Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 23 (5.6.1935)
- Date
- 1935-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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mBmük Beilage 5. Juni 1935 JÜDISCHE AUGEMEINE ZEITUNO Die fromme Wäfcherin Arn Tage dos Sohowuaus-Fcstcs ist, dar Üborlioforung nach, Koni? David gestorben. Von soinom Grab erzählt dio nachstehende Lcgendo, dio wir dor im Sohockon-Verlag orschlononou Sammlung „Der Born Judas" von Micha Josef bin Gorion ontnahmon. Einst lebte in Jerusalem eine rechtschaffene Frau, dio hatte ihren Maua und ihre Kinder verloren und ernährte sich redlich durch ihrer Hunde Arbeit. Sie wusch die Kleider andrer Leute, darunter auch die des Mannes, der die Gruft des Königs David zu bewachen hatte. Eines Tages brachte Bio dem Wächter Beine Kleider wiedor, frisch gewaschen und weiß wie Schnee. Da sprach er zu ihr: Du bist ein braves und verständiges Weib. Meine Seele lechzt danach, dir eine besondere Freude zu bereiten. Dich verlangt es doch wohl, das Gewölbe zu sehen, in dem der König David ruht. DiescB hat bislang kein Judäer geschaut. Die Wäscherin erwiderte: 0, könnte ich dieser Gnade teilhaftig werden! Da sprach der Wächter: So mach dich auf und folge mir. Und er schritt ihr voran, bis er zu einer Pforte kam, die zu einem unterirdischen Gang fahrte. Diese machte er auf und sagte zu dem Weibe: Tritt eint Kaum aber hatte sie ihren Fuß aber die Schwelle gesetzt, oIb der Nichtswürdige die Pforte zuschlug und sie allein im Finstcrn zurückließ. Er Bäumte nicht, rannte rasch zum Kadi und hinterbrachte ihm, daß ein judäiaches Weib die Dreistigkeit gehabt hätte, sich im IUI! IUI 1......1TK11II II 111 II......11111 rll11Itlll II 11111III I! 1111IS11II lllllll)III IItII.......111 II III II II II I III I II.....III IHM IM.......11 WIR Wer heut' in Treue zu uns steht, mit uns die gleichen Straßen geht, mit uns das gleiche Leben lebt, mit uns nach einem, Ziele strebt, wer sc» wie wir das Land durchzieht und mit uns singt das gleiche Lied, der fühlt wie wir des HcrzcnB Not, den packt wie uns das hart' Gebot der Zeit, die kämpfend wir bestch'n: Bezwingen oder untcrgeh'n. Aus dorn demnächst im Philoverlag erscheinenden Gedichtband ,,W orte am Weg o", den der Bund deutschjüdischer Jugend herausgibt. 11i min mihi.......in i niiiiiii ituni i itu i ii ii.....ii 111 min i min imi 11 iim mm t liimr 11 ii i.........in 11 miiiiiM itt i........i 1111 in miiiitii geheimen in die Gruft des Propheten David zu schleichen, und daß er, sobald er das bemerkt, die Tür hinter ihr zugeworfen hüttc, damit sie' gefaßt und verurteilt würde. Als der Kadi das vernahm, geriet er in Zorn und rief: Beim Propheten, dio Frau hat ihr Leben verwirkt! Führt sie hinaus, und sie werde verbrannt. Das unglückliche Weib hatte inzwischen begriffen, daß der Wächter sie hintergangen hatte, und daß ihr Vorderben drohte. Sie warf sich auf die Erde, erhob die Stimme und weinte bitterlich. Sie betote zu Gott, daß or Bich ihrer erbarme und sie um seines Knechtes David willen aus' äer'Fdlle Defreie." Wie sie'betete, erhellte sich doB Dunkel der Höhle, und sie erblickte einen weißhaarigen Mann von leuchtendem Angesicht. Der Seltsame orfoßte die Hand des Weibes und führte sie durch verschlungene dünge, bis er sie ins Freie gebracht hatte. Er sprach zu ihr: Heb deine Füße auf und suche eilends deine Wohnung zu erreichen. Dort angekommen, stelle dich sogleich an den .Waschtrog und geh deiner Arbeit in gewohnter Weise nach. Laß dir nichts von dem anmerken, was mit dir vorgefallen ist. Dob rechtschaffene Weib wollte ihrem Retter Dank sagen, allein er entschwand ihren Augen und ward nicht mehr gesehen. Währenddessen war der Kadi mit vielen Aufsehern vor dem Eingang der Grabeshöhle erschienen, um die Frevlerin zu ergreifen und sie auf den Scheiterhaufen, zu schleppen. Siestiegen in das Gewölbe und suchten es ab, konnten aber keine Seele finden. Da rief der Kadi zornig zu dem Wächter: Hast du uns zu deiner Belustigung hierher beachieden? Der Mann schwur beim Propheten, daß er nichts als die Wahrheit gesprochen hatte, und nannte auch den Namen der Wäscherin. Alsbald schickte der Kadi einige Diener nach der Wohnung der Schuldigen. Sie fanden sie aber vor dem Waschfaß stehen und dos Leinen spülen. Da machten sio kehrt und erzählten, daß sie die Frau bei ihrer Arbeit angetroffen hütten. Hierauf wurde der Wächter ergriffen und ins Feuer geworfen. Die Frau aber verriet ihr Lebtag nichts von dem, was ihr in der Gruft widerfahren war. Auf dem Totenbette erst erzählte sie das Wunder. Thomas Manns jüdifche Geftalten Zum 60. Geburtstage des Nobelpreisträgers am 6. Juni * * * Eltl Jubiläum Wir haben heute wenig Anlässe zum feiern. Also müssen sie geschaffen werden, dachte die produktive Kunstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde und machte aus dem theatcrgeschichtlich bedeutsamen Ereignis von Fritz Sptras 40jahriger Zugehörigkeit zur Bühne eins Jubiläumsfeier. Jubiläen werden „begangen", wie man Geschmacklosigkeiten begeht, und die . Tcilnahmo daran ähnelt zuweilen Kondolenzbesuchen. Der Luftzug, der über den Dachgarten des Caf6 Leon hinstrich, war doB Erfrischende an dieser mischpochalen Angelegenheit, in deren vierstündigem Verlauf Fritz Spiro.' mehr und weniger erheiternde Anekdoten aus seinem ehelichen und vorchelichlen Leben und Bühnendascin erzählte und 'sie mit entsprechenden' Couplets belegte. Die Tochter Camilla wartete mit neckischen Liedern auf und -wurdo dafür von dem jugendlichen Väterchen im Silberhaar mit einem Jubiläumskuß bedacht. Gattin Spira, die ebenfalls einmal der Bühne angehörte, erschien nicht auf dem Podium. Tochter Steffi hatte als Alibi "ein Küchenlorbeerblatt aus Österreich mit herzigen Glückwünschen übersandt. Dio Tränenspuren familiärer Rührung beseitigten Egon Jacobsohn und Max Ehrlich mit seinem trockenen Humor. ■ , . Das nicht familiäre Programm wurde von Rita Atlasz, Wilhelm Guttmann, Willy Prager und besonders erfreulich von Elso Dublon. und Dora Gereon bestritten. Erna Klein, Rudi Lohmann und Fritz Prager legten sich für Fritz Spira in,dio Tasten. Dor künstlerische Teil des Abends fand reichen Beifall. Der orgebenst Unterzeichnote schließt sich von ganzem Herzen den Gratulanten an, in der angenclimen Hoffnung, erst wieder zur öffentlichen Barmizwuhfeier von Fritz Spiras Enkclsohn eingeladen zu werden. Benjamin. Dio ersto jüdische Gestalt im Werk Thomas Manns ist der Doktor Sammet in der „Königlichen Ho hei t". Für Geburtshclfcrdicnste erhält er vom Großherzog Johann Albrccht das Albrcchtskrcuz dritter Klnsac mit der Krone. Als er in dio Bibliothek befohlen wird, „beherrschte er die Form nicht völlig und verbeugte sich zu früh, schon in der Tür, so daß der Adjutant diese nicht hinter ihm schließen konnte und ihm die Bitto zuraunen mußte, weiter vorzutreten". Sein Außeres schildert Thomas Mann wie folgt: „Er trug sein dunkelblondes Haar bürstenarüg beschnitten und den Schnurrbart sorglos hängend. Kinn und Wange waren sauber rasiert und ein wenig wund davon. Er hielt den Kopf leicht seitwärts geneigt, und der Blick seiner grauen Augen sprach von Klugheit und tätiger Sanftmut. Seine Nase, zu flach auf den Schnurrbart abfallend, deutete auf seine Herkunft hin . . . Redlichkeit und Sachlichkeit waren in Beiner Entscheidung ausgedrückt; sie erweckte Vertrauen." Der Großherzog fragt ihn dann, warum er nicht in der Residenz praktiziere ,und erhält die Antwort, dio der Großherzog „sehr ernst, sehr respektabel" findet, daß ihm ein Lnndstüdtchcn wie Grimmburg die beste Gelegenheit böte, sich einige Jahre recht vielseitig zu beschäftigen, auf alle Weise zu üben und umzutun, che er sich dor Spezinlpraxis eines Kinderarztes widmen wolle. Endlich spricht ihn dor Herrscher auf sein Judescin an: ob er seine Herkunft je als Hindernis auf »einem Wege, als Nachteil im beruflichen Wettstreit empfunden hätte: „Ich frage äIb Landesherr, dem die bedingungslose und private, nicht nur amtliche Geltung des paritätischen Prinzips besonders am Herzen liegt." Und Doktor Sammet erwidert: „Jedermann im Herzogtum hat daB Recht, zu arbeiten . . . Kein gleichstellendes Prinzip, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf, wird je verhindern können, daß sich inmitten des gemeinsamen Lebens Ausnahmen und Sonderformen erhalten, die in einem erhabenen oder anrüchigen Sinne vor der bürgerlichen Norm ausgezeichnet sind. Der Einzelne wird gut tun, nicht nach der Art seiner Sonderstellung zu fragen, sondern in der Auszeichnung das Wesentliche zu sehen und jedenfalls eine außerordentliche Verpflichtung daraus abzuleiten. Man ist gegen die regelrechte und darum bequeme Mehrzahl nicht im Nachteil, sondern im Vorteil, wenn man eine Veranlassung mehr, als sie, zu ungewöhnlichen Leistungen hat." Als Freund Dr. Überbeins, des Prinzcncrzichcra, begegnen wir dem jüdischen Arzt wieder, und er ist Chefarzt des „Uorolhecn- Kinderspitals, als KlauB Heinrich dort die Deutsch-Amerikanerin Imma Spoelmann kennenlernt, die künftige Landcsmuttcr. -* Sind im „Z o u b c r b c r g" auch einige jüdische Gestalten Vertreter der faulen Vorkricgscuropa-Gescllschaft, so wächst der Jesuit jüdischer Herkunft, Naphta, zu einer Gestalt von mythischer Größe wie Shylock und Mephisto. Dieser Leo Naphta stammte aus einem kleinen Orte an der gnliziach-wolhynischcn Grenze. Der junge Leib, wie er damals noch genannt wurde, findet herauB, daß sein Vater Elia, ein zarter Grübler und Erforscher der Tora, sein Handwerk als Schüchtcr im Vergleich zu den christlichen Fleischern „nach dem Gesetz . . . gcistigcnvcisc ... im Sinn seiner Sternenaugon" betriebe. Er sprach von diesem Vater mit Achtung „offenbar in dem Gefühl, seiner ursprünglichen Welt nachgerado weit genug entwachsen zu sein, um wohlwollend darüber urteilen zu können." Als eine Art Wunderrabbi kommt er bei einem Progrom ums Leben, gekreuzigt und verbrannt zugleich. In Vorarlberg macht Leo sechzehnjährig, nach dem Tode der Mutter, die Bekanntschaft des Paters Unterpertinger. Die „höhnisch klar artikulierten Sätze" des Judenjungen, ihre „scharfe und gequälte Geistigkeit", die „boshafte Eleganz des Denkens" erwecken das Interesse dea Paters und Naphta — „gleich vielen geistreichen Juden von Instinkt zugleich Revolutionär und Aristokrat" — konvertiert zum Katholizismus, „entzweit mit den Hirten seiner ursprünglichen Religionsgemeinschaft, verwaist und verlassen, dazu voller Verlangen nach reinerer Lebensluft". Er wird in den Jesuitenorden aufgenommen, der sein begabtes Mitglied zur Kur nach Daves geschickt hat, als Hans Castorp ihn kennenlernt. Naphta« politisches Programm nähert sich bedenklich dem Kommunismus, und Thomas Mann bezeichnet es selbst als „scharfe Rede". Charakteristisch für Naphtas Herkunft ist, daß sein Eifer religiös gefärbt ist, ein Erbteil seines Judentums. Hinter den politischen Disputen dcB „Zauberborg" rockt sich des Dichters Grundthema auf: Verhältnis von GoiBt und Leben. Den „absoluten Geist" führt er in Naphta ad absurdum. Das Militante, in dem er sich mit dem Preußen Joachim, Castorps Vetter, findet, verdankt er seiner jesuitischen Schulung. Aber als es zum Duell mit dem liberalen Humanisten Settembrini kommt, siegt der Geist der Gcwaltlosigkcit in ihm; ca gehöre mehr Mut, zu schießen, als auf sich zu schießen zu lassen, und er scliießt sich in den Kopf. Eines der großartigsten Paradoxa der Gciatcsgcacniclitc. » Daß in Thomas Manns letztem epischen Werk, im Joseph- Roman, jüdische Gestalten auftreten, ist durch das Thema bedingt. Ein bukolischer Mimus des zwanzigsten Jahrhunderts, zu dem sowohl Wege von der deutschen Bibel-Dichtung als vom Hohen Lied führen. Die Verbindung von MimuB und Mysterium, die er in einem herrlichen Essay über Klcißts „Amphitryon" behandelte, ist auch Thomas Manns „Joseph" eigentümlich. Aber auch die Zusammenhänge, die zwischen Mythologie und Psychologie bestehen, sind für diese Schöpfung wesentlich, und wie so häufig besteht hier eine Brücke zwischen Thomas Manns epischem und essayistischem Werk: in einer Untersuchung über Freuds Bedeutung für die GeistCBgeschichtc ist es diese Eigenschaft, die er besonders herausstellt. Mehrere seiner Essays zeugen von seinem einfühlsamen Wissen um jüdische Art: so gedenkt er einmal Hermann Cohens als eines Vertreters „dieser sittlichen Hasse", und iat es nicht unser eigenes Problem, wenn er, der mütterlicherseits romanisch-kreolischca Blut besitzt, eich mit dem Eingehen in ein anderes Schrifttum bei Gestalten wie Joseph Conrad und Chamisso beschäftigt? Heinrich Heine aber ordnet er in die Folge jener Münner ein, die in deutscher Sprache europüisch schrictien und der er sich selbst einreiht: Goethe und Nietzsche. Dr. L. W. Ein Blick ins Dunkle Judentum und Okkultismus — Die Bibel verbietet Geifierbefchwörung in zwei Lagern Jüdifche Wiffenfchaftler Im Grunde genommen ist dio Triebfeder aller geistigen Entwicklung: die Neugier. Aber nicht immer wird dos Resultat einer befriedigten Neugier etwas wirklich Neues sein — denn neu ist alles dem Bewußtsein und der Kenntnis noch nicht Erschlossene oder nicht klar Erkannte: jeder Gegenstand, jeder Begriff, jede Erkenntnis, die dem einen Menschen noch fehlt, ist für den anderen Menschen nou — dessen Neugierde wird ah» durch etwas befriedigt, was denen, die bereits diese Kenntnis besitzen, nichts Neues mehr zu bioten hat. Es gibt aber auch Dinge und Begriffe und Vorstellungen, die im Grunde genommen sehr alt sind und dennoch immer wiedor die Neugierde reizen, die Neugierde des Kundigen und die des Unkundigen, die des Gläubigen und die des Skeptikers. Es sind das Üne Begriffe und Vorstellungen und Geschenniase, über deren rsachc und Wirkuhgen noch keine Klarheit und somit auch keine gemeinsam angenommene und anerkannte Ansicht herrscht. Es gibt indessen Fragen, die, wenn sie gestellt werden, schon gefühlsmäßig weit über die gewöhnliche „Neugier" hinausgehen, z. B.: „WaSj, geschieht, wenn unser irdisches Leben endet? Haben wir eine Seen:, die unsterblich ist? Gibt es ein Leben nach dem Tode? Eide?'Auferstehung? Eine Reinkarnation? Eine Seelcnwanderung? Können sich dio Menschen, die für immer von uns gegangen sind, doch wieder mit uns in Verbindung setzen? Können sie uns erscheinen oder sonstwie durch Handlungen entweder direkt oder durch Mittelspersonen, durch Medien, manifestieren?" Alle diese Fragen betreffen ein Gebiet, dem man wissenschaftlich die Bezeichnung Okkultismus gegeben hat, die Lehre von dem, wob für uns noch dunkel iat oder, wie die Verteidiger der okkultistischen Wissenschaft und Manifestationen behaupten, nur dem Unkundigen und Ungläubigen noch dunkel erscheint. Das Judentum sollte — schon von religionswegen — eigentlich den Okkultismus und die Experimente, die damit in Verbindung stehen, ablehnen. Wenigstens insoweit ablehnen, als damit Spiritismus, Geistererscheinungen, Manifestationen „Jenseitiger" verbunden sind. Deutlich verbietet das die Stelle im V. Buch Mos., Kap. 18, Vers 10, 11 und 12: „Eb werde nicht gefunden unter euch: Wer seinen Sohn oder seine' Tochter durchs Feuer führt, geheime Künste, Zeichendeuterei oder Zauberei treibt. Und keinen, der Geister bannt, Geister befragt, Zauberei treibt oder die Toten beschwört. Denn ein Greuel des Ewigen ist ein Jeglicher, der solches tut." Doch die Gier nach dem Neuen, dem Unbekannten, nach dem Verhüllten und Dunklen ist stärker im Mens,hen ala Gesetze und Verbote. Das menschliche Leben ist ein Rätsel: für die Einen ein leichteres, für die Anderen ein ganz unlösbares: man möchte aber des.Rätscls Lösung finden, oder doch wenigstens einen Faden hierzu. Der dunkle Vorhang, der des Lebens Sinn, Verlauf, Ende, Entstehen und Vergehen verhüllt, er kann nicht ganz; gelüftet werden — aber einen kleinen Blick hinter die schwarze Gardine, nur einen kleinen Blick — dos ist und bleibt die Sehnsucht vieler nicht ganz in absolut rationalistischem Materialismus lebenden Geschöpfe. Gibt es wirklich solcho? Sehr ausnahmsweise, sehr wenige. Denn gerade dort, wo der Glaube fehlt, stellt sich der Aberglaube ein, und die Menschen, die meinen und auch oft behaupten, nlleB ganz klar und nüchtern zu sehen, sie Bind von nicht minderer, oft von noch stärkerer Gier gepackt, einen Blick in das Dunkel zu tun, das auch für sie existiert, ob Bio es zugeben wollen oder mit verdächtigem Eifer es leidenschaftlich abzuleugnen versuchen. Es wäre daher falsch, die Angehörigen eines Volkes oder einer Religion für frei zu halten von irgendeiner psychische« Beziehung zum Okkulten und damit zum Okkultismus. Seit dieser aus dem trüben Schlamm lächerlichen, ober darum nicht minder gefährlichen Aberglaubens in die reinere Luft der wissenschaftlichen Untersuchungen sich emporgehoben hat, iat den Okkultismus sozusagen salonfähig geworden. Aber der Streit der Fachleute und der Laien über den Okkultismus will kein Ende nehmen, weil er kein Endo nehmen kann. Juden, die in dor Wissenschaft aller Zeiten und Völker immerhin eine nicht zu unterschätzende und auch nie unterschätzte Rolle spielten, konnten Bich auch in der Streitfrage hinsichtlich der okkulten Probleme nicht absolut abseits halten. Es ist daher ohne weiteres verständlich, daß auch jüdische Gelehrte zu diesem Gegenstande Stellung nahmen: teils dafür, teils dagegen, teils als rein objektive Beobachter, ohne sich urteilgebend zu äußern. Man muß bedenken, daß keine wissenschaftliche Frage so leicht aus dem Geleise der reinen Wissenschaft einen phantastischen Flug iu daa Reich des Unbekannten und noch Unbewiesenen antritt, wie gerade die Streitfrage um den Okkultismus. Man beginnt damit, okkulte physikalische Vorgänge nachzuprüfen': ob es' z. B. möglich sei, ohne Berührung irgendeinen Gegenstand in Bewegung zu setzen, einen Tisch zu heben (Telekinese),^ ein Instrument zum Tönen zu bringen. Ob es möglich sei, Gedanken zu übertragen (Telepathie), Gedanken zu lesen, für Hellsehen, für Fernsehen eine rein wissenschaftliche, sozusagen physiologiBchphysikalische Erklärung zu finden. Das war ja auch die Absicht der wissenschaftlichen Prüfungsmethoden. Aber die Medien waren keine'Wissenschaftler und die Wissenschaftler waren immerhin auch Menschen, die sich dazu verführen ließen, nicht nur paraphysische, sondern auch parapsyahiache Phänomene sehen und deuten zu wollen und _ damit über die rein verstandesgemäße Untersuchung in das Gobiet des Gefühlsmäßigen hinüberzuschweifen. -Hier begann nun die aoharfe Scheidung zwischen den Objektiven und den Gläubigen' einerseits und den Subjektiven und den Gegnern andererseits. In beiden-Lagern finden wir nun Juden. Als seinerzeit das italienische Medium Eusapia Palodino durch ihre Manifestationen ungeheures Aufsehen erregte, war der berühmte jüdische Kriminologe Cesare Lombroso ihr eifrigster Verteidiger und erwies sioh unbeirrbar als Anhänger der okkulten Erscheinungen. Der Berliner Philosoph Max Dessoir, der Berliner Arzt Albert Moll zeigten sich als eifrige Kämpfer.gegen den Okkultismus. Sie erklärten kurzweg alle dio mediumistischen Experimente als glatten Schwindel und Betrug und ziehen die Gelehrten eines aus Gutgläubigkeit und Vertrauensseligkeit hervorgeßongenen Mangels an scharfer- Kontrolle, und Beobachtung. Dadurch wären sie immer auf flie allerdings außerordentlich geschickten Taschenspielertricks der Medien hereingefallen. .... Als Taschenspielertricks bezeichneten übrigens auch die be- <M