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Ost und West · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 739 - 740

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau
Date
1904-11-01
Page
Seite 739 - 740 (sequence 5)
Language
German
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739 Dr. Ludwig Levy: Das Jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. 740 gründliche Kenntnis der Literatur des klassischen Altertums. Die Schätzung seiner ausgezeichneten Leistungen und der Vorzüge seines Charakters tritt uns in einem Empfehlungsschreiben entgegen, das die Bonner Universität an die Breslauer richtete.1) „Nach der Aussage der Vorgerückteren unter seinen Zuhörern ziehen seine Vorträge nicht sowohl durch Glanz der Rede als durch Schärfe und Umsicht in der Behandlung der Gegenstände und durch die zu eigener Forschung anregende und anleitende Methode unwiderstehlich an. Seine Wirksamkeit durch Vorlesungen wird noch ergänzt und erhöht durch den persönlichen Verkehr mit seinen Zuhörern, der um so fruchtbarer ist, je lieber er sich ihm hingibt, und je mehr er durch den grossen Umfang seiner Studien und seine Leichtigkeit der Auffassung geeignet ist, in die besonderen Interessen derselben einzugehen." Die Aussicht, seine Tätigkeit dem Wirken eines Frankel anschliessen zu können, und das Vertrauen zur Leistungsfähigkeit der Anstalt, von der er Besserung für die Verhältnisse der deutschen Juden erwartete, veranlassten Bernays, die Bonner Universität zu verlassen und der Berufung des Kuratoriums Folge zu leisten. Nachdem die Regierung die Statuten genehmigt und die Anstalt bestätigt hatte, wurde das Seminar am 10. August 1854 eröffnet. Von den zahlreichen sich zum Eintritt meldenden Studierenden wurden 18, deren Vorbildung den Aufnahmebedingungen entsprach, immatrikuliert. Im Oktober 1854 wurde der Unterricht in Mathematik und Naturwissenschaften Dr. Benedikt Zuckermann übertragen, der bemerkenswerte Arbeiten über den jüdischenKalender und die talmudischenMaasse und Gewichte veröffentlichte. Das Gebiet der Homiletik und Religionsphilosophie wurde Dr. Manuel Joel anvertraut, der durch seine gediegenen religionsphilosophischen Werke sowie durch seine glänzenden Kanzelreden, die er in der Seminarsynagoge und später als Rabbiner in der Breslauer Gemeinde gehalten hat, vorbildlich geworden ist. Ihm gebührt das bleibende Verdienst, den Zusammenhang zwischen der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters und dem spinozistischen System aufgedeckt und so nachgewiesen zu haben, dass die metaphysischen und ethischen Ideen unserer Denker befruchtend auf die allgemeine Philosophie der Zeit eingewirkt haben. Als Joel in seinen grösseren Wirkungskreis in Breslau eintrat, folgte ihm im Seminar Dr. Jacob Freudenthal, ein Zögling der Anstalt. An Stelle von Bernays, der 1864 als Nachfolger Ritschis eine ausserordentliche Professur in Bonn erhielt, trat Dr. David Rosin. Am 12. Februar 1875 erlitt das Seminar einen!) Vgl. Brann a. a. O. S. 57. schweren Verlust: Frankel starb. An seinem Todestage findet alljährlich in der Seminar-Synagoge eine Gedenkfeier statt. Zum Nachfolger Frankels berief das Kuratorium Dr. L. Lazarus, der schon als Knabe durch sein reiches halachisches Wissen die Aufmerksamkeit R. Akiba Egers auf sich gelenkt hatte. Es war ihm nur kurze Zeit vergönnt, die Anstalt zu leiten, 1879 schied der von seinen Schülern hochverehrte Mann aus dem Leben. 1880 wurde Dr. David Joel, Rabbiner von Krotoschin, als Seminar-Rabbiner mit den talmudischen Disziplinen betraut, wurde aber schon 1882 dem Seminar durch den Tod entrissen. Sowohl er als Direktor Lazarus lehnten sich in ihrer Vortragsweise an die grossen Vorbilder der früheren Zeit an. Am 1. April 1883 wurde Dr. Israel Lewy, der seit 1872 an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin Dozent war, als Seminar- Rabbiner an die Anstalt berufen, aus der er hervorgegangen war. J. Freudenthal wurde im Jahre 1888 ordentlicher Professor an der Breslauer Universität und schied aus seinem Lehramt am Seminar. Die jetzigen Dozenten des Seminars sind Seminar^ rabbiner Prof. Dr. Lewy, Dr. Brann, der Graetzens Nachfolger wurde, und Dr. Horovitz, dem Rosins Lehramt nach dessen Tode übertragen wurde. Ein Urteil — und sei es auch von der tiefsten Verehrung getragen — über diese meineLehrer auszusprechen, halte ich nicht für geziemend. Es genüge der Hinweis, dass Seminarrabbiner Prof. Dr. Lewy durch die Anwendung der kritischen, streng philologisch-wissenschaftlichen Methode auf die Talmudforschung, Dr. Brann als Historiker und Herausgeber der „Monatsschrift" und Dr. Horovitz durch seine religionsphilosophischen Arbeiten sich sehr verdient gemacht haben. Die Kuratoren der Anstalt sind Stadtrat Milch, Stadtrat Marek und Dr. med. Freund. Die 50jährige Wirksamkeit des Seminars wird sich in allen ihren Ausstrahlungen nicht abschätzen, kaum ahnen lassen. In grosser Zahl wirken Männer, die aus der Anstalt hervorgegangen sind, im Geiste und zum Ruhme dieser Anstalt, indem sie den Geist der Gottesfurcht verbreiten und den Sinn für jüdisches Leben zu heben suchen. Die meisten von ihnen — etwa 150 — sind als Rabbiner der Gemeinden Deutschlands und seiner Nachbarländer tätig; besonderer Hervorhebung wert ist die Tatsache, dass beinahe an allen theologischen Lehranstalten Dozenten sind, die ihre Ausbildung am Breslauer Seminar erhalten haben. Mit stolzer Freude kann das Seminar Grössen der jüdischen Wissenschaft, wie Wilhelm Bacher, Philipp Bloch, Heinrich Gross, Moritz Güdemann, Jacob Guttmann, David Kaufmann s. A., Joseph , Dr. Alexander Kohut Perles s- A;> Adolf Schwarz zu seinen ■eb. 1841, gest. 25.5.1894. im Seminar 1861—67. Jüngern zählen. Hier seien auch

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