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Ost und West · 1904-11-01 · Heft 11 (November 1904) · p. Seite 741 - 742

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Journal
Ost und West
Volume
4 (1904)
Issue
Heft 11 (November 1904)
Article
Das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau
Date
1904-11-01
Page
Seite 741 - 742 (sequence 6)
Language
German
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741 Dr. Ludwig Levy: Das Jüdisch-theologische Seminar zu Breslau. 742 zwei Männer genannt, die sich vom Studium der Theologie dem verwandten Gebiet der Philosophie zugewandt und hier Hervorragendes geleistet haben, der Neukantianer Hermann Cohen und der Spinozaforscher Jacob Freudenthal. Am Schlüsse seiner „Geschichte des Judentums und seiner Sekten" schrieb der Historiker Jost im Jahre 1859: „Wir zweifeln nicht, dass die Anstalt mit der Zeit einen Mittelpunkt für die jüdische Wissenschaft und den geschichtlichen Fortschritt zugleich darbieten werde. Die Tatsache, dass eine solche fest begründete Einrichtung in Deutschland, und zwar in der Mitte einer grossen Gemeinde und an einem Universitätsorte besteht, ist von so entscheidender Bedeutung für die Folgezeit, dass mit ihr ein Zeitraum weitläufiger Kämpfe sich abschliesst und eine neue lebhafte Teilnahme für gründliche Durchbildung der Religionskunde und gediegenen Volksbelehrung ins Leben gerüfen wird." Dies Wort hat das Seminar heute nach 50 Jahren eingelöst! DAS JÜDISCH-THEOLOGISCHE SEMINAR ZU BRESLAU. r- (Fränckelsche Stiftung.) Am 10. August d. J. waren fünfzig Jahre seit der Eröffnung des Seminars abgelaufen. Ich habe als Hörer des Seminars an dieser Feierlichkeit teilgenommen, und wenn ich jetzt, der Einladung der Redaktion dieser Monatsschrift folgend, meine Erinnerungen daran niederschreibe, so ist mir zu Mute, als sollte ich einen Vorgang vom gestrigen Tage schildern. Es war ein Donnerstag, ein feucht-warmer Sommermorgen, an dem die Eröffnung stattfand. Die kleine Schar der Teilnehmerversammelte sich, oder verlor sich vielmehr in dem nicht einmal grossen Saale des zweiten Stockwerkes jenes stattlichen Hauses in der Wallstrasse zu Breslau, in dem die Anstalt seitdem ihre geräuschlose, fruchtbare Tätigkeit entfaltet. Uns jungen Männern aus der Fremde, die gewohnt waren, jüdische Anstalten im Schatten stiller und entlegener Gassen untergebracht zu sehen, imponierte das schöne Haus, seine freie Lage und . besonders der geräumige, an die öffentliche Promenade stossende Garten auf der rückwärtigen Seite des Hauses gewaltig. So statt- Dr. Moritz Güdemann Ober-R.albiner von Wien. Im Seminar 1S54- Von Dr. M. Güdemann. Kachdruck verboten. lieh und so schön gelegen ist auch keine der seither erstandenen jüdisch-theologischen Lehranstalten. Im Vordergrunde des hellen Saales befand sich das Lehrerkollegium, die von mir dankbar verehrtenMänner: Direktor Dr.Z. Frankel, Dr.H. Graetz, Dr. Jacob Bernays, Dr. B. Zuckermann. Diesen gegenüber stand das Kuratorium der Kommerzienrat Fränckelschen Stiftungen, die Herren Milch, Prinz und Dr. Levy. Der letztere hielt eine Ansprache an den Direktor, die mit den Worten schloss: „Wir übergeben Ihnen diesen Lehrstuhl, auf dass Sie von ihm aus die ewigen Wahrheiten des Glaubens verkündigen, das Verständnis seiner Lehren und ihren tiefen Sinn entwickeln und durch Ihre Schüler, durch Ihrer würdige Schüler weit verbreiten lassen, auf dass Sie in die Hörer und Zöglinge der Anstalt den Geist hineintragen, durch welchen Sie selbst als Oberhirte und Staatsdiener so segensreich gewirkt, solche Liebe, Anerkennung und unbegrenzte Hochachtung erworben haben, den Geist, der Sie zu diesem -1862. Platze berufen, dazu

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