Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 8 (20.2.1935)
- Date
- 1935-02-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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desch" daa „Wcohawto", das „Zur ji'sarool" und dos „Ez chajim", ferner das „Hallel'VVon Kirschncr und das „Ausheben" von' LeWondowski; Wenn,, auch. gesagt. .weiden muß, daß einige der Stücke bei der Ausführung; namentlich in kleineren Gemeinden auf, erhebliche Schwierigkeiten stoßen dürften, so scheint diese Sabbatrormittag-Lirurgic doch geeignet zu sein, eine stärkere Aktivierung der Gemeinde durch Wechsclgesünge "zwischen Vor-' beter und Gemeinde herbeizufuhren und darüber ■•hinaus , durch die heue Gestaltung auch auf die Jugend eine stärkere' Anachüngskraft auszuüben. Diskujfion über Sabbatfragen Bericht für die „Jüdisehe Allgemoinoi< Breslau. Der Re ligiös-Libe ralc Verein der Synagogengemeinde Breslau hatte zu einer erweiterten FunktionBrsitzung geladen;' Die Herren Lachs und Dr. Korn berichteten über die Berliner Hauptversammlung; im Anschluß hieran folgte eine lebhafte Diskussion, über die Sabbatfrage für die jüdische Schuli'ugend Breslaus. Es war dies'das erste Mal, daß'im Kreise von Ircslauer Gemeindefachleuten, Vertretern der Jüdischen Liberalen Schule und den Herrn Rabbinern über die Frage der Sabbatgestaltung im Rahmen der Schule gesprochen wurde. 'Studienrat Dr. Sch&ffer; der Leiter der Jüdischen Liberalen Schule, stellte als ersten Grundsatz die Freiwilligkoi^und Zwängloaigkclt auf, die bei jedem Versuch einer wahren Sabbatgestaltung für die Kinder gefordert und in Breslau bereits in die Tot umgesetzt würde. Rein erfahrungsgemäß forderte jedoch Dri Schaffet die Verschmelzung der Stunde der Freude und des Wissens, die in einem Guß den Kindern von der Schule geboten werden müsse. Sei es doch gerade dio Freude am Judentum, die in den. Kindern, bei denen z. T. noch vor kurzer Zeit die ■Weihnachtsbaume zu Haus gebrannt hatten, erweckt werden müßte. Auch auf die Bedeutung der Zusammenarbeit iler Lehrer mit den jüdischen Jugendfahrern kam Dr. Schaffer zu sprechen. Dr. Spitz, der Vorsitzende des Schuldozcrnats, betonte die Schwierigkeiten, die sich daraus ergäben, auch die Kinder, die noch in den weltlichen Schulen seien, falls die' Eltern die Befreiung vom Unterricht am Sonnabend bewirkt hatten, mit zu der Sabbntgestaltunp der Jugend in den jüdischen Schulen. heranzuziehen. Es wurde der Vorschlag gemacht, Religionsklassen als Gaste zu den Feiern der jüdischen Schulen heranzuziehen, aber jiuch hier wurden verschiedene Schwierigkeiten gesehen, die vielleicht im Rahmen der Schule nicht gelöst werden können. Der einzige We£ der Sabbatgestaltung für diese Kinder geht wohl nur über den Bund. Rabbiner Dr. -Holpern, der aas jüdische Krankenhaus in Breslau betreut, berichtete von dem Wunsch der Kranken, regelmäßig Freitagabende im Krankenhaus für die Genesenden zuveranstalten. Die Anregungen werden in den kommenden Wochen weiter erfahrungsgemäß ausgebaut werden, und Gemeindevertreter, Rabbiner und Schulkollcgium arbeiten in Breslau eifrig an einer wahren Ausgestaltung des Sabbats in der auf der liberalen Tagung diskutierten Form. » Mit der Erstaufführung von Molieres „T a r t ö f f" hat der Kulturkreis Breslau ein uub Berliner und Brcslauer Künstlern gemischtes Ensemble auf die Bühne gestellt, das sich in der heiteren Atmosphäre mit viel Geschick bewegte. Die Kulissen ersetzen hier den Theatervorhang und die die Vcrwandluhgsszencn ausfüllenden Pantomimen der Comedia del arte zaubern das Theater zur Zeit Molieres vor dio Aügcn der Zuschauer. Alfred Balthoff spielte die Rolle des von der Scheinheiligkeit verführten Orgon vortrefflich, und auch sein Gegen- . Spieler Tartüff (Max Koninski) war amüsant und nachdenklich stimmend zugleich. Carola Segnil gab die Bolle der ewig Unbelehrbaren Madame Pernelle mit steifer Gravität, und Camilla S p i r a (die Gattin Orgoris) war entzückend frisch und charmant in ihrer großen schalkhaften und arglistigen Szene mit Tartüff. Die Marianne Ruth Ardens war ein wenig schüchtern und steif, der Damis (Fritz Ritter) feurig lebhaft, mit viel Pathos, wie es dieser GeBtalt zukommt. Heinrich Markt dirigierte eine dem Stil der Zeit angepaßte Musik. Am Schluß noch ein Dank dem . Schöpfer der mit viel Geschick in den außerordentlich kleinen Raum eingepaßten Bühnenbilder, Kurt L e u n e r. Die Regie führte Nikolai El ja sc ho ff. Ruth Tichauer. wurde besprochen, die Einrichtung von Scdcrabcndcn für weite Kreise vorzubereiten. — Gcmeindcrabbinor Dr. Kobcr hat eine sechswöchige Urlaubsrciso nach Pulastina angetreten. Landsberg (Warthcjw In einer gemeinsamen Sitzung dda Vorstandes und dor Repräsentanten der Synagogen-Gemeinde wurden Satzungsanderungen beraten, da die Repräsentanten infolge Fortzugs violor Gemeindcmitgliedor nicht mehr vollzählig sind. Bisher bestand' die Rcprascntantcnvcrsammlung aus 11 Repräsentanten und 3 Stellvertretern. In Zukunft sollen nur 9 Repräsentanten und 2 Stellvertreter gewählt werden; die Satzungsänderung wurdo dem Herrn Oberprasidcntcn dor Provinz Brandenburg zur Genehmigung eingereicht. — In einer Besprechung mit dem Vertreter der Hauptstclle des Centralvcrcins, Dr. Rudolf Heymannssohn, wurde eine Umgruppierung des Vorstandes der Ortsgruppe vorgenommen. Zum Vorsitzenden wurde Louis Liebcrt, zum stellvertretenden Vorsitzenden Rechtsanwalt Kann wiedererriannt. In den Vorstand treten neu ein: Richard Springer, Fabrikbesitzer Sicgmund Adler und Tierarzt Max Koschminski. VonSportfLehrhaus^FräuenfKürift Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Wuppertal-Elberfeld. Auf dem letzten Kameradschaftsabend der Ortsgruppe Wuppertal des RjF befaßte man sich mit der ivon der Bundcsleitung befohlenen Gründung einer Spprtgruppe im RjF. Der Vorstand selbst steht in dieser Frage auf dem Standpunkt, daß die Gründung einer solchen Sportgruppe für den hiesigen RjF unnßtjp sei, weil zwar der jüdische Turnverein Hakoafi-Wuppertal dem Makkabikrcis angehöre, aber vereinbarungsgemäß in strengster "Neutralität seine Turnabende und sonstigen Veranstaltungen abhalte. Dieser Turnverein ist vor etwa einem Jahre unter Mitwirkung, aller Kreise und unter Förderung der Gemeinde entstanden. Die eigene Turnhalle sieht fast täglich dio gesamte sportbegeisterte jüdische Jugend Wuppertals in ihren Räumen. Es ist selbstverständlich, daß auch die Elbcrfeldor Gemeinde in diesen Monate^ des großen jüdischen Gelehrten Maimonidcs gedenkt. Dies geschieht in Vortragen, die Gemeinderabbiner Dr. Norden in der Elberfclder Synagoge an vier Sonnabendabenden halt Der erste Vortrag'über „Maunonidea als Erklärer'1 hat bereits stattgefunden. Die Ortsgruppe der J ü d i s ch -1 i be r a 1 e n Vereinigung erstrebt mit aller Macht die Gründung eines Lehrhauses in Wuppertal und hat in einer Vörstandssitzung be-» schlössen, die Gemeindeverwaltung um die Gründung zu ersuchen. Sie würdo einer Verzettelung der Kräfte begegnen, die das Go-' mcindolchcn durch . 3aa häufige, wenn auch nicht beabsichtigte Gcgcncinandorarbcitcn dor verschiedenen Verbände bedroht. Der . BdjJ nimmt von Monat zu Monat an Mitgliedern zu — ein Beweis dafür, daß seino Mitglieder auf dem rechten Wego sind, und daß viele. Eltern zu der. Einsicht, gekommen sind, daß' daB Judentum in Deutschland gewillt ist, auch dor Jugend in Deutschland Leben und Wirken zu ermöglichen, so weit die Gesetze dafür Raum geben. ' . i Von besonderer Bedeutung ist die vom Frauenbund gegründete Gruppe der berufstätigen Frauen geworden, dio auch die unverheirateten Berufstätigen umfaßt. In regelmäßigen Abstanden sollen gesellige Zusammenkünfte dieser Gruppe mit den Mitgliedern des JFB veranstaltet worden; um eine Grundlage für fruchtbare Zusammenarbeit zu schaffen. Wenn zuletzt noch mir mit wenigen Worten über den Kulturbund Rhein-Ruhr berichtet wird, so keineswegs deswegen, weil seine Veranstaltungen an letzter Stelle rangieren, sondern deshalb, weil der Raum nicht ausreichen würde, um olles das wiederzugeben, was diese Organisation für uns geworden ist! Es sei nur schlicht notiert, daß zuletzt Boris Schwarz und Kurt Heinemahn konzertierten, und daß uns durch die Schauspielbühne eine Aufführung von Gerhart Hauptmanns „Michael Kramer" vermittelt wurde. Beide Veranstaltungen waren in künstlerischer Hinsicht kaum zu überbieten. . Hugo Israel. Maimonidcs zu Ehren. Aus Anlaß des 800. Geburtstages des großen jüdischen Religionsphilosophen, Gesetzesichrer und Arztes hat sich der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden an die Rabbiner und Lehrer gewandt mit der Bitte, den Gemeindemitgliedern die Persönlichkeit des Maimonides nahezubringen, und zwar auf Gemeindeabenden durch Vortrage, auf der Kanzel dürch Predigt sowie .im Unterricht. Dio Organisation der Fortbildung Jüdischer Lehrer und Lehrerinnen Im Geblot RhoInOUEaln, dio unter Leitung des Oberstudiendirektora Dr. Drioaen steht,- beginnt ihren ersten Lehrgang "am 24. Februar, vormittags 11 Uhr, in der Aula des Philauthropin in Frankfurt a. M. mit einem Eröffnunfrsakt, bei dem uater anderem Dr. Driescn über ,,Gcdanke und Tat in Erziehung und Unterricht" Bprechen wird. Noch einmal: Jugend und Gemeinde Von HEINZ KELLERMANN ,; Erfurt. In der. Reihe der kulturellen Verunstaltungen der Gemeinde sprach Dr. Kurt Pinthus über „Josel von Rosheim", den i.VorlBufer der Beicbsvertretung^'. Das von weither zusammengetragene. Material über diesen. Zeitgenossen Luthers wurde vom Vortragenden in verdichteter und interessierender Weise dargeboten. Otto Bernstein-Dresden trug mit vollendeter Kunst aus Werken moderner jüdischer Schriftstoller, u. a. Buber, Beer-Hofmann, Sturmann, vor. Die Wirkung war nachhaltig. Geilenkirchen. Der Preußische 'Landesverband hatte die Gcmeindemitglieder und Vertreter der Nachbargemeinden zu einer Veranstaltung eingeladen, bei der Dr. Gallincr-Berlin über die Situation der deutschen Juden sprach. Jüdische Art sei ea von je gewesen, Leid fruchtbar zu machen. Darum, suche der Landesverband die Gemeinden, insbesondere die Klein- und Mittelgemeinden, zu starken und entsprechende Beihilfen zu leisten. Er behandelte die Einrichtung weiterer Bezirksrabbinate, Lohrer- und Erwachsenenbildung, ' Wanderbibliotheken, Herausgabe von Gesängen für den Gemeindegottesdienst und anderes mehr. . Hamburg. In einer Veranstaltung der jüdischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft spielte das „Jüdische Kämmerorchester" unter Leitung von Edvard Moritz ■ Werke von Schein, Puroell, Vivaldi und erstmalig ein Divertimento .von Paul Juon. Paula Lindberg Bona; zwei Arien aus dem Elias" von MendelssohnrBarthoIdy und zwei neue Kompositionen von Moritz. Da3 Publikum dankte durch starken Beifall. — Anlaßlich des 800. Geburtstages von Maimonidcs werden unter dem Protektorat der, Deütsch-BraeUtischeri' Gemeinde von der'XFränz-fioscnzweig- Gedachtnis-Stiftung gemeinsam, mit den hiesigen U.Ö.B.B.-Logen trei Gedenkfeiern stattfinden, an denen Prof. Dr. J. Elbogen, erlin, Rabbiner ' Dr. Max Wiener, Berlin, und Oberrabbmcr Dr. Joseph Carlebach, Altona, Vortrage halten' werden. E. F. Krefeld. In der hiesigen Synagoge sprach Rabbiner Dr. Manfred Sworsensky-Berlin vor einer zahlreich versammelten Gemeinde. Er behandelte, das Thema: „Deutsche Juden wohin?'- — Der Kultur- ' buhd .Rheiit-Rühr veranstaltet in der Synagoge ein Konzert seines Streichquartetts. '..' ' .Köln. Ein Gemehidcobend als Kundgebung zum „Tag der jüdischen Jugend" findet hier am 23. d. M., 20'/, Uhr, in de» . Rbeinlandioge statt. Dr. Bruno Sommerfeld-Berlin, Geschäftsführer des Reichsausschusses der jüdischen Jugendorganisationen spricht i übers ,iDie gegenwartige Lage-'der jüdischen Jugend in Deutschland"» Jugendbunde und Elternschaft aller Richtungen werden somit hier, .zum ersten Male zu einer gemeinsamen .Tagung .vereint seihj um ihre gemeinsamen Aufgaben zu besprechen.. Durch die Beteiligung des Gemeindevoretanaea Und der Vertretender großen jüdischen Organisationen wird, die Kundgebung erhöhte Bedeutung erhalten:,— Im Kölner Jüdischen Lehrhaus sprach Dr. Martin' Fri&UfUui, ehemaliger Musikreferent am;„Köhier Tageblatt", über: B, Beziehungen jüdischer'). Menschen zu Meisternder deutschen ifc/4 Die^vielfichen und oft segensreichen und befruchtenden . Jehungen auf diesen} Kunstgebiet fsjutoi in dem .sachkundigen Redner fcjjjp,!. f^i'gäiH^e Gesjaltungj.-^rlil der ..letzten Sitzung des' Vorstandes der re 11 giö s - libe r'a len In seiner offenen Antwort an mich in der Ausgabe vom 13. Februar der „Jüdischen Allgemeinen" scheint nur Dr. Walter Breslauer im wesentlichen an meiner Frage vorbeizugehen. I. Ich habe eingangs meines Briefes vOm 6. Februar erklärt, daß „was mich veranlaßt, an Sie (d. i. die Gemeinde)' zu schreiben, dio Sorge um die Gegensätzlichkeiten ist, die Bich vom Grundsatzlichen her hier auf getan haben . . ." und diese Feststellung mit der Einsicht begründet, daß „in der Meinung von den Rechten und Pflichten der Gemeinde eine akute Distanz besteht zwischen denen, die,ihre Geschicke verwalten, und zwischen denen, die „verwaltet" werden . . ." Angesichts dessen liest Dr. Brcslauer in meinem Brief, „daß nicht grundsatzliche Gegensätze zwischen den führenden Menschen der Gemeindeverwaltung und dem Verfasser diesem die Feder führen". n. Ich habe mich ausdrücklich dagegen verwahrt, mit meinem Thema die Generntionenfrage anschneiden zu wollen, ich habe mich nicht als Vertreter der „Jugend" qua jüngerer Generation, sondern als Vertreter der in sozialer Hinsicht ungeheuer bedrohten- und ungesicherten Nachwuchsbewegung gefühlt, wobei es mir völlig gleichgültig ist, wie alt dio Menschen dieser Bewegung Bind. Auch ich weiß aus Erfahrung, - man kann mit 18 Janren u. U. ülter sein alB mit 45 Jahren, weshalb auch die. von Dr. Brcslauer angezogenen Beispiele aus dor jugendlichen Bemannung der Gemeinde sehr relativ zu werten sind. Demgegenüber stellt Dr. Breslauer fest, „daß jede Jugend das Alter verkalkt findet", schneidet über 178 Zeilen das Generationenproblem an, um in der 179. Zeile die überraschende Entdeckung zu machen, „daß sich Heinz Kcllcrmanri dagegen verwahrt, die Generationenfrage angeschnitten zu haben". Protestierten Sie nicht, Herr Doktor, gegen die Dialektik meiner Fragestellung? ni. Dr. Walter Breslauer kehrt also — unter Verzicht auf Dialektik und Polemik — meine Frage um und stellt sich daB Thema: „Was tut unsere Gemeinde für die Jugend?" In vier wichtigen Punkten werden die Arbeiten aufgezahlt, die — vom Jugendpflegedezernat im Laufe seiner Tätigkeit geleistet worden sind. . Wir konstatieren dieses Register mit einem heiteren und einem nassen Auge. Mit einem heiteren: denn diese Leistungen sind die Leistungen der Jugend. Sie sind in.bündischen Kreisen geplant, zum Teil daselbst bereits in Angriff genommen (Kinderresestuben der „JugendrKinderscharen", neute im- Bund deutschjüdischer' Jugend) und samt und sonders von repräsentativen Menschen der bündischen und ßpbrtjügend, vor allem eben durch Martin S o b o t k e r , durchgeführt worden. Es iat darüber hinaus das Verdienst der Gemeindeverwaltung, durch eine großzügige Finanzgebarung die Realisierung unserer Plane ermöglicht zu hoben. Aber — trotz alledem mit einem nassen Auge: Das Jugend- 'pflegedezcrnat ist ein Erfolg und Leistungsbeweis der Jugend und zu anderen Zeiten hatte'die Jugend sich mit diesem Erfolg, ohne weiteres bescheiden können. Heute liegen die Dinge anders. Das. Jugendpflegedezernat ist eine- Konzession, an den bündischen und jugendpfUgerischen Charakter der Jugendbewegung,' wie «iti war. Wer die Entwicklung der jüdischen JpgendbeWegung mit einiger ' Aufmerksamkeit Verfolgt, stellt" notwendigerweise fest, daß. diese Jugend nicht zuletzt unter dem Zwang der durch die polizeilichen Verbote 'erforderten Einschränkungen mehr und-mehr ihren ausschließlich ,,jugendbewegten" Zug verliert oder schon verloren hat , Anstelle und in Ergänzung der 'hündischen Funktionen wie Lagerfeuer, und bloße Stageh^ime, finden.. Schulungskurse,. Lerngemein- . Schäften,- s^ Bünde sind von ihrem Aiuflug ins.' Jugendlarid in die Mittedes geistigen oind 1 praktischen Lebens 1 des, .deutscher^ -Judenturns.i heimgekehrt. Sie sind Mitträger Unterer' jüdVheii. G^^lschaft in Deutschland' und i an; deih Autbau und der jB&i)iimg'< 4i^^6e«•tbcilaft>' soweit sie- ' deutsch-jüdisch smd,-ideell und materiell,genau esaiert wie alle. anderen. WahrschcinUch aber noch mehr! D«a (trundlegende Mißverständnis :'üv de.r ,':^twirt ..von_ pr*: Breslauei; M ü -WLLi. ^Jii'_i_ '^l: ll^Alii. JAll ^J.jll±J.UnnAi*Al,±.X,i~MA' ' Ort sgruppe scheint von M Mkl 1935 mit der Wandervogeljugend von 1914 identifiziert und somit auch ihre Ansprüche mit denen der damaligen Jugend ^gleichsetzt. Dann würde freilich das Jugcndpflcgedezcmat ausreichen. So liegt es aber nichtl Die Leistungen des Jugcndpflegedezernnts in allen Ehren, aber lebon können davon unsere Menschen nicht. Die Berufsfrage . ist ihnen heute nun einmal mindestens so wesentlich wie die Heimtrage. Sie wissen ganz genau, daß das Jugendpflegcdczcrnat eben ein nicht unwichtiges, aber auch nicht lebenswichtiges Element der Gemeinde ist, daß aber die wichtigen, die Existenzfragen der Gemeinde in ganz anderen Dezernaten, den Sozialen und Bildungsdezernaten n8mlich, verhandelt werden. An dieser Arbeit nehmen diese Menschen keinen Anteil. Wahrend sie beobachten^ wie sich offizielle Stellen im nichtjüdischen Lager um die Mitarbeit der Jugend in staatlichen Funktionen bemühen und jugendliche Kräfte auch , aktiv an der Verantwortung beteiligt sind, erfahren Bie im eigenen Kreise Belehrungen über Belehrungen und Absagen über Absagen. Daß vereinzelt Jugendliche volontieren dürfen, ist da so wenig ein Ausgleich wio die Tatsache, daß Menschen jüngerer Jahrgänge in der Verantwortung stellen. Wir betonen nochmals: wir werfen dio Frage der Jugend nicht nach Altersgrenzen auf, sondern wir orientieren sie daran, ob an verantwortlicher und unverantwortlicher Stelle Menschen stehen, die kraft Bekenntnis, Haltung und tatsächlicher Bindung der Gemeinschaft zugehörig sind, die den Neuaufbau des deutschen Judentums als ihre in kameradschaftlicher Einheit zu leistende gesellschaftliche und geschichtliche Aufgabe betrachtet. IV. Dr. Brcslauer betont, daß er „es mit Entschiedenheit ablehnen würde, ein Monopol für die bündische Jugend oder die Jugend überhaupt zu schaffen". Das hat niemand verlangt. Was von unserer Seite gefordert wird, war nur, daß man den Menschen aus den Bünden das peinliche Gefühl ersparen möge, sich sozial geradezu im Hintertreffen zu befinden. DicBor Verdacht wird aber wach, wenn offiziell und inoffiziell ihre Leistungsfähigkeit bezweifelt wird. . Die Gemeinde sollte sich nur eines überlegen: Hier steht eine Jugend, die bereit ist, unter Zurückstellung der verständlichsten Wünsche auf Gestaltung einer gesicherten EriBtenz den Beweis zu erbringen, daß jüdisches Leben in Deutschland möglich ist. Sie wird daher notwendig den Willen haben, alle Institutionen zu stützen, dio dem gleichen Ziel in praktischer Arbeit dienen. Die Gemeinde muß wissen, ob die im übrigen hinter ihr stehenden Krttfte stark genug sind, um ihr zu erlauben, den Antrag dieser bündischen deutsch-jüdischen Jugend lediglich mit neutralem Wohlwollen zu quittieren. Vielleicht kann es eineB Tages Situationen geben,, in der z. B. der Gemeinde das neutrale, im übrigen abor passive Wohlwollen dieser Jugend nicht genügen würde. V. . ..... . . ...... Dr. Walter Brcslauer verlangt Gerechtigkeit. Auch wir kennen keinen größeren Ehrgeiz, als "diesem Ziel zu dienen. Wir verlangen sie nicht in Gestalt von Ämtern und' Funktionen, sondern zunächst in Gestalt einer leidenschaftlichen Anerkennung, Man hat uns zu verstehen gegeben, daß die vorhandenen Möglichkeiten objektiv zahlenmäßig unseren Ansprüchen nicht'genügen. Dieser Bescheid allein hätte uns zwar nicht beglückt, ' aber wir hatten ihn anerkannt und anerkennen müssen. Man gibt uns aber darüber hinaus zu verstehen, daß wir den: verlangten Poeten qualitativ nicht genügen würden. Dagegen' richtet sich ■ unseri Protest. . : Zweimal hat man die bündische Jugend in den DienBt der Gemeinde gestellt. > Das eine' Mal im Wahlkampf.1 Hier hat sie Tage und NBchte geopfert, und wir Behaupten nicht zuviel, wenn wir meinen, daß sie ihren gerechten Anteil iun Ausgang dieser Wahl hat. Har nlan das schon vergessen? Zum zweiten Male hat man sie. in das Jugendpflegedezerhot gerufen; Der Erfolg? Meiner Anfrage .betr.' Jugendarbeit in der Gemeinde wird als schlagkräftigster''Gegenbeweisdie erfolgreiche,Arbeit der -JugeInd in der Gemeinde ent^gerigenälteh. Hier gebe ich mich gern geschlagen. Aber jetzt wiro; man .vielleicht, auch meine Bitte Verstehen, diese y«rdienste der Jugend um die Gemeinde hiebt mit der steten Behauptung: der maßgebenden Qualifikation quittieren zu vfoHenv nicht nur urn der Jugend willen, sondern ebensosehr . liin der Gemeinde willen.;*;.: . •"'•' v ,. '• ' .' ■ -.':.'-.- .' -'-'•"•'•"'ifoeiHUs"'fttr^irf'1&{';&ilfeciia|k*it^-• «'-•"••< 1-'-' ■• '-'' '