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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-03-13 · 11 (13.3.1935) · page 3

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
11 (13.3.1935)
Date
1935-03-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1. Beilage 13. Marz 1935 JÜDISCHE AI1GEMEINF TEITUNQ Tun, Lernen, Erziehung Heimkehr ins Judentum I Von Rabbiner Dr. HEINRICH LEMLE-Frankfurt o. M. Wir veröffentlichen nachstehend don Schluß den in dor lotztea Nummer dor „Jüdischen Allgemeinen" unter dem Titol „Heimkehr ins Judentum" erschienenen Artikels, in dorn dor Frankfurter Jugondrabbiner Dr. Heinrich Lemlo Arboit und Weg des religiösen Liberalismus aufzeigt. Wie soll nun das jüdisch religiöse Leben aussehen? Die Antwort darauf wäre ein liberaler Schulchan Aruch (Gesetzbuch), ein Programm von Richtlinien, ein Mindestprogramm. Wir glauben, daß es die Befugnisse eines Einzelnen überschreiten würde, hier mehr als Anregungen zu geben. Wir wünschen aber, daß die maßgebenden Institutionen liberaler Rabbiner bald zu entscheidenden Festlegungen kommen. Andererseits jedoch halten wir es für das Recht nicht nur, sondern für die Pflicht des Robbinhte einer Gemeinde, zu versuchen seiner:'Gemeinde den Weg .zu zeigen. Drei Gruppen von Forderungen treten uns entgegen: Tun, Lernen, Erziehung. Der Bezirk jüdisch religiöser Tot hat zweierlei Takt. Die Erlebnisse der Feiertage in ihrer Einmaligkeit, die Durchdringung des Werktages in seiner Regelmäßigkeit. Es ist uns leicht geworden, uns zu freuen an den Hentern von Chanukkah, es füllt auch noch nicht schwer zurückzukehren zu den Kerzen vom Freitagabend, es stoßen auf waches Interesse die Sederobende. All das ist gut, all dessen freuen wir uns. Hinter jüdischer Feier steht ober nicht nur dos Vergnügen des Ergötzens ' Es muß dahinter stehen der Ernst eines eigenen Rhythmus, zu leben. Dos ist doch der Sinn unseres eigenen Kalenders, die Absicht unserer eigenen Tage der Feier, der Wille unserer eigenen Zeiten des Erinnerns: wir gehen nicht ein in die Zeit, wir gehen nicht verloren in der Zeit. Darum entscheidet sich alles jüdische Feiern an der Rückkehr zu dem Tage, der ganz unserem eigenen Zciterleben und Zeitrhythmus bestimmt ist: dem Sabbat. Wem der ganze Sabbat versagt ist, der beginne mit S t u n d o n des Sabbatrhvthmus I Auf das Beginnen wird es überhaupt ankommen. Womit man beginnt, das ist nicht das Erste, sondern daß man beginnt. Das gilt in besonderem Maße auch für das Leben des Alltags. Feiertage sind Abschluß und Krönung religiös gestalteten Alltaglebens, nicht die alleinige Verkörperung des religiösen Lebens. Womit man im Alltag beginnen soll r Ob man damit anfangt, etwa durch Händewaschcn und Segenspruch dio Mahlzeit zu weihen, oder in gemeinschaftlichem Gebet mit der Familie den Tag zu beginnen und zu beschließen (s. H. Stern, „Ernst machenl"), ist zunächst gleichgültig. Fanget an mit Einem und laßt uns zusammen weiterschrciten zum Ganzen! Und der Gewinn des erreichten Ganzen wird sein, daß wir vom Kleinsten her wieder bis zum Größten einen tiefen Sinn in unserem Leben verspüren und erkennen. Denn dieses ist der Sinn des jüdisch religiösen Lebens, auch im Alltag, der so oft und schnell abstumpft, den Sinn für das Wunder und Große alles Lebens überhaupt zu erhalten. . ..... _ .. . All unser Tun, besonders unser Zurückfinden zum jüdischen Gebet, d. h. und muß zuletzt heißen zum Gebete in hebräischer Sprache, gebietet mit Notwendigkeit die Bereitschaft zum Lernen. Ich glaube, es ist an der Zeit, eine alte Forderung der „Sprüche der Vflter" wieder aufleben zu lassen, die wir bisher nur für die Kinder in Anspruch genommon haben: bestimme Dir täglich eine regelmäßige Zeit zum Lernen I Nur dann, wenn wir wieder dahin finden, tatsächlich selber zu lernen, nicht nur zu hören, nur dann, wenn unser Tag wieder ein mit regelmäßigen jüdischen Zügen durchsetztes Gesicht aufweisen wird, wird uns das Lernen das geben, was es immer Juden gegeben hat: nicht nur eine Mehrung ihres Wissens, sondern vor allem eine Mehrung ihres Seins. Womit wir beginnen — etwa mit dem Wochenobschnitt —, ist ouch wieder Sache der praktischen Unterweisung. Wir erkennen, daß all unser neues Tun seinen Sinn und seine Dringlichkeit erführt, dort, wo wir heute Judesein und Judentum anderen geben 'sollen, unseren Kindern. Gorade, weil darüber soviel an anderen Orten gesagt wird und weil darüber nur allein, als über ein eigenes Hauptthema gesprochen werden darf, wollen wir hier nur feststellen: all die Erkenntnisse, von denen wir ausgingen, und all dio Forderungen, zu denen wir kamen, werden unausweichliche Verpflichtungen im Angesicht unserer Kinder. Wo ist das Elternhaus, das seinen Kindern nicht die alten reichen Quellen erschließen mochte? Und klagt man heute, jüdische Institutionen — Schule, Oneg-Schabbat, Bund — würden die Kinder den Eltern entfernen, so sei nur eines gesagt: im Judentum kann der Lehrer den Ehrentitel Voter bekommen. Dahinter steckt der tiefe Sinn seiner Umkehrung: der beste, ja eigentlich der nachhaltigst wirkende Lehrer, das ist der Vater. Judentum, Vermittlung jüdischer Werte, das Zusammenwandern hinein in das Reich des Jüdischseins soll Eltern und Kinder nicht trennen, sondern kann. sie, wie sonst nichts, zusammenführen. . Nötig scheint es uns, in diesem Zusammenhang, noch auf eines hinzuweisen: es gäbt heute in Deutschland, keine Organisation liberal religiöser Jugend. Aber übet alle Grenzen der Organisationen hinweg und weit über die organisierte Jugend hinaus denkt Jugend, oder besser müht sich Jugend im Geiste, jüdisch liberaler Religiosität. Gerade dio große Bewegung ernsten jüdischen Wollens im Kreise der Jugend kann nur und wird nur im Sinne des religiösen Liberalismus geschehen können. Denn, wo Ringen und Wachseh der Seele verstanden werden sollen, wo nicht eine Forderung des „Alles* oder Nichts" vor den Kopf stoßen darf, sondern wo 'Verständnis entgegengebracht werden muß für Keifen und Hineinfinden,' dort kann nur im Geiste des religiösen Liberalismus geantwortet tmd erzagen 'werden. . Wir sind mit unseren letzten Ausführungen an die, wie wir glauben, letzte Frage, die wir beantworten müssen, gekommen. Zu der Frage nach dem Verhältnis des religiösen Liberalismus zu den . beiden Weltanschauungsgruppen, denen mim ihn gegenüber zu stellen pflegt, nach dem Verhältnis zu Orthodoxie und Zionismus. Wir hoffen, daß aus den Darlegungen Über die Grundlagen des liberalen Denkens bereits, klar wurde, worin eo sich vom Orthodoxen unterscheidet. Gewiß, dio praktischen Forderungen' führen in die Nähe des orthodoxen Judenturas. Wenigstens dem Aussehen des gelebten Judentums nach. Wir betonen aber noch einmal mit ollem Nachdruck, daß dir. Unterschied zwischen liberalen und orthodoxen Juden nicht der sein darf zwischen Juden, die nichts bzw. alles halten. Auch der liberale Jude soll zurück zum Halten des religiösen Lebens, aber es wird ihn unterscheiden, warum und wie er es halt. Wir sprechen hier in aller Form dem orthodoxen Judentum den Dank dafür aus, daß es in der Zeit des Abfalls das Reservoir der Erhaltung bildete Damals aber war es einem Liberalismus gegenüber, dor zum Rande strebte, statt zur Mitte. Der auch von der Mitte her lebendo Liberalismus — und so soll er in Zukunft leben — wird aber immer sich klar von der Orthodoxie unterscheiden in der Haltung, die ihn zur Mitte führt und bei der Mitte erhalt. Er wird damit nicht auch ein Judentum sein, sondern wie er von Bich glaubt und glauben muß: doB Judentum. Denn was wir an der Orthodoxie als unecht^ .mti Geiste des Judentums bezeichnen müssen, ist'ein 'Zwbifhchc's: einmal ist es die Urnbiegung eines Prinzips. Es ist freilich prinzipiell jüdische Haltung, zu religiöser Tat zu kommen. Hinter dieser Tat aber muß eine freischwingende Scclo sein. Und die hat in der orthodoxon Haltung mit ihrer absoluten Forderung keinen Platz. Das andere ober ist, wie wir glauben, ein noch Wesentlicheres: den Grundwort, weil den Grund c h a r a k te r jüdisch religiöser Haltung, hat die Orthodoxie verkannt und zerschlagen. In dio Zeit einzugehen, ihrer Herr zu werden, d. h. aber nicht vor ihr zu fliehen, so erkannten wir die Grundtendenz des Judentums. Deren Verwirklichung hat sich die Orthodoxie begeben. Sie läuft Gefahr, aus dem Judentum eine Versteinerung zu machen, statt ein lebendes Bild menschlichen Ringens, um Leben und Gott zu gestalten. Wenn wir von der Voraussetzung ausgehen, daß religiöser Liberalismus vom politischen Liberalismus getrennt werden kann Und muß, so haben wir bereits die Grundlage gelegt für die Beantwortung der Frage nach dem Verhältnis des Liberalismus zum Zionismus. Denn beide müßten überhaupt in kein Verhältnis, d. h. in kein gegensätzliches eintreten, genau so wenig wie etwa Ccntralverein und Orthodoxie. Hatten sowohl Liberalismus als auch Zionismus in Deutochland keine Geschichte, sondern würden etwa als zwei gleich geborene Antworten auf die Ereignisse der letzten Jahre in Erscheinung treten, nämlich ols Wege des Hoimfindens zum Judentum, so würden beide sehr wohl miteinander arbeiten können, wie sie das tatsächlich auch in den meisten Landern der Welt tun. Zionistcn sind Besucher unserer Synagogen, liberal religiös ist das Denken und Wollen der meisten zionistischen Bünde — wer hat jemals sich darüber gewundert? Dos ist eben die natürliche Kraft des Lebens, die über alle Schranken der Porteiungen hinweg wirkt. Nur in einem müssen sie nach wie vor reinsten Tisch wahron: im Zionismus bandelt es sich um eine Angelegenheit der Politik, im Liberalismus um eine solche der Religion. Und diese beiden Möchte haben nach wie vor — und das muß zur Rcinerhaltung der Religion mit allem Nachdruck gesagt werden — eine verschiedenartige Wertskala. Der Endzustand malt sich im Auge dieser beiden Haltungen oft. sehr verschieden aus .— und hier ist es, wo auch dem Zionismus gegenüber der religiöse Liberalismus zu Forderungen kommt. Wir wagen es auszusprechen: der religiöse Liberalismus darf sich nicht mit einer blühenden Wirtschaft und auch nicht mit einer verweltlichten hebräischen Sprachkultur zufrieden geben. Gerade in diesem Sinne und weil wir wissen, daß der Zionismus ja das auch nicht will und nicht wollen kann, glauben wir, daß der religiöse Liberalismus dem Lande und der Bewegung sehr viel zu sagen und zu bedeuten hat. Wir glauben, daß vom 'Liberalismus her, und nur von ihm her, die religiösen Probleme Palästinas gelöst werden müssen. Umgekehrt aber müssen wir doch zugestehen, daß auch für den Liberalen — und zwar auch aus rein religiösen Gedanken heraus — Palästina Bedeutung haben kann. Wir fordern religiöses Leben der Gemeinschaft. Und wo wird das besser und reiner zu vorwirklichen sein als in dem Lande, wo Schabbos und öffentlicher Ruhetag eines sind. Wir wollen nicht mit „Fronten" schließen. Es kann überall die Situation des Kampfplatzes geben, nur nicht dort, wo Religion den Menschen etwas geben will und wirklich zu geben hat. Auf anderen Gebieten handelt es sich um Lösungen, dort gibt es Fronten. Religion will und meint Erlösung, dort gibt es nur ein Heer, das Heer der Gottesstreiter, der Israeliten. Juden sind wir, Israeliten wollen wir werden, Judentum der Ort — Israeliten dos Ziel. Ein neues Buch von Schoeps Gefchiehte der jüdlfcheh Heligiönsplillofophie in der Neuzeit In der von einem großen Fleiß und einer gründlichen Betesenheit zeugenden Schrift, die im Vortrupp-Verlag, Berlin, erschienen ist, sücht Schoeps die religionsphiiosoph^che Arbeit darzustellen, die von Mendelssohn und in der nachmendelssohnschen Zeit geleistet worden ist. Er tut das nicht einfach referierend, Bondern kritisch betrachtend Und durchmusternd, und indem er die Einzelnen in die philosophische Gesamtsituation und Gesamthaltung ihrer Zeit und Zeitgenossen einreiht. Er füllt mit seiner chronologischen und systematischen Behandlungsweise des Stoffes eine Lücke aus. Dem Ganzen geht ein einleitendes Kapitel vorauf, das über „die Entwicklung der jüdischen Religionssystematik bis zum neunzehnten Jahrhundert" belehrt. Es gelingt Schoeps aufzuzeigen, wie es die Frage des Primats der Offenbarung oder der Vernunft ist, um die immer die religionsphilosophische Arbeit zirkelt, wie die einzelnen Autoren sich entweder für dos Eine oder ^das Andere entscheiden und dann von da aus das Judentum zu' bestimmen versuchen oder ein Inciuanderklingcn herzustellen sich bemühen, und es gelingt ihm auch, nachfühlen zu lassen, wie mancher der Religions-Philosophen ' und Systematiker eich in Selbsttäuschung einbildet, eine echte Entscheidung gefunden und dargelegt zu, hoben, und doch nur der Entscheidung ausgewichen ist. Man kann manche« auch anders sehen und werten, als Schoeps es tut, man wird z. B. über seine Wertung der mendelssohnschen Leistung und der Einstellung der Nachfahren . zum Zeremonialgesetz andere Meinung haben können. Aber im ganzen ist dein Buch und dem Bemühen des Autors volle Anerkennung zu zollen. Es ist grad mit der Aufrührung'des Problems Vernunft—Offenbarung ein .aktuelles und zeitgemäßes., Schoeps führt sein Thema bis. zu Samuel Hirsch herunter, in einem nächsten Band soll sich eine Darstellung, des Werkes von Solomon Steinheim anschließen, dem er besondere Aufmerksamkeit: zuwendet. Mancherlei Vorgessens Btellt er wieder ans Licht. ' .' Zwei Ausstellungen soll man nicht unterdrücken. Eine äußere: man würde sich den Druck besser wünschen, die Kleinheit der DIE BIBEL ERZÄHLT Der Wochenabfchnitt Wajikro enthält die Vorschriften für die verschiedenen Opferarten. Die Tom bestimmt, was geopfert und in welcher Weise die religiöse Handlung vollzogen werden soll. Ausführlich behandelt unsere Sidra die Fälle, in denen ein Schuldopfer dargebracht werden muß. O Die Religion des Mose hat trotz der Selbständigkeit ihrer Gedankenwelt keine neue Kultform geschaffen. Die Tötung von Tieren, das Sprengen ihres Blutes, die Verbrennung von Flcisch9tückcn zu Ehren der Götter kennt auch das Heidentum. Es ist daher begreiflich, daß Maimonities in den biblischen Opfergesetzen eine Konzession an die Heidenwelt sah. Trotz der äußeren Ähnlichkeit aber, die zwischen den heidnischen und israelitischen Opfern besteht, ist doch ihre Bedeutung eine grundverschiedene. Die Götter der heidnischen Religionen sind körperliche Wesen. Sie bedürfen der Speise, die ihnen mit der Opfergabe der Menschen gereicht wird. Götter und Menschen nehmen so gemeinsam ihr Mahl ein. Schon dadurch wird zwischen ihnen eine engere, persönliche Beziehung hergestellt, die Fremdheit überwunden, die sonst unter ihnen besteht. Ihre Verbindung aber wird um so fester durch die geheimnisvolle Kraft, die im Blute der geopferten Tiere verborgen ist. Götter und Menschen essen davon und werden dadurch unlösbar aneinander gefesselt. So gewinnt der Sterbliche das Wohlwollen und die Hilfsbereitschaft der Himmlischen. Der Gott der Bibel aber ist der geistige, allmächtige Schöpfer der Welt. Es mußte daher für einen Juden ein unvollziehbarer Gedanke sein, daß Gott aus der Hand des Menschen Speise empfängt. Ebensowenig konnte die Vorstellung entstehen, daß Gott durch irgendeine Zauberkraft gezwungen werde, sich mit den Menschen verbunden zu fühlen. Dementsprechend ist auch das Opfer in der Bibel nicht mehr in heidnischer Weise zu deuten. Es dient nicht dazu, zwischen Gott und Mensch eine magische Verbindung zu schaffen, es ist vielmehr Symbol menschlicher Empfindung. Was mit Worten noch nicht ausgesprochen werden konnte, weil die Fähigkeit dazu bei einem jungen, kindlichen Volke noch nicht vorhanden war, kam in den frommen Gaben zu bildhaftem Ausdruck. -Weil -sr>~die- Opfer wortlose Gebete waren, konnten sie, ohne daß eine Erschütterung des religiösen Lebens eintrat, in Wegfall kommen, nachdem das jüdische Volk im Leid des Exils gelernt hatte, sich im Gebet an Gott zu wenden. Für die Opfergesetze unseres Wochenabschnittes ist es bezeichnend, daß auch für Sünden, die unbewußt begangen wurden, ein Schuldopfer verlangt wird. Die Tora kennt alBo eine objektive Schuld, auch wo das subjektive Bewußtsein, ein Unrecht getan zu haben, fehlt. Charakteristisch für die Religion der Pentateuch ist ferner, daß zwischen kultischem, moralischem und juridischem Vergehen, zwischen sittlicher Strafe und gesetzlicher Buße nicht unterschieden wird. Lcwkowitz-Berlin. Buchstaben beeinträchtigt die Lescfreudo und den Wunsch zulh Weiterlesen! Eine das Sachliche berührende: die Sprache ist nicht einfach und klar genug, sie hat zuviel Gewundenes an sich, zuviel Esoterisches einer bestimmten Schulsprache. Wer kann sich beispielsweise in den folgenden Satz hineindenken: „Im polaren Gegen* satz zur intellektualistischen Glorifizicrune der Vcrnunfterkenritnis, deren ontische Differenz zu den Offenbarungslehren durch das rationalisierende ErkenritniBschema verringert erscheint, sehen Wir dio Gegengruppe, trotz Verschiedenheit der theoretischen Motive in Einzelfragen, die supranaturalistische Position behaupten"? Oder in einem Satz wio den: „Das diese Denkergruppe charakterisierende ■ Moment bleibt also das Festhalten an der generischen Differenz von VernunfterkeniitniB und Offenbarungslehren, sei es, daß der Nachweis dessen inhaltlich durch eine ausgebaute Ontotogie der Offenbärungscharaktere geführt werde oder sei es,mehr formal durch die logische Deduktion aller fundameiitalen Gtoubenslehreri aus dem Btrengen Offenbarungsprinzip, *womit. gleichzeitig das für die Beantwortung unserer zweiten Problemstellung fruchtbare Prinzip gegeben ist, das die Aufstellung eines. dogmatische» Lehrgebäudes der jüdischen Glaubenslebren zuläßt und vorwärtstreibt." Oder: „Wenn . . .', dann muß es für die diesseitige Asymptote de9 um Vervöllkommnung Bich mühenden Menschenlebens ..." Man braucht kein fanatischer Sprachreiniger zu sein, uni gegen diese fremdwörtliche Schulsprache und die Undurchsichtigkeit des Ausdrucks Widerspruch zu erheben. Man kann auch in der Tiefe "einfach sein. Schoeps bringt sich selbst"aoml^ um die Wirkung. Grad solch ein Buch, müßte der interessierte Laie lesen . und ■ lesen wollen, es tut ihm dringend not, eo aber kann es der Fachgelehrte auch nicht ohne Mühe lesen. Es wäre gut,,.wenn die Fortsetzungen in einem einfacheren Stil gehalten wären, es . käme bei dem Vielen, das Schoeps auf diesem Gebiet zu sagen hat, der Sache zugut. _ , . Rabbiner Dr. Max Dienemann. Religiös-liberale Tagung in Liegnitx , Liegnitz. Aus Anlaß des zwanzigjährigen Bestehens des reli-. fiös-liberalen Vereins der Synagogengemeinde Liegnitz findet am 6. und 17. März dort eine Tagung statt, die gemeinsam mit der Liegnitzer Ortsgruppe des Bundes Deutsch-JüdficKer Jugend vor. onstaltet wird. Dem Begrüßungsabend am Sonnabend, dem 16. März, in den Räumen der Silesia-Loge folgt am Sonntog früh im Gemeindehaus eine Delegierten-Versammlung des BDJJ^ in der Synagoge, verbunden mit einer Heldengedenkfeier, eine Feier- I I

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