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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-03-13 · 11 (13.3.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
11 (13.3.1935)
Date
1935-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Stunde des Gedenkens Kriegsgefallenengedenkfeier zu Graniten der judifchen Kriegsopfer Im Gedenken , ah die 12000 jüdischen T^ten äes Weltkriegs JfäfA Ä-Bonntog.in;der Singakademie eine.weihevolle' Feier statt, die; der Reichsbimd ' jüdischer Frontsoldaten zu Gurtsten seiner KrieKsopfernbteilung^veranstaltet hotte. \ ■ ': '>■:'. Wie d<* -Bundesvoimtzende Dr.-Leo L ö'wc'nstein in seiner .einleitenden "Ansprache; ini.flor, er die Vertreter der R'eichsvertrcy.''. .tunß; der ./Deutschen' Juden, des Preußische«; Landesverbandes,;,der. Berliner Jüdischen Gemeinde und anderer jüdischer Organisationen begrüßte, hervorhob, gilt die Arbeit für die Kriegsopfer den Vertretern aller Bichtungen .und Parteiüngen, ohne . Rücksicht auf . ihre Zugehörigkeit zum.RjF. Auch diese Arbeit, so hob Dr. Löwenstcin he'rvor, steht auf dem Boden jüdischer Tradition und soldatischer Treue, die die Grundlagen der gesamten Arbeit des Bundes sind. Dr. LöwenBtein wies als Zeugen hierfür auf einen Wimpel des Bundesbanners hin, der den Spruch Josuas trägt, mit' dem unsere Vorfahren in'' den Kampf zogen: chasak weomoz, seid stark und trofer! Dieser Wimpel, den er vor zehn'Jahren angeheftet habe, BOhVmit seiner gelben Farbe'.zugleich ein.Symbol jener.Zeiten. "Bein,' "uv denen die Juden' für ihren' Glauben den .Scheiterhaufen bestiegen hotten. Der Redner erinnerte auch an eine Begegnung-, ■ die er' mit Generalfeldmarschall yon; Hindcnburg hatte;>wnL\*i,*f: als Vertreter des RjF die Treüe gelobte..' Hihdcnburg habe ihm. damals die Worte nachgerufen: „Ich nahm .zur Kenntnis, xfaß Sie mir die Treue gelobt.", Nichts,-so fuhr Dr. Löweristein fort, wird uns davon abhalten, diese Treue übers Grab hinaus zu halten. Einen Überblick über die Arbeit der Kricgsopferabteilung des RjF verband eodahn deren Leiter, Oberlandesgerichtsrat a. D. Dr. Höscnthal, mit einem warmherzigen Appell iah die. Ver-; sommlühg, zur Linderung der Not der jüdischen' Kriegsopfer beizutragen. Wohl sorge def Staat durch Fürsorge' für die KriegB- invaliden und die Hinterbliebenen der Toten des Weltkrieges, aber bei dem Einzelnen seien durch die. Finanzkraft des Reiches Grenzen; gezogen. Hier ergünzend einzugreifen sei Hauptaufgabe der Kriegsopferabteilung des RjF, ,dier hierbeieine.. Aufgabe :_des gesamten deutschen Judentums zu erfüllen hob«: Es ecien'beute noch immer 1,7 MillionenKriegsopfer zubetreuen; an deren Zahl auch' die Juden, entsprechend den großen Opfern wahrend' des Kriege«,-einen beträchtlichen Anteil..hätte'nr- So ergäbe "sich ein« gewaltig* Arbeit, die urd so, größer sei, als durch amtlichen Erlaß der Krlegropferabteilujlg auch die; Sorge um'die nichtarisctien Kriegstrpfer von den staatlichen Versbrgungsbehörden übertragen worden sei. Dos harte Los der Kriegsopfer zu . lindern .und ihnen zu helfen, sei vornehmste Verpflichtung. '• Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Gedenkrede des Predigers der Reformgetneinde Dr. R o s e n t h a I, Zwei Heere stellte er, döi Blick rückwärts wendend, einander gegenüber: das jubelnde Heer yptt 1914, das erfüllt von Begeisterung, Glaube und Hoffnung hinauszog zum Schutz der deutschen Heimat, und das.gleichfalls endlose, aber stille, graue Meer der zwei Millionen' toter Soldaten, unter denen sich 12.000 Juden befinden, die gleichfalls ihre Liebe zur deutschen Heimat mit' ihrem Herzblutwäüegelt. hoben, Im Sinne einer Mahnung Ernst Moritz Arndts „Denn Du bist ein Metisch und sollst nicht vergessen, sondern behalten in Deiner Seele",, gelte es, die Erinnerung an ihre Taten und ihren. Geäst wachzuhalten. „Wir wollen gedenken der zahlreichen Graber deutscher Juden in der Fremde und in der Heimat. Keinen wollen wir1, vergessen, denn jedes Grab erzahlt seine Geschichte und kündet uns ein stolzes Bewußtsein,' das sich kundgibt in dem Gedanken: er war unser..'Alle diese Toten sind unser Stolz,:daß sie Xu uns gehört haben. Sie sind unser-Schmerz, daß: wir. sie' —Alleren mußten. Gedenken wollen -wir, nicht klngen. Mit diesem GeVbniken wollen wir vor ,unsere Brüder hintreten. Wir gehören dem Leben, und dem Leben sollen wir dienen, und in Erinnerung an ' die . Toten-, die Saat für die-- Zukunft säen.1.Dos ist die Aufgabe-,'! die der RjF sich gesetzt'.hat." ,..... . " ~ - . Abeii nicht' inur, 'die '.Totelit^seieriVdie Opfer de» mörderischen Krieges "geworden, sondern auch die Witwen und Waisen, die Bräute und Geschwister... Opfer seien » auch die Enttäuschten und . diejenigen, die unter den Nachwirkungen des Krieges, bis auf den . heutigen; .Tag zu.'leiden^ .haben.- EuiO rganze Generation sei-das ' Opfer jenef schmerzlichen vier Jahre: geworden. Es gelte der Aufgabe Rechenschaft abzulegen vor den Toten, indem man sich der Lebenden annehme, um der Toten willen, den Lebenden zu dienen, um der. Toten willen, die für die Lebenden starben. Die Stunde des Gedenkens wolle eine Mahnuitg sein, zu dienen und zu "trage n zu dienen der Gerechtigkeit, der Wahrheit und dem Frieden, dem höchsten Ideal, das. die israelitischen Propheten der Menschheit gegeben hoben, zu trogendie Not und Schwere dieser Zeit, nicht nur materiellen Schmerz, sondern auch die Verlassenheit ihreB Herzehs und den Soelenschmorz, der dadurch hervorgerufen sei,, daß man uns wehre, uns zum_ deutschen Volke zii zUhlen, und' dem wir ' doch 'angehören':!wollefi'' bis zum letzten Atemzug. ,',Um der, Totcji' wiHsn^i laSpSehjoß' ' Dr^'J8v3tothal ^semVÄufrdtteln^t^ des Guten willen, im Glauben-ah eine für uns'-bewehre Zukunft." . ' Auf den Ton' dieser ernsten Stunde waren auch die rezitatorischen und musikalischen Darbietungen" abgestimmt; die . die Wirkung der Reden künstlerisch verstärkten. Dr. Ludwig Misch gab mit seiner. Neuen Mo^rigalverelnigung wirkungstief die Grundakkorde der.' Veranstaltung .an. :;Friiz Lechncr ergriff mit;' Gesängeni aus -dem Liederzyklüs i.-,^ttchruf" von. Gerhard Goldschlag, der selbst am Flügel '.begleitete. - Aufwühlende Wirkung emg von der Ihterprctotiöri der;,Kriegsbriefe Gefallener deutscher Juden"- aus, 'dio Frau Edith. Herrnstadt-Öttingen in kluger Auswahl, darbot. Ohnei rezitatorischq Eitelkeit ließ sie die Sprache des .Krieg«« in ihrer unges'chh^kten,Natürlichkcit sprechen und gab feinfühlig, der Grundstimmung 'Ausdruck, aus der Verse von Walter'Heymann,Alfred-'Lichtehsteih:.und George A. Gold- Schlags „Der Schlamm von Flojiderji". und das Gedicht „Frühling" entstanden" - sind."; In ' einer <■ Orgelparaphrase Erwin; Jospcs über das Lied „Ich' hott' einen"Kameraden'' -Iclang die Stunde " des Gedenkens weihevoll; b;ub.: "-.V;'" SV,.:'^ ' : Tranei^ottesdJenft in der Nen^ Synagoge - Zu Ehren d«r im 'Kriege Gefallenen findet am kommenden So n n.t'a g.,' Vormittags lÖ rUhr; ein . Trauergottesdienst :in der Neuen Synagoge statt. Bei der Feier wird auch der „Kameradschaftliche verein deutscher Soldaten", der seit 33 Jahren besteht, unter der Führung' von Handelsgerichtsrat a. D. Alfred Solomon mit Fahnenabordnung vertreten sein. Verfammlungen anmelden! Das Geheime Stoatspolizeidmt teilt folgendes mit: „Die jüdischen Organisationen und Vereine werden ersucht, von allen an die Staatspolizeistelle Berlin, Dezernat 8, gerichteten Anmeldungen von Veranstaltungen und Voratondssitzungen' einen Durchschlag oder. eine. Abschrift an das. Geheime Staa^spoh'zeiamt, Prinz-Albrecht-Straße 8, Zimmer 338, einzureichen- Dabei ist darauf zu..achten, daß insbesondere Referent und Tagesordnung, genau anzugeben sind-.'1 . ..Die, Jüdische Gemeinde macht darauf nufmerkian«, daß der zuständige Sachbearbeiter der Gememde 'entwederjUlefönisch'unter D 2 WeidendärhSä 5921, Apparat 57, öder rmch^orheriger telefonischer Vereinbarung auch persönlich den "Vereinen zur Verfügung steht. flugs seine Gemeinschaft mit der. neuen Konjunktur Und verdächtigt jeden ehrlichen. Nonkonfirmisten, bis die Konjunktur erneut umschlägt. "Wir kennen alle ^ene Parvenüs, die sich von Flüchtlingen aus der jüdischen Gemeinschaft zu wütenden Gegnern „fortentwickelten, wir kennen auch jene beschämenden Beispiele, in denen sich ganze Gruppen sozial arrivierter Juden in verletzender Form-von anderen weniger, begünstigten Gruppen distanzierten. Da gibt es das berühmte Beispiel jener französischen Sefardim, die sich für die Ausweisung ihrer avignonenser Glaubensbrüder aus Frankreich mit großem Eifer einsetzten. Hier und in anderen gleichen Fällen, deren Kette nicht abreißt, bricht der nackte Egoismus aus der dünnen Schale einer Gemeinschaft aus prophylaktischen Gründen. Bei all dem wird immer wieder eins offenbar. Jede Gemeinschaft ist ein Nichts, solange sie aus der gemeinsamen Not und nicht aus der gemeinsamen Verantwortung kommt. Not ist eine TConjunkturerscheinung, die mit wechselnder Konjunktur vergeht. Verantwortung dagegen kommt aus tieferen Gründen. Sie ist unabhängig von der Konjunktur. Die Notgemeinschaft lebt von der Fragwürdigkeit der Situation. Die Verantwortung aber lebt von der Fragwürdigkeit der Existenz. Die aber ist so dauernd wie die Gemeinschaft, aus der die Existenz entsteht. Solange mithin eine jüdische Gemeinschaft besteht und solange ihre Existenz fragwürdig ist, solange gibt es eine jüdische Verantwortung, die den gemeinschaftlichen Einsatz eines jeden erfordert. Wer aber den Weg der Konjunktur beschreite^ weil er „im Haus des König6 wohnt" und sich selbst aus der schwebenden Ungewißheit gerettet glaubt, der mißversteht nicht nur, sondern der leugnet jene Gemeinschaft, von der das Fest des Loses zu uns spricht. Daß diese Worte heute gesagt werden, geschieht nicht nur dem Purim-Fest zudank. Es-geschieht, weil es scheint, als ob' unsere jüdische' Gemeinschaft in Deutschland aus ihren eigenen Reihen einer Konjunktur geopfert zu werden droht. Es geschieht, weil es so scheint, daß an die Stelle der schwebenden Ungewiß-. heit nicht eine Gesamtlösung, sondern eine partielle Lösung gesetzt werden soll. Es geschieht,, weil es so scheint, als ob diese Lösung um den Preis der Verantwortung erkauft werden soll. * In unmittelbarem Zusammenhang mit den Erlassen, die die Arbeit des nichtzionistischen Teils des deutschen Judentums erschweren, gefallen sich gewisse Kreise des zionistischen' Lagers in einer. Polemik, die zu stark auf den augenblicklichen Status zugeschnitten ist, um noch vom Verdacht der Konjunkturnutzung frei zu sein. Man kann sich bei manchen Reden, die letzthin gehalten werden, des peinlichen Eindrucks nicht erwehren, als ob das delphische Orakel dieser Kreise durch die jüngsten Ereignisse seine Autorität neu gekräftigt fühle. Jedenfalls hält man unter steter Berufung auf seine jüdische Verantwortung die Zeit für gekommen, sich von allem, was nichtzionistisch ist,.mit dem Ausdruck höchster Entrüstung zu distanzieren und seine eigenen Parolen propagandistisch wirkungsvoll aufzufrischen. Wir meinen, eine gemeinschaftliche Verantwortung tragen heißt: eine Antwort für die Gemeinschaft zu geben versuchen und : mit ehrlichem Respekt vor jeder Meinung zu stehen, die um eine solche echte Entscheidung bemüht ist. Eineechte Entscheidung freilich kann' und darf sich nicht an Erscheinungen orientieren, deren Wirkungskreis weder auf Zeit noch auch auf Umfang annähernd abschätzbar ist. Spekulationen aus Konjunkturgründen mögen vielleicht individualistische Einzelaktionen motivieren. Für eine verantwortungs- und planvolle Gemeinschaftsarbeit sind sie untauglich. Uns aber geht es nun einmal um die Gemeinschaft, und wir senen zu dem Gedanken des Purimfestes, wenn wir aller Ungewißheit zum Trotz durch den Einsatz unserer ganzen Kraft uns um den Bestand der Gemeinschaft bemühen. Wir halten es für ein billiges Unterfangen, uns mit ideologischem Lorbeer zu schmücken, der in fremden Gärten gewachsen ist, wenn dadurch die tatsächliche Situation um nichts, aber auch um gar nichts, verbessert wird. Was nützt es schließlich, sich ideologisch aus einer Situation zu entfernen, wenn man ihr materiell verhaftet bleibt? Uber , den historischen Wert der augenblicklich drohenden Distanzierung im innerjüdischen Lager mag eine Zeit urteilen, die hierzu den moralischen Kommentar schreiben wird, über den prak- * tischen Wert hat niemand anders ein besseres Urteil gefunden als das Buch Esther: „Denke nicht in deiner Seele, daß du allein von allen Juden entrinnen werdest, weil, du im Hause des Königs bist." Möge das. Purimfest 1935 eine Warnung sein, daß nicht die Not zum moralischen Lehrmeister unserer Tugend werde. j Jofepli Kaiiffmann | ..','■, Mit dem Heimgang unseres lieben Freundes Joseph Kauffmann verliert das r'eÜgiös-Bbirale Judentum in Berlin einen seiner-besten-Söhne, einen der Mensdien, die hinter Schlichtheit und Sulle"^i^n.j-und (Beständigkeit bargen, oft beinahe ver- ( bargen. .. Wer Watte diesem -bescheidenen,' in größerem Kreise fast nie dos Wort .dehmenden Manne anmerken können, was er ieit Jahrzehnten' aüfe.den verschiedensten Gebieten jüdischer Aufjbauarbeit geleistet hat!' Er' gehörte eben zu den Menschen,» denen es nicht gegeben war, in Volksversammlungen beredt zu sein, um dadurch über die innere Leere hinwegzutäuschen, Er . handolte-, ohne viel zu reden..... Joseph Knuffmann, der aus einer konservativen Hannoveraner Familie stammte, istin eigenem Kämpfeh und Bingen religiösliberal geworden, wobei ihn wohl die enge LcbehBgemeinsdhaft mit seinem Schwager Casar Seligmann wesentlich förderte: - Es wäre aber unrichtig, ihn>' nur als Gefolgsmann anzusehen, er ging eigene Wege und schuf .-.eigenes wie -all diejenigen,, die sich ihre- Weltanschauung wirklich erobern. ' ' ' " >.«.' .;.' Wie viele unserer Freunde,, begann er mit sozialer Arbeit. Schon in den 80er Jahren organisierte er in seiner Heimatstadt Hannover das Komitee für die Flüchtlinge aus Rußland,-in dem sich einst auch Männer wie Paul Nathan und Bernhard Brcslauer ihre Sporen verdient hoben. Dber das, was er für andere Gemein'- Schäften, - insbesondere für den . Gentraiverein -getan hat, soll liier nicht berichtet werden. Hier mochte ich daran erinnern, daß er schon in seiner. zweiten Heimat Plauen, deren jüdische Gemeinde er lange Zeit führte, mit -behutsamer Hand, ohne die Gefühle anderer zu verletzen, religiös-liberales Leben einführte. Er diente ober nicht nur einer Richtung, Bondern die Juden Sachsens danken ihm u. a. auch seine Mitarbeit an dem sächsischjen Judengesetz, dessen Entwurf von ihm stammt, sie danken ihm die Wanderarmenfütsorge für die Gemeinden Sachsens und ' viele > andere gemeinnützige Einrichtungen. Bezeichnend für Beine zähe Energie ist, doß er noch in reiferen Jahren, um selbst aus seinem reichen jüdischen Wissen und seiner gereiften jüdischen .Weltanschauung heraus Erziehungsarbeit leisten zu können, das Religionslchrercxamen nachmachte, um so Unterricht erteilen zu können. Wer macht ihm das nach? Wieviel Menschen hat es überhaupt gegeben, die schon vor 40 Jahren die Notwendigkeit eines positiven liberalen Unterrichts erkannten und in die Tat umsetzten! Wenig bekannt ist auch, daß er schon 1901, also vor mehr als einem Menschenalter, eine deutsche Hagada in poetischer Form herausgab. In Berlin hat er 20 Jahre gewirkt, und zwar hauptsächlich in unserer Gruppe Weißensee, für die sein Hinscheiden einen unersetzlichen Verlust bedeutete; Seine letzte große Arbeit war die Übersetzung der Montef iorcschen „Outlines", ein Werk, das nur jemand schaffen konnte, der in die Grundprinzipien jüdischer Philosophie und Wissenschaft so tief eingedrungen war wie er. ' Nachdem ihn Alter und Krankheit zwängen, sich aus öffent- Uch-iüdischer Wirksamkeit zurückzuziehen, blieb er doch unermüdlich in der Beschäftigung mit Dingen jüdischen geistigen Und seelischen Aufbaues. So hat er für seine kleine Enkelin eine ganze Reihe Übersetzungen von biblischen Stellen und sonstige religiöse Schriftchen -geliefert.- Es - dürfte ' sich - verlohnen',- ■• sie: einmal zu tt^rortfen^und,^sammenzus^ ...', :^-«vi?■' Viele unserer Leser und Mitarbeiter werden JoBeph Kauffipunn gekannt hoben. Wenige' aber, die diese Zeilen lesen, werden sich einen Begriff machen davon, was in dem' kleinen und bescheidenen, zurückhaltenden Manne wirklich gesteckt hat. Mit ihm geht einer derjenigen Berliner liberalen Männer dahin, denen schon vor einem holben Jahrhundert, das eignete, wonach die heutige Generation strebt: Vertiefung der geistigen Haltung auf Grund religiösen Wissens und religiöser Übung. Er war ein reiner und vornehmer Mensch. Das Andenken dieses Gerechten wird nicht nur für die Seinen, sondern für uns alle zum .Segen sein. Heinrich Stern. Die jüdifchen Ärzte in Berlin In der deutschen Presse wird eine Statistik mitgeteilt, die die Anzahl der Arzte, die im Ärztekammerbezirk der Stadt Berlin am 31. Juli 1934 vorhanden waren, angibt. Danach betrögt die. Gesamtzahl der Arzte in Berlin 6188. Sie hat sich in der Zeit vom 14. Februar 1934 bis zum 31. Juli 1934 um 15 vermindert Diese. Verminderung setzt sich aus einem Gesamtabgang der nicht arischen Ärzte um 5!12. zusammen. Der. Gesamtabgang der nichtarischen Ärzte wiederum enthält einen Abgang von 256 und einen Zugang von 44 Ärzten. 44 nichtarische Ärzte haben somit ihre Praxis nach Berlin verlegt, ein Zeichen für diestarke Binnenwanderung unter den deutschen Juden. r . t .-- 7^ Amerikanifebe Rabbiner für ärztliche Geburtenkontrolle New-York. Die Exekutive. des Rabbinerverbandes. Amerikas hat in ihrer letzten in New-York abgehaltenen Sitzung zugunsten der Geburtenkontrolle Stellung genommen. JEs wurde erkürt, daß die Geburtenkontrolle nicht im Wide^^wMßMi^ stehe zur jüdischen Überlieferung. In der von der Exekutive gefaßten Resolution wird darauf 'hingewiesen, daß laut: der jüdischen Überlieferung Geburtenverhütung zulässig ist, wenn _ die Erhaltung der Gesundheit der Frau oder die Sorge für einen gesunden Nachwuchs es erfordert. Auf Grund sorgfältiger Forschungen und. Beobachtungen seien die Rabbiner zu der Überzeugung gelangt, daß dio Geburtenkontrolle für die Überwindung der Schwierigkeiten des Familienlebens unter den gegenwärtigen Bedingungen von Wert sei. Deshalb mögen der amerikanische.^ Kongreß und dio gesetzgebenden Körperschaften der einzelnen Staaten die Durchführung der Geburtenkontrolle durch-verantwortliche ärztliche Körperschaften gesetzlich regeln. „In ftinbtgefüb!" der Abneigung" Magdeburg. In der Gauführerschule in Dessau fand ein russenpolitischer Schulungskurs statt. Bei Abschluß des Kurses 'hielt ileichsstauhulter Gauleiter Loeper eine Rede, in der er auf die Rassenfrage; zu sprechen kam. Im Kampf des Nationalsozialismus um dos Volk sei die Rassenfrage, so führte er nach dem Bericht des „Mitteldeutschen — Neues Magdeburger Tageblatt" aus, von einer unerhört großen Bedeutung; Es sei nicht notwendig, daß der einzelne Volksgenosse die Raasengesetze in ihrer letzten wissenschaftlichen Feinheit verstehe, sondern es, genüge schon, wenn dem Volk der gesunde Rasseninstinkt' zurückgegeben sei, jenes Instinktgefühl der Abneigung, das den deutschen Menschen zwingt, sich vom Juden fernzuhalten. Die überwiegende Masse des deutschen Volkes lehne den Juden schon heute ab.

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