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Ost und West · 1913-11-01 · Heft 11 (November 1913) · p. Seite 877 - 878

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Journal
Ost und West
Volume
13 (1913)
Issue
Heft 11 (November 1913)
Article
Juden als Erfinder und Entdecker
Date
1913-11-01
Page
Seite 877 - 878 (sequence 2)
Language
German
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877 Dr. Max Grumvald: Juden als Erfinder und Entdecker. und etwa 40 000 Worten nach einer Art phötographischen Verfahrens nur 25 Minuten in Anspruch nimmt, wobei der Telegraph nicht das Morsealphabet, sondern direkt eine deutliche Latein-Steilschrift schreibt und Witterungseinflüsse weit kräftiger ausschaltet als es hei dem üblichen Verfahren geschieht. Pollak hat seine Erfindung dem deutschen Kaisei'hofe vorgeführt und vollen Beifall geerntet. Er geht jetzt daran, sein System auf die drahtlose Telegraphie anzuwenden, schon jetzt mit dem glänzenden Erfolge, dass er so rasche Arbeit leistet als das bisherige System. Wir dürfen hierbei auch auf die Tatsache hinweisen, dass der grosse Bonner Physiker Heinrich H**rlz. auf dessen Entdeckung die <1 v t\ h 11 o s e Telegraphie sich aufbaut, der Enkel eines Hamburger Juden war.") 1912 erfand Dr. R u d o 1 f Golds c h m i d in Darmstadt eine Art elektrischer W'ellenl'abrikation mit Maschinenbetrieb, durch die die drahtlose Telegraphie eine so bedeutende Förderung erfährt, dass man an die V erwendung von kabeln denken darf. Die Erfindung ist dem Prinzen Heinrich von Preussen vorgeführt und von einer Aktiengesellschaft angekauft worden. Ein vom russischen Ivriogsministerium eingeführtes System der drahtlosen Telegraphie hat den jüdischen .Ingenieur M. E isenstei n zum Erfinder. Von jüdischen Eb^tmteehnikern entdeckte Worms das elektrische Gcrbeverfaliren, Ta u s s i g erfand die elektrische Schmelzung von Metallen, \Y o h 1 w i I 1 die elektrolytische Gewinnung des Goldes. L i o n in Marseille eine elektrische Brotmaschine, die gleichzeitig 5000 Eier ausbrütet, P o I l a k. einen Akkumulator. S u c h a s t a w e r eine neue Methode dos elektrischen Hahnbotriehes.15) Ahe'' nicht nur die Elektrizität, auch andere Naturkräfte haben Söhne unseres Stammes in den Dienst des Verkehrswesens eingespannt. Jacob Samuda in London aus einer alten sepbardischen Familie, die Generationen hindurch in der Leitung der Londoner jüdischen Gemeinde vertreten war, gelang es in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts im Verein mit dem .Ingenienr Clegg, mit Hilfe von komprimierter Luft, 15 000 Ztr. Eisen in 10 Sekunden etwa 50 Meter weit über eine Steigung zu befördern, die eine Dampflokomotive nicht einmal ohne Belastung bewältigte. Das neue System des jungen Ingenieurs, des ersten Juden in diesem Fache, wie •es auf seinem Grabsteine heisst, wurde anfangs 14) Hertz war kein Jude mehr, and wäre es die Aufgabe meiner Ausführungen, die Geistesheroen unserer konfessionellen Geineinschaft zu verzeichnen, so gehörte Hertz dazu so wenig wie mancher andere, dessen ich hier gedenke. Allein nicht die Bilanz unseres geistigen Besitzstandes soll ■ermittelt werden, sondern: was die Wissenschaft und Zivilisation der gesamten Kulturwelt von Söhnen unseres Volkssta m m e s an Anregungen und Beiträgen entgegengenommen haben, welche Summe von Kulturwerten die Menschheit den Söhnen unserer, angeblich inferioren Hasse zu danken hat. 15) Alexander Friedmann erfand in Paris •einen die Rauchverzehrung bei Lokomotiven betreffenden Apparat. 1864 übersiedelte er nach Wien. Hier erfand er 18(i7 einen Lokomotiv-Injektor. heftig bekämpft, aber dann allmählich, vielleicht infolge einer öffentlichen Empfehlung durch den Staatsmann R o b e r t P e e 1 , auf immer zahlreicheren Linien eingeführt. 1843 baute Samuda nach einem von ihm erfundenen Plan das Stahlboot ,,Gv])sy Queen"'. Bei der Probefahrt 1S41 explodierte der Kessel und Samuda samt sechs Personen, die sich an der Fahrt .beteiligten, fanden den Tod. Die von Samuda begründete Schifl's-Reederei und Werft Samuda Brothers blühte von Jahr zu Jahr stattlicher auf, u. a. wurde von ihr der preussische Kreuzer ..Arminias" gebaut. Es verdient betont zu werden, dass auf dem von Samuda zuerst angewandten Prinzip der ganze moderne Ii o h r p o s t 1) e 1 r \ e h und die Erfindung der pne u m a t i s c h c n B ahnen beruht. Aber nicht nur die komprimierte Luft, auch die atmosphärische Luft zu meistern haben Juden sich hervorragend mit Erfolg bemüht.1") Man hat die armen Juden Kusslands und Galiziens Luftmenschen genannt. Dieses Wort will in einem andern Sinne zur Wahrheit werden, wenn man sieht, mit welch unverdrossenem Wagemut sich. Juden der Avintik und A e r o n a u t i k . den Flug- und Luftfahrtsversuchen zuwenden. Das Projekt zum Hau einer Fhigmaschine fand Pastor Gannon in Pittsburg in der Vision des Propheten Ezechiel. Er baute hiernach ein Modell, zu dessen Ausführung sich in Amerika bereits eine Ezechiel - Lid'tsHiil'fbaugescIlsehaft gebildet haben soll. In denselben Kreis gehört auch als Erfinder einer Flugmaschine der Jude I) a Ar i d - s o n. Von jüdischen Luftschiffern kommen in Betracht der Oesterreicher H e r s o n . Professor an der äronau tischen Station Lindenberg bei Berlin, der bis zu 10 000 Metern aufgestiegen ist, einer Höhe, die kein Mensch vor ihm je erreicht hat, ferner W I o s s w o I c d A b r a m o wi t s c h , der 1912 in .Petersburg einen Weltrekord aufgestellt hat, indem er mit vier Personen auf einem Whright-Doppeldeckor aufstieg und sich 45 Minuten in einer Höhe von 300—500 Metern hielt, und der unglückliche David Schwarz aus Kesztely in Ungarn, später Holzhändler in Agram. Während eines strengen Winters, den ihn sein Beruf in einer einsamen Blockhütte im Walde zurückhielt, mit technologischen Studien beschäftigt, fasste S c h w ar z den Plan, ein lenkbares Luftschiff zu bauen. Er konstruierte den ersten Aluminiumbalion, den er zunächst in Wien dem damaligen Kriegsminister Ivrieghammer zum Ankauf für die österreichisch-ungarische Armee anbot. Ivrieghammer erkannte die Bedeutung der Schwarzsehen Erfindung, leimte aber weitere Unterhandlungen mit der offenherzigen Erklärung ab, er sei überzeugt, dass Schwarz das Prot)lern der Lenkbarkeit des Luftschiffes gelöst habe, aber ebenso von der Ueberzeugiing durchdrungen sei, dass die Verhandlungen an der Saumseligkeit der fachtechnischen Kommission scheitern müssten. Schwarz wandte sich nun an Russland, baute dort 2 Jahre lang ein Aluminium- 1,!) Ueber die auf der vorjährigen Internationalen aeronautischen Ausstellung in Wien vertretenen Juden habe ich in einer Juli-Nummer der ,,Oesterreichischen Wochenschrift" 1912 geschrieben.

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