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Ost und West · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 879 - 880

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Juden als Erfinder und Entdecker
Date
1913-11-01
Page
Seite 879 - 880 (sequence 3)
Language
German
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879 Dr. Max Grunwald: Juden als Erfinder und Entdecker. 880 schiff, das zwei Probefahrten unter allen erschwerenden Umständen glänzend bestanden hatte, als Schwarz vertraulich mitgeteilt wurde, man wolle ihn nach bestandener drittel'Tour auf gut russisch irgendwo verschwinden lassen und ihn um sein .Recht auf Schiff und Vertrag bringen. Eines Nachts vernichtete deshalb Schwarz das ganze Werk und am nächsten Morgen machte er sich mit falschem Pass auf und davon. In Berlin fand Schwarz das willigste Entgegenkommen. Er baute ein Luftschiff und schon sollte nach glücklichen Versuchen im Sommer 1897 der Aufstieg vor dem Kaisei' stattfinden, als der Monarch durch den Besuch des Zaren nach Breslau abberufen wurde. Hiermit war das Schicksal der Erfindung besiegelt. Der Ballon nahm während des Liegens Schaden, vor allem starb Schwarz selbst an einem Herzschlag in Wien. lieber die später erfolgte Probefahrt des Ballons erbat ich vom preussisehen Kriegsministerium einen authentischen Bericht. Vom jetzigen Chef des Militärkabinetts des deutschen Kaisers, Herr Generalleutnant von Lyncker, unterzeichnet, ging mir daraufhin eine ausführliche illustrierte Darstellung jenes Aufstieges zu, in dem es u. a. hoisst: „Das Aiuminiumschiff von Schwarz war ein, nach einem bis in das kleinste Detail durchgearbeiteten Projekt genial erbautes Meisterstück moderner Metallarbeit, durch dessen Bau zunächst nachgewiesen war, class derartige grosse und leichte Hohlkörper konstruktiv möglich seien, eine Tatsache, die mit Hecht bisher angezweifelt war. Die Füllung des Luftschiffes nach einem vom Erfinder Schwarz ersonnenen Prinzip gelang in wenigen Stunden. Die Gasdichtigkeit erwies sich als ungenügend, wobei aber nicht bezweifelt werden soll, dass die Nähte der Abiminiumbleche gasdichter hergestellt werden könnten. Auch kann der Ballon, der zwei Jahre lang leer gestanden hatte, einige Löcher erhalten haben. Am 2. und 3. November 1897 wurde der Ballon in Berlin aus seinen Stützen gehoben und durch Mannschaften der damaligen Luftschifferabteilung auf das freie Feld gescholten. Das Wetter war nicht gerade günstig. Als der Maschinenschlosser Jageis den Motor angehen Hess, traten sehr heftige Erschütterungen im ganzen Schiffskörper ein, so dass diese schon genügen konnten, die Treibriemen der Schraube zu lockern. Für wenige -Augenblicke war das Schiff befähigt, so lange seine drei Schrauben arbeiteten, dem Winde die Stirn zu bieten, also fünf bis sechs Meter Eigengeschwindigkeit zu entwickeln. Hierauf wurde auf Ansuchen Jagcls das Luftschiff höher gelassen. Als hierbei die Maschine plötzlich' aussetzte, erfasste der Wind die Breitseite des Ballons, der nun ziemlich rapid unter erheblichen Schwankungen aufstieg. Jageis, der noch nie in einem freifliegenden Ballon sich befunden hatte, bewahrte seine Buhe und vermochte für Sekunden den Motor in Gang zu bringen. Der Ballon, welcher inzwischen sich drehend vom Winde ziemlich schnell entführt wurde, kehrte unter dem Einfhiss der Schrauben seinen Schnabel in den Wind, so dass alle Zuschauer den Eindruck gewannen, als würde er gegen den Wind ankämpfend zurückkehren. Indessen versagte in diesem Augenblick die Maschine, angeblich weil die Treibriemen von den Wellen fielen. Das Luftschiff verschwand in den tief liegenden Wolken, fiel aber sechs Minuten später hinter den Häusern Schönehergs zur Erde und wurde total zertrümmert. Jageis hatte, als er sah, class die Maschine nicht mehr zu gebrauchen war, diese abgestellt und das Ventil geöffnet". Soweit der Bericht des preussischen Kriegsministeriums. In der Presse wurde dann vor einigen Jahren das Gerücht verbreitet, G r a f Z e p p e 1 in habe die Pläne des David Schwarz angekauft und verwendet. Um auch hierüber Gewisses zu ermitteln, wandte ich mich an den Herren Grafen und erhielt von seinem Bevollmächtigten, Oberingenieur Uhland, einen Brief folgenden Inhaltes: „Jn der Presse worden offenbar zwei Dinge miteinander verwechselt. Als Graf Zeppelin mit dem Bau seines ersten Luftschiffes beginnen und das Aluminium von der Firma Berg jn Lüdenscheidt beziehen wollte, befand sich diese Firma in einem Vortrag mit der Witwe Schwarz, dahin lautend, dass Berg für jedes Luftschiff, das nach System Schwarz oder einem anderen System gebaut würde, 10 000 Mk. an Frau Schwarz zu zahlen hätte. Aus diesem Vertrage kaufte Graf Zeppelin, bzw. die Aktiengesellschaft zur Förderung der Luftschiffahrt, die Firma Berg los, während man offenbar glaubte, es bandle sich um den Ankauf der Pläne des Sehwarzsehen Luftschiffes." Wir beschränken uns darauf, diese beiden Dokumente hier im Wortlaut wiederzugeben. Das Modell eines Luftschiffes mit der Tragfähigkeit von 48 000 kg nach einem ganz neuen System, mit dreiteiligem Ballon ist dem Kürschnermeister A u g u s t G o 1 d sebmied in Wien (geb. 1841 in Landen!)urg) 1911 in Oesterreich patentiert worden. Zwei Jahre vor Erfindung des Maximschen Maschinengewehres hat er ein trefflich funktionierendes Modell eines Maschinengewehres dem Wiener Kriegsministerium eingereicht, doch wurde er abgewiesen. Schon vor dem Luftschiff hat unstreitig für das moderne Verkehrswesen das ßeiiziiiautomobil eine entscheidende Bedeutung erlangt. Sein Erfinder ist unser Stammesgenosse Siegfried Marcus. Marcus wurde am 18. September 1831 in dem Städtchen Malchin in Mecklenburg geboren. Sein Vater war Oberrat der mecklenburgischen Judenschaft und ein Verwandter jenes Dr. L i e b m a n n in Stavenhagen, der zu den Freunden Fritz Reuters zählte. Siegfi'. Marcus lernte zunächst in Hamburg die Schlosserei und trat dann bei Siemens & Halske in Berlin ein. Mit Werner von Siemens legte er die erste unterirdische Telegraphenlinie von Berlin nach Magdeburg, wobei er ein Relais erfand, das er für 2000 Tal er an die sächsische Regierung verkaufte. Seit 1852 lebte Marcus bis zu seinem Tode (Juli 1898) in Wien, wo er zunächst in verschiedenen Stellungen als Mechaniker tätig war. 1860 richtete er sich in der Mariahilferstrasse eine Werkstätte ein, aus der eine Menge be-

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