Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 15-16 (17.4.1935)
- Date
- 1935-04-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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gemeinde von Amtsgerichtsrat i. R. W. Miclutclis zusammengestellt worden war. ■! ■' ■ *.:'.''- Jubilicn'sind stets Tage und Feste mit retrospektivem Charakter. Das liegt in der Natur der Sache. Jüdischo Teste dieser Art sind es aber in besonderem Maße. Das liegt in der Natur ihrer Anlasse. Das jüdische Fest ist zumeist geschichtlichen Ursprungs, und insofern scheint es oft nur ein Fest der Vorgangennoit. Selten Aus den Gemeinden Wandlungen im jreligiofen Bewußtfein Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Breslau.. Der Re ligiös-Liberale Vereidender Syn- " " .1 genug hat dem Judon die Gegenwart gehört." Darin oben liegt agogengemeinde.Breslau veranstaltete einenVortragsabend, an dem dio Tragik der jüdischen Geschichte, daß ihre Trüger oft nicht 5^™™. J?.r" .?_'i" C m-a w? der'Welt zugehören durften, .in der sie lebten. Einmal nur ist für dio Juden Deutschlands die Gegenwart Besitz und Erbo gewesen, und das eben in jener Zeit, derer die Refcrragomeindo in den letzten Wochen gedachte; Aber die Tragödie hat bereits wieder eingesetzt. '•' Dio Enkel der Reform feiern nach 90 Jahren eirio Wirklichkeit, dio für sio bereits wieder der Vergangenheit angehört. In ihren Togen ist dio polischo Situation des Juden eine andere als in der eines Samuel Holdheim. Die Gefahr ist groß, ober.größer ist noch die Gefahr, daß er sich seinor Situation nicht bewußt' wird. - Wenn sich die politische Bedeutung der Reformbewegung auf eine,. Formel bringen laßt, so auf die, die überkommene Religion der'Vater in Einklang zu bringen mit dem Geist der Zeit. Sigismund Stern war es, der das Anliegen der Reform 1844 in dio Fragen kloidete: „Welche Gestalt muß das Judentum gewinnen, wenn ob an dorn Leben der Zeit teilnehmen wi'll?Wodurch endlich bekundet unsere Zeit ihr 'Recht und ihren Beruf, diese Umgestaltung zu vollbringen, und auf welchem Wege soll dieselbo ins Leben treten? . „Dos sind Fragen ,. so hieß es weiter, „deren Beantwortung zu, einem immer fühlbareren Bedürfnis geworden ist." Es sind die nämlichen Fragen, die heute gestellt werden, und deren Dringlich- - keit auch heute nicht ausgewichen werden darf. „ Leopold ZünZ gab dio klassische Antwort: „Reform ist das Moment dor jüngBton Generationen, deren Aufgabe es ist, in der politischen Stellung, in der Wissenschaft und der durch beide bedingten, religiösen Form das wahrhaft Zeitgemäße zur Herrschaft zu erheben, die fortgeschrittenen Ideen durch Institutionen zu erhaben . . . Unwiderruflich, wie der Sieg der Freiheit und der Zivilisation, der bürgerlichen Gleichstellung der Juden und ihrer Wissenschaftlichen Kultur, ist. die Reform und der Triumph des diese Reform offenbar machenden Wortes." Wenn uns die Erfahrung dieser Tage etwas. gelehrt hat, so ist es die Widerruf Ii oh keit der geschichtlichen Situation. In einer anderen Art als Geiger es verkündet hat,- haben wir gelernt, daß in der Tat „vieles in der Zelt Entstandenes ist, was' auch dio Zeit wieder aufzuheben vermag". Auch die Frage der Reform wird in jeder Zeit neu gestellt, und das Zeitalter der Emanzipation fordert , eine andere Antwort als dos des Arierparagraphen. Wer das nicht erkennt, verkennt nicht nur den Geist der Zeit, der sich uns verschließt, i sondern auch den der Reform, der sich ihm nicht erschlossen hat. 1 Eine Reformbewegung, die das Vokabularium und die Forderungen von 1845 bedingungslos Übernahme, würde die -Gegenwart mit einer prolongierten Vergangenheit vertauschen und müßte mit der Zeit genau dos werden, was sie nicht Bein darf, nämlich orthodox, wenn auch nicht im. jüdischen Sinne. Uns will scheinen, als ob das Statut der „Genossenschaft für Reform des Judentums" vom 2. April 1845 die weitaus glücklichere Formulierung gefunden hat, wenn es in § 1 verkündet: „Der Zweck der Genossenschaft ist es, auf dem Boden des Judentums diejenige Reform ins Leben zu rufen, vermöge deren es mit dem Bedürfnis der Zeit und mit dem gegenwartigen Bewußtsein seiner Bekenner in Einklang gebracht wird." Das Bedürfnis der Zeit ist ein anderes als der Geist der Zeit. In dem einen sind wir Herren, die frei gestalten nach Würde, Ehre und Gewissen, im anderen Knechte. Die Frage der Reform und nicht nur der Reformgemeinde von 1935 aber ist, ob sie sich auch heute i noch das Recht der schöpferischen Initiativo — sollte sie selbst verfassungsändernd sein — zuerkennt, oder ob Bio Sklave der eigenen Vergangenheit werden -will. Mag sein, daß liehgewordene Traditionen verlassen werden müssen. Indessen die Reform ist die letzte, die sich das Recht der Frage und der Korrektur versagen' darf, sie ist die erste, die sich der Pflicht des ehrlichen Zweifels auszusetzen hat. Dr. P o y s e r war cb, der in seiner Rede die glaubigen Zweifler und die zweifelnden Gläubigen feierte. Nun, auch wir meinen: ohne Glaube kein Judentum, aber ohne Zweifel keine Reform. Bowußtseiri" sprach. Vor interessierten Zuhörern', auch einer großen Anzahl junger Menschen vom „Bund", entwickelte Dr. Dicncmann die grundsätzliche Wandlung in der Auffassung der religiösen Fragen im Laufe des letzten Jahrhunderts. Fest geblieben seien in dieser Periode dio grundsätzlichen Glauhenselemcnto der i'üdischen Religion wie das- Verhältnis der Juden zu Gott, dos Ickcnntnis zum Guten als ewige Wahrheit, das Wissen um die Aufgabe Israels, oin Gottesreich aufzubauen, und die Auffassung von der ewigen Gleichheit aller Menschen auf Erden. Alle dieso Dinge bildeten die unerschütterbare Grundlage der jüdischen religiösen Weltanschauung. Im 19. Jahrhundert sei es besonders die Vernunft gewesen, dio das Denken der. jüdischen Menschen bestimmt habe. Die Herrschaft'der Vernunft in Ubereinstimmung mit dor schrankenlosen Herrschaft des Individuums werdo aber allmlihlich immer starker zurückgedrängt zugunsten des Gctneinschaftsgedankens und Gcmeinschaftsbcwußtseins. Dr.- Dienemann zog Parallelen zu der Gedankenwelt des Mittelalters, mit der ihm die heutige Geistesrichtung außerordentviel Ähnlichkeit zu besitzen scheint. Heute wie damals das Ringen um Vereinheitlichung der in früheren Jahrzehnten streng von--/- einander gesonderten geistigen, menschlichen und religiösen Bezirke. Die Zeit des überbetonten Rechts des Individuums soi endgültig vorbei. Sei es doch gerade die Jugend, die nach einem neuen religiösen Lebensstil verlange und den Wunsch noch Vcrcinhoitüchirng der religiösen und menschlichen Bezirke fordere. Der Redner berührte auch dos Palästina-Problem in einer neuen Form und betonte, daß seiner Auffassung nach nirgends geeigneterer Boden für den religiösen Liberalismus zu finden sei als gerade dort, wo die Menschen des rein bodenständigen Denkens etwas müde geworden seien und wo das Bedürfnis nach den alten religiös vertieften Inhalten der Religion besonders, stark wäre. _. Die Zuhörerschaft dankte mit herzlichem Beifall. Der Vorsitzende der Vereinigung, Herr Philipp Lachs, gab noch einen kurzen Uberblick über die Arbeit des ■ Vereins, die sich nicht in unzahligen. Vortragsabenden erschöpft, sondern durch praktische Arbeit immer' und immer wieder ihre Daseinsberechtigung er- und beweise.. Wie alljährlich werden auch diesmal zu Pcssach große Gcmeinschaftssederabcnde' stattfinden, die bereits aus der sozialen Geschichte der BrcBlauer Synagogengemeinde nicht mehr fortzudenken sind. I Der Zcntraiverband jüdischer Handwerker Deutschlands hat eine schon früher vorhandene. Jugendgruppe in Breslau wieder neu ins Leben gerufen, die bereits mit der Arbeit begonnen hat. — Auch eine Interessengemeinschaft jüdischer Ar bei tue hm er wurde gegründet, die den Zusammenschluß aller jüdischen Arbeitnehmer beiderlei Geschlechts bezweckt, und die vor allem in der Arbeitsbeschaffung erwerbsloser Mitglieder ihr Ziel sieht. Im Verlag I. Braudels, Breslau, ist eine Sammlung „Hebräische r Liede r ho gen" erschienen, deren Herausgeber der Rektor der hiesigen jüdischen Volksschule, Hermann Feüchcnfeld, ist Es sind bisher drei Bogen herausgekommen. Freitagabendgesänge, Kanons, die hauptsächlich den Jugendbünden zi.gme kommen werden. Der dritte Bogen bringt fünf Gesänge für den Sederabend. R. Ti. <Mu4.dm3üMUÜjm Es verlobten sich: Herr Max Haas mit Fräulein Ilse' Hirschhoirner (Stuttgart). — Dr. Walter Fleck mit Fraulein Herta Fröhlich (M.-GIadbach). — Herr Paul Falk (Osnabrück) mit Fräulein Gretel Daniel (Gladbeck i. W.). —■ Herr Reinhard Leyser (Düsseldorf) mit Frauleih Solvejg Fuchs (Berlin). — Herr Walter Goldschmidt mit Fraulein Hertha Noskowraki (Breslau). — Herr Kurt Röckersberg (Wiesbaden) mit Fraulein Else Marx (Rockenhausen, Pfalz). — Herr Wilhelm Frieder (München) mit Fräulein Trude Dreifuß (Mannheim). — Herr Werner Hartwich (Küstrin) mit Fräulein Rose Irene Auerbach (Stettin;). Es .vermahlten sieh: Herr Albert Blattner und Frau Frieda geb. Rosenbaum (Hamburg). —' Dipl.-Ing. Hans Kaiser Blüth und Frau Dr. Lotte geb. Steinberg (Essen). — Dr. Alfred Ehrlich und Frau Hilde geh. Bachrach (Kassel). — Dr. Werner Stiebet und Frau Ilse geh, Haurwitz (Eisenach).---Herr Albert Rotenste in und FrauHenny geb. Grünebaum (Frankfurt a. M.- Nümberg). — 'Herr Leo Stern und Frau'\ Erna geb. Meyberg (Osnabrück). ' EJne Tnr.bter wurde geboren t Herrn Walter Scher litzer und Frau Trude geb. Boehm (Frankfurt a. M.). — Herrn Justus Nußbaum und Frau Hertha geb. Bein (Osnabrück). - Bs starben: Sanitätsrat Dr. Benno Remak (Berlin). — Herr Max Grüneberg (Köln-Lindenrhal). — Herr Sally Seligmann (Köhl). — Prof, Dr. Walter Wreszinaki (Königsberg). — Frau Hanna Landau geb. Landau (Frankfurt a. O.). — Frau Grete Loeb geb. Rosenmal (Hägen i. W.). —■ Herr Ismo Chanange (Annaborg). — Herr Moritz Blum (Frielendorf, Bez.'Kassel). — Frau Mi na Falk geb. Lieben (Krefeld).' —: Herr Emil Lange (Gleiwitz). — Fr8ulein . Paula Mareks (Paderborn). Personalien. . Frau Laura Siodnor geboren« Roaeabund, Berlin SO 16, MlohaelldrchstraBe .28, I, konnte ihren lOjahrigoo Geburtstag begehen. Sederabende. Der Syn&gogenveretn Friedeaitempel veranstaltet an beiden Sederobonden im Caf6 Leoni Kurfuratendamm 155, Sederabende. Am 1. Abend fungieren Itabbiner Dr. Prinz und Oberlumtor Neumonq, am 2. Babbiner Dr. Swarsensky and Oberkaatar Lewandowakl. Das Jüdische Wohlfahrt«- und Jnzendamt, Beiirkiatelle Bud-West (SohBnobers — Wilmersdorf — Friedenau) veranstaltet »ugunsteu •einer Hilfebedürftigen am 27. April, abends 9 Uhr, einen Abend unter Mitwirkung von Fritzl Jokl, Qberkantor . Karl . Neumans, Else Dublan, -Oamilla Spira. Rolph Eay, Erika Stolzberg. _ , Gemeindemitglieder auf Kündigung Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Danzig. In der letzten Reprasentantcnvcrsammlung, in der dor Gemeindeetat für 1935/36 verabschiedet wurde, richtete der Finanzdezernent des Vorstandes, Dr. Henryk Loewenherz, einen Appell ah. die Opferfreudigkeit der GemeindemitgUeder und wandte sich dabei auch gegen die Flucht aus der Gemeinde. „Ein besonderes Kapitel", so führte er in diesem Zusammenhange aus, „bilden Gemeindemitglieder auf Kündigung, das sind jene zum Glück und zur' Ehre unserer Gemeinschaft nur vereinzelt auftretenden traurigen Erscheinungen, die durch Austritt aus der Gemeinde sich von ihren1' Verpflichtungen freizumaheen glauben. Es ist mit besonderer Genugtuung zu vermerken, daß an evident steuerlicher Drückebergerei in diesem Jahre bloß ein Fall zu verzeichnen war. Demgegenüber haben wir mehrere Falle zu verzeichnen, wonach Ausgetretene öder solche, die niemals unserer Gemeinschaft angehört haben, aus jüdischem . SolidaritatBgefühl ihren Eintritt angemeldet haben, um ihre innere Zusammengehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft auch durch Erfüllung steuerlicher Pflichten zu bekunden, wiewohl Bie gesetzliche Begründungen vorschieben konnten, um sich vor diesen Pflichten zu bewahren. Sie wollten eben nicht auf der Liste von Drückebergern stehen und von der jüdischen Gemeinschaft als solche angesehen werden. Leider ist die Zahl solcher Drückeberger im Laufe der Jahre angewachsen. Sie bleiben Drückeberger gegenüber der jüdischen . Gemeinschaft, .auch' wenn sie allerlei weltanschauungs- oder gefühlsmäßige fadenscheinige Behauptungen anführen, um den wirklichen Grund, und zwar die Vorenthaltung der Steuern gegenüber einer jüdischen Gemeinschaft, zu bemänteln; Ich weiß nicht, ob diese Mahnworte die Ausgetretenen erreichen, aber Freunde und Bekannte, die mit ihnen Beziehungen unterhalten, sollten ihnen das Verderbliche und Verwerfliche zu Gemüt» führen und sie zu überzeugen versuchen,1 daß ein der Gemeinschaft vorenthaltener Steuerpfennig den Kreislauf ihrer. Behaglichkeit nicht steigern kann. Sie werden sich immer isolierter fahlen müssen in einer Zeit, wo'nicht der Eigenbrödler und gor Drückeberger, ja nicht einmal eine starke Individualität sich durchsetzen kann, werm er den Anschluß uu &ciirc eigene Gemeinschaft mißachtet. Den Anschluß an eine andere Gemeinschaft wird er kaum finden können. Die Flucht aus der eigenen Gemeinde ist eine moralische Verschlechterung der Position eines Juden und sie kann durch keine noch so hochtrabenden Argumente bemäntelt werden." Aachen^ Die Synagogengemeinde Aachen veranstaltete am Sonntagabend eine Maimonidesfeier. Die" Festrede hielt Rabbiner Dr. Leo Baeck, Berlin. Chemnitz. Der K u 11 u r a u s s c h u ß unserer Gemeinde unter Leitung des Herrn S. Spiro hat im Winter 1934/35 folgende Veranstaltungen abgehalten: Ludwig Hardt, Jüdische Dichtungen; „Neues Streichrniartett", 2 Konzerte; Dr. Swarsensky, Die religiöse Haltung der Gegenwart; Susanne Stein, Lieder- und Arienabend; Dr. Efooesser, Jüdisches Lebensgefühl in Palästina; Dr. Ernst Simon, Dio Jungen und dio''Alten; Edith Herrnstadt-Oetbingen und Manfred Lcwandowsky, Synagogen-Konzert; Else-Jeanette Dublon und Alfons Fink, Kleinkunstabende; Maurits van den Berg und Paul Aron, Vtoünen- und l£lavierabend;_ Beatrice Waghalter, Liederabend. Die Veranstaltungen/fanden teils in der Synagoge, teils im großen Gemeindesaal statt«' Sie waren durchweg sehr gut besucht und bedeuten nicht bloß für die Hörer wirklich kulturelle, sondern auch für die Künstler eine materielle Förderung. Die Finanzierung; war so, daß" die Eintrittsgelder die Kosten selbst getragen haben. Dortmund. Dio roligiöB-liberalc Vereinigung, Ortsgruppe Dortmund, hielt cino MtgUodorversammlung ab, bei der der Vertreter des Gemeindevorstandes, Rechtsanwalt Dr. Hoffmann, über die Gemeindearbeit sprach. Er gab ein übersichtliche» Bild, von den' Aufgaben und Pflichten, aber auch von den Rechten und Forderungen einer Gemeinde. Außerdem erstattete der Vorsitzende der Ortsgruppe, Rabbiner Dr. A p p c l, einen Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit dor Ortsgruppe im vergangenen Wintersemester, die sich sehr' rogo ausgestaltet hatte". Bei der dann erfolgten Vorstandswahl wurdo insbesondere eino Reihe jugendlicher Menschen, in den engeren Arbeitskreis aufgenommen. Ein gemütliches Zusammensein mit Vortragen und Gesang schloß sich zu Ehren von Purim an den geschäftlichen Teil. Für den Monat Mai ist zur Feier des 25jahrigen Jubiläums der Ortsgruppe eine größere Veranstaltung vorgesehen. Dresden. Es war vorauszusehen, daß die Wahl des'Herrn Dr.' A. Lewko witz zum Festredner der von der Israelitischen Religionsgemcinde .abgehaltenen Maimonides;Gedenkfcicr sich als sehr glücklich erweisen würde. Der Breslauer Dozent verstand es meisterhaft, in knappen Strichen' und doch eindrucksvoll das unvergängliche Geisteswerk der Universalgestalt des Mose ben Maimon aufzuzeigen: sein auf der Vereinigung oder vielmehr Abwägung griechischer und jüdischer Elemente beruhendes Ringen ihn die Wahrheit in reUgionsphilosopnischer Beziehung, eine Linie, dio sich über Spinoza zu Mendelssohn und Hermann Cohen fortgesetzt hat, und als zweites Beino für die damaligen Verhältnisse unerhörte wissenschaftliche Leistung als Ordner der traditionellen jüdischen Religiotisgesctzc. Das Bewußtsein, daß das Licht dieses retzt in fast aller Welt gefeierten jüdischen .Geistesheros weiter die Jahrhunderte überstrahlen wird, muß dem lebenden Geschlecht Trost und stolze Aufrichtung sein in der ihm beschiedenen schweren Zeit. So verließ man festlich erhoben das Gotteshaus, nachdem man zu Eingang durch Kantor Paglin die 13 Glaubcnslebenslehrcn des Maimon, hebräisch mit Orgelbegleitung, in der Vertonung des greisen Berliner Oberkantors i. R. Aron Friedmann verndmmen hatte. - Duisburg. Die Amtedauer der im Jahre .1930 gewählten Gemeindevertretung lief Ende des Jahres -"1934 ab'. Bei den Vorbereitungen zü der Neuwahl ergab sich, daß alle Richtungen, die in der Gemeinde vertreten sind, bestrebt waren, einen Wahlkampf zu vermeiden, so daß eine Verständigung über die Aufstellung der Gemeindevertretcrliste erreicht würde. Es wurde eine gomeinsamo Liste eingereicht, die Namen aller Richtungen aufweist und durch die eine Wahlhandlung überflüssig wurde. Die erste Sitzung der neuen Gemeindevertretung hat bereits stattgefunden. In ihr winden die bisherigen Gen&uidevorstandsmitgUcdcr wiedergewählt. Aus der Frankfurter Gemeinde Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Frankfurt a._ M. Die Frankfurter liberale' Gemeinde hat durch das unerwartet plötzliche Hinscheiden de3 Oberkäntors Selig So heue r.m ann, der im fünfundzwanzigsten Jahre an der Westendsynagoge wirkte, einen schweren Verlust erlitten. Der Einklang zwischen persönlicher Schlichtheit und innerlicher Frömmigkeit auf der einen, liebevoller Verbundenheit mit dor Jugend - und opferbereiter Mitarbeit an ollen Gemeinde- und Standesaüfgaben auf der andern Seite, war in dem Dahingegangenen in vorbildlicher Weise verkörpert. Eine große Gemeinde, die sein inniger Gesang, zu den Quellen nlrjfldischer Religiosität' zurückführte, Generationen von Schülern, insbesondere der Allerklcinsten, die seinem gütigen Herzen besonders nahestanden und denen er jüdisches Wissen und jüdische Bildung vermittelte, trauern ihm nach. An seiner Bahre stand eine unübersehbare Schar Leidtragender, darunter auch viele seiner nichtjüdischen Kollegen von den städtischen Schulen. Der Verein Hauptsynagoge versammelte seine — leider nicht allzu zahlreich erschienenen — Mitglieder zu einer Gemeindeversammlung, in der Rabbiner Dr. Lern le über den Kehilloh- Gedonken und seine heute so notwendige Neubelebung sprach. Aus der Gemeinschaft des Friedhofs, bestenfalls des Gottesdienstes müsse wieder die alte lebendige Familiengemeinschaft der Kehillah werden, wie sie das Mittelalter kannte. In Lerngemeinschaften, wie sie eine Bibelgruppcaus den Frauen des Westend-Synagogenvereins bereits bilde, aus einer ReUgionsschule, wie sie unabhängig vom allgemeinen Religionsunterricht für die_ liberale Jugend neu ins Leben gerufen werden muß und auch schon vor der Verwirklichung etehe, könnten sich' Ansatz- und Kristallisationapunkte für eine solche Kehillah-Gemeinschaft bilden. •Der Kulturbund Rhein - Main bot mit seinem VI. Orchesterkonzert in der Weatendsynagoge den Hörern, idie da» Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllten, eine religiöse Weihestundc. ' Nach dem von' dem bewahrten Organisten Siegfried Würzburger gespielten Händehchen Orgelkonzert Nr. 4 und der» von: Hermann Schey in gewohnter Meisterschaft unter Mitwirkung des Kulturbundorchesters vorgetragenen Kindertotenliedern von Mahler schenkte das Steinbergeche Orchester zusammen mit den Ehrenreichschen Chören und Scheys Sologesang der. Frankfurter Gemeinde das große Erlebnis einer, meisterhaften Wiedergabe des „Awodath rlakodesch",;von Ernest Bloch. Dos orchestral, unterbaute Gottesdienst-Oratorium bannte alle Hörer zu' lautloser Ergriffenheit. Gewiß mag der eine oder andere durch das un- -"gewohnte Erlebnis einer orchestralen Musik im Synagogenraum und dadurch, daß der Tora-Schrein nicht verhängt war, sich befremdet gefühlt haben, die tief-religiöse Wirkung des einer modernen, wahrhaft ' jüdisch schöpferischen Seele entstammenden Werkes konnte dadurch nicht beeinträchtigt, werden. . - e. s, . Düsseldorf. Die jüdische Volksschule in Düsseldorf nimmt mit dem neuen Schuljahre am 26. April ihre Tätigkeit auf. Studienassessor Dr. Kurt Herz, bisher Berlin, hat die Leitung übernommen. — Der Vorstand der Synagogengemeinde hatte die Elternschaft zu einem Ausspracheabend eingeladen, die im .überfüllten Saal des Gemeindehauses stattfand. Nach Begrüßungsworten durch den unermüdlichen Gemeindevorsitzenden,' Erich Felsenthal, der sich um die Gründung der Schule besonders verdient gemacht hat, Bprach der neue Schulleiter über: „Aufgaben und Gestaltung der Jüdischen Volksschule in der Gegenwart". Dein Redner gelang .es, sich und der neuen Schule die Sympathie "der Eltern durch seine klaren Ausführungen zu sichern, die. das Bewußtsein mit nach Hause nahmen, daß .ein geschickter 'Organisator, ein pädagogisch erfahrener Jugendfreund, ein moderner Lehrer am Werke ist, Zahlreiche Schüler sind angemeldet, die Gemeinde, hat einen Aufruf erlassen, weitere Kinder der Schule zuzuführen. —-'In. der Arbeitsgemeinschaft „Die Pflichten der Frau in der Gestaltung des jüdischen Hauses" sprach Frau Dr. Lehmann über das Thema „Der Sederabend". Am gleichet! Tage veranstaltete'^Rabbiner Dr. Klein unter Mitwirkung von Kontor Vogel reinen Abend für die Jugend und die Gemeinde mit dem Thema;. „Einführung in Sinn und Gebräuche des Pessacnfestes'V Gleiwitz. Das Berliner Kulturbund-Theater gab hier und in Reuthen ein wohlgehingenes Gastspielmit den beiden musikalischen Komödien „Die Magd als Herrin" (Pergoleee) und „Der Schauspieldirektor". (Mozart). Dank Kurt Baunuuuu trefflicher Regie, die für Gliederung'und Natürlichkeit sorgte, und der ebenso sauberen v