Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 13 (1913)
- Issue
- Heft 9 (September 1913)
- Article
- Juden als Erfinder und Entdecker
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 709 - 710 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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709 Dr. ]\Iax Grunwald: Juden als Erfinder und Entdecker. 710 Hermann) Jacobi. Am 21. September 1801 als Sohn des Bankiers Simon Jacobi in Potsdam geboren, war er zuerst bei der Kg]. Regierung als Baukondukteur beschäftigt. 1835 wurde er als Professor der Zivilbaukunst nach Dorpat berufen, zwei Jahre darauf nach Petersburg, wo er den Adel erhielt und zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt wurde. Er starb als russischer Wirklicher Staatsrat am 10. März 1874. Unter den Chemikern nennen wir als Halbjuden, als Sohn einer Mutter aus jüdischem Stamm, zunächst den Begründer der modernen Chemie, Justus von Liebig, sodann den ungemein schöpferischen Lehrer eines Hermann von Helmholz, der ihm auch einen begeisterten Nachruf gewidmet hat, Heinrich Gustav M agnus, den berühmten Berliner Chemiker und Physiker, der u. a. 1828 mit 26 Jahren in Stockholm, wo er damals studio te, ein nach ihm benanntes Platinsalz und eine ganze Anzahl von Säuren entdeckte, den Ausdehnungskoeffizient mehrerer Gase und die Spannkraft der Dämpfe bestimmt, ein Thermometer zur Temperaturanzeige bei Bohrungen konstruiert und zahlreiche Arbeiten übe:1 M; gnelh mi:s, Thermoelektrizität, Elektrolyse, Hydraulik, über die Absorb - tionsfähigkeit des Blutes für Sauerstoff und Kohlensäure, sowie über strahlende Wärme veröffentlicht, auch im preussischen Artilleriewesen eine Neuerung veranlasst hat. Magnus, dem das physikalische Kabinet der Berliner Universität seine Einrichtung verdankt, ist 1870 in Berlin gestorben. Nicht min- . der [bedeutend war Viktor M oy er , der mit 23 Jahren Professor am Stuttgarter Polytechnikum, 1889 auf den Wunsch seines Lehrers Bimsen in Heidelberg dessenNachfolger wurde. Ausser vielen anderen Leitungen Meyers stellen ihn seine Nitro- und Jod Verbindungen, sowie seine Methoden zur Bestimmung von Dampfdichte und Hochtemperaturen in die vorderste Reihe der Naturforscher aller Zeiten. Meyer, dessen fesselnder Vortrag und dessen Geschick im Experimentieren weltberühmt waren, zog sich durch Ueberanstrengung eine Nervenzerrüttung zu, der er 1S97 erlegen ist. Auch Henri Moissan, der bekannte Erfinder und einer der grössten Experimentatoren der Gegenwart, wird alsJude bezeichnet. Wenige "Wochen vor seinem Tode 1907 wurde ihm der Nobelpreis für Chemie zuerkannt. (Der Name erinnert an Leon M o i s e f f , den bedeutendsten Brückenbautechniker Amerikas, der bestimmt Jude ist.) Die für Industrie und Handel so bedeutenden künstlichen Farbstoffe verdanken wir zum grossen Teil jüdischen Forschern. 1869 gelang es Lieberm a n n das Alizarin, das man bis dahin nur aus der Krappwurzel gewonnen hatte, auf chemischem Wege herzustellen, wodurch ein wichtiger Exportartikel Frankreichs, des eigentlichen Krapplandes, zugunsten der deutschen Jnclustire aus dem Felde geschlagen wurde. Caro fand das orangefarbene Chrysoid, die roten Azofarben und das Anilinbraun, Nathansoii in Warschau das Fuchsin.^ Die Zellulose hat Friedrich Marks (18.-0-1910) erfunden. Ein praktisches Verfahren zur Gewinnung von Chrom und Mangan und andere Fortschritte in der M e t a 11 - h ü 11 e n k u n d e hatGold schmidt5) eingeführt, die Entfuselung des Spiritus ist Traube gelungen. Dem Begründer der deutschen Kaliindustrie, Adolf Frank, haben die Anwendung des Stickstoffes in der Technik und die Förderung der Moorkultur und damit auch Industrie und Landwirtschaft, viel zu verdanken. Dr. Ch. W o 1 f f in Paris, ein Sohn des Rabbiners Hirsch Wolff in Pinsk, erfand 1908 das für die H. GOTTSELIG. Schwarzwaldlandschaft. FRANKFURT 5) Der Erfinder des Thermits, z. B. zum Sch weissen von Eisen, und der Chlorentzinnuttg, Dr. Theo Goldschmidt in Essen-Ruhr, ist der Enkel eines Juden. — Die Substanz des Buketts der Weine hat A. Rosenstiehl erfolgreich 'untersucht.