s c h e 1. Es ist das Leben eines „Emigranten", das hier in einer geradezu romanhaft-spannenden Weise plastisch geformt ist. Zur Zeit, da die Kreuzfahrer in Frankreich und Deutschland ihre blutigen Opfer fordern, muß auch die Familie Maimon vor den Glaubensvcrfolgungen der Almohaden aus der spanischen Heimat fliehen. Fes, einst geistiges Zentrum der Juden in Marokko, gewährt Gastfreundschaft. Nach fünfjähriger Pause in diesem Wanderleben neue Flucht mit dem Ziel Palästina.Aber das völlig verkümmerte jüdische Leben — die jüdische Gemeinde in Jerusalem bestand damals aus vier Familien I — bestimmt Maimonides, alsbald wieder das Land der Väter mit Ägypten zu vertauschen. FoBtat wird dem Dreißigjährigen die Stadt dauernden Wohnsitzes. Hier ist Maimonides am 13. Dezember 1204 gestorben. „Seit wir in die Verbannung gegangen sind", schreibt er, „hörten die Verfolgungen nicht auf. Seit meiner Jugend, vom Mutterleib an, kenne ich dio Bedrückung". Unglück, Armut, Krankheit, Leiden, Tod der nächsten und liebsten Angehörigen, Haß, Neid, Mißgunst und Mißverstehen säumen seinen Lebensweg und machen den bescheidenen, rastlos schaffenden Mann zu einem frühzeitig Gealterten. Inmitten dieses chaotischen Lebens, der äußeren und inneren Wandlungen, wächst und blüht und reift das vielgestaltige geistige Werk des Rombom, das Beinen Ruf in die Welt trügt, das ihm — allen Gegnern und Anfeindungen zum Trotz — Ehren und -Würden und den Titel „Leuchto des Exils" einbringt. Aber nicht nur das äußere Leben des Mosche bcn. Maimon wird aus Bekenntnissen, Dokumenten und Vermutungen klar nachgezeichnet. Abraham Heschel hat es auch verstanden, für jeden leicht faßlich, Hainhams geistige Wandlungen deutlich zu machen und sein ungeheures Werk aus seinem Leben heraus zu entwickeln. „Zur selben Zeit, da im Norden gotische Baumeister ihre mystische Passion in die steinerne Gestalt der Dome bauten, saß in Fostat ein Mann, den eine titanische Leidenschaft in die Architektur des Geistigen trieb. Aus dem Chaos - der Vorschriften und Nonnen holte er Satz für Satz das Material für das riesige Lehrgebäude, unter dessen Dach die Welt der Juden ihren Platz finden sollte. . . . Was sonst eine Schar von Baumeistern zu vollbringen Sflegte, tat er ganz allein. Die Ausgeglichenheit seinor Seele urchdringt den Stil dieses Werkes, das .in der Enge eines kleinen Hauses in. Altkairo, in einer Höhle , entstand." Auf diese Weise hat uns Heschel iüber die Jahrhunderte hinweg das klare Bild dieses Denkers von konservativer Demut und revolutionärer Kühnheit, der auf der Höhe seines Lebens von der Metyphysik zur Medizin, von der Kontemplation zur Praxis ging, nahegerückt. Das Buch vordient einen Ehrenplatz in der jüdischen Bibliothek. E. Tn. * Abdias. Erzählung von Adalbert Stifter. Mit einem Nachwort von Margarete Susman. Nr. 31 der Bücherei des Schockcnvcrlagcs, Berlin. Hebbel hat Adalbert Stifter als Blumen- und Käfermalcr verspottet. Nietzsche hat ihn neben Goethe und Gottfried Keller gestellt. Den einen gilt er Wegen seiner Naturseligkcit als Romantiker, den anderen wegen der Strenge des Stils und seiner Gesinnung als verspäteter Klassiker. Wie mim im einzelnen auch zu seinem Schöffen stehen mag —in der Erzählung vom Schicksal des beispielhaft duldenden, gesegneten und verfluchten, dio Welt rastlos durchwandernden Juden Abdias, die Stifter im dritten Jalir seines schriftstellerischen Wirkens schrieb, hut uns der Hauslehrer aus dem Böhmorwald einen kostbaren Schatz in ewig gültiger Fassung geschenkt. Ein tieffrommer Katholik, hat er auch hier den ethischen Grundcharaktcr seines Wesens durch seine Schöpfung hindurchlcuchtcn lassen. „In dem Wissen des Dichters", meint Margarete Susman in ihrem gescheiten Nachwort, in dem sie Stifters Werk und die Gestalt des Abdias unter, dem Gesichtspunkt des Judentums wertet und in dieser Hinsicht vielleicht etwas zu Eoritiv bewertot, „daß das düstere Gericht Gottes in oll seiner Erarmungslosigkeit als unergründlich heitere Blumenkette durch die Welt hängt, lebt etwas von der übcrschwänglichcn Wahrheit des achtundricunzigsten Psalms, in dem die Seele ihrem eigenen Gericht als dem gerechten Gericht Gottes entgegenjauchzt. Es' lebt darin das Wissen um das heiligste und stillBtc Mysterium der jüdischen Verbeißung: Daß dio Gerechtigkeit Gottes,-indem sie sich vollzieht, aufblüht Zur heiteren; allvcrsöhncndcn Liebe." ., Man hat Stifter einen Fanatiker der Ruho genannt. Leidenschoftliche Parteinahme lag ihm fern. Dio Kunst war ihm höher als alle Welthandel,' sie war ihm neben der-Religion das Höchste. In „Abdias" hat er den Gipfelpunkt der (zeitlosen) Kunst erreicht. Wir nehmen sie uni so lieber hin, als sie sich an jüdischem Schicksal bewährt. u. a. # Baal Schern illuftriert Martin Buber ist der Entdecker und Erwcckcr des Baal Schern, des Begründers des Chnssidismüs, und Rosy. Li.lienfcld ist seine künstlerische Interpretin. Die junge Frankfurter Künstlerin hat sich die hohe und verlockende Aufgabe gestellt, <b'e Wunder des Israel bcn Eliescr, des Mannes des göttlichen Namens, ins Bildhafte zu transponieren, wobei sie ihre. Anregungen von Bubers chassidischen Legenden bezogen hat. > „Bilder zu der Legende des Baalschcm" heißt der erste Teil des graphischen Werkes, das der R. Löwit-Verlag, Leipzig und Wien, in einer im doppelten Wortsinn vorbildlichen Ausstattung und Wiedergabe, mit deutschem und englischem Text, herausgebracht hat. i Rosy Lilienfeld, die u. a. Kcllcrschc Novellen und Joseph Roths Roman „Hiob" illustriert hat und in die phantastische Welt E. A. Poes eingedrungen ist, findet hier die Möglichkeit, ihren Sinn für Mystik und Ekstase schwarz, und weiß zu betätigen. Dio Welt ist der Wirklichkeit entrückt. Träume werden offenbar. In finsterer Schlucht leuchten gierige, wilde Augen dämonisch auf. Blendendes Licht und finstere Schatten streiten unheimlich gegeneinander. Die Seele des Baal Schern verläßt sehnsüchtig den Körper, um sich zu Gott emporzuheben und steht plötzlich vor einer schwarzen Wand, die von schattenhaftem Antlitz beherrscht wird. Ein Licht leuchtet in der Finsternis, und wenn man naher zusieht, ist es eine EngelsgcBtalt. Nicht alle Blätter sind gleichmäßig geglückt. In marichen macht sich eine Neigung zum Versüßlichen rjcmcrkbar und eine gewisse Unsicherheit in dor Gestaltung der Beziehungen zwischen realer Welt und einbrechender Vision. Aber bei Blättern wie etwa vom Traum des Baal Schern auf dem brennenden Schiff im Sturm, von Baal Schern im Kreise seiner Jünger beim Mahl oder den kämpfenden Seelen spürt man, daß eine vorwärts drängende^ starke Begabung den Kohlestift führt. Es wird reizvoll sein, Rosy Lilienfdlds weiteren Weg zu verfolgen. —m. * Jüdische Jugend im Aufbruch. Ein Wort an Alle. Von Heinrich L c m 1 c. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Wenn der Frankfurter Jugendrabbiner Dr. Heinrich Lcmle hier das Wort ergreift, so verdient er nicht nur von der Jugend, sondern auch von dcn Eltern gehört zu werden. Unter Vermeidung ausgetretener Pfade sucht er mit offenem Blick für dio Nöte und Sorgen der jüdischen Jugend einen Weg, der sie einem sinnvollen Leben zuführt. Er übersieht keineswegs den ewigen Konflikt zwischen Elternhaus und Jugend. Und wie er den Eltern rät, sich nicht als die Verstoßenen zu betrachten, die vor der Situation) kapitulieren, bemüht er sich, die Jugend der Einsamkeit zu entreißen und die notwendigen Bindungen von Mensch zu Mensch, im Bund,'im Verhältnis der Generationen und namentlich in der Familie aufzuzeigen und das Tor zur Religion zu erschließen. Nicht zuletzt mit einem Appell anrdie Eltern: Gebt euren Kindern auf den schweren Weg, der vor ihnen liegt, ctwaB Lebenswichtiges mit: dos richtig schlagende Herz, dokumentiert Lemle, daß er, wie selten einer, um das Seelenleben der jüdischen Jugend in heutiger Zeit weiß. Schabbos. Von Fricdel W e i Frankfurt a. M. ß m a n n- J. Kauffmann Verlag, Das Hübscheste an diesem „allen jüdischen Kindern" gewidmeten Bündchen, das jetzt in zweiter Auflage erscheint, ist der geschmackvolle Einband und seine spielerische Form. Der Inhalt dagegen läßt leider zu wünschen übrig. Die Verfasserin bemüht sich mit Eifer, dem Kind die Weihe des sabbatlichen' Ruhetages eindringlich zu. machen. Ein löbliches Beginnen. Es scheitert jedoch, indem sie das Brauchtum des Sabbats einbaut in eine verniedlichende Darstellung häuslichen Lebens. Religionsunterricht im Kindergarten. 4Mk0i>tflilfe in den Berliner Synagogen mit neuem Ritus am Schowuausfest Donnerstag, 6. Juni, abends 8 Uhr; Synagoge Schmargendorf, Gottesdienst für die Jugend: 6 Uhr. —> Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162, 7.15 Uhr: Zimet. — Liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30, 7.30 Uhr: Graf. — Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Goetz. Freitag, 7: Juni, morgens, Hauptgottcsdicnst: 10Uhr. — Frühgottesdienst: Lindenstraße, Levetzowstraße und Prinzrcgenlcnstraßc: 7.30 Uhr. — Predigten: Neue Synagoge: Sacngor. Lindenstraße: Salomonski. Lützowstraße: Baeck. Fasarienstraße: Gallincr. Levetzowstraße: van dor Zyl. Fricdenstempel: Lewkowitz. Prinzregentenstraße (Mädcheneinsegnung): Swarsensky. Schmargendorf: Hamburger. Liberale Synagoge Norken: Zimet. Liberale Synagoge Osten: Graf. Jüdische Religionsgemeinde Gharlottcnburg, Sehulstraße 7, 9.30 Uhr: Pfingst. — Abends in allen Synagogen 7.30 Uhr. Fricdenstempel und Pririzrcgentenstraßo: Gedächtnis der Toten. Liberale Synagoge Norden, 7.15 Uhr: Goetz (Scclenfcierl. Liberale Synagoge Osten, 7.30 Uhr: Scheuermann (Seelenfeicr). Liberale Synagoge Nordost, 7 Uhr: Graf (Seclenfcier). Liberale Synagoge, Wcdding-Reiniekendorf, 7.45 Uhr*: Zimet (Seclenfcier). Jüdische Rcligionsgcmeinde Charlottcnburg - 7.30 Uhr. Jüdische Refofmgcmcindc, Joachimsthalcr Straße 13, 6.30 Uhr: Gottschalk. 1 Sonnabend, 8. Juni, vorm. 10 Uhr: Predigt. Neue Synagoge: Swarsensky. Llndcnstraßo; Sacngor. Lützowstraße: Salomonski. FaBoncnslroßo: Bacck. Levetzowstraße: Lcwkowitz. Friedenstempel: Warschauer. Prinzregentenstraße: Wiener. Schmargendorf: Graf. Liberale Synagoge Norden: Scheuermann (Seelenfeicr). Liberale Synagoge Osten: Goetz (Seclenfcier). Liberale Synagoge Nordost: Zimet (Seelenfeicr). Jüdische ReligioriBgenieinde Charlottcnburg, vorm. 9.30 Uhr: Predigt und Seclenfcier; Hamburger. . . Sonntag, 9. Juni. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16, 10.30 Uhr: Koppel.