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Ost und West · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. Seite 533 - 534

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Journal
Ost und West
Volume
2 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Portugiesengräber auf deutscher Erde
Date
1902-08-01
Page
Seite 533 - 534 (sequence 4)
Language
German
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533 Dr. Max Gnmwald: Portugiesengräber auf deutscher Erde. 534 dem äusseren Glanz war auch bald das innere Gedeihen der Gemeinde dahin. Immer härter werden die Massregeln der Behörde, welche sich dem Widerstände der Geistlichkeit und der Bürgerschaft nicht immer gewachsen zeigte. Von der alten Herrlichkeit war schon gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts nur noch ein spärlicher Schimmer geblieben. Von der verschwundenen Pracht redet aber heut noch ein deutliches Zeugnis der Friedhof in Altona. Dort, auf dem Gebiete der von jeher duldsamen Könige von Dänemark, hatte man die Toten bestatten müssen. Vor allem sind es die Bilder auf den Grabsteinen, die durch den Gegenstand wie die Ausführung überraschen. Wir finden da in Anspielung auf die Namen der Verstorbenen mitunter ganze Szenen aus der biblischen Geschichte vorgeführt, selbst an Motiven aus den späteren jüdischen Schriften fehlt es nicht. Auch aus dem Bilderkreis der Antike und der Renaissance wird geschöpft, einmal sogar der Totentanz dargestellt. Besondere Beachtung verdienen die Wappen der Familien, welche, wie in Amsterdam , London und •Glückstadt, auch hier die Steine zieren, so das Wappen der de Castro mit Turm und Hand und dem Spruch: „ Castrum etforiitudo mea Dens" („Meine Burg und Festigkeit ist Gott", vergl. Jerem. 16, 19), das Wappen Altonaer Friedhof. der Aboab (Haus oder Festung mit Kanone und Banner) u. a m. Bestimmte Anhaltspunkte sprechen die Ausführung jüdischen Künstlern zu. Als eine Zweiggemeinde der Hamburger stellt sich die der Portugiesen in Glückstadt dar. Um den Handel von Hamburg nach Dänemark abzulenken, lud Christian IV. im Jahre 1622 portugiesische Juden aus verschiedenen Gemeinden zur Niederlassung in dieser seiner neuen Gründung ein. Seinem Rufe folgen vor allem einige Hamburger Familien. Sie erhalten völlige Gleichstellung mit den anderen Bürgern; sie treiben Schiffahrt und erhebliche Industrie, sodass ein zeitgenössischer Chronist ihnen nachrühmen darf, ihnen verdanke Glückstadt seinen Wohlstand. Allein die Ungunst der äusseren Umstände bereitete der Gemeinde ein frühes Ende. Auch in dem benachbarten Altona hatten 1703 dreizehn Hamburger Familien eine eigene Gemeinde gegründet. Sie hat jedoch nie einen nennenswerten Aufschwung genommen. 1887 wurde sie aufgelöst. Glänzend waren die Bedingungen, unter denen Emden 1649 einige portugiesische Familien aufnahm. Märchenhaft klingt der Bericht über das erste Eintreffen der Marranen in Emden, wie sie, vom Sturm dahin verschlagen, durch einen Gänsebraten auf die Fährte eines Juden geführt werden, der sie alsdann zur Gründung der Amsterdamer Gemeinde veranlasst. Märchenhaft erscheinen uns heute aber auch die Privilegien, mit denen dieEmdener, frei von jedem Vorurteil, ihre Juden ausstatten. Grabstein. A Zeu^n auch von dem Dasein dieser Aus: Gnmwald, M., Portugiesengräber. Portugiesen nur ein paar Leichensteine, — in jenen Privilegien, wie in denen, welche dänische Duldsamkeit den Juden bewilligt hat, hat sich der Geist einer Epoche ein unvergängliches Denkmal gesetzt, die zwar Jahrhunderte hinter uns liegt, aber doch, wenn man gewisse Anzeichen nicht allzu rosig deutet, der unseren weit voraus gewesen ist.

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