Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Juden als Erfinder und Entdecker
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 707 - 708 (sequence 3)
- Language
- German
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707 Dr. Max Grunwald: Juden als Erfinder und Entdecker. 708 Frankfurt a. M., der sich um die Krebstherapie verdient gemacht und zur Bekämpfung der Protozoenkrankheiten wie der Malaria mit chemischen Mitteln eine wissenschaftliche Grundlage erfolgreich zu schaffen sucht. Ehrlich, ein Schlcsier von Geburt, wurde 1890 als ausserordentlicher Professor Assistent am Kochschen Laboratorium für Infektionskrankheiten in Berlin, 1896 Direktor des Instituts für Serumforschung und Serumimpfung in Steglitz bei Berlin. Bei der Verlegung dieser Anstalt nach Frankfurt a. M. blieb er an ihrer Spitze, womit er aus der akademischn Laufbahn scheiden musste. Seine neueste weltberühmte Entdeckung trug ihm zahlreiche Ehren ein. Dass die ungeahnte Entwicklung der Bakteriologie mit dem Namen des grossen Breslauer Botanikers Ferdinand Cohn verknüpft ist, der mit Nathaniel P r in g s h e i m zu den bedeutendsten Vertretern dieses Faches zu zählen ist, bildete unter anderem den Gegenstand eines Vortrages des Wiener Professors v. Wettstein, der 1893 einiges Aufsehen erregt hat. Cohn wurde darin als „einer der Begründer der ganzen so eminent wichtigen Disziplin" gefeiert. Dass Infektionen durch Insekten und besonders durch Fliegen übertragen werden, finden wir bereits im Talmud bemerkt. Ueber die Antiseptik u. a. sanitären und hygienischen Vorschriften in Bibel und Talmud haben sich wiederholt medizinische Autoritäten anerkennend dahin ausgesprochen, dass sie mit den Ergebnissen der modernen Forschung vollständig übereinstimmen.4) Die Antiseptik hat in neuester Zeit der Neuyorker W o o 1 f erheblich gefördert. 1876 entdeckte Woolf die antiseptischen Eigenschaften des Wasserstoffhyperoxides, 1889 die des durch Elektrolyse zersetzten Seewassers, eine Entdeckung, die in den Vereinigten Staaten in der Behandlung des Trinkwassers und der Kloaken verwendet wird und u. a. 1899 das gelbe Fieber in Havanna unterdrücken half. Schon im 18. Jahrhundert hat Jacob Isaaks in Newport, um aus Seewasser ein Getränk, rein wie Quellwasser, herzustellen, ein Mittel erfunden, das er dem Präsidenten Jefferson vorführte und dieser, allerdings ohne Erfolg, dem Kongress empfahl. Vor etwa einem Jahrzehnt hat in Paris Abraham in Verbindung mit Marmier die Sterilisierung des Wassers durch ozonische Luft erdacht und zuerst 189S in der Wasserversorgung der Stadt Lille durchgeführt. Um dieselbe Zeit wie Isaaks in Newport machte der Arzt William Buzaglio mit seiner Methode, die Gicht durch Massage zu heilen, in London viel von sich reden. Um die Wende des 18. Jahrhunderts entdeckte in Kopenhagen das nach ihm benannte Jacobsonschc Organ in der Nase der Chirurg Jacobson, dem man auch verschiedene chirurgische Instrumente, vor allem den Lithoklast zur Steinbehandlung, verdankt. Als man seine Ernennung zum Professor an der Kopenhagener Universität von seinem Uebertritt zum Christentum abhängig machte, wies er die Zumutung der Untreue zurück, ebenso wie er eine ehrenvolle Einladung zum Naturforscherkongress in Chris- 4) Nähere.! bei Crunwakl, Die Hvgiene der Juden, Seite 299 ff. tiania 1822 ausschlug, weil den Juden der Aufenthalt in Norwegen damals noch gesetzlich verboten war und er sich nicht zum Ausnahmejuden wollte degradieren lassen. Der heut allgemein gebräuchliche Augenspiegel nach H e I m h o 1 z scher Methode ist von Richard Liebreich konstruiert, der von 1870—95 als Augenarzt an einem Londoner Spital tätig war, jetzt im Ruhestande sich kunstgeschichtlichen Studien widmet. Sein jüngerer Bruder, der vor einigen Jahren verstorbene Leiter des pharmakologischen Institutes in Berlin, Oskar Liebreich, als Dermatolog, Hygieniker und Baineolog gleich berühmt, entdeckte u. a. die narkotische Eigenschaft des Chloralhydrates, die Heilwirkungen des Lanolins und förderte die Lupusforschung. Der Biologe Jaccfues L o e b , jetzt am Rockefeller- Institute in Nouyork, brachte mit Hilfe einfacher chemischer Prozeduren das Ei des Seeigels zur Entwicklung. Er wurde von drei europäischen Universitäten zum Ehrendoktor gewählt. Von Zuntz besitzen wir u. a. Methoden, um an Mensch und Tier in allen Lebenslagen, in Ruhe und Arbeit, den Gaswechsel auf das genaueste festzustellen und den Energieumsatz jederzeit zu bestimmen. L. Halber stüdter (Berlin) entdeckte in Verbindung mit S. v. Prowazek das Trachomgift. Von anderen jüdischen Entdeckern und Erfindern in der Medizin erwähne ich aus einer Unzahl von Namen nur einige wie Cohnheim, Dittel, F 1 e i s c h 1, Albert Frankel, Henle, König stein, Neisser, Remak, Stilling, Stricker, Traube, Valentin und Wassermann. Zahlreiche Erfindungen, insbesondere in der Anwendung der Elektrizität in der Medizin, tragen den Namen des Wiener Professors Gustav G ä r t n e r. Und weil unsere Mütter bei diesem Namen vor allem an die Entfettungskur und an die Gärtnersche Volmilch denken, so sei hier erwähnt, dass der bekannte amerikanische Philantrop Nathan S t r a u s s zur Pasteurisierung der Milch einen äusserst billigen -Hausapparat erfunden und den Regierungen selbstlos geschenkt hat. Dr. A. F a i t e 1 o w i t z in Berlin ersann 1910 ein Mittel, um Milch auf ihre Herkunft von gesunden Kühen zu prüfen. Dr. Mayer Kopplaus, städtischer Bakteriologe in Leeds und Dozent für Pathologie an der dortigen Universität, —wie Otto S a 1 o m o n , der grosse Slöjdpädagoge — um die Schulhygiene hochverdient, erfand 1912 einen Apparat, der den Schiffen die Nähe von Eisbergen signalisiert. Dr. Luise Rabbino witsch aus Russland gelang im Edisonschen Laboratorium eine Erfindung, durch deren Anwendung sie z. B. ein mittels des elektrischen Stromes getötetes Kaninchen wiederbeleben konnte. Jude von Geburt war auch der Erfinder der Galvanoplastik und der Anwendung des Elektromagnetismus als bewegende Kraft: Moses (später