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Ost und West · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. Seite 531 - 532

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Portugiesengräber auf deutscher Erde
Date
1902-08-01
Page
Seite 531 - 532 (sequence 3)
Language
German
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531 Dr. Max Grunwald: Portugiesengräber auf deutscher Erde. 532 Söhne waren die ersten Juden, welche das Hamburger Johanneum besuchten. Der ältere, Benedict (Baruch), wurde der Leibarzt der Königin Christine von Schweden, der andere, Andre (Daniel), zog nach Glückstadt und bekleidete dieselbe Stellung bei dem Könige von Dänemark. Die Verehrung, deren sich Rodrigo als Arzt erfreute, spiegelt ein Gedicht wieder, welches ihm der Antwerpener Chirurg Nonnius gewidmet hat. Es lautet in der Uebersetzung Finckenstein's (R. Finckenstein, Dichter und Aerzte, Breslau 1864 S. 102): Wenn Bürger einem Bürger Kronen weih'n Und Mädchen seinen Pfad mit Blumen streu'n, Weil er in Feindeshlut sein Schwert getaucht, Das noch vom schrecklichen Gemetzel raucht, — Wie viele Kränze müssen Dir gebühren, Wie muss der Lorbeer Deine Schläfe zieren! Unzählige entrissest Du dem Tod, Erwecktest sie zu neuem Morgenrot. Mit Deiner Kunst verscheuchst Du alles Leid, Und das verborg'ne Gift der Kränklichkeit, Was immer aus Pandoren's Büchs' ensprossen, Vor Deiner Kunst ist es gar bald zerflossen. Du rettest Sterbliche vom Untergang, Und litten sie auch noch so schwer und lang. Wie oft hat sich der Fährmann nicht beschwert, Dass Deine Hilfe seinen Kahn entleert; Reisst, Roderich, einst Deines Lebens Faden, Wird Deine Feder noch den Parzen schaden. Ein anderes Gedicht auf de Castro, von Elias Putsch, gleichfalls weniger schmeichelhaft für das Talent des Dichters als für die Wertschätzung des Helden, gilt der Arbeit Rodrigo's über die Frauenkrankheiten. Ein Hamburger Kind ist der R abbin er David Cohen de Lara, der mit dem bekannten Orientalisten und Missionär Edzardi und anderen christlichen Gelehrten verkehrt hat. Das erwähnte Protokoll buch liefert uns wertvolle Beiträge zu seiner Lebensgeschichte. Ein Bild in der Dresdener Gallerie zeigt einen jüdischen Gelehrten mit einem Buch in der Hand, dessen Rückseite eine hebräische Aufschrift trägt. Diese Aufschrift lässt mit grosser Wahrscheinlichkeit in dem Gelehrten den Hamburger Rabbiner vermuten (siehe das Nähere bei Grunwald, Portugiesengräber auf deutscher Erde, Hamburg, Alfred Janssen 1902). Moses Gideon Abudiente und Benjamin Mussaphia haben die jüdische Litteratur mit wertvollen Gaben bereichert. Joseph Frances erwarb sich den Titel eines rHamburger Camoens", Immanuel Boccacio Rosales wurde vom Kaiser zum Pfalzgrafen ernannt. Die Ernennungsurkunde bewahrt das Wiener Staatsarchiv. Sein Wappenzeichen, ein Rosenstock (rosal), hat, wie es scheint, die Hamburger Gemeinde in ihr Siegel aufgenommen. Rosales1 Auszeichnung nimmt uns nicht Wunder, wenn wir hören, dass ein anderer Portugiese, Jacob Abensur, der Resident des Königs von Polen, dass Jacob Curiel und die Familie Nunez da Costa vom König von Portugal mit der Führung seiner Geschäfte betraut wurden. Am bekanntesten als Vertreter. auswärtiger Staaten sind Abraham und Isak Teixeira. Abraham, der Vater, war aus Antwerpen, wo er das Amt eines Pagadörs (Schatzmeisters) des Königs von Spanien bekleidet hatte und in den Adel erhoben worden war, über Köln nach Hamburg gekommen und hier zum Glauben seiner Väter übergetreten. Der Kaiser wollte ihn für seinen Abfall vom Christentum heimlich aufheben und vor allem — sein Geld mit Beschlag belegen lassen. Doch verwahrt sich der Senat mit aller Entschiedenheit gegen inquisitorische Angriffe auf seine Portugiesen, welche so „ansehnliche Handtierung und Kaufmannsgewerbe indiese Stadt geführet und noch ühben, insonderheit aber die höchst nöhtige Schiffahrth guetentheils erhalten und befürdern". Teixeira, „der reiche Jude" Hamburgs, wie man ihn nannte, war bis zu seinem Tode (1666) der treue finanzielle Berater der Königin Christine, welche auch bei ihrem Aufenthalt in Hamburg in sein Haus einkehrte und dort die Besuche der höchsten Herrschaften empfing. Abraham's Sohn Isak (Manoel) ernannte die Königin zu ihrem Residenten. Sie sorgte energisch dafür, dass die Behörden ihn, den Juden, den Vertretern der übrigen Mächte völlig gleich behandelten. Er wurde auch der Resident des Königs von Dänemark. Doch verleidete ihm die Unduldsamkeit der Bürgerschaft Hamburgs den Aufenthalt derart, dass er seiner Vaterstadt den Rücken kehrte und nach Amsterdam übersiedelte. Mit ihm. verliessen die reichsten und angesehensten Portugiesen die Stadt, und mit der Wohlhabenheit und Altonaer Friedhof. Jakobs Traum. Aus: Grunwald, M., Portugiesengräber.

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