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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-22 · Heft 47 (22.11.1846) · page 10

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 47 (22.11.1846)
Date
1846-11-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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198 und hiermit es wiedrrholentlich thue, für die Beibehaltung der Beschncivung sogar schon aus medicinischrn Rücksichten und aus Anhänglichkeit an das, noch einzig übrig gebliebene alte Band des Zudkuthums eifrig sprechen und thätig sein, allein den angedrohtcn religiösen und moralischen Zwang-muß man von vornherein adweisrn und rer Gewissensfreiheit, wenn eS nöthig ist, selbst jene medicinischen religiös, gemüthlichen Rücksichten sofvr zum Opfer zu bringen bereit sein. Wir Deutsche, die wir uns noch in so vielen Staaten mit der leidigen Aussicht auf politische Emancipation zu trösten haben, brauchen zu dieser unerträglichen Last eines unrechtmäßigen, unwahren und gekränkten Zustandes nicht noch den Druck einer fanatisch schwärmenden Polizeibehörde «ms uns zu ladeu. Ist eine religiöse Freiheit doch auch eine. Ein Blick auf den religiösen Zustand unsrer politisch cmancipirten Brnrer im Westen lehrt uns übrigens, daß sie es mit der religiösen Emancipation nicht ganz so strenge nehmen, wie wir, die politisch Beschränkten r'm Osten; vielleicht ist es der Beruf des deutschen Juvcnthums. den Mangel der Emancipation durch rine strenge Wachsamkeit sür den Schutz der religiösen Freiheit zu eotgelten. Dieses Bewußtsein kann dem Reformverein den Trost — wenn er überhaupt dessen bedürfte — geben für die vielen Angriffe und Verdächtigungen, die er bisher mit unerschütterlicher Ruhe hinnahm. Wir haben es bereits anderswo nachzuweisen gesucht, wie gehaltlos die ihm zur Last gelegten Beschuldigungen find, als gehe er darauf aus. das Juventhum nicht fortzuentwikkeln, sondern zu vernichten, als wähle er hierzu die Abschaffung der Blschneidung als das passendste Mittel und als würde er zu d esrm Verfahren von dem Motiv der Emancipation bestimmt. Vielen möchte der letztere Umstand kaum als Beschuldigung gelten, wenn sic nicht wisse»., das man sich nicht entblövete, das Streben nach Emancipation dem sich von jeher auch die edelsten Kräfte in Begeisterung für Humanität weideten, mit dem leidigen Ringen nach materiellen Vortheilen zu identisiciren und durch eine solche grobe Verdächtigung jenes heiligen Kampfes für gekränktes Menschenrecht, auch auf die Tendenz und das Motiv des Rcsormverems einen Schatten zu werfen glauibe. Noch lehrt ein flüchtiger vergleichender Rückblick auf die beiden hier in Meinungskampf feindlich einander gegenübergetretene Parteien, die der Orthovoren unv Rtz^jtirten, daß sich dabei eine Erscheinung kleiner wiederholt, welche, in der Geschichte der religiös.» Streitigkeiten im Großen so oft sich gezeigt hat; nämlich daß, während die bisher herrschende Satzung von einer compacten theologischen Autoritätsmasse vertheioigt wird, die für Wahrheit. Toleranz und Fortschritt das Wort ergreifenden Gegner nur eine kleine Schaar von Anhängern aus den verschiedensten Ständen und Klassen, worunter bisher nur ein Theologe ex proke§80 und ein Rabbiner mit einbegriffen ist, während di» übrigen dem Stande der Rechtsgelehrten, Pädagogen, Aerzten, Philosophen und Kaufleute angehörcn, kurz, so recht, wie es in der Schrift heißt: „allerlei Volk, das dem Herrn wohlgefällig bilden. Wir können, zum Schluffe angelangt, das Endresultat voran» stehender Diskussion etwa in eine Doppelfrage zusammenraffen, die sich folgendermaßen formulircn lassen kann: W.rv der endliche Sieg in diesem Streite auf der Seite unserer vorwärts schreitenden Zeit, oder des unbelebten alten jüdischen Carimonials verbleiben? Wir schließen, mit der Hoffnung, daß die Antwort auf diese Alternative zu Gunsten des Fortschrittes von der Alles entscheidenden Zeit zur Zeit gegeben wcrven wird. Für den Litcraturfrcund folge hier nock die chronologisch geordnete Zusammenstellung aller bisher über die Beschneidungsfrage veröffentlichten und dem Vers, zu Gesicht gekommenen polemischen Schriften und Artikel in Zeitschriften, nach dem Prinzip ihrer Tendenz eingetheilt. I. Für den Reform-Verein: Frankfurter Journal 1843, Beil, vom 7. Juli zu Nr. 177 und 188. (Th. Creuzenach?) vr. G. Rießer, Erklärung, datirt aus Hamburg vom 1. Arr» gust 1843 (vrgl. Orient IV. Jahrg. Nr. 3 t.) Stimme über Beschneidung, von vr. Bergson, vom21.August 1843 (vrgl. Orient IV. Jahrg. Nr. 36.) I. Programm, zu einer Erklärung deutscher Israeliten, Freunden religiöser Reform im Juvcnthume zur Beherzigung vorgelegt. II. Erklärung und II. Einladungsschreiben, datirt auS Frankfurt a. M. im Aug. 18 i3 (vrgl. Orient IV. Jahrgang Nr. 39.) Von vr. Golvfchmidt. Bar Amit Hai, über die Befchueidung in historischer und dogmatischer Hinsicht. Frankfurt 1843. Be.iträge zur Beschneidungsfrage (vrgl. zur Judenfrage in Deutschland. Von vr. Wilhelm Freund. Vierte Lieferung, Berlin 1843. S. 21 I. u. ff.) Von vr. Freund. ' vr. I. Bergson, die Beschncivung vom historischen, kritischen unv medicinischen Standpunkt. Berlin 1844. vr. Samuel Holdheim, über die Beschncivung, zunächst in religiös-dogmatischer Beziehung. Schwerin 1844. M. A. Stern, offene Briefe über den Reform-Verein (vrgl. Israel, d. 19. Jahch. von vr. M. Heß V. Jahrg. Nr. 22-26.) vr. I. Aub, Briefe über das Juventhum (Lit.. Blatt des Or. 1844. Nr. 13 u. 14.)

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