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Ost und West · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. Seite 529 - 530

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Portugiesengräber auf deutscher Erde
Date
1902-08-01
Page
Seite 529 - 530 (sequence 2)
Language
German
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529 Dr. Max Grimwald: Portugiesengräber auf deutscher Erde. 530 Das Innere der Portugiesensynagoge in Hamburg. Aus: Grunwald, M., Portugiesengräber. liehen Gewalten verdorrt; Jahr für Jahr scharrt emsige Forschung Reste des flüchtigen Daseins aus ihren Gräbern. Aus anderen hat der neue Glaube geerntet, der auf ihren Spuren irn Fluge die Welt durcheilte und an ihnen zur Weltreligion erstarkt ist. Selten wurde die neue Pflanzung so wurzelstark und lebenskräftig, wie in des Ebros und des Tajos sonnigen Ebenen. Doch eine neue Zeit entfesselte neue Stürme. Ein halbes Jahrtausend später wiederholt sich das Sterben «und Neuerstehen. Nach dem Osten, Süden, Norden, nach fern im Westen eben erst entdeckten Welten zerstieben Keime neuen Lebens aus den Ruinen im ™Land des Weins und der Gesänge". Die deutsche Erde, von ihnen spärlich bedacht, bot selbst den Wenigen kein dauerndes Gedeihen. Nur eine einzige Gründung hat sich bis heut erhalten: die Siedelung der Portugiesen in. Hamburg feiert in diesen Tagen ihr 250jähriges Bestehen als Gemeinde. Schon 1577 weiss ein kaiserlicher Gesandter am Hofe des Sultans, dass „bis auf den heutigen Tag solche Gesellen in Hamburg als Juden leben". Bis an die Schwelle des 17. Jahrhunderts gehen städtische Urkunden zurück, die von ihnen handeln. Aus dem Jahre 1611 datiert der älteste Grabstein auf dem Friedhof der Hamburger Portugiesen. Mit dem Tage ihrer Gründung, dem 3. September 1652, beginnt das Protokollbuch der Gemeinde, das älteste und bedeutsamste ihrer wenigen erhaltenen Dokumente. Die ersten Einwanderer gaben sich äusserlich als Katholiken. Sie besuchten die Kirche, Hessen ihre Kinder taufen und wurden, wie es heisst, auf dem katholischen Friedhof beerdigt. Sie kamen, zumal seit 1601, nachdem Philipp III. den Marranen die Auswanderung gestaltet hatte, aus Flandern. „Framengo" (Vläme) galt noch in jüngster Zeit den Hamburger Portugiesen soviel als „Nichtjude". Zahlreiche Familien stammen aus Italien. Ja, die angeblich von Titus mit nach Rom geführten Dajjan, De Rossi, Naar, Galego [Umani (Hörnern)] finden wir hier vertreten. Besonders rege waren die Beziehungen zu der etwa gleichaltrigen Niederlassung in Amsterdam. Bis in das achtzehnte Jahrhundert setzen sich die Belege für unmittelbaren Zuzug aus der alten Heimat, der pyrenäischen Halbinsel, fort. Der Senat wusste die Bedeutung der Ansiedler für Hamburgs Handel von Anfang an zu schätzen und zollt ihnen bei jeder Gelegenheit die gebührende Anerkennung. Den Handel mit Spanien und Portugal brachten sie vermöge ihrer Beziehungen zu den dort zurückgebliebenen Glaubensgenossen zu hoher Blüte, sie importierten zuerst den Zucker aus den Kolonien, gaben dem Handel mit ostindischen Kattunen und den sogenannten holländischen Waren einen neuen Aufschwung und monopolisierten fast die Tabakindustrie. Frühzeitig werden portugiesische Juden als Makler vereidigt, vereinzelt begegnen sie uns als Schiffbauer und Kunsthandwerker. Einzelne Aerzte und Gelehrte in ihrer Mitte genossen in den weitesten Kreisen ein hohes Ansehen. So der berühmte Arzt Rodrigo de Castro. Er war 1594 nach Hamburg gekommen und hatte kurze Zeit darauf während der Pest sich derart um das allgemeine Wohl verdient gemacht, dass ihm der Sena+ „wegen der allhier viele Jahre geleisteten treuen Dienste und Aufwartungen" ausnahmsweise gestattete, sein Haus auf seinen Namen eintragen zu lassen, was den Juden sonst verwehrt war. Seine ärztliche Hilfe nahmen auch hohe Herren ausserhalb Hamburgs in Anspruch, wie der König von Dänemark, der Landgraf von Hessen und der Erzbischot von Bremen, welch letzterer den Portugiesen freies Geleit durch sein Gebiet gewährte — für die Förderung ihres Binnenhandels ein wichtiges Moment. Rodrigo's praktische Erfolge wie sein Rut als medizinischer Schriftsteller forderten den Brotneid eines judenfeindlichen Fachgenossen zu einer Schmähschrift gegen die jüdischen Aerzte heraus, die aber wohlweislich erst nach de Castro's Tode das Licht der Welt erblickte. Auch im Kreise seiner Glaubensbrüder behauptete der treffliche Mann eine führende Rolle. Er starb 1629 und liegt unter seinem hebräischen Namen David Nahmias auf dem Altonaer Friedhof bestattet. Seine beiden Israel, das Lamm unter den Wölfen, von einem Engel beschirmt. Altonaer Friedhof. Aus: Grunwald, M., Portugiesengräl>er.

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